Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 357 ff.

Deutsch-Ostafrika. 1. Lage und Grenzen. 2. Bodengestaltung. 3. Gewässer. 4. Klima. 5. Natürliche Einteilung. 6. Pflanzenwelt. 7. Tierwelt. 8. Eingeborenenbevölkerung. 9. Bevölkerungsstatistik. 10. Eingeborenenproduktion. 11. Europäische Unternehmungen. 12. Handel. 13. Verkehrswesen. 14. Geld- und Bankwesen. 15. Verwaltung und Rechtspflege. 16. Kirchen-, Missions- und Schulwesen. 17. Geschichte. (Finanzwesen s. Finanzen.)

Karten

1. Lage und Grenzen. D.-O. liegt ganz innerhalb der natürlichen Grenzen des geographischen Begriffs Ostafrika (s.d.). Über mehr als 4000 km erstreckt sich Ostafrika von Norden nach Süden, und das in einem von Westen nach Osten im Durchschnitt 1000 km breiten Streifen. Etwa ein Viertel dieses Gebietes in seiner vollen ostwestlichen Erstreckung nimmt D.-O. ein, vom Kongobecken zum Indischen Ozean reichend. Der Ozean greift zwischen Massaua und Mozambique nirgends so weit nach W ins Land vor wie bei Sadani (s.d.) in D.-O. Die äußersten Punkte von D.-O. liegen im W am Russisi (s.d.) unter 28° 38' 5" ö. L. v. Gr., im S im Rowuma (s.d.) etwa 49' 7'', im O beim Kap Delgado unter 40° bei 11° 47', im N unter 0° 59' 2'' s. Br. auf einer kleinen Halbinsel an der Westküste des Victoriasees; sonst reicht hier D-.O. nur bis auf 1° s. Br. nach Norden. - Die Lage am Rand einer großen geschlossenen Landmasse, die in diesen Breiten von Osten her trotz des Mangels an größeren Küstenebenen und weit hinein schiffbaren Flüssen noch am wenigsten schwer zugänglich ist, hat diese mittleren Teile Ostafrikas besonders nahe mit dem Indischen Ozean verknüpft. Dazu trägt auch bei, daß heute die nordwärts angrenzende Somalihalbinsel und ihr südwestliches Hinterland eine fast wüstenartige Sperre nach dem Golf von Aden und dem Roten Meer hin bildet. Und ebenso bedingt die vorherrschende östliche Windrichtung eine Reihe besonders enger Beziehungen zwischen Ozean und Land. Sie zeigen sich in der Menge, ebenso in der Verteilung der Niederschläge über das Jahr, weiter in uralten Einwanderungen einzelner Elemente der Flora, vielen ethnischen und kulturellen Einflüssen in der Richtung der Handelswege. So dauerte es lange, bis die von Europa ausstrahlende Anziehungskraft den mächtigen Einfluß des Nächstliegenden wenigstens vorläufig besiegte. D.-O. ist unsere größte Kolonie. Die neueste amtliche Angabe der Fläche: 997 000 qkm, einschließlich unserer Anteile am Kiwu, Tanganjika und Victoriasee, dürfte sich, auch auf Grund eingehenderer Aufnahmen, nicht mehr erheblich ändern. Denn durch viele Grenzexpeditionen liegt fast die gesamte Binnengrenze des Landes ziemlich genau fest, am wenigsten noch das Land am Rowuma, von dessen Knie bis zu einer Stelle 50 km oberhalb der Mündung, sowie die Küsten des Tanganjika. Die Gestade des Indischen Ozeans sind durch Küstenvermessung meist auch in den Einzelheiten genau aufgenommen. Von diesem leidlich gut bekannten Rahmen werden freilich noch viele Landesteile umschlossen, deren topographisches Bild kaum in groben Zügen bekannt ist. Abgesehen von einem manchmal bis 50 km breiten Streifen längs der mit einem Dreiecksnetz bedeckten Grenzen sind eigentlich bisher nur Ost- und Westusambara, ihr südliches Vorland bis über den Pangani hinaus, ganz schmale Zonen längs der Eisenbahnen, die Umgebung einiger größerer Orte, sowie einige wenige Pflanzungsareale nach heimischen Begriffen genau aufgenommen. Im übrigen ist das topographische Bild auch dieser Kolonie durch Routenaufnahmen (s.d.), die nur zum kleinsten Teil durch Dreiecksmessungen und astronomische Beobachtungen gefestigt sind, gewonnen worden. Trotzdem sind die hiernach bearbeiteten, meist amtlichen Karten von ganz D.-O. in 1:300000, 1:1 Mill., 1:2 Mill. und 1:6 Mill. sehr wertvoll und brauchbar. In den Artikeln dieses Lexikons über die einzelnen Landschaften D.-O.s und seine Verwaltungsbezirke finden sich zahlreiche neue Flächenangaben. Die Messungen sind auf den gesamten Karten, hauptsächlich auf der in 1:1 Mill. meist mit Polarplanimeter ausgeführt worden. Mögen sie auch oft nur rohe Annäherungen an die wirklichen Flächen bedeuten, so sind sie doch reinen Schätzungen vorzuziehen. Die politischen Grenzen von D.-O. fallen - im Gegensatz zu denen unserer meisten anderen Kolonien - in bedeutender Ausdehnung mit natürlichen zusammen. Das gilt besonders für die Grenze längs der im zentralafrikanischen Graben gelegenen Seebecken. Hier haben wir manche der Vorteile, die sonst die Abgrenzung durch ein Meer bietet. Bemerkenswert ist es, daß z.B. der Verkehr der deutschen Küstengebiete am Tanganjika sich so gut wie ausschließlich auf dem Wasserweg abspielt, ähnlich wie längs dem Indischen Ozean. Die politische Grenzlinie verläuft in der Mitte des Tanganjika; für den Kiwusee besteht seit dem Abkommen zwischen Belgien und dem Deutschen Reich vom 2. Aug. 1910 eine ähnliche Abgrenzung, wenn auch dort leider die in der Mitte des Sees gelegene große Insel Idschwi entgegen den früheren faktischen Besitzverhältnissen Belgien zuerkannt wurde. Nur am Njassa verläuft die Grenze unmittelbar am östlichen, deutschen Ufer. Ein Fluß ist an und für sich keine gute natürliche Grenze. Wenn der Rowamalauf trotzdem eine leidliche geographische Abgrenzung gegen Süden hin bedeutet, so liegt das kaum daran, daß er Hochflächen im Norden von solchen im Süden trennt und nur auf geringe Erstreckung hin schiffbar ist. Aber in wenig kultivierten Gegenden wirkt ein Fluß leichter als Grenze, und hier kommen andere menschliche Einflüsse hinzu. Eine scharfe Grenze ist der Rowuma erst dadurch geworden, daß nördlich von ihm Zucht und Ordnung, südlich äußerst verworrene Zustände (s. Rowuma) herrschen. Westlich vom oben erwähnten Rowumaknie geht die Grenze ziemlich geradlinig ostwestlich zum Njassa herüber; gleichartig verläuft sie südlich der untersten 50 km des Rowumalaufs. - Die Nordgrenze von D.-O. ist bisher nur zum kleineren Teil endgültig vertraglich festgelegt. Bis zum Gipfel des Vulkans Sabinjo reicht vom Kiwu her die endgültig vereinbarte deutsch-belgische Grenze. Von hier ist bis zum Indischen Ozean England unser Nachbar. Aber nur die Grenze vom Meer bis zum Kilimandscharo ist bisher völlig gesichert, im übrigen sind nur Verträge veröffentlicht, die den Grenzverlauf in großen Zügen bestimmend noch kleinere Änderung erfahren dürften. Quer durch den Victoriasee und ein großes Stück über ihn nach Westen hinaus bildet im wesentlichen der erste Parallel s. Br. die Grenze. Vom Ostufer des Sees verläuft sie geradlinig bis zu einem am Nordfuß des Kilimandscharo vertragsmäßig festgelegten Punkte. Der genannte Berg ist deutsch; südöstlich von ihm fällt das Gebiet von Taveta auf die britische Seite. Zwischen dem Djipesee (s.d.) und dem Indischen Ozean erstreckt sich ein weiteres gerades Grenzstück. - Dieser Verlauf, besonders zwischen dem Victoriasee und dem Meer ist gelegentlich als sehr unnatürlich und unhaltbar bezeichnet worden. Bei näherer Betrachtung erscheint er nicht so ungeeignet. Das Gebiet der Umbasteppe, zwischen Meer und Kilimandscharo kann ebenso wie das zwischen diesem Berg und dem Nordende des großen Natronsees, des Magad, als eine Grenzwildnis angesehen werden, die vermutlich stets geringen Wert besitzen wird. Etwas aussichtsvoller für die Kultur erscheint das Gebiet zwischen Magad und Victoriasee. Dort wäre eine natürlichere Abgrenzung wünschenswert. - Daß von den der Meeresküste vorgelagerten drei größeren Inseln nur die kleinste, Mafia, zu D.-O. gehört, die beiden anderen, Sansibar und Pemba, britisches "Zanzibar Protectorate" durch den Sansibarvertrag (s.d.) verblieben, mußte als eine unnatürliche und wirtschaftlich sehr ungünstige Abgrenzung bezeichnet werden. Immerhin wird die Gunst der beherrschenden Schwellenlage Sansibars (s.d.) etwas gemindert durch den für die Großschiffahrt wenig geeigneten Hafen. Die energische wirtschaftliche Entwicklung von D.-O., insbesondere der Bau von Bahnen, hat dazu geführt, daß der wirtschaftliche Einfluß Sansibars auf die Küste immer mehr zurückgeht (vgl. Daressalam).

2. Bodengestaltung. Einer der ausgeprägtesten Züge Afrikas ist der Mangel an Gliederung derjenigen Größenordnungen, wie sie etwa in den südeuropäischen Halbinseln und in deren größeren Gliedern hervortreten. Eine feinere Gliederung dagegen fehlt manchen Teilen der afrikanischen Küsten keineswegs; und zumal in D.-O. ist sie gut entwickelt: so daß hier eine größere Anzahl brauchbarer Häfen zu finden ist. Ihr Vorkommen erklärt sich zum großen Teil aus der jüngsten geologischen Geschichte des Landes (s. unten und Creek sowie Tafel 35, 36, 141, 187); es bedeutet einen besonders günstigen Umstand für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie (s. Daressalam, Kilwa-Kissiwani, Lindi, Mikindani, Tanga und auch Mombasa). Wenn so die horizontalen Formen den Eintritt in das Gebiet erleichtern, setzen ihm die vertikalen meist ziemlich bald gewisse Schranken. Ganz Afrika, besonders aber die südliche dreieckige Hälfte, zu der unser Gebiet gehört, hat steile Abfälle der Hochländer gegen meist schmale Küstensäume. Mit diesen Formen hängen die zahlreichen küstennahen und darum so verkehrsfeindlichen Wasserfälle der Flüsse (s. Tafel 38) dieser Gebiete zusammen. Es sind große Bruchzonen, die die äußeren Umrisse des Kontinents und die erwähnte Eigenart der vertikalen Gliederung bedingen. - Gerade in D.-O. tritt der uralte Festlandskern des Gondwanalandes (s.d.) weithin zutage. Seit dem Archaikum ist der größte Teil von D.-O. nicht mehr vom Meer bedeckt worden. Im Verlauf jener ältesten Periode und dem älteren Paläozoikum war auch hier die Erdkruste zu Hochgebirgen zusammengeschoben worden. Dieser Vorgang erstreckte sich ostwärts nicht mit gleicher Intensität bis in die Zone, die heute vom Usambara-, Pare-, Ulugurugebirge usw. (s.u.) eingenommen wird. Denn die Schichten dieser Gneishorste zeigen meist (s. Schollenland) geringe Störungen, abgesehen von Verwerfungen, meist Einfallen etwa nach Osten, selten über 30°. Zugleich mit der Faltung im heutigen Innern vollzogen sich gewaltige Tiefenergüsse, die zu Granit (s. Tafel 196) erstarrten. Tätigkeit von Wasser, Luft, Wärme und von Organismen im Verein hat dann im Lauf einer enorm langen Festlandsperiode die Gebirgsformen eingeebnet. Heute hegen statt des Gebirges im Innern Ostafrikas weite ziemlich ebene Flächen (s. Tafel 37), die die steil einfallenden, oft fast senkrechten Urgneisschichten quer abschneiden. Deren Streichen ist sehr häufig WNW-OSO bei steilem und südlichem Fallen; aber oft ist es auch ganz anders. Die Beobachtungen sind noch viel zu spärlich und ungleichmäßig verteilt, um einen sicheren Überblick über diese Erscheinung zu erlauben. - Ganz allmählich vollzieht sich der Übergang aus dem Gneis- in das Granitland. Gut 3/5 der Oberfläche von D.-O. bestehen aus Gneis und Granit und ihren lockeren Verwitterungsprodukten. - Von jener großen Auffaltung wurden auch Schichten betroffen, die jünger als der Gneis dem älteren Paläozoikum angehören dürften. Freilich sind aus diesen steil stehenden Tonschiefern des Livingstonegebirges (s.d.) und seiner Nachbarschaft, aus den intensiv zusammengekneteten Eisenquarzitschiefern (Itabiriten) des Gebietes südlich und östlich vom Victoriasee (s.d. und Ikoma, Usindscha, Ussukuma) und aus dem kleinen, noch wenig geklärten Vorkommen am Pindirobach (zum Mbemkuru, s.d., von N), 20 km von der Küste des Indischen Ozeans, bisher keine Versteinerungen bekannt. In der ganzen Folgezeit bis heute sind die Formen von D.-O. nicht wieder von Faltungen verändert worden. Nur sehr flach gewölbte Verbiegungen, ganz besonders aber Brüche und Bewegungen der Schollen an ihnen haben das Vorhandene und neu Hinzutretendes umgebaut. So weicht die Lagerung aller Schichten, die jünger sind als jenes ältere Paläozoikum, wenig von der horizontalen ab. Hierher gehören zunächst jüngere paläozoische und altmesozoische Ablagerungen, soweit sich das nach den spärlichen Versteinerungen feststellen läßt; sie treten meist als Quarzite, Tonschiefer und Sandsteine auf. Hierher gehört die Zwischenseenformation, die große Teile des Landes zwischen dem Victoriasee und dem zentralafrikanischen Graben einnimmt (s.d. und Zwischenseengebiet). In einigen Gegenden von D.-O., so am Njassa (s.d. und Konde) gehören diese Schichten der Karruformation (s.d.) an. Ferner treten Sandsteine dieses Alters mehrfach unmittelbar westlich von einer geraden Linie auf, die durch Amboni (s.d.) und die Panganifälle des Rufiji geht. - Fast nur östlich von dieser Linie und ihrer Verlängerung nach der Gegend von Ssongea, andererseits bis dicht zur Küste hin treten die jüngeren Schichtgesteine vom mittleren Jura bis ins Tertiär hinein auf, zum Teil durch reichliche Versteinerungen gut bestimmt. Das Gebiet der jüngeren Sedimente hat also innerhalb von D.-O. etwa dreieckigen Umriß, ist im Norden schmal (s. Tafel 38), im Süden ziemlich breit. Es sei im folgenden als sedimentäres Vorland von D.-O. bezeichnet, oder auch kurz als Vorland. Ältere Gesteine fehlen aber hier keineswegs, nur treten sie zurück. Im südlichen Vorland tritt viel Gneis auf (s. Tafel 37). Im Jura herrschen Kalke, Kalksandsteine und Mergel vor, sehr im Gegensatz zum kalkarmen Innern; die Schichten der Kreide bestehen meist aus Sandstein, während im Tertiär und im küstennahen Teil des Quartär wieder Kalke auftreten. Die ältesten in mariner Ausbildung bekannten Schichten dieser ganzen Reihe gehören zum unteren Dogger. Die weitere Entwicklung des Jura weist durch Meeresrückzug (Regression) hervorgerufene Lücken auf. Eine größere Festlandsperiode scheint etwa in der Mitte des Oberjura zu liegen; gegen das Ende dieser Periode tritt starke Transgression (Vorrücken des Meeres) ein. Die untere Kreide ist zunächst eine küstennahe Meeresablagerung. In ihr finden sich die Reste der Dinosaurier, deren ziemlich ausgebreitetes Vorkommen zuerst am Tendaguru (s.d.) aufgefunden wurde. - Entweder noch in die Zeit der unteren oder, nach anderen, in die der oberen Kreide fällt die Ablagerung der besonders zwischen Ungoni und der Küste weithin ausgedehnten, im wesentlichen terrestrischen Makondeschichten (s.d.), die vielleicht auf ein Wüstenklima hinweisen; es sind Sandsteine, zum Teil verkieselt, sandige Letten und Schiefertone. Wohl erst im Eozän, dann auch im Jungtertiär ereignen sich wieder Transgressionen, die allerdings nicht weit ins Festland eingreifen. Die entsprechenden Kalke und Mergel sind bisher nur aus dem Küstengebiet südlich von Kilwa bekannt, vermutlich durch eine Verwerfung von den westlich angrenzenden älteren Sedimenten getrennt. An Jura, Kreide und Tertiär schließt sich westwärts, auf weiten Strecken Steilküste bildend, ein Saum von Riffkalken quartären Alters (s. Tafel 35). Diese gelegentlich bis zu 12 m über den Meeresspiegel aufragenden Wände sind ein sehr augenfälliger Beweis für ganz jungen Meeresrückzug; aber für dieselbe Periode sind auch Bewegungen im entgegengesetzten Sinn festgestellt, für die ja auch die Creeks (s.d.) sprechen. Beobachtungen bei Mombasa (Britisch-Ostafrika) zeigen sogar, daß solche Schwankungen im Ausmaß von mehreren Metern sich noch seit Anfang des 16. Jahrh. vollzogen haben. - An der Küste und ebenso über weite Teile des Vorlandes (s.o.) sind deckenförmig Geröll- und Schuttmassen, Lehme und Sande ausgebreitet, die Mikidanischichten (s.d.). Sie entstammen zum großen Teil einer Pluvialperiode, d. i. einer Zeit, die sehr viel regenreicher war als die heutige. Sie dürfte das Pleistozän eingenommen haben, also zeitlich mit den nordischen Eiszeiten zusammenfallen. Deutliche Spuren einer gleichzeitigen Glazialperiode, in der die Schneegrenze etwa 600 m tiefer lag, die Gletscher 1000 m tiefer herabreichten, sind am Kilimandscharo (s.d. und Tafel 107) festgestellt. Wohl gegen Ende der Trias hatte sich östlich der heutigen Küste Ostafrikas, ihr etwa parallel, ein tiefes, langgestrecktes Meeresbecken gebildet. Madagaskar, das später nochmals mit Ostafrika zusammenhing, wurde erstmals abgetrennt. Das war der Anfang jener spätestens im mittleren Jura auf das heutige Ostafrika übergreifenden Bewegung, der ziemlich zahlreichen Wechsel von Senkungen und Hebungen des Landes. Wieder und wieder hat sich der Rand des Kontinents unter den Ozean hinabgebogen, um nach Bedeckung mit Sedimenten dem Land wieder angegliedert zu werden. Die sedimentären Schichten fallen im allgemeinen flach nach Osten ein; nur an dem alten, aus Urgestein bestehenden Festlandsrande zeigen sie gelegentlich steileres Fallen nach Osten, ein Zeichen für nachträgliche Aufwölbung jener Zone. Wiederholt scheinen die flexurartigen Verbiegungen sich so vollzogen zu haben, daß, während der östliche Teil unter den Meeresspiegel gesenkt wurde, der westwärts benachbarte Landstreifen ein wenig gehoben wurde, eine Art Schaukelbewegung. Bei diesen Vorgängen sind auch nicht selten Verwerfungen (s.d.) eingetreten, die N-S oder NNO-SSW streichen; meist ist der östliche Flügel abgesunken. Eine Begleiterscheinung dieser Bewegungen der Erdkruste war auch die Abtrennung der küstennahen Inseln. Unter ihnen nehmen die drei größeren des Sansibararchipels, Sansibar (s.d.), Pemba (s.d.) und Mafia (s.d.) dadurch eine besondere Stellung ein, daß sie einen jungtertiären Kern besitzen. Diesen bedecken lockere Schichten festländischer Herkunft, die Quarz- und Gneisgerölle enthalten und vermutlich altquartär sind. Erst nach dieser Zeit ist die Abtrennung dieser Inseln erfolgt. Die sehr zahlreichen kleineren Inseln bestehen durchweg aus Quartär, besonders dem erwähnten Riffkalk, und sind im Wechsel der jüngsten Hebungen und Senkungen entstanden. Ein auffallender Zug des sedimentären Vorlandes von D.-O. ist der Mangel an größeren, einigermaßen ebenen Flächen. Der Küste zunächst, oberhalb des erwähnten kleinen Steilhanges, erstreckt sich allerdings meist ein Streifen ebenen Landes. Aber er ist selten auch nur 10 km breit und meist in kleinen Abständen von steil eingeschnittenen Schluchten zerschnitten. Nur wo Flüsse münden, die im Urgesteinshochland wurzeln, finden sich gelegentlich etwas breitere Alluvialebenen, so besonders im Gebiet des Rufiji (s.d.), der das einzige größere Delta bildet. Hier zieht sich auch zu beiden Seiten des Flusses eine beim Beginn des Deltas 15 km breite, stromaufwärts sich verschmälernde Ebene bis auf etwa 150 km Entfernung von der Küste hin. Die Küstenebene an der Mündung des Wami (s.d.) ist ebenfalls etwas ausgedehnter. Viel weiter oberhalb haben die Anschwemmungen dieses Flußsystems den Grabeneinbruch zwischen dem Westhang Ulugurus und dem Steilrand von Ussagara und Nguru in die sog. Mkattaebene (s.d.) verwandelt. Im Unterlauf des Pangani (s.d.), mehr noch in dem des Rowuma (s.d.) finden wir auf dem Grunde eines steilwandigen tiefen Tales eine vom Fluß geschaffene Alluvialebene, in die er sein jüngstes Bett eingegraben hat. - Das sedimentäre Vorland in seiner Gesamtheit ist ein hügeliges und bergiges Land mit einer großen Mannigfaltigkeit der Formen; die höchsten Erhebungen finden sich im Süden. Abgesehen von dem allmählichen Übergang in das Ursteingebiet der Gegend von Ssongea, liegen diese Höhen der Küste verhältnismäßig nahe: es ist die Zone der Plateaureste und Plateaulandschaften, die mit Usaramo (s.d.) oder erst mit Matumbi (s.d. 1) im N beginnend nach S weit über den Rowuma reicht. Südlich von Kilwa erhebt sich das Kreideplateau der Muera zu 850 m, das Makondehochland zu 790 m Meereshöhe. Jenseits des schroffen Westabfalls dieser Plateaus, einer Schichtstufenlandschaft, ragen aus etwa 350 m hohem ebenem Land einzelne der aus Gneis bestehenden Inselberge (s.d. und Tafel 37), steil aufragende, nackte Felsmassen, sogar zu über 900 m Mh. empor. Sie verdanken ihr Bestehen der besonders großen Widerstandsfähigkeit ihres Gesteins gegen Verwitterung und Abtragung; fluviative Erosion hat in ihrer Entstehungsgeschichte, die ziemlich verwickelt und noch umstritten ist, wohl die Hauptrolle gespielt. Im Dondeland (s.d.) steigen flache Höhenrücken bis zu etwa 700 m auf. - Die weiten, welligen Flächen des Hochlandes von D.-O., so z. B. die von Unjamwesi (s.d.), dürften sich im Verlauf ihrer Entstehung aus einem Gebirgsland (s.o.) allmählich dem Niveau des Meeresspiegels auf geringen Abstand genähert haben; seine heutige Höhe von durchschnittlich fast 1500 m verdankt das Urgesteinsland jungem Wiederaufleben älterer Krustenbewegungen, die es über das Vorland bedeutend emporhoben. Diese Vorgänge sind ebenso wie die Ausbildung der großen Bruchsysteme im Innern des Hochlandes in der Hauptsache tertiären, zum Teil wohl erheblich jüngeren Alters. Das läßt sich in erster Linie aus den außerordentlich steilen, jugendlichen Formen vieler dieser Brüche schließen, ferner u.a. aus der Unfertigkeit der heutigen Entwässerung (vgl. 3. Gewässer, ferner Ostafrikanische Bruchstufe und Usambara). Eine Möglichkeit, die Zeit der Brüche und der mit ihnen oft eng verknüpften jungvulkanischen Vorgänge (s.u.) genauer zu bestimmen, wird sich vielleicht durch die Verfolgung der neuen Säugetierfunde von Olduwai (s.d.) ergeben, die zumeist ins Pleistozän gehören dürften. Auch die neuen Funde im Osten des Victoriasees auf britischem Boden (Säuger und nichtmarine Mollusken des untern Miozän) werden wohl die Lösung dieser Fragen beeinflussen. Die durchschnittliche Richtung der ostafrikanischen Brüche ist etwa nordsüdlich, doch kommen alle Übergänge bis zu ostwestlicher vor. Man hat versucht, die Linien in zwei Hauptsystemen, einem NNW-SSO streichenden, dem erythräischen (Richtung des Roten Meeres), und einem NNO - SSW streichenden, dem Somalisystem, unterzubringen, ohne daß dadurch die umbildenden Vorgänge bisher dem Verständnis näher gebracht worden wären. Doch kann kein Zweifel sein, daß diese Brüche des Innern in irgendeinem ursächlichen Zusammenhang mit den Bewegungen stehen, die sich während der Entstehung des Vorlandes an jenem zeigten. Der Gedanke an eine große Zerrungserscheinung, die durch den allmählichen Einbruch des Indischen Ozeans hervorgerufen wurde, liegt nahe. Freilich ist der Vorgang, wie gerade die Geschichte des Vorlandes zeigt, zum mindesten sehr verwickelt. - Die Bruchlinien und ihre Verknüpfung mit jungvulkanischen Massen sind ein sehr auffallender Zug in den Formen Ostafrikas; das gilt ganz besonders für das paarweise Auftreten ausgedehnter, einander annähernd paralleler Brüche und Bruchsysteme, zwischen denen sich ein Graben (s. Schollenland) gebildet hat. Die Gräben werden zum großen Teil von Seebecken ausgefüllt. So liegen der Tanganjika und Kiwu im Zentralafrikanischen Graben (s.d.). Ein anderes gewaltiges System derart, der große Ostafrikanische Graben (s.d.), berührt, von Norden kommend, nur gerade noch das Gebiet von D.-O. Seine westliche Wand dagegen setzt sich als Ostafrikanische Bruchstufe (s.d. und Tafel 159), mit anderen Brüchen kombiniert, bis etwas über Kilimatinde hinaus fort. In beiden Grabensystemen herrscht zwar die Nordsüdrichtung vor. Es treten aber sehr starke Abweichungen auf. Etwa NO-SW-Richtung haben die Brüche, die westlich von der Ostafrikanischen Bruchstufe den Njarasa und den Hohenlohegraben einschließen (s. diese). - Systeme nordsüdlicher Brüche prägen dem Gestade des südwestlichen Victoriasees und dem benachbarten Hochland ihren Stempel auf. Der im übrigen sich etwa von Norden nach Süden erstreckende Graben des Njassasees (s.d. und Tafel 115) schwenkt in dem vom Nordende des Sees eingenommenen Stück in nordwestlicher Richtung ein und wird in seiner Fortsetzung von dem Rukwasee (s.d.) eingenommen. Von diesem Graben zweigt sich der in mancher Hinsicht noch unklare des Großen Ruaha rechtwinklig nach Nordosten ab; er ist vermutlich viel älter wie die meisten anderen Gräben Ostafrikas. Da wo die beiden letztgenannten Gräben zusammenstoßen, sind mächtige jungvulkanische Massen der Erdkruste entquollen, die Hohlform ausfüllend und überwallend. Dies Vulkangebiet von Ober-Konde, das im Rungwe mit 3175 m gipfelt, war vielleicht noch vor 1000 Jahren tätig. - Eine ähnliche Lage besitzen die zum Teil noch heute tätigen Virunga (s.d.), die im Karissimbi 4460 m erreichen. Sie sperren den Zentralafrikanischen Graben nördlich des Kiwu ab. Auch das ausgedehnteste Vorkommen jungvulkanischer Massen in D.-O., das sich vom Kilimandscharo (s.d.) und Meru (s.d.) westwärts insgesamt über mehr als 300 km bis weit über die Ostafrikanische Bruchstufe hinaus erstreckt, liegt quer zur Richtung der Bruchstufe. Es besteht aus Vulkanbergen und vulkanischen Decken, schließt den Njarasa und den Hohenlohegraben nach Nordosten zu völlig ab. Der Kilimandscharo (s. Tafel 107), der mit 6010 m der höchste Berg Afrikas ist, und der noch tätige Meru (4630 m, s. Tafel 141) bilden den Ostflügel dieser Vulkangegend. Ihr Gebiet ist nach S durch Brüche begrenzt. Nordwestlich vom Meru, am Fuß der Bruchstufe liegt der ebenfalls leicht tätige Oldoinjo Lengai (s.d.). Während hier nicht weniger als 30000 qkm jungvulkanischen Landes zu D.-O. gehören, treten weiter südwärts in der Nachbarschaft der Bruchstufe nur noch vereinzelte jungvulkanische Bildungen auf, wie z.B. der Hanang (s.d.) mit 3402 m. Der Beginn der Entstehung all der genannten Vulkangebiete fällt ins Tertiär, ebenso wie die der Gräben. Doch mag die erste Anlage einiger dieser Senken älter sein, was z.B. für den Tanganjikagraben gelten dürfte. An der Ostgrenze des zentralen Hochlandes haben die großen Störungen, Brüche und zum Teil wohl auch Flexuren, hauptsächlich zwei Formentypen geschaffen. Die einen Urgesteinsschollen brechen mit einseitigem Steilabfall nach O und SO hin ab; ihre höchsten Teile liegen dem Rand benachbart, die Abdachung nach Westen ist viel sanfter. Hierher gehören Nguru, Ussagara, Uhehe (s.d.). Andere Schollen dagegen sind fast allseitig von Brüchen umgebene Horste (s. Schollenland). Derartige Formen größeren Ausmaßes sind von Norden nach Süden: das Paregebirge (s. Pare), die beiden Usambara (s.d.), getrennt durch den Luengeragraben, und Uluguru (s.d.). Zweifelhaft ist in dieser Hinsicht die Stellung der noch ganz wenig untersuchten Gneisscholle von Upogoro (s.d.). Eine Art südlicher Fortsetzung der vorgenannten Schollen bilden auch die Hochländer von Ubena (s.d.) und Ungoni (s.d.); ihnen fehlen aber ausgeprägte randliche Steilhänge. Die meisten dieser Gebilde haben eine vorwiegend nordsüdliche Längserstreckung, entsprechend der Richtung derjenigen Brüche, die am meisten zur Entstehung der Formen beigetragen haben. In ihrer Gesamtheit allerdings ordnen sich die genannten Schollen etwa von Nordnordosten nach Südsüdwesten an, d.h. eben an der Grenze des kristallinen Gebietes gegen das sedimentäre Vorland. Dies Grenzgebiet ist also keineswegs eine einheitliche Mauer. In seiner Gesamtheit wird es auch Ostafrikanisches Randgebirge (s.d.) genannt. In den Horsten und in den von Brüchen begrenzten Rändern, auch in denen des Zentralafrikanischen und des Njassagrabens, steigt das altkristalline Land bis über 2000 m auf: in Usambara, Uluguru und Uhehe erreicht es 2300, 2650, 2500, östlich des Kiwu 2800, im Livingstone-Gebirge (s.d.) am Njassa 2933, im Longido (s. Kilimandscharo) 2620 m. Die durchschnittliche Höhe der meist welligen und hügeligen zentralen Flächen des Hochlandes ist etwa 1200 bis 1300 m. Auch die weit nach Nordosten vorgeschobene Hochfläche der Massaisteppe mit ihren Inselbergen dürfte diese Durchschnittshöhe haben. Im Gegensatz zum übrigen Hochland ist dieser Teil nicht ostwärts durch eine Bruchstufe begrenzt, sondern steht durch einen Abstieg in breiter Pforte, zwischen Usambara und Nguru, mit dem Vorland in Verbindung. - Abgesehen von den Gegenden der Bruchstufen, der Landstufen und der jungvulkanischen Bildungen tritt anstehendes Gestein in D.-O. verhältnismäßig selten zutage. In weiten Gebieten ist das Felsgerüst bis zu Tiefen von 30 m, vielleicht sogar bis zum doppelten Betrag, unter der heutigen Oberfläche verwittert. Zur Bildung eines so mächtigen Eluviums (s.d.) sind lange Zeiträume nötig; der Beginn der Entstehung der Massen, die die unzertalten Hochflächen des Innern bedecken, liegt wohl im frühen Tertiär. Nach Flächenausdehnung und Tiefe tritt diese Erscheinung in den Tropen viel stärker als in andern Zonen auf. Gelbe bis ziegelrote bis schokoladenfarbene Töne hat diese Roterde (s. Rotlehm) der Tropen. Zu ihrer Entstehung wirken zusammen die sehr reichliche Durchfeuchtung des Bodens - zum mindesten während der einen Hälfte des Jahres - bei hoher Temperatur, die Armut der Tropen an Humus und auch der verhältnismäßig hohe Gehalt des Regenwassers an salpetriger Säure. Häufig ist die Roterde zu Laterit (s.d.) umgebildet. - Die Eluvialböden sind zum großen Teil recht fruchtbar, übertreffen darin viele umgelagerte Böden, also alluviale, zumal wo diese sandig ausgebildet sind. Als sehr ergiebig erweisen sich nicht selten dunklere Alluvionen längs der Wasserläufe.

3. Gewässer. In den zahlreichen Stromschnellen und Wasserfällen, in allerhand auffallenden Richtungsänderungen, im Vorkommen abflußloser Gebiete zeigt sich das jugendlich Unfertige der Entwässerung von D.-O. (S. Tafel 38. Die Angaben über den im allgemeinen sehr geringen Wert der Flüsse als Wasserwege in den Artikeln über die einzelnen. Ebenso die Angaben über die Seen und die Schiffahrt auf ihnen in Einzelartikeln.) Das Hochland schließt zwei größere abflußlose Gebiete ein, das des Rukwasees und das zu beiden Seiten der Ostafrikanischen Bruchstufe. Dies letztere zerfällt wieder in vieleteils große, teils sehr kleine Becken, die aneinander grenzen, ohne daß ihre Entwässerung zusammenhängt. Die wichtigsten sind das Gebiet des Wembäre- Njarasa, des Bubu, Lawa ja Mweri, des Magad und der Massaisteppe (s.d.). Von ganz fern her greift die atlantische und mittelmeerische Abdachung in das Hochland ein. Die erstere hat sich dank der geringen Meereshöhe des dem Kongo tributären Tanganjika (sein Spiegel liegt in 785 m Höhe) große Teile des zentralen Hochlandes erobert. Der vielfach gewundene Mlagarassi (s.d.) mit seinen trägen Nebenflüssen, vor allem der ihn an Länge erheblich übertreffenden Ugala (s.d.), greift merkwürdig weit nach Osten, noch stärker gegen das Südufer des Victoriasees vor. Der Russisi (s.d.) führt dem Tanganjika die Gewässer des Kiwu zu. Des letzteren hoher Ostrand läßt hier die mittelmeerische Wasserscheide mit den Quellen des wasserreichen Kagera (s.d.) weit nach Westen vordringen. Auch nach Osten greift der Victoriasee mit einigen Zuflüssen ziemlich weit gegen den Ostafrikanischen Graben vor; deren bedeutendster ist der Mara (s.d.). - Alles übrige Land, etwa die Hälfte von D.-O., wird zum Indischen Ozean entwässert. Trotz der tiefen Lage seines Spiegels, 477 m, gehört zum Njassa, der durch den Schire (s.d.) in den Sambesi (s.d) abfließt, nur ein ganz kleiner Teil dieses Gebietes. Allzu scharf ist der Njassagraben durch die aufgewulsteten Hochlandsränder von der Umgebung abgetrennt. Entsprechend der Ausdehnung des sedimentären Vorlandes sind die zum Indischen Ozean gehenden Flüsse im Süden D.-O.s länger als im Norden. Der Größe nach geordnet sind die vier längsten Flüsse: Rowuma (der Ludjende-Rowuma ist etwa ebenso lang), Ruhudje-Kilombero-Rufiji, Kinjasungwi- Mukondokwa-Mkata-Wami und Lumi-Pangani. Den Wassermengen nach, über die wir leider noch sehr wenig Genaues wissen, dürfte der Wami erst an vierter Stelle stehen. Auffallend ist der Parallelismus in der Richtung des Rowuma und der nordwärts benachbarten nur im Vorland wurzelnden Mbemkuru und Matandu. Sie entspricht wohl der einstigen Abdachungsrichtung, die die Flächen besaßen, als sie zur Kreidezeit über den Meeresspiegel auftauchten. Von kleineren Küstenflüssen sind noch nennenswert: der Kingani und der Umba, beide von Gneishorsten herabkommend. In den Artikeln dieses Lexikons, die die einzelnen Flüsse behandeln, finden sich viele neue Angaben über die Flußlängen. Sie entsprechen Messungen, die meist der Karte in 1:300000 (s.o.), wo möglich solchen größeren Maßstabes ausgeführt wurden. Die Wasserführung der Flüsse D.-O.s ist sehr ungleichmäßig. Zunächst zeigt sie scharf die jährliche Periode, die sich aus den folgenden klimatischen Angaben ergibt. Ein paar Wochen vor Schluß der Regenzeit und am Ende der Trockenzeit sind im Durchschnitt die Gegensätze am größten. Bei weitem der größere Teil des Flußnetzes von D.-O. trocknet in jedem Jahre aus; so hat z.B. von den Flüssen, die sich auf deutschem Boden von Osten in den Victoriasee ergießen, einzig der Mara das ganze Jahr über Wasser. Aber auch der Einfluß unperiodischer Witterungsschwankungen ist recht stark. Ein einziger großer Regen kann zu gewaltigem Anschwellen führen. Fällt die Regenzeit einmal zum größten Teil aus, so sind selbst die wenigen bedeutenderen Flüsse fast wasserlos. Hiermit muß jede Benutzung der von Schnellen und Fällen freien Teile des Rowuma, Rufiji, Pangani und Kagera rechnen.

4. Klima. (S. die meteorologischen Tabellen am Schluß von 4, das Kärtchen der Niederschläge und das der Gesundheitsverhältnisse.) Während D.-O. bis auf 1° Breitenunterschied an den mathematischen Äquator heranreicht, ist es mit seiner Nordgrenze etwa 14° vom thermischen entfernt. An der Grenze Ostafrikas, gegen den Sudan und am Roten Meer, kommen sehr viele höhere, mittlere und maximale Temperaturen vor als in D.-O. Da die Sonnenstrahlung die wichtigste Ursache der atmosphärischen Zirkulation ist, seien in der folgenden Tabelle die Daten der senkrechten Sonnenstände, damit zugleich die der Tag- und Nachtgleichen des Herbstes und des Frühlings, gegeben für Breiten der Nord- und Südgrenze von D.-O., ferner für die von Moschi, Tanga, Daressalam und Kilwa:

Da diese Punkte sämtlich auf der Südhalbkugel liegen, ist für sie gleichmäßig der 22. Juni der Tag des niedrigsten Sonnenstandes. Hinter dem Vorgang der Strahlung bleiben seine verschiedenen Wirkungen meist erheblich zurück (z.B . ist bei uns der Juli und nicht der Juni der wärmste Monat). Für D.-O. ist der Juli so gut wie allgemein der am wenigsten warme Monat. - Auch der Dezember und Januar haben für unser Gebiet nicht nur insofern eine Bedeutung, als in ihnen der zeitliche Mittelpunkt der Erwärmung der großen dreieckigen Südhälfte Afrikas liegt. Zwar erhält der Äquator die großen täglichen Wärmemengen durch Strahlung an dem Tag, wo die Sonne durch seinen Zenit geht und ihm zugleich möglichst nahe steht, also am 21. März (etwas weniger am 23. Sept.). Aber schon wenn wir etwa 10° s. Br. überschreiten, übertrifft die Wärmemenge, die der längste Tag der Südhalbkugel, der 22. Dez., liefert, diejenige der beiden Tage mit den senkrechten Sonnenständen. Mit dem Stand der Sonne verschiebt sich das Gebiet stärkster aufsteigender Luftströme und stetigen niederen Luftdrucks, damit die große Doppelzirkulation der Passate samt den Hochdruckgebieten an ihren äußeren Grenzen, gegen die gemäßigten Klimate hin. Mit dem Jahresweg der Sonne wandern auch die höchsten Temperaturen, mit ihr der Eintritt der Wärmeregen, die für den Gürtel zwischen den Wendekreisen so charakteristisch sind. Mit dem täglichen Lauf der Sonne verschieben sich die beiden täglichen Maxima und Minima des Barometerstandes. Auch in D.-O. haben wir überall diese so auffällig regelmäßig täglich wiederkehrenden Bewegungen des Luftdrucks, die - von seltenen Fällen abgesehen - das Barometer für die Wettervoraussage ungeeignet machen. Zwischen 9a und 10a Ortszeit, im Innern etwas später als an der Küste, tritt der höchste, etwa um 4p der niedrigste Luftdruck des Tages ein, der Unterschied zwischen beiden beträgt an der Küste im Jahresmittel rund 2,6 mm; daneben tritt ein zweites Maximum zwischen 10 p und 11 p, ein zweites Minimum um 3a auf, mit einem Unterschied von rund 0,9 mm. Damit bleibt die tägliche hinter der jährlichen Schwankung erheblich zurück. Letztere erreicht an der Küste durchschnittlich etwa 5 mm. Der Februar oder März ist hier im allgemeinen der Monat des niedrigsten mit etwa 758 mm, der Juli oder August der des höchsten Luftdrucks mit etwa 763 mm. Je nach der zeitlichen Lage der Tage höchster Sonnenstände zu den Perioden stärkster Erwärmung und Luftauflockerung kann man in D.- O. drei klimatische Gebiete unterscheiden. Wie für ganz D.-O. der 22. Juni der kürzeste Tag mit dem niedrigsten Sonnenstande ist, haben alle drei Gebiete als wenigst warmen Monat im Durchschnitt den Juli, seltener den Juni oder August. Das ganze Süddreieck Afrikas hat vom Juni ab Winter. Ein Band hohen Luftdrucks zieht sich von Ozean zu Ozean entlang dem Wendekreis des Steinbocks durch den Kontinent. Nördlich davon weht der Südostpassat; freilich wird dieser Ast der großen Luftzirkulation, besonders nördlich des Kanals von Mozambique, derartig gefördert durch das kontinentale Gebiet niederen Luftdrucks über dem stark erhitzten Sudan und der Sahara, daß es fraglich wird, ob man ihn als einen eigentlichen Passat zu bezeichnen hat. - Diese Zeit des Südostpassats von Ende Mai bis Anfang November ist für D.-O. im allgemeinen die trockenere Zeit oder auch eine strenge Trockenzeit, zugleich die kühle oder weniger warme Zeit. Nur im äußersten Nordosten der Kolonie, von Pangani an der Küste nordwärts und in Usambara, hat der Juli eine Regenzeit, die dritte dieses Gebiets nach Dauer, Ergiebigkeit und zeitlicher Stellung. Es sind Steigungsregen, die die an der Luvseite der Erhebungen, insbesondere von Usambara, zum Aufsteigen plötzlich gezwungene, weil sich schnell bewegende Passatluftströmung abgibt. Der Umstand, daß im Juli das Land im Vergleich zum benachbarten Meer hier schon ziemlich abgekühlt ist, befördert die Kondensationsmöglichkeit. - Dies Land mit den drei Regenzeiten ist ein Teilgebiet des durch zwei Regenzeiten gekennzeichneten weiteren Nordostens von D.-O. Er ist die eine der drei klimatischen Provinzen des Landes. Seine Begrenzung bildet eine Linie, die etwa längs dem Rufiji bis zu dessen Panganifällen verläuft, sich dann durch die Mkata-Senke (s.d.) und an der W-Grenze von Nguru hinzieht, weiterhin westlich ausgreifend das Gebiet des Kilimandscharo und Meru noch umfaßt und unter 37° ö. L. in Britisch-Ostafrika eintritt. - Schon Anfang Oktober hat dies Gebiet seine höchsten Sonnenstände, damit beginnt die sommerliche Erhitzung. Der bis dahin herrschende Südostwind wird durch den Nordostmonsun abgelöst. In der Übergangszeit weht bald dieser bald jener. Im Wechsel der wenig heftigen Winde können sich die durch die Erhitzung hervorgerufenen aufsteigenden Luftströme am besten entfalten. Sie sind es, die im November und Dezember für ein bis anderthalb Monate die erste, die "kleine" Regenzeit bringen; sie ist nach Dauer und Menge die zweite. Obwohl also nicht der Monsun selbst die Regen hervorruft, wollen wir doch dieses Gebiet als das des Monsunklimas von D.-O. bezeichnen, was durch den weiteren, im folgenden dargelegten Einfluß des Windes noch annehmbarer wird. Der Nordost- Monsun, der besonders kräftig im Januar und Februar weht, vermittelt den Zusammenhang zwischen asiatischer und afrikanischer Luftdruckverteilung. Zur Zeit seiner vollen Entwicklung bedeutet er ein Strömen der Luft von dem kontinentalsten und stärksten Hochdruckgebiet der Erde, dem winterlichen Zentralasien, über den Indischen Ozean hin zu dem Gebiet niederen Luftdrucks über dem südlichen Afrika. Im Januar und Februar läßt diese kräftige Luftströmung im Nordosten von D.-O. nur wenig Niederschläge aufkommen; so kann sich in diesen Monaten die höchste Wärme des Jahres entwickeln. Einer der beiden Monate ist der wärmste des Jahres, obwohl der senkrechte Sonnenstand erst wieder Anfang März eintritt. Alsdann wird wiederum die Ausbildung starken Aufsteigens der Luft begünstigt durch Nachlassen und Wechsel der großen horizontalen Luftströmungen; während des Übergangs vom Nordostmonsun zum Südostpassat spielt sich die große Regenzeit ab, die zwei, in manchen Jahren fast drei Monate in der Folge des März bis Mai umfaßt. Die fortschreitende Abkühlung des Gebietes, das immer stärkere Wehen des Passats bringen schließlich die regenarme, kühle Jahreszeit. Die Gabelung der Regenzeit in eine kleine und eine große ist nicht in jedem Jahr im ganzen Gebiet des Monsunklimas sehr deutlich, zumal gegen die Grenzen hin. Nennen wir erst Monate, die unter 30 mm Regen haben, Trockenmonate, so fehlen solche in einem großen Teil des Monsungebiets völlig. - Nach Obigem tritt das jährliche Temperaturmaximum unseres Monsungebiets mit ein- bis zweimonatlicher Verspätung nach der Sommersonnenwende (der Südhalbkugel), das Minimum ebenso lange nach der Wintersonnenwende ein (vgl. oben die noch etwas größere Verspätung des Minimums und Maximums des Luftdrucks); beide Vorgänge folgen sich ebenso in den größten Teilen Europas; man hat deshalb gesagt, daß das Monsungebiet D.-O.s den europäischen Typus der jährlichen Wärmekurve habe. Freilich ist im übrigen der Unterschied groß genug; vor allem ist die für die organische Natur so ungemein bedeutungsvolle jährliche Temperaturschwankung, d. h. die Differenz der Temperaturen des wärmsten und kühlsten Monats auch in dem Monsungebiet D.-O.s durchaus tropisch gering; sie beträgt hier durchschnittlich an der Küste zwischen 4° und 5°, im benachbarten Innern etwa 1° mehr. Die mittlere Jahrestemperatur an der Küste ist knapp 25 1/2°, das Januarmittel etwa 27 1/2°, das des Juli etwa 23° (s. die Tabellen). Der Hauptgrund der geringen Schwankung liegt natürlich in den wenig großen Unterschieden zwischen den Sonnenhöhen und den Tageslängen der verschiedenen Jahreszeiten. Überall wird in D.-O. die jährliche von der mittleren täglichen Schwankung der Temperatur, der Differenz zwischen dem Mittel der täglichen Maxima und dem der Minima, erheblich übertroffen. Während sie unmittelbar an der Küste, von Tanga bis Daressalam, etwa 7° beträgt, steigt sie weiter südlich, mehr noch landeinwärts, bis über 12°. Sowohl die niedrigsten als auch die höchsten je in D.-O. beobachteten Einzeltemperaturen gehören dem Binnenland an (s. die Tabellen; auch aus den besonders heißen mittleren Gebieten des Vorlandes ist bisher keine Temperatur von 40° bekannt geworden). Das entspricht verhältnismäßig kühlen Nächten, und an sie knüpft der Satz an: Die Nacht ist der Winter der Tropen. Sehr viel bessere Geltung hat für mehr als neun Zehntel von D.-O.: Die Trockenzeit ist der Winter der Tropen. Das zweite klimatische Gebiet, das größte, schließt sich an das des Monsunklimas nach Süden und Westen zu an. Seine Grenze verläuft vom Tanganjika (s.d.) her etwa dem 4° s. Br. entlang, aber die Küste bis Udjidji ausschließend, zuletzt nö. auf den Meru zu, wo sie sich mit der Binnengrenze des Monsunklimas trifft. - Schon gegen die Südgrenze des Monsungebiets haben sich die kleine und die große Regenzeit einander immer mehr genähert. An der Rufijimündung ist die Pause schon in manchem Jahr undeutlich; andererseits ist sie auch südlich der Klimagrenze, in Kilwa, selbst in Lindi noch gelegentlich erkennbar. Im allgemeinen aber haben wir keine Zweiteilung mehr, sondern eine Regenzeit, ein paar Wochen später beginnend als die "kleine" des Nordostens, etwa einen Monat früher endigend als die "große" jener Gegend. Das entspricht dem Umstand, daß hier im Süden zwischen den beiden Hochständen der Sonne ein im Maximum um zwei Monate kürzerer Zwischenraum liegt als im Norden von D.-O., daß die Periode größter Wärmezufuhr nicht durch einen Wärmerückgang unterbrochen wird, und daß das benachbarte, dauerhafte, aber nicht sehr tiefe Minimum, dessen Mittelpunkt etwa unter 20° s. Br. und 27° ö. L. liegt, seinen Einfluß ausübt. - Man hat dies Klima als Passatklima schlechthin bezeichnet; das ist kein völlig zutreffender Name. Wir sahen schon, daß der Südostpassat erheblich weiter nordwärts vordringt. Und die für das Gebiet so charakteristische eine Regenzeit spielt sich gerade nicht zur Zeit der Alleinherrschaft des Passats ab, sondern im Südsommer; dann überwiegt hier der Einfluß des kontinentalen, eben erwähnten Minimums. Andererseits wird im Nordsommer auch der über das südliche und innere D.-O. hinwehende Passat unterstützt durch die Lage des kontinentalen Gebiets niedrigen Luftdrucks über der Nordhälfte Afrikas. Man wird daher das Klima unseres Gebietes als kontinentales Passatklima bezeichnen. Diese Klimaprovinz hat eine sehr ausgeprägte Trockenzeit auch in ihren ans Meer grenzenden Teilen. Im Innern fällt oft monatelang kein Tropfen Regen. Selbst die regenreichen Gebiete am Nordnjassa haben einige Trockenmonate. Die kräftig entwickelten und andauernden Wärmeregen (nicht Zenitalregen !) unseres kontinentalen Passatklimas bewirken es, daß die Temperaturen über die Zeit der zenitalen Sonnenstände hinaus nicht weiter steigen können. Unmittelbar ehe die Regenzeit einsetzt, wird das Maximum der Jahrestemperatur erreicht. Es fällt meist in den November; seltener tritt es schon (z.B. in Tabora) im Oktober ein, an der Küste manchmal doch erst im Dezember oder gar im Januar (z.B. in Kilwa), durch Regenpausen bedingt. Geht im April unter dem Einfluß des wieder kräftig einsetzenden Südostpassats die Regenzeit zu Ende, so steht die Sonne schon so weit nördlich, daß es nicht mehr zu ganz hohen Temperaturen kommen kann. Das ist etwa dieselbe jährliche Wärmeverteilung, wie sie auch Vorderindien hat, der indische Temperaturgang. Die jährliche Schwankung ist hier zum Teil noch geringer als im Monsunklima, nur im höher gelegenen südwestlichen Binnenland kommen etwas höhere Werte vor, ohne daß irgendwo 7° erreicht wird. Die mittlere Jahrestemperatur der südlichen Küste beträgt fast 26°, der wärmste Monat hat etwa 28°, der wenigst warme etwa 24° (Temperaturen im Hochland s. unten und die Tabellen). Die tägliche Schwankung ist höher als im Monsunklima, im Südwinter recht beträchtlich. Ihr Jahresmittel beträgt an der Küste 7-10°, auf den Hochflächen des Innern steigt es auf 14°. - Der Nordostmonsun, dessen Mitwirkung beim Zustandekommen der Regenpause des Monsunklimas im Januar und Februar dargelegt wurde, drängt auch im angrenzenden Gebiet des kontinentalen Passatklimas den Südostpassat etwas zurück, nur kommt er hier nie zur Alleinherrschaft. Das kontinentale Passatklima dringt an der Küste nur bis 8° s. Br. vor, während es im Innern bis auf 4° s. Br. gelangt. Das erklärt sich dadurch, daß im Norden die entgegenwirkende Kraft des Nordostwindes durch den langen Weg, über Land allmählich nachläßt. Der Monsunstrom ist in D.- O. auch schwächer als der des Passats. Während die Höhe der als Monsun einherfließenden Luftmasse an der Küste gegen 2000 m beträgt, scheint die Passatschicht hier eine Mächtigkeit von gegen 5000 m zu erreichen. Auch die Lage des kontinentalen Minimums beeinflußt den Grenzverlauf des kontinentalen Passatklimas. Die Grenzen des dritten Gebiets, das den Victoriasee umgibt, also den Nordwesten der Kolonie einnimmt, sind durch die der beiden andern gegeben. Es schließt auch das Nordende des Tanganjika sowie den Kiwu, damit das ganze Zwischenseengebiet (ausgenommen den Südwestzipfel) ein. Der Äquator durchschneidet den Victoriasee etwa 25 km von dessen Nordufer. So können in diesem Gebiet die beiden Tag- und Nachtgleichen mit ihren zenitalen Sonnenständen zur Wirkung kommen. Es stellen sich also in der Regel zwei Temperaturmaxima im Jahre ein, das erste in einem der Monate Januar bis April, häufiger gegen das Ende dieser Reihe, das andere, bald ein wenig höher, bald ein wenig niedriger als das erstere, in einem der Monate August bis November, meist im Oktober. Die zwei dazwischen liegenden kühlsten Monate fallen in den Dezember bis März, meist in den Dezember, und in den Mai bis August, meist in einen der beiden letzten. Aber es kommt auch gelegentlich vor, daß andere als die angeführten Monate kühlste oder wärmste sind, ferner daß der Gang der Temperatur im Jahre drei höchste und drei niedrigste Werte aufweist. Und alle diese Zahlen weichen voneinander noch viel weniger ab, als in den anderen Teilen D.-O.s; die jährliche Schwankung beträgt oft noch nicht 11/2° , erreicht selten einmal 3°. Alle diese Erscheinungen sind durch die Nähe des Äquators bedingt. Man spricht deshalb von Äquatorialklima. Trotz vieler, oft wie zufälliger Abweichungen ist die Regel für den jährlichen Temperaturgang die, daß zwei wärmste Monate in der Umgebung der Tag- und Nachtgleichen, zwei kühlste in der Nähe der Sonnenwenden liegen. - Die mittlere Jahrestemperatur an der Süd- und Ostküste des Sees beträgt etwa 22°, das Mittel des wärmsten etwa 23°, des wenigst warmen 211/2°. Die Werte der Westküste sind jeweils um 2° niedriger (s. Victoriasee und die Tabellen). Das Jahresmittel der täglichen Schwankung liegt zwischen 61/2° in den regenreichen (Bukoba) und 15° in den regenarmen Gebieten (Schirati). - Im äquatorialen Gebiet gibt es im allgemeinen zwei Regenzeiten, die durch regenärmere getrennt sind. Zeitlich folgen die Regen den höchsten Temperaturen; sie unterdrücken wohl auch ein noch höheres Ansteigen der letzteren. Die ergiebigere Regenzeit fällt in die Monate März bis Mai. Am regenreichsten ist im Durchschnitt der April, im Süden z.B. in Usumbura oft der März, im Norden gelegentlich der Mai. Die Richtung der Verschiebung entspricht wieder der vorausgegangenen Wanderung des Sonnenstandes. Die kleinere Regenzeit liegt innerhalb der Monate Oktober bis Januar. Ähnlich wie im Monsungebiet ist sie ziemlich unsicher, sowohl nach der Zeit des Eintritts als nach Menge. Besonders am Ostufer des Sees bleibt sie häufig aus. - Die Regenpause liegt innerhalb der Monate Januar bis März, falls man überhaupt von einer solchen sprechen kann. An der Westküste, z.B. in Bukoba, läßt der Regen gewöhnlich nur ein wenig nach. Abgesehen von dieser Gegend ist die Trockenzeit sehr ausgeprägt, am meisten im Osten und Südosten des Gebietes, gegen die zentralen Hochländer der Kolonie hin (s.o.). Die trockensten Monate sind in der Regel Juni und Juli, auch August. Selten einmal treten im August oder September ziemlich erhebliche Niederschläge auf, so z.B. im östlichen Ukerewe. Die im Vorstehenden gegebene klimatische Einteilung beruht im wesentlichen auf den Eigenschaften der Verteilung der Temperaturen und der Regen über das Jahr. Hierbei wären also die absoluten Werte der Temperaturen und die absolute Menge der Niederschläge nicht berücksichtigt. Die Unterschiede der wirklichen Temperaturen an der Küste und im Hochland sind nicht so groß, daß Verteilung der Erscheinungen der organischen Natur durch sie grundlegend beeinflußt würde. Trotz mancher Unterschiede im einzelnen sind Pflanzen und Tierwelt des Vorlandes in einiger Entfernung von der Küste der des zentralen Hochlandes sehr ähnlich. Die zentralen Hochlandsflächen besitzen eine beträchtliche positive Anomalie, d.h. die Mitteltemperaturen sind dort, z.B. in Tabora, aber auch am Süd- und Ostufer des Victoriasees, z. B. in Muansa, etwa 3° zu hoch im Vergleich zur Küste, wenn man als normale Temperaturabnahme für 100 m Anstieg 0,5° annimmt. Tabora hat bei 1237 m Höhe eine mittlere Jahrestemperatur von 22,5° (s. Tabelle) statt von 19,1°. Gebirgige Teile des Innern, die die Hochfläche überragen, besonders auch die Gebirgsstöcke am Rand des Hochlands, wie z. B. die Gneishorste, sind dagegen umgekehrt zum Teil zu kühl. Kwai in Westusambara hat bei 1684 m Höhe das Jahresmittel 16,2° statt 17,2°. Die jährliche Regenmenge greift viel tiefer als irgendein anderes Element des Klimas in die räumliche Anordnung der Pflanzen und Tierwelt Ostafrikas, ja auch in die des Menschen, nach Zahl und Rassenzugehörigkeit, ein. Für die Art der Bodenkultur und für ihre Ergiebigkeit ist die Regenmenge, hier fast noch mehr als die Verteilung des Niederschlags über das Jahr, von sehr großer Bedeutung. Eine klimatische Einteilung aber auf Grund der Menge ist deshalb schwierig, weil bei etwas niedrigerer Temperatur, wie sie trotz deren Anomalie im Hochland dort zu finden ist, eine kleinere Regenmenge dieselbe Wirkung auf die Vegetation hat, wie eine größere an der Küste. Auch Bewölkung und Luftfeuchtigkeit spielen hier eine Rolle. Immerhin ließe sich der Versuch machen, eine solche Linie bestimmter, gleicher Regenmenge bei der Abgrenzung zu verwerten, wenn nicht die Areale mit Regenmengen, die eine von der Tropensteppe sich wesentlich unterscheidende Vegetationsform hervorbringen, so klein wären. Etwa 35 000 qkm der Landfläche von D.-O. bekommen mehr als 1500 mm Regen im Jahr, etwa 12 000 mehr als 1750 mm, d. i. nur 1/28 oder 1/82 der Fläche von D.-O. Diese Inseln stärkeren Regens sind die randlichen Gneishorste: Usambara, Nguru, Uluguru, wozu noch Upogoro in ähnlicher Lage tritt, ferner Kilimandscharo und Meru. Ost- und Südosthänge haben, entsprechend den Regenwinden, hier überall bedeutende Niederschläge, die bei den drei erstgenannten über 2000 mm ansteigen, nur an einer besonders günstig gelegenen Stelle am Osthang Ulugurus sogar 4000 mm übertreffen (s. Emin- Plantage). Weiter im Innern liegen zwei Gegenden mit über 1500 mm Regen. Am Westufer des Victoriasees werden 2000 mm erreicht. Hier wirkt einmal die Nähe des Sees - zwischen ihm und seinen Küsten besteht ein System örtlicher Land- und Seewinde - dann aber die über ganz Ostafrika vorherrschende östliche und südöstliche Windrichtung. Die Mächtigkeit der Luftschicht des Südostpassats beträgt hier noch 3000- 4000 m. Ähnliche Einflüsse sind es, die das Gebiet im Nordwesten des Njassa so regenreich machen; im Kondehochland fallen in größerem Bezirk über 2000 mm. Steigt man an den genannten Gebirgen über eine gewisse Höhe, 1400-1800 m empor, so nehmen die Regen wieder ab; schließlich tritt Regenarmut und große Lufttrockenheit auf (s. Kilimandscharo). Die durchschnittliche Regenmenge des ganzen D.-O. bleibt hinter diesen hohen Werten sehr zurück. Man kann sie zu etwa 900 mm veranschlagen. Das beigegebene Kärtchen der Niederschläge zeigt im Nordosten von D.-0. zwei Gebiete mit unter 500 mm als die regenärmsten. Diese Angaben sind nicht durch Beobachtungsreihen belegt, die östliche besitzt aber Wahrscheinlichkeit. In einigen anderen Gebieten des NO von D.-O. wurden so geringe Regenmengen tatsächlich beobachtet (s. Ostfuß von Pare, Nordfuß des Meru, Turu). Ebensowenig Regen dürfte das Land am Fuß der Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) und am Njarasa (s.d.) erhalten. - Im allgemeinen ist die Dauer der Beobachtungen in D.-O. noch zu kurz, um einigermaßen genau zu wissen, wie sehr besonders regenreiche und sehr regenarme Jahre vom Durchschnitt der ganzen Reihe abweichen dürften. Solche Schwankungen sind von erheblichem Einfluß auf das organische Leben, vor allem auf die Bodenkultur. Immerhin läßt sich bisher erkennen, daß im Gebiet des Monsunklimas, besonders an der Küste, diese Unregelmäßigkeiten der Niederschläge erheblich größer sind als im kontinentalen Passatgebiet, zumal in dessen binnenländischem Bezirk, wo sie etwa denen Mitteleuropas gleichkommen. Die Ernteaussichten im Monsunklima für Kulturen, die solchen Schwankungen nicht gewachsen sind, sind danach wenig zuverlässig. Zur Vervollständigung des klimatischen Bildes gehören u. a. noch die Angaben über Sonnenscheindauer nebst Bewölkung und über Feuchtigkeit (s.d.). Natürlich ist im allgemeinen während der Regenzeiten die Sonnenscheindauer verhältnismäßig kurz; merkwürdig aber ist, daß im Küstengebiet des Monsunklimas die kleine Regenzeit und die folgende Regenpause es zu so viel Sonnenschein kommen lassen, daß hier der Südsommer erheblich sonniger ist als die andere Jahreshälfte, besonders die Monate Juli und August. Das kontinentale Passatgebiet dürfte den meisten Sonnenschein gegen Ende der Trockenzeit und in der ersten Hälfte der Regenzeit erhalten. Im Äquatorialgebiet tritt die längste Sonnenscheindauer dagegen etwa im Nordsommer ein. Gebirgsstationen haben überall viel stärkere Bewölkung, als die der Küste und der Hochebene. Im Küstengebiet wird im System der Land- und Seewinde durch die herrschende allgemeine Windrichtung die Bewegung von der See her erheblich verstärkt. So ist die Luftfeuchtigkeit hier überall sehr hoch (s. Tabelle Daressalam). Insbesondere ist sie in der Zeit vor und gleich nach Sonnenaufgang ganz bedeutend. An der Küste nimmt die Feuchtigkeit von Süden nach Norden zu, in Lindi beträgt die relative etwa 78, in Tanga etwa 83%. Im Innern, im kontinentalen Passatgebiet, herrscht eine für die Tropen verhältnismäßig recht große Lufttrockenheit, selbst während der Regenzeit (s. Tabelle Tabora). Das gilt auch für die Ostküste des Victoriasees, im Gegensatz zur Westküste. Das Land am Nordende des Njassa schließt sich der Art seiner Erhebung nach den Gebirgsinseln an, die in gewissen Höhenlagen auch das Land am Meer noch an Feuchtigkeit übertreffen; hier erreicht Amani (s.d.) mit einem Jahresmittel von 86% den höchsten bisher für D.-O. sicher festgestellten Wert. - Tau tritt in der kühlen Jahreszeit überall auf, ist in der Nähe der Küste recht stark; besonders große Mengen wurden bei Mikindani beobachtet. - Gewitterbildung ist auch während der Regenzeit an der Küste im allgemeinen nicht besonders häufig, tritt nur in einzelnen Jahren auch im Januar und Februar stark auf. Der kühlen Zeit fehlen Gewitter fast völlig; dasselbe gilt für die Hochländer. An der Westküste des Victoriasees und an den Südosthängen der Gebirgsinseln kommen in jeder Jahreszeit Gewitter vor, doch ist selbst hier die äußerst intensive Gewitterbildung, wie man sie aus anderen Tropengebieten kennt, nicht zu finden. Die nachstehenden, von Dr. Heidke aufgestellten Klimatabellen geben über die Verhältnisse von Daressalam (Küste), Tabora (im Innern an der Tanganjikabahn), Moschi (am Kilimandscharo) und Neuwied (Victoriasee) genauere Auskunft, die Niederschlagstabelle über den jährlichen Gang des Regens einiger weiterer Orte (vgl. auch die Angaben bei den Artikeln über die einzelnen Orte und Landschaften).

5. Natürliche Einteilung. Der Versuch einer geographischen Einteilung von D.-O. kann sich im wesentlichen auf das über Bodengestaltung, Gewässer und Klima Gesagte stützen, wird nur etwa noch gewisse Tatsachen aus der Pflanzenwelt zu berücksichtigen haben. All dem entsprechend werden die Landschaften D.-O.s in Gruppen anzuordnen sein. Es bleibt die Frage, wie weit denn die einzelnen Landschaften natürliche Einheiten sind. Im allgemeinen bedeutet die Landschaft einen Raum, der von einem Stamm oder einem bestimmten Teil eines Stammes erfüllt ist, der sprachlich oder mindestens politisch in sich abgeschlossen ist oder es wenigstens früher war. Es gibt aber Landschaften, die Angehörige mehrerer Stämme als einheimisch umfassen. Hierher gehören einige politisch besonders gut organisierte Landschaften. In vielen Fällen haben nun einzelne Stämme ein seinen natürlichen Eigenschaften nach einheitliches Gebiet allmählich ganz erfüllt. Das Land hat andrerseits manchmal auf seine Bewohner gewirkt, wenn es lange genug von ihnen bewohnt wurde. So kommt es, daß die Landschaften D.-O.s häufig, aber durchaus nicht immer, natürliche Einheiten sind. - Jede der im folgenden genannten Landschaften usw. und viele andere sind in besondern Artikeln behandelt. Für die Einteilung von D.-O. grundlegend ist der Gegensatz zwischen dem aus jüngeren, flachlagernden Sedimenten bestehenden niedrigen Vorland (A) und dem zentralen Hochland (B), das aus Urgestein, älteren Sedimenten und jungvulkanischen Gesteinen aufgebaut ist. Im Vorland kann man hauptsächlich unter klimatischen und pflanzengeographischen Gesichtspunkten einen Küstenstreifen (A I b: Mrima) unterscheiden, dem die Inseln (A 1 a: Pemba, Sansibar, Mafia, Tschole, Ssonga- Manara, Kwale) sehr nahe stehen. Das übrige Vorland ist in zwei etwa durch das untere Rufijital, zugleich eine klimatische Grenze, getrennte Gebiete zu teilen, nördliches (A II: Bondei, Usigua, Usaramo, Ukami, Kutu) und südliches (A III) Binnenvorland. Der Süden zeigt entschiedene Gegensätze zwischen den küstennahen Berg- und Plateaulandschaften (A III a: Matumbiberge, Kissi, Noto, Muera, Makonde) und den zum Teil mit Inselbergen besetzten Flächen (A III b: Utete, Donde, Mlahi, Madjedje), die allmählich gegen das Urgesteinsland Ungoni ansteigen. - Die vielgestaltigste Unterabteilung des Hochlandes ist das Grenzgebiet, das Ostafrikanische Randgebirge (B I). Die nördliche Gruppe (B I a) dieser Gebirgsländer besteht aus Pare und Usambara, die mittlere, die von der Mkataebene, einem Anhängsel von A II durchzogen wird, aus dem vorgeschobenen Uluguru (B I b 1) und dem wenig getrennten Nguru und Ussagara (B I b 2). Ähnlich ist in der südlichen Gruppe die Lage von Upogoro (B I c 1) zu Uhehe (B I c 2), das sich von Ubena, im weiteren Sinn, und Ungoni (B I c 3) besonders auch durch die sehr andersartigen Formen der Ostgrenze unterscheidet. - Kilimandscharo und Meru haben nach Entwässerung, Klima und Pflanzenwelt mehr Beziehungen zum Randgebirge als zum Binnenhochland, sind aber nach ihrem Bau mit den westlich angrenzenden Gebieten so sehr verknüpft, daß wir sie dem Binnenhochland (B II- VI) zurechnen, sie aber dort als besondere, wenn auch kleine Unterabteilung aufzählen (B II). Die angrenzenden abflußlosen Gebiete des Nordens (B III a) bestehen aus mehreren selbständigen Teilen, der Massaisteppe (B III a 1), die zeitweise am Rande entwässert wird, der Kette von kleinen Gebieten längs der Ostafrikanischen Bruchstufe (B III a 2: Magad, Lawa ja Mweri, Ufiome, Iraku, Irangi, Ugogo), dem Wembäre-Njarasagebiet (B III a 3: Wembäre, Njarasa, Issansu, Iramba, Turu, Ujansi), einschließlich des Hohenlohegrabens (s.d.). Weit getrennt von diesen liegt im Süden das abflußlose Gebiet des Rukwa (B III b: hierzu auch Unjika, Ufipa z.T). Das zentrale Hochland besteht im wesentlichen aus Groß-Unjamwesi. Zur weniger dicht bevölkerten Südhälfte (B IV a: Ugala, Ukonongo, Ukimbu) kann man noch als fremdes Grenzgebiet Ussangu und Usafua ziehen. Die Nordhälfte ist viel wichtiger (B IV b: Unjamwesi im engeren Sinn, Ussukuma, Ussumbwa). Die Eigenart der Randländer der großen Binnenseen (B V) besteht teils im Aufbau, teils in klimatischen, ferner auch in wirtschaftlichen Beziehungen zu den Senken in ihrer Mitte. Das Land um den Victoriasee (B V a, außerdem: Uschaschi, Ukerewe, Ussukuma z.T., Usindscha), das kleine Gebiet des Kiwu (B V b), das Gebiet des Tanganjika (B V c, außerdem: Uwinsa, Uwende, Ufipa z.T.) und das des Njassa (B V d, außerdem: Matengohochland, Livingstonegebirge, Konde) haben jedes seine besonderen Eigenschaften. Trotz der Nachbarlage zu zweien von ihnen ist das Zwischenseengebiet (B VI: Ruanda, Urundi, Uha, Ussuwi, Uheia, Buddu, Mpororo) in vieler Hinsicht ein Land für sich. Seine Westgrenze verläuft auf der Wasserscheide gegen Kiwu und Tanganjika, in seine Ostgrenze muß man wohl die Westküste des Victoriasees einbeziehen, die nach Klima und Pflanzenwelt den südlichen und östlichen Gestaden des Sees recht fern steht.

6. Pflanzenwelt. (In eckigen Klammern sind mehrfach Bezeichnungen des Kisuaheli in Schulorthographie angeführt.) Die auffallendsten Züge im Pflanzenkleid D.-O.s werden dadurch hervorgerufen, daß im Durchschnitt die Regenmengen für ein dem Äquator benachbartes Gebiet gering sind und daß in großen Teilen des Landes mehrmonatliche Trockenzeiten auftreten. So herrschen denn Gewächse vor, die viel Wärme bedürfen, aber mit mäßiger Feuchtigkeit auskommen (s.a. Xerophyten); im allgemeinen macht die Pflanzenwelt des Landes durchaus nicht den Eindruck tropischer Üppigkeit. Deren kräftigste Erscheinungsform, der feuchte, tropische Urwald, findet sich nur in einigen kleinen Gebieten, die selbst, ehe der Mensch sie zu zerstören begann, wenig mehr als 2 % der Oberfläche von D.-O., rund 20000 qkm, bedeckten. In der Umgebung dieser Waldgebiete, die stets in den gebirgigen Teilen des Landes liegen, ist die Mannigfaltigkeit der Vegetationsformen sehr groß. Innerhalb weniger 1000 qkm liegen oft Striche mit fast wüstenhafter Armut, Busch jeder Art, Grasfluren, lichter Trockenwald, dichtester feuchter Wald, schließlich die Grasfluren und der Busch des Hochgebirges übereinander. Nur in ganz wenigen Fällen kommt noch die Hochwüste hinzu, deren volle Ausbildung Höhen über 4000 m erfordert (s. Kilimandscharo). Abgesehen von diesen Gebieten erscheint die Vegetation in weiten Landstrichen recht eintönig und besonders gegen Ende der Trockenzeit trostlos öde. Freilich ist der Unterschied zwischen dem Bild in dieser und in der entgegengesetzten Jahreszeit viel größer noch als bei uns zu Lande der zwischen Winter und Sommer. Wo bald nach Beginn der Regenzeit der Busch im frischen Grün aller Schattierungen erglänzt, der Boden rings mit einem dichten und hohen Teppich von Gräsern und Kräutern lückenlos bedeckt ist, alles in Blütenpracht steht, da findet man ein halbes Jahr später kaum eine kleine Spur grüner Farbe an vertrocknet aussehendem Dorngestrüpp; der Boden ist völlig kahl, rissig, alles ist in gelbroten Staub gehüllt. - Diese Gebiete mit ausgeprägter Trockenruhe, sind gelegentlich als Steppe bezeichnet worden, mit einer etwas weiten Verwendung dieses Ausdrucks, der anderswo nur beim Vorherrschen niedrigwüchsiger Elemente vornehmlich von Gräsern und Kräutern, in periodisch trockenem Klima benutzt wurde. So haben sich für ostafrikanische Vegetationsformationen nach Englers grundlegenden Arbeiten Ausdrücke wie Buschsteppe, Baumsteppe, Obstgartensteppe, Baumgrassteppe (bedeutet Grassteppe mit vereinzelten Bäumen), Buschgrassteppe, Dorn- und Buschsteppe u.a.m. neben Grassteppe eingebürgert. Auch der ältere Ausdruck Savanne wurde und wird vielfach für vorwiegendes Grasland mit Trockenruhe verwandt, das von meist dünnen Beständen von Busch und Bäumen unterbrochen wird. Auch hier wird der Begriff erweitert und z.B. von Savannenwald gesprochen. - Fast ausschließlich in Gebieten mit mehr als 1500 mm Regen (s. oben und Regenkarte, gestrichelte Linie) kommt der immergrüne Regenwald (s. Hochwald), der immerfeuchte Tropenwald der tieferen Region vor. In Meereshöhen von unter 600 m genügt die Regensumme von 1500 mm noch nicht zu seiner reinen Ausbildung. Auch große Wärme ist eine seiner Lebensbedingungen. An den Süd- und Osthängen Usambaras (s.d. und Tafel 39) ist der Regenwald, prächtig entwickelt, stellenweise bis zu 500 m hinab; auch Nguru (s.d.) scheint einigen zu haben. Am Osthang Ulugurus (s.d.) erstreckte sich der Regenwald vielleicht auch einst viel tiefer. Heute beginnt er im allgemeinen erst bei 1800 m, reicht aber in den Tälern viel weiter abwärts. - Auch der südliche Fuß und die Hänge des Kilimandscharo (s.d.) und der des Meru (s.d.) tragen Regenwald. Auch im Norden des Njassa, im Kondehochland (s.d.), läßt sich eine Zone von etwa 1700 m aufwärts vielleicht als eigentlicher Regenwald bezeichnen. Charakteristisch für den Regenwald sind immergrüne, hygrophile (nicht hartlaubige) Baumarten von gewaltiger Höhe (bis zu 70 m), oft Gattungen angehörig, die hauptsächlich in den Tropen vorkommen. Der Reichtum an Gattungen und Arten ist ungemein groß. Als wichtige und typische Vertreter seien genannt die Gattungen Allanblackia (Guttifere), Parinarium (Rosacee), Ocotea (Lauracee), ferner Chlorophora excelsa (s.d. und Tafel 24) [Mvule], die freilich auch in etwas trockenerem Gebiet vorkommt. Hier gibt es viele wertvolle Hölzer. Dieser Hochwald ist häufig hallenartig ausgebildet (s. Tafel 39), mit nicht allzuviel Mittel-, reichlicherem Unterholz; auch die Lianen sind nicht zahlreich. Trotzdem hat man den Regenwald von D.-O. dem Lianenklima Köppens (s. Klima 5), der die einzelnen Klimate der Erde durch Charakterpflanzen verkörpert, zuzurechnen; in den oberen Teilen gehört er schon dem Fuchsienklima an, je nachdem der kälteste Monat über oder unter 18° Mitteltemperatur hat. Abgesehen von diesen Vorkommen an und im Gebirge besteht in D.-O. aus Regenwald auch der Minsirowald (s.d.). Er liegt ganz in der Ebene an der Mündung des Kagera in einem Gebiet mit gegen 1500 mm Regen. - Mit steigender Höhe, sinkender Temperatur und abnehmenden Niederschlägen (ohne daß es zu einer eigentlichen Trockenzeit kommt), beginnt im Gebirge oberhalb des eigentlichen Regenwaldes der tropische Höhenwald oder Nebelwald, in Usambara etwa von 1600 m, in Uluguru, am Kilimandscharo und Meru von 2000 m, am Rungwe (s.d.) von 2100 m ab. Doch sind diese Abgrenzungen wenig sicher. Der Hochwald, dessen einzelne Formen niedriger werden, hat auch hier noch viele immergrüne, hygrophile Laubbäume, die geringerem Wärmebedürfnis angepaßt sind. Vorherrschend aber treten hier oft ganz andere Formen auf, Bambusen wie Arundinaria alpina [mwanzi] und Nadelhölzer der Gattung Podocarpus, sowie Juniperus procera (s. Zeder nebst Tafel 208 [mwangati]. Die obere Grenze des Höhenwaldes ist am Kilimandscharo bei 3000 m (s. Tafel 107), am Meru bei 2800 m (s. Tafel 141), in den anderen Gebirgen bleibt sie, deren Höhe entsprechend, erheblich tiefer. Der tropische Höhenwald ist aber in D.-O. noch viel weiter verbreitet. Rugege-, Gaharo- und Bugoiewald in Ruanda (s.d.) gehören hierher. Höhenwald, vielleicht in seinen untersten Teilen noch Regenwald, steht am Hang und oberhalb der Ostafrikanischen Bruchstufe, südlich vom Oldoinjo Lengai bis zur Südgrenze von Iraku. Der Hanang (s.d.) sowie andere isolierte, hohe Vulkankegel weiter nördlich haben gleichfalls tropischen Höhenwald, ebenso das Paregebirge, einige Teile des östlichen Ussagara, des südöstlichen Uhehe und des Livingstone- Gebirges. Diese Waldgebiete gehören zumeist dem Fuchsienklima Köppens an, da wo kurze Trockenruhe der Vegetation beginnt, dem Camellienklima. Höhenwald und Regenwald gehören eng zusammen, der Unterschied zwischen ihnen und allen anderen Formationen, vom Alluvialwald abgesehen, ist sehr groß. Mit den "parkartigen Gehölzen" hat er fast nichts gemein. Es ist völlig verkehrt, diese Formationen alle mit einer Farbe zusammenzufassen, wie das Eckert auf der beigegebenen Hauptkarte von D.-O. tut. In all den genannten Gebirgsländern findet sich oberhalb des Waldes und in seine höchsten Teile eingeschoben das Hochweideland, oft auf altem Waldboden, oft da wo örtliche Verhältnisse den Wald nicht aufkommen lassen. Die wichtigsten Gräser, Niedergras bis zu Fußhöhe, gehören der Gattung Eragrostis, Andropogon und Agrostis an. - Gewisse Verwandtschaft mit der Formation des Höhenwaldes hat der Hochgebirgsbusch (mit viel Ericaceen und Hypericum), mit diesem wieder die Hochgebirgssteppe. Ihnen allen ist ziemlich kühles Klima gemein, das Jahresmittel beträgt 15° und weniger, die jährliche Schwankung ist nicht größer als im übrigen D.-O.; die Gewächse der beiden letzteren Formationen sind mehr xerophil als hygrophil. - Im mittleren und nördlichen Küstengebiet D.- O.s fehlen eigentliche Trockenmonate fast ganz, überall, auch im Süden, ist wenigstens die Luftfeuchtigkeit groß, im Süden grenzen eine Anzahl bedeutender, den Regen begünstigender Erhebungen nahe ans Meer. So kann in weiten Teilen des Küstengebietes und seines nächsten hügelig-bergigen Hinterlandes die hemihygrophile oder subxerophile Formation des "parkartigen Gehölzes des Küstenlandes" mit recht erheblichem Artenreichtum bestehen (s. Tafel 24, 177). Neben laubabwerfendem Holz kommt auch immergrünes vor, außerdem gelegentlich ziemlich üppige Gras- und Krautsteppe mit eingestreutem Gehölz, also eine Art Savanne. Von Holzgewächsen seien z.B. genannt der Kopalbaum (s. Kopal) Trachylobium verrucosum [msandarusi], das Kautschukbäumchen Mascarenhasia elastica, Landolphia-Arten [mbungo, mpira], der Leberwurstbaum Kigelia, einige Kandelabereuphorbien [mtupa]. Je nachdem das Holz dichter und hochgewachsener oder dünner steht, rechnet der Msuaheli dieses Gebiet zu mwitu oder Pori (s.d.). - Dem xerophilen Reich gehören etwa vier Fünftel von D.-O. an. Laubabwerfende Bäume und Sträucher, immergrüner und laubabwerfender Dornbusch, oft nahe verwandt den subtropischen Hartlaubpflanzen, Grassteppe (s. Farbige Tafel Steppenbrand in Deutsch-Ostafrika), von dichter Hochgrassteppe bis zur dünnsten Büschelgrassteppe, und fast alle diese Formationen auch in Kombination, finden sich hier vor. Fast all dieses ist Steppe im weiteren Sinn [pori, die busch- und baumlose Form, s. Tafel 141, mbuga oder njika]. Als wichtigste Charakterpflanze dieses ganzen Gebietes, zugleich des ganzen afrikanischen Tropensteppengebietes, wird meist der Affenbrotbaum (s.d. und Tafel 1, 36, 37) oder Baobab, Adansonia digitata [mbuyu] angeführt. Nach ihm nennt Köppen dies gleichmäßig heiße, mit einer Trockenzeit versehene Klima das Baobabklima. - Sehr ausgedehnte Teile der zentralen Hochländer, besonders ihre südwestliche Hälfte und fast das ganze weitere Hinterland der Südküste bis zum Njassa waren und sind auch noch heute zum größten Teil mit dem hohen Trockenwald, auch Steppenwald [Myombo oder Miombo; s.d. und farbige Tafel , sowie Tafel 37], bedeckt, dessen wichtigster Bestandteil laubabwerfende Leguminosenbäume sind, z.B. Brachystegia, Eminia. Das Unterholz ist ganz dürftig. Diese Formation geht häufig in Buschland über, besonders da, wo die Kultur den Wald verwüstete, ferner in Grassteppe mit vereinzelten Baumgruppen. In diesem Trockenwald kommen aber oft über große Strecken auch immergrüne Elemente vor, und deshalb ist er auch manchmal zu den subxerophilen Formationen gestellt worden. Weit verbreitet und schwer abzugrenzen sind die Gebiete, in denen die Gräser, wieder in erster Linie Andropogonarten, dann auch Eragrostis, entweder als reine Grassteppe d. i. Steppe im engeren Sinn (Hochgrassteppe und Niedergrassteppe), allein herrschen oder mit Baumgruppen und Gebüsch verbunden sind (trockene Savanne). Die Grassteppe kommt rein auch in besonders trockenen, zumal in etwas höher gelegenen Gebieten vor als Grasbüschelsteppe, so genannt, weil die einzelnen Büschel durch weite Zwischenräume getrennt sind. Unter den Hölzern der Baumgras- und Buschgrassteppe seien die Schirmakazien erwähnt, Kandelabereuphorbien (s. Euphorbiaceen), Adansonia (s.o.), die freilich auch in das Parkgehölz der Küste hineinreicht, ferner Stereulia und Strychnosarten, Dalbergia Melanoxylon [mpingo]. Palmen scheinen nur da in Verbindung mit der Grassteppe reichlich aufzutreten, wo der Boden auch während der Trockenzeit viel Grundwasser enthält. Auf großen Flächen stehen Dumpalmen (s.d.) [mkoche] und Borassuspalmen (s.d. und farbige Tafel ) [mvumo] in fast reinen Beständen. Obstgartensteppe werden Steppengebiete genannt, in denen in einem Abstand von meist wenigen Metern stehende, selten über 6 m hohe, oft buschige Bäume Gras und Kraut wenig beschatten. Commiphora- und Combretum-Arten sind hier charakteristisch. Von der Buschgrassteppe führen Übergänge zur grasarmen Dornbuschsteppe (s. farbige Tafel ), die etwa gleicher Regenarmut wie die Grasbüschelsteppe entspricht. Verschiedene Acaciaarten und andere Leguminosen, Commiphora-Arten und viele andere bilden den laubabwerfenden Dornbusch, der häufig in reiner Ausbildung große Flächen bedeckt. Die immergrüne Dornbusch- und die Sukkulentensteppe enthält besonders auffallende Pflanzenformen mit eigenartigen Anpassungen an die Trockenzeit. Verschiedene Kandelaber- und niedrige kaktusähnliche Euphorbien (s. farbige Tafel Steppe), ferner E. tirucalli, Caralluma, verschiedene Sansevieren [mkonge] sind hier zu nennen; die merkwürdigsten Formen sind aber Adenia globosa und Pyrenacantha malvifolia mit ihren Klotz- und Kugelstämmen. - Außer allen vorgenannten Formationen, die gewissen klimatischen Bedingungen entsprechen, bleiben noch einige edaphische zu nennen, d.h. solche, die ebensosehr gewissen Eigenschaften des Bodens ihr Bestehen verdanken. Weniger starke Abhängigkeitsgrade vom Boden sind bei den heutigen Formationsaufstellungen viel zu wenig berücksichtigt, aber eben auch noch ganz wenig bekannt. Salzsteppen (s. farbige Tafel ) [jangwa] mit Suaeda monoica spielen keine große Rolle. Bedeutsam, zumal auch wirtschaftlich wichtig, ist die andere halophile Formation der Mangroven (s.d.) [mkoko], die völlig von dem durch Meerwasser während der Flut durchfeuchteten und gesalzten Boden abhängt. Zu den edaphischen gehören ferner die Formationen des Alluvial- und Sumpflandes. Letzteres findet sich, nicht reichlich, aber fast überallhin zerstreut, oft an Flußläufen. Der Papyrussumpf (s. farbige Tafel ) des Lumi-Pangani (s.d.) ist ein bekanntes Beispiel. Längs fließenden Wassers finden wir, auch inmitten trockener Steppe, fast stets die Bäume, die sich zum Galleriewald zusammenwölben. Hier finden sich viele Arten des Regenwaldes; wird der Wasserlauf periodisch, so herrschen Ficusarten, schließlich Akazien vor. Ist der Boden weithin zu den Seiten des Gewässers mit Wasser durchtränkt, ohne daß dies stagniert, so bilden sich Alluvialwälder, wie der von Kahe (s.d.). Die Pflanzenwelt der Hochflächen und des Vorlandes von D.-O. ist floristisch nahe verwandt mit der der übrigen afrikanischen Tropensteppe, die sich in weitem Bogen vom westlichen Sudan her über Ostafrika in das Gebiet des Sambesi und das des Kunene und Kuansa erstreckt, damit das westafrikanische Waldgebiet, die afrikanische Hylaea Mildbraeds, das Gebiet Guineas und des Kongobeckens, völlig umfassend. Aber auch zur Flora des Waldgebiets, das am Victoriasee im Minsirowald und seiner Umgebung gerade noch nach D.-O. hinreicht, hat das Steppengebiet viele nahe verwandschaftliche Beziehungen, so daß Engler sie als "das afrikanische Wald- und Steppengebiet" zusammenfaßt. Manche Erscheinungen sprechen dafür, daß der große, immergrüne Wald einst zur Pluvialzeit (s.o.) weiter in Ostafrika hineinreichte, vielleicht bis zum Indischen Ozean. Die Floren der höheren Gebirge D.-O.s sind nicht nur untereinander besonders nahe verwandt, sondern auch mit denen des abessinischen sowie des Kameruner Hochlandes und der höheren Teile Madagaskars, schließlich auch mit der kapländischen und der mittelmeerischen Flora. - Da weite Teile von D.-O. seit Jahrtausenden besiedelt sind, heute verhältnismäßig dicht, und hauptsächlich von Ackerbau treibenden Völkern, so ist das einstige Bild der Pflanzenwelt nicht nur durch Waldverwüstung stark verändert worden, sondern auch durch Einführung von Kulturpflanzen. Einen der wichtigsten Züge im Landschaftsbild des Zwischenseengebiets (s.d.) und der Gebirgsländer bildet der Bananenhain [mgomba, s. Tafel 169, die Frucht ndizi]. An der Küste tritt noch eindrucksvoller (s. farbige Tafel und Tafel 35, 36, 107, 124, 187) die Kokospalme (s.d.) [mnazi] und der Mangobaum (s.d.) [mwembe] hervor, beide jüngere Einwanderer als die Banane (s. im übrigen 10. Eingeborenenproduktion). Seit hunderten von Jahren ist das Aussehen weiter Gebiete nicht so stark verändert worden, wie in den letzten zwei Jahrzehnten durch das Entstehen der Plantagen im Küstenland und in der Nachbarschaft der Bahnlinien.

7. Tierwelt. [In eckigen Klammern Bezeichnungen des Kisuaheli in der Orthographie der Schulen.] Die afrikanische oder äthiopische tiergeographische Region, auch das transsaharische Faunareich genannt, umfaßt den afrikanischen Kontinent südlich einer Grenze, die bald ein paar hundert Kilometer südlich, bald nördlich vom 20° s. Br. angenommen wird. Die Sahara ist bei ihrer heutigen Trockenheit ein großes Grenzgebiet, in das von beiden Seiten nicht viele Formen vordringen können. Im Gegensatz hierzu war der Zusammenhang Afrikas mit dem Nordosten und Norden im Jungtertiär sehr bestimmend für die Entwicklung der Fauna. Große Einwanderungen dürften die meisten Formen, die heute auffallen, z.B. Elefanten, Flußpferde, Strauße, Nashörner, Giraffen, ja selbst die Antilopen gebracht haben. Freilich hat sich in der Folge eine ausgiebige Fortentwicklung, eine Bildung vieler neuer Arten vollzogen. Die altertümliche alttertiäre Fauna ist dabei stärker vernichtet worden, als im indisch-malaiischen und im südamerikanischen Gebiet, von Australien ganz zu schweigen. - Die Ausstattung des tropischen Afrika mit Tieren weist denselben grundlegenden Zug in der geographischen Verbreitung auf, den die Pflanzenwelt zeigt: der westafrikanischen Waldfauna, besser der der afrikanischen Hylaea, steht die Fauna der Savannen oder der Tropensteppe gegenüber. Nicht die Wälder Afrikas, sondern die Steppen weisen die kräftigste Entfaltung tierischen Lebens in einer großen Artenzahl von Säugetieren auf. Einst war die Menge der Individuen hier enorm, und trotz starker Vernichtung durch den Menschen und durch Seuchen ist sie in manchen Teilen von D.-O. noch heute recht groß, zumal in den grasigen Steppenländern des Nordens. Die großen Steppengebiete Afrikas liefern die Bedingungen dafür, daß in diesem Kontinent etwa neun Zehntel aller Antilopenarten heimisch sind, daß er auch sonst einen sehr großen Reichtum an eigentümlichen Säugergattungen aufweist. Nach Matschie treffen in D.-O. vier verschiedene Säugetierprovinzen zusammen. Über das ganze Zwischenseengebiet (s.d.) hin reicht die Guinea-Kongo-Provinz, also die Fauna der Hylaea (H). Über die Hochländer zwischen Victoriasee und Kilimandscharo schiebt sich die Sudanprovinz (Su) nicht ganz bis Tabora vor, auf dem Wege zwischen Kilimandscharo und Ozean die Somaliprovinz (So) bis zur Südgrenze der Massaisteppe; dreiviertel des Landes nimmt die Mozambiqueprovinz (M) ein. Die Provinzen Su, So, M sind Teile des erwähnten größeren Gebiets der Tropensavanne, nur M reicht über deren Grenzen in das Gebiet der Fauna Südostafrikas hinein. Es sei versucht, im folgenden einige im Tierleben von D.-O. besonders wichtige und auffallende Tiere so zusammenzustellen, wie das gemeinsamen Lebensbedingungen entspricht. Hierbei sind auch einige der von Matschie aufgeführten, für die vier Provinzen charakteristischen Arten genannt. Sie sind durch die beigesetzten Buchstaben H, Su, So, M gekennzeichnet. Die übrigen kommen überall zerstreut vor, bald häufig, bald selten. Den meisten der zu nennenden Tiere sind in diesem Lexikon besondere Artikel gewidmet (s.a. Tierwelt der Schutzgebiete und Jagd). - In der offenen Grassteppe leben zwei Gnus [nyumbu], zwei Zebras [punda milia], zwei Kuhantilopen: Bubalis Jacksoni (Su) und B. Cokei (So) [Kongoni], Oryx callotis (So), Rennmäuse (Gerbillus), der Strauß [mbuni], der Sekretär. Gnu, Zebra und Kuhantilope, die oft zusammen Weiden, sowie Oryx, stehen auch in lichter Busch- und Baumgrassteppe. Letztere bevorzugen die Giraffen [twige], Äpyceros suara [swala], Rapp- (M) und Pferdeantilope: Bubalis Lichtensteini [konsi], das große und kleine Kudu (So) [tandalal, Marabu, verschiedene Geier [tai], Adler [kozi] und Webervögel. Hier und in etwas mehr buschigem Land kommen vor: verschiedene Perlhühner [kanga], Erdferkel [mbawe], Gepard, Hyänenhund, Warzenschwein [ngiri], Grauts (Su) und Thomsons (Su) Gazelle, Giraffengazelle (So), Leierantilope (Su), Elenanilope, [pofu]; die letztere ist heute seltener, aber von der Steppe hinauf bis zu Gebirgshöhen von über 3000, ja am Kilimandscharo auf 4800 m zu treffen. Etwas geringere Neigung zum Bergsteigen haben Elefant [tembo, ndovu], in der Trockenzeit oft im Regenwald, sonst in Grassteppe jeder Art und Sumpf, ferner auch das Rhinoceros bicornis [kifaru], das am meisten ganz dichten Dornbusch schätzt, sowie ein paar kleine Antilopen. - Dichteren Busch, oft auch feuchteren, bevorzugen die kleinen Antilopengattungen: Ducker, Windspiel und Zwergantilopen [paa, funo usw.], ferner Buschbock [mbawala], Serval, Iltis-Ichneumon (M), Zebramanguste (Crossarchus fasciatus) [nguchiro] und andere kleine Raubtiere, wie Zibetkatzen, ferner Stachelschwein [nungu], Schuppentier (Manis Temminki), ferner Unzertrennliche, d.i. Agapornispapageien, Nektarinien, Frankolin-Feldhühner [kwale], Riesenschlange [chatu], Puffotter. - Im Trockenwald, auch in seinen feuchteren Formen, halten sich auf verschiedene Meerkatzen, als Cercopithecus albigularis (M) [Kima], Husarenaffe (Su), Großohrmaki (M) [Komba] (s. Halbaffen), viele Tauben, Hornrabe und kleinere Nashornvögel. Den Regenwald lieben Graupapagei (H) [kasuku], der Pisangfresser, Riesenturako (H), einige, nicht alle Baumschliefer (s. Schliefer), Gorilla (H), Schimpanse (H), Colobus-Arten [Mbega], gewisse Meerkatzen (H), einige Halbaffen, Hundsaffen, d. i. Paviane [nyani], sowie ihr schlimmster Feind der Leopard [chui]; dieser kommt aber auch im dichten Steppenbusch, die Paviane auch an vielen anderen Orten, gern z.B. in felsigem Steppenland vor. Eine noch größere Verbreitung hat die Streifenhyäne [fisi] und einige Geier, auch der meist mähnenarme Löwe [Simba], der nur den Regenwald zu meiden scheint. - In Busch, Alluvialwald und Sumpf stehen die Flußschweine [nguruwe], Pinselohrschwein (H), Riedbock [ndohe], Wasserbock (M) [kulu], Kaffernbüffel [mbogo], Nilgans und andere Gänse, Enten, weißer und schwarzer Reiher, Kronenkranich, Storch [alle diese drei Gruppen Korongo], Flamingo. Die großen Vögel halten sich gern am Rand der Gewässer auf. Die Vogelwelt der großen und kleinen Seen im nördlichen D.-O. ist ungemein reich. Hier treten auch manche europäische Zugvögel auf. In fast allen Seen kommt auch das große Flußpferd [kiboku] vor. Es geht in den Flüssen meerwärts bis in brackisches Wasser, ebenso wie das Krokodil [Mamba], hält sich aber darüber hinaus auch in ganz scharf salzhaltigen Seen auf. An der Küste im Meer lebt eine Seekuh (Halicore), die Karette, die Suppenschildkröte [beide ngamba], verschiedene Haifische [papa]. Die Fische des Meeres sind artenreich und zum Teil recht wertvoll, aber noch wenig gekannt und nicht genügend genutzt (s. Fischerei u. Tafel 41/42). - Die Kleintierwelt [wadudu, eigentlich Insekten] ist besonders im Waldland reich und mannigfaltig entwickelt, am wenigsten in trockener Grassteppe. Große und auffallende Arten, wie sie sonst manchen Tropengebieten eigen sind, finden sich selbst im Walde nur spärlich. Unter den Gliederfüßlern, hauptsächlich in der Klasse der Insekten, gibt es eine Anzahl von Tieren, die gleicherweise in allen Kolonien wegen des zum Teil ganz gewaltigen Schadens, den sie verursachen können, gefürchtet sind. Skorpion [nge], Skolopender [taandu] (s. Tausendfüßer), Treiberameisen [siafu] (s. Ameisen) sind die harmlosesten unter ihnen. Die Termiten [mchwa] schaden stellenweise, besonders im feuchteren Buschland, auch den Kulturen sehr; die bis zu 5 m hohen steinharten Bauten einiger Arten fallen in manchem Landschaftsbild auf. Die Wanderheuschrecke [nzige] kommt überall von Zeit zu Zeit vor. Der südamerikanische Sandfloh [funza] hat sich in D.-O. etwa 1891-1897 fast überall durch passive Wanderung von Westen nach Osten verbreitet. Die Ausdehnung des Vorkommens der die Malaria (s.d.) übertragenden Anopheles-Moskitos [imbu] deckt sich mit den blauen und grünen Flächen des Kärtchens über die Gesundheitsverhältnisse. Man sieht, sie kommen in etwa fünf Sechstel von D.-O. vor, zum Teil freilich spärlich; in den Gebirgsländern fehlen sie schon von einer geringeren Höhe aufwärts als in den Hochflächen. Weit gefährlicher ist wegen der Übertragung der Schlafkrankheit (s.d.) die Glossina palpalis; sie kommt heute in vielen Gebieten, so hier und da nahe der Meeresküste vor, wo die Krankheit noch nicht hingelangt ist. Ihre Verwandte G. morsitans, die Tsetsefliege, überträgt die Surrakrankheit (s.d.) des Viehs, gewisse Zecken [papasi, kupe] übertragen das Rückfallfieber des Menschen und schwere Viehkrankheiten. - Beim Überblick über die in D.-O. vorkommenden Haustiere ergibt sich, daß nur ein sehr kleiner Teil von ihnen aus Afrika stammt. Der graue Esel [punda kihongwe] mit dem schwarzen Rückenkreuz stammt vom wilden Somaliesel. Er wird im Nordosten von D.-O. in allen Gebieten, die die Massaisteppe rings umschließen, gezüchtet. Auch die Katze [paka] ist in Afrika zuhause, in D.-O. aber eine junge und wenig verbreitete arabische Einführung. Der Windhund des Zwischenseengebiets ist vielleicht afrikanischer Abkunft. Der Pariahund [mbwa] ist wohl sehr lange im Land, stammt aber auch aus Südasien. Die Ziege [mbuzi], heute eine zähe Kümmerrasse, das verbreitetste nutzbare Haustier D.-O.s, ist wohl früher aus Asien eingeführt als alle anderen Haustiere. Sie ist viel häufiger als das Schaf [kondoo], das meist der asiatischen Fettschwanzrasse angehört und ohne eigentliche Wolle ist. Von den beiden Rinderrassen [ngombe], ist die eine, das altägyptische Langhornrind, nur im Zwischenseengebiet zu Haus. Das wohl von einer anderen, ebenfalls asiatischen Art stammende Buckelrind kommt überall zerstreut vor, am besten entwickelt im Steppengebiet des Nordostens, sonst vielfach beeinträchtigt durch Viehkrankheiten. Das Huhn [kuku], aus Südasien stammend, ist überall verbreitet. - Jüngere Einführungen sind die amerikanische Moschusente (s. Zahnschnäbler u. Geflügelzucht) [bata], die die Portugiesen brachten, das Pferd [faras], der helle Esel [punda maskati] und das Kamel [ngamia], das das Klima nicht recht verträgt. Die jüngste Zeit brachte Maultier [nyumbu] und zahmes Schwein [nguruwe]. Von einer Domestizierung der einheimischen Bienen [nyuki] kann ebensowenig die Rede sein, wie von der der Tauben [njiwa]. Die aus Arabien eingeführte zahme Taube [njiwa manga] ist nicht häufig.

Uhlig.

8. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 40, 197 , 198 und farbige Tafel von Deutsch-Ostafrika).

A. Die Völkerschichtung.

B. Der stoffliche Kulturbesitz: a) Wohnung und Siedlung; b) Tracht; c) Körperverunstaltungen; d) Beschäftigung; e) Technik und Industrie; f) Nahrungs- und Genußmittel; g) Waffen; h) Handel und Verkehr.

C. Der geistige Kulturbesitz: a) Musik; b) Politische Befähigung; c) Religion; d) Kunst und Wissenschaft.

D.-O. ist ethnographisch ein Grenz- und Mischungsgebiet; es bildet in seinem größeren südlichen und zentralen Teil die Nordostecke des großen Sprachgebiets der Bantu, während der kleinere Norden westlich wie östlich des Victoria Njansa sein ethnisches Gepräge durch hamitische Über- und Zwischenlagerungen erhält. Auch der breit zum Sambesi geöffnete Süden des Landes ist Einwanderungs- und Überlagerungsgebiet, doch handelt es sich hier nicht um rassenfremde Eindringlinge, sondern der großen Bantufamilie angehörende Verwandte.

A. Die Völkerschichtung. Im einzelnen gestaltet sich das Bild folgendermaßen. Zu unterst lagern auch in D.-O. Reste einer ziemlich kleinwüchsigen Bevölkerung, die wir vermutlich zu derselben Schicht werden zählen müssen wie die Pygmäen (s.d.) in West- und Zentralafrika und die Buschmänner (s.d.) Südafrikas. Vollkommen rein erhaltene Vertreter dieser Urrasse scheinen in D.-O. allerdings verhältnismäßig selten zu sein; man darf sie bestenfalls nur unter den Batua (s.d.) des Kiwuseengebiets und von Urundi und Ruanda suchen, wo neuere genaue Messungen neben Körperlängen von 150-160 cm und sogar solchen von mehr als 170 cm auch wirklich zwerghaften Wuchs von wenig mehr als 140 cm dargetan haben. Die bisher zu den Pygmäen gerechneten Wahia, Wnege und Wakindiga (s.d.) in der Umgebung des Ejassisees sind nach den Ergebnissen der 1911 beendeten Expedition der Hamburger Geographischen Gesellschaft von durchaus normalem Wuchs. Von den auf Grund ihrer von Schnalzlauten durchsetzten Sprache hierher gezählten Wassandaui (s.d.) in demselben Gebiet war der hohe Wuchs schon seit längerer Zeit bekannt. Diese vier Völkerschaften sind, wie die Batua selbst, seit langer Zeit mit den großwüchsigen Nachbarn gemischt und haben dabei einen Teil ihrer Urrasseneigenschaften eingebüßt. - Überlagert werden diese uralten Reste von der sicher ebenfalls sehr alten Schicht der Bantuvölker, die sich lückenlos vom Tanganjika und Njassa bis an den Indischen Ozean ausbreitet und ethnographisch wie wirtschaftlich den Grundstock der Bevölkerung des Landes bildet. Neben einem unvermischten Teil, der auf dem großen Zentralplateau die Gruppe der Wanjamwesi, Wassukuma, Wassumbwa, Wawinsa, Wakonongo, Wakimbu und Wafipa, im Zwischenseengebiet die heute von den Wahuma unterjochten Stämme der Wahutu und Wanjambo, in den küstennahen Regionen die Waschambaa, Wasegua, Wanguru, Wasagara, Waluguru, Wakwere, Wasaramo und Wakkutu, im Süden die Wangindo, Wamuera, Wamakonde, Wandonde, Wanindi u.a. umfaßt, unterscheidet die neuere Völkerkunde einen hamitisch beeinflußten anderen Teil, zu dem die auf die Gebirgshöhen und in die entlegenen Steppen vertriebenen Wakamba, Wanjika, Wapare, Wagueno, Wadschagga, Wambugwe, Wagogo, Wairangi, Wanjaturu, Wairamba, Wakaguru u.a. gehören (s. die einzelnen Völkernamen). Sowohl die Physis wie auch der Kulturbesitz zeigt bei ihnen allen einen unverkennbaren hamitischen Einschlag, der unschwer aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Galla, Somal, Massai, Wakuafi und anderer hamitischer Völkerschaften zu erklären ist. Oskar Baumann hat für diese abgedrängten Völker die Bezeichnung jüngere Bantu vorgeschlagen, weil sie später als die "ältere", unvermischte Gruppe aus dem Nordosten in ihre jetzigen Sitze nach Süden gedrängt worden seien. Angemessener, weil diese unbewiesene Nord-Südwanderung außer acht lassend, erscheint der neutrale Ausdruck metamorphische Bantu, der jene Beeinflussung treffend hervorhebt, ohne zugleich die Herkunftsfrage anzuschneiden. - In bezug auf diese vertritt eine ganze ethnographische Schule die Ansicht einer asiatischen Urheimat für alle Bewohner Afrikas überhaupt. Zuerst hätten sich die kleinwüchsigen Leute der wollhaarigen Urrasse im Süden und Südosten Asiens vom Hauptkern abgezweigt und die leeren Gefilde des tropischen Afrika überschwemmt. Später, am Beginn der unserer europäischen Eiszeit entsprechenden Pluvialzeit, sei ihnen die Welle der Nigritier oder Sudanvölker gefolgt, dunkelfarbiger Menschen mit Wollhaaren und isolierenden Sprachen, die (nach Stuhlmann) wahrscheinlich aus Südasien gekommen seien. Nach demselben Autor hätten sie die Banane, vielleicht auch Colocasien, den Beginn des Ackerbaues, Holzgeräte, Bogen und Pfeil, Trommelsprache, Geheimbünde und Maskentänze, vielleicht auch die Zylinderhütte mit Kegeldach mitgebracht. Späteren Nachschüben schreibt Stuhlmann die Viereckhütte zu. - In der letzten Hälfte der Pluvialzeit seien aus nördlicheren und westlicheren Gebieten als die vorigen die Protohamiten nach Ostafrika gekommen. Sie hatten nach Stuhlmann agglutinierende Sprache und zahlreiche Substantivklassen. Aus ihrer Vermischung mit den Nigritiern haben sich die Bantuneger gebildet, wahrscheinlich in Ostafrika, von wo sie nach Süden und Westen weitergewandert seien. Für ihren Hackbau brachten sie den Sorghum und andere Körnerfrüchte mit, vielleicht auch die Ziege und den Hund. Die Verbreitung nach Süd- und Westafrika sei von einem gemeinsamen Punkt im Osten des Erdteils erfolgt. - Eine weitere, für das heutige Ostafrika ebenfalls belangreiche Schicht sind dann die hellfarbigen Hamiten, die Stuhlmann teils über Suez, teils über Bab el Mandeb aus Asien einwandern läßt, die Vorfahren der Berber, Ägypter usw. Durch eine geringfügige Vermischung mit den dunklen Vorbewohnern läßt Stuhlmann von den für unser Gebiet in Frage kommenden Völkergruppen die Massai (s.d.) und ihre Verwandten, die Wakuafi, Wandorobbo, Wataturu und Wambugu, ferner die Galla, die Somal mit den Wafiome und Wamburru und die Wahuma entstehen. Es handelt sich dabei zumeist um Hirtenstämme, die das Langhornrind, später auch das Buckelrind, das Fettschwanzschaf und den Windhund eingeführt haben. Sie hatten Bienenkorbhütten, Fellschilde und Lanzen. Ihre Sprache war flektierend. Als Heimat sieht Stuhlmann die Steppen Westasiens an, als Einwanderungstermin einen Zeitraum "unendlich lange vor 6000 v. Chr. Geb." - Die letzte Welle endlich sind die Semiten. In Nordafrika geht ihre Einwanderung weit in die Jahrtausende vor Christi Geb. zurück; in Ostafrika hat sie sich auf das Küstengebiet beschränkt, wo sie nachhaltig erst nach Mohammeds Tod auftritt und wo aus der Amalgamierung von Bantu aller Stämme bis über den zentralafrikanischen Graben hinaus nach Westen, von Arabern und arischen Leuten aus Persien und Nordwest-Indien das Volk der Suaheli (s.d.) entstanden ist. - Als letztes Element sind schließlich die nilotischen oder nilotisch beeinflußten Stämme am nördlichen Ostufer des Victoria Njansa zu erwähnen: die Wageia oder Wagaja, in denen man einen weit nach Süden versprengten Zweig der am oberen Nil beheimateten Schillukfamilie zu sehen hat, und die von ihnen physisch und kulturell stark beeinflußten Wassoba, Waschaschi und Waruri. - Einwandfrei feststellbar ist die Einwanderung aus Asien von allen diesen Schichten nur für die letzte, für die Semiten; für alle früheren Elemente kommen wir einstweilen über bloße Annahmen und Hypothesen nicht hinaus. Von den Hamiten D.-O.s vermögen wir noch nicht einmal die Zeit ihres Eindringens aus nordöstlichen Gebieten zu bestimmen, die Protohamiten und die Nigritier aber sind einstweilen noch bloße wissenschaftliche Konstruktionen, bestenfalls ein Postulat, das zur Erklärung mehr gewisser Züge des Kulturbesitzes als der Physis nötig ist. - Für den gesamten Norden D.-O.s ist das hamitische Element insofern von Belang, als seine Vertreter politisch die erste Rolle spielen. Im gesamten Zwischenseengebiet, besonders in Ruanda, Mpororo und Urundi, aber auch in Karagwe und Kissiba, werden die alteingesessenen Bantu, die Wahutu, Wanjambo und Weru, von den numerisch zehnmal schwächeren hamitischen Watussi, Wahinda und Wahuma beherrscht; im abflußlosen Gebiet zwischen dem Victoria und dem Kilimandscharo aber sind die Massai bis zur großen Viehsterbe von 1891 die unbestrittenen Herren des ganzen Landes gewesen. Sie würden es längst wieder geworden sein, hätte nicht inzwischen das feste Regiment der Deutschen und der Engländer dafür gesorgt, daß eine Wiederholung der alten Zustände ausgeschlossen ist. - Der Süden des Schutzgebiets wird, wie bereits angedeutet worden ist, ausschließlich von Bantu bewohnt. In die Masse der friedlichen, Hackbau treibenden Stämme zwischen dem Rovuma und der großen Karawanenstraße sind seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von Südostafrika her Kaffernstämme gedrungen und haben östlich vom Nordende des Njassa Reiche gegründet. Unter den Namen Masitu, Mafiti, Magwangwara, Wamatschonde und Wangoni sind diese Völker Jahrzehnte hindurch infolge ihrer häufigen und ausgedehnten Raubzüge bis vor die Tore der Küstenstädte der Schrecken ganz Ostafrikas gewesen (s. Wangoni). Ein Teil dieser Wangoni ist seinerzeit bis an die Südwestecke des Victoria Njansa vorgedrungen. Unter dem Namen Watuta (s.d.) sitzen seine Reste heute im Buschland von Runssewe. - Eine Folge der kriegerischen Wangoni-Invasion ist das im Gegensatz dazu meist friedliche Eindringen der Jao und Makua in den Süden von D.-O. gewesen. Die Makua kommen dabei direkt von Süden über den Rovuma, die Jao von Südwesten vom Südende des Njassa her. Die Spitzen beider Völker sind heute bis fast vor die Tore von Lindi im Norden des Makondeplateaus vorgedrungen, wobei diese fremden Elemente mit den alteingesessenen Wamuera, Makonde, Wangindo und Matambwo eine innige, geographisch kaum zu trennende Mischung eingegangen sind. - Eine weitere, mittelbare Folge des Eindringens der Hamiten von Norden und der Sulukaffern von Süden ist eine starke Beeinflussung der Kriegs- und zum Teil auch der Lebensweise vieler alteingesessener Völker gewesen. Manche der metamorphischen Bantu des Nordens, wie die Dschagga, Wahumba, Waschaschi, Bakulia usw., haben in beiden Beziehungen die Massai, viele Stämme des Südens, wie die Wahehe, Wassangu, Mahenge, Wakhutu usw., die Wangoni nachgeahmt, um in der kriegerischen Maske ihrer siegreichen Nachbarn und Bedränger über ihre eigenen Brüder herzufallen. Man bezeichnet diese Völker gern als Massai- und Suluaffen.

B. Der stoffliche Kulturbesitz. Im Kulturbesitz der Völker D.-O.s walten folgende Grundzüge vor.

a) Die älteste Wohnform des Gebiets ist außer der Höhle die Zylinderhütte mit aufgesetztem Kegeldach (s. Tafel 129, 202). Sie ist ursprünglich sicher allen Grundbantu eigen, ist aber gegenwärtig auf das Zentralplateau und den Süden und eine schmale Zone in der Nähe der Ostküste beschränkt. Hier, von der Küste aus, wird sie durch das Viereckhaus mit Satteldach (s. Tafel 70, 115, 202, 204), auf dem ganzen Zentralplateau mehr und mehr durch die Tembe ersetzt. Während dieses Viereckhaus ganz zweifellos fremden, asiatischen Ursprungs ist, gehen die Ansichten über die Herkunft der Tembe noch sehr weit auseinander (s. Tembe). Höhlenwohnungen werden nicht mehr dauernd, sondern nur noch in Zeiten der Gefahr benutzt bei den Waheia im Westen des Victoria Njansa und bei einzelnen Völkern des abflußlosen Gebiets in der weiteren Umgebung des Manjarasees, den Wafiome, Waniraku und Wanjaturu, die von ihren versenkten Temben aus geräumige Höhlen in den harten Boden graben. Formen ausschließlich des Nordens sind die bienenkorbförmige Rund- oder Kuppelhütte der Wahuma und die längliche, aber nach demselben Prinzip gebaute Massaihütte. In beiden Fällen bestehen Wand und Dach aus denselben Zweigen, die vom Erdboden bis zum Scheitelpunkt der Hütte und darüber hinaus reichen. Pfahlbauten sind aus D.-O. nur vom oberen Magarassi, vom Ostufer des Njassa. (s. Tafel 204) und vom mittleren und unteren Rovuma bekannt (s. Tafel 38).

b) In der Bekleidung der Ostafrikaner spielen heute eingeführte Kattune die Hauptrolle. Ursprünglich sind sicher Felle und enthaarte Häute fast ebenso allgemein gewesen, denn nur wo die Vermutung älterer fremder Einflüsse besteht, finden wir andere Materialien. So war der ganze Südwesten bis nach Unjamwesi hinauf ein Gebiet roher Baumwollgewebe, die auf breiten, primitiven Webstühlen hergestellt wurden. Man geht wohl kaum fehl, wenn man diese Webetechnik vom Sambesi herauf eingeführt sein läßt, in dessen Tal sie von außen her eingedrungen sein mag. Ferner ist der Nordwesten mit den Landschaften Urundi und Uha noch heute ein Gebiet vorwaltenden Rindenstoffes, während dieses Material in vielen anderen Landesteilen nur noch zur Bekleidung der mannbar werdenden Jünglinge und als Packmaterial verwandt wird. Vermutlich hängt diese Provinz mit der noch ausgeprägteren Rindenstoffprovinz Uganda zusammen. Mäntel und Schurze aus Raphiafaser gab es bis vor kurzem ganz allgemein bei den Waheia am Westufer des Victoria (s. Tafel 201); Stulpe endlich für die Bedeckung der glans penis (s. Tafel 81) sind ein Erbteil der Wangoni, deren Väter diese nutschi mit aus dem Süden des Erdteils heraufgebracht haben. - Der Schmuck hält sich im allgemeinen innerhalb der Grenzen jener Nüchternheit, die auch sonst ein Grundzug der ostafrikanischen Kulturen ist; nur der Einflußbereich der Massai und der Wageia hat phantastischere Formen hervorgebracht. Bei den Grundbantu haben bis in die Neuzeit hinein Arm-, Hals-, Leib- und Knöchelringe aus Leder oder Fell vorgeherrscht; gleichzeitig ist auch das Elfenbein zu dieser Art Schmuck verwendet worden. Eine moderne Errungenschaft sind Perlen, die bei einigen Völkerkreisen, wie dem der kafferischen Wangoni und der Massai, seither fast alle übrigen Ziermittel verdrängt haben (s. Tafel 12 und 197); weiterhin dann auch mehr oder minder kunstvoll gefertigte Ringe aus Eisen, Kupfer, Messing. - Um so lebhafter ist das Schmuckbedürfnis des Kulturbezirks der Massai und ihrer nilotischen Sprachgenossen am Nordostufer des Victoria Njansa, der Wageia und ihrer Nachbarn. Den Kopf, vor allem der Krieger, zieren hier wildphantastische "Helme" aus Affen- und Löwenfell (s. farbige Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 1) oder aus Leder mit Besatz aus den leuchtendroten Beeren von Abrus precatorius (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 4) oder Segmenten von Flußpferdzähnen oder gar Mützen aus dem Magen großer Säuger (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 7). Das Gesicht umrahmen dieselben beiden Völkergruppen mit Gebilden von der Art der auf farbiger Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 1, 2 u. 11 wiedergegebenen, während die Wangoni und ihre Nachahmer im Süden mit Vorliebe ungeheure kugelförmige Wülste aus großen Vogelfedern auf den Kopf stülpten und mächtige Kragen aus demselben Material um die Schultern legten. - Der übrige Körperschmuck der Massaigruppe ist gekennzeichnet durch ein Übermaß von Behang- und Ringschmuck. Massai, Dschagga, Wakuafi, Wandorobbo, Wambugu, Wataturu, Bakulia, Wassonjo und andere befestigen sich ein ganzes Arsenal von Metallspiralen, Metallkettchen, Holzklötzen jedes Kalibers, Perlenzieraten usw. in den Ohrläppchen, am Hals, an den Armen und Beinen (s. farbige Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 1, 3 u. Tafel 118). Die Metallspiralen um den Hals wachsen dabei oft bis über die Schultern hinaus. - Eine ebenfalls auf das nördliche Ostafrika beschränkte Zier ist eine Oberarmspange von der Gestalt eines mit den freien Enden aneinandergeschweißten Hufeisenpaares. Ursprünglich ist sie vorwaltend aus Rhinozeroshorn, auch wohl aus Elfenbein hergestellt worden; jetzt macht sich auch hier eingeführtes Eisen breit. Für gewöhnlich fehlt bei der Spange der bogenförmige obere Ansatz; die Enden legen sich vielmehr fest in die Senke zwischen Oberarm und Brust. Ein Grund für die Beliebtheit gerade dieses Schmuckes ist der Glaube, daß er den Arm stärke. Die leise Spannung, in welcher der Arm durch die Spange dauernd gehalten wird, hat zu diesem Glauben Anlaß gegeben.

c) Eine ähnliche Verbreitung wie die zylindrische Kegeldachhütte, nämlich über die Mehrzahl der Grundbantu, hat unter den Körperverunstaltungen die Auskerbung der mittleren oberen Schneidezähne. Bei den Massai und den metamorphischen Bantu bricht man die beiden unteren mittleren Schneidezähne aus, während man gleichzeitig die oberen vorbiegt. Zuschärfung nur der beiden mittleren oberen Schneidezähne (s. Tafel 39) oder aller vier (s. Tafel 39) oder aller acht ist am Njassa und Rovuma, doch auch bei den Wapare üblich; Ausschlagen aller vier unteren Schneidezähne bei den Wakinga. Andere "Gebißverschönerungen" bestehen hier und da aus dem Halbieren der Zähne der Quere nach, dem Ausfeilen von Lücken in die einzelnen Zähne, und anderen Methoden mehr. Noch allgemeiner als die Eingriffe in das Gebiß sind die in die Haut. Ziernarben im Gesicht, auf der Brust, dem Bauch, dem Rücken und den Oberschenkeln sind unter den Bantu sehr häufig (s. Tafel 117, 118). Die Beschneidung fehlt ganz im Zwischenseengebiet und auf dem Zentralplateau. Geschlossen tritt sie nur im Osten auf, wo jedoch die Massai sie in einer besonderen Weise ausüben. Einer weiten Verbreitung erfreut sich dagegen die Sitte des Einfügens von Fremdkörpern in gewisse Körperteile. Ohrpflöcke sind außer bei den Wahuma ganz allgemein. Das von den Frauen im linken Nasenflügel getragene Pflöckchen aus Ebenholz, Silber, Ton oder Bambus, das von Indien her bei den Suaheli Eingang gefunden hat (kipini), ist seither immer weiter ins Innere gedrungen. Eine Besonderheit schließlich der Frauen bei den Makonde, Wamuera, Matambwe, Jao und etlichen Stämmen am Njassa sind Holzscheiben (Pelele s.d.) von verschiedenem Ausmaß (bis 7 cm Durchmesser) in der durchbohrten und systematisch aufgeweiteten Oberlippe (s. Tafel 117). Vereinzelt kommen am Rovuma auch Stifte in der Unterlippe vor. Bei den Mavia auf der portugiesischen Seite des Rovuma sollen auch die Männer derartige Lippenzierate tragen.

d) Die Beschäftigung der Völker D.-O.s hängt aufs innigste mit ihrer Rassenstellung und bis zu einem gewissen Grad auch mit ihrer Naturumgebung zusammen. Alle Bantu sind Hackbauern, während alle Hamiten ebenso begeisterte Viehzüchter sind. Die dürre Steppe ist für den Feldbau im allgemeinen wenig geeignet (wobei jedoch auf die Wagogo mit ihrer ganz erstaunlichen Produktion hingewiesen sein mag), doch versteht der Neger auch aus armem Boden für kurze Zeit ziemlich ergiebige Ernten zu erzielen. Dabei ist sein Ackergerät ganz allgemein höchst einfach und einseitig. Das augenfälligste Instrument ist die mannigfaltig geformte Hacke (s. Tafel 40 Abb. 7, 9), nach der die ganze Wirtschaftsform des ackerbauenden Negers den Namen Hackbau bekommen hat. Ur- und Ausgangsform ist jedoch der Grabstock; er dient noch jetzt zum eigentlichen Auflockern des Bodens, während die universalere Hacke mehr für alle späteren Arbeiten, das Reinhalten der Felder, die Ernte usw. bevorzugt wird. - Die Ertragsfähigkeit des Bodens ist natürlich recht ungleich. In den regenfeuchten Gebieten westlich vom Victoria Njansa überhebt die mühelose Kultur der Banane den Eingeborenen jeder schweren Arbeit. Er hat im Grunde genommen nur nötig, die reifen Bananentrauben mit Hilfe von langgestielten Messern abzuhauen und die erledigten Bananenstrünke umzulegen - das ist alles. Die Pygmäenreste waren ursprünglich Sammler und Jäger, also rein konsumierende Völker ohne jede Eigenproduktion; sie sind jedoch in Urundi unter der Wirkung der fortschreitenden Entwaldung, die ihrerseits eine Folge des ambulanten Hackbaus der Neger ist, ansässig geworden und haben sich in bestimmten Dörfern dem Töpfergewerbe zugewandt. Im Zwischenseengebiet betreibt die altansässige Bantubevölkerung Hackbau und Bananenkultur, während die herrschende Oberschicht der Watussi und Wahuma sich der Zucht des Großhornrindes widmet. Wo die Abwesenheit der Tsetse es erlaubt, wie in Uhehe und am Kilimandscharo, auch in einzelnen Teilen des Njassagebiets, legen auch vereinzelte Bantustämme auf die Viehzucht das Hauptgewicht. Im Tiefland am Nordwestende des Njassa schützen dabei die Konde ihr Vieh durch ständige Aufbewahrung in eigenen Ställen (s. Tafel 201). Stallfütterung betreiben im übrigen auch die Dschagga am Kilimandscharo, jedoch weniger in Rücksicht auf das Klima als auf diebische Nachbarn.

e) Mannigfaltig sind Technik und Industrie der Eingeborenen. Am allgemeinsten verbreitet ist die Kunst der Holzbearbeitung, ja man kann direkt sagen, daß der Neger trotz des Besitzes der Metalle in einer Holzzeit lebt. Der Gang durch die ostafrikanischen Sammlungen eines größeren ethnographischen Museums wird das ohne weiteres offenbaren. Aber wie urwüchsig ist dabei diese Technik! Tischlerei, d. h. das kunstgerechte Zusammenfügen durch Verzapfung und Leim ist völlig unbekannt; alles und jedes wird vielmehr mühselig aus dem Vollen, aus einem Stück gearbeitet. So die häufig nicht einmal geschmacklosen Schemel (s. Tafel 40 Abb. 5), so die Trommeln (s. Tafel 40 Abb. 12, 13, 15, 23) und die Resonanzböden der Streich- und Schlaginstrumente (s. Tafel 40 Abb. 8); so alles übrige, was in Haus und Hof an Geräten verwandt wird. Lediglich an der Küste ist unter arabischem und indischem Einfluß etwas wie Tischlerei zustande gekommen, wie die zur Zerkleinerung harter Früchte (Kokos usw.) benutzte "Mbusi" (d.h. Ziege; so benannt nach ihrer Form; Tafel 40 Abb. 6) beweist. Sie ist eine Nachbildung des bekannten Koranständers. Auch in der Kunst besteht alles nur aus einem Stück; so die vielgestaltigen Tanzmasken der Makonde (s. Tafel 40 Abb. 2, 4); so die die Ahnfrau der Makonde darstellenden Frauenfiguren (s. Tafel 40 Abb. 1); so auch die ebenfalls dem Gebiet um den unteren Rovuma angehörigen Schnupfbüchschen (mitete, s. Tafel 40 Abb. 3), die die Ziernarben und die übrigen Körperverunstaltungen der dortigen Völker meist recht genau wiederholen. - Die Töpferei ist, wie fast allgemein auf der Erde, örtlich an das Vorkommen brauchbarer Tone gebunden und tritt daher als eine Art Gau- oder Dorfgewerbe auf. Dabei wird sie jedoch stets von der Frau ausgeübt, wenigstens soweit Gefäße in Frage kommen; nur die Köpfe zu ihren Tabakpfeifen stellen die Männer sich selbst her. Bei den Wakissi am Nordende des Njassa vertreibt der Hausherr die zierlichen keramischen Erzeugnisse seiner Frau über weite Teile des Sees hin. Die Drehscheibe ist ganz allgemein unbekannt; meist werden die Gefäße aus einzelnen Tonwülsten aufgetürmt, die man dann verstreicht; im Süden jedoch arbeitet man die Gefäße lieber aus dem Vollen heraus, indem man einen feuchten Tonklumpen mit der Hand und einigen wenigen Geräten, einem Bambusspatel, einem Stein u. dgl., zu schmucklosen, aber sauberen Gefäßen ausknetet. Hier benutzt man auch Untersätze aus Tonscherben als eine Art Anfang der Drehscheibe. Auch das Verstreichen der Hütten mit Lehm ist durchweg Obliegenheit der Frau. Diese Tätigkeit sowohl wie auch die Töpferei sind eben eine Erfindung des weiblichen Geschlechts und haben sich in höchst konservativer Weise bis auf die Gegenwart herüber gerettet. - Weitere weitverbreitete Techniken sind die Flechterei und die Eisenindustrie. In jener stehen, was Hohlformen (Körbe u. dgl.) anbelangt, nächst den Waganda die Frauenarbeiten der Wahuma und einzelner Wanjamwesigruppen obenan, während in der Mattenflechterei die Frauen der Suaheli ganz Vortreffliches leisten. Einen hübsch verzierten großen Korb aus dem Küstengebiet stellt farbige Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 14 dar. - Die alte Eisenindustrie ist gegenwärtig fast völlig durch eingeführte Erzeugnisse verdrängt. Vorher war die Herstellung der Metalle selbst wie auch das Schmieden außer bei den Pygmäen sicher überall bekannt, wenn auch vielleicht nicht überall geübt. Es gab vielmehr auch für diesen Industriezweig bestimmte Zentren, die besonders Hervorragendes leisteten und den Markt auf weithin versorgten. Bekannt sind in dieser Beziehung die Warongo in Ussindja, die bis vor kurzem alljährlich viele Zehntausende von Hackenklingen (jembe, s. Tafel 40 Abb. 9) auf den Markt von Tabora warfen, von wo sie dann weit nach Osten und Westen verhandelt wurden. Unjanjembe, die Landschaft um Tabora, ist nach diesem Artikel direkt als "Land der Hacken" benannt worden. Auch die Schmiedekaste der Massai, die Elgonono, sowie die Dschagga und mancher andere Stamm leisteten durchaus Anerkennenswertes in der Schmiedekunst. - Verschieden waren und sind, wo wenigstens die Schmiedekunst noch geübt wird, die Blasebälge. Die über ganz Afrika verbreitete, nach v. Luschan ältere Form ist der auf Tafel 40 Abb. 14 abgebildete Schalenblasebalg; weniger allgemein verbreitet und anscheinend eine jüngere Einfuhr von Asien her ist der ebenda in Abb. 18 wiedergegebene Schlauchblasebalg. Beim ersteren besteht der Körper meist aus Holz in der Form eines großen Doppellöffels, hier und da auch aus Ton; beim Schlauchblasebalg ist dieser Körper das Fell eines größeren Vierfüßers, dessen eine Seite offen gelassen wird, während man drei Beinfelle zubindet und nur in das vierte eine Eisendüse führt. Den Schalenblasebalg handhabt man mittels zweier Stöcke, die je eine über die Schalen gespannte Membran heben und senken; beim Schlauchblasebalg öffnet die über den Schlitz gespannte, mit 2 Schienen bewehrte Hand diesen Schlitz bei der Aufwärtsbewegung und schließt ihn beim Niederdrücken. Der Erfolg ist in beiden Fällen ein mäßiger Luftstrom, der jedoch hinreicht, Eisenstein im Rennverfahren zu verhütten und Eisen zum Schmieden rotglühend zu machen. - Die letzte allgemein verbreitete Technik ist die Fellbereitung. Ein eigentliches Gerben ist unbekannt; die Bearbeitung der Häute geht vielmehr nirgends über eine einfache mechanische Behandlung durch Reiben und Walken hinaus. Nur eine primitive Art der Sämischgerberei kennt und übt man, indem man die Felle mit tierischen Fetten und Rizinusöl, auch mit Butter geradezu tränkt und darauf durch Walken ein leidlich haltbares Leder erzeugt, das auch nach einer tüchtigen Durchnässung nicht mehr hart wird. Regional, ja sogar lokal beschränkte Industrien sind die Weberei, die Rindenstoffbereitung und die Salzfabrikation. Die Weberei war vor der Überflutung des Landes durch eingeführte Kattune auf das Gebiet zwischen Njassa und Tanganjika im Süden und der Südwestecke des Victoria im Norden beschränkt; sie lieferte auf breiten, horizontalen Webstühlen grobe gestreifte Baumwollstoffe. Die Rindenstofftechnik besitzt ihre höchste Vollendung in Uganda, wo besondere Künstler ganz riesige Stücke zu fertigen und zu bemalen wissen. Zur Bekleidung wird ein ähnliches, nur schlechteres Material gegenwärtig noch in einzelnen Teilen von Urundi benutzt, während im ganzen Süden schmale Rindenstoffstreifen nur noch von den mannbar werdenden Knaben während der Pubertätsfeier getragen werden. Die Technik ist überall gleich: man löst den Rindenmantel durch zwei Kreis- und einen Längsschnitt vom Baum ab, befreit das Stück von der äußeren Borke, legt es auf einen Block und hämmert es unter stetigem Ziehen mit gerieften Hämmern oder Keulen, bis eine Art Filz entsteht. Eine andere Art der Baumrindenverwendung üben die Wanjamwesi mit der Herstellung ihrer sog. Lindoschachteln. Es sind das Behälter meist aus dem Bast von Miombobäumen, die für verschiedene Zwecke verwandt werden und demgemäß in den Abmessungen vom kleinsten Behälter bis zum mannshohen Faß schwanken. Farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 5 stellt eine solche Schachtel dar. - Ihren Salzbedarf decken die Bewohner D.-O.s zu einem Teil aus stark salzhaltigen Quellen, deren Wasser man durch einfaches Eindampfen in Salz verwandelt. So geschah es bis vor kurzem am unteren Magarassi. Heute arbeitet dort die zentralafrikanische Seengesellschaft, deren Saline Gottorp an die Stelle des alten primitiven Verfahrens einen weit rationelleren Betrieb gesetzt hat. Allgemeiner war und ist jedoch das Auslaugen salzhaltiger Tone und Pflanzenaschen, deren im Trichter ausgelaugte Bestandteile der Neger in flachen Gefäßen eindampft. Das so gewonnene Erzeugnis ist meist grau und unrein, enthält oft auch nur wenig Chlornatrium, bekommt dem Neger aber ausgezeichnet.

f) Bei dem Vorherrschen des Feldbaues stehen in der Nahrungsaufnahme der Ostafrikaner Vegetabilien obenan. Wo, wie im größten Teile des Landes, Körnerfrüchte (die verschiedenen Hirsearten, Mais und Reis) vorherrschen, ist das Normalgericht der Ugali, ein steifer Brei, zu dem als Zuspeise Brühe von allerlei Gemüsen und, wenn man es haben kann, auch Fleisch gegessen wird. In der Bananengegend des Zwischengebietes stehen die vielen Abarten dieser Frucht, die man in der mannigfachsten Weise zu bereiten versteht, im Vordergrunde. Fleisch ist überall zugänglich, soweit es durch die Jagd und die ganz allgemein geschickt konstruierten Fallen erlangt wird. Bei den Viehzüchtern bildet das Schlachten der als höchst wertvoll erachteten Tiere der eigenen Herde die Ausnahme; nur bei den Massaikriegern war es in der guten alten Zeit die Regel, soweit der Moran, der unverheiratete Krieger (s. Massai), nicht den Genuß von Rinderblut mit dareingemischter Milch und Honig vorzog. Das Blut wurde zu dem Zweck den Rindern durch eine Art Aderlaß aus einer Halsvene abgezapft. Zerkleinerungsmittel für das Getreide ist ganz allgemein der Reibstein mit dem Läufer, während der fast ebenso verbreitete Mörser mehr zum Enthülsen der Körner dient. - Unter den Genußmitteln herrscht das Bier aus Hirse oder Mais (Pombe) vor; seine Verbreitung deckt sich mit der jener Körnerfrüchte. Küstengetränk ist der aus der Kokospalme gewonnene Tembo, das der Bananenländer ein aus dieser Frucht gewonnener Wein. Der Tabak hat im Lande drei große Verbreitungsbezirke: das Zwischenseengebiet, den Strich von Ufipa über das Nordende des Njassa und den Ostrand des Tafellandes bis Usegua und Usambara und die Zone längs des Rovuma. Ein kleiner Sonderbezirk ist Unjanjembe. Neben Trockenpfeifen finden sich auch Wasserpfeifen; im übrigen zieht der Neger das Schnupfen vor. In Urundi spielt sich der Vorgang in der Weise ab, daß der Schnupfer Tabaksbrühe in seine Nase zieht, worauf er auf deren Unterteil eine Art Wäscheklammer zwängt, die das zu rasche Auslaufen der geschätzten Flüssigkeit verhindern soll. Das Kauen des Tabaks ist schließlich an der Küste üblich. Hanfgenuß ist den Wanjamwesi eigen. In Kissiba und seiner Nachbarschaft dienen die Bohnen des dort wachsenden Kaffees in der Weise als Genußmittel, daß man sie roh kaut.

g) Unter den Angriffswaffen sind Bogen und Pfeil, Keule und Wurfspeer der Bantubevölkerung sicher von jeher eigentümlich. Dem Norden des Landes, haben dann die Wahuma und Massai die lange nordostafrikanische Lanze mit aufgesetzter Klinge, dem Süden die Wangoni den kurzen, nur zum Nahangriff geeigneten, darum aber taktisch um so wirksameren Stoßspeer gebracht. Der Massaispeer ist stets mehr als 2 m lang. Ursprünglich, d.h. vor dem Eindringen überseeischen Eisens, waren Blatt und Schuh nur wenig größer als bei anderen ostafrikanischen Lanzen auch. Dann beginnen Blatt wie Lanze immer länger und schlanker zu werden, bis seit etwa der Jahrhundertwende eine Form erreicht worden ist, bei der der Schaft nur eben gerade noch eine Handbreit lang ist, während alles übrige aus reinem Eisen besteht (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 1). Der Massairegion ist auch noch das nach der Spitze zu verdickte und verbreiterte und dadurch ebenfalls sehr wirksame sog. Massaischwert (s. Tafel 40 Abb. 24, 21) eigen. - Unter den Schutzwaffen fehlt der Schild nahezu überall in dem Gebiet des Bogens. Dafür haftet er um so fester am Speer. Schildgegenden sind demgemäß der ganze hamitische Norden mitsamt seiner Einflußsphäre der Massaiaffen, und ebenso der ganze Süden einschließlich seiner Region der Suluaffen. Dabei ist der ganze Osten ein Gebiet des Leder- oder Fellschildes (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 1, 9, 15 u. Tafel 40 Abb. 16, 26, 27), während das Zwischenseengebiet bereits den westafrikanischen Pflanzenstoffschild zeigt, einfache oder überflochtene Holzplatten (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 12). Ein interessantes Gebiet der Anfänge des Schildes überhaupt liegt in der Gegend zwischen dem Ejassisee und dem Victoria, indem einige dortige Völkerschaften (Wanjaturu, Waschaschi, Wataturu) die menschheitsgeschichtlich uralte Parierstange gegen Stock- und Keulenhiebe sehr einfach aber sinnreich mit einem Bügel aus derbem Tierfell versehen, der die Hand vollkommen ausreichend gegen jene Hiebe schützt. Dieser Parierschild samt dem dazu gehörigen Schlagstock (s. Tafel 40 Abb. 17, 26, 27) dient nicht mehr als Kriegswaffe, sondern ist zum Überlebsel geworden, indem die übermütige Jugend sich ganz in der Art unserer deutschen Studenten eine Art Bestimmungsmensur mit ihnen leistet. Die Entwicklung des Schildes aus der einfachen Parierstange zeigt sich in dieser Gegend insofern, als man an der Hand der Sammlungen lückenlos verfolgen kann, wie die Lederscheibe immer größer wird und wie der hindurchgesteckte alte Parierstock immer weniger über das Leder hinausragt. Mit dem Beginn des Zwanges, den Körper nicht bloß mehr gegen Hiebe und einzelne Speerwürfe, sondern auch gegen die unsichtbar heransausenden heimtückischen Pfeile zu schützen, tritt die Flächenhaftigkeit des Schildes dann vollkommen in den Vordergrund. Die Fellschilde Ostafrikas beweisen diesen ihren Entwicklungsgang ganz einwandfrei dadurch, daß sie trotz ihrer Flächenhaftigkeit dem uralten Parierschild anatomisch noch immer gleichen. Ein diesen Parierschilden des abflußlosen Gebiets nahezu analoges Vorkommnis ist übrigens der in farbiger Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 10 wiedergegebene Gegenstand vom Ostufer des Njansa, dem ebenfalls jede breitere Schutzfläche fehlt, der aber, im Verfolg der größeren Farbenfreudigkeit dieser Gegend, wenigstens hübsch bemalt ist. Politisch- geographisch bemerkenswert innerhalb der ganzen Waffenverbreitung ist die Erscheinung, daß Stoßspeer und Schild bei den tatkräftigen kriegerischen Völkern, Bogen, Pfeil und Wurfspeer bei den schwachen, passiven Stämmen vorherrschend sind.

h) Handel und Verkehr sind in Ostafrika seit jeher ohne die Zuhilfenahme besonderer Verkehrsmittel vor sich gegangen; Ostafrika ist das Land des Trägerverkehrs schlechthin. Seit dem Eindringen der Araber hat diese urwüchsige, rückständige, zudem teure Methode gleichwohl sehr große Entfernungen und beträchtliche Massen bewältigt; allerdings stets nur Wertartikel wie Elfenbein und Kautschuk, keine Massenartikel. Auch über den bloßen Austausch ist man im Handel nicht hinausgekommen; wo wir Wertmesser finden, sind sie Einfuhr von außen. Das gilt für die Perlen und Stoffe, ohne die der Karawanenverkehr im Lande nicht durchführbar war, solange nicht die Kolonialmächte Metallwährung eingeführt hatten. Auch das Geld des Zwischenseengebiets, die Kaurischnecke, ist Einfuhrgut. Die einzige Ausnahme bildet die Jembe, das Feldhackenblatt des Marktes von Tabora (s. Tafel 40 Abb. 9), das als Wertmesser auf dem ganzen Zentralplateau galt und weit in die Lande ging. - Zu Wasser ist der binnenländische Ostafrikaner über den Einbaum nicht hinausgekommen; wo wir an den Rändern des Landes höhere Verkehrsmittelformen finden, sind auch sie fremd. So lebt die ganze Küste von arabischer, indischer, malaiischer Beeinflussung, und so haben auch die Waheia ihr genähtes Plankenboot von den Waganda übernommen, die es ihrerseits sicher auch erst von Fremden übernommen haben.

C. Der geistige Kulturbesitz.

a) Darin gehört die Neigung zu Musik und Tanz zu den hervorstechendsten Charakterzügen. Die allgemeine Form des Tanzes ist der Reigen (ngoma), sei es in geraden Fronten oder dem geschlossenen Kreis, wobei die Teilnehmer sich nach dem Takt der Trommelkapelle rhythmisch bewegen. Die Formen dieser Trommeln schwanken dabei je nach den Landschaften, aber doch auch nach den einzelnen Ngomaarten. Die Abb. 12, 13, 15, 23 Tafel 40 stellen einzelne solcher ostafrikanischer Trommeltypen dar. Abb. 12, die sog. Ugandatrommel, ist die häufigste unter ihnen, die sanduhrförmigen Gebilde 15 und 23 aus dem Süden erinnern dahingegen auffällig an melanesische Formen. Maskierung tritt bei den Tänzen nur während der Mannbarkeitsfeste auf, im wesentlichen zudem auch nur bei den Makonde und ihren Nachbarn. - Von Saiteninstrumenten sind in D.-O. die folgenden verbreitet: der Musikbogen über Unjamwesi, Ungoni und Usaramo. Im Gegensatz zu dem südafrikanischen Vorkommen besitzt er hier im Osten bereits einen Resonanzboden, meist eine Hohlfrucht. Die höher entwickelte Form der Sese, bei der der Saitenträger starr geworden ist, findet sich über den ganzen Süden von der Küste bis Unjamwesi hin verbreitet. Die Schalenzither, eine ovale Holzmulde mit einer von Rand zu Rand hin- und herlaufenden Einheitssaite (s. Tafel 40, Abb. 20), über das ganze Zentralplateau, den Süden und den Westen. Die Lyra ist auf Uschaschi beschränkt; das mit dem Bogen gestrichene Monochord von der Form der Tafel 40, Abb. 19 auf das Gebiet zwischen der Küste und dem Njassa und dessen Umrandung; die Schalmei endlich von der Form der Tafel 40, Abb. 22 ist sicher eine verhältnismäßig moderne indische Einfuhr. - Auch andere Formen sind nur von lokaler Verbreitung. So die Sansa oder Ulimba, eine Klimper, auf deren Resonanzkasten ein System von Holz- oder Eisenzungen befestigt ist (s. Tafel 40, Abb. 8), über den äußersten Süden. Die Marimba, das bekannte Negerxylophon mit hölzernen Tasten, tritt im Nordosten ganz ohne Resonanzvorrichtung auf, indem man in Usambara und seinen Nebenländern die Tasten einfach auf 2 Längsstäbe legt. Im Süden, bei den Makondo, ruhen sie ebenso einfach auf zwei parallelen Strohbündeln, die ihrerseits auf Holzbalken befestigt sind (s. Tafel 40, Abb. 11). - Das allgemeinste Instrument des Ostafrikaners ist die Trommel; außer bei den Massai und in Urundi und Ruanda fehlt sie nirgends.

b) Die politische Befähigung der Eingeborenen Ostafrikas ist im allgemeinen nicht als groß zu bezeichnen, doch sind selbst innerhalb dieser Beschränkung die Unterschiede noch recht beträchtlich. Eine gut verfolgbare politische Geschichte kennen wir nur von den Wangoni, Wanjamwesi, Wahehe, Wabena und Wassangu, wobei es sich allerdings auch nur je um Jahrzehnte. oder den größeren Teil eines Jahrhunderts handelt. Die Wahuma des Zwischenseengebiets rühmen sich zwar alter Reichsbildungen, doch entzieht sich die Berechtigung dazu einstweilen noch unserer Beurteilung. Die gesamte übrige Bevölkerung ist nirgends über den Dorf- oder Gaustaat hinausgekommen; selbst die "Reiche" der Waheia verdienen kaum eine andere Bezeichnung. Eine Art theokratischen Staatswesens besitzen die Massai, indem der Ol oiboni weniger als weltlicher Herrscher denn als Nationalheiliger oder Patriarch zu bezeichnen ist.

c) Auf religiösem Gebiet läßt sich die gesamte Stufenleiter primitiver Glaubens- und Kultusäußerungen verfolgen (s. Religionen der Eingeborenen). Für die Massai hat Moritz Merker in seinem vielbesprochenen Buch sogar den starren Monotheismus der alten Hebräer nachweisen zu können geglaubt. Weit verbreitet ist allem Anschein nach der Manismus oder Ahnenkult. Wie in Deutsch-Südwestafrika bei den Herero haben die Ahnen ihren Sitz in heiligen Bäumen; bei den Makonde stellt man die Stammesmutter, aus deren Schoß das gesamte Volk entstanden ist, in Form roher Skulpturen dar, wie Tafel 40, Abb. 1 eine solche wiedergibt. Ganz allgemein ist sodann der Animismus, der Glaube an das Beseeltsein der ganzen Natur, und sicher nicht weniger verbreitet schließlich der präanimistische Zauberglaube. Zauberer (waganga) und Regenmacher gibt es überall; sie alle arbeiten in der Ekstase mit dem Glauben an die eigene Zauberkraft und dem anderen an ihre Macht über die Geister innerhalb der Natur. Aus eigener Kraft und ohne Ekstase zaubert sodann, wie die Unsumme von Zaubermitteln und Medizinen in unseren Museen bezeugt, jeder gewöhnliche Mann. Als Hilfsmittel dazu ist ihm jeder Gegenstand recht; vor allen Dingen stehen die Wurzeln zahlreicher Pflanzen im Geruch der Zauberkraft; richtig angewandt, schädigen sie den Feind auf jede Entfernung und in jedem gewünschten Grade. Auch Pflanzensäfte werden zu dem gleichen Zweck zubereitet. Vor allem jedoch nimmt man seine Zuflucht zu bestimmten Teilen von Tierkörpern, oder man verwendet gleich ganze Tierkadaver selbst als Divinations- und Zaubermittel. Farbige Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 8 und 13 stellen zwei solche Apparate aus der Umgebung des Makondeplateaus dar; Abb. 13 eine sog. Trokolla, Abb. 8 eine Chissangu (kijao; suaheli Kissangu). Die Trokolla besteht im wesentlichen aus einem Tierhorn, das auf einem durchgehenden Stabe drehbar ist. Gilt es für den Zauberer, einen Verbrecher zu eruieren oder die Zukunft vorauszusagen, so wirbelt er das Horn mit mäßiger Geschwindigkeit um seine senkrecht in der Hand stehende Achse. Ist die gewünschte Rotation erreicht, so setzt er noch ein zweites Horn darüber, das nun mitdreht. Mit einemmal bringt der Zauberer das untere Horn durch Anhalten mit der linken Hand zum Stillstand, während das obere noch weiter wirbelt. Aus der Art der endlich erreichten Ruhelage, d.h. dem Winkel, den beide Hörner miteinander bilden, entnimmt der Mganga (Zauberer), ob der Verdächtige schuldig oder unschuldig ist. Der Willkür ist natürlich dabei Tor und Tür geöffnet. - Noch kräftiger ist die Chissangu; wenn alle anderen Zaubermittel nicht mehr fruchten, wendet man sie an; so bei frischen Todesfällen - bei den Naturvölkern ist der Tod im allgemeinen nichts Natürliches, sondern etwas durch die Maßnahmen eines andern Verursachtes -, bei Erkrankung eines Kindes, bei Diebstählen; stets um den Schuldigen festzustellen. Die Handhabung des hübsch mit Perlen und Paternosterbohnen (Abrus precatorius) besetzten, einem maulwurfähnlichen Tier entnommenen Balges erfolgt in der Weise, daß der Mganga das Bündel an den Schwanz faßt, es unter den Beinen hindurchsteckt und nun mit ihm "wippt", d.h. es durch Auf- und Nieder-, Hin- und Herbewegen zu balanzieren sucht. Steht das Tier schließlich vor einem der Anwesenden senkrecht und drückt es dabei die Hand des Meisters gleichzeitig schwer zu Boden, so ist der Verdächtige der Tat überführt und geht seiner Bestrafung entgegen. Die Spiegelscheiben am Chissangu sollen den Übeltäter entweder durch ihr Glitzern schrecken, oder sie stellen sozusagen das Auge der Gottheit dar, die bei der Bewegung drohend auf den Schuldigen schaut.

d) Kunst und Wissenschaft schließlich halten sich in Ostafrika in bescheidenen Grenzen. Eine Schrift haben nur die Suaheli; bis zur Übernahme der von den Kolonialmächten eingeführten Lateinschrift merkwürdigerweise die für die vokalreiche Sprache durchaus ungeeignete arabische. Als eine Art Anfang der Schrift, zugleich auch des Kalenders, lassen sich die Knotenschnüre auffassen, die neuerdings im Rovumagebiet nachgewiesen worden sind. - In der Plastik leistet der Ostafrikaner durchgehends weniger als der Westafrikaner. Die menschliche Figur und ihr Antlitz werden allein bei den Makonde und ihren Nachbarn und den Wasaramo (s. farbige Tafel Deutsch- Ostafrika Abb. 6 u. Tafel 40 Abb. 1-4) dargestellt. In Usaramo stellt das Volk große Holzpfähle von der Form stark stilisierter menschlicher Figuren auf die Gräber; dem zum erstenmal menstruierenden Mädchen aber übergibt man eine kleine, mit einer Perücke von Tonkügelchen verzierte Puppe von der in Abb. 6 der farbigen Tafel von Deutsch-Ostafrika wiedergegebenen Form, die von dem Mädchen von da an bis zur Geburt des ersten Kindes ununterbrochen getragen werden muß. Mwana ya kiti (Kind vom Stuhl) heißen diese eigenartigen Gebilde. Die Malerei ist allgemeiner, doch beschränkt sie sich auf Tier- und Menschenbilder an den lehmbestrichenen Hauswänden und geht über die Höhe unserer frühen Kinderzeichnungen nicht hinaus. Der bekannte Naturalismus der Jägervölker (Buschmänner, Paläolithiker, Australier) ist ebensowenig bekannt wie die Perspektive und ähnliche höhere Gesichtspunkte.
Weule.

9. Bevölkerungsstatistik. Die weiße Bevölkerung D.-O.s betrug am 1. Jan. 1913 insgesamt 5336 Seelen, und zwar 3536 Männer, 1075 Frauen und 725 Kinder. Hiervon waren 4107 Deutsche, 321 Kolonial-Engländer, 208 Griechen, 130 Franzosen, 99 Österreicher und Ungarn, 71 Türken, christliche Syrer und Rumänen, 90 Engländer, 62 Niederländer, 65 Italiener, 51 Russen. Der Rest verteilte sich auf die übrigen Nationen. Von den erwachsenen männlichen Weißen waren 551 Regierungsbeamte, 186 Schutztruppenangehörige, 498 Geistliche und Missionare, 882 Ansiedler, Pflanzer, Farmer und Gärtner, 352 Ingenieure, Techniker, Bauunternehmer usw., 355 Handwerker, Arbeiter usw., 523 Kaufleute, Händler usw., 19 Ärzte und Arztgehilfen, 169 waren Angehörige anderer Berufe. Die meisten Weißen wohnten in den Verwaltungsbezirken Daressalam (1053), Aruscha (500), Moschi (467), Tanga (581) und Wilhelmstal (423). Die geringste Zahl von Weißen hatten die Bezirke Mahenge (40), Ssongea (35), Rufiji (61) und Urundi (60). - Die Eingeborenenbevölkerung D.-O.s betrug am 1. Januar 1913 7645000 Köpfe. Am dichtesten bevölkert ist das Zwischenseengebiet; die beiden Sultanate Ruanda und Urundi umfassen zusammen mit 31/2 Millionen Einwohnern fast die Hälfte der Bevölkerung der Kolonie, dort kommen 72 bzw. 51 Einwohner auf den Quadratkilometer, während der Durchschnitt des Schutzgebiets nur 8 Einwohner auf den Quadratkilometer beträgt. Nach den Bevölkerungsmengen geordnet betrug die Eingeborenenbevölkerung der einzelnen Bezirke in runden Hunderten:

Die farbige, nicht eingeborene Bevölkerung umfaßte 14898 Personen, davon waren Inder 8784, Araber, Beludschen, Türken usw. 4101, sonstige Asiaten, wie Perser, Chinesen, Malaien usw. 72, sonstige Afrikaner, wie Sudanesen, Somali usw. 1941, Goanesen gab es 656. Endlich waren 114 Mischlinge zwischen Europäern und Negern vorhanden.

10. Eingeborenenproduktion. In dem Wirtschaftsleben des ostafrikanischen Negers spielen die Produkte, welche der Befriedigung seines eigenen Bedarfs dienen, bei weitem die Hauptrolle. Hierfür kommen in erster Linie Ackerbau und Viehhaltung in Betracht. Es gelangen gegenwärtig noch verhältnismäßig wenige Produkte dieser Art zur Ausfuhr, doch hat die Entwicklung der letzten Jahre gezeigt, daß der Eingeborene überall da, wo sich ihm infolge der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse Absatzmöglichkeiten bieten, über seinen eigenen Gebrauch hinaus produziert. Die sog. Okkupationsprodukte sind fast nur für die Ausfuhr bestimmt. Industrie und Handwerk sind im allgemeinen von geringer Bedeutung. Ackerbau. Das verbreitetste Volksnahrungsmittel des Schutzgebiets ist die Hirse. Sie kommt hauptsächlich in zwei Arten vor: Sorghumhirse (Mtama) und Pennisetumhirse (Mawele). Sie gedeiht fast im ganzen Schutzgebiet. Hirse bedeckt nach Schätzung das größte Areal unter allen Anbauflächen Ostafrikas. In manchen hochgelegenen Gegenden der Kolonie tritt an die Stelle der Hirse Korakan (Eleusine, Ulezi). Es liefert ergiebige Ernten und ist in einzelnen Bezirken das wichtigste Nahrungsmittel. Eleusine wird in den Bezirken Moschi und Langenburg viel und mit Erfolg gebaut. Alle drei Getreidearten werden auch zu Pombe (Bier) verarbeitet. An Sorghumhirse wurden im Jahre 1912 ausgeführt 1206 t im Werte von 149 551 M. Auch die Maiskultur ist weit verbreitet und bürgert sich vor allem in den von der Mtamakrankheit heimgesuchten Gebieten immer mehr ein. Die Reiskultur ist den Eingeborenen im ganzen Schutzgebiet bekannt. Man unterscheidet den Sumpf- oder Wasserreis und den Bergreis. Die erstere Sorte ist in Ostafrika die wichtigere, sie wird besonders in feuchten Flußniederungen angebaut. Ausgedehnter Reisbau wird schon in vielen Bezirken getrieben. In Urundi und Langenburg kommt Reiskultur mehr und mehr in Aufnahme. Im Udjidjibezirk wird vor allem in der Luitsche-Ebene viel Reis gebaut. Besonders geschätzt ist der Muansareis, der dem indischen vorgezogen wird. Die Ausdehnungsmöglichkeit der Kultur ist noch sehr groß. Die weiten, zur Reiskultur geeigneten Länder im Innern haben bisher nur wenig zur Versorgung der Küstengebiete beisteuern können, da die Rentabilitätszone des Reises, solange er durch Träger transportiert werden muß, kaum 100 km beträgt. Mit der Verbesserung der Verkehrswege wird der einheimische Reis den jetzt noch in sehr erheblichen Mengen eingeführten indischen Reis allmählich verdrängen können. Ausgeführt wurden 1912 916 t im Werte von 201167 M, dagegen wurden eingeführt ca. 13425 t im Werte von ca. 3,3 Mill. M. Im übrigen wird von Getreidearten nur noch Weizen in nennenswerterem Umfange gebaut, und zwar wurde dieser erst 1905 in der Landschaft Ukinga, Bezirk Langenburg, eingeführt. Die Eingeborenen schätzen das Weizenmehl sehr. Der Anbau dürfte aber vorläufig einen größeren Umfang nicht annehmen, da das Getreide trotz vorzüglicher Qualität und billiger Preise den Transport auf weitere Strecken bei den jetzigen Verkehrsmitteln nicht lohnt. Als Abnehmer kommen daher nur die Nachbarbezirke und in geringem Maße Britisch-Njassaland in Betracht. Bananen werden hauptsächlich in den Bezirken Tanga, Wilhelmstal, Moschi, Bukoba, Ruanda, Usumbura, Dodoma und Iringa in großer Menge, jedoch nur für den eigenen Gebrauch, gebaut. Am Kilimandscharo, in Bukoba, Usumbura und am Njassa sind sie das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Die Bananen liefern auch eine Faser, welche in der Hausindustrie der Eingeborenen eine Rolle spielt. - Knollengewächse, insbesondere Maniok und Süßkartoffeln (Bataten) werden überall für den örtlichen Bedarf angepflanzt und sind als Notkulturen sehr geeignet. Sie haben wenig unter ungünstigen Witterungsverhältnissen zu leiden und gedeihen schon auf geringeren Böden. Seltener sind Yams und Taro. Die europäische Kartoffel beginnt in manchen Gebieten neben der weniger schmackhaften Batate heimisch zu werden und letztere zu verdrängen. Hülsenfrüchte werden im Schutzgebiet in vielerlei Arten gepflanzt und bilden als Zukost einen wesentlichen Teil der Volksnahrung. Die wichtigsten Hülsenfrüchte sind: die Vignabohne (Kunde), Strauchbohne (Mbazi), Helmbohne (Mfiwe) und Mungobohne (Tschirokko). Von Erbsen gedeiht eine vorzügliche Qualität in Gebirgsgegenden. In Westusambara werden auch europäische Bohnen und Erbsen mit gutem Erfolg angebaut. Es ist zu erwarten, daß mit der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse diese Produkte auch im Handel eine Rolle spielen werden. Zuckerrohr wird zwar an vielen Stellen des Schutzgebiets gepflanzt, aber fast nur zum sofortigen Genuß verwendet. Die Araber des Panganitales kultivierten früher Zuckerrohr in großem Maßstabe und führten größere Mengen Zucker aus. Durch den fortschreitenden Ausfall der Sklavenarbeit gingen aber ihre Plantagen immer mehr zurück. Die Produktion, welche 1903 noch einen Wert von 200000 M darstellte, fiel bis auf 10000 M im Jahre 1908, um 1910 wieder auf 48000 M zu steigen, wovon allerdings ein beträchtlicher Teil auf eine europäische Unternehmung entfällt (s. 11. Europäische Unternehmungen). Dattelpalmen werden nur von den Arabern in Tabora gepflanzt, wo sie ausgezeichnet gedeihen. Die Früchte der bestehenden 1000 Palmen genügen lediglich den örtlichen Bedürfnissen. - Die Ananas hat bisher wenig Beachtung gefunden. Sie wird nur für den örtlichen Bedarf angebaut. - In den meisten Bezirken des Schutzgebiets wird Tabak von den Eingeborenen gebaut. Er findet als Rauch- und Schnupftabak Verwendung. Im allgemeinen wird der Negertabak von den Europäern nicht verbraucht, weil er zu schwer und starkrippig ist. Die Eingeborenen rauchen besonders gern Zigaretten. Der hierzu nötige Tabak wird fast durchweg aus Holland importiert. Unter den landwirtschaftlichen Produkten der Eingeborenen, welche hauptsächlich zur Ausfuhr gelangen, nehmen die Ölfrüchte die erste Stelle ein. Hier ist zunächst zu nennen das getrocknete Fruchtfleisch der Kokospalme, Kopra. Die Kokosplantagen sind an der Küste und auf den dieser vorgelagerten Inseln gelegen, doch sind Versuche, Palmen auch weiter im Innern anzupflanzen, teilweise erfolgreich gewesen. Während Araber und Inder sich von jeher der Anlage und Ausnutzung von Kokospflanzen widmeten, findet diese Kultur wegen des sich aus derselben ergebenden sicheren Gewinns jetzt auch bei der Negerbevölkerung mehr und mehr Anklang. Ein großer Teil der Früchte dient den Eingeborenen als Nahrung. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 4242 t Kopra im Werte von 1 563 042 M, von denen der größte Teil aus Plantagen der Eingeborenen stammte. Weiter spielen die Erdnüsse eine wichtige Rolle. Die Erdnußkultur ist mehr oder weniger im ganzen Schutzgebiet verbreitet. Zum Hauptproduktionsgebiet hat sich jedoch unter dem Einfluß der englischen Ugandabahn der Muansabezirk entwickelt. Von hier wurden im Jahre 1910/11 allein 1730 t Nüsse ausgeführt. Daneben kommt an der Küste besonders der Lindibezirk für die Ausfuhr in Betracht. Der Anbau der Erdnuß entwickelt sich trotz ziemlich häufiger Mißernten (Dürre, Kräuselkrankheit) immer mehr zu einer Volkskultur, die der Neger gern annimmt, zumal er sie als Zwischenkultur neben Bohnen, Mais usw. ausüben kann. Der Inlandverbrauch ist so bedeutend, daß in vielen Bezirken die Produktion noch nicht den eigenen Bedarf deckt. Im Jahre 1912 wurden insgesamt ausgeführt 6078 t im Werte von 1273066 Mark. Sesam wird hauptsächlich im Süden sowie im Bagamojo- und Muansabezirk angebaut. Der Verbrauch im Schutzgebiet ist groß, da das Öl als Speiseöl von den Eingeborenen sehr geschätzt wird. In allen größeren Küstenplätzen finden sich Ölmühlen, in denen in primitiver Weise Öl gepreßt wird. Da die Sesampflanze den Witterungseinflüssen gegenüber sehr wenig widerstandsfähig ist, so sind die Ernteerträge und infolgedessen auch die Ausfuhrziffern sehr schwankend. Ausgeführt wurden 1912 1881 t Sesam im Werte von 523719 M. Als weitere ölliefernde Pflanze muß noch die Ölpalme erwähnt werden. Diese kommt besonders in Ruanda, am Tanganjikasee und im Iringabezirk in größeren Beständen vor. Das Palmöl wird hauptsächlich als Speiseöl und zur Seifenfabrikation von den Eingeborenen verwendet. Eine intensive Ausnutzung der Ölpalmbestände wird erst dann möglich sein, wenn die Ölpalmbezirke durch Verkehrswege aufgeschlossen sind. In letzter Zeit ist die Produktion des Palmöls zurückgegangen, da viele der reichsten Bestände wegen der dort vorkommenden Glossinen zur Bekämpfung der Schlafkrankheit gesperrt werden mußten. Pflanzversuche sind an der Küste und am Victoriasee mit Erfolg unternommen worden. Die Kaffeekultur wird von den Eingeborenen nur im Bezirk Bukoba in nennenswertem Maße betrieben. Der von dort kommende kleinbohnige, dem arabischen ähnliche Kaffee hat sich innerhalb weniger Jahre auf dem Weltmarkt gut eingeführt und wird lebhaft gefragt. Während im Jahre 1904 der erste nennenswerte Export in Höhe von 7682 kg stattfand, hat sich derselbe im Jahre 1912 auf 672 478 kg im Werte von 749 079 M gehoben. Die Kaffeepflanzungen der Eingeborenen dehnen sich beständig aus, so daß eine weitere Steigerung der Ausfuhr zu erwarten ist. Seit der Erwerbung des Schutzgebiets hat die Verwaltung insbesondere der Baumwollkultur ihr regstes Interesse entgegengebracht. Das Kolonialwirtschaftliche Komitee unterstützt sie in hervorragender Weise in dem Bemühen, den Baumwollbau zu einer Volkskultur zu machen. Da ein erheblicher Preissturz der Baumwolle den Eingeborenen leicht mißtrauisch machen und vom weiteren Anbau abhalten würde, garantiert das Komitee den Produzenten einen Mindestpreis. Ferner belohnt das Komitee gute Leistungen im Baumwollbau durch öffentliche Prämiierungen. Um wirklich gutes, den örtlichen Verhältnissen angepaßtes Saatgut zu gewinnen, sind Saatzuchtstationen (s.d.) eingerichtet worden. Zur Erzeugung einer einheitlichen Marktware wird in jedem Bezirk nur eine Sorte von Baumwollsaat verteilt. Diese Sorte wird von den örtlichen Verwaltungsbehörden im Einverständnis mit den Pflanzern, welche meist die von den Eingeborenen produzierte Baumwolle aufkaufen, bestimmt. Durch diese Maßnahme ist es in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, den Baumwollbau in einem großen Teil des Schutzgebiets, insbesondere in den Bezirken Bagamojo, Morogoro, Mohoro, Kilwa, Lindi, Muansa und Bukoba als Volkskultur einzuführen. Die lnlandbezirke kommen vorläufig wegen mangelnder Absatzmöglichkeit weniger in Betracht. In manchen Gegenden, z.B. in Utipa und am Rukwasee wird seit langen Jahren Baumwolle für den eigenen Gebrauch gepflanzt und auf primitiven Webstühlen verarbeitet. Die gesamte Ausfuhr an Baumwolle betrug im Jahre:

wovon der größere Teil durch Produktion der Eingeborenen gewonnen wurde. In letzter Zeit sind bei Daressalam und auf der Insel Mafia Versuche mit Nelkenanpflanzungen gemacht worden. Ein abschließendes Urteil darüber ist noch nicht möglich. Nach dem Ackerbau spielt die Viehhaltung im Wirtschaftsleben des ostafrikanischen Negers die Hauptrolle. An Großvieh werden hauptsächlich Rinder und Esel, an Kleinvieh Ziegen und Schafe gehalten. Auch Hühner gibt es fast überall in großen Mengen. Besonders günstig für die Viehhaltung sind die nördlichen Bezirke sowie Dodoma, Tabora, Iringa, Langenburg, Ruanda und Urundi, während alle Küstenbezirke, mit Ausnahme von Pangani, sowie Morogoro, Mahenge, Ssongea und Bismarckburg wegen der dort vorkommenden Tsetsekrankheit (s. Nagana) und des Küstenfiebers (s.d.) für Viehhaltung wenig geeignet sind. - Außer den genannten Krankheiten werden Rinderpest (s.d.), Katarrhalfieber (s.d.), Milzbrand (s.d.), Lungen- und Brustfellentzündung den Viehbeständen der Eingeborenen zeitweise gefährlich. So hat im Jahre 1892 die Rinderpest den größten Teil des Rindviehbestandes der Kolonie vernichtet und unter den viehzüchtenden Stämmen schwere Hungersnöte hervorgerufen, denen viele Eingeborene zum Opfer fielen. Erst in neuester Zeit können die durch diese Seuche verursachten Schäden als ausgeglichen gelten. Im Jahre 1912 ist die Rinderpest erneut eingeschleppt worden und hat besonders in dem viehreichen Ugogo erhebliche Opfer erfordert, ohne daß jedoch die Verlustzahlen entfernt die Höhe wie bei dem vorerwähnten früheren Auftreten erreicht hätten. Von einer eigentlichen Viehzucht der Eingeborenen kann man nur bei den Massai, Wassukuma und in Ruanda reden, wo die Zucht mit Verständnis betrieben und Inzucht sorgsam vermieden wird. In allen anderen Gebieten sind Zuchtwahl und Zucht ganz unbekannt. Ohne jede Wahl werden dort alle Rassen durcheinander gehalten, und selbst die Paarung der minderwertigsten Tiere wird nicht verhindert. Hierin Wandel zu schaffen und die Eingeborenen allmählich zur wirklichen Viehzucht herüberzuleiten, ist das Bestreben der Verwaltung. Nach Zählung bzw. Schätzung der örtlichen Verwaltungsbehörden befanden sich im Jahre 1912 im Besitz der Eingeborenen: 3950250 Stück Rindvieh, 22091 Esel und 6398000 Stück Kleinvieh. - Unter den Ausfuhrprodukten der Viehhaltung nehmen Felle und Häute den ersten Rang ein. Seit dem Bau der Ugandabahn hat der Handel mit diesen Produkten einen mächtigen Aufschwung genommen. Während im Jahre 1900 nur für etwa 100000 M Felle und Häute zur Ausfuhr gelangten, erreichte der Export im Jahre 1912 einen Wert von 4067350 M. Der weitaus überwiegende Teil hiervon stammt aus den Gebieten des Victoriasees. Die Ausfuhr lebenden Viehs ist sehr gering. Von Bedeutung ist aber die Herstellung und der Handel mit Butterfett (Samli). Der Verbrauch von Samli ist im Schutzgebiet sehr groß. Auch der Export hat beträchtlich zugenommen und stellte im Jahre 1911 einen Wert von 187 000 M dar. Im Jahre 1912 stieg der Wert der Ausfuhr auf über 200000 M. Der Binnenhandel mit lebendem Vieh steigt von Jahr zu Jahr. Außer den Eingeborenen der Küstenbezirke verbrauchen auch die europäischen Unternehmungen und größeren Orte erhebliche Mengen von Schlachtvieh aus dem Innern. Unter den sog. Okkupationsprodukten kommen solche tierischer und pflanzlicher Art in Frage. Sie gelangen, wie schon oben gesagt, fast durchweg zur Ausfuhr. - Von den tierischen Produkten dieser Art ist zunächst das Elfenbein (s.d.) zu nennen. Die Elfenbeinausfuhr, welche bis 1894 dem Werte nach die Hälfte des gesamten Handels des Schutzgebiets ausmachte, ist mehr und mehr zurückgegangen. Im Jahre 1890 wurden noch über 200 t ausgeführt, im Jahre 1900 nur noch 65 t und im Jahre 1906 ca. 19 t. Seitdem hat sich die Ausfuhr wieder langsam gehoben. Sie stieg im Jahre 1912 auf 16 959 t im Werte von 3113115 M. Der Rückgang ist vor allen Dingen auf das rücksichtslose Abschießen der Elefanten zurückzuführen. Auch hat der in früheren Jahren ziemlich bedeutende Durchgangsverkehr aus dem Kongostaat immer mehr nachgelassen. Um der fortschreitenden Vernichtung der wertvollen Elefantenherden Einhalt zu tun, wird der Abschuß nur sehr beschränkt erlaubt, und es werden hohe Jagdscheingebühren und Schußgelder erhoben. Zum Schutze der nicht ausgewachsenen Tiere ist der Handel mit Elefantenzähnen unter 15 kg Gewicht verboten (s.a. Elfenbein). Auch sind einzelne Gebiete zu geschlossenen Wildreservaten gemacht worden, in ihnen ist jede Jagd verboten. An sonstigen Jagdprodukten sind noch Rhinozeroshörner und -häute, Nilpferd- und Wildschweinszähne, Gnudecken sowie Felle von Kolobusaffen und Baumschliefern u. dgl. zu erwähnen; sie haben jedoch für den Handel keine große Bedeutung. - Auch die Produkte des Meeres, wie Esche, Kaurimuscheln, Schildpatt, Perlen, spielen nur eine verhältnismäßig geringe Rolle. Die Fischerei deckt, obgleich sie ziemlich lebhaft betrieben wird, nicht den großen örtlichen Bedarf. Die Gewinnung von Kaurimuscheln ist sehr zurückgegangen, weil Kauris als Scheidemünze von dem Metallgeld allmählich verdrängt wurden. - Von großer Bedeutung für den Handel des Schutzgebiets ist die Gewinnung von Bienenwachs, das die Eingeborenen den Nestern wilder Bienen entnehmen. Wachs wird fast im ganzen Schutzgebiet gewonnen. Hauptproduktionsgebiet und Handelszentrum für Wachs ist Tabora, auch aus den Bezirken am Victoriasee werden jährlich große Mengen mit der Ugandabahn exportiert. Die größte Menge (für ca. 11/2 Mill. M) wurde im Jahre 1907 ausgeführt. Seitdem hat die Ausfuhr nachgelassen, da in den letzten Jahren die Bienenschwärme unter der anhaltenden Dürre sehr zu leiden hatten. Bei der primitiven Ausbeutungsmethode der Eingeborenen werden die Bienenvölker auch meistens vernichtet. Doch macht infolge der Bemühungen der Verwaltung der bisherige Raubbau schon in einigen Bezirken allmählich einer Art Imkerei Platz. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 ca. 347 t Wachs im Werte von 829 057 M. Okkupationsprodukte pflanzlichen Ursprungs sind Kautschuk und Kopal. Der durch die Sammeltätigkeit der Eingeborenen gewonnene Kautschuk rührt aus wilden Beständen her, und zwar hauptsächlich aus Lianen, welche in den Wäldern des Schutzgebiets vorkommen. Der meiste und beste Kautschuk wird von den Landolphialianen in Donde-Liwale und Mahenge gewonnen. Andere Arten gibt es an der ganzen Küste, am Kilimandscharo und weit im Innern des Schutzgebiets. Die Ausfuhr von wildem Kautschuk hat im Laufe der Zeit infolge der Erschließung neuer Gebiete zugenommen. Sie stieg von ca. 190 t im Jahre 1890 auf ca. 330 t im Werte von 2 902 945 M im Jahre 1910/11, fiel aber im Jahre 1912 wieder auf 172699 kg im Werte von 1119006 M. Die Produktionsziffern für Lianenkautschuk sind beträchtlichen Schwankungen unterworfen, da die Pflanzen in trockenen Jahren nur wenig Milchsaft absondern und die Höhe des Weltmarktpreises stark auf die Sammeltätigkeit der Eingeborenen einwirkt. Da der rücksichtslose Raubbau der Eingeborenen zu einer allmählichen Erschöpfung der wilden Kautschukbestände führen muß, so sind, um auch für spätere Jahre Reserven für die Gewinnung von Lianenkautschuk zu haben, in verschiedenen Teilen des Landes die Lianen führenden Wälder forstlich geschützt worden. In neuerer Zeit sind die Eingeborenen nach dem Beispiel der Europäer dazu übergegangen, kleinere Kautschukpflanzungen (Manihot Glaziovii) anzulegen, besonders im Süden des Schutzgebiets sowie in den Bezirken Bagamojo, Morogoro, Tabora und Bukoba. Der Kopal (s.d.), ein fossiles oder halbfossiles Harz, welches mit Bernstein eine gewisse Ähnlichkeit hat, wird in einer Tiefe von 1-3 m unter dem Erdboden gefunden. Er wird zur Bereitung von Firnis und Lack verwertet. Als Fundort kommt hauptsächlich der Süden des Schutzgebiets in Frage. Die Ausfuhrziffer ist sehr von dem Marktpreis abhängig, da der Neger nur bei hohen Preisen den Kopal zu sammeln pflegt, während er sich bei sinkenden Preisen einer anderen, bei den guten Lohnsätzen unschwer zu findenden lohnenderen Tätigkeit zuwendet. Die Ausfuhr betrug im Jahre 1912 107862 kg im Werte von 119718 M. Industrie und Handwerk sind im Schutzgebiet wenig entwickelt. Die gewerbliche Tätigkeit der Eingeborenen erstreckt sich nur auf die häusliche Fabrikation von Flecht-, Holz- und Töpferwaren und die Gewinnung von Öl, Seifen und Salz. An der Küste nimmt die Mattenflechterei den breitesten Raum ein. Die groben Matten werden von altersher zum Trocknen und Verpacken von Landesprodukten verwendet. Das Hauptabsatzgebiet für sie ist Sansibar, wo die Nachfrage mit der Nelkenernte steigt und fällt. Die Waffenschmiederei der Wadschagga, welche früher einen bedeutenden Industriezweig darstellte, ist in den letzten Jahren durch den Eintritt friedlicher Verhältnisse sehr zurückgegangen und wird nur noch vereinzelt betrieben. Das durch fast alle Gebiete im Innern zwischen Victoria- und Njassasee verbreitete Eisengewerbe hat auch jetzt noch, trotz der Möglichkeit der Einfuhr europäischer Fabrikate, ziemliche Bedeutung. Erwähnenswert ist besonders die Feldhackenfabrikation im Ubena- und Langenburgbezirk. In den Handwerkerschulen in Tanga, Tabora, Langenburg und auf vielen Missionsstationen werden von Eingeborenen unter Anleitung von europäischen Lehrmeistern Möbel angefertigt, welche im Schutzgebiet guten Absatz finden.

11. Europäische Unternehmungen. Im Gegensatz zu der Produktion der Eingeborenen, welche in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse gerichtet ist, erzeugen die europäischen Unternehmungen in der Hauptsache Ausfuhrprodukte. Bei den europäischen Unternehmungen sind zu unterscheiden Plantagen- und Handelsunternehmungen. Erstere sind zum Teil mit Handelsunternehmungen verbunden. Viehzucht, Industrie und Gewerbe befinden sich noch im Anfangsstadium, Jagd und Fischfang spielen bisher nur eine geringe Rolle. Bergbau wird in einigen Gegenden mit Erfolg betrieben. Gleich nach der Aufrichtung der deutschen Herrschaft im Schutzgebiet begannen einige deutsche Unternehmungen mit Pflanzungsversuchen, besonders mit Kaffee, Baumwolle, Tabak, Tee, Kakao, Vanille und anderen tropischen Nutzpflanzen; die meisten wurden indessen bald als unrentabel aufgegeben. Mangels jeglicher Erfahrung kamen die Plantagenbetriebe lange nicht über kostspielige Versuche hinaus, und auch in neuerer Zeit können sie für manche Kulturen noch nicht als abgeschlossen gelten. In diesen Versuchen werden die Pflanzungen unterstützt durch das Biologisch- landwirtschaftliche Institut Amani, sowie durch die übrigen Versuchsstationen des Gouvernements und der einzelnen Verwaltungsbezirke. Die Anlage der Plantagen beschränkte sich zunächst auf die Nordbezirke Tanga, Pangani und Wilhelmstal; diese sind auch heute noch das Hauptpflanzungsgebiet des Schutzgebiets. Mit der fortschreitenden Verbesserung der Verkehrsverhältnisse sind jedoch auch im ganzen übrigen Küstengebiet (Lindi und Rufiji) und im Innern, insbesondere bei Morogoro, Pflanzungen angelegt worden. - Das erste von Europäern gewonnene, in nennenswerter Menge ausgeführte Produkt war Kaffee aus den Plantagen des Usambaragebirges. Die Aussichten erschienen anfangs günstig, zumal die ersten Ernten auf dem Markt gut aufgenommen wurden. Bald zeigte es sich jedoch, daß der Boden nicht tiefgründig genug für die langen Pfahlwurzeln des Kaffeebaums war, auch hatte man versäumt, Schattenbäume anzupflanzen und häufig auch die Pflanzungen genügend zu reinigen. Zudem traten Schädlinge, welche ganze Kulturen vernichteten, in großen Mengen auf. Da außerdem die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt erheblich fielen, kam die Entwicklung der Kaffeekultur in Usambara mehr und mehr zum Stillstand. Seit 1901 hat eine nennenswerte Ausdehnung der dortigen Kaffeeplantagen nicht mehr stattgefunden. Man ist im Gegenteil dazu übergegangen, nur noch die besseren Bestände durch Pflanzen von Schattenbäumen und Düngung intensiver zu bewirtschaften. Als Ersatz hat man Kautschuk, Sisal, Gerberakazien usw. angepflanzt. Von der Kultur des anfangs im Tieflande gezogenen Liberiakaffees ist man ganz abgekommen. Dagegen hat man mit den Kaffeepflanzungen gute Erfahrungen gemacht, welche seit 1902 am Kilimandscharo und Meruberg angelegt sind. In diesem Gebiet sind zurzeit etwa 1000 ha unter Kultur. Auch im Bukobabezirk sind, angeregt durch die guten Erfolge der dortigen Eingeborenen (s. Eingeborenenproduktion) drei europäische Pflanzungen entstanden; diese sind jedoch noch nicht ertragsfähig. Im ganzen Schutzgebiet sind von Europäern 3143 ha mit etwa 3383000 Kaffeebäumen bepflanzt worden. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 902 934 kg im Werte von 1154289 M. - Unter den Faserpflanzen des Schutzgebiets ist die Sisalagave für den Export zurzeit bei weitem die wichtigste. Die Kultur von Ramie und von Mauritiusagaven ist bereits seit längerer Zeit als unrentabel aufgegeben worden. Ebenso hat die Ausbeutung der wildwachsenden Sansevierenbestände sich immer in bescheidenen Grenzen gehalten und seit einigen Jahren fast ganz aufgehört, da die Werbungskosten zu hoch waren. Die Sisalagave, in Yukatan (Zentralamerika) heimisch, wurde in D.-O. zuerst im Jahre 1892 auf der Plantage Kikogwe der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft als Ersatz für die nicht rentierende Kaffeekultur angepflanzt. Da die Sisalpflanze mit verhältnismäßig geringen Böden vorlieb nimmt und gegen Witterung und Schädlinge sehr widerstandsfähig ist, fand der Anbau dieser Faserpflanze schnelle Verbreitung. Der Export von 10 t im Jahre 1900 ist auf 17079t im Werte von 7359219 M im Jahre 1912 gestiegen. Zurzeit sind im Schutzgebiet im ganzen 24751 ha mit Sisal bepflanzt. Hiervon sind 14359 ha ertragfähig. Die weitere Ausdehnung der Sisalkultur wird unter anderem dadurch beschränkt, daß zum Versand der fertigen, etwa 5 Zentner wiegenden Hanfballen moderne Verkehrsmittel erforderlich sind. Die Anlagen sind also an die nächste Nähe der Küste oder Eisenbahn gebunden. Ferner sind zur Aufbereitung der Agavenblätter teure Maschinen und zur Heranschaffung der Blätter an die Maschinen Feldbahnen nötig, so daß sich nur Großbetriebe lohnen. Hauptproduktionsgebiet sind die Bezirke Tanga, Pangani, Wilhelmstal und Lindi. - Eine noch größere Ausdehnung als die Sisalunternehmungen haben die Kautschukplantagen genommen. Die Kultur beschränkt sich fast ausschließlich auf die von Manihot Glaziovii, welche mit 44903 ha nach dem Flächeninhalt die erste Stelle unter den Exportkulturen einnimmt. Manihotpflanzungen sind in fast allen Gegenden des Schutzgebiets entstanden, am zahlreichsten in den Bezirken Tanga, Pangani, Wilhelmstal, Moschi, Morogoro und Lindi. Nur etwa 414 ha sind mit Kickxia elastica, Hevea brasiliensis und Ficus elastica angebaut; außerdem wird im Bezirk Langenburg eine einheimische Kautschukliane, Landolphia Stolzii Busse, in ganz geringer Menge kultiviert. Im Gegensatz zur Sisalkultur erscheint der Anbau von Kautschukpflanzen zurzeit auch im Kleinbetrieb rentabel, da zur Aufbereitung keine teuren Anlagen erforderlich sind. In bezug auf Zapfmethoden und Koagulationsmittel herrscht noch keine Einheitlichkeit; die Kautschukaufbereitung in unserem Schutzgebiet ist dabei noch nicht völlig aus dem Versuchsstadium heraus. An Plantagenkautschuk wurden im Jahre 1912 1017 t im Werte von 7 233 771 M ausgeführt. Der plantagenmäßige Anbau von Baumwolle macht mehr und mehr Fortschritte. In der Hauptsache werden noch ägyptische Sorten angebaut. Im Jahre 1911 waren 14308 ha mit Baumwolle bepflanzt. Vier Pflanzungen arbeiteten mit Dampfpflügen. Die Kultur von Baumwolle als Zwischenfrucht von Sisal und Kautschuk hat sich im allgemeinen gut bewährt, weil die Sisal- und Kautschukpflanzungen auch ohne Zwischenkultur bearbeitet und reingehalten werden müssen. Die Versuche mit der perennierenden Caravonika-Baumwolle sind bis jetzt fast durchweg mißglückt, da sie zu sehr unter Schädlingen leidet. - Eine baumwollartige Faser liefert der Kapokbaum (s. Kapok), welcher neuerdings in steigendem Maße angepflanzt wird. Ein großer Teil der Produktion wird in der Kolonie als Stopfmittel für Matratzen, Kissen usw. verbraucht. - Kokospflanzungen sind in nennenswertem Umfange nicht in europäischen Händen. Nur in den Bezirken Daressalam, Morogoro, Tanga, Wilhelmstal und auf der Insel Mafia befinden sich einige Kokospflanzungen mit insgesamt 784458 Bäumen im Besitz von Europäern (über Ausfuhr s. Eingeborenenproduktion). - Die Gerberakazie wird seit 1906 in den höheren Lagen von Usambara und am Kilimandscharo angepflanzt. Ob die Verwertung der Rinde allein den Anbau lohnt, ist trotz ihres hohen Gerbstoffgehalts noch zweifelhaft. Der Verkauf des Holzes, welcher in Natal, dem Hauptanpflanzungsgebiet der Gerberakazie, viel einbringt, kommt für D.-O. in absehbarer Zeit kaum in Betracht, da Busch und Wald überall genügend Holz liefern. Im Jahre 1910/11 bestanden im Bezirk Wilhelmstal 20 Pflanzungen mit 745 ha Areal; im Jahre 1912 waren 770 ha mit Gerberakazien bepflanzt. Eine nennenswerte Ausfuhr hat bisher noch nicht stattgefunden. - Zuckerrohr als Hauptfrucht wird nur im Panganital von einem Europäer angebaut und zwar, wie es scheint, mit gutem Erfolge. Dieser kauft auch die Ernten von Eingeborenen auf und verarbeitet das Produkt auf primitiven Maschinen. Er führte im Jahre 1912 2818 kg Zucker aus. - Nach den Enttäuschungen, welche der Tabakbau den Pflanzern in den ersten Jahren nach der Besitzergreifung des Schutzgebiets gebracht hatte, hat man erst in neuerer Zeit wieder Anbauversuche am Kilimandscharo gemacht, und zwar mit türkischem Zigarettentabak; doch läßt sich ein abschließendes Urteil hierüber noch nicht fällen. - Vanille, Pfeffer, Kakao und Rizinus wird nur in geringem Umfang, hauptsächlich als Nebenkultur angepflanzt. Auf Mafia sind neuerdings kleinere Nelkenanbauversuche auch in europäischen Pflanzungen gemacht worden. - Der Anbau von europäischen Gemüsen und Hülsenfrüchten geht bis jetzt über den örtlichen Bedarf kaum hinaus. Die seit Jahren in vielen Bezirken angebaute europäische Kartoffel hat sich in fast allen hochgelegenen Gebieten sehr bewährt und kann zweimal im Jahre geerntet werden. Trotzdem müssen noch viele Kartoffeln aus dem britischen Nachbargebiet und sogar aus Europa eingeführt werden, weil die Farmer bei dieser Kultur bis jetzt nicht den gewünschten Verdienst zu finden glauben. Mais, Weizen, Gerste und Hafer werden in den Hochländern einiger Bezirke von Europäern gebaut, jedoch ist der Absatz einstweilen noch zu schwierig. - Dem Reisbau hat sich die europäische Pflanzertätigkeit nur in geringem Maße zugewendet. - Zur Ausnutzung von Kokons der im Gebiete des Victoriasees wild vorkommenden Raupe eines Seidenspinners (Anaphe) bildete sich 1908 eine Gesellschaft aus deutschen, französischen und schweizerischen Seidenfirmen, 1910 wurde sie in die "Afrikanische Seidengesellschaft" umgewandelt. Da sich das Sammeln der Raupennester indessen nicht lohnte, ging die Gesellschaft dazu über, die wild wachsende Futterpflanze Bridelia micrantha plantagenmäßig anzupflanzen und Zuchtversuche mit der wilden Seidenraupe zu machen. Das Unternehmen ist jedoch über Versuche noch nicht hinausgekommen. Im Morogorobezirk glückte ein kleiner Versuch mit der Zucht der echten Seidenraupe (Bombyx mori). Die Versuche sollen deshalb ausgedehnt werden (s. Seidenraupe). Zur Vermittlung der Ein- und Ausfuhr sind in den meisten bedeutenderen Plätzen des Schutzgebiets Handelsniederlassungen europäischer Firmen vorhanden. Der Kleinhandel liegt überwiegend in den Händen von Indern (s. 12. Handel). - Viehzucht wird von einigen Deutschen und einer Reihe von Buren hauptsächlich in West-Usambara und im Moschi- und Aruschabezirk betrieben. Jedoch befinden sich im Besitz von Europäern nur verhältnismäßig kleine Herden. Die bisher zur Aufbesserung der einheimischen Rinderrassen unternommenen Kreuzungsversuche haben geringe Erfolge gehabt, offenbar deshalb, weil sie in wenig rationeller Weise ausgeführt wurden. Die Versuche zur Einführung von Wollschafen und europäischen Ziegen sind wegen der Seuchen und Krankheiten bisher meist fehlgeschlagen. Bessere Resultate haben die Versuche mit der Schweinezucht ergeben. In West-Usambara versorgt der Besitzer einer großen Farm schon einen Teil des Schutzgebiets mit Schinken, Wurst und Fleischkonserven. Auch die Geflügelzucht kommt mehr in Aufnahme. In manchen Bezirken sind die einheimischen kleinen Hühner mit europäischen aufgekreuzt worden. Auch Reinzucht europäischer Hühner ist vielfach erfolgreich gewesen. Zuchtversuche mit wild eingefangenen Straußen und Zebras haben bisher keine nennenswerten Resultate gehabt. - Der Viehbestand der europäischen Ansiedler umfaßte im Jahre 1912: 43617 Rinder, 41647 Stück Kleinvieh, 5460 Schweine, 2543 Esel, 202 Pferde, 375 Maultiere und 173 Strauße (im übrigen s. a. Eingeborenenproduktion). - Industrielle und gewerbliche Unternehmungen gibt es bis jetzt nur in beschränkter Zahl im Schutzgebiet. Zu erwähnen sind: eine Bierbrauerei und 2 Möbeltischlereien in Daressalam, einige Sägewerke und eine Anzahl kleinerer Sägemühlen an der Küste und in Usambara, 4 größere Druckereien, je eine Eisfabrik in Daressalam und Tanga, eine Seifenfabrik in Tanga, eine Kanikifärberei in Daressalam und die elektrische Beleuchtungsanlage der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft in Daressalam. Die übrigen gewerblichen Betriebe, wie Stellmacherei, Schlächterei, Schmiedehandwerk und Sodafabrikation genügen ausschließlich lokalen Bedürfnissen. Ein besonderer Wirtschaftszweig, dem sich das Interesse der europäischen Unternehmer in neuerer Zeit zugewendet hat, ist die Nutzung der Holzbestände des Schutzgebiets. Für die Ausfuhr kommen vor allem die Zedernbestände der verpachteten Waldreservate und privaten Forsten Usambaras in Frage. So hat die Sigiexportgesellschaft und die Firma Wilkins und Wiese Förderbahnen angelegt und Sägewerke errichtet, um die Holzgewinnung in großem Maßstabe zu betreiben. - Ferner sind die ausgedehnten Mangrovenbestände der Küste von der Schutzgebietsverwaltung an mehrere europäische Unternehmer verpachtet worden, welche diese Bestände wegen des hohen Gerbstoffgehalts der Rinde im großen ausbeuten. Die Jagd wird von Europäern nur noch als Sport oder zu wissenschaftlichen Zwecken ausgeübt. Berufsjäger gibt es nach dem Inkrafttreten der neuen Jagdordnung nicht mehr. Im Jahre 1912 wurden ausgegeben: Sog. große Jagdscheine für Ansässige zu 450 Rp.: 21 Stück; desgl. für Nichtansässige zu 750 Rp.: 21; sog. kleine Jagdscheine für Ansässige zu 50 Rp.: 147; desgl. für Nichtansässige zu 200 Rp.: 21; Erlaubnisscheine zum Abschuß eines Elefanten zu 150 Rp.: 31; desgl. zum Abschuß eines zweiten Elefanten zu 400 Rp.: 4. - Fischfang wird seit 1909 von einem Europäer an der Küste des Bezirks Tanga mittels eines Hochseekutters in größerem Maßstabe betrieben. Von bergbaulichen Unternehmungen des Schutzgebiets ist vor allem der Betrieb der Kironda-Goldminengesellschaft zu Sekenke erwähnenswert; sie förderte im Jahre 1911/12 203 kg Schmelzgold und 361 kg Feingold im Gesamtwerte von 866 188 M. Auch im Muansabezirk wurde mit der Goldförderung angefangen. Im Ulugurugebirge und im Usambara wird Glimmer bergmännisch gewonnen. Die Ausfuhr betrug im Jahre 1912 153 806 kg im Werte von 481507 M. - Im gleichen Jahre produzierte die Zentralafrikanische Seengesellschaft auf ihrer Saline Gottorp ca. 1850 Ztr. Salz; es fand im Schutzgebiet und im benachbarten Kongostaate guten Absatz. - Die Gewinnung von Granaten hatte nur kurze Zeit einen größeren Umfang angenommen und ist augenblicklich fast ganz eingestellt worden. (Im übrigen s. Bergbau.)

12. Handel. Der Handel D.-O.s hat sich in den letzten Jahren infolge des fortschreitenden Ausbaus der Eisenbahnen und anderer Verkehrswege und der dadurch gesteigerten Produktion ganz bedeutend entwickelt. Tauschhandel ist nur noch in den abgelegeneren Gegenden üblich, im übrigen Schutzgebiet ist er durch Bargeldverkehr verdrängt worden. Der Wert des Binnenhandels ist schwer zu schätzen, er steigt aber von Jahr zu Jahr, wie vor allem die zunehmenden Erträge der Gewerbesteuer ergeben. Den Kleinhandel besorgen neben den Eingeborenen besonders die Inder, welche fast in allen Plätzen Ostafrikas anzutreffen sind und infolge ihrer Genügsamkeit auch da bestehen können, wo europäische Händler keinen Verdienst finden würden. Der Außenhandel wird in der Hauptsache durch deutsche Handelshäuser vermittelt, daneben sind einige andere europäische und auch mehrere indische Großfirmen tätig. Der Gesamtaußenhandel des Schutzgebiets hat sich seit 1900/01 wie folgt entwickelt:

Der Außenhandel verteilt sich auf zwei verschiedene Wirtschaftsgebiete. Das weitaus wichtigere ist das Küstengebiet mit seinem Hinterland, das durch die Nord- und Zentralbahn sowie durch den Träger-, Fluß- und Fuhrwerksverkehr an das Meer angeschlossen ist. Der Handel über die Küstenplätze betrug im Kalenderjahre 1912 69 771 551M. Der Rest im Betrage von 11 955 955 M entfiel auf das binnenländische Wirtschaftsgebiet. Letzteres ist durch zwei größere Verkehrswege an den Weltverkehr angeschlossen, im Süden durch die Schiffahrt und Eisenbahn über Chinde, im Norden durch die britische Ugandabahn; letztere ist durch ihre Verbindung mit der Dampfschiffahrt auf dem Victoriasee von großer Bedeutung für den Handel über die Binnengrenze geworden. Der Gesamthandel über Muansa, Bukoba und Schirati betrug im Jahre 1912 11543170 M. - Der Handel des Schutzgebiets mit Deutschland bewegt sich in aufsteigender Linie. Er steht seit 1905 an erster Stelle und stellte im Jahre 1912 einen Wert von 43646400 M dar (1913 einen solchen von 48978000 M). Die bedeutendsten Handelsplätze des Schutzgebiets sind die beiden Ausgangspunkte der Eisenbahnen Daressalam (32321000 M) und Tanga (25320915 M), sodann Bukoba (5 423 844 M), Muansa (5 375 558 M) und Lindi (3 949 153 M). Erst an neunter Stelle folgt Bagamojo (1170 991 M), das vor Erbauung der Eisenbahnen als Sansibar gegenüberliegender Ausgangspunkt der Hauptkarawanenstraße in das Innere die wichtigste Handelsstadt der Küste war. - Die Gesamtausfuhr des Schutzgebiets stellte im Jahre 1912 einen Wert von 31 418 382 M (1913 35 551 000 M) dar; dar- an war Deutschland beteiligt mit 17 826 839 M (1913 20 921000 M). Von der Gesamtausfuhr entfielen auf die Küstenplätze 25079776 M, auf die Binnenplätze 6338606 M. Die wichtigsten Ausfuhrprodukte waren:

Hiervon stammten Plantagenkautschuk, Sisalhanf und Gold fast ausschließlich aus europäischen Unternehmungen, wildwachsender Kautschuk, Häute und Felle, Kopra, Elfenbein, Insektenwachs und Erdnüsse durchweg aus der Eingeborenenproduktion bzw. Okkupation, Kaffee und Baumwolle waren gemischten Ursprungs (s. 11. Europäische Unternehmungen und 12. Eingeborenenproduktion). Vom Victoriasee aus über die Ugandabahn wurden überwiegend ausgeführt: Häute und Felle, Gold und Erdnüsse, die übrigen Artikel gelangten zum größten Teil über die Küstenplätze zur Versendung. Von anderen Ausfuhrartikeln sind noch zu nennen: Bau-, Nutz- und Edelhölzer, Glimmer, Sesam, Kopal, Hirse, Gerbhölzer, Reis, Zucker, Mais usw. Die Gesamteinfuhr des Schutzgebiets betrug im Jahre 1912 50309164 M (1913 53359000 M); hiervon wurden Produkte im Werte von 25819600 M (28057000 M) aus Deutschland eingeführt. Von der Gesamteinfuhr entfielen auf die Küstenplätze 44691700 M, auf die Binnenplätze 5617400 M. Haupteinfuhrartikel waren:

Die Einfuhr von Baumwollwaren, welche zum weitaus größten Teil für die Eingeborenen bestimmt waren, hat sich in den letzten 5 Jahren infolge der gesteigerten Kaufkraft der Neger mehr als verdoppelt. Unter den Herkunftsländern stand Deutschland mit ca. 3,5 Mill. M an der Spitze, Indien war mit ca. 3,1 Mill. M beteiligt, wobei aber zu bemerken ist, daß die Einfuhrstatistik nur die Herkunft der Ware im Handel, nicht aber das Ursprungsland der Fabrikation angibt. Die Eisenwaren wurden hauptsächlich zum Bau von Eisenbahnen, Feldbahnen, Brücken und Minenanlagen verwandt. Sie stammten, ebenso wie die Maschinen, durchweg aus Deutschland. Der Reis kommt aus Indien. Sonstige Einfuhrartikel waren: Nahrungsmittel aller Art, Metallwaren, Zement, Tabakfabrikate, Feuerwaffen und Munition, Drogen- und Apothekerwaren, Petroleum usw.

13. Verkehrswesen. Bis vor wenigen Jahren wurde in D.-O. der Gütertransport zu Lande fast ausschließlich durch Karawanen besorgt. In Lasten zu etwa 60 Pfd. wurden die Güter von eingeborenen Trägern auf den Köpfen befördert. Allerdings war auch hierin bald ein erheblicher Fortschritt gegen früher zu verzeichnen. Während sich nämlich noch zu Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Karawanenverkehr nur auf den schmalen, gewundenen Negerpfaden abspielte, hatte man seit 1894 damit begonnen, die von der Küste ausgehenden Straßen auszubauen und Brunnen, feste Brücken usw. anzulegen. Die Hauptkarawanenstraßen des Schutzgebiets waren im Norden: Tanga-Kilimandscharo, Pangani-Mgera-Tabora-Udjidji (bzw. Muansa); in der Mitte: Bagamojo (bzw. Sadani oder Daressalam)-(Kilossa)-Mpapua-Kilimatinde-Tabora-Udjidji (bzw. Muansa) Kilossa-Iringa-Njassasee; im Süden: Kilwa (bzw.Lindi))-Ssongea- Njassasee. Neben diesen Hauptstraßen gab es noch eine Menge Wege geringerer Bedeutung, welche dem lokalen Verkehr oder den Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Völkern und Plätzen dienten. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Eisenbahnen des Schutzgebiets (s. Eisenbahnen I) haben diese Straßen und damit auch viele Orte an ihnen einen großen Teil ihrer früheren Bedeutung eingebüßt. Im Norden und in der Mitte sind sie nur noch als Zubringewege zu den Bahnen wichtig. Im Süden ist die alte Handelsstraße Kilwa-Njassasee neben dem Shire- Sambesi-Wege und dem von der Zentralbahn nach Süden abbiegenden Wege Kilossa- Iringa-Neu-Langenburg noch immer die einzige Verbindung mit dem Njassasee. - Der Ausbau der Karawanenstraßen ermöglichte es, Versuche mit Zug- und Lasttieren zu machen. So wurden im Jahre 1897 und auch neuerdings im Jahre 1910 Kamele als Lasttiere eingeführt. Am Kilimandscharo hatten eingewanderte Buren mit ihren südafrikanischen Ochsenwagen einen regelmäßigen Verkehr zwischen Moschi und Voi an der Ugandabahn und zwischen Aruscha und Mombo einzurichten versucht. Im Süden des Schutzgebiets unternahm man Versuche mit Maultier- und Eselwagen. Alle diese Versuche scheiterten jedoch an der Tsetsekrankheit (s. Nagana), dem Küsten- und Texasfieber (s.d.) und anderen dem Vieh verderblichen Seuchen. Am widerstandsfähigsten erwiesen sich noch Esel und Maultiere, sie finden noch heute in einigen Gegenden als Last- und Zugtiere Verwendung. Weitere Versuche, den Menschen als Transportmittel auszuschalten, sind in neuerer Zeit mit der Indienststellung von Automobilen gemacht worden. Die Schwierigkeiten, die einer Ausdehnung des Automobilverkehrs entgegenstehen, sind jedoch recht erheblich. Abgesehen davon, daß Wagenreparaturen und die Beschaffung von Benzin oft große Schwierigkeiten machen, hat sich die Herstellung und Instandhaltung guter Fahrwege wegen des tropischen Klimas des Schutzgebiets als außerordentlich teuer erwiesen. - Es bestehen im Schutzgebiet folgende Eisenbahnen: 1. Die Usambara(Nord)bahn von Tanga bis Neu-Moschi am Kilimandscharo, 352 km lang; 2. die von Daressalam ausgehende Mittelland(Zentral)bahn, 1912 bis Tabora (847 km) eröffnet, 1914 vollendet bis Kigoma (Tanganjikasee) (s. Eisenbahnen I). Im Bau begriffen sind die Eisenbahnen von Tabora zum Kageraknie (Ruandabahn) 481 km lang, sowie von Neu-Moschi nach Aruscha am Meru 86 km lang. - Was Schiffsverbindungen anbetrifft, so vermittelt den Personen- und Gütertransport zwischen dem Schutzgebiet und Europa hauptsächlich die Deutsche Ostafrika-Linie. Ihre Dampfer verkehren zweimal monatlich, zwischen Hamburg und Tanga und Daressalam. Von letzterem Platz aus fahren Küstendampfer dieser Linie, in der Regel mit direktem Anschluß an die Hauptdampfer, nach Bagamojo, Kilwa, Lindi und Mikindani. Ferner verkehren Dampfer der Ostafrika-Linie regelmäßig zwischen den Häfen des Schutzgebiets und Sansibar und Bombay. - Von geringerer Bedeutung sind die die Schutzgebietshäfen vereinzelt anlaufenden Dampfer der British India Steamship Navigation Co. und anderer Gesellschaften. - Zur Erzielung einer regelmäßigen Verbindung der einzelnen Küstenplätze untereinander fahren zurzeit auch noch die Gouvernementsdampfer "Kaiser Wilhelm II.", "Rovuma", und "Rufiji" und aushilfsweise die Zollkreuzer "Kingani" und "Wami" in jedem Monat nach einem festen Fahrplan eine Nord- und eine Südfahrt längs der Küste. - Außer mit diesen Dampfern und den gelegentlich verkehrenden europäischen Segelschiffen besteht an der Küste und mit Sansibar und Indien ein ziemlich bedeutender Verkehr mit einheimischen Segelschiffen (Dhaus). Der Dhauverkehr ist jedoch gegen früher zurückgegangen, weil die pünktlichen und sicheren Dampferverbindungen trotz der höheren Kosten dem Transport mit einheimischen Segelschiffen immer mehr vorgezogen werden. - Zur Sicherung der Schiffahrt ist die infolge ihrer Riffe und Sandbänke gefährliche Küste des Schutzgebiets mit Bojen und Leuchttürmen versehen. Ausgebaute gute Häfen mit Ladevorrichtungen haben nur die Städte Daressalam und Tanga. - Von den Binnenseen im Westen des Schutzgebiets ist der Victoria-Njansa für den Verkehr bis jetzt noch der wichtigste, da dieser jetzt durch die Ugandabahn mit der Küste verbunden ist. Der Dampferverkehr auf diesem See wird in der Hauptsache durch vier große Dampfer der englischen Ugandabahn besorgt. Die Verbindung zwischen den einzelnen deutschen Küstenplätzen stellen ferner der Dampfer "Heinrich Otto" und die beiden Pinassen "Albert Schwarz" und "Schwaben" der Deutschen Njansa-Schiffahrtsgesellschaft her. Daneben befahren eine Anzahl von Dhaus und eine große Menge von Eingeborenenkanus den See. Auf dem Tanganjikasee verkehrt der Gouvernementsdampfer "Hedwig von Wissmann" und der belgische Dampfer "Alexandre Beiomune". Die Einrichtung eines größeren Dampferverkehrs wird nach Vollendung der bei Udjidji endenden Zentralbahn seitens der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft erfolgen. Den Lokalverkehr vermitteln größere und kleinere Dhaus und seetüchtige Einbäume, welche auch als Segelboote benutzt werden. Auf dem Njassasee befindet sich neben mehreren Dhaus seit Anfang der 90er Jahre der deutsche Dampfer "Hermann von Wissmann", welcher in regelmäßigen Rundfahrten sämtliche Küstenplätze anläuft. Ferner verkehren auf dem See der kleine Dampfer "Paulus" der Berliner Missionsgesellschaft, sowie fünf größere englische Dampfer. Letztere besuchen zum Teil auch die deutschen Häfen. - Die Flußschiffahrt ist in D.-O. nur von geringer Bedeutung, da die Flußläufe wegen des stufenweisen Abfallens des Landes vom Innern zur Küste durch zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen unterbrochen werden. Dazu kommen zahlreiche Sandbänke sowie ein fortwährender und unregelmäßiger Wechsel im Wasserstand. Daher können auf den Flüssen des Schutzgebiets fast ausschließlich kleine Eingeborenenboote, welche streckenweise über Land getragen werden können, verkehren. Nur auf dem Unterlaufe des Rufiji fährt als größeres Schiff der Heckraddampfer "Tomondo", welcher mit zwei Leichtern regelmäßig monatlich zweimal die ca. 200 km lange Fahrt bis etwa zu den Panganischnellen macht. - Seit dem 1. April 1891 ist D.-O. an den Weltpostverein angeschlossen. Das Postwesen des Schutzgebiets ressortiert von dem Reichspostamt. Das Hauptpostamt befindet sich in Daressalam. Ihm sind unterstellt das Postamt in Tanga und eine stetig steigende Anzahl von Postagenturen, welche zum Teil von Fachleuten, zum Teil von Angehörigen des Gouvernements, der Schutztruppe oder der Eisenbahnen im Nebenamt verwaltet werden. - Die Postverbindung des Schutzgebiets mit Europa usw. wird hergestellt durch die Deutsche Ostafrika-Linie (s. oben), ferner durch die monatlich einmal Sansibar anlaufenden Dampfer der Messageries Maritimes und die Sansibar berührenden englischen Postdampfer. Die Verbindung der Küstenpostanstalten untereinander und mit Sansibar besorgen die Gouvernementsdampfer und die Küsten und Bombaydampfer der Deutschen Ostafrika- Linie. Daneben sind die wichtigeren Küstenplätze durch Botenposten verbunden. Nach dem Innern zu erfolgt die Postbeförderung auf den beiden Bahnen, von da aus entspringen Botenposten nach den abseits gelegenen Agenturen. Die Postsachen für Schirati, Bukoba und Ruanda werden im allgemeinen von Mombassa aus mit der Ugandabahn befördert. - Zur Wahrnehmung des Telegraphendienstes sind folgende Telegraphenlinien im Schutzgebiet gebaut worden: Tanga-Mikindani; Tanga-Aruscha; Daressalam-Kilossa-Tabora-Muansa; Kilossa-Iringa. Die Telegraphenleitungen dieser Linien werden auch zur Abwicklung eines regen Fernsprechverkehrs benutzt. Daneben sind zurzeit 14 Ortsfernsprechnetze vorhanden. Bismarckburg und Udjidji haben eine von Kapstadt ausgehende und bei Udjidji endende Telegraphenlinie. Durch das in Bagamojo und Daressalam einlaufende Kabel der Eastern and South African Telegraph Co. ist das Schutzgebiet über Sansibar an das Welttelegraphennetz angeschlossen. - Seit dem 20. März 1911 sind in Bukoba und Muansa Funkentelegraphenstationen in Betrieb. Eine weitere ist neuerdings in Daressalam errichtet worden. (S. a. Post- und Telegraphenwesen und Funkentelegraphie.)

14. Geld- und Bankwesen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts war in dem ostafrikanischen Schutzgebiet der Maria-Theresien-Taler das vorherrschende Umlaufsmittel neben holländischen und portugiesischen Dukaten, spanischen Dublonen, nordamerikanischen Golddollars usw. Alle diese Münzen wurden jedoch seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrh. infolge der stetig sich reger gestaltenden Handelsbeziehungen mit Indien mehr und mehr durch Silber- und Kupfermünzen indischer Prägung verdrängt, so daß in den 80er Jahren, zur Zeit der Übernahme des heutigen Schutzgebiets durch die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, die indische Rupie das unbedingt vorherrschende Umlaufsmittel war. An diesem Zustand wurde in den ersten Jahren nach der Übernahme der Schutzherrschaft nichts geändert. Erst Anfang des Jahres 1890 wurde der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft auf ihren Antrag vom Reichskanzler die Erlaubnis erteilt, eigene Silberrupien und Kupferpesa auszuprägen. - Die im Jahre 1898 zu Ende geführte indische Währungsreform hatte zur Folge, daß nunmehr auch an eine Regelung des Geldwesens in D.-O. gedacht werden mußte. Nachdem das Reich das Prägerecht wieder an sich gebracht hatte, wurde die Reform im Jahre 1904 in der Weise durchgeführt, daß an Stelle der indischen und der Gesellschaftsrupie eine für Rechnung des Schutzgebiets geprägte neue Rupie trat, welche, statt wie bisher in 64 Pesa, jetzt in 100 Heller eingeteilt wurde. Das Wertverhältnis wurde festgesetzt auf 20 M = 15 Rupien oder 1 Rupie = 11/3 M. - Gesetzliches Zahlungsmittel in D.-O. ist seitdem die Silberrupie des Schutzgebiets; daneben ist die Gesellschaftsrupie bis zu ihrer Außerkurssetzung als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen worden. Kupfer- und Nickelmünzen brauchen nur bis zum Betrage von 2 Rupien in Zahlung genommen zu werden. Gegenwärtig sind in D.-O. im Umlauf: an Silbermünzen: 2-,1-,1/2- und 1/4- Rupiestücke; an Nickelmünzen: 10- und 5-Hellerstücke; an Kupfermünzen: 5-, 1-, 1/2-Hellerstücke. - Um den Geldumlauf und die Zahlungsausgleichungen im Schutzgebiet sowie den Geldverkehr des Schutzgebiets mit Deutschland und dem Ausland zu regeln und zu erleichtern, ist am 6. Jan. 1905 nach dem Vorbilde der Reichsbank die Deutsch- Ostafrikanische Bank mit dem Rechte der Notenausgabe gegründet worden. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in Daressalam. Das Grundkapital beträgt 2 Mill. M. Es ist voll eingezahlt. Die Organe der Gesellschaft sind Vorstand, Verwaltungsrat und Hauptversammlung. Die Deutsch- Ostafrikanische Bank hat das Recht, Noten von 5, 10, 20, 50, 100 oder ein Vielfaches von 100 Rupien bis zum dreifachen Betrage des eingezahlten Grundkapitals auszugeben. Sie ist verpflichtet, in Ostafrika ihre Noten gegen Silberrupie einzulösen und zu ihrem vollen Nennwert in Zahlung zu nehmen. Der Fiskus des Schutzgebiets ist an dem Gewinn der Bank beteiligt. Die Aufsicht über die Gesellschaft übt der Reichskanzler und über den Geschäftsbetrieb im Schutzgebiet außerdem noch ein vom Gouverneur ernannter Kommissar aus. Gegenwärtig sind an Banknoten im Umlauf solche zu 5, 10, 50, 100 und 500 Rupien. Seit 1911 ist die "Handelsbank für Ostafrika" im Schutzgebiet tätig, mit dem Zweck, Bankgeschäfte jeglicher Art zu betreiben, insbesondere den Geld- und Kreditverkehr in Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft D.-O.s und der benachbarten und Hinterlandsgebiete zu fördern. Sie hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in Tanga. Ihr Arbeitsfeld umschließt hauptsächlich das Hinterland von Tanga und Pangani sowie das Kilimandscharogebiet. Organe der Bank sind Vorstand, Verwaltungsrat und Hauptversammlung. Auf das Grundkapital von 3 Mill. M sind 50 % eingezahlt. Die Aufsicht über die als Kolonialgesellschaft gegründete Bank wird vom Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) geführt. Um der weißen und farbigen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse sicher und zinsbringend anzulegen, ist im Jahre 1901 die Bezirkssparkasse in Daressalam als selbständiges Kommunalinstitut unter Garantie des Kommunalverbandes Daressalam gegründet worden. Sie wird von einem Kuratorium, bestehend aus dem jeweiligen Bezirksamtmann von Daressalam und zwei weißen Beisitzern, verwaltet und vom Gouverneur beaufsichtigt. Der Geschäftsbetrieb ist dem der heimischen Sparkassen nachgebildet. - Zwecks Gründung einer Genossenschaftsbank für D.-O. schweben gegenwärtig Verhandlungen, welche hauptsächlich von den wirtschaftlichen Verbänden der Nordbezirke des Schutzgebiets betrieben werden. (S.a. Geld und Geldwirtschaft.)

15. Verwaltung und Rechtspflege. Die gesamte Verwaltung des Schutzgebiets untersteht einem vom Kaiser zu ernennenden Gouverneur, dieser übt auch die oberste militärische Gewalt im Schutzgebiet aus. (Über Rang usw. s. Gouverneur.) Für die Zentralverwaltung des Schutzgebiets stehen dem Gouverneur ein Erster Referent und eine Anzahl von Referenten zur Verfügung. Dem Ersten Referenten sind sämtliche von den Referenten bearbeiteten Verwaltungssachen, ehe sie an den Gouverneur gehen, vorzulegen. In Behinderungsfällen ist er in der Regel der Vertreter des Gouverneurs. Ihm unterstehen die einzelnen Referenten. Besondere Referenten gibt es für allgemeine und spezielle Verwaltungsangelegenheiten, für die Personalien, für die Justizverwaltung, für die Finanzverwaltung, für Handels-, Verkehrs- und Zollwesen, für das Medizinal- und Veterinärwesen, für Landwirtschaft und Viehzucht, für Hoch-, Wasser- und Straßenbauten, für Forstverwaltung und Jagdangelegenheiten, für das Bergwesen, für die Polizeitruppe, für die Verwaltungsangelegenheiten der Schutztruppe, für Eisenbahnbau- und Betriebsangelegenheiten, für Meteorologische Beobachtungen u. dgl. Als beratendes Organ steht dem Gouverneur der Gouvernementsrat zur Seite. Dieser besteht aus dem Gouverneur, aus 3 amtlichen und früher 5 jetzt 12 außeramtlichen Mitgliedern. Letztere werden aus den in 3 Wahlbezirken mit den meisten Stimmen gewählten 30 Personen vom Gouverneur auf die Dauer von 2 Jahren berufen. Der Gouvernementsrat hat vor allem die Vorschläge für den jährlichen Haushaltsetat und die Entwürfe der nicht nur örtlichen Verordnungen des Gouverneurs zu begutachten. - Zum Zwecke der allgemeinen Verwaltung ist das Schutzgebiet in einzelne Verwaltungsbezirke eingeteilt, von denen zum Teil sog. Bezirksnebenstellen abgezweigt sind, welche zwar dem Leiter des betreffenden Hauptbezirks unterstehen, in mancher Beziehung aber eine gewisse Selbständigkeit besitzen. An der Spitze der Bezirke stehen als oberste Verwaltungsorgane Bezirksamtmänner, in zwei Bezirken, Baga mojo und Ssongea, Stationsleiter I. Klasse, in zwei anderen Bezirken vorläufig noch die Führer der dort stationierten Teile der Schutztruppe. Die Bezirksämter sind außer mit dem Bezirksamtmann regelmäßig noch mit einem Sekretär, einem Polizeiwachtmeister und einem Kanzlisten besetzt. Den größeren Bezirksämtern sind sog. Adjunkten zur Hilfeleistung und gleichzeitig zur Ausbildung für den höheren Verwaltungsdienst zugeteilt. Die Bezirksnebenstellen haben eine regelmäßige Besetzung von einem Sekretär- und einem Polizeiwachtmeister. Außerdem gibt es sog. Polizeiposten, die nur mit einem Außenbeamten - einem Polizeiwachtmeister oder älteren Kanzlisten - besetzt sind, und Militärposten, die von einem jüngeren Offizier der Schutztruppe im Nebenamte verwaltet werden. In jedem Bezirk mit mindestens 30 männlichen deutschen Reichsangehörigen im Alter von mindestens 25 Jahren besteht ein Bezirksrat, welcher über Angelegenheiten der örtlichen Verwaltung des Bezirks zu beraten hat. In den übrigen Bezirken ist die Einrichtung des Bezirksrats fakultativ. Der Bezirksrat besteht aus dem Bezirksamtmann, einem vom Gouverneur ernannten und 3 gewählten Mitgliedern. - Zurzeit gibt es folgende Verwaltungsbezirke: 1. Tanga, 2. Pangani mit der Bezirksnebenstelle Handeni, 3. Bagamojo mit der Bezirksnebenstelle Sadani, 4. Daressalam mit dem Polizeiposten Kissangire, 5. Rufiji mit dem Sitz in Utete, 6. Kilwa mit den Bezirksnebenstellen Kilindoni, Kibata und Liwale, 7. Lindi mit den Bezirksnebenstellen Mikindani, Newala und Tunduru, 8. Langenburg mit den Bezirksnebenstellen Itaka und Mwakete und dem Polizeiposten Muaja, 9. Wilhelmstal, 10. Morogoro mit den Bezirksnebenstellen Kilossa und Kissaki, 11. Ssongea mit der Bezirksnebenstelle Wiedhafen, 12. Moschi, 13. Aruscha mit der Bezirksnebenstelle Umbulu, 14. Kondoa-Irangi mit der Bezirksnebenstelle Mkalama, 15. Dodoma mit dem Polizeiposten Mpapua und dem Offiziersposten Singidda, 16. Muansa mit der Bezirksnebenstelle Schirati und dem Militärposten Ikoma, 17. Tabora mit den Bezirksnebenstellen Schinjanga und Uschirombo, 18. Udjidji mit dem Militärposten Kassulo, 19. Bismarckburg. - Die beiden Verwaltungsbezirke, welche vorläufig noch von den Führern der dort stationierten Schutztruppenteile verwaltet werden, sind Iringa mit dem Militärposten Ubena und Mahenge. - Im Nordwesten des Schutzgebiets, zwischen dem Tanganjika-, Kiwu- und Victoriasee, wo sich organisierte Eingeborenenstaaten mit einflußreichen Sultanen finden, sind 3 Residenturen eingerichtet worden. Aufgabe der Residenten ist es, durch ihren persönlichen Einfluß die deutschen Interessen bei den dortigen Sultanen wahrzunehmen, letztere zu beaufsichtigen und zu beraten, ohne sich selbst in der Verwaltung des Landes zu betätigen. Residenten gibt es in Bukoba, im Sultanat Ruanda mit dem Sitz in Kigali und im Sultanat Urundi mit dem Sitz in Gitega. Zur Residentur Bukoba gehören die Militärposten Ussuwi und Kifumbiro, zu Ruanda der Militärposten Mruhengeri und zu Urundi die Nebenstelle Usumbura. - Selbständige kommunale Verbände bilden die Stadtgemeinden Daressalam und Tanga unter einem städtischen Rat. Dieser besteht aus dem Bezirksamtmann des betreffenden Bezirks und 4 Mitgliedern, von denen 3 von den Gemeindeangehörigen gewählt und einer vom Gouverneur ernannt werden. - Zur Überwachung der praktischen Durchführung der Anwerbung der farbigen Arbeiter und der gesundheitspolizeilichen Auflagen der Arbeitgeber, zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern usw. sind im Schutzgebiet besondere Beamte - Distriktskommissare - angestellt, welche hauptsächlich auf Reisen innerhalb ihrer Distrikte darauf hinwirken, daß sowohl die Arbeitgeber wie die Arbeiter die ihnen obliegenden Verpflichtungen erfüllen. Distriktskommissare sind zurzeit tätig in den Bezirken Tanga, Pangani, Wilhelmstal, an der Zentralbahn und abwechselnd in den Bezirken Rufiji und Lindi. - Für das landwirtschaftliche Versuchswesen ist in erster Linie das biologisch- landwirtschaftliche Institut Amani (Ost-Usambara) von Bedeutung. Amani ist als naturwissenschaftliches Institut mit botanischem, chemischem und zoologischem Laboratorium im Jahre 1902 begründet worden. Es hat Versuchsgärten und Plantagen in Amani und im Sigital. Aufgaben des Instituts sind die Einführung und Anzucht fremdländischer tropischer Nutzpflanzen, wissenschaftliche Untersuchungen und Versuche im Interesse der ostafrikanischen Plantagenkulturen, Studium der Pflanzenschädlinge und -krankheiten, Düngungsversuche, Bodenanalysen, Untersuchungen technisch verwertbarer Landesprodukte und Abhaltung von Kursen für Pflanzer. Das Institut ist besetzt mit einem Direktor (Professor Zimmermann), 4 wissenschaftlichen Beamten und den erforderlichen Hilfskräften. - In Kibongoto am Kilimandscharo besteht seit 1911 eine landwirtschaftliche Versuchsstation für Ackerbau und Viehzucht unter einem landwirtschaftlichen Sachverständigen; ihm stehen ein wissenschaftlich vorgebildeter Assistent und ein landwirtschaftlicher Gehilfe zur Seite. - Spezialversuchsstationen für Baumwollbau sind in Mpanganya (Bezirk Rufiji), Myombo (Bezirk Morogoro), in Matuira (Bezirk Lindi) und im Bezirk Tabora vorhanden, an denen je ein landwirtschaftlicher Sachverständiger und ein Assistent beschäftigt sind. Mit der Station Mpanganya ist eine Baumwollschule für Eingeborene verbunden. - Die Errichtung von weiteren Baumwollversuchsstationen steht bevor. In Morogoro ist zur Förderung des Obstbaus eine Fruchtkulturstation gegründet worden, die den Bedarf der Pflanzer und der Eingeborenen an Zuchtmaterial von Obst- und sonstigen Früchten decken und die Eignung ausländischer Sorten für den Anbau im Schutzgebiet erproben soll. Außerdem sind den Bezirken Bagamojo, Kilwa, Lindi, Morogoro, Muansa, Bakoba und Tabora landwirtschaftliche Assistenten als Bezirkslandwirte zur Beratung und Unterstützung in landwirtschaftlichen Fragen zugewiesen; sie sind zugleich auch als Wanderlehrer unter den Eingeborenen tätig. - In allen Fragen der Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse der Europäer und Eingeborenen werden die örtlichen Verwaltungsbehörden von Regierungsärzten, bei der Tierseuchenbekämpfung, der Tierzucht und der Fleischbeschau von Regierungstierärzten unterstützt. In größeren Orten bestehen Gesundheitskommissionen zwecks Überwachung und Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege. Sie setzen sich zusammen aus dem Vorsteher der öffentlichen Verwaltungsbehörde als Vorsitzenden, dem Stationsarzte und aus europäischen Privatpersonen als ehrenamtlichen Mitgliedern; dazu treten in Daressalem ein Mitglied des Instituts für Seuchenbekämpfung und außerdem an Orten, wo ein städtischer Rat oder eine Baubehörde bestehen, je ein Vertreter dieser Behörde. - Zu Zwecken der Farm- und Grundstücksvermessung sind ihnen Vermessungsämter bzw. einzelne Vermessungsbeamte zugeteilt. Die Landesaufnahme wird von besonderen Vermessungstrupps vorgenommen. - Die Zollverwaltung des Schutzgebiets wird unter der Oberaufsicht des Gouvernements von der unter Leitung eines Zolldirektors stehenden Zollinspektion geführt. Hauptzollämter sind vorhanden in Daressalam, Bagamojo, Tanga, Lindi und Muansa; Nebenzollämter in Pangani, Kilwa, Sadani, Mikindani, Salale, Kilindoni und Kionga. Zollstationen, deren Geschäfte durch die örtlichen Verwaltungsbehörden wahrgenommen werden, bestehen in allen an den Grenzen des Schutzgebiets belegenen Bezirken, sofern dort keine besonderen Zollämter eingerichtet sind. Nach der Zollverordnung vom 13. Juni 1903 besteht im allgemeinen für die Einfuhr ein Wertzoll von 10 %; für Branntwein, Wein, Bier, Tabak und einige andere Gegenstände ist ein besonderer Tarif aufgestellt, wogegen wieder andere, wie Maschinen, Instrumente, Bücher u. dgl. vom Einfuhrzoll befreit sind. Ausfuhrzoll wird nach einem Tarif nur für gewisse Güter erhoben; die Erzeugnisse der einheimischen Plantagen- und Landwirtschaft sind meist zollfrei. - Die Forstverwaltung üben in drei Forstverwaltungsbezirken (Wilhelmstal, Morogoro, Rufiji) 5 höhere Forstbeamte und 16 deutsche Förster und Forstassistenten aus. Über die Gouvernementsflottille s. Verkehrswesen. - Der Zivilverwaltung steht eine nach dem Muster der Schutztruppe organisierte farbige Polizeitruppe in Stärke von etwa 1800 Mann, einschließlich Chargen, zur Verfügung. Diese steht unter dem Kommando eines Polizeiinspektors und mehrerer Inspektionsoffiziere. Zum Zwecke der Ausbildung der Polizeimannschaften und der Verwaltung der Kammer- und Munitionsbestände besteht in Daressalam das Polizeidepot. Den einzelnen Verwaltungsbehörden sind Polizeiabteilungen von verschiedener Stärke mit je einem oder mehreren Polizeiwachtmeistern zugewiesen. Daneben haben sie für Zwecke des örtlichen Polizeidienstes vielfach noch besondere Polizisten (Walisoldaten, Knüppelaskari u. dgl. genannt). - Die Rechtsprechung über Nichteingeborene des Schutzgebiets (Weiße und die diesen Gleichgestellten, wie Japaner, Parsen, christliche Syrer, Goanesen usw.) wird von den Bezirksrichtern bzw. Bezirksgerichten in Daressalam, Tanga, Muansa, Moschi und Tabora ausgeübt. Berufungs- und Beschwerdeinstanz gegen die Entscheidungen des Bezirksrichters und -gerichts ist der Oberrichter bzw. das Obergericht in Daressalam. Die Rechtsprechung über die Eingeborenen des Schutzgebiets und die ihnen gleichgestellten Angehörigen fremder, farbiger Stämme steht den örtlichen Verwaltungsbehörden zu. Die Gerichtsbarkeit zweiter Instanz steht dem Gouverneur zu und wird in seinem Auftrage von dem Oberrichter wahrgenommen. - An der Spitze des Medizinalwesens steht ein Medizinalreferent des Gouvernements. Ihm unterstehen die Regierungs- und Stationsärzte in den einzelnen Bezirken. Größere Krankenhäuser für Europäer sowie für Eingeborene befinden sich in Daressalam und Tanga. - Die Finanzen des Schutzgebiets sind gegründet auf die bereits oben erwähnten Zölle sowie auf Steuern. Von solchen bestehen in der Hauptsache die Kopfsteuer für alle Farbigen in Höhe von 1 bis 3 Rp. und die Gewerbesteuer. Daneben werden noch erhoben Steuern auf die Nachlässe Farbiger, für den Ausschank einheimischer geistiger Getränke, Spielkartenstempel, Salzverbrauchsabgabe und Marktgebühren. Mittels dieser Einnahmen deckt das Schutzgebiet seine Ausgaben für die Zivilverwaltung. Für die Kosten des militärischen Schutzes zahlt das Reich dem Schutzgebiet einen Zuschuß von etwa 3 1/2 Millionen Mark. - Die Schutztruppe zählt etwa 2500 farbige Soldaten unter europäischen Offizieren und Unteroffizieren. Sie ist in 14 Kompagnien, ein Rekrutendepot und eine Signalabteilung gegliedert. Das Kommando der Schutztruppe befindet sich in Daressalam.

16. Kirchen-, Missions- und Schulwesen (s. Tafel 128, 129, 133, 134, 138). Die kirchliche Fürsorge für die katholische weiße Bevölkerung D.-O.s wird von den Missionen ausgeübt. - Einer besonderen Organisation dafür bedarf es nicht, da die Missionsveranstaltungen der katholischen Kirche unter kirchlicher Leitung stehen und zugleich Europäern und Eingeborenen des Missionsgebietes dienen. - Dagegen ist auf evangelischer Seite die kirchliche Fürsorge für die weiße Bevölkerung von der Mission getrennt. Es bestehen gegenwärtig selbständige evangelische Kirchengemeinden in Daressalam, Tanga und in Leganga (Leudorf). Die letztere hat sich der sächsischen Landeskirche angeschlossen. Die Gemeinde Daressalam, im Jahre 1887 von der Berliner Missionsgesellschaft gegründet, ist bereits 1891 an die Evangelische Landeskirche der älteren preußischen Provinzen angeschlossen worden. Sie besitzt seit 1902 ein eigenes Gotteshaus. Die im Jahre 1909 gegründete Gemeinde Tanga ist gleichfalls an die altpreußische evangelische Landeskirche angegliedert worden. Die finanziellen Bedürfnisse dieser Gemeinden werden durch Freiwillige Beiträge aufgebracht. Die Erhebung von Kirchensteuern findet nicht statt, da den Gemeinden die Rechte öffentlich-rechtlicher Korporationen nicht zustehen. An anderen Plätzen, wo infolge der geringen Anzahl der evangelischen Europäer die Errichtung besonderer Gemeinden noch nicht stattgefunden hat, wirken vielfach Missionare im Nebenamt als Seelsorger. - Die Tätigkeit christlicher Missionsgesellschaften im deutsch- ostafrikanischen Schutzgebiet hat verhältnismäßig spät begonnen. Erst in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ließen sich englische und französische Missionsgesellschaften im Schutzgebiet nieder, erst nach der Besitzergreifung durch das Reich folgten ihnen deutsche Gesellschaften. Die Missionstätigkeit im Schutzgebiet wird durch den Islam (s. d.), der dort schon seit dem 8. und 9. Jahrh. durch die Araber verbreitet ist, erschwert. Wenn trotzdem die Missionen erfreuliche Fortschritte machen, so ist dies neben der bekehrenden nicht zum geringsten Teil der praktischen Tätigkeit der Missionsgesellschaften zu verdanken. In dieser Beziehung sind in erster Linie die Missionsschulen zu nennen (s. u.). Ferner bemühen sich die Missionen, die Eingeborenen wirtschaftlich zu fördern, indem sie sie auf den Missionsstationen planmäßig anleiten, ihr Ackerland rationell zu bewirtschaften, europäische Kulturpflanzen (Kartoffeln, Weizen usw.) anzubauen und Handwerke aller Art zu erlernen. Zur Förderung des leiblichen Wohles der Eingeborenen haben die Missionen Hospitäler, Apotheken, Waisen- und Irrenhäuser eingerichtet, Ärzte angestellt und ihren Missionaren eine ärztliche Ausbildung zuteil werden lassen; hierdurch werden die Bestrebungen der Regierung zur Bekämpfung von Seuchen, Säuglingssterblichkeit usw. wesentlich unterstützt. Ferner sind die Missionsschwestern vielfach als Krankenpflegerinnen und Hebammen ausgebildet. Die territoriale Ausbreitung der Mission erstreckt sich auf das ganze Schutzgebiet. Besonders stark sind aber die Küstenländer, das Kilimandscharo- und das Seengebiet besetzt. In den Ländern des Tanganjika- und Victoriasees überwiegt im allgemeinen das katholische, in den Bezirken Tanga, Pangani und Wilhelmstal sowie in der Umgegend des Njassasees das evangelische Bekenntnis. Um konfessionelle Streitigkeiten und Beeinträchtigungen der Missionstätigkeit durch das Nebeneinanderwirken beider Konfessionen zu vermeiden, pflegen sich die einzelnen Missionsgesellschaften im allgemeinen vor der Niederlassung mit der Verwaltung des Schutzgebiets ins Einvernehmen zu setzen. Im einzelnen missionieren auf evangelischer Seite folgende Missionsgesellschaften: Die Berliner Missionsgesellschaft, die Herrenhuter Brüdergemeine, die Evangelische Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika, die englische Church Missionary Society, die Leipziger Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft, die englische Universitätenmission (Universities Mission), die Adventisten vom siebenten Tage, die Missionsgesellschaft von Neukirchen, die amerikanische Afrika-Inland- Mission. S. Mission, evangelische und die einzelnen Missionsgesellschaften. - Die Katholische Mission in D.-O. gliedert sich in die apostolischen Vikariate Bagamojo, Daressalam, Süd-Njansa, Kivu, Unjanjembe, Tanganjika und Kilimandscharo, an deren Spitze je ein Bischof steht. In den Vikariaten Bagamojo und Kilimandscharo, das nördliche Küstengebiet bis zum Kilimandscharo umfassend, wirken die Väter vom heiligen Geist. Den ganzen Süden der Kolonie, von Daressalam bis zum Rovuma und Njassa, nahm bis 1913 das Vikariat Daressalam ein. (Nach Dekret der Propaganda vom Nov. 1913 ist der südliche Teil von D.-O. abgetrennt und eine eigene apostolische Präfektur mit dem Sitz in Lindi, gleichfalls den Benediktinern zugehörig, errichtet worden.) Hier arbeitet seit 1888 die deutsche Kongregation der Benediktiner von St. Ottilien am Lech, unterstützt von den Benediktus-Missionsschwestern. Das ganze übrige Schutzgebiet wird von den Vikariaten Süd-Njansa, Kiwu, Unjanjembe und Tanganjika eingenommen. Diese sind den Angehörigen der 1868 in Algier gegründeten Société des missionaires de Notre-Dame des missions d'Afrique et d'Algérie, nach ihrer Kleidung allgemein Weiße Väter genannt, überwiesen. Zusammen mit ihnen wirkt die Kongregation der Weißen Schwestern. Siehe Mission, katholische und die einzelnen apostolischen Vikariate und Missionsgesellschaften. Wie vorstehend bereits erwähnt, spielt sich in den mit den Missionsstationen verbundenen Missionsschulen ein wichtiges Stück missionarischer Tätigkeit ab. Da die Missionen ihre Schulen in erster Linie zu dem Zweck anlegen, um durch Erziehung und Erteilung von Religionsunterricht an die jungen Schüler und Schülerinnen das Bekehrungswerk vorzubereiten, sind die Missionsschulen fast ausschließlich für Eingeborene bestimmt. Lehrgegenstand ist in den meisten Missionsschulen außer Religion: Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen, Kisuaheli und, in den höheren Klassen, Deutsch. Um den Eifer im Unterricht des Deutschen anzuregen, werden von der Regierung für gute Leistungen Prämien verteilt. Mit den Missionsschulen sind meist Handwerkerschulen verbunden, in welchen die jungen Eingeborenen als Tischler, Schneider, Schmiede, Schlosser, Ziegelmacher usw. ausgebildet werden; auch sind zur Unterweisung der Schüler im Ackerbau Versuchsfelder angelegt worden. Die Mädchen werden in der Ausübung häuslicher Arbeiten unterrichtet. Zur Ausbildung von Hilfskräften haben die einzelnen Missionsgesellschaften Seminare eingerichtet. Die besseren Schüler finden im Regierungsdienst vielfach als Schreiber, Zollbeamte, Akiden u. dgl. Anstellung. Den ca. 800 Missionsschulen für Eingeborene stehen nur 6 Missionsschulen für Europäerkinder zu Leganga, Gare, Tandala, Hohenfriedeberg und Daressalam gegenüber. Die Karlsschule zu Tandala, Bezirk Langenburg, ist von der Berliner Missionsgesellschaft gegründet worden, um die Kinder der Missionare so weit vorzubilden, daß sie in die höheren Lehranstalten der Heimat eintreten können. Dem Unterricht der Knaben liegt der Gymnasiallehrplan, dem der Mädchen der Lehrplan der höheren Mädchenschulen zugrunde. Die Schutzgebietsverwaltung wendet dieser Schule ihr besonderes Interesse zu, da sie der erste Anfang einer höheren Lehranstalt des Schutzgebiets ist und auch Kinder von weißen Ansiedlern aufnimmt. - In Hohenfriedeberg (West-Usambara) besteht seit 1908 eine Schule für deutsche Ansiedlerkinder der Evangelischen Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika. Eine weitere Europäerschule unterhält die katholische Mission in Gare im Bezirk Wilhemstal. - In der Benediktinerschule zu Daressalam werden katholische Europäerkinder von geprüften Ordensschwestern nach dem Plane einer heimischen städtischen Elementarschule unterrichtet. Außer den Missionsschulen gibt es eine Anzahl von Regierungsschulen in D.-O. Auch bei diesen sind Eingeborenen- und Europäerschulen zu unterscheiden. Die Regierungsschulen für Eingeborene zerfallen wieder in Hauptschulen und Hinterland- oder Außenschulen. Die ersteren werden von deutschen Lehrern geleitet. Ihr Lehrplan umfaßt etwa den Stoff einer heimischen Volksschule. Schulsprache ist Kisuaheli. In den Hauptschulen wird außerdem Deutsch gelehrt. Religionsunterricht wird in den Regierungsschulen nicht erteilt, doch wird den Schülern Gelegenheit gegeben, den Religionsunterricht der an demselben Ort befindlichen Mission beizuwohnen. Mit den Hauptschulen sind meistens Internate verbunden, in denen auswärtige Schüler Kost, Wohnung und häufig auch Kleidung unentgeltlich finden. Gegenwärtig gibt es unter deutscher Leitung stehende Hauptschulen in Tanga, Pangani, Daressalam, Kilwa, Lindi, Tabora, Bukoba, Muansa und Udjidji. Von den meisten dieser Städte sind zunächst in der nächsten Nähe, dann allmählich immer weiter im Lande in den bedeutenderen Dörfern kleine, von befähigten Zöglingen der Hauptschulen geleitete Hinterland- oder Außenschulen eingerichtet worden, so daß sich jetzt über einen großen Teil des Schutzgebiets ein Netz von Regierungsschulen ausbreitet. Jährlich findet eine Revision der Außenschulen und eine Prüfung der Schüler durch die deutschen Lehrer der Hauptschulen statt. Die begabtesten Schüler des Hinterlandes finden in den Internaten der Hauptschulen Aufnahme, wo sie eine gute, gründliche Ausbildung erhalten. Dieses System hat sich bisher gut bewährt. Die Nachfrage nach ausgebildeten Schülern der Regierungsschulen, welche als Lehrgehilfen bei Außenschulen, als Steuerschreiber, Bureau- und Handlungsgehilfen gutbezahlte Anstellung finden, ist stets sehr groß und übersteigt das Angebot. Infolgedessen bricht sich bei den Eingeborenen, welche anfangs den Regierungsschulen mißtrauisch gegenüberstanden, immer mehr die Überzeugung von dem Werte der Schulkenntnisse Bahn. Als Beweis hierfür möge die Tatsache dienen, daß einige Sultane in den nördlichen Landschaften des Bezirks Tabora sich sogar eigene Schulen eingerichtet und farbige Lehrer auf eigene Kosten angestellt haben. - Eine bedeutendere Stellung nimmt die der Hauptschule in Tanga angegliederte sog. Oberschule ein, eine Art Lehrerseminar, welche hauptsächlich für die Heranbildung tüchtiger eingeborener Lehrer bestimmt ist. - Ähnlich wie den Missionsschulen sind meist auch den Regierungshauptschulen Handwerkerschulen angegliedert, um dem Mangel an tüchtigen Handwerkern abzuhelfen. Solche Handwerkerschulen bestehen z. Zt. in Tabora, Neulangenburg, Pangani, Bagamojo und Udjidji. Auch Versuchsgärten sind mit den meisten Schulen verbunden. Für Europäerkinder gibt es bis jetzt nur 3 Regierungsschulen mit insgesamt etwa 50 Schülern. Die älteste Schule dieser Art ist die in Daressalam, gegründet im Jahre 1907. Ihr Lehrplan umfaßt den Unterrichtsstoff einer heimischen Volksschule. Der Religionsunterricht wird von den Geistlichen beider Konfessionen erteilt. - Die beiden anderen Europäerschulen befinden sich im Bezirk Moschi, und zwar in Leganga und in Oldonjo-Sambu. Erstere wird von einem früheren Lehrer, welcher sich als Ansiedler am Meruberg niedergelassen hat, im Nebenamt, letztere von einem Regierungslehrer geleitet. - An den Regierungsschulen des Schutzgebiets unterrichten gegenwärtig insgesamt 16 europäische (darunter 3 Handwerkslehrer) und 159 farbige Lehrer ca. 6100 Schüler. Schließlich sind noch die Koranschulen zu erwähnen; diese werden von eingeborenen mohammedanischen Religionslehrern geleitet, die meistens dem Handwerkerstande angehören. Hauptunterrichtsgegenstand ist das Lernen von Koranversen, daneben Lesen des Koran, arabische Schrift und Rechnen. Seitdem die Eingeborenen die Vorteile der in den Regierungsschulen gebotenen Schulbildung erkannt haben und nach der allgemeinen Einführung der lateinischen Schriftzeichen im amtlichen Verkehr sind diese der Propaganda für den Islam dienenden Schulen immer mehr zurückgegangen und heute von den Regierungs- und Missionsschulen fast ganz verdrängt worden. S. a. Schulen.

17. Geschichte. Schon in den ältesten Zeiten war die Ostküste Afrikas den Handel treibenden Völkern bekannt. Vor ca. 3000 Jahren, zur Zeit der Wanderungen der Banturasse, drangen Araber von der Westküste Arabiens aus, der Ostküste folgend, gegen Süden bis zum Sambesi und weiter bis Sofala vor. Gleichzeitig erforschten Phönizier und Inder die afrikanische Ostküste und errichteten südlich bis Mozambique Handelsniederlassungen. Eine von dem ägyptischen König Necho ausgesandte Expedition phönizischer Seefahrer soll ungefähr 600 v. Chr. Afrika vom Roten Meer aus bis zum Mittelländischen Meer umschifft haben. Zu einer eigentlichen arabischen Ansiedelung kam es aber erst im 10. Jahrh. n. Chr. Veranlaßt durch die damals in Arabien ausgebrochenen inneren Unruhen, wanderten viele Araber an die Ostküste Afrikas aus und gründeten hier die Städte Mukdischu, Barawa, Mombassa, Tanga, Daressalam, Sansibar, Kilwa, Mozambique und Sofala. Gleichzeitig mit den Arabern ließen sich mohammedanische Perser in Lamu nieder. Nach der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien durch Vasco da Gama (s. Gama) suchten die Portugiesen auch Stützpunkte an der Ostküste Afrikas. 1506 wurde Kilwa, 1507 Mozambique und Lamu den dortigen arabischen Herrschern entrissen. Bald darauf legten die Portugiesen auch in Malindi, Mombassa, Sansibar und Mukdischu feste Plätze an. Um 1520 befand sich die ganze Ostküste in ihren Händen. Mit dem Niedergang ihrer Seemacht ging den Portugiesen der größte Teil dieser Besitzungen wieder verloren. 1698 eroberte der Imam von Maskat die Städte Mombassa, Sansibar und Kilwa. Nur mit Mühe gelang es, Mozambique zu halten. Von der ganzen nördlichen Küste konnten die Portugiesen nur Mombassa im Jahre 1725 wieder erobern, aber nur einige Jahre, bis 1730 halten. - Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Ostküste Afrikas zwischen Kap Delgado und Mukdischu nach vielen Kämpfen durch den Sultan Seyid Said von Maskat politisch geeint. Letzterer siedelte, um den häufigen Aufstandsversuchen, besonders Mombassas, besser entgegen treten zu können, im Jahre 1840 nach Sansibar über. Nach seinem Tode teilten seine Söhne das Reich; Sansibar wurde 1856 unter dem Sultan Seyid Madjid selbständig. In seinem unbestrittenen Besitz befand sich aber nur die Küste sowie die dieser vorgelagerten Inseln, während das Hinterland nur gelegentlich von Sultans-Expeditionen durchzogen wurde, um Tribut einzutreiben, oder um Sklaven und Elfenbein zu erbeuten. Die Häuptlinge des Hinterlandes erkannten die Oberherrschaft Sansibars in ihrem Gebiete nicht an, so daß sie später darüber Verträge mit Dr. Peters (s. d.) und seinen Gefährten abschließen konnten. - Weder Araber noch Portugiesen hatten für die geographische Erforschung des Landes etwas getan. Diese begann erst Mitte des 19. Jahrh. durch europäische Forscher. In den Jahren 1848/49 entdeckten die deutschen Missionare Rebmann (s.d.) und Krapf (s.d.) den Kilimandscharo, Meru und Kenia und gaben den Anstoß zu den Bestrebungen, das Nilquellenproblem von Osten aus zu lösen. 1858 entdeckten die englischen Offiziere Burton (s.d.) und Speke (s.d.) den Tanganjikasee und in demselben Jahre Speke allein das Südufer des Victoriasees. Der schottische Missionar Livingstone (s.d.) kam auf seiner zweiten großen afrikanischen Reise 1859 zum Njassasee. 1866 zog er am Rovuma aufwärts wiederum zum Njassa, entdeckte dann weiter westwärts den Bangweolosee und das östliche Quellgebiet des Kongo. 1874 legte Stanley (s.d.) auf seiner der Erforschung der Nilquellen und des Kongolaufes gewidmeten Reise den Victoriasee kartographisch fest. 1876 entdeckte er den Albert-Edward-See sowie den Kagera und umschiffte zum erstenmal den Tanganjikasee ganz. Von anderen Männern, welche sich zu jener Zeit um die Erforschung Ostafrikas verdient gemacht haben, seien noch genannt: Grant, v. d. Decken, Kersten, Charles New, Cameron, Elton, Cotterill, Cambier, Böhm, Kaiser, Reichard, Thomson, Fischer und Johnston (s. die betr. Art.). - Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann die Aufteilung Afrikas durch die europäischen Mächte. Den Anstoß zur Erwerbung Ostafrikas durch Deutschland gab Dr. Carl Peters. Er gründete am 28. März 1884 in Berlin die "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" zu dem Zwecke, die deutsche Auswanderung in die von der Gesellschaft zu erwerbenden Kolonien zu lenken. In aller Stille wurden Dr. Peters, Dr. Jühlke und Graf Pfeil an die Ostküste Afrikas gesandt; dort schlossen sie innerhalb weniger Wochen Schutzverträge mit den Häuptlingen von Ussagara, Uluguru, Useguha und Ukami. Diese Verträge wurden durch den kaiserlichen Schutzbrief vom 27. Febr. 1885 bestätigt. Der Sultan von Sansibar, Said Bargasch, erhob zwar Ansprüche auf die dem Dr. Peters abgetretenen Gebiete und wollte die deutsche Schutzherrschaft auf dem Festlande nicht anerkennen; er wurde indessen durch eine Flottendemonstration im August 1885 gezwungen, die Ansprüche Deutschlands einschließlich des von den Gebrüdern Denhardt (s.d.) erworbenen Protektorats über das Sultanat Witu anzuerkennen. Die Gesellschaft ließ dann auch die Landschaften Khutu, Usambara usw. besetzen und die Landschaften südlich des Rufiji bis zum Rovuma erforschen. - Inzwischen war die "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" in die Kommanditgesellschaft "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft Carl Peters & Genossen" und am 7. Sept. 1885 in die unter Aufsicht des Reichskanzlers stehende "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft" umgewandelt worden (Näheres s. Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft). Durch das deutsch-englische Übereinkommen vom 29. Okt. 1886 wurden die Interessensphären beider Mächte dahin festgelegt, daß der deutsche Besitz im Norden durch eine von der Mündung des Umbaflusses mit Umgehung des Kilimandscharo bis zum nordöstlichen Ufer des Victoriasees reichende Linie abgegrenzt und der Tanafluß als nördliche Grenze der britischen Besitzungen angenommen wurde. Die Souveränität des Sultans von Sansibar über den ganzen Küstenstreifen von Kipini bis zum Rovuma in einer Breite von 10 Seemeilen sowie über die Inseln Sansibar, Mafia und Pemba wurde dabei ausdrücklich anerkannt. - Die Südgrenze wurde durch den Vertrag mit Portugal vom 30. Dez. 1886 festgesetzt. Um die Kolonie lebensfähig zu machen, mußte die Gesellschaft in irgendeiner Form in den Besitz der Küste kommen. Nach langen Verhandlungen mit dem Sultan von Sansibar kam schließlich am 28. April 1888 ein Vertrag zustande, wonach die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft die Verwaltung der Küste zwischen dem Umba- und dem Rovumafluß und die Erhebung der Küstenzölle im Namen des Sultans gegen eine jährliche Pachtsumme übernahm. Als dieser Vertrag am 15. Aug. 1888 in Kraft treten sollte, brach der Araberaufstand (s.d.) aus, der durch Wissmann niedergeworfen wurde. Am 1. Juli 1890 schlossen Deutschland und England einen Vertrag, in welchem Deutschland seine Interessensphäre nördlich vom Umbafluß, einschließlich des Sultanats Witu, aufgab und auf die Unabhängigkeit des Sultans von Sansibar zugunsten Englands verzichtete, wogegen England die Insel Helgoland an Deutschland abtrat und die Hoheitsrechte Deutschlands über das heutige Schutzgebiet anerkannte. Der Sultan von Sansibar trat den ihm formell noch gehörenden Küstenstreifen gegen Zahlung von 4000000 M an die Deutsch- Ostafrikanische Gesellschaft ab. Der Araberaufstand hatte gezeigt, daß die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft sich ohne Hilfe des Reichs auf die Dauer nicht würde behaupten können. Daher übernahm das Deutsche Reich am 1. Jan. 1991 die Verwaltung des Schutzgebiets gegen eine an die Gesellschaft zu zahlende Entschädigung von jährlich 600000 M zahlbar bis zum 31. Dez. 1935. An die Spitze des Schutzgebiets trat der bisherige Gouverneur von Kamerun, v. Soden (s.d.). Als Kommissare wurden ihm beigegeben Dr. Peters, Wissmann (s.d.) und der inzwischen mit Stanley an die Küste zurückgekehrte Emin Pascha (s.d.). Sitz des Gouvernements wurde Daressalam. Sämtliche Hoheitsrechte der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft gingen allmählich auf das Reich über. Erstere verwandelte sich in eine reine Erwerbsgesellschaft. Die sog. Wissmann- Truppe wurde durch ksl. Erl. vom 9. April 1891 in eine "Kaiserliche Schutztruppe" umgewandelt. - Im August 1891 fiel die v. Zelewskische Expedition auf einem Strafzuge gegen die Wahehe in einen Hinterhalt und wurde fast vollkommen aufgerieben. Ähnlich erging es einer Expedition gegen die aufrührerischen Wadschagga am Kilimandscharo im Juni 1892. Beide Niederlagen wurden jedoch durch den Nachfolger v. Sodens, v. Schele (s.d.), ausgeglichen. Er unterwarf im August 1893 die Wadschagga vollständig und brachte hierdurch den Norden des Schutzgebiets endgültig zur Ruhe. Bei einer weiteren Expedition brach er im Oktober 1894 die Macht der gefürchteten Wahehe durch Erstürmung Kuirengas. - Der Befriedung des Schutzgebiets folgte die Erforschung des Inneren. Während sich vor dem Jahre 1884 Angehörige fast sämtlicher europäischer Nationen daran beteiligt hatten, nahm nach der Besitzergreifung durch Deutschland die Forschung einen nationalen Charakter an. 1890 zog Emin Pascha in Begleitung von Dr. Stuhlmann (s.d.) in das Innere und gründete die Station Tabora. Sein Begleiter, Langheld (s.d.), legte in Bukoba und Muansa Stationen an und unterwarf die Stämme nördlich Taboras. Das Antisklavereikomitee brachte 3 Segelboote auf den Victoriasee und errichtete dort eine Schiffswerft. Wissmann gelang es nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten einen nach ihm benannten Dampfer auf den Njassasee zu bringen. Er gründete die Station Langenburg am Nordende des Sees und zog von hier nach erfolgreichen Kämpfen gegen die Wanika und Wawemba zum Tanganjikasee. Graf v. Götzen (s.d.), der nachmalige Gouverneur von Ostafrika, durchquerte in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum erstenmal Ruanda, entdeckte den Kiwusee sowie die Kirungavulkane. Eine große Reihe von Forschungsreisenden, Offizieren und Beamten haben sich weiterhin um die Erforschung des Landes verdient gemacht (s. die unten angeführte Literatur, insbesondere Hans Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. I). - Unter den Nachfolgern des Gouverneurs Frhr. v. Schele: v. Wissmann, v. Liebert (s.d.), Graf v. Götzen, Frhr. v. Rechenberg (s.d.) und Schnee hat sich das Schutzgebiet in erfreulicher Weise entwickelt. Abgesehen von Unruhen geringeren Umfangs, wurde die stetige Entwicklung D.-O.s nur noch einmal unterbrochen. Im Juni 1905 brach im Süden ein Aufstand aus, hervorgerufen durch Häuptlinge und Zauberer im Hinterlande von Kilwa, im wesentlichen aus dem Grunde, weil sie fürchteten, unter der deutschen Herrschaft ihren bisherigen Einfluß und damit ihre Erwerbsquellen gänzlich zu verlieren. Er wurde indessen nach längeren bis Anfang 1907 dauernden Kämpfen vollkommen niedergeworfen. S.a. Erwerbung der deutschen Kolonien 4.

v. Spalding.

Literatur: Bibliographien. Mehr oder minder umfassende Literaturzusammenstellungen enthalten: Bis 1891: Zeitschr. der Berl. Ges. f. Erdkunde. Seitdem: Bibliotheca geographica. Berl. 1895 ff. Ferner (seit 1884): Die deutsche Kolonialliteratur, zusammengestellt von M. Brose, seit 1907 von H. Henoch. Berl. (Süsserott). - Ein gehr eingehendes, gut eingeteiltes Verzeichnis der landeskundlichen Literatur über Deutsch-Ostafrika mit 500 Nummern findet sich ferner in der besten Behandlung der Kolonie: Hans Meyer, Ostafrika, in Das Deutsche Kolonialreich, Bd. I. Lpz. 1909. Außerdem sei an Werken, die ganz D.-O. behandeln (hier und im folgenden nur eine kleine Auswahl), genannt: P. Reichard, Deutsch- Ostafrika. Lpz. 1892. Stuhlmann, Mit Emin Pascha im Herz von Afrika. Berl. 1894. - Peters, Das deutsch-ostafrikanische Schutzgebiet. Münch. u. Lpz. 1895. H. Fonck, Deutsch-Ostafrika. Bln. 1910. H. Ramsay, H. Bethe und H. Paasche, Deutsch- Ostafrika, in Die Deutschen Kolonien, hgg. v. K. Schwabe. Berlin 1910. E. Obst, Deutsch- Ostafrika, in Das überseeische Deutschland, Bd. II. Stuttg. 1911. - K. Dove, Ostafrika, Slg. Göschen. Lpz. 1912. - Eine Reise durch die deutschen Kolonien, I. Bd.: Deutsch-Ostafrika, hgg. von Kolonie u. Heimat, 3. Aufl., Bln. 1912. - Militärisches Orientierungsheft für Deutsch- Ostafrika, 2. Aufl. (nur die 1. hier benutzt), Daressalam 1914. Karstedt, Deutsch-Ostafrika und seine Nachbargebiete. Ein Handbuch für Reisende, Bln. 1914 (hier noch nicht benutzt). Besonders geeignet zur Einführung in das Verständnis von Land und Leuten sind an mehr unterhaltenden Werken: O. Baumann, Afrikanische Skizzen. Bln. 1900. - B. Kandt, Caput Nili. 2. Aufl. Bln. 1905. - Zu 1. M. Moisel und P. Sprigade, Karte von D.-O., 1: 300000, 29 Blt. und 6 Ansatzstücke, Bln., fortwährend ergänzt durch Neuausgabe veralteter Blätter; dieselben, D. -O. in 9 Blt., 1 : 1, Mill., mit besonderem Namensverzeichnis, in Großer Deutscher Kolonialatlas, ebenda. - Dieselben, Wandkarte von D.- O., 1 : 1 Mill., Bln. 1912. - M. Moisel, Karte von D.-O. (mit nutzbaren Bodenschätzen), 1: 2 Mill., 2. Aufl. Bln. 1905. Militärische Wegekarte von Deutsch- Ostafrika, 1: 1 Mill., Bln. 1910. Küste von Deutsch-Ostafrika, 1 : 750 000, D. Admiral. Karte Nr. 193. - Neuere Grenzfestsetzungen (meist Schlobach): Mitt. a. d. Sch. 1910, 49. KolBl. 1909, 56; 1911, 613; 1912, 645 u. 1041. - Zu 2. Stromer v. Reichenbach, Die Geol. der Deutschen Schutzgeb., München 1896. (Mit Literaturverzeichnis.) - W. Bornhardt, Zur Oberflächengest. und Geologie D.-O.s, D. Reimer. Bln. 1900. - Übersichtskarte der geol. Ergebn. d. Reisen v. Bornhardt u. Dantz. Mitt. a. d. d. Sch. 1903. - F. Tornau, Die nutzb. Mineralvork., insbes. die Goldlagerst. D.-O.s, Z. D. Geol. Ges. 1907. - E. Fraas, Beob. über d. o. a. Jura. Zbl. f. Min. etc. 1908. - Ders., Geol. Streifzüge in OA., Mitt. d. Ver. f. Erdk. zu Leipzig 1909. - J. Kuntz, Beitr. z. Geol. der Hochländer D.-O.s. Z. f. prakt. Geol. 1909. - C. Gagel, Geol. Karte von D.-O., in Das D. Kol.-Reich. Bd. 1. 1909. - Ders., Die nutzbaren Lagerstätten D.-O.s, Glückauf 45, 1909. - E. Dacqué u. E. Krenkel, Jura u. Kreide in OA. N. Jb. für Min. etc. Beil.-Bd. 1909. - E. Krenkel, Zur Geol. d. zentralen OA. Geol. Rundschau 1910. - B. Kohlschütter, Über d. Bau d. Erdkruste in D.-O. Nachr. Ges. d. Wiss. Gött. m. p. Kl. 1911. H. v. Staff, Fluviatile Abtragungsperioden im s. D.-O. Z. D. Geol. Ges. 1912. - E. Hennig, Beitr. z. Geol. u. Stratigr. D.-O.s, Archiv für Biontologie, III, Bln. 1913. - F. Tornau, Zur Geol. d. mittl. und w. Teiles von D.-O. Beitr. z. geol. Erforsch. d. d. Schutzgeb. VI, 1913. - W. Koert, Ergebn. d. neueren geol. Forschung in den deutsch-afr. Schutzgeb., Beitr. z. geol. Erforsch. d. d. Schutzgeb. I, 1913 (mit Literaturverz. seit 1896). Zu 4. H. Maurer, Zur Klimatol. v. D.-O. A. d. Archiv d. D. Seew. 1901. Ders., Eine klimatol. Studie. G. Z. 1903. Ders., Meteorol. Beob. aus D.-O. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1903. - Derselbe, Klimakarten von D.- O. in Das d. Kol.-Reich. Bd. I. 1909. - P. Heidke, Meteorol. Beob. aus D.-O. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1906. Teil III bis VIII, ebenda 1908-1913. - E. Kremer, Die unperiod. Schwankungen der Niederschläge u. d. Hungersnöte in D.-O. A. d. Arch. d. D. Seew. 1910. - A. Berson, Ber. über d. aerolog. Expedition nach OA. i. J. 1908. Erg. d. Arb. d. pr. aeronaut. Observat. Lindenberg, 1910. G. Castens, Ergebnisse der Witterungsbeobachtungen in D.-O., fortlaufend im "Pflanzer" und im Amtlichen Anzeiger, Daressalam. - Zu 6. A. Engler, Die Pflanzenwelt Ostafrika D. Reimer, Bln. 1895. - Ders., Vegetationskarte von D.-O. Das d. Kol. Reich. Bd. L 1909. - P. 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