Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 482 f.

Düngung, künstliche Zufuhr humusbildender Substanzen und der wichtigsten mineralischen Pflanzennährstoffe: Stickstoff, Phosphorsäure, Kali, bisweilen auch Kalk, seltener Magnesia, wo diese Stoffe im Ackerboden entweder von vornherein in ungenügender Menge vorhanden oder ihm durch die Kultur oder durch natürliche Auswaschung entzogen worden sind. Zweck der D. ist entweder Ersatz fehlender Nährstoffe ("Ersatzdüngung") oder Zufuhr weiterer Nährstoffmengen zur Steigerung des Ertrags und die Erhöhung der Rentabilität der Kulturen ("Produktionsdüngung"). Sie gehört ebenso wie eine geregelte Fruchtfolge zu den unerläßlichen Attributen jedes rationellen und intensiven Ackerbaubetriebes. Art und Stärke einer D. haben sich zu richten nach: 1. dem Nährstoffvorrat des Bodens; 2. dem Nährstoffverbrauch der Vorfrucht; 3. dem Düngerbedarf der anzubauenden Frucht; 4. dem Liebigschen Gesetz vom Minimum; 5. der physikalischen Beschaffenheit des Ackerbodens in Krume und Untergrund und der Tiefe der Krume; 6. der Beschaffenheit der Düngemittel und ihrem Gehalt an Pflanzennährstoffen; 7. der Ausnutzungsfähigkeit der einzelnen Düngemittel durch die verschiedenen Gewächse. Der Feststellung des Düngerbedürfnisses einer Kulturpflanze hat diejenige ihres Nährstoffbedürfnisses vorauszugehen. Beide Fragen sind für die tropischen Kulturgewächse erst in verhältnismäßig wenigen Fällen (z.B. Kaffee, Tabak, Zuckerrohr und Kakao) gelöst worden. -Man unterscheidet zwischen natürlicher D., d.h. Einbringung von Stallmist verschiedener Haustiere, insbesondere des Klauenviehs, und "Kunstdüngung", d.h. der Verwendung gewisser, die oben erwähnten Nährstoffe enthaltenden Salze ("Kunstdünger"). Beide schließen einander keineswegs aus. Eine besondere Form der "natürlichen" D. besteht im Einackern krautiger Leguminosen: "Gründüngung" (s.d.). Die wichtigsten Kunstdünger sind: für Stickstoffdüngung: Chilesalpeter (salpetersaures Natron) und Ammoniumsulfat; für Phosphorsäuredüngung: Superphosphat und Thomasmehl; für Stickstoff und Phosphorsäure: Guano, Knochenmehl; für Kalidüngung die in Deutschland, vornehmlich in der Gegend von Staßfurt gewonnenen Salze, wie Chlorkalium, Kaliumsulfat, Kainit usw.; für Kalkung kohlensaurer Kalk und Ätzkalk (Näheres bei Lemmermann). - In den deutschen Kolonien wird vorläufig D. noch wenig angewendet, weder im Pflanzungsbetrieb noch bei den Eingeborenen (s. Ackerbau und Wirtschaft der Eingeborenen). Stallmistdüngung verbietet sich in weiten Gebieten der tropischen Kolonien wegen der Unmöglichkeit der Viehhaltung (Seuchen, Tsetsefliege) von selbst. Bis auf weiteres ist man daher im wesentlichen auf Kunstdüngung angewiesen. Um diese in Aufnahme zu bringen und um gleichzeitig das Nährstoff- und Düngerbedürfnis der wichtigsten kolonialen Kulturpflanzen zu ermitteln, werden durch die Kolonialverwaltung seit 1911 in allen tropischen Kolonien Düngungsversuche auf breiterer Grundlage ausgeführt. Die Ergebnisse werden seit 1913 in zwangloser Folge unter dem Titel: "Düngungsversuche in den deutschen Kolonien" vom Reichs-Kolonialamt herausgegeben (gratis zu beziehen).

Literatur: u. a. Heinrich, Dünger und Düngen, 4. Aufl., Berlin. - Lemmermann, Düngerlehre, Leipzig 1901. - v. Rümker, Grundfragen der Düngung, 2. Aufl., Berl. 1907. - Ehrenberg, Praktische Winke zur Düngerlehre, Berl. 1908. - Mitscherlich, Bodenkunde, 2. Aufl. - Speziell die Tropen betreffend zahlreiche Aufsätze im "Tropenpflanzer", in den Veröffentlichungen des Kalisyndikats G.m.b.H. in Berl. und in fremdländischen Zeitschriften über tropische Landwirtschaft.

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