Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 481 f.

Dünenbefestigung. Die Aufgaben der D. bieten sich aus Anlaß des Bahnbaus in besonders umfangreichem Maße in dem Schutzgebiet Deutsch - Südwestafrika, wo bei der Südbahn Lüderitzbucht - Keetmanshoop eine 7 km lange Strecke, von km 19 - 26 ab Lüderitzbucht, im Gebiete der Wanderdünen zu durchfahren war. Alle Versuche, diese Dünenstrecke durch eine andere Linienführung zu umgehen, erwiesen sieh als erfolglos. Es bleibt daher nur übrig, die von dem Winde fast ständig aus Südsüdwest herangewehten Sandmassen, unter Bereitstellung zahlreicher Arbeitskräfte, von dem Gleise fortzuschaffen, um dieses für den Betrieb freizuhalten. Früher hatte man sogar den Plan erwogen, die ganze Strecke unter Aufwendung beträchtlicher Mittel in einem langen Tunnelbau zu unterfahren; der Ausführung dieses kostspieligen Plans wurde aber nicht nähergetreten, weil man hofft, die Aufwendungen für die erfolgreiche Bekämpfung der Wanderdünen durch geeignete Maßnahmen mit der Zeit auf ein immer niedrigeres Maß herabzudrücken. Es wurde auch der Versuch gemacht, an Stelle der langsamen und kostspieligen Handarbeit auf mechanischem Wege, mittels einer Sandsauge- und Druckeinrichtung, ähnlich dem Verfahren bei unserer heimischen Druckluft -Reinigung, die dem Bahnkörper sich drohend nähernden Dünenmassen in einer Rohrleitung auf die andere Seite des Bahnkörpers hinüberzuschaffen; dabei wurde eine Lokomotive zu Hilfe genommen, die den Dampf zum Antrieb des Motors lieferte; auch konnte man hierbei die sturmfreien Zeiten zur Arbeit ausnutzen. Diese Sandsaugeeinrichtung hat sich indessen nicht bewährt, ihre Leistungsfähigkeit ließ erheblich zu wünschen, und man ist zur früheren Methode der Beseitigung der Sandmassen durch schwarze Arbeiter zurückgekehrt. Daneben werden die Versuche zur D. fortgesetzt. - Bei der Bekämpfung der Dünengefahr handelt es sich darum, entweder die der Bahn sich nähernden Sandmassen in Flugsand aufzulösen und durch Aufstellung düsenartiger Zäune, trichterartiger oder keilförmiger Leitwände zu zerteilen und an solche Stellen der Bahn hinzuleiten, wo sie ohne Gefahr für den Betrieb vom Winde selbst über die Bahn gefördert werden, oder, wenn dies nicht durchführbar ist, die Sandmassen luvwärts der Bahn durch geeignete Mittel, Bestecken oder Bepflanzen oder Bedecken mit Matten, vor dem Bahnkörper auf- und dauernd festzuhalten. Auch kommt in Frage, ob es nicht gelingt, durch Bildung einer Vordüne von ausreichender Höhe dem Wandern der Sandmassen Einhalt zu tun. Weiter wurde vorgeschlagen, den von den Dünen gebildeten unregelmäßigen Höhenzug durch Aufrichtung und Höhertreiben einzelner Zäune an den erforderlichen Stellen auf eine möglichst gleichmäßige Kronenhöhe zu bringen, so daß sich in etwa 200 m Abstand vor dem Bahnkörper ein hoher regelmäßiger Schutzwall bildet; der lose hinüberwehende Sand würde sich dann im Windschatten des Walles ablagern und den Zwischenraum bis zum Gleis, glazisartig abfallend, allmählich ausfüllen. Vor den Bretterzäunen, die in den betreffenden Lücken aufgerichtet werden, lagert sich infolge des Windes alsbald Sand ab, und durch Hochziehen der Zäune hat man es in der Hand, die etwa vorhandenen Einsattelungen im Höhenzuge der Dänen auszufüllen und Unregelmäßigkeiten auszugleichen. Das weitere Mittel, die, Bahn im Dünengebiet höher zu legen, ist nur in beschränktem Umfange durchführbar und verspricht, von den hohen Kosten abgesehen, nur unter günstigen Bedingungen einen Erfolg. Um Bahneinschnitte vor der Gefahr der Verwehung zu schützen, hat man insbesondere die leeseitigen Einschnittsböschungen abzuflachen versucht. Bei den in Deutsch - Südwestafrika über eine Reihe von Jahren fortgeführten Bestrebungen zur Bekämpfung, der Wanderdünen an der Südbahn sind die Versuche die Dänen durch Bestecken oder Bepflanzen auf der Windseite vor der Bahn festzulegen, infolge der dortigen großen Trockenheit des Bodens last ganz erfolglos geblieben. Es gelang nicht, auf den vom Wind nicht geschützten Flächen Pflanzenwuchs zu ziehen. Auch die Schaffung einer Vordüne war nicht durchführbar. Die einfachste und wohlfeilste Abhilfe besteht, wie sich nunmehr herausgestellt hat, darin, daß die der Bahn sich auf etwa 100 m Abstand nähernden Dünen durch Bedecken mit Matten oder Bahnen aus Jute (Packleinwand) auf ihrer dem Winde zugekehrten, abgeflachten Seite am Fortwandern verhindert werden. Durch allmähliches, stückweises Freimachen einzelner schmaler, quer zur Windrichtung liegender Streifen werden dann, vom Scheitel der Düne beginnend, einzelne Teile der Düne dem Winde jeweils preisgegeben, so daß dessen Kraft die Sandmassen auflöst und unschädlich über das Gleis hinwegführt. Auf diese Weise kann man einzelne Dünen nach Bedarf stückweise vom Winde selbst zerstören lassen und unschädlich über die Bahn hinwegleiten. Die Methode gewährt, anscheinend bei guter Wirtschaftlichkeit, volle Sicherheit gegen Sandverwehungen und Betriebsstörungen, wenn sie in genügend großem Umfange und mit Umsicht durchgeführt wird. Gegenwärtig sind bereits etwa 100 000 qm Dünenfläche in dieser Weise mit Jutematten abgedeckt, und es ist geplant, alle Dünen, die sich der Bahn nähern, nach und nach in gleicher Weise einzudecken und zu behandeln.

Baltzer.