Dernburg, Bernhard, Staatssekretär a. D., Dr. h. c., geb. 17.
Juli 1865 in Darmstadt, besuchte erst die humanistische Schule, erhielt
dann eine kaufmännische Ausbildung, vorzugsweise in den Vereinigten
Staaten
von Amerika. 1890/1901 war er Direktor der Deutschen Treuhand-
Gesellschaft,
1901/06 Direktor der Darmstädter Bank in Berlin. Am 5. Sept. 1906 wurde
D. unter Ernennung zum Wirkl. Geh. Rat zum stellvertretenden Direktor der
Kolonialabteilung ernannt. Aus Anlaß von
Angriffen gegen Kolonialbeamte kam
es zwischen D. und dem Zentrum zu heftigen Zusammenstößen im RT., die
Ablehnung
einer Truppenforderung für Südwestafrika führte zur Auflösung des RT.
Nachdem
der neugewählte RT. der Errichtung eines Reichs-Kolonialamts zugestimmt
hatte, wurde D. am 17. Mai 1907 zum Staatssekretär dieses Amts ernannt.
Er bereiste 1907 Deutsch-
Ostafrika,
1908 Deutsch-Südwestafrika und die
benachbarten
englischen Kolonien, 1909 zum Studium der
Baumwollfrage die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Tätigkeit D.s
wirkte
besonders fördernd auf die wirtschaftliche Entwicklung der Schutzgebiete.
U.a. wurde unter seiner Leitung ein großzügiges Eisenbahnprogramm für die
afrikanischen Kolonien zur Durchführung gebracht. Durch Reden, Denkschriften und Vorträge D.s wurde die
Kenntnis
der wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Schutzgebiete verbreitet und dadurch das
Interesse
besonders auch der kaufmännischen Kreise belebt, das sich in vermehrten
Kapitalanlagen zeigte. Weiter wurde
von D. nach Auffindung der Diamanten in
Südwestafrika die Regelung jener
schwierigen Verhältnisse durchgeführt (s. Diamantengesetzgebung), die
allerdings
von manchen Seiten angefochten wurde und unter D.s Nachfolgern den
veränderten
Umständen entsprechende Abänderungen erfuhr. Die Verhältnisse der
Kolonialbeamten
erfuhren unter D. eine durchgreifende Neuregelung. Am 9. Juni 1910 wurde
D. auf seinen Antrag der Abschied aus dem Reichsdienst erteilt. 1913 wurde
er als Mitglied des Herrenhauses berufen. Folgende Vorträge D.s sind
veröffentlicht:
Zielpunkte des Kolonialwesens, Berl. 1907; Koloniale Finanzprobleme, Berl.
1907; Koloniale Lehrjahre, Berl. 1907; Koloniale Erziehung, München 1907;
Südwestafrikanische Eindrücke, 1909; Baumwollfragen, 1910.