Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 298

Desinfektion, im allgemeinen die Unschädlichmachung krankheitserregender Organismen "außerhalb" der Gewebe des menschlichen Körpers. Durch die Abtötung dieser Lebewesen soll dem Übertragen der Krankheiten von einem auf das andere Individuum entgegengewirkt werden. Für die D. in Betracht kommen alle Gegenstände, welche im Verdacht stehen, mit derartigen Keimen behaftet zu sein. Die D. kann durch Hitze und chemische Mittel erfolgen. Für die Wahl der einzelnen Methoden ist die Widerstandsfähigkeit der in Betracht kommenden Mikroorganismen und die Rücksichtnahme auf Schonung des Desinfektionsgutes bestimmend. Die sicherste D. ist die durch Hitze, welche durch Ausglühen, Verbrennen, Kochen in Wasser, Aussetzen der Wirkung trockener heißer Luft (150°) oder strömenden Wasserdampfes erfolgen kann. Auch das Trinkwasser wird am sichersten durch Abkochen von lebenden Infektionskeimen befreit. Für hitzeempfindliche Gegenstände (z.B. Bücher, Lederwaren u. dgl.) kommt hauptsächlich die D. durch reinen Wasserdampf oder Formaldehydwasserdampf bei niedriger Temperatur im Vakuum in Betracht. Die Zahl der chemischen Mittel, welche im Laufe der Zeit von Fabrikanten und Händlern für Desinfektionszwecke angeboten wurden, ist eine außerordentlich große. Bewährt hat sich jedoch nur ein verhältnismäßig kleiner Teil derselben, so verschiedene Phenol- und Kresolpräparate, Quecksilberchlorid (Sublimat), Formaldehyd (als Formalin in flüssiger Form oder in Dampfform), Chlorkalk. In neuerer Zeit unterscheidet man von dieser allgemeinen "äußeren" D. noch eine sog. "innere" D., deren Wesen darin besteht, durch geeignete Mittel die Krankheitserreger im lebenden Organismus abzutöten, ohne diesen selbst zu schädigen. Eine solche innere D. ist z.B. das Abtöten von Malariaparasiten im menschlichen Organismus durch Chinin (s.d.) oder die Vernichtung der Erreger des Rückfallfiebers und der Syphilis (Rekurrens- bzw. Luesspirochäten) durch Salvarsan (s.d.).

Literatur: Th. Weil, Handbuch der Hygiene. Jena 1900, Bd. IX. - Rubner, Lehrb. d. Hygiene, 8. Aufl. Lpz. u. Wien 1907.

Giemsa.