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Deutsch-Ostafrika. 1. Lage und Grenzen. 2. Bodengestaltung. 3.
Gewässer.
4. Klima. 5. Natürliche Einteilung. 6. Pflanzenwelt. 7. Tierwelt. 8.
Eingeborenenbevölkerung.
9. Bevölkerungsstatistik. 10. Eingeborenenproduktion. 11. Europäische
Unternehmungen. 12. Handel. 13. Verkehrswesen. 14. Geld- und Bankwesen.
15. Verwaltung und Rechtspflege. 16. Kirchen-, Missions- und Schulwesen.
17. Geschichte. (Finanzwesen s. Finanzen.)
Karten
1. Lage und Grenzen. D.-O. liegt ganz innerhalb der natürlichen
Grenzen des geographischen Begriffs Ostafrika
(s.d.). Über mehr als 4000 km erstreckt sich Ostafrika von Norden nach
Süden, und das in einem von Westen nach Osten im Durchschnitt 1000 km
breiten Streifen. Etwa ein Viertel dieses Gebietes in seiner vollen
ostwestlichen
Erstreckung nimmt D.-O. ein, vom Kongobecken zum Indischen Ozean
reichend.
Der Ozean greift zwischen Massaua und Mozambique nirgends so weit nach
W ins Land vor wie bei Sadani (s.d.) in
D.-O. Die äußersten Punkte von D.-O. liegen im W am Russisi (s.d.) unter 28° 38' 5" ö. L. v. Gr., im
S im Rowuma (s.d.) etwa 49' 7'', im O
beim
Kap Delgado unter 40° bei 11° 47', im N unter 0° 59' 2'' s. Br. auf
einer
kleinen Halbinsel an der Westküste des Victoriasees; sonst reicht hier
D-.O. nur bis auf 1° s. Br. nach Norden. - Die Lage am Rand einer großen
geschlossenen Landmasse, die in diesen Breiten von Osten her trotz des
Mangels an größeren Küstenebenen und weit hinein schiffbaren Flüssen
noch
am wenigsten schwer zugänglich ist, hat diese mittleren Teile Ostafrikas
besonders nahe mit dem Indischen Ozean verknüpft. Dazu trägt auch bei,
daß heute die nordwärts angrenzende Somalihalbinsel und ihr
südwestliches
Hinterland eine fast wüstenartige Sperre nach dem Golf von Aden und dem
Roten Meer hin bildet. Und ebenso bedingt die vorherrschende östliche
Windrichtung eine Reihe besonders enger Beziehungen zwischen Ozean und
Land. Sie zeigen sich in der Menge, ebenso in der Verteilung der
Niederschläge
über das Jahr, weiter in uralten Einwanderungen einzelner Elemente der
Flora, vielen ethnischen und kulturellen Einflüssen
in der Richtung der Handelswege. So dauerte es lange, bis die von Europa
ausstrahlende Anziehungskraft den mächtigen Einfluß des Nächstliegenden
wenigstens vorläufig besiegte. D.-O. ist unsere größte Kolonie. Die
neueste
amtliche Angabe der Fläche: 997 000 qkm, einschließlich unserer Anteile
am Kiwu, Tanganjika und Victoriasee,
dürfte sich, auch auf Grund eingehenderer Aufnahmen, nicht mehr
erheblich
ändern. Denn durch viele Grenzexpeditionen liegt fast die gesamte
Binnengrenze
des Landes ziemlich genau fest, am wenigsten noch das Land am Rowuma,
von dessen Knie bis zu einer Stelle 50 km oberhalb der Mündung, sowie
die Küsten des Tanganjika. Die Gestade des Indischen Ozeans sind durch
Küstenvermessung meist auch in den
Einzelheiten
genau aufgenommen. Von diesem leidlich gut bekannten Rahmen werden
freilich
noch viele Landesteile umschlossen, deren topographisches Bild kaum in
groben Zügen bekannt ist. Abgesehen von einem manchmal bis 50 km breiten
Streifen längs der mit einem Dreiecksnetz bedeckten Grenzen sind
eigentlich
bisher nur Ost- und Westusambara, ihr südliches Vorland bis über den
Pangani
hinaus, ganz schmale Zonen längs der Eisenbahnen, die Umgebung einiger
größerer Orte, sowie einige wenige Pflanzungsareale nach heimischen
Begriffen
genau aufgenommen. Im übrigen ist das topographische Bild auch dieser
Kolonie durch Routenaufnahmen (s.d.), die nur zum
kleinsten
Teil durch Dreiecksmessungen und astronomische Beobachtungen gefestigt
sind, gewonnen worden. Trotzdem sind die hiernach bearbeiteten, meist
amtlichen Karten von ganz D.-O. in 1:300000,
1:1 Mill., 1:2 Mill. und 1:6 Mill. sehr wertvoll und brauchbar. In den
Artikeln dieses Lexikons über die einzelnen Landschaften D.-O.s und
seine
Verwaltungsbezirke finden sich zahlreiche neue Flächenangaben. Die
Messungen
sind auf den gesamten Karten, hauptsächlich auf der in 1:1 Mill. meist
mit Polarplanimeter ausgeführt worden. Mögen sie auch oft nur rohe
Annäherungen
an die wirklichen Flächen bedeuten, so sind sie doch reinen Schätzungen
vorzuziehen. Die politischen Grenzen von D.-O. fallen - im Gegensatz zu
denen unserer meisten anderen Kolonien - in bedeutender Ausdehnung mit
natürlichen zusammen. Das gilt besonders für die Grenze längs der im
zentralafrikanischen
Graben gelegenen Seebecken. Hier haben wir manche der Vorteile, die
sonst
die Abgrenzung durch ein Meer bietet. Bemerkenswert
ist es, daß z.B. der Verkehr der deutschen Küstengebiete am Tanganjika
sich so gut wie ausschließlich auf dem Wasserweg abspielt, ähnlich wie
längs dem Indischen Ozean. Die politische Grenzlinie verläuft in der
Mitte
des Tanganjika; für den Kiwusee besteht
seit dem Abkommen zwischen Belgien und dem Deutschen Reich vom 2. Aug.
1910 eine ähnliche Abgrenzung, wenn auch dort leider die in der Mitte
des Sees gelegene große Insel Idschwi
entgegen den früheren faktischen Besitzverhältnissen Belgien zuerkannt
wurde. Nur am Njassa verläuft die Grenze unmittelbar am östlichen,
deutschen
Ufer. Ein Fluß ist an und für sich keine gute natürliche Grenze. Wenn
der Rowamalauf trotzdem eine leidliche geographische Abgrenzung gegen
Süden hin bedeutet, so liegt das kaum daran, daß er Hochflächen im
Norden
von solchen im Süden trennt und nur auf geringe Erstreckung hin
schiffbar
ist. Aber in wenig kultivierten Gegenden wirkt ein Fluß leichter als
Grenze,
und hier kommen andere menschliche Einflüsse hinzu. Eine scharfe Grenze
ist der Rowuma erst dadurch geworden, daß
nördlich von ihm Zucht und Ordnung, südlich äußerst verworrene Zustände
(s. Rowuma) herrschen. Westlich vom oben
erwähnten Rowumaknie geht die
Grenze ziemlich geradlinig ostwestlich zum Njassa herüber; gleichartig
verläuft sie südlich der untersten 50 km des Rowumalaufs. - Die
Nordgrenze
von D.-O. ist bisher nur zum kleineren Teil endgültig vertraglich
festgelegt.
Bis zum Gipfel des Vulkans Sabinjo
reicht
vom Kiwu her die endgültig vereinbarte deutsch-belgische Grenze. Von
hier
ist bis zum Indischen Ozean England unser Nachbar. Aber nur die Grenze
vom Meer bis zum Kilimandscharo ist bisher völlig gesichert, im übrigen
sind nur Verträge veröffentlicht, die den Grenzverlauf in großen Zügen
bestimmend noch kleinere Änderung erfahren dürften. Quer durch den
Victoriasee
und ein großes Stück über ihn nach Westen hinaus bildet im wesentlichen
der erste Parallel s. Br. die Grenze. Vom Ostufer des Sees verläuft sie
geradlinig bis zu einem am Nordfuß des Kilimandscharo vertragsmäßig
festgelegten
Punkte. Der genannte Berg ist deutsch; südöstlich von ihm fällt das
Gebiet
von Taveta auf die britische Seite.
Zwischen
dem Djipesee (s.d.) und dem Indischen
Ozean erstreckt sich ein weiteres gerades Grenzstück. - Dieser Verlauf,
besonders zwischen dem Victoriasee und dem Meer ist gelegentlich als
sehr
unnatürlich und unhaltbar bezeichnet worden. Bei näherer Betrachtung
erscheint
er nicht so ungeeignet. Das Gebiet der Umbasteppe, zwischen Meer und Kilimandscharo
kann
ebenso wie das zwischen diesem Berg und dem Nordende des großen
Natronsees,
des Magad, als eine Grenzwildnis angesehen
werden, die vermutlich stets geringen Wert besitzen wird. Etwas
aussichtsvoller
für die Kultur erscheint das Gebiet zwischen Magad und Victoriasee. Dort
wäre eine natürlichere Abgrenzung wünschenswert. - Daß von den der
Meeresküste
vorgelagerten drei größeren Inseln nur die kleinste, Mafia, zu D.-O.
gehört,
die beiden anderen, Sansibar und Pemba, britisches "Zanzibar Protectorate" durch den Sansibarvertrag (s.d.) verblieben, mußte
als eine unnatürliche und wirtschaftlich sehr ungünstige Abgrenzung
bezeichnet
werden. Immerhin wird die Gunst der beherrschenden Schwellenlage Sansibars
(s.d.) etwas gemindert durch den für die Großschiffahrt wenig geeigneten
Hafen. Die energische wirtschaftliche Entwicklung von
D.-O., insbesondere der Bau von Bahnen,
hat dazu geführt, daß der wirtschaftliche Einfluß Sansibars auf die
Küste
immer mehr zurückgeht (vgl.
Daressalam).
2. Bodengestaltung. Einer der ausgeprägtesten Züge Afrikas ist
der Mangel an Gliederung derjenigen Größenordnungen, wie sie etwa in den
südeuropäischen Halbinseln und in deren größeren Gliedern hervortreten.
Eine feinere Gliederung dagegen fehlt manchen Teilen der afrikanischen
Küsten keineswegs; und zumal in D.-O. ist sie gut entwickelt: so daß
hier
eine größere Anzahl brauchbarer Häfen zu finden ist. Ihr Vorkommen
erklärt
sich zum großen Teil aus der jüngsten geologischen Geschichte des Landes
(s. unten und Creek sowie Tafel 35, 36,
141, 187); es bedeutet einen besonders günstigen Umstand für die
wirtschaftliche
Entwicklung der Kolonie (s.
Daressalam,
Kilwa-Kissiwani, Lindi,
Mikindani, Tanga
und auch Mombasa). Wenn so die horizontalen Formen den
Eintritt
in das Gebiet erleichtern, setzen ihm die vertikalen meist ziemlich bald
gewisse Schranken. Ganz Afrika, besonders aber die südliche dreieckige
Hälfte, zu der unser Gebiet gehört, hat steile Abfälle der Hochländer
gegen meist schmale Küstensäume. Mit diesen Formen hängen die
zahlreichen
küstennahen und darum so verkehrsfeindlichen Wasserfälle der Flüsse (s.
Tafel 38) dieser
Gebiete zusammen. Es sind große Bruchzonen, die die äußeren
Umrisse des Kontinents und die erwähnte Eigenart der vertikalen
Gliederung
bedingen. - Gerade in D.-O. tritt der uralte Festlandskern des Gondwanalandes
(s.d.) weithin zutage. Seit dem Archaikum
ist der größte Teil von D.-O. nicht mehr vom Meer bedeckt worden. Im
Verlauf
jener ältesten Periode und dem älteren Paläozoikum war auch hier die
Erdkruste
zu Hochgebirgen zusammengeschoben worden. Dieser Vorgang erstreckte sich
ostwärts nicht mit gleicher Intensität bis in die Zone, die heute vom
Usambara-, Pare-, Ulugurugebirge
usw. (s.u.) eingenommen wird. Denn die Schichten dieser Gneishorste
zeigen
meist (s. Schollenland) geringe Störungen, abgesehen von
Verwerfungen, meist Einfallen etwa nach Osten, selten über 30°. Zugleich
mit der Faltung im heutigen Innern vollzogen sich gewaltige
Tiefenergüsse,
die zu Granit (s. Tafel 196) erstarrten. Tätigkeit
von Wasser,
Luft, Wärme und von Organismen im Verein hat dann im Lauf einer enorm
langen Festlandsperiode die Gebirgsformen eingeebnet. Heute hegen statt
des Gebirges im Innern Ostafrikas weite ziemlich ebene Flächen (s. Tafel
37), die die steil einfallenden, oft fast senkrechten Urgneisschichten
quer abschneiden. Deren Streichen ist sehr häufig WNW-OSO bei steilem
und südlichem Fallen; aber oft ist es auch ganz anders. Die
Beobachtungen
sind noch viel zu spärlich und ungleichmäßig verteilt, um einen sicheren
Überblick über diese Erscheinung zu erlauben. - Ganz allmählich
vollzieht
sich der Übergang aus dem Gneis- in das Granitland. Gut 3/5 der
Oberfläche
von D.-O. bestehen aus Gneis und Granit und ihren lockeren
Verwitterungsprodukten.
- Von jener großen Auffaltung wurden auch Schichten betroffen, die
jünger
als der Gneis dem älteren Paläozoikum angehören dürften. Freilich sind
aus diesen steil stehenden Tonschiefern des Livingstonegebirges
(s.d.) und seiner Nachbarschaft, aus den intensiv zusammengekneteten
Eisenquarzitschiefern
(Itabiriten) des Gebietes südlich und östlich vom Victoriasee
(s.d. und Ikoma, Usindscha,
Ussukuma) und aus dem kleinen, noch
wenig
geklärten Vorkommen am Pindirobach (zum Mbemkuru, s.d., von N), 20 km von der Küste des
Indischen Ozeans, bisher keine Versteinerungen bekannt. In der ganzen
Folgezeit bis heute sind die Formen von D.-O. nicht wieder von Faltungen
verändert worden. Nur sehr flach gewölbte Verbiegungen, ganz besonders
aber Brüche und Bewegungen der Schollen an ihnen haben das Vorhandene
und neu Hinzutretendes umgebaut. So weicht die Lagerung aller Schichten,
die jünger sind als jenes ältere Paläozoikum, wenig von der horizontalen
ab. Hierher gehören zunächst jüngere paläozoische und altmesozoische
Ablagerungen,
soweit sich das nach den spärlichen Versteinerungen feststellen läßt;
sie treten meist als Quarzite, Tonschiefer und Sandsteine auf. Hierher gehört
die Zwischenseenformation, die große Teile des Landes zwischen dem
Victoriasee
und dem zentralafrikanischen
Graben einnimmt (s.d. und Zwischenseengebiet).
In einigen Gegenden von D.-O., so am Njassa
(s.d. und Konde) gehören diese Schichten
der Karruformation (s.d.) an.
Ferner
treten Sandsteine dieses Alters mehrfach unmittelbar westlich von einer
geraden Linie auf, die durch Amboni
(s.d.)
und die Panganifälle des Rufiji
geht. - Fast nur östlich von dieser Linie und ihrer Verlängerung nach
der Gegend von Ssongea, andererseits bis dicht zur Küste hin treten die
jüngeren Schichtgesteine vom mittleren Jura bis ins Tertiär hinein auf,
zum Teil durch reichliche Versteinerungen gut bestimmt. Das Gebiet der
jüngeren Sedimente hat also innerhalb von D.-O. etwa dreieckigen Umriß,
ist im Norden schmal (s. Tafel 38), im Süden ziemlich
breit. Es sei im
folgenden als sedimentäres Vorland von D.-O. bezeichnet, oder auch kurz
als Vorland. Ältere Gesteine fehlen aber hier keineswegs, nur treten sie
zurück. Im südlichen Vorland tritt viel Gneis auf (s. Tafel 37). Im Jura
herrschen Kalke, Kalksandsteine und Mergel vor, sehr im Gegensatz zum
kalkarmen Innern; die Schichten der Kreide bestehen meist aus Sandstein, während im Tertiär und im küstennahen
Teil des Quartär wieder Kalke auftreten. Die ältesten in mariner
Ausbildung
bekannten Schichten dieser ganzen Reihe gehören zum unteren Dogger. Die
weitere Entwicklung des Jura weist durch Meeresrückzug (Regression)
hervorgerufene
Lücken auf. Eine größere Festlandsperiode scheint etwa in der Mitte des
Oberjura zu liegen; gegen das Ende dieser Periode tritt starke
Transgression
(Vorrücken des Meeres) ein. Die untere Kreide ist zunächst eine
küstennahe
Meeresablagerung. In ihr finden sich die Reste der Dinosaurier, deren ziemlich ausgebreitetes
Vorkommen
zuerst am Tendaguru (s.d.) aufgefunden
wurde. - Entweder noch in die Zeit der unteren oder, nach anderen, in
die der oberen Kreide fällt die Ablagerung der besonders zwischen Ungoni und der Küste weithin ausgedehnten, im
wesentlichen
terrestrischen Makondeschichten (s.d.), die vielleicht
auf ein Wüstenklima hinweisen; es
sind Sandsteine, zum Teil verkieselt, sandige Letten und Schiefertone.
Wohl erst im Eozän, dann auch im
Jungtertiär
ereignen sich wieder Transgressionen, die allerdings nicht weit ins
Festland
eingreifen. Die entsprechenden Kalke und Mergel sind bisher nur aus dem
Küstengebiet südlich von Kilwa bekannt, vermutlich durch eine Verwerfung von den westlich angrenzenden älteren
Sedimenten getrennt. An Jura, Kreide und Tertiär schließt sich
westwärts,
auf weiten Strecken Steilküste bildend, ein Saum von Riffkalken
quartären
Alters (s. Tafel 35).
Diese gelegentlich bis zu 12 m über den Meeresspiegel
aufragenden Wände sind ein sehr augenfälliger Beweis für ganz jungen
Meeresrückzug;
aber für dieselbe Periode sind auch Bewegungen im entgegengesetzten Sinn
festgestellt, für die ja auch die Creeks
(s.d.) sprechen. Beobachtungen bei Mombasa (Britisch-Ostafrika) zeigen sogar, daß
solche Schwankungen im Ausmaß von mehreren Metern sich noch seit Anfang
des 16. Jahrh. vollzogen haben. - An der Küste und ebenso über weite
Teile
des Vorlandes (s.o.) sind deckenförmig Geröll- und Schuttmassen, Lehme
und Sande ausgebreitet, die Mikidanischichten
(s.d.). Sie entstammen zum großen Teil einer Pluvialperiode,
d. i. einer Zeit, die sehr viel regenreicher war als die heutige. Sie
dürfte das Pleistozän eingenommen haben, also zeitlich
mit den nordischen Eiszeiten zusammenfallen. Deutliche Spuren einer
gleichzeitigen
Glazialperiode, in der die Schneegrenze etwa 600 m tiefer lag, die
Gletscher
1000 m tiefer herabreichten, sind am Kilimandscharo (s.d. und Tafel 107)
festgestellt. Wohl gegen Ende der Trias hatte sich östlich der heutigen
Küste Ostafrikas, ihr etwa parallel, ein tiefes, langgestrecktes
Meeresbecken
gebildet. Madagaskar, das später nochmals mit Ostafrika zusammenhing,
wurde erstmals abgetrennt. Das war der Anfang jener spätestens im
mittleren
Jura auf das heutige Ostafrika übergreifenden Bewegung, der ziemlich
zahlreichen
Wechsel von Senkungen und Hebungen des Landes. Wieder und wieder hat
sich
der Rand des Kontinents unter den Ozean hinabgebogen, um nach Bedeckung
mit Sedimenten dem Land wieder angegliedert zu werden. Die sedimentären
Schichten fallen im allgemeinen flach nach Osten ein; nur an dem alten,
aus Urgestein bestehenden Festlandsrande zeigen sie gelegentlich
steileres
Fallen nach Osten, ein Zeichen für nachträgliche Aufwölbung jener Zone.
Wiederholt scheinen die flexurartigen Verbiegungen sich so vollzogen zu
haben, daß, während der östliche Teil unter den Meeresspiegel gesenkt
wurde, der westwärts benachbarte Landstreifen ein wenig gehoben wurde,
eine Art Schaukelbewegung. Bei diesen Vorgängen sind auch nicht selten
Verwerfungen (s.d.) eingetreten, die
N-S oder NNO-SSW streichen; meist ist der östliche Flügel abgesunken.
Eine Begleiterscheinung dieser Bewegungen der Erdkruste war auch die
Abtrennung
der küstennahen Inseln. Unter ihnen nehmen die drei größeren des
Sansibararchipels,
Sansibar (s.d.), Pemba
(s.d.) und Mafia (s.d.) dadurch eine
besondere
Stellung ein, daß sie einen jungtertiären Kern besitzen. Diesen bedecken
lockere Schichten festländischer Herkunft, die Quarz- und Gneisgerölle
enthalten und vermutlich altquartär sind. Erst nach dieser Zeit ist die
Abtrennung dieser Inseln erfolgt. Die sehr zahlreichen kleineren Inseln
bestehen durchweg aus Quartär, besonders dem erwähnten Riffkalk, und
sind
im Wechsel der jüngsten Hebungen und Senkungen entstanden. Ein
auffallender
Zug des sedimentären Vorlandes von D.-O. ist der Mangel an größeren,
einigermaßen
ebenen Flächen. Der Küste zunächst, oberhalb des erwähnten kleinen
Steilhanges,
erstreckt sich allerdings meist ein Streifen ebenen Landes. Aber er ist
selten auch nur 10 km breit und meist in kleinen Abständen von steil
eingeschnittenen
Schluchten zerschnitten. Nur wo Flüsse münden, die im Urgesteinshochland
wurzeln, finden sich gelegentlich etwas breitere Alluvialebenen, so
besonders
im Gebiet des Rufiji (s.d.), der das
einzige
größere Delta bildet. Hier zieht sich auch zu beiden Seiten des Flusses
eine beim Beginn des Deltas 15 km breite, stromaufwärts sich
verschmälernde
Ebene bis auf etwa 150 km Entfernung von der Küste hin. Die Küstenebene
an der Mündung des Wami (s.d.) ist
ebenfalls
etwas ausgedehnter. Viel weiter oberhalb haben die Anschwemmungen dieses
Flußsystems den Grabeneinbruch zwischen dem Westhang Ulugurus und dem
Steilrand von Ussagara und Nguru
in die sog. Mkattaebene (s.d.)
verwandelt.
Im Unterlauf des Pangani (s.d.), mehr
noch in dem des Rowuma (s.d.) finden wir
auf dem Grunde eines steilwandigen tiefen Tales eine vom Fluß
geschaffene
Alluvialebene, in die er sein jüngstes Bett eingegraben hat. - Das
sedimentäre
Vorland in seiner Gesamtheit ist ein hügeliges und bergiges Land mit
einer
großen Mannigfaltigkeit der Formen; die höchsten Erhebungen finden sich
im Süden. Abgesehen von dem allmählichen Übergang in das Ursteingebiet
der Gegend von Ssongea, liegen diese Höhen der Küste verhältnismäßig
nahe:
es ist die Zone der Plateaureste und Plateaulandschaften, die mit Usaramo
(s.d.) oder erst mit Matumbi (s.d. 1) im N beginnend nach S weit über
den Rowuma reicht. Südlich von Kilwa erhebt sich das Kreideplateau der
Muera zu 850 m, das Makondehochland zu 790 m Meereshöhe.
Jenseits
des schroffen Westabfalls dieser Plateaus, einer
Schichtstufenlandschaft,
ragen aus etwa 350 m hohem ebenem Land einzelne der aus Gneis
bestehenden
Inselberge (s.d. und Tafel 37), steil
aufragende, nackte Felsmassen, sogar zu über 900 m Mh. empor. Sie
verdanken
ihr Bestehen der besonders großen Widerstandsfähigkeit ihres Gesteins
gegen Verwitterung und Abtragung;
fluviative Erosion hat in ihrer Entstehungsgeschichte, die ziemlich
verwickelt
und noch umstritten ist, wohl die Hauptrolle gespielt. Im Dondeland
(s.d.) steigen flache Höhenrücken bis zu etwa 700 m auf. - Die weiten,
welligen Flächen des Hochlandes von D.-O., so z. B. die von Unjamwesi (s.d.), dürften sich im Verlauf ihrer
Entstehung aus einem Gebirgsland (s.o.) allmählich dem Niveau des
Meeresspiegels
auf geringen Abstand genähert haben; seine heutige Höhe von
durchschnittlich
fast 1500 m verdankt das Urgesteinsland jungem Wiederaufleben älterer
Krustenbewegungen, die es über das Vorland bedeutend emporhoben. Diese
Vorgänge sind ebenso wie die Ausbildung der großen Bruchsysteme im
Innern
des Hochlandes in der Hauptsache tertiären, zum Teil wohl erheblich
jüngeren
Alters. Das läßt sich in erster Linie aus den außerordentlich steilen,
jugendlichen Formen vieler dieser Brüche schließen, ferner u.a. aus der
Unfertigkeit der heutigen Entwässerung
(vgl. 3. Gewässer, ferner Ostafrikanische
Bruchstufe und Usambara). Eine Möglichkeit, die Zeit der Brüche und
der mit ihnen oft eng verknüpften jungvulkanischen Vorgänge (s.u.)
genauer
zu bestimmen, wird sich vielleicht durch die Verfolgung der neuen
Säugetierfunde
von Olduwai (s.d.) ergeben, die zumeist
ins Pleistozän gehören dürften. Auch die neuen Funde im Osten des
Victoriasees
auf britischem Boden (Säuger und nichtmarine Mollusken des untern Miozän) werden wohl die Lösung dieser Fragen
beeinflussen.
Die durchschnittliche Richtung der ostafrikanischen Brüche ist etwa
nordsüdlich,
doch kommen alle Übergänge bis zu ostwestlicher vor. Man hat versucht,
die Linien in zwei Hauptsystemen, einem NNW-SSO streichenden, dem
erythräischen
(Richtung des Roten Meeres), und einem NNO - SSW streichenden, dem
Somalisystem,
unterzubringen, ohne daß dadurch die umbildenden Vorgänge bisher dem
Verständnis
näher gebracht worden wären. Doch kann kein Zweifel sein, daß diese
Brüche
des Innern in irgendeinem ursächlichen Zusammenhang mit den Bewegungen
stehen, die sich während der Entstehung des Vorlandes an jenem zeigten.
Der Gedanke an eine große Zerrungserscheinung, die durch den
allmählichen
Einbruch des Indischen Ozeans hervorgerufen wurde, liegt nahe. Freilich
ist der Vorgang, wie gerade die Geschichte des Vorlandes zeigt, zum
mindesten
sehr verwickelt. - Die Bruchlinien und ihre Verknüpfung mit
jungvulkanischen
Massen sind ein sehr auffallender Zug in den Formen Ostafrikas; das gilt
ganz besonders für das paarweise Auftreten ausgedehnter, einander
annähernd
paralleler Brüche und Bruchsysteme, zwischen denen sich ein Graben (s.
Schollenland) gebildet hat. Die Gräben werden zum großen Teil von
Seebecken
ausgefüllt. So liegen der Tanganjika und Kiwu im
Zentralafrikanischen Graben (s.d.). Ein anderes gewaltiges System
derart, der große Ostafrikanische
Graben (s.d.), berührt, von Norden kommend, nur gerade noch das
Gebiet
von D.-O. Seine westliche Wand dagegen setzt sich als Ostafrikanische
Bruchstufe (s.d. und Tafel 159), mit anderen Brüchen
kombiniert, bis
etwas über Kilimatinde hinaus fort. In beiden
Grabensystemen
herrscht zwar die Nordsüdrichtung vor. Es treten aber sehr starke
Abweichungen
auf. Etwa NO-SW-Richtung haben die Brüche, die westlich von der
Ostafrikanischen
Bruchstufe den Njarasa und den Hohenlohegraben
einschließen (s. diese). - Systeme nordsüdlicher Brüche prägen dem
Gestade
des südwestlichen Victoriasees und dem benachbarten Hochland ihren
Stempel
auf. Der im übrigen sich etwa von Norden nach Süden erstreckende Graben
des Njassasees (s.d. und Tafel 115) schwenkt
in dem vom Nordende des Sees eingenommenen Stück in nordwestlicher
Richtung
ein und wird in seiner Fortsetzung von dem Rukwasee
(s.d.) eingenommen. Von diesem Graben zweigt sich der in mancher
Hinsicht
noch unklare des Großen Ruaha rechtwinklig nach Nordosten ab; er ist
vermutlich
viel älter wie die meisten anderen Gräben Ostafrikas. Da wo die beiden
letztgenannten Gräben zusammenstoßen, sind mächtige jungvulkanische
Massen
der Erdkruste entquollen, die Hohlform ausfüllend und überwallend. Dies
Vulkangebiet von Ober-Konde, das im Rungwe mit 3175 m gipfelt, war
vielleicht
noch vor 1000 Jahren tätig. - Eine ähnliche Lage besitzen die zum Teil
noch heute tätigen Virunga (s.d.), die
im Karissimbi 4460 m erreichen. Sie sperren den
Zentralafrikanischen
Graben nördlich des Kiwu ab. Auch das ausgedehnteste Vorkommen
jungvulkanischer
Massen in D.-O., das sich vom Kilimandscharo
(s.d.) und Meru (s.d.) westwärts insgesamt
über mehr als 300 km bis weit über die Ostafrikanische Bruchstufe hinaus
erstreckt, liegt quer zur Richtung der Bruchstufe. Es besteht aus
Vulkanbergen
und vulkanischen Decken, schließt den Njarasa und den Hohenlohegraben
nach Nordosten zu völlig ab. Der Kilimandscharo (s. Tafel 107), der mit
6010 m der höchste Berg Afrikas ist, und der noch tätige Meru (4630 m,
s. Tafel 141) bilden
den Ostflügel dieser Vulkangegend. Ihr Gebiet ist
nach S durch Brüche begrenzt. Nordwestlich vom Meru, am Fuß der
Bruchstufe
liegt der ebenfalls leicht tätige Oldoinjo Lengai (s.d.). Während hier nicht weniger als 30000
qkm jungvulkanischen Landes zu D.-O. gehören, treten weiter südwärts in
der Nachbarschaft der Bruchstufe nur noch vereinzelte jungvulkanische
Bildungen auf, wie z.B. der Hanang (s.d.)
mit 3402 m. Der Beginn der Entstehung all der genannten Vulkangebiete
fällt ins Tertiär, ebenso wie die der Gräben. Doch mag die erste Anlage
einiger dieser Senken älter sein, was z.B. für den Tanganjikagraben
gelten
dürfte. An der Ostgrenze des zentralen Hochlandes haben die großen
Störungen,
Brüche und zum Teil wohl auch Flexuren, hauptsächlich zwei Formentypen
geschaffen. Die einen Urgesteinsschollen brechen mit einseitigem
Steilabfall
nach O und SO hin ab; ihre höchsten Teile liegen dem Rand benachbart,
die Abdachung nach Westen ist viel sanfter. Hierher gehören Nguru,
Ussagara, Uhehe
(s.d.). Andere Schollen dagegen sind fast allseitig von Brüchen umgebene
Horste (s. Schollenland). Derartige
Formen größeren Ausmaßes sind von Norden nach Süden: das Paregebirge (s.
Pare), die beiden Usambara
(s.d.), getrennt durch den Luengeragraben, und Uluguru
(s.d.). Zweifelhaft ist in dieser Hinsicht die Stellung der noch ganz
wenig untersuchten Gneisscholle von Upogoro (s.d.). Eine Art südlicher Fortsetzung der
vorgenannten Schollen bilden auch die Hochländer von Ubena
(s.d.) und Ungoni (s.d.); ihnen fehlen
aber ausgeprägte randliche Steilhänge. Die meisten dieser Gebilde haben
eine vorwiegend nordsüdliche Längserstreckung, entsprechend der Richtung
derjenigen Brüche, die am meisten zur Entstehung der Formen beigetragen
haben. In ihrer Gesamtheit allerdings ordnen sich die genannten Schollen
etwa von Nordnordosten nach Südsüdwesten an, d.h. eben an der Grenze des
kristallinen Gebietes gegen das sedimentäre Vorland. Dies Grenzgebiet
ist also keineswegs eine einheitliche Mauer. In seiner Gesamtheit wird
es auch Ostafrikanisches Randgebirge
(s.d.) genannt. In den Horsten und in den von Brüchen begrenzten
Rändern,
auch in denen des Zentralafrikanischen und des Njassagrabens, steigt das
altkristalline Land bis über 2000 m auf: in Usambara, Uluguru und Uhehe
erreicht es 2300, 2650, 2500, östlich des Kiwu 2800, im Livingstone-Gebirge
(s.d.) am Njassa 2933, im Longido (s. Kilimandscharo)
2620 m. Die durchschnittliche Höhe der meist welligen und hügeligen
zentralen
Flächen des Hochlandes ist etwa 1200 bis 1300 m. Auch die weit nach
Nordosten
vorgeschobene Hochfläche der Massaisteppe
mit ihren Inselbergen dürfte diese Durchschnittshöhe haben. Im Gegensatz
zum übrigen Hochland ist dieser Teil nicht ostwärts durch eine
Bruchstufe
begrenzt, sondern steht durch einen Abstieg in breiter Pforte, zwischen
Usambara und Nguru, mit dem Vorland in Verbindung. - Abgesehen von den
Gegenden der Bruchstufen, der Landstufen und der jungvulkanischen
Bildungen
tritt anstehendes Gestein in D.-O. verhältnismäßig selten zutage. In
weiten
Gebieten ist das Felsgerüst bis zu Tiefen von 30 m, vielleicht sogar bis
zum doppelten Betrag, unter der heutigen Oberfläche verwittert. Zur
Bildung
eines so mächtigen Eluviums (s.d.) sind
lange Zeiträume nötig; der Beginn der Entstehung der Massen, die die
unzertalten
Hochflächen des Innern bedecken, liegt wohl im frühen Tertiär. Nach
Flächenausdehnung
und Tiefe tritt diese Erscheinung in den Tropen viel stärker als in andern Zonen auf. Gelbe
bis ziegelrote bis schokoladenfarbene Töne hat diese Roterde (s. Rotlehm) der Tropen. Zu ihrer Entstehung wirken
zusammen
die sehr reichliche Durchfeuchtung des Bodens - zum mindesten während
der einen Hälfte des Jahres - bei hoher Temperatur, die Armut der Tropen an Humus und
auch der verhältnismäßig hohe Gehalt des
Regenwassers an salpetriger Säure. Häufig ist die Roterde zu Laterit (s.d.) umgebildet. - Die Eluvialböden sind
zum großen Teil recht fruchtbar, übertreffen darin viele umgelagerte
Böden,
also alluviale, zumal wo diese sandig ausgebildet sind. Als sehr
ergiebig
erweisen sich nicht selten dunklere Alluvionen
längs der Wasserläufe.
3. Gewässer. In den zahlreichen Stromschnellen und
Wasserfällen,
in allerhand auffallenden Richtungsänderungen, im Vorkommen abflußloser
Gebiete zeigt sich das jugendlich Unfertige der Entwässerung von D.-O.
(S. Tafel 38. Die
Angaben über den im allgemeinen sehr geringen Wert der
Flüsse als Wasserwege in den Artikeln über die einzelnen. Ebenso die
Angaben
über die Seen und die Schiffahrt auf ihnen in Einzelartikeln.) Das
Hochland
schließt zwei größere abflußlose Gebiete ein, das des Rukwasees und das
zu beiden Seiten der Ostafrikanischen Bruchstufe. Dies letztere zerfällt
wieder in vieleteils große, teils sehr kleine Becken, die aneinander
grenzen,
ohne daß ihre Entwässerung zusammenhängt. Die wichtigsten sind das
Gebiet
des Wembäre- Njarasa, des Bubu, Lawa ja Mweri, des Magad und der Massaisteppe
(s.d.). Von ganz fern her greift die atlantische und mittelmeerische
Abdachung
in das Hochland ein. Die erstere hat sich dank der geringen Meereshöhe
des dem Kongo tributären Tanganjika (sein Spiegel liegt in 785 m Höhe)
große Teile des zentralen Hochlandes erobert. Der vielfach gewundene Mlagarassi (s.d.) mit seinen trägen
Nebenflüssen,
vor allem der ihn an Länge erheblich übertreffenden Ugala (s.d.), greift merkwürdig weit nach Osten, noch
stärker gegen das Südufer des Victoriasees vor. Der Russisi
(s.d.) führt dem Tanganjika die Gewässer des Kiwu zu. Des letzteren
hoher
Ostrand läßt hier die mittelmeerische Wasserscheide mit den Quellen des
wasserreichen Kagera (s.d.) weit nach
Westen
vordringen. Auch nach Osten greift der Victoriasee mit einigen Zuflüssen
ziemlich weit gegen den Ostafrikanischen Graben vor; deren bedeutendster
ist der Mara (s.d.). - Alles übrige Land,
etwa die Hälfte von D.-O., wird zum Indischen Ozean entwässert. Trotz
der tiefen Lage seines Spiegels, 477 m, gehört zum Njassa, der durch den
Schire (s.d.) in den Sambesi
(s.d) abfließt, nur ein ganz kleiner Teil dieses Gebietes. Allzu scharf
ist der Njassagraben durch die aufgewulsteten Hochlandsränder von der
Umgebung abgetrennt. Entsprechend der Ausdehnung des sedimentären
Vorlandes
sind die zum Indischen Ozean gehenden Flüsse im Süden D.-O.s länger als
im Norden. Der Größe nach geordnet sind die vier längsten Flüsse: Rowuma
(der Ludjende-Rowuma ist etwa ebenso lang), Ruhudje-Kilombero-Rufiji,
Kinjasungwi- Mukondokwa-Mkata-Wami und Lumi-Pangani. Den Wassermengen
nach, über die wir leider noch sehr wenig Genaues wissen, dürfte der
Wami
erst an vierter Stelle stehen. Auffallend ist der Parallelismus in der
Richtung des Rowuma und der nordwärts benachbarten nur im Vorland
wurzelnden
Mbemkuru und Matandu. Sie entspricht wohl der einstigen
Abdachungsrichtung,
die die Flächen besaßen, als sie zur Kreidezeit über den Meeresspiegel
auftauchten. Von kleineren Küstenflüssen sind noch nennenswert: der
Kingani
und der Umba, beide von Gneishorsten herabkommend.
In den Artikeln dieses Lexikons, die die einzelnen Flüsse behandeln,
finden
sich viele neue Angaben über die Flußlängen. Sie entsprechen Messungen,
die meist der Karte in 1:300000 (s.o.), wo möglich solchen größeren
Maßstabes
ausgeführt wurden. Die Wasserführung der Flüsse D.-O.s ist sehr
ungleichmäßig.
Zunächst zeigt sie scharf die jährliche Periode, die sich aus den
folgenden
klimatischen Angaben ergibt. Ein paar Wochen vor Schluß der Regenzeit
und am Ende der Trockenzeit sind im Durchschnitt die Gegensätze am
größten.
Bei weitem der größere Teil des Flußnetzes von D.-O. trocknet in jedem
Jahre aus; so hat z.B. von den Flüssen, die sich auf deutschem Boden von
Osten in den Victoriasee ergießen, einzig der Mara das ganze Jahr über
Wasser. Aber auch der Einfluß unperiodischer Witterungsschwankungen ist
recht stark. Ein einziger großer Regen kann zu gewaltigem Anschwellen
führen. Fällt
die Regenzeit einmal zum größten Teil aus, so sind selbst die wenigen
bedeutenderen Flüsse fast wasserlos. Hiermit muß jede Benutzung der von
Schnellen und Fällen freien Teile des Rowuma, Rufiji, Pangani und Kagera
rechnen.
4. Klima. (S. die meteorologischen Tabellen am Schluß von 4,
das Kärtchen der Niederschläge
und das der Gesundheitsverhältnisse.) Während D.-O. bis auf 1°
Breitenunterschied
an den mathematischen Äquator heranreicht, ist es mit seiner Nordgrenze
etwa 14° vom thermischen entfernt. An der Grenze Ostafrikas, gegen den
Sudan und am Roten Meer, kommen sehr viele höhere,
mittlere und maximale Temperaturen vor als in D.-O. Da die
Sonnenstrahlung
die wichtigste Ursache der atmosphärischen Zirkulation ist, seien in der
folgenden Tabelle die Daten der senkrechten Sonnenstände, damit zugleich
die der Tag- und Nachtgleichen des Herbstes und des Frühlings, gegeben
für Breiten der Nord- und Südgrenze von D.-O., ferner für die von
Moschi,
Tanga, Daressalam und Kilwa:

Da diese Punkte sämtlich auf der Südhalbkugel liegen, ist für sie
gleichmäßig
der 22. Juni der Tag des niedrigsten Sonnenstandes. Hinter dem Vorgang
der Strahlung bleiben seine verschiedenen Wirkungen meist erheblich
zurück
(z.B . ist bei uns der Juli und nicht der Juni der wärmste Monat). Für
D.-O. ist der Juli so gut wie allgemein der am wenigsten warme Monat.
- Auch der Dezember und Januar haben für unser Gebiet nicht nur insofern
eine Bedeutung, als in ihnen der zeitliche Mittelpunkt der Erwärmung der
großen dreieckigen Südhälfte Afrikas liegt. Zwar erhält der Äquator die
großen täglichen Wärmemengen durch Strahlung an dem Tag, wo die Sonne
durch seinen Zenit geht und ihm zugleich möglichst nahe steht, also am
21. März (etwas weniger am 23. Sept.). Aber schon wenn wir etwa 10° s.
Br. überschreiten, übertrifft die Wärmemenge, die der längste Tag der
Südhalbkugel, der 22. Dez., liefert, diejenige der beiden Tage mit den
senkrechten Sonnenständen. Mit dem Stand der Sonne verschiebt sich das
Gebiet stärkster aufsteigender Luftströme und stetigen niederen
Luftdrucks,
damit die große Doppelzirkulation der Passate samt den Hochdruckgebieten
an ihren äußeren Grenzen, gegen die gemäßigten Klimate hin. Mit dem
Jahresweg
der Sonne wandern auch die höchsten Temperaturen, mit ihr der Eintritt
der Wärmeregen, die für den Gürtel zwischen den Wendekreisen so
charakteristisch
sind. Mit dem täglichen Lauf der Sonne verschieben sich die beiden
täglichen
Maxima und Minima des Barometerstandes. Auch in D.-O. haben wir überall
diese so auffällig regelmäßig täglich wiederkehrenden Bewegungen des
Luftdrucks,
die - von seltenen Fällen abgesehen - das Barometer
für die Wettervoraussage ungeeignet machen. Zwischen 9a und 10a
Ortszeit,
im Innern etwas später als an der Küste, tritt der höchste, etwa um 4p
der niedrigste Luftdruck des Tages ein, der Unterschied zwischen beiden
beträgt an der Küste im Jahresmittel rund 2,6 mm; daneben tritt ein
zweites
Maximum zwischen 10 p und 11 p, ein zweites Minimum um 3a auf, mit einem
Unterschied von rund 0,9 mm. Damit bleibt die tägliche hinter der
jährlichen
Schwankung erheblich zurück. Letztere erreicht an der Küste
durchschnittlich
etwa 5 mm. Der Februar oder März ist hier im allgemeinen der Monat des
niedrigsten mit etwa 758 mm, der Juli oder August der des höchsten
Luftdrucks
mit etwa 763 mm. Je nach der zeitlichen Lage der Tage höchster
Sonnenstände
zu den Perioden stärkster Erwärmung und Luftauflockerung kann man in D.-
O.
drei klimatische Gebiete unterscheiden. Wie für ganz D.-O. der 22. Juni
der kürzeste Tag mit dem niedrigsten Sonnenstande ist, haben alle drei
Gebiete als wenigst warmen Monat im Durchschnitt den Juli, seltener den
Juni oder August. Das ganze Süddreieck Afrikas hat vom Juni ab Winter.
Ein Band hohen Luftdrucks zieht sich von Ozean zu Ozean entlang dem
Wendekreis
des Steinbocks durch den Kontinent. Nördlich davon weht der Südostpassat; freilich wird dieser Ast der
großen Luftzirkulation, besonders nördlich des Kanals von Mozambique,
derartig gefördert durch das kontinentale Gebiet niederen Luftdrucks
über
dem stark erhitzten Sudan und der Sahara, daß es fraglich wird, ob man
ihn als einen eigentlichen Passat zu
bezeichnen
hat. - Diese Zeit des Südostpassats von Ende Mai bis Anfang November ist
für D.-O. im allgemeinen die trockenere Zeit oder auch eine strenge
Trockenzeit,
zugleich die kühle oder weniger warme Zeit. Nur im äußersten Nordosten
der Kolonie, von Pangani an der Küste nordwärts und in Usambara, hat der
Juli eine Regenzeit, die dritte dieses Gebiets nach Dauer, Ergiebigkeit
und zeitlicher Stellung. Es sind Steigungsregen, die die an der Luvseite
der Erhebungen, insbesondere von Usambara, zum Aufsteigen plötzlich
gezwungene,
weil sich schnell bewegende Passatluftströmung abgibt. Der Umstand, daß
im Juli das Land im Vergleich zum benachbarten Meer hier schon ziemlich
abgekühlt ist, befördert die Kondensationsmöglichkeit. - Dies Land mit
den drei Regenzeiten ist ein Teilgebiet des durch zwei
Regenzeiten gekennzeichneten weiteren Nordostens von D.-O. Er ist die
eine der drei klimatischen Provinzen des Landes. Seine Begrenzung bildet
eine Linie, die etwa längs dem Rufiji bis zu dessen Panganifällen
verläuft,
sich dann durch die Mkata-Senke
(s.d.)
und an der W-Grenze von Nguru hinzieht, weiterhin westlich ausgreifend
das Gebiet des Kilimandscharo und Meru noch umfaßt und unter 37° ö. L.
in Britisch-Ostafrika eintritt. - Schon Anfang Oktober hat dies Gebiet
seine höchsten Sonnenstände, damit beginnt die sommerliche Erhitzung.
Der bis dahin herrschende Südostwind wird durch den Nordostmonsun
abgelöst.
In der Übergangszeit weht bald dieser bald jener. Im Wechsel der wenig
heftigen Winde können sich die durch die Erhitzung hervorgerufenen
aufsteigenden
Luftströme am besten entfalten. Sie sind es, die im November und
Dezember
für ein bis anderthalb Monate die erste, die "kleine" Regenzeit bringen;
sie ist nach Dauer und Menge die zweite. Obwohl also nicht der Monsun
selbst die Regen hervorruft, wollen wir doch dieses Gebiet als das des
Monsunklimas von D.-O. bezeichnen, was durch den weiteren, im folgenden
dargelegten Einfluß des Windes noch annehmbarer wird. Der Nordost-
Monsun,
der besonders kräftig im Januar und Februar weht, vermittelt den
Zusammenhang
zwischen asiatischer und afrikanischer Luftdruckverteilung. Zur Zeit
seiner
vollen Entwicklung bedeutet er ein Strömen der Luft von dem
kontinentalsten
und stärksten Hochdruckgebiet der Erde, dem winterlichen Zentralasien,
über den Indischen Ozean hin zu dem Gebiet niederen Luftdrucks über dem
südlichen Afrika. Im Januar und Februar läßt diese kräftige Luftströmung
im Nordosten von D.-O. nur wenig Niederschläge aufkommen; so kann sich
in diesen Monaten die höchste Wärme des Jahres entwickeln. Einer der
beiden
Monate ist der wärmste des Jahres, obwohl der senkrechte Sonnenstand
erst
wieder Anfang März eintritt. Alsdann wird wiederum die Ausbildung
starken
Aufsteigens der Luft begünstigt durch Nachlassen und Wechsel der großen
horizontalen Luftströmungen; während des Übergangs vom Nordostmonsun zum
Südostpassat spielt sich die große Regenzeit ab, die zwei, in manchen
Jahren fast drei Monate in der Folge des März bis Mai umfaßt. Die
fortschreitende
Abkühlung des Gebietes, das immer stärkere Wehen des Passats bringen
schließlich
die regenarme, kühle Jahreszeit. Die Gabelung der Regenzeit in eine
kleine
und eine große ist nicht in jedem Jahr im ganzen Gebiet des Monsunklimas
sehr deutlich, zumal gegen die Grenzen hin. Nennen wir erst Monate, die
unter 30 mm Regen haben, Trockenmonate, so fehlen solche in einem großen
Teil des Monsungebiets völlig. - Nach Obigem tritt das jährliche
Temperaturmaximum
unseres Monsungebiets mit ein- bis zweimonatlicher Verspätung nach der
Sommersonnenwende (der Südhalbkugel), das Minimum ebenso lange nach der
Wintersonnenwende ein (vgl. oben die noch etwas größere Verspätung des
Minimums und Maximums des Luftdrucks); beide Vorgänge folgen sich ebenso
in den größten Teilen Europas; man hat deshalb gesagt, daß das
Monsungebiet
D.-O.s den europäischen Typus der jährlichen Wärmekurve habe. Freilich
ist im übrigen der Unterschied groß genug; vor allem ist die für die
organische
Natur so ungemein bedeutungsvolle jährliche Temperaturschwankung, d. h.
die Differenz der Temperaturen des wärmsten und kühlsten Monats auch in
dem Monsungebiet D.-O.s durchaus tropisch gering; sie beträgt hier
durchschnittlich
an der Küste zwischen 4° und 5°, im benachbarten Innern etwa 1° mehr.
Die mittlere Jahrestemperatur an der Küste ist knapp 25 1/2°, das
Januarmittel
etwa 27 1/2°, das des Juli etwa 23° (s. die Tabellen). Der Hauptgrund
der geringen Schwankung liegt natürlich in den wenig großen
Unterschieden
zwischen den Sonnenhöhen und den Tageslängen der verschiedenen Jahreszeiten. Überall wird in D.-O. die
jährliche
von der mittleren täglichen Schwankung der Temperatur, der Differenz
zwischen
dem Mittel der täglichen Maxima und dem der Minima, erheblich
übertroffen.
Während sie unmittelbar an der Küste, von Tanga bis Daressalam, etwa 7°
beträgt, steigt sie weiter südlich, mehr noch landeinwärts, bis über
12°.
Sowohl die niedrigsten als auch die höchsten je in D.-O. beobachteten
Einzeltemperaturen gehören dem Binnenland an (s. die Tabellen; auch aus
den besonders heißen mittleren Gebieten des Vorlandes ist bisher keine
Temperatur von 40° bekannt geworden). Das entspricht verhältnismäßig
kühlen
Nächten, und an sie knüpft der Satz an: Die Nacht ist der Winter der
Tropen.
Sehr viel bessere Geltung hat für mehr als neun Zehntel von D.-O.: Die
Trockenzeit ist der Winter der Tropen. Das zweite klimatische Gebiet,
das größte, schließt sich an das des Monsunklimas nach Süden und Westen
zu an. Seine Grenze verläuft vom Tanganjika
(s.d.) her etwa dem 4° s. Br. entlang, aber die Küste bis Udjidji ausschließend, zuletzt nö. auf den Meru zu,
wo sie sich mit der Binnengrenze des Monsunklimas trifft. - Schon gegen
die Südgrenze des Monsungebiets haben sich die kleine und die große
Regenzeit
einander immer mehr genähert. An der Rufijimündung ist die Pause schon
in manchem Jahr undeutlich; andererseits ist sie auch südlich der
Klimagrenze,
in Kilwa, selbst in Lindi noch gelegentlich erkennbar. Im allgemeinen
aber haben wir keine Zweiteilung mehr, sondern eine Regenzeit, ein paar
Wochen später beginnend als die "kleine" des Nordostens, etwa einen
Monat
früher endigend als die "große" jener Gegend. Das entspricht dem
Umstand,
daß hier im Süden zwischen den beiden Hochständen der Sonne ein im
Maximum
um zwei Monate kürzerer Zwischenraum liegt als im Norden von D.-O., daß
die Periode größter Wärmezufuhr nicht durch einen Wärmerückgang
unterbrochen
wird, und daß das benachbarte, dauerhafte, aber nicht sehr tiefe
Minimum,
dessen Mittelpunkt etwa unter 20° s. Br. und 27° ö. L. liegt, seinen
Einfluß
ausübt. - Man hat dies Klima als Passatklima schlechthin bezeichnet; das
ist kein völlig zutreffender Name. Wir sahen schon, daß der Südostpassat
erheblich weiter nordwärts vordringt. Und die für das Gebiet so
charakteristische
eine Regenzeit spielt sich gerade nicht zur Zeit der Alleinherrschaft
des Passats ab, sondern im Südsommer; dann überwiegt hier der Einfluß
des kontinentalen, eben erwähnten Minimums. Andererseits wird im
Nordsommer
auch der über das südliche und innere D.-O. hinwehende Passat
unterstützt
durch die Lage des kontinentalen Gebiets niedrigen Luftdrucks über der
Nordhälfte Afrikas. Man wird daher das Klima unseres Gebietes als
kontinentales
Passatklima bezeichnen. Diese Klimaprovinz hat eine sehr ausgeprägte
Trockenzeit
auch in ihren ans Meer grenzenden Teilen. Im Innern fällt oft monatelang
kein Tropfen Regen. Selbst die regenreichen Gebiete am Nordnjassa haben
einige Trockenmonate. Die kräftig entwickelten und andauernden
Wärmeregen
(nicht Zenitalregen !) unseres kontinentalen Passatklimas bewirken es,
daß die Temperaturen über die Zeit der zenitalen Sonnenstände hinaus
nicht
weiter steigen können. Unmittelbar ehe die Regenzeit einsetzt, wird das
Maximum der Jahrestemperatur erreicht. Es fällt meist in den November;
seltener tritt es schon (z.B. in Tabora) im Oktober ein, an der Küste
manchmal doch erst im Dezember oder gar im Januar (z.B. in Kilwa), durch
Regenpausen bedingt. Geht im April unter dem Einfluß des wieder kräftig
einsetzenden Südostpassats die Regenzeit zu Ende, so steht die Sonne
schon
so weit nördlich, daß es nicht mehr zu ganz hohen Temperaturen kommen
kann. Das ist etwa dieselbe jährliche Wärmeverteilung, wie sie auch
Vorderindien
hat, der indische Temperaturgang. Die jährliche Schwankung ist hier zum
Teil noch geringer als im Monsunklima, nur im höher gelegenen
südwestlichen
Binnenland kommen etwas höhere Werte vor, ohne daß irgendwo 7° erreicht
wird. Die mittlere Jahrestemperatur der südlichen Küste beträgt fast
26°,
der wärmste Monat hat etwa 28°, der wenigst warme etwa 24° (Temperaturen
im Hochland s. unten und die Tabellen). Die tägliche Schwankung ist
höher
als im Monsunklima, im Südwinter recht beträchtlich. Ihr Jahresmittel
beträgt an der Küste 7-10°, auf den Hochflächen des Innern steigt es auf
14°. - Der Nordostmonsun, dessen Mitwirkung beim Zustandekommen der
Regenpause
des Monsunklimas im Januar und Februar dargelegt wurde, drängt auch im
angrenzenden Gebiet des kontinentalen Passatklimas den Südostpassat
etwas
zurück, nur kommt er hier nie zur Alleinherrschaft. Das kontinentale
Passatklima
dringt an der Küste nur bis 8° s. Br. vor, während es im Innern bis auf
4° s. Br. gelangt. Das erklärt sich dadurch, daß im Norden die
entgegenwirkende
Kraft des Nordostwindes durch den langen Weg, über Land allmählich
nachläßt.
Der Monsunstrom ist in D.- O. auch schwächer als der des Passats.
Während
die Höhe der als Monsun einherfließenden Luftmasse an der Küste gegen
2000 m beträgt, scheint die Passatschicht hier eine Mächtigkeit von
gegen
5000 m zu erreichen. Auch die Lage des kontinentalen Minimums beeinflußt
den Grenzverlauf des kontinentalen Passatklimas. Die Grenzen des dritten
Gebiets, das den Victoriasee umgibt, also den Nordwesten der Kolonie
einnimmt,
sind durch die der beiden andern gegeben. Es schließt auch das Nordende
des Tanganjika sowie den Kiwu, damit das ganze Zwischenseengebiet
(ausgenommen
den Südwestzipfel) ein. Der Äquator durchschneidet den Victoriasee etwa
25 km von dessen Nordufer. So können in diesem Gebiet die beiden Tag-
und Nachtgleichen mit ihren zenitalen Sonnenständen zur Wirkung kommen.
Es stellen sich also in der Regel zwei Temperaturmaxima im Jahre ein,
das erste in einem der Monate Januar bis April, häufiger gegen das Ende
dieser Reihe, das andere, bald ein wenig höher, bald ein wenig niedriger
als das erstere, in einem der Monate August bis November, meist im
Oktober.
Die zwei dazwischen liegenden kühlsten Monate fallen in den Dezember bis
März, meist in den Dezember, und in den Mai bis August, meist in einen
der beiden letzten. Aber es kommt auch gelegentlich vor, daß andere als
die angeführten Monate kühlste oder wärmste sind, ferner daß der Gang
der Temperatur im Jahre drei höchste und drei niedrigste Werte aufweist.
Und alle diese Zahlen weichen voneinander noch viel weniger ab, als in
den anderen Teilen D.-O.s; die jährliche Schwankung beträgt oft noch
nicht
11/2° , erreicht selten einmal 3°. Alle diese Erscheinungen sind durch
die Nähe des Äquators bedingt. Man spricht deshalb von Äquatorialklima.
Trotz vieler, oft wie zufälliger Abweichungen ist die Regel für den
jährlichen
Temperaturgang die, daß zwei wärmste Monate in der Umgebung der Tag- und
Nachtgleichen, zwei kühlste in der Nähe der Sonnenwenden liegen. - Die
mittlere Jahrestemperatur an der Süd- und Ostküste des Sees beträgt etwa
22°, das Mittel des wärmsten etwa 23°, des wenigst warmen 211/2°. Die
Werte der Westküste sind jeweils um 2° niedriger (s. Victoriasee
und die Tabellen). Das Jahresmittel der täglichen Schwankung liegt
zwischen
61/2° in den regenreichen (Bukoba) und 15° in den regenarmen Gebieten
(Schirati). - Im äquatorialen Gebiet
gibt es im allgemeinen zwei Regenzeiten, die durch regenärmere getrennt
sind. Zeitlich folgen die Regen den höchsten Temperaturen; sie
unterdrücken
wohl auch ein noch höheres Ansteigen der letzteren. Die ergiebigere
Regenzeit
fällt in die Monate März bis Mai. Am regenreichsten ist im Durchschnitt
der April, im Süden z.B. in Usumbura oft der März, im Norden
gelegentlich
der Mai. Die Richtung der Verschiebung entspricht wieder der
vorausgegangenen
Wanderung des Sonnenstandes. Die kleinere Regenzeit liegt innerhalb der
Monate Oktober bis Januar. Ähnlich wie im Monsungebiet ist sie ziemlich
unsicher, sowohl nach der Zeit des Eintritts als nach Menge. Besonders
am Ostufer des Sees bleibt sie häufig aus. - Die Regenpause liegt
innerhalb
der Monate Januar bis März, falls man überhaupt von einer solchen
sprechen
kann. An der Westküste, z.B. in Bukoba, läßt der Regen gewöhnlich nur
ein wenig nach. Abgesehen von dieser Gegend ist die Trockenzeit sehr
ausgeprägt,
am meisten im Osten und Südosten des Gebietes, gegen die zentralen
Hochländer
der Kolonie hin (s.o.). Die trockensten Monate sind in der Regel Juni
und Juli, auch August. Selten einmal treten im August oder September
ziemlich
erhebliche Niederschläge auf, so z.B. im östlichen Ukerewe. Die im
Vorstehenden
gegebene klimatische Einteilung beruht im wesentlichen auf den
Eigenschaften
der Verteilung der Temperaturen und der Regen über das Jahr. Hierbei
wären
also die absoluten Werte der Temperaturen und die absolute Menge der
Niederschläge
nicht berücksichtigt. Die Unterschiede der wirklichen Temperaturen an
der Küste und im Hochland sind nicht so groß, daß Verteilung der
Erscheinungen
der organischen Natur durch sie grundlegend beeinflußt würde. Trotz
mancher
Unterschiede im einzelnen sind Pflanzen und Tierwelt des Vorlandes in
einiger Entfernung von der Küste der des zentralen Hochlandes sehr
ähnlich.
Die zentralen Hochlandsflächen besitzen eine beträchtliche positive
Anomalie,
d.h. die Mitteltemperaturen sind dort, z.B. in Tabora, aber auch am Süd-
und Ostufer des Victoriasees, z. B. in Muansa, etwa 3° zu hoch im
Vergleich
zur Küste, wenn man als normale Temperaturabnahme für 100 m Anstieg 0,5°
annimmt. Tabora hat bei 1237 m Höhe eine mittlere Jahrestemperatur von
22,5° (s. Tabelle) statt von 19,1°. Gebirgige Teile des Innern, die die
Hochfläche überragen, besonders auch die Gebirgsstöcke am Rand des
Hochlands,
wie z. B. die Gneishorste, sind dagegen umgekehrt zum Teil zu kühl. Kwai
in Westusambara hat bei 1684 m Höhe das Jahresmittel 16,2° statt 17,2°.
Die jährliche Regenmenge greift viel tiefer als irgendein anderes
Element
des Klimas in die räumliche Anordnung der Pflanzen und Tierwelt
Ostafrikas,
ja auch in die des Menschen, nach Zahl und Rassenzugehörigkeit, ein. Für
die Art der Bodenkultur und für ihre Ergiebigkeit ist die Regenmenge,
hier fast noch mehr als die Verteilung des Niederschlags über das Jahr,
von sehr großer Bedeutung. Eine klimatische Einteilung aber auf Grund
der Menge ist deshalb schwierig, weil bei etwas niedrigerer Temperatur,
wie sie trotz deren Anomalie im Hochland dort zu finden ist, eine
kleinere
Regenmenge dieselbe Wirkung auf die Vegetation hat, wie eine größere an
der Küste. Auch Bewölkung und Luftfeuchtigkeit spielen hier eine Rolle.
Immerhin ließe sich der Versuch machen, eine solche Linie bestimmter,
gleicher Regenmenge bei der Abgrenzung zu verwerten, wenn nicht die
Areale
mit Regenmengen, die eine von der Tropensteppe sich wesentlich
unterscheidende
Vegetationsform hervorbringen, so klein wären. Etwa 35 000 qkm der
Landfläche
von D.-O. bekommen mehr als 1500 mm Regen im Jahr, etwa 12 000 mehr als
1750 mm, d. i. nur 1/28 oder 1/82 der Fläche von D.-O. Diese Inseln
stärkeren
Regens sind die randlichen Gneishorste: Usambara, Nguru, Uluguru, wozu
noch Upogoro in ähnlicher Lage tritt, ferner Kilimandscharo und Meru.
Ost- und Südosthänge haben, entsprechend den Regenwinden, hier überall
bedeutende Niederschläge, die bei den drei erstgenannten über 2000 mm
ansteigen, nur an einer besonders günstig gelegenen Stelle am Osthang
Ulugurus sogar 4000 mm übertreffen (s. Emin-
Plantage). Weiter im Innern liegen zwei Gegenden mit über 1500 mm
Regen. Am Westufer des Victoriasees werden 2000 mm erreicht. Hier wirkt
einmal die Nähe des Sees - zwischen ihm und seinen Küsten besteht ein
System örtlicher Land- und Seewinde - dann aber die über
ganz Ostafrika vorherrschende östliche und südöstliche Windrichtung. Die
Mächtigkeit der Luftschicht des Südostpassats beträgt hier noch 3000-
4000
m. Ähnliche Einflüsse sind es, die das Gebiet im Nordwesten des Njassa
so regenreich machen; im Kondehochland fallen in größerem Bezirk über
2000 mm. Steigt man an den genannten Gebirgen über eine gewisse Höhe,
1400-1800 m empor, so nehmen die Regen wieder ab; schließlich tritt
Regenarmut
und große Lufttrockenheit auf (s.
Kilimandscharo).
Die durchschnittliche Regenmenge des ganzen D.-O. bleibt hinter diesen
hohen Werten sehr zurück. Man kann sie zu etwa 900 mm veranschlagen. Das
beigegebene Kärtchen der Niederschläge zeigt im Nordosten von D.-0. zwei
Gebiete mit unter 500 mm als die regenärmsten. Diese Angaben sind nicht
durch Beobachtungsreihen belegt, die östliche besitzt aber
Wahrscheinlichkeit.
In einigen anderen Gebieten des NO von D.-O. wurden so geringe
Regenmengen
tatsächlich beobachtet (s. Ostfuß von Pare,
Nordfuß des Meru, Turu).
Ebensowenig Regen dürfte das Land am Fuß der Ostafrikanischen
Bruchstufe (s.d.) und am Njarasa
(s.d.)
erhalten. - Im allgemeinen ist die Dauer der Beobachtungen in D.-O. noch
zu kurz, um einigermaßen genau zu wissen, wie sehr besonders regenreiche
und sehr regenarme Jahre vom Durchschnitt der ganzen Reihe abweichen
dürften.
Solche Schwankungen sind von erheblichem Einfluß auf das organische
Leben,
vor allem auf die Bodenkultur. Immerhin läßt sich bisher erkennen, daß
im Gebiet des Monsunklimas, besonders an der Küste, diese
Unregelmäßigkeiten
der Niederschläge erheblich größer sind als im kontinentalen
Passatgebiet,
zumal in dessen binnenländischem Bezirk, wo sie etwa denen Mitteleuropas
gleichkommen. Die Ernteaussichten im Monsunklima für Kulturen, die
solchen
Schwankungen nicht gewachsen sind, sind danach wenig zuverlässig. Zur
Vervollständigung des klimatischen Bildes gehören u. a. noch die Angaben
über Sonnenscheindauer nebst Bewölkung und über Feuchtigkeit (s.d.). Natürlich ist im
allgemeinen
während der Regenzeiten die Sonnenscheindauer verhältnismäßig kurz;
merkwürdig
aber ist, daß im Küstengebiet des Monsunklimas die kleine Regenzeit und
die folgende Regenpause es zu so viel Sonnenschein kommen lassen, daß
hier der Südsommer erheblich sonniger ist als die andere Jahreshälfte,
besonders die Monate Juli und August. Das kontinentale Passatgebiet
dürfte
den meisten Sonnenschein gegen Ende der Trockenzeit und in der ersten
Hälfte der Regenzeit erhalten. Im Äquatorialgebiet tritt die längste
Sonnenscheindauer
dagegen etwa im Nordsommer ein. Gebirgsstationen haben überall viel
stärkere
Bewölkung, als die der Küste und der Hochebene. Im Küstengebiet wird im
System der Land- und Seewinde durch die herrschende allgemeine
Windrichtung
die Bewegung von der See her erheblich verstärkt. So ist die
Luftfeuchtigkeit
hier überall sehr hoch (s. Tabelle Daressalam). Insbesondere ist sie in
der Zeit vor und gleich nach Sonnenaufgang ganz bedeutend. An der Küste
nimmt die Feuchtigkeit von Süden nach Norden zu, in Lindi beträgt die
relative etwa 78, in Tanga etwa 83%. Im Innern, im kontinentalen
Passatgebiet,
herrscht eine für die Tropen verhältnismäßig recht große
Lufttrockenheit,
selbst während der Regenzeit (s. Tabelle Tabora). Das gilt auch für die
Ostküste des Victoriasees, im Gegensatz zur Westküste. Das Land am
Nordende
des Njassa schließt sich der Art seiner Erhebung nach den Gebirgsinseln
an, die in gewissen Höhenlagen auch das Land am Meer noch an
Feuchtigkeit
übertreffen; hier erreicht Amani (s.d.)
mit einem Jahresmittel von 86% den höchsten bisher für D.-O. sicher
festgestellten
Wert. - Tau tritt in der kühlen Jahreszeit überall auf, ist in der Nähe
der Küste recht stark; besonders große Mengen wurden bei Mikindani
beobachtet.
- Gewitterbildung ist auch während der Regenzeit an der Küste im
allgemeinen
nicht besonders häufig, tritt nur in einzelnen Jahren auch im Januar und
Februar stark auf. Der kühlen Zeit fehlen Gewitter fast völlig; dasselbe gilt für die
Hochländer.
An der Westküste des Victoriasees und an den Südosthängen der
Gebirgsinseln
kommen in jeder Jahreszeit Gewitter vor, doch ist selbst hier die
äußerst
intensive Gewitterbildung, wie man sie aus anderen Tropengebieten kennt,
nicht zu finden. Die nachstehenden, von Dr. Heidke aufgestellten
Klimatabellen
geben über die Verhältnisse von Daressalam (Küste), Tabora (im Innern
an der Tanganjikabahn), Moschi (am Kilimandscharo) und Neuwied (Victoriasee) genauere Auskunft, die
Niederschlagstabelle
über den jährlichen Gang des Regens einiger weiterer Orte (vgl. auch die
Angaben bei den Artikeln über die einzelnen Orte und Landschaften).



5. Natürliche Einteilung. Der Versuch einer geographischen
Einteilung
von D.-O. kann sich im wesentlichen auf das über Bodengestaltung,
Gewässer
und Klima Gesagte stützen, wird nur etwa noch gewisse Tatsachen aus der
Pflanzenwelt zu berücksichtigen haben. All dem entsprechend werden die
Landschaften D.-O.s in Gruppen anzuordnen sein. Es bleibt die Frage, wie
weit denn die einzelnen Landschaften natürliche Einheiten sind. Im
allgemeinen
bedeutet die Landschaft einen Raum, der von einem Stamm oder einem
bestimmten
Teil eines Stammes erfüllt ist, der sprachlich oder mindestens politisch
in sich abgeschlossen ist oder es wenigstens früher war. Es gibt aber
Landschaften, die Angehörige mehrerer Stämme als einheimisch umfassen.
Hierher gehören einige politisch besonders gut organisierte
Landschaften.
In vielen Fällen haben nun einzelne Stämme ein seinen natürlichen
Eigenschaften
nach einheitliches Gebiet allmählich ganz erfüllt. Das Land hat
andrerseits
manchmal auf seine Bewohner gewirkt, wenn es lange genug von ihnen
bewohnt
wurde. So kommt es, daß die Landschaften D.-O.s häufig, aber durchaus
nicht immer, natürliche Einheiten sind. - Jede der im folgenden
genannten
Landschaften usw. und viele andere sind in besondern Artikeln behandelt.
Für die Einteilung von D.-O. grundlegend ist der Gegensatz zwischen dem
aus jüngeren, flachlagernden Sedimenten bestehenden niedrigen Vorland
(A) und dem zentralen Hochland (B), das aus Urgestein, älteren
Sedimenten
und jungvulkanischen Gesteinen aufgebaut ist. Im Vorland kann man
hauptsächlich
unter klimatischen und pflanzengeographischen Gesichtspunkten einen
Küstenstreifen
(A I b: Mrima) unterscheiden, dem die
Inseln
(A 1 a: Pemba, Sansibar, Mafia, Tschole, Ssonga-
Manara, Kwale) sehr nahe stehen. Das
übrige Vorland ist in zwei etwa durch das untere Rufijital, zugleich
eine
klimatische Grenze, getrennte Gebiete zu teilen, nördliches (A II: Bondei, Usigua, Usaramo, Ukami, Kutu)
und südliches (A III) Binnenvorland. Der Süden zeigt entschiedene
Gegensätze
zwischen den küstennahen Berg- und Plateaulandschaften (A III a: Matumbiberge, Kissi, Noto, Muera, Makonde) und den zum Teil mit Inselbergen besetzten
Flächen (A III b: Utete, Donde, Mlahi, Madjedje), die allmählich gegen das Urgesteinsland
Ungoni ansteigen. - Die vielgestaltigste Unterabteilung des Hochlandes
ist das Grenzgebiet, das Ostafrikanische Randgebirge (B I). Die
nördliche
Gruppe (B I a) dieser Gebirgsländer besteht aus Pare und Usambara, die
mittlere, die von der Mkataebene, einem Anhängsel von A II durchzogen
wird, aus dem vorgeschobenen Uluguru (B I b 1) und dem wenig getrennten
Nguru und Ussagara (B I b 2). Ähnlich ist in der südlichen Gruppe die
Lage von Upogoro (B I c 1) zu Uhehe (B I c 2), das sich von Ubena, im
weiteren Sinn, und Ungoni (B I c 3) besonders auch durch die sehr
andersartigen
Formen der Ostgrenze unterscheidet. - Kilimandscharo und Meru haben nach
Entwässerung, Klima und Pflanzenwelt mehr Beziehungen zum Randgebirge
als zum Binnenhochland, sind aber nach ihrem Bau mit den westlich
angrenzenden
Gebieten so sehr verknüpft, daß wir sie dem Binnenhochland (B II- VI)
zurechnen, sie aber dort als besondere, wenn auch kleine Unterabteilung
aufzählen (B II). Die angrenzenden abflußlosen Gebiete des Nordens (B
III a) bestehen aus mehreren selbständigen Teilen, der Massaisteppe (B
III a 1), die zeitweise am Rande entwässert wird, der Kette von kleinen
Gebieten längs der Ostafrikanischen Bruchstufe (B III a 2: Magad, Lawa ja
Mweri,
Ufiome, Iraku, Irangi, Ugogo), dem
Wembäre-Njarasagebiet (B III a 3: Wembäre,
Njarasa,
Issansu, Iramba, Turu, Ujansi), einschließlich des Hohenlohegrabens (s.d.). Weit getrennt von diesen liegt im
Süden
das abflußlose Gebiet des Rukwa (B III b: hierzu auch Unjika, Ufipa z.T).
Das zentrale Hochland besteht im wesentlichen aus Groß-Unjamwesi. Zur
weniger dicht bevölkerten Südhälfte (B IV a: Ugala, Ukonongo, Ukimbu) kann man noch als fremdes Grenzgebiet Ussangu und Usafua
ziehen. Die Nordhälfte ist viel wichtiger (B IV b: Unjamwesi im engeren Sinn, Ussukuma, Ussumbwa). Die Eigenart der Randländer der großen
Binnenseen (B V) besteht teils im Aufbau, teils in klimatischen, ferner
auch in wirtschaftlichen Beziehungen zu den Senken in ihrer Mitte. Das
Land um den Victoriasee (B V a, außerdem: Uschaschi, Ukerewe, Ussukuma z.T., Usindscha), das kleine Gebiet des Kiwu (B V b),
das Gebiet des Tanganjika (B V c, außerdem: Uwinsa, Uwende, Ufipa z.T.) und das des Njassa (B V d, außerdem: Matengohochland, Livingstonegebirge, Konde) haben jedes seine besonderen Eigenschaften.
Trotz der Nachbarlage zu zweien von ihnen ist das Zwischenseengebiet (B
VI: Ruanda, Urundi, Uha, Ussuwi, Uheia, Buddu, Mpororo) in
vieler Hinsicht ein Land für sich. Seine Westgrenze verläuft auf der
Wasserscheide
gegen Kiwu und Tanganjika, in seine Ostgrenze muß man wohl die Westküste
des Victoriasees einbeziehen, die nach Klima und Pflanzenwelt den
südlichen
und östlichen Gestaden des Sees recht fern steht.
6. Pflanzenwelt. (In eckigen Klammern sind mehrfach
Bezeichnungen
des Kisuaheli in Schulorthographie angeführt.) Die
auffallendsten Züge im Pflanzenkleid D.-O.s werden dadurch
hervorgerufen,
daß im Durchschnitt die Regenmengen für ein dem Äquator benachbartes
Gebiet
gering sind und daß in großen Teilen des Landes mehrmonatliche Trockenzeiten auftreten. So herrschen denn
Gewächse vor, die viel Wärme bedürfen, aber mit mäßiger Feuchtigkeit
auskommen
(s.a. Xerophyten); im allgemeinen
macht
die Pflanzenwelt des Landes durchaus nicht den Eindruck tropischer
Üppigkeit.
Deren kräftigste Erscheinungsform, der feuchte, tropische Urwald, findet sich nur in einigen kleinen Gebieten,
die selbst, ehe der Mensch sie zu zerstören begann, wenig mehr als 2 %
der Oberfläche von D.-O., rund 20000 qkm, bedeckten. In der Umgebung
dieser
Waldgebiete, die stets in den gebirgigen Teilen des Landes liegen, ist
die Mannigfaltigkeit der Vegetationsformen sehr groß. Innerhalb weniger
1000 qkm liegen oft Striche mit fast wüstenhafter Armut, Busch jeder Art, Grasfluren, lichter Trockenwald,
dichtester
feuchter Wald, schließlich die Grasfluren und der Busch des Hochgebirges
übereinander. Nur in ganz wenigen Fällen kommt noch die Hochwüste hinzu,
deren volle Ausbildung Höhen über 4000 m erfordert (s. Kilimandscharo).
Abgesehen von diesen Gebieten erscheint die Vegetation in weiten
Landstrichen
recht eintönig und besonders gegen Ende der Trockenzeit trostlos öde.
Freilich ist der Unterschied zwischen dem Bild in dieser und in der
entgegengesetzten
Jahreszeit viel größer noch als bei uns zu Lande der zwischen Winter und
Sommer. Wo bald nach Beginn der Regenzeit der Busch im frischen Grün
aller
Schattierungen erglänzt, der Boden rings mit einem dichten und hohen
Teppich
von Gräsern und Kräutern lückenlos bedeckt ist, alles in Blütenpracht
steht, da findet man ein halbes Jahr später kaum eine kleine Spur grüner
Farbe an vertrocknet aussehendem Dorngestrüpp; der Boden ist völlig
kahl,
rissig, alles ist in gelbroten Staub gehüllt. - Diese Gebiete mit
ausgeprägter
Trockenruhe, sind gelegentlich als Steppe
bezeichnet worden, mit einer etwas weiten Verwendung dieses Ausdrucks,
der anderswo nur beim Vorherrschen niedrigwüchsiger Elemente vornehmlich
von Gräsern und Kräutern, in periodisch trockenem Klima benutzt wurde.
So haben sich für ostafrikanische Vegetationsformationen nach Englers
grundlegenden Arbeiten Ausdrücke wie Buschsteppe, Baumsteppe,
Obstgartensteppe, Baumgrassteppe (bedeutet Grassteppe mit
vereinzelten
Bäumen), Buschgrassteppe, Dorn-
und Buschsteppe u.a.m. neben Grassteppe eingebürgert. Auch der ältere
Ausdruck Savanne wurde und wird vielfach für vorwiegendes Grasland mit Trockenruhe verwandt, das von meist
dünnen Beständen von Busch und Bäumen unterbrochen wird. Auch hier wird
der Begriff erweitert und z.B. von Savannenwald gesprochen. - Fast
ausschließlich
in Gebieten mit mehr als 1500 mm Regen (s. oben und Regenkarte, gestrichelte
Linie) kommt der immergrüne Regenwald
(s. Hochwald), der immerfeuchte Tropenwald der
tieferen
Region vor. In Meereshöhen von unter 600 m genügt die Regensumme von
1500
mm noch nicht zu seiner reinen Ausbildung. Auch große Wärme ist eine
seiner
Lebensbedingungen. An den Süd- und Osthängen Usambaras (s.d. und Tafel 39) ist der Regenwald,
prächtig entwickelt, stellenweise bis zu 500 m hinab; auch Nguru (s.d.) scheint einigen zu haben. Am Osthang Ulugurus (s.d.) erstreckte sich der Regenwald
vielleicht
auch einst viel tiefer. Heute beginnt er im allgemeinen erst bei 1800
m, reicht aber in den Tälern viel weiter abwärts. - Auch der südliche
Fuß und die Hänge des Kilimandscharo (s.d.) und der des Meru (s.d.) tragen Regenwald. Auch im Norden des
Njassa,
im Kondehochland (s.d.), läßt sich eine Zone von etwa
1700 m aufwärts vielleicht als eigentlicher Regenwald bezeichnen.
Charakteristisch
für den Regenwald sind immergrüne, hygrophile (nicht hartlaubige)
Baumarten
von gewaltiger Höhe (bis zu 70 m), oft Gattungen angehörig, die
hauptsächlich
in den Tropen vorkommen. Der Reichtum an Gattungen und Arten ist
ungemein
groß. Als wichtige und typische Vertreter seien genannt die Gattungen
Allanblackia (Guttifere), Parinarium (Rosacee), Ocotea (Lauracee), ferner
Chlorophora excelsa (s.d.
und Tafel 24) [Mvule], die freilich auch
in etwas trockenerem Gebiet vorkommt. Hier gibt es viele wertvolle
Hölzer.
Dieser Hochwald ist häufig hallenartig ausgebildet (s. Tafel 39), mit
nicht allzuviel Mittel-, reichlicherem Unterholz; auch die Lianen
sind nicht zahlreich. Trotzdem hat man den Regenwald von D.-O. dem
Lianenklima
Köppens (s. Klima 5), der die einzelnen Klimate der Erde durch
Charakterpflanzen
verkörpert, zuzurechnen; in den oberen Teilen gehört er schon dem
Fuchsienklima
an, je nachdem der kälteste Monat über oder unter 18° Mitteltemperatur
hat. Abgesehen von diesen Vorkommen an und im Gebirge besteht in D.-O.
aus Regenwald auch der Minsirowald
(s.d.). Er liegt ganz in der Ebene an der Mündung des Kagera in einem
Gebiet mit gegen 1500 mm Regen. - Mit steigender Höhe, sinkender
Temperatur
und abnehmenden Niederschlägen (ohne daß es zu einer eigentlichen
Trockenzeit
kommt), beginnt im Gebirge oberhalb des eigentlichen Regenwaldes der
tropische
Höhenwald oder Nebelwald, in Usambara etwa von 1600 m, in Uluguru, am Kilimandscharo und Meru von 2000 m, am
Rungwe (s.d.) von 2100 m ab. Doch sind
diese Abgrenzungen wenig sicher. Der Hochwald, dessen einzelne Formen
niedriger werden, hat auch hier noch viele immergrüne, hygrophile
Laubbäume,
die geringerem Wärmebedürfnis angepaßt sind. Vorherrschend aber treten
hier oft ganz andere Formen auf, Bambusen
wie Arundinaria alpina [mwanzi] und Nadelhölzer
der Gattung Podocarpus, sowie
Juniperus
procera (s. Zeder nebst Tafel 208 [mwangati].
Die obere Grenze des Höhenwaldes ist am Kilimandscharo bei 3000 m (s.
Tafel 107), am Meru
bei 2800 m (s. Tafel 141), in
den anderen Gebirgen
bleibt sie, deren Höhe entsprechend, erheblich tiefer. Der tropische
Höhenwald
ist aber in D.-O. noch viel weiter verbreitet. Rugege-, Gaharo- und
Bugoiewald
in Ruanda (s.d.) gehören hierher. Höhenwald, vielleicht
in seinen untersten Teilen noch Regenwald, steht am Hang und oberhalb
der Ostafrikanischen Bruchstufe, südlich vom Oldoinjo
Lengai bis zur Südgrenze von Iraku. Der Hanang (s.d.) sowie andere isolierte, hohe
Vulkankegel
weiter nördlich haben gleichfalls tropischen Höhenwald, ebenso das
Paregebirge,
einige Teile des östlichen Ussagara, des südöstlichen Uhehe und des
Livingstone-
Gebirges. Diese Waldgebiete gehören zumeist dem Fuchsienklima Köppens
an, da wo kurze Trockenruhe der Vegetation beginnt, dem Camellienklima.
Höhenwald und Regenwald gehören eng zusammen, der Unterschied zwischen
ihnen und allen anderen Formationen, vom Alluvialwald abgesehen, ist
sehr
groß. Mit den "parkartigen Gehölzen" hat er fast nichts gemein. Es ist
völlig verkehrt, diese Formationen alle mit einer Farbe
zusammenzufassen,
wie das Eckert auf der beigegebenen Hauptkarte von D.-O. tut.
In all den genannten Gebirgsländern findet sich oberhalb des Waldes und
in seine höchsten Teile eingeschoben das Hochweideland, oft auf altem
Waldboden, oft da wo örtliche Verhältnisse den Wald nicht aufkommen
lassen.
Die wichtigsten Gräser, Niedergras bis
zu Fußhöhe, gehören der Gattung Eragrostis, Andropogon
und Agrostis an. - Gewisse Verwandtschaft
mit der Formation des Höhenwaldes hat der Hochgebirgsbusch (mit viel Ericaceen und Hypericum), mit diesem wieder die
Hochgebirgssteppe. Ihnen allen ist ziemlich kühles Klima gemein, das
Jahresmittel
beträgt 15° und weniger, die jährliche Schwankung ist nicht größer als
im übrigen D.-O.; die Gewächse der beiden letzteren Formationen sind
mehr
xerophil als hygrophil. - Im mittleren und nördlichen Küstengebiet D.-
O.s
fehlen eigentliche Trockenmonate fast ganz, überall, auch im Süden, ist
wenigstens die Luftfeuchtigkeit groß, im Süden grenzen eine Anzahl
bedeutender,
den Regen begünstigender Erhebungen nahe ans Meer. So kann in weiten
Teilen
des Küstengebietes und seines nächsten hügelig-bergigen Hinterlandes die
hemihygrophile oder subxerophile Formation des "parkartigen Gehölzes des
Küstenlandes" mit recht erheblichem Artenreichtum bestehen (s. Tafel 24,
177). Neben laubabwerfendem Holz kommt auch immergrünes vor, außerdem
gelegentlich ziemlich üppige Gras- und Krautsteppe mit eingestreutem
Gehölz,
also eine Art Savanne. Von Holzgewächsen seien z.B. genannt der
Kopalbaum
(s. Kopal) Trachylobium verrucosum
[msandarusi],
das Kautschukbäumchen Mascarenhasia elastica, Landolphia-Arten [mbungo,
mpira], der Leberwurstbaum Kigelia, einige Kandelabereuphorbien [mtupa]. Je
nachdem
das Holz dichter und hochgewachsener oder dünner steht, rechnet der
Msuaheli
dieses Gebiet zu mwitu oder Pori (s.d.).
- Dem xerophilen Reich gehören etwa vier Fünftel von D.-O. an.
Laubabwerfende
Bäume und Sträucher, immergrüner und laubabwerfender Dornbusch, oft nahe verwandt den subtropischen
Hartlaubpflanzen, Grassteppe (s.
Farbige
Tafel Steppenbrand in
Deutsch-Ostafrika), von dichter Hochgrassteppe bis
zur dünnsten Büschelgrassteppe, und fast alle diese Formationen auch in
Kombination, finden sich hier vor. Fast all dieses ist Steppe im
weiteren
Sinn [pori, die busch- und baumlose Form, s. Tafel 141, mbuga oder njika].
Als wichtigste Charakterpflanze dieses ganzen Gebietes, zugleich des
ganzen
afrikanischen Tropensteppengebietes, wird meist der Affenbrotbaum (s.d. und Tafel 1, 36, 37) oder
Baobab, Adansonia digitata [mbuyu]
angeführt.
Nach ihm nennt Köppen dies gleichmäßig heiße, mit einer Trockenzeit
versehene
Klima das Baobabklima. - Sehr ausgedehnte Teile der zentralen
Hochländer,
besonders ihre südwestliche Hälfte und fast das ganze weitere Hinterland
der Südküste bis zum Njassa waren und sind auch noch heute zum größten
Teil mit dem hohen Trockenwald, auch Steppenwald [Myombo oder Miombo;
s.d. und farbige Tafel
, sowie Tafel 37], bedeckt,
dessen wichtigster Bestandteil
laubabwerfende Leguminosenbäume sind, z.B. Brachystegia, Eminia. Das
Unterholz ist ganz dürftig. Diese Formation geht häufig in Buschland
über,
besonders da, wo die Kultur den Wald verwüstete, ferner in Grassteppe
mit vereinzelten Baumgruppen. In diesem Trockenwald kommen aber oft über
große Strecken auch immergrüne Elemente vor, und deshalb ist er auch
manchmal
zu den subxerophilen Formationen gestellt worden. Weit verbreitet und
schwer abzugrenzen sind die Gebiete, in denen die Gräser, wieder in
erster
Linie Andropogonarten, dann auch Eragrostis, entweder als reine
Grassteppe
d. i. Steppe im engeren Sinn (Hochgrassteppe und Niedergrassteppe),
allein
herrschen oder mit Baumgruppen und Gebüsch verbunden sind (trockene
Savanne).
Die Grassteppe kommt rein auch in besonders trockenen, zumal in etwas
höher gelegenen Gebieten vor als Grasbüschelsteppe, so genannt, weil die
einzelnen Büschel durch weite Zwischenräume getrennt sind. Unter den
Hölzern
der Baumgras- und Buschgrassteppe seien die Schirmakazien erwähnt,
Kandelabereuphorbien
(s. Euphorbiaceen), Adansonia (s.o.), die
freilich
auch in das Parkgehölz der Küste hineinreicht, ferner Stereulia und
Strychnosarten,
Dalbergia Melanoxylon [mpingo]. Palmen scheinen nur da in Verbindung mit der
Grassteppe
reichlich aufzutreten, wo der Boden auch während der Trockenzeit viel
Grundwasser enthält. Auf großen
Flächen
stehen Dumpalmen (s.d.) [mkoche] und
Borassuspalmen (s.d. und farbige
Tafel ) [mvumo] in fast reinen
Beständen.
Obstgartensteppe werden Steppengebiete genannt, in denen in einem
Abstand
von meist wenigen Metern stehende, selten über 6 m hohe, oft buschige
Bäume Gras und Kraut wenig beschatten. Commiphora- und Combretum-Arten
sind hier charakteristisch. Von der Buschgrassteppe führen Übergänge zur
grasarmen Dornbuschsteppe (s. farbige Tafel ), die etwa gleicher
Regenarmut
wie die Grasbüschelsteppe entspricht. Verschiedene Acaciaarten und
andere
Leguminosen, Commiphora-Arten und viele andere bilden den
laubabwerfenden
Dornbusch, der häufig in reiner Ausbildung große Flächen bedeckt. Die
immergrüne Dornbusch- und die Sukkulentensteppe enthält besonders
auffallende
Pflanzenformen mit eigenartigen Anpassungen an die Trockenzeit.
Verschiedene
Kandelaber- und niedrige kaktusähnliche Euphorbien (s. farbige Tafel Steppe),
ferner E. tirucalli, Caralluma, verschiedene Sansevieren [mkonge] sind
hier zu nennen; die merkwürdigsten Formen sind aber Adenia
globosa und Pyrenacantha malvifolia mit ihren Klotz- und Kugelstämmen.
- Außer allen vorgenannten Formationen, die gewissen klimatischen
Bedingungen
entsprechen, bleiben noch einige edaphische zu nennen, d.h. solche, die
ebensosehr gewissen Eigenschaften des Bodens ihr Bestehen verdanken.
Weniger
starke Abhängigkeitsgrade vom Boden sind bei den heutigen
Formationsaufstellungen
viel zu wenig berücksichtigt, aber eben auch noch ganz wenig bekannt.
Salzsteppen (s. farbige Tafel ) [jangwa] mit Suaeda
monoica spielen keine große Rolle. Bedeutsam, zumal auch wirtschaftlich
wichtig, ist die andere halophile Formation der Mangroven (s.d.) [mkoko], die völlig von dem
durch
Meerwasser während der Flut durchfeuchteten und gesalzten Boden abhängt.
Zu den edaphischen gehören ferner die Formationen des Alluvial- und
Sumpflandes.
Letzteres findet sich, nicht reichlich, aber fast überallhin zerstreut,
oft an Flußläufen. Der Papyrussumpf (s. farbige Tafel ) des Lumi-Pangani
(s.d.) ist ein bekanntes Beispiel. Längs fließenden Wassers finden wir,
auch inmitten trockener Steppe, fast stets die Bäume, die sich zum
Galleriewald
zusammenwölben. Hier finden sich viele Arten des Regenwaldes; wird der
Wasserlauf periodisch, so herrschen Ficusarten, schließlich Akazien
vor. Ist der Boden weithin zu den Seiten des Gewässers mit Wasser
durchtränkt,
ohne daß dies stagniert, so bilden sich Alluvialwälder, wie der von Kahe (s.d.). Die Pflanzenwelt der Hochflächen und des
Vorlandes von D.-O. ist floristisch nahe verwandt mit der der übrigen
afrikanischen Tropensteppe, die sich in weitem Bogen vom westlichen
Sudan her über Ostafrika in das
Gebiet des Sambesi und das des Kunene und Kuansa erstreckt, damit das
westafrikanische
Waldgebiet, die afrikanische Hylaea Mildbraeds, das Gebiet Guineas und
des Kongobeckens, völlig umfassend. Aber auch zur Flora des Waldgebiets,
das am Victoriasee im Minsirowald und seiner Umgebung gerade noch nach
D.-O. hinreicht, hat das Steppengebiet viele nahe verwandschaftliche
Beziehungen,
so daß Engler sie als "das afrikanische Wald- und Steppengebiet"
zusammenfaßt.
Manche Erscheinungen sprechen dafür, daß der große, immergrüne Wald
einst
zur Pluvialzeit (s.o.) weiter in Ostafrika hineinreichte, vielleicht bis
zum Indischen Ozean. Die Floren der höheren Gebirge D.-O.s sind nicht
nur untereinander besonders nahe verwandt, sondern auch mit denen des
abessinischen sowie des Kameruner Hochlandes und der höheren Teile
Madagaskars,
schließlich auch mit der kapländischen und der mittelmeerischen Flora.
- Da weite Teile von D.-O. seit Jahrtausenden besiedelt sind, heute
verhältnismäßig
dicht, und hauptsächlich von Ackerbau
treibenden Völkern, so ist das einstige Bild der Pflanzenwelt nicht nur
durch Waldverwüstung stark verändert worden, sondern auch durch
Einführung
von Kulturpflanzen. Einen der wichtigsten Züge im Landschaftsbild des
Zwischenseengebiets (s.d.)
und der Gebirgsländer bildet der Bananenhain
[mgomba, s. Tafel 169,
die Frucht ndizi]. An der Küste tritt noch eindrucksvoller
(s. farbige Tafel und
Tafel 35, 36, 107, 124, 187)
die Kokospalme
(s.d.) [mnazi] und der Mangobaum (s.d.)
[mwembe] hervor, beide jüngere
Einwanderer als die Banane (s. im übrigen 10. Eingeborenenproduktion).
Seit hunderten von Jahren ist das Aussehen weiter Gebiete nicht so stark
verändert worden, wie in den letzten zwei Jahrzehnten durch das
Entstehen
der Plantagen im Küstenland und in der Nachbarschaft der Bahnlinien.
7. Tierwelt. [In eckigen Klammern Bezeichnungen des Kisuaheli
in der Orthographie der Schulen.] Die afrikanische oder äthiopische
tiergeographische
Region, auch das transsaharische Faunareich genannt, umfaßt den
afrikanischen
Kontinent südlich einer Grenze, die bald ein paar hundert Kilometer
südlich,
bald nördlich vom 20° s. Br. angenommen wird. Die Sahara ist bei ihrer
heutigen Trockenheit ein großes Grenzgebiet, in das von beiden Seiten
nicht viele Formen vordringen können. Im Gegensatz hierzu war der
Zusammenhang
Afrikas mit dem Nordosten und Norden im Jungtertiär sehr bestimmend für
die Entwicklung der Fauna. Große Einwanderungen dürften die meisten
Formen,
die heute auffallen, z.B. Elefanten, Flußpferde, Strauße, Nashörner,
Giraffen,
ja selbst die Antilopen gebracht haben. Freilich hat sich in der Folge
eine ausgiebige Fortentwicklung, eine Bildung vieler neuer Arten
vollzogen.
Die altertümliche alttertiäre Fauna ist dabei stärker vernichtet worden,
als im indisch-malaiischen und im südamerikanischen Gebiet, von
Australien
ganz zu schweigen. - Die Ausstattung des tropischen Afrika mit Tieren
weist denselben grundlegenden Zug in der geographischen Verbreitung auf,
den die Pflanzenwelt zeigt: der westafrikanischen Waldfauna, besser der
der afrikanischen Hylaea, steht die Fauna der Savannen oder der Tropensteppe gegenüber. Nicht
die Wälder Afrikas, sondern die Steppen weisen die kräftigste Entfaltung
tierischen Lebens in einer großen Artenzahl von Säugetieren auf. Einst
war die Menge der Individuen hier enorm, und trotz starker Vernichtung
durch den Menschen und durch Seuchen ist sie in manchen Teilen von D.-O.
noch heute recht groß, zumal in den grasigen Steppenländern des Nordens.
Die großen Steppengebiete Afrikas liefern die Bedingungen dafür, daß in
diesem Kontinent etwa neun Zehntel aller Antilopenarten heimisch sind,
daß er auch sonst einen sehr großen Reichtum an eigentümlichen
Säugergattungen
aufweist. Nach Matschie treffen in D.-O. vier verschiedene
Säugetierprovinzen
zusammen. Über das ganze Zwischenseengebiet
(s.d.) hin reicht die Guinea-Kongo-Provinz, also die Fauna der Hylaea
(H). Über die Hochländer zwischen Victoriasee und Kilimandscharo schiebt
sich die Sudanprovinz (Su) nicht ganz bis Tabora vor, auf dem Wege
zwischen
Kilimandscharo und Ozean die Somaliprovinz (So) bis zur Südgrenze der
Massaisteppe; dreiviertel des Landes nimmt die Mozambiqueprovinz (M)
ein.
Die Provinzen Su, So, M sind Teile des erwähnten größeren Gebiets der
Tropensavanne, nur M reicht über deren Grenzen in das Gebiet der Fauna
Südostafrikas hinein. Es sei versucht, im folgenden einige im Tierleben
von D.-O. besonders wichtige und auffallende Tiere so zusammenzustellen,
wie das gemeinsamen Lebensbedingungen entspricht. Hierbei sind auch
einige
der von Matschie aufgeführten, für die vier Provinzen charakteristischen
Arten genannt. Sie sind durch die beigesetzten Buchstaben H, Su, So, M
gekennzeichnet. Die übrigen kommen überall zerstreut vor, bald häufig,
bald selten. Den meisten der zu nennenden Tiere sind in diesem Lexikon
besondere Artikel gewidmet (s.a. Tierwelt der
Schutzgebiete
und Jagd). - In der offenen
Grassteppe leben zwei Gnus [nyumbu], zwei Zebras [punda milia], zwei Kuhantilopen: Bubalis Jacksoni (Su) und B.
Cokei
(So) [Kongoni], Oryx callotis (So),
Rennmäuse
(Gerbillus), der Strauß [mbuni], der Sekretär. Gnu, Zebra und Kuhantilope, die oft zusammen Weiden, sowie Oryx, stehen auch in lichter Busch-
und Baumgrassteppe. Letztere bevorzugen die Giraffen [twige], Äpyceros
suara [swala], Rapp- (M) und Pferdeantilope: Bubalis Lichtensteini
[konsi],
das große und kleine Kudu (So) [tandalal,
Marabu, verschiedene Geier [tai], Adler
[kozi]
und Webervögel. Hier und in etwas
mehr buschigem Land kommen vor: verschiedene Perlhühner [kanga], Erdferkel [mbawe], Gepard, Hyänenhund, Warzenschwein [ngiri], Grauts (Su)
und Thomsons (Su) Gazelle, Giraffengazelle (So), Leierantilope (Su), Elenanilope, [pofu]; die
letztere ist heute seltener, aber von der Steppe hinauf bis zu
Gebirgshöhen
von über 3000, ja am Kilimandscharo auf 4800 m zu treffen. Etwas
geringere
Neigung zum Bergsteigen haben Elefant [tembo, ndovu], in der Trockenzeit
oft im Regenwald, sonst in Grassteppe jeder Art und Sumpf, ferner auch
das Rhinoceros bicornis [kifaru], das am meisten ganz dichten Dornbusch
schätzt, sowie ein paar kleine Antilopen. - Dichteren Busch, oft auch
feuchteren, bevorzugen die kleinen Antilopengattungen: Ducker,
Windspiel und Zwergantilopen [paa, funo usw.], ferner
Buschbock
[mbawala], Serval, Iltis-Ichneumon (M),
Zebramanguste (Crossarchus fasciatus) [nguchiro] und andere kleine Raubtiere, wie Zibetkatzen, ferner Stachelschwein
[nungu], Schuppentier (Manis Temminki), ferner Unzertrennliche, d.i. Agapornispapageien,
Nektarinien, Frankolin-Feldhühner [kwale], Riesenschlange [chatu], Puffotter. - Im Trockenwald, auch in seinen
feuchteren
Formen, halten sich auf verschiedene Meerkatzen, als Cercopithecus albigularis (M)
[Kima], Husarenaffe (Su), Großohrmaki (M)
[Komba] (s. Halbaffen), viele Tauben, Hornrabe
und kleinere Nashornvögel. Den
Regenwald lieben Graupapagei (H)
[kasuku],
der Pisangfresser, Riesenturako (H), einige, nicht alle Baumschliefer (s. Schliefer), Gorilla (H), Schimpanse (H), Colobus-Arten [Mbega], gewisse Meerkatzen (H), einige Halbaffen, Hundsaffen, d. i. Paviane [nyani], sowie ihr schlimmster Feind der
Leopard [chui]; dieser kommt aber auch im dichten Steppenbusch, die
Paviane
auch an vielen anderen Orten, gern z.B. in felsigem Steppenland vor.
Eine
noch größere Verbreitung hat die Streifenhyäne [fisi] und einige Geier,
auch der meist mähnenarme Löwe [Simba],
der nur den Regenwald zu meiden scheint. - In Busch, Alluvialwald und
Sumpf stehen die Flußschweine [nguruwe], Pinselohrschwein (H), Riedbock [ndohe],
Wasserbock (M) [kulu], Kaffernbüffel
[mbogo], Nilgans und andere Gänse, Enten, weißer und schwarzer Reiher, Kronenkranich, Storch [alle diese drei
Gruppen
Korongo], Flamingo. Die großen Vögel
halten
sich gern am Rand der Gewässer auf. Die Vogelwelt der großen und kleinen
Seen im nördlichen D.-O. ist ungemein reich. Hier treten auch manche
europäische
Zugvögel auf. In fast allen Seen kommt auch das große Flußpferd [kiboku] vor. Es geht in den Flüssen
meerwärts bis in brackisches Wasser, ebenso wie das Krokodil [Mamba], hält sich aber darüber hinaus auch in ganz
scharf salzhaltigen Seen auf. An der Küste im Meer lebt eine Seekuh
(Halicore),
die Karette, die Suppenschildkröte
[beide ngamba], verschiedene Haifische
[papa]. Die Fische des Meeres sind
artenreich
und zum Teil recht wertvoll, aber noch wenig gekannt und nicht genügend
genutzt (s. Fischerei u. Tafel 41/42). - Die Kleintierwelt
[wadudu, eigentlich Insekten] ist
besonders
im Waldland reich und mannigfaltig entwickelt, am wenigsten in trockener
Grassteppe. Große und auffallende Arten, wie sie sonst manchen
Tropengebieten
eigen sind, finden sich selbst im Walde nur spärlich. Unter den
Gliederfüßlern,
hauptsächlich in der Klasse der Insekten, gibt es eine Anzahl von
Tieren,
die gleicherweise in allen Kolonien wegen des zum Teil ganz gewaltigen
Schadens, den sie verursachen können, gefürchtet sind. Skorpion [nge],
Skolopender [taandu] (s. Tausendfüßer), Treiberameisen [siafu] (s.
Ameisen) sind die harmlosesten unter
ihnen.
Die Termiten [mchwa] schaden
stellenweise,
besonders im feuchteren Buschland, auch den Kulturen sehr; die bis zu
5 m hohen steinharten Bauten einiger Arten fallen in manchem
Landschaftsbild
auf. Die Wanderheuschrecke [nzige] kommt überall von Zeit zu Zeit vor.
Der südamerikanische Sandfloh [funza]
hat sich in D.-O. etwa 1891-1897 fast überall durch passive Wanderung
von Westen nach Osten verbreitet. Die Ausdehnung des Vorkommens der die
Malaria (s.d.) übertragenden Anopheles-Moskitos
[imbu]
deckt sich mit den blauen und grünen Flächen des Kärtchens über die
Gesundheitsverhältnisse.
Man sieht, sie kommen in etwa fünf Sechstel von D.-O. vor, zum Teil
freilich
spärlich; in den Gebirgsländern fehlen sie schon von einer geringeren
Höhe aufwärts als in den Hochflächen. Weit gefährlicher ist wegen der
Übertragung der Schlafkrankheit (s.d.) die Glossina palpalis; sie kommt heute in vielen
Gebieten,
so hier und da nahe der Meeresküste vor, wo die Krankheit noch nicht
hingelangt
ist. Ihre Verwandte G. morsitans, die Tsetsefliege, überträgt die Surrakrankheit (s.d.) des Viehs, gewisse Zecken [papasi, kupe] übertragen das Rückfallfieber
des Menschen und schwere Viehkrankheiten. - Beim Überblick über die in
D.-O. vorkommenden Haustiere ergibt sich, daß nur ein sehr kleiner Teil
von ihnen aus Afrika stammt. Der graue Esel
[punda kihongwe] mit dem schwarzen Rückenkreuz stammt vom wilden
Somaliesel.
Er wird im Nordosten von D.-O. in allen Gebieten, die die Massaisteppe
rings umschließen, gezüchtet. Auch die Katze [paka] ist in Afrika
zuhause,
in D.-O. aber eine junge und wenig verbreitete arabische Einführung. Der
Windhund des Zwischenseengebiets ist vielleicht afrikanischer Abkunft.
Der Pariahund [mbwa] ist wohl sehr lange im Land, stammt aber auch aus
Südasien. Die Ziege [mbuzi], heute eine zähe Kümmerrasse, das
verbreitetste
nutzbare Haustier D.-O.s, ist wohl früher aus Asien eingeführt als alle
anderen Haustiere. Sie ist viel häufiger als das Schaf [kondoo], das
meist
der asiatischen Fettschwanzrasse angehört und ohne eigentliche Wolle
ist. Von den beiden Rinderrassen [ngombe], ist die eine, das
altägyptische
Langhornrind, nur im Zwischenseengebiet zu Haus. Das wohl von einer
anderen,
ebenfalls asiatischen Art stammende Buckelrind kommt überall zerstreut
vor, am besten entwickelt im Steppengebiet des Nordostens, sonst
vielfach
beeinträchtigt durch Viehkrankheiten. Das Huhn [kuku], aus Südasien
stammend,
ist überall verbreitet. - Jüngere Einführungen sind die amerikanische
Moschusente (s. Zahnschnäbler u. Geflügelzucht) [bata], die die Portugiesen
brachten, das Pferd [faras], der helle Esel [punda maskati] und das Kamel [ngamia], das das Klima nicht recht verträgt.
Die jüngste Zeit brachte Maultier
[nyumbu]
und zahmes Schwein [nguruwe]. Von einer Domestizierung der einheimischen
Bienen [nyuki] kann ebensowenig die Rede sein, wie
von der der Tauben [njiwa]. Die aus Arabien eingeführte zahme Taube
[njiwa
manga] ist nicht häufig.
Uhlig.
8. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 40, 197 , 198 und farbige
Tafel von
Deutsch-Ostafrika).
A. Die Völkerschichtung.
B. Der stoffliche Kulturbesitz: a) Wohnung und Siedlung; b) Tracht; c)
Körperverunstaltungen; d) Beschäftigung; e) Technik und Industrie; f) Nahrungs-
und Genußmittel; g) Waffen; h) Handel und Verkehr.
C. Der geistige Kulturbesitz: a) Musik; b) Politische Befähigung; c)
Religion; d) Kunst und Wissenschaft.
D.-O. ist ethnographisch ein Grenz- und Mischungsgebiet; es bildet in seinem
größeren südlichen und zentralen Teil die Nordostecke des großen Sprachgebiets
der Bantu, während der kleinere Norden westlich
wie östlich des Victoria Njansa sein ethnisches
Gepräge durch hamitische Über- und Zwischenlagerungen erhält. Auch der breit zum
Sambesi geöffnete Süden des Landes ist Einwanderungs- und Überlagerungsgebiet,
doch handelt es sich hier nicht um rassenfremde Eindringlinge, sondern der
großen Bantufamilie angehörende Verwandte.
A. Die Völkerschichtung. Im einzelnen gestaltet sich das Bild
folgendermaßen. Zu unterst lagern auch in D.-O. Reste einer ziemlich
kleinwüchsigen
Bevölkerung, die wir vermutlich zu derselben Schicht werden zählen
müssen
wie die Pygmäen (s.d.) in West- und
Zentralafrika und die Buschmänner
(s.d.)
Südafrikas. Vollkommen rein erhaltene Vertreter dieser Urrasse scheinen
in D.-O. allerdings verhältnismäßig selten zu sein; man darf sie
bestenfalls
nur unter den Batua (s.d.) des
Kiwuseengebiets
und von Urundi und Ruanda suchen, wo neuere genaue Messungen neben
Körperlängen
von 150-160 cm und sogar solchen von mehr als 170 cm auch wirklich
zwerghaften
Wuchs von wenig mehr als 140 cm dargetan haben. Die bisher zu den
Pygmäen
gerechneten Wahia, Wnege und Wakindiga
(s.d.) in der Umgebung des Ejassisees sind nach den Ergebnissen der 1911
beendeten Expedition der Hamburger Geographischen Gesellschaft von
durchaus
normalem Wuchs. Von den auf Grund ihrer von Schnalzlauten durchsetzten
Sprache hierher gezählten Wassandaui (s.d.) in demselben Gebiet war der
hohe Wuchs schon seit längerer Zeit bekannt. Diese vier Völkerschaften
sind, wie die Batua selbst, seit langer Zeit mit den großwüchsigen
Nachbarn
gemischt und haben dabei einen Teil ihrer Urrasseneigenschaften
eingebüßt.
- Überlagert werden diese uralten Reste von der sicher ebenfalls sehr
alten Schicht der Bantuvölker, die sich lückenlos vom Tanganjika und
Njassa
bis an den Indischen Ozean ausbreitet und ethnographisch wie
wirtschaftlich
den Grundstock der Bevölkerung des Landes bildet. Neben einem
unvermischten
Teil, der auf dem großen Zentralplateau die Gruppe der Wanjamwesi,
Wassukuma, Wassumbwa,
Wawinsa, Wakonongo, Wakimbu und Wafipa,
im Zwischenseengebiet die heute von den Wahuma
unterjochten Stämme der Wahutu und Wanjambo, in den küstennahen Regionen die Waschambaa, Wasegua,
Wanguru, Wasagara,
Waluguru, Wakwere, Wasaramo
und Wakkutu, im Süden die Wangindo,
Wamuera, Wamakonde, Wandonde, Wanindi
u.a. umfaßt, unterscheidet die neuere Völkerkunde einen hamitisch beeinflußten
anderen
Teil, zu dem die auf die Gebirgshöhen und in die entlegenen Steppen
vertriebenen
Wakamba, Wanjika, Wapare, Wagueno, Wadschagga,
Wambugwe, Wagogo,
Wairangi, Wanjaturu,
Wairamba, Wakaguru u.a. gehören (s. die einzelnen
Völkernamen).
Sowohl die Physis wie auch der Kulturbesitz zeigt bei ihnen allen einen
unverkennbaren hamitischen Einschlag, der unschwer aus der unmittelbaren
Nachbarschaft der Galla,
Somal, Massai, Wakuafi
und anderer hamitischer Völkerschaften zu erklären ist. Oskar Baumann
hat für diese abgedrängten Völker die Bezeichnung jüngere Bantu
vorgeschlagen,
weil sie später als die "ältere", unvermischte Gruppe aus dem Nordosten
in ihre jetzigen Sitze nach Süden gedrängt worden seien. Angemessener,
weil diese unbewiesene Nord-Südwanderung außer acht lassend, erscheint
der neutrale Ausdruck metamorphische Bantu, der jene Beeinflussung
treffend
hervorhebt, ohne zugleich die Herkunftsfrage anzuschneiden. - In bezug
auf diese vertritt eine ganze ethnographische Schule die Ansicht einer
asiatischen Urheimat für alle Bewohner Afrikas überhaupt. Zuerst hätten
sich die kleinwüchsigen Leute der wollhaarigen Urrasse im Süden und
Südosten
Asiens vom Hauptkern abgezweigt und die leeren Gefilde des tropischen
Afrika überschwemmt. Später, am Beginn der unserer europäischen Eiszeit
entsprechenden Pluvialzeit, sei ihnen die Welle der Nigritier oder
Sudanvölker
gefolgt, dunkelfarbiger Menschen mit Wollhaaren und isolierenden Sprachen,
die (nach Stuhlmann) wahrscheinlich aus Südasien gekommen
seien. Nach demselben Autor hätten sie die Banane, vielleicht auch
Colocasien,
den Beginn des Ackerbaues, Holzgeräte, Bogen und Pfeil, Trommelsprache, Geheimbünde und Maskentänze, vielleicht auch die
Zylinderhütte
mit Kegeldach mitgebracht. Späteren Nachschüben schreibt Stuhlmann die
Viereckhütte zu. - In der letzten Hälfte der Pluvialzeit seien aus
nördlicheren
und westlicheren Gebieten als die vorigen die Protohamiten nach
Ostafrika
gekommen. Sie hatten nach Stuhlmann agglutinierende Sprache und
zahlreiche
Substantivklassen. Aus ihrer Vermischung mit den Nigritiern haben sich
die Bantuneger gebildet, wahrscheinlich in Ostafrika, von wo sie nach
Süden und Westen weitergewandert seien. Für ihren Hackbau brachten sie den Sorghum und andere
Körnerfrüchte
mit, vielleicht auch die Ziege und den Hund. Die Verbreitung nach Süd-
und Westafrika sei von einem gemeinsamen Punkt im Osten des Erdteils
erfolgt.
- Eine weitere, für das heutige Ostafrika ebenfalls belangreiche Schicht
sind dann die hellfarbigen Hamiten, die
Stuhlmann teils über Suez, teils über Bab el Mandeb aus Asien einwandern
läßt, die Vorfahren der Berber, Ägypter usw. Durch eine geringfügige
Vermischung
mit den dunklen Vorbewohnern läßt Stuhlmann von den für unser Gebiet in
Frage kommenden Völkergruppen die Massai
(s.d.) und ihre Verwandten, die Wakuafi,
Wandorobbo, Wataturu und Wambugu,
ferner die Galla, die Somal mit den Wafiome
und Wamburru und die Wahuma
entstehen. Es handelt sich dabei zumeist um Hirtenstämme, die das
Langhornrind,
später auch das Buckelrind, das Fettschwanzschaf und den Windhund
eingeführt
haben. Sie hatten Bienenkorbhütten, Fellschilde und Lanzen.
Ihre Sprache war flektierend. Als Heimat sieht Stuhlmann die Steppen
Westasiens
an, als Einwanderungstermin einen Zeitraum "unendlich lange vor 6000 v.
Chr. Geb." - Die letzte Welle endlich sind die Semiten.
In Nordafrika geht ihre Einwanderung
weit in die Jahrtausende vor Christi Geb. zurück; in Ostafrika hat sie
sich auf das Küstengebiet beschränkt, wo sie nachhaltig erst nach
Mohammeds
Tod auftritt und wo aus der Amalgamierung von Bantu aller Stämme bis
über
den zentralafrikanischen Graben hinaus nach Westen, von Arabern und
arischen
Leuten aus Persien und Nordwest-Indien das Volk der Suaheli (s.d.) entstanden ist. - Als letztes
Element
sind schließlich die nilotischen oder nilotisch beeinflußten Stämme am
nördlichen Ostufer des Victoria
Njansa
zu erwähnen: die Wageia oder Wagaja, in denen man einen weit nach Süden
versprengten
Zweig der am oberen Nil beheimateten
Schillukfamilie
zu sehen hat, und die von ihnen physisch und kulturell stark
beeinflußten
Wassoba, Waschaschi und Waruri. - Einwandfrei feststellbar ist die
Einwanderung
aus Asien von allen diesen Schichten nur für die letzte, für die
Semiten;
für alle früheren Elemente kommen wir einstweilen über bloße Annahmen
und Hypothesen nicht hinaus. Von den Hamiten D.-O.s vermögen wir noch
nicht einmal die Zeit ihres Eindringens aus nordöstlichen Gebieten zu
bestimmen, die Protohamiten und die Nigritier aber sind einstweilen noch
bloße wissenschaftliche Konstruktionen, bestenfalls ein Postulat, das
zur Erklärung mehr gewisser Züge des Kulturbesitzes als der Physis nötig
ist. - Für den gesamten Norden D.-O.s ist das hamitische Element
insofern
von Belang, als seine Vertreter politisch die erste Rolle spielen. Im
gesamten Zwischenseengebiet, besonders in Ruanda, Mpororo und Urundi,
aber auch in Karagwe und Kissiba, werden die alteingesessenen
Bantu, die Wahutu, Wanjambo und Weru, von
den numerisch zehnmal schwächeren hamitischen Watussi, Wahinda und Wahuma
beherrscht; im abflußlosen Gebiet zwischen dem Victoria und dem
Kilimandscharo
aber sind die Massai bis zur großen Viehsterbe von 1891 die
unbestrittenen
Herren des ganzen Landes gewesen. Sie würden es längst wieder geworden
sein, hätte nicht inzwischen das feste Regiment der Deutschen und der
Engländer dafür gesorgt, daß eine Wiederholung der alten Zustände
ausgeschlossen
ist. - Der Süden des Schutzgebiets wird, wie bereits angedeutet worden
ist, ausschließlich von Bantu bewohnt. In die Masse der friedlichen,
Hackbau
treibenden Stämme zwischen dem Rovuma und der großen Karawanenstraße
sind
seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von Südostafrika her Kaffernstämme
gedrungen und haben östlich vom Nordende des Njassa Reiche gegründet.
Unter den Namen Masitu, Mafiti, Magwangwara, Wamatschonde und Wangoni sind diese Völker
Jahrzehnte
hindurch infolge ihrer häufigen und ausgedehnten Raubzüge bis vor die
Tore der Küstenstädte der Schrecken ganz Ostafrikas gewesen (s. Wangoni).
Ein Teil dieser Wangoni ist seinerzeit bis an die Südwestecke des
Victoria
Njansa vorgedrungen. Unter dem Namen Watuta
(s.d.) sitzen seine Reste heute im Buschland von Runssewe. - Eine Folge
der kriegerischen Wangoni-Invasion ist das im Gegensatz dazu meist
friedliche
Eindringen der Jao und Makua in den Süden von D.-O. gewesen. Die Makua
kommen
dabei direkt von Süden über den Rovuma, die Jao von Südwesten vom
Südende
des Njassa her. Die Spitzen beider Völker sind heute bis fast vor die
Tore von Lindi im Norden des Makondeplateaus vorgedrungen, wobei diese
fremden Elemente mit den alteingesessenen Wamuera, Makonde, Wangindo und
Matambwo eine innige, geographisch kaum zu trennende Mischung
eingegangen
sind. - Eine weitere, mittelbare Folge des Eindringens der Hamiten von
Norden und der Sulukaffern von Süden ist eine starke Beeinflussung der
Kriegs- und zum Teil auch der Lebensweise vieler alteingesessener Völker
gewesen. Manche der metamorphischen Bantu des Nordens, wie die Dschagga,
Wahumba, Waschaschi, Bakulia usw., haben in beiden Beziehungen die
Massai,
viele Stämme des Südens, wie die Wahehe,
Wassangu, Mahenge, Wakhutu
usw., die Wangoni nachgeahmt, um in der
kriegerischen Maske ihrer siegreichen Nachbarn und Bedränger über ihre
eigenen Brüder herzufallen. Man bezeichnet diese Völker gern als Massai-
und Suluaffen.
B. Der stoffliche Kulturbesitz. Im Kulturbesitz der Völker D.-O.s walten
folgende Grundzüge vor.
a) Die älteste Wohnform des Gebiets ist außer der Höhle die Zylinderhütte
mit aufgesetztem Kegeldach (s. Tafel 129, 202). Sie ist
ursprünglich sicher
allen Grundbantu eigen, ist aber gegenwärtig auf das Zentralplateau und den
Süden und eine schmale Zone in der Nähe der Ostküste beschränkt. Hier, von der
Küste aus, wird sie durch das Viereckhaus mit Satteldach (s. Tafel 70, 115, 202,
204), auf dem ganzen Zentralplateau mehr und mehr durch die
Tembe ersetzt. Während dieses Viereckhaus ganz
zweifellos fremden, asiatischen Ursprungs ist, gehen die Ansichten über die
Herkunft der Tembe noch sehr weit auseinander (s. Tembe). Höhlenwohnungen werden
nicht mehr dauernd, sondern nur noch in Zeiten der Gefahr benutzt bei den Waheia
im Westen des Victoria Njansa und bei einzelnen Völkern des abflußlosen Gebiets
in der weiteren Umgebung des Manjarasees, den
Wafiome, Waniraku und
Wanjaturu, die von ihren versenkten
Temben aus geräumige Höhlen in den harten Boden graben. Formen ausschließlich
des Nordens sind die bienenkorbförmige Rund- oder Kuppelhütte der Wahuma und die
längliche, aber nach demselben Prinzip gebaute Massaihütte. In beiden Fällen
bestehen Wand und Dach aus denselben Zweigen, die vom Erdboden bis zum
Scheitelpunkt der Hütte und darüber hinaus reichen. Pfahlbauten sind aus D.-O. nur vom oberen
Magarassi, vom Ostufer des Njassa. (s. Tafel 204) und vom mittleren und
unteren
Rovuma bekannt (s. Tafel 38).
b) In der Bekleidung der Ostafrikaner spielen heute eingeführte Kattune die
Hauptrolle. Ursprünglich sind sicher Felle und enthaarte Häute fast ebenso
allgemein gewesen, denn nur wo die Vermutung älterer fremder Einflüsse besteht,
finden wir andere Materialien. So war der ganze Südwesten bis nach Unjamwesi
hinauf ein Gebiet roher Baumwollgewebe, die auf breiten, primitiven Webstühlen
hergestellt wurden. Man geht wohl kaum fehl, wenn man diese Webetechnik vom
Sambesi herauf eingeführt sein läßt, in dessen Tal sie von außen her
eingedrungen sein mag. Ferner ist der Nordwesten mit den Landschaften Urundi und
Uha noch heute ein Gebiet vorwaltenden Rindenstoffes, während dieses Material in
vielen anderen Landesteilen nur noch zur Bekleidung der mannbar werdenden
Jünglinge und als Packmaterial verwandt wird. Vermutlich hängt diese Provinz mit
der noch ausgeprägteren Rindenstoffprovinz Uganda
zusammen. Mäntel und Schurze aus Raphiafaser gab es bis vor kurzem ganz
allgemein bei den Waheia am Westufer des Victoria (s. Tafel 201); Stulpe endlich
für die Bedeckung der glans penis (s. Tafel 81) sind ein Erbteil der
Wangoni,
deren Väter diese nutschi mit aus dem Süden des Erdteils heraufgebracht haben. -
Der Schmuck hält sich im allgemeinen innerhalb der Grenzen jener Nüchternheit,
die auch sonst ein Grundzug der ostafrikanischen Kulturen ist; nur der
Einflußbereich der Massai und der Wageia hat phantastischere Formen
hervorgebracht. Bei den Grundbantu haben bis in die Neuzeit hinein Arm-, Hals-,
Leib- und Knöchelringe aus Leder oder Fell vorgeherrscht; gleichzeitig ist auch
das Elfenbein zu dieser Art Schmuck verwendet worden. Eine moderne
Errungenschaft sind Perlen, die bei einigen Völkerkreisen, wie dem der
kafferischen Wangoni und der Massai, seither fast alle übrigen Ziermittel
verdrängt haben (s. Tafel 12
und 197); weiterhin dann auch mehr oder minder
kunstvoll gefertigte Ringe aus Eisen, Kupfer,
Messing. - Um so lebhafter ist das Schmuckbedürfnis des Kulturbezirks der Massai
und ihrer nilotischen Sprachgenossen am Nordostufer des Victoria Njansa, der
Wageia und ihrer Nachbarn. Den Kopf, vor allem der Krieger, zieren hier
wildphantastische "Helme" aus Affen- und Löwenfell (s. farbige Tafel Deutsch-
Ostafrika Abb. 1) oder aus Leder mit Besatz aus den leuchtendroten Beeren von
Abrus precatorius (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 4)
oder Segmenten von
Flußpferdzähnen oder gar Mützen aus dem Magen großer Säuger (s. farbige Tafel
Deutsch-Ostafrika Abb. 7). Das Gesicht umrahmen dieselben beiden Völkergruppen
mit Gebilden von der Art der auf farbiger Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 1, 2
u.
11 wiedergegebenen, während die Wangoni und ihre Nachahmer im Süden mit Vorliebe
ungeheure kugelförmige Wülste aus großen Vogelfedern auf den Kopf stülpten und
mächtige Kragen aus demselben Material um die Schultern legten. - Der übrige
Körperschmuck der Massaigruppe ist gekennzeichnet durch ein Übermaß von Behang-
und Ringschmuck. Massai, Dschagga, Wakuafi, Wandorobbo, Wambugu, Wataturu, Bakulia, Wassonjo und andere befestigen sich ein ganzes
Arsenal von Metallspiralen, Metallkettchen, Holzklötzen jedes Kalibers,
Perlenzieraten usw. in den Ohrläppchen, am Hals, an den Armen und Beinen (s.
farbige Tafel Deutsch-
Ostafrika Abb. 1, 3 u. Tafel
118). Die Metallspiralen um
den Hals wachsen dabei oft bis über die Schultern hinaus. - Eine ebenfalls auf
das nördliche Ostafrika beschränkte Zier ist eine Oberarmspange von der Gestalt
eines mit den freien Enden aneinandergeschweißten Hufeisenpaares. Ursprünglich
ist sie vorwaltend aus Rhinozeroshorn, auch wohl aus Elfenbein hergestellt
worden; jetzt macht sich auch hier eingeführtes Eisen breit. Für gewöhnlich
fehlt bei der Spange der bogenförmige obere Ansatz; die Enden legen sich
vielmehr fest in die Senke zwischen Oberarm und Brust. Ein Grund für die
Beliebtheit gerade dieses Schmuckes ist der Glaube, daß er den Arm stärke. Die
leise Spannung, in welcher der Arm durch die Spange dauernd gehalten wird, hat
zu diesem Glauben Anlaß gegeben.
c) Eine ähnliche Verbreitung wie die zylindrische Kegeldachhütte,
nämlich
über die Mehrzahl der Grundbantu, hat unter den Körperverunstaltungen
die Auskerbung der mittleren oberen Schneidezähne. Bei den Massai und
den metamorphischen Bantu bricht man die beiden unteren mittleren
Schneidezähne
aus, während man gleichzeitig die oberen vorbiegt. Zuschärfung nur der
beiden mittleren oberen Schneidezähne (s. Tafel 39) oder aller vier (s.
Tafel 39) oder aller
acht ist am Njassa und Rovuma, doch auch bei den
Wapare üblich; Ausschlagen aller vier unteren Schneidezähne bei den Wakinga. Andere "Gebißverschönerungen" bestehen
hier
und da aus dem Halbieren der Zähne der Quere nach, dem Ausfeilen von
Lücken
in die einzelnen Zähne, und anderen Methoden mehr. Noch allgemeiner als
die Eingriffe in das Gebiß sind die in die Haut. Ziernarben im Gesicht,
auf der Brust, dem Bauch, dem Rücken und den Oberschenkeln sind unter
den Bantu sehr häufig (s. Tafel 117, 118). Die Beschneidung fehlt ganz im Zwischenseengebiet
und auf dem Zentralplateau. Geschlossen tritt sie nur im Osten auf, wo
jedoch die Massai sie in einer besonderen Weise ausüben. Einer weiten
Verbreitung erfreut sich dagegen die Sitte des Einfügens von
Fremdkörpern
in gewisse Körperteile. Ohrpflöcke sind außer bei den Wahuma ganz
allgemein.
Das von den Frauen im linken Nasenflügel getragene Pflöckchen aus Ebenholz, Silber,
Ton oder Bambus,
das von Indien her bei den Suaheli Eingang gefunden hat (kipini), ist
seither immer weiter ins Innere gedrungen. Eine Besonderheit schließlich
der Frauen bei den Makonde, Wamuera, Matambwe,
Jao und etlichen Stämmen am Njassa sind Holzscheiben (Pelele
s.d.) von verschiedenem Ausmaß (bis 7 cm Durchmesser) in der
durchbohrten
und systematisch aufgeweiteten Oberlippe (s. Tafel 117). Vereinzelt kommen
am Rovuma auch Stifte in der Unterlippe vor. Bei den Mavia auf der
portugiesischen
Seite des Rovuma sollen auch die Männer derartige Lippenzierate tragen.
d) Die Beschäftigung der Völker D.-O.s hängt aufs innigste mit ihrer
Rassenstellung und bis zu einem gewissen Grad auch mit ihrer Naturumgebung
zusammen. Alle Bantu sind Hackbauern, während alle Hamiten ebenso begeisterte
Viehzüchter sind. Die dürre Steppe ist für den Feldbau im allgemeinen wenig geeignet (wobei jedoch
auf die Wagogo mit ihrer ganz erstaunlichen
Produktion hingewiesen sein mag), doch versteht
der Neger auch aus armem Boden für kurze Zeit
ziemlich ergiebige Ernten zu erzielen. Dabei ist sein Ackergerät ganz allgemein
höchst einfach und einseitig. Das augenfälligste Instrument ist die mannigfaltig
geformte Hacke (s. Tafel 40 Abb. 7, 9), nach der
die ganze Wirtschaftsform des ackerbauenden Negers den Namen Hackbau bekommen
hat. Ur- und Ausgangsform ist jedoch der Grabstock; er dient noch jetzt zum eigentlichen
Auflockern des Bodens, während die universalere Hacke mehr für alle späteren
Arbeiten, das Reinhalten der Felder, die Ernte usw. bevorzugt wird. - Die
Ertragsfähigkeit des Bodens ist natürlich recht ungleich. In den regenfeuchten
Gebieten westlich vom Victoria Njansa überhebt die mühelose Kultur der Banane
den Eingeborenen jeder schweren Arbeit. Er hat im Grunde genommen nur nötig, die
reifen Bananentrauben mit Hilfe von langgestielten Messern abzuhauen und die
erledigten Bananenstrünke umzulegen - das ist alles. Die Pygmäenreste waren
ursprünglich Sammler und Jäger, also rein konsumierende Völker ohne jede
Eigenproduktion; sie sind jedoch in Urundi unter der Wirkung der
fortschreitenden Entwaldung, die ihrerseits
eine Folge des ambulanten Hackbaus der Neger ist, ansässig geworden und haben
sich in bestimmten Dörfern dem Töpfergewerbe zugewandt. Im Zwischenseengebiet
betreibt die altansässige Bantubevölkerung Hackbau und Bananenkultur, während
die herrschende Oberschicht der Watussi und
Wahuma sich der Zucht des Großhornrindes widmet. Wo die Abwesenheit der Tsetse
es erlaubt, wie in Uhehe und am Kilimandscharo,
auch in einzelnen Teilen des Njassagebiets, legen auch vereinzelte Bantustämme
auf die Viehzucht das Hauptgewicht. Im Tiefland am Nordwestende des Njassa
schützen dabei die Konde ihr Vieh durch ständige Aufbewahrung in eigenen
Ställen (s. Tafel 201). Stallfütterung
betreiben im übrigen auch die Dschagga am Kilimandscharo, jedoch weniger in
Rücksicht auf das Klima als auf diebische Nachbarn.
e) Mannigfaltig sind Technik und Industrie der Eingeborenen. Am
allgemeinsten verbreitet ist die Kunst der Holzbearbeitung, ja man kann
direkt sagen, daß der Neger trotz des Besitzes der Metalle in einer Holzzeit lebt. Der Gang durch die
ostafrikanischen Sammlungen eines größeren ethnographischen Museums wird
das ohne weiteres offenbaren. Aber wie urwüchsig ist dabei diese
Technik!
Tischlerei, d. h. das kunstgerechte Zusammenfügen durch Verzapfung und
Leim ist völlig unbekannt; alles und jedes wird vielmehr mühselig aus
dem Vollen, aus einem Stück gearbeitet. So die häufig nicht einmal
geschmacklosen
Schemel (s. Tafel 40
Abb. 5), so die Trommeln
(s. Tafel 40 Abb. 12,
13, 15, 23) und die Resonanzböden der Streich- und
Schlaginstrumente (s. Tafel 40 Abb. 8); so alles
übrige, was in Haus und
Hof an Geräten verwandt wird. Lediglich an der Küste ist unter
arabischem
und indischem Einfluß etwas wie Tischlerei zustande gekommen, wie die
zur Zerkleinerung harter Früchte (Kokos usw.) benutzte "Mbusi" (d.h.
Ziege;
so benannt nach ihrer Form; Tafel 40 Abb. 6) beweist. Sie ist
eine Nachbildung
des bekannten Koranständers. Auch in der Kunst besteht alles nur aus
einem
Stück; so die vielgestaltigen Tanzmasken der Makonde (s. Tafel 40 Abb. 2, 4);
so die die Ahnfrau der Makonde darstellenden Frauenfiguren (s. Tafel 40
Abb. 1); so auch die ebenfalls dem Gebiet um den unteren Rovuma
angehörigen
Schnupfbüchschen (mitete, s. Tafel 40 Abb. 3), die die
Ziernarben und
die übrigen Körperverunstaltungen der dortigen Völker meist recht genau
wiederholen. - Die Töpferei ist, wie
fast allgemein auf der Erde, örtlich an das Vorkommen brauchbarer Tone
gebunden und tritt daher als eine Art Gau- oder Dorfgewerbe auf. Dabei
wird sie jedoch stets von der Frau ausgeübt, wenigstens soweit Gefäße
in Frage kommen; nur die Köpfe zu ihren Tabakpfeifen stellen die Männer
sich selbst her. Bei den Wakissi am Nordende des Njassa vertreibt der
Hausherr
die zierlichen keramischen Erzeugnisse seiner Frau über weite Teile des
Sees hin. Die Drehscheibe ist ganz allgemein unbekannt; meist werden die
Gefäße aus einzelnen Tonwülsten aufgetürmt, die man dann verstreicht;
im Süden jedoch arbeitet man die Gefäße lieber aus dem Vollen heraus,
indem man einen feuchten Tonklumpen mit der Hand und einigen wenigen
Geräten,
einem Bambusspatel, einem Stein u. dgl., zu schmucklosen, aber sauberen
Gefäßen ausknetet. Hier benutzt man auch Untersätze aus Tonscherben als
eine Art Anfang der Drehscheibe. Auch das Verstreichen der Hütten
mit Lehm ist durchweg Obliegenheit der Frau. Diese Tätigkeit sowohl wie
auch die Töpferei sind eben eine Erfindung des weiblichen Geschlechts
und haben sich in höchst konservativer Weise bis auf die Gegenwart
herüber
gerettet. - Weitere weitverbreitete Techniken sind die Flechterei
und die Eisenindustrie. In jener stehen, was Hohlformen (Körbe u. dgl.)
anbelangt, nächst den Waganda die
Frauenarbeiten
der Wahuma und einzelner Wanjamwesigruppen obenan, während in der
Mattenflechterei
die Frauen der Suaheli ganz Vortreffliches leisten. Einen hübsch
verzierten
großen Korb aus dem Küstengebiet stellt farbige Tafel Deutsch- Ostafrika
Abb. 14 dar. - Die alte Eisenindustrie ist gegenwärtig fast völlig durch
eingeführte Erzeugnisse verdrängt. Vorher war die Herstellung der
Metalle
selbst wie auch das Schmieden außer bei den Pygmäen sicher überall
bekannt,
wenn auch vielleicht nicht überall geübt. Es gab vielmehr auch für
diesen
Industriezweig bestimmte Zentren, die besonders Hervorragendes leisteten
und den Markt auf weithin versorgten. Bekannt sind in dieser Beziehung
die Warongo in Ussindja, die bis vor kurzem alljährlich
viele Zehntausende von Hackenklingen (jembe, s. Tafel 40 Abb. 9) auf den
Markt von Tabora warfen, von wo sie dann weit nach Osten und Westen
verhandelt
wurden. Unjanjembe, die Landschaft
um Tabora, ist nach diesem Artikel direkt als "Land der Hacken" benannt
worden. Auch die Schmiedekaste der Massai, die Elgonono, sowie die
Dschagga
und mancher andere Stamm leisteten durchaus Anerkennenswertes in der
Schmiedekunst.
- Verschieden waren und sind, wo wenigstens die Schmiedekunst noch geübt
wird, die Blasebälge. Die über ganz Afrika verbreitete, nach v. Luschan ältere Form ist der auf Tafel 40 Abb. 14
abgebildete Schalenblasebalg; weniger allgemein verbreitet und
anscheinend
eine jüngere Einfuhr von Asien her ist der ebenda in Abb. 18
wiedergegebene
Schlauchblasebalg. Beim ersteren besteht der Körper meist aus Holz in
der Form eines großen Doppellöffels, hier und da auch aus Ton; beim
Schlauchblasebalg
ist dieser Körper das Fell eines größeren Vierfüßers, dessen eine Seite
offen gelassen wird, während man drei Beinfelle zubindet und nur in das
vierte eine Eisendüse führt. Den Schalenblasebalg handhabt man mittels
zweier Stöcke, die je eine über die Schalen gespannte Membran heben und
senken; beim Schlauchblasebalg öffnet die über den Schlitz gespannte,
mit 2 Schienen bewehrte Hand diesen Schlitz bei der Aufwärtsbewegung und
schließt ihn beim Niederdrücken. Der Erfolg ist in beiden Fällen ein
mäßiger
Luftstrom, der jedoch hinreicht, Eisenstein im Rennverfahren zu
verhütten
und Eisen zum Schmieden rotglühend zu machen. - Die letzte allgemein
verbreitete
Technik ist die Fellbereitung. Ein eigentliches Gerben ist unbekannt;
die Bearbeitung der Häute geht vielmehr nirgends über eine einfache
mechanische
Behandlung durch Reiben und Walken hinaus. Nur eine primitive Art der
Sämischgerberei kennt und übt man, indem man die Felle mit tierischen Fetten und Rizinusöl, auch mit
Butter geradezu tränkt und darauf durch
Walken ein leidlich haltbares Leder erzeugt, das auch nach einer
tüchtigen
Durchnässung nicht mehr hart wird. Regional, ja sogar lokal beschränkte
Industrien sind die Weberei, die
Rindenstoffbereitung
und die Salzfabrikation. Die Weberei war vor der Überflutung des Landes
durch eingeführte Kattune auf das Gebiet zwischen Njassa und Tanganjika
im Süden und der Südwestecke des Victoria im Norden beschränkt; sie
lieferte
auf breiten, horizontalen Webstühlen grobe gestreifte Baumwollstoffe.
Die Rindenstofftechnik besitzt ihre höchste Vollendung in Uganda, wo
besondere
Künstler ganz riesige Stücke zu fertigen und zu bemalen wissen. Zur
Bekleidung
wird ein ähnliches, nur schlechteres Material gegenwärtig noch in
einzelnen
Teilen von Urundi benutzt, während im ganzen Süden schmale
Rindenstoffstreifen
nur noch von den mannbar werdenden Knaben während der Pubertätsfeier
getragen
werden. Die Technik ist überall gleich: man löst den Rindenmantel durch
zwei Kreis- und einen Längsschnitt vom Baum ab, befreit das Stück von
der äußeren Borke, legt es auf einen Block und hämmert es unter stetigem
Ziehen mit gerieften Hämmern oder Keulen, bis eine Art Filz entsteht. Eine andere Art
der Baumrindenverwendung üben die Wanjamwesi
mit der Herstellung ihrer sog. Lindoschachteln. Es sind das Behälter
meist
aus dem Bast von Miombobäumen, die für
verschiedene
Zwecke verwandt werden und demgemäß in den Abmessungen vom kleinsten
Behälter
bis zum mannshohen Faß schwanken. Farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb.
5 stellt eine solche Schachtel dar. - Ihren Salzbedarf decken die
Bewohner
D.-O.s zu einem Teil aus stark salzhaltigen Quellen, deren Wasser man
durch einfaches Eindampfen in Salz verwandelt. So geschah es bis vor
kurzem
am unteren Magarassi. Heute arbeitet dort die zentralafrikanische
Seengesellschaft,
deren Saline Gottorp
an die Stelle des alten primitiven Verfahrens einen weit rationelleren
Betrieb gesetzt hat. Allgemeiner war und ist jedoch das Auslaugen
salzhaltiger
Tone und Pflanzenaschen, deren im Trichter ausgelaugte Bestandteile der
Neger in flachen Gefäßen eindampft. Das so gewonnene Erzeugnis ist meist
grau und unrein, enthält oft auch nur wenig Chlornatrium, bekommt dem
Neger aber ausgezeichnet.
f) Bei dem Vorherrschen des Feldbaues stehen in der Nahrungsaufnahme der
Ostafrikaner Vegetabilien obenan. Wo, wie im größten Teile des Landes,
Körnerfrüchte (die verschiedenen Hirsearten, Mais und Reis) vorherrschen, ist
das Normalgericht der Ugali,
ein steifer Brei, zu dem als Zuspeise Brühe von allerlei Gemüsen und, wenn man
es haben kann, auch Fleisch gegessen wird. In der Bananengegend des
Zwischengebietes stehen die vielen Abarten dieser Frucht, die man in der
mannigfachsten Weise zu bereiten versteht, im Vordergrunde. Fleisch ist überall
zugänglich, soweit es durch die Jagd und die ganz allgemein geschickt
konstruierten Fallen erlangt wird. Bei den Viehzüchtern bildet das Schlachten
der als höchst wertvoll erachteten Tiere der eigenen Herde die Ausnahme; nur bei
den Massaikriegern war es in der guten alten Zeit die Regel, soweit der Moran,
der unverheiratete Krieger (s. Massai), nicht den
Genuß von Rinderblut mit
dareingemischter Milch und Honig vorzog. Das Blut wurde zu dem Zweck den Rindern
durch eine Art Aderlaß aus einer Halsvene abgezapft. Zerkleinerungsmittel für
das Getreide ist ganz allgemein der Reibstein mit dem Läufer, während der fast
ebenso verbreitete Mörser mehr zum Enthülsen der Körner dient. - Unter den
Genußmitteln herrscht das Bier aus Hirse oder Mais
(Pombe) vor; seine Verbreitung deckt sich mit der
jener Körnerfrüchte. Küstengetränk ist der aus der Kokospalme gewonnene Tembo,
das der Bananenländer ein aus dieser Frucht gewonnener Wein. Der Tabak hat im
Lande drei große Verbreitungsbezirke: das Zwischenseengebiet, den Strich von
Ufipa über das Nordende des Njassa und den Ostrand des Tafellandes bis Usegua
und Usambara und die Zone längs des Rovuma. Ein kleiner Sonderbezirk ist
Unjanjembe. Neben Trockenpfeifen finden sich auch Wasserpfeifen; im übrigen
zieht der Neger das Schnupfen vor. In Urundi spielt sich der Vorgang in der
Weise ab, daß der Schnupfer Tabaksbrühe in seine Nase zieht, worauf er auf deren
Unterteil eine Art Wäscheklammer zwängt, die das zu rasche Auslaufen der
geschätzten Flüssigkeit verhindern soll. Das Kauen des Tabaks ist schließlich an
der Küste üblich. Hanfgenuß ist den Wanjamwesi eigen. In Kissiba und seiner
Nachbarschaft dienen die Bohnen des dort
wachsenden Kaffees in der Weise als Genußmittel, daß man sie roh kaut.
g) Unter den Angriffswaffen sind Bogen und Pfeil, Keule und Wurfspeer
der Bantubevölkerung sicher von jeher eigentümlich. Dem Norden des
Landes,
haben dann die Wahuma und Massai die lange nordostafrikanische Lanze mit
aufgesetzter Klinge, dem Süden die Wangoni den kurzen, nur zum
Nahangriff
geeigneten, darum aber taktisch um so wirksameren Stoßspeer gebracht.
Der Massaispeer ist stets mehr als 2 m lang. Ursprünglich, d.h. vor dem
Eindringen überseeischen Eisens, waren Blatt und Schuh nur wenig größer
als bei anderen ostafrikanischen Lanzen auch. Dann beginnen Blatt wie
Lanze immer länger und schlanker zu werden, bis seit etwa der
Jahrhundertwende
eine Form erreicht worden ist, bei der der Schaft nur eben gerade noch
eine Handbreit lang ist, während alles übrige aus reinem Eisen besteht
(s. farbige Tafel
Deutsch-Ostafrika Abb. 1). Der Massairegion ist auch
noch das nach der Spitze zu verdickte und verbreiterte und dadurch
ebenfalls
sehr wirksame sog. Massaischwert (s. Tafel 40 Abb. 24, 21) eigen. -
Unter
den Schutzwaffen fehlt der Schild nahezu überall in dem Gebiet des
Bogens.
Dafür haftet er um so fester am Speer. Schildgegenden sind demgemäß der
ganze hamitische Norden mitsamt seiner Einflußsphäre der Massaiaffen, und ebenso der ganze Süden
einschließlich
seiner Region der Suluaffen. Dabei ist der ganze Osten ein Gebiet des
Leder- oder Fellschildes (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 1,
9,
15 u. Tafel 40 Abb.
16, 26, 27), während das Zwischenseengebiet bereits
den westafrikanischen Pflanzenstoffschild zeigt, einfache oder
überflochtene
Holzplatten (s. farbige Tafel Deutsch-Ostafrika Abb. 12).
Ein interessantes
Gebiet der Anfänge des Schildes überhaupt liegt in der Gegend zwischen
dem Ejassisee und dem Victoria, indem einige dortige
Völkerschaften (Wanjaturu, Waschaschi,
Wataturu) die menschheitsgeschichtlich uralte Parierstange gegen Stock-
und Keulenhiebe sehr einfach aber sinnreich mit einem Bügel aus derbem
Tierfell versehen, der die Hand vollkommen ausreichend gegen jene Hiebe
schützt. Dieser Parierschild samt dem dazu gehörigen Schlagstock (s. Tafel
40 Abb. 17, 26, 27) dient nicht mehr als Kriegswaffe, sondern ist zum
Überlebsel geworden, indem die übermütige Jugend sich ganz in der Art
unserer deutschen Studenten eine Art Bestimmungsmensur mit ihnen
leistet.
Die Entwicklung des Schildes aus der einfachen Parierstange zeigt sich
in dieser Gegend insofern, als man an der Hand der Sammlungen lückenlos
verfolgen kann, wie die Lederscheibe immer größer wird und wie der
hindurchgesteckte
alte Parierstock immer weniger über das Leder hinausragt. Mit dem Beginn
des Zwanges, den Körper nicht bloß mehr gegen Hiebe und einzelne
Speerwürfe,
sondern auch gegen die unsichtbar heransausenden heimtückischen Pfeile
zu schützen, tritt die Flächenhaftigkeit des Schildes dann vollkommen
in den Vordergrund. Die Fellschilde Ostafrikas beweisen diesen ihren
Entwicklungsgang
ganz einwandfrei dadurch, daß sie trotz ihrer Flächenhaftigkeit dem
uralten
Parierschild anatomisch noch immer gleichen. Ein diesen Parierschilden
des abflußlosen Gebiets nahezu analoges Vorkommnis ist übrigens der in
farbiger Tafel
Deutsch- Ostafrika Abb. 10 wiedergegebene Gegenstand vom
Ostufer des Njansa, dem ebenfalls jede breitere Schutzfläche fehlt, der
aber, im Verfolg der größeren Farbenfreudigkeit dieser Gegend,
wenigstens
hübsch bemalt ist. Politisch- geographisch bemerkenswert innerhalb der
ganzen Waffenverbreitung ist die Erscheinung, daß Stoßspeer und Schild
bei den tatkräftigen kriegerischen Völkern, Bogen, Pfeil und Wurfspeer
bei den schwachen, passiven Stämmen vorherrschend sind.
h) Handel und Verkehr sind in Ostafrika seit jeher ohne die Zuhilfenahme
besonderer Verkehrsmittel vor sich gegangen; Ostafrika ist das Land des
Trägerverkehrs schlechthin. Seit dem Eindringen der Araber hat diese urwüchsige, rückständige, zudem
teure Methode gleichwohl sehr große Entfernungen und beträchtliche Massen
bewältigt; allerdings stets nur Wertartikel wie Elfenbein und Kautschuk, keine Massenartikel. Auch über den
bloßen Austausch ist man im Handel nicht hinausgekommen; wo wir Wertmesser
finden, sind sie Einfuhr von außen. Das gilt für die Perlen und Stoffe, ohne die
der Karawanenverkehr im Lande nicht durchführbar war, solange nicht die
Kolonialmächte Metallwährung eingeführt hatten. Auch das Geld des
Zwischenseengebiets, die Kaurischnecke, ist Einfuhrgut. Die einzige Ausnahme
bildet die Jembe, das Feldhackenblatt des Marktes von Tabora (s. Tafel 40 Abb.
9), das als Wertmesser auf dem ganzen Zentralplateau galt und weit in die Lande
ging. - Zu Wasser ist der binnenländische Ostafrikaner über den Einbaum nicht
hinausgekommen; wo wir an den Rändern des Landes höhere Verkehrsmittelformen
finden, sind auch sie fremd. So lebt die ganze Küste von arabischer, indischer,
malaiischer Beeinflussung, und so haben auch die Waheia ihr genähtes Plankenboot
von den Waganda übernommen, die es ihrerseits sicher auch erst von Fremden
übernommen haben.
C. Der geistige Kulturbesitz.
a) Darin gehört die Neigung zu Musik und Tanz zu den hervorstechendsten
Charakterzügen. Die allgemeine Form des Tanzes ist der Reigen (ngoma), sei es in
geraden Fronten oder dem geschlossenen Kreis, wobei die Teilnehmer sich nach dem
Takt der Trommelkapelle rhythmisch bewegen. Die Formen dieser Trommeln schwanken
dabei je nach den Landschaften, aber doch auch nach den einzelnen Ngomaarten.
Die Abb. 12, 13, 15, 23 Tafel
40 stellen einzelne solcher ostafrikanischer
Trommeltypen dar. Abb. 12, die sog. Ugandatrommel, ist die häufigste unter
ihnen, die sanduhrförmigen Gebilde 15 und 23 aus dem Süden erinnern dahingegen
auffällig an melanesische Formen. Maskierung tritt bei den Tänzen nur während
der Mannbarkeitsfeste auf, im
wesentlichen zudem auch nur bei den Makonde und ihren Nachbarn. - Von
Saiteninstrumenten sind in D.-O. die folgenden verbreitet: der Musikbogen über Unjamwesi, Ungoni und Usaramo.
Im Gegensatz zu dem südafrikanischen
Vorkommen besitzt er hier im Osten bereits einen Resonanzboden, meist eine
Hohlfrucht. Die höher entwickelte Form der Sese, bei der der Saitenträger starr
geworden ist, findet sich über den ganzen Süden von der Küste bis Unjamwesi hin
verbreitet. Die Schalenzither, eine ovale Holzmulde mit einer von Rand zu Rand
hin- und herlaufenden Einheitssaite (s. Tafel 40, Abb. 20), über das
ganze
Zentralplateau, den Süden und den Westen. Die Lyra ist auf Uschaschi beschränkt;
das mit dem Bogen gestrichene Monochord von
der Form der Tafel 40, Abb. 19
auf das Gebiet zwischen der Küste und dem Njassa
und dessen Umrandung; die Schalmei endlich von der Form der Tafel 40, Abb. 22
ist sicher eine verhältnismäßig moderne indische Einfuhr. - Auch andere Formen
sind nur von lokaler Verbreitung. So die Sansa
oder Ulimba, eine Klimper, auf deren Resonanzkasten ein System von Holz- oder
Eisenzungen befestigt ist (s. Tafel 40, Abb. 8), über den
äußersten Süden. Die
Marimba, das bekannte Negerxylophon mit hölzernen Tasten, tritt im Nordosten
ganz ohne Resonanzvorrichtung auf, indem man in Usambara und seinen Nebenländern
die Tasten einfach auf 2 Längsstäbe legt. Im Süden, bei den Makondo, ruhen sie
ebenso einfach auf zwei parallelen Strohbündeln, die ihrerseits auf Holzbalken
befestigt sind (s. Tafel 40,
Abb. 11). - Das allgemeinste Instrument des
Ostafrikaners ist die Trommel; außer bei den Massai und in Urundi und Ruanda
fehlt sie nirgends.
b) Die politische Befähigung der Eingeborenen Ostafrikas ist im allgemeinen
nicht als groß zu bezeichnen, doch sind selbst innerhalb dieser Beschränkung die
Unterschiede noch recht beträchtlich. Eine gut verfolgbare politische Geschichte
kennen wir nur von den Wangoni, Wanjamwesi, Wahehe, Wabena und Wassangu, wobei
es sich allerdings auch
nur je um Jahrzehnte. oder den größeren Teil eines Jahrhunderts handelt. Die
Wahuma des Zwischenseengebiets rühmen sich zwar alter Reichsbildungen, doch
entzieht sich die Berechtigung dazu einstweilen noch unserer Beurteilung. Die
gesamte übrige Bevölkerung ist nirgends über den Dorf- oder Gaustaat
hinausgekommen; selbst die "Reiche" der Waheia
verdienen kaum eine andere Bezeichnung. Eine Art theokratischen Staatswesens
besitzen die Massai, indem der Ol oiboni weniger als weltlicher Herrscher denn
als Nationalheiliger oder Patriarch zu bezeichnen ist.
c) Auf religiösem Gebiet läßt sich die gesamte Stufenleiter primitiver
Glaubens- und Kultusäußerungen verfolgen (s. Religionen der Eingeborenen).
Für die Massai hat Moritz Merker in
seinem
vielbesprochenen Buch sogar den starren Monotheismus der alten Hebräer nachweisen zu
können geglaubt. Weit verbreitet ist allem Anschein nach der Manismus oder Ahnenkult. Wie in Deutsch-Südwestafrika bei den Herero haben die Ahnen ihren Sitz in heiligen
Bäumen;
bei den Makonde stellt man die Stammesmutter, aus deren Schoß das
gesamte
Volk entstanden ist, in Form roher Skulpturen dar, wie Tafel 40, Abb.
1 eine solche wiedergibt. Ganz allgemein ist sodann der Animismus, der Glaube an das Beseeltsein der
ganzen
Natur, und sicher nicht weniger verbreitet schließlich der
präanimistische
Zauberglaube. Zauberer (waganga) und Regenmacher gibt es
überall;
sie alle arbeiten in der Ekstase mit dem Glauben an die eigene
Zauberkraft
und dem anderen an ihre Macht über die Geister innerhalb der Natur. Aus
eigener Kraft und ohne Ekstase zaubert sodann, wie die Unsumme von
Zaubermitteln
und Medizinen in unseren Museen bezeugt, jeder gewöhnliche Mann. Als
Hilfsmittel
dazu ist ihm jeder Gegenstand recht; vor allen Dingen stehen die Wurzeln
zahlreicher Pflanzen im Geruch der Zauberkraft; richtig angewandt,
schädigen
sie den Feind auf jede Entfernung und in jedem gewünschten Grade. Auch
Pflanzensäfte werden zu dem gleichen Zweck zubereitet. Vor allem jedoch
nimmt man seine Zuflucht zu bestimmten Teilen von Tierkörpern, oder man
verwendet gleich ganze Tierkadaver selbst als Divinations- und
Zaubermittel.
Farbige Tafel Deutsch-
Ostafrika Abb. 8 und 13 stellen zwei solche Apparate
aus der Umgebung des Makondeplateaus dar; Abb. 13 eine sog. Trokolla,
Abb. 8 eine Chissangu (kijao; suaheli Kissangu). Die Trokolla besteht
im wesentlichen aus einem Tierhorn, das auf einem durchgehenden Stabe
drehbar ist. Gilt es für den Zauberer, einen Verbrecher zu eruieren oder
die Zukunft vorauszusagen, so wirbelt er das Horn mit mäßiger
Geschwindigkeit
um seine senkrecht in der Hand stehende Achse. Ist die gewünschte
Rotation
erreicht, so setzt er noch ein zweites Horn darüber, das nun mitdreht.
Mit einemmal bringt der Zauberer das untere Horn durch Anhalten mit der
linken Hand zum Stillstand, während das obere noch weiter wirbelt. Aus
der Art der endlich erreichten Ruhelage, d.h. dem Winkel, den beide
Hörner
miteinander bilden, entnimmt der Mganga (Zauberer), ob der Verdächtige
schuldig oder unschuldig ist. Der Willkür ist natürlich dabei Tor und
Tür geöffnet. - Noch kräftiger ist die Chissangu; wenn alle anderen
Zaubermittel
nicht mehr fruchten, wendet man sie an; so bei frischen Todesfällen -
bei den Naturvölkern ist der Tod im allgemeinen nichts Natürliches,
sondern
etwas durch die Maßnahmen eines andern Verursachtes -, bei Erkrankung
eines Kindes, bei Diebstählen; stets um den Schuldigen festzustellen.
Die Handhabung des hübsch mit Perlen und Paternosterbohnen (Abrus
precatorius)
besetzten, einem maulwurfähnlichen Tier entnommenen Balges erfolgt in
der Weise, daß der Mganga das Bündel an den Schwanz faßt, es unter den
Beinen hindurchsteckt und nun mit ihm "wippt", d.h. es durch Auf- und
Nieder-, Hin- und Herbewegen zu balanzieren sucht. Steht das Tier
schließlich
vor einem der Anwesenden senkrecht und drückt es dabei die Hand des
Meisters
gleichzeitig schwer zu Boden, so ist der Verdächtige der Tat überführt
und geht seiner Bestrafung entgegen. Die Spiegelscheiben am Chissangu
sollen den Übeltäter entweder durch ihr Glitzern schrecken, oder sie
stellen
sozusagen das Auge der Gottheit dar, die bei der Bewegung drohend auf
den Schuldigen schaut.
d) Kunst und Wissenschaft schließlich halten sich in Ostafrika in
bescheidenen
Grenzen. Eine Schrift haben nur die
Suaheli;
bis zur Übernahme der von den Kolonialmächten eingeführten Lateinschrift
merkwürdigerweise die für die vokalreiche Sprache durchaus ungeeignete
arabische. Als eine Art Anfang der Schrift, zugleich auch des Kalenders,
lassen sich die Knotenschnüre auffassen, die neuerdings im Rovumagebiet
nachgewiesen worden sind. - In der Plastik leistet der Ostafrikaner
durchgehends
weniger als der Westafrikaner. Die menschliche Figur und ihr Antlitz
werden
allein bei den Makonde und ihren Nachbarn und den Wasaramo (s. farbige
Tafel Deutsch-
Ostafrika Abb. 6 u. Tafel 40
Abb. 1-4) dargestellt. In Usaramo
stellt das Volk große Holzpfähle von der Form stark stilisierter
menschlicher
Figuren auf die Gräber; dem zum erstenmal menstruierenden Mädchen aber
übergibt man eine kleine, mit einer Perücke von Tonkügelchen verzierte
Puppe von der in Abb. 6 der farbigen Tafel von Deutsch-Ostafrika
wiedergegebenen
Form, die von dem Mädchen von da an bis zur Geburt des ersten Kindes
ununterbrochen
getragen werden muß. Mwana ya kiti (Kind vom Stuhl) heißen diese
eigenartigen
Gebilde. Die Malerei ist allgemeiner, doch beschränkt sie sich auf Tier-
und Menschenbilder an den lehmbestrichenen Hauswänden und geht über die
Höhe unserer frühen Kinderzeichnungen nicht hinaus. Der bekannte
Naturalismus
der Jägervölker (Buschmänner,
Paläolithiker, Australier) ist ebensowenig bekannt wie die Perspektive
und ähnliche höhere Gesichtspunkte.
Weule.
9. Bevölkerungsstatistik. Die weiße Bevölkerung D.-O.s betrug
am 1. Jan. 1913 insgesamt 5336 Seelen, und zwar 3536 Männer, 1075 Frauen
und 725 Kinder. Hiervon waren 4107 Deutsche, 321 Kolonial-Engländer, 208
Griechen, 130 Franzosen, 99 Österreicher und Ungarn, 71 Türken,
christliche
Syrer und Rumänen, 90 Engländer, 62 Niederländer, 65 Italiener, 51
Russen.
Der Rest verteilte sich auf die übrigen Nationen. Von den erwachsenen
männlichen Weißen waren 551 Regierungsbeamte, 186
Schutztruppenangehörige,
498 Geistliche und Missionare, 882 Ansiedler,
Pflanzer,
Farmer und Gärtner, 352 Ingenieure, Techniker, Bauunternehmer usw., 355 Handwerker,
Arbeiter usw., 523 Kaufleute, Händler usw., 19 Ärzte und Arztgehilfen, 169
waren
Angehörige anderer Berufe. Die meisten Weißen wohnten in den
Verwaltungsbezirken
Daressalam (1053), Aruscha (500), Moschi
(467), Tanga (581) und Wilhelmstal (423). Die geringste Zahl von Weißen
hatten die Bezirke Mahenge (40), Ssongea (35), Rufiji
(61) und Urundi (60). - Die Eingeborenenbevölkerung D.-O.s betrug am 1.
Januar 1913 7645000 Köpfe. Am dichtesten bevölkert ist das
Zwischenseengebiet;
die beiden Sultanate Ruanda und Urundi umfassen zusammen mit 31/2
Millionen
Einwohnern fast die Hälfte der Bevölkerung der Kolonie, dort kommen 72
bzw. 51 Einwohner auf den Quadratkilometer, während der Durchschnitt des
Schutzgebiets nur 8 Einwohner auf den Quadratkilometer beträgt. Nach den
Bevölkerungsmengen geordnet betrug die Eingeborenenbevölkerung der
einzelnen
Bezirke in runden Hunderten:

Die farbige, nicht eingeborene Bevölkerung umfaßte 14898 Personen,
davon
waren Inder 8784, Araber, Beludschen,
Türken usw. 4101, sonstige Asiaten, wie Perser, Chinesen,
Malaien usw. 72, sonstige Afrikaner, wie Sudanesen, Somali
usw. 1941, Goanesen gab es 656. Endlich
waren 114 Mischlinge zwischen
Europäern
und Negern vorhanden.
10. Eingeborenenproduktion. In dem Wirtschaftsleben des
ostafrikanischen
Negers spielen die Produkte, welche der Befriedigung seines eigenen
Bedarfs
dienen, bei weitem die Hauptrolle. Hierfür kommen in erster Linie
Ackerbau
und Viehhaltung in Betracht. Es gelangen gegenwärtig noch
verhältnismäßig
wenige Produkte dieser Art zur Ausfuhr, doch hat die Entwicklung der
letzten
Jahre gezeigt, daß der Eingeborene überall da, wo sich ihm infolge der
Verbesserung der Verkehrsverhältnisse Absatzmöglichkeiten bieten, über
seinen eigenen Gebrauch hinaus produziert. Die sog. Okkupationsprodukte
sind fast nur für die Ausfuhr bestimmt. Industrie und Handwerk sind im
allgemeinen von geringer Bedeutung. Ackerbau. Das verbreitetste
Volksnahrungsmittel
des Schutzgebiets ist die Hirse. Sie kommt hauptsächlich in zwei Arten
vor: Sorghumhirse (Mtama) und Pennisetumhirse (Mawele). Sie gedeiht fast
im ganzen Schutzgebiet. Hirse bedeckt nach Schätzung das größte Areal
unter allen Anbauflächen Ostafrikas. In manchen hochgelegenen Gegenden
der Kolonie tritt an die Stelle der Hirse Korakan (Eleusine, Ulezi). Es
liefert ergiebige Ernten und ist in einzelnen Bezirken das wichtigste
Nahrungsmittel. Eleusine wird in den Bezirken Moschi und Langenburg viel
und mit Erfolg gebaut. Alle drei Getreidearten werden auch zu Pombe
(Bier)
verarbeitet. An Sorghumhirse wurden im Jahre 1912 ausgeführt 1206 t im
Werte von 149 551 M. Auch die Maiskultur ist weit verbreitet und bürgert
sich vor allem in den von der Mtamakrankheit heimgesuchten Gebieten
immer
mehr ein. Die Reiskultur ist den Eingeborenen im ganzen Schutzgebiet
bekannt.
Man unterscheidet den Sumpf- oder Wasserreis und den Bergreis. Die erstere Sorte ist in Ostafrika die
wichtigere, sie wird besonders in feuchten Flußniederungen angebaut.
Ausgedehnter
Reisbau wird schon in vielen Bezirken getrieben. In Urundi und
Langenburg
kommt Reiskultur mehr und mehr in Aufnahme. Im Udjidjibezirk wird vor
allem in der Luitsche-Ebene viel Reis gebaut. Besonders geschätzt ist
der Muansareis, der dem indischen vorgezogen wird. Die
Ausdehnungsmöglichkeit
der Kultur ist noch sehr groß. Die weiten, zur Reiskultur geeigneten
Länder
im Innern haben bisher nur wenig zur Versorgung der Küstengebiete
beisteuern
können, da die Rentabilitätszone des Reises, solange er durch Träger transportiert werden muß, kaum 100 km
beträgt.
Mit der Verbesserung der Verkehrswege wird der einheimische Reis den
jetzt
noch in sehr erheblichen Mengen eingeführten indischen Reis allmählich
verdrängen können. Ausgeführt wurden 1912 916 t im Werte von 201167 M,
dagegen wurden eingeführt ca. 13425 t im Werte von ca. 3,3 Mill. M. Im
übrigen wird von Getreidearten nur noch Weizen
in nennenswerterem Umfange gebaut, und zwar wurde dieser erst 1905 in
der Landschaft Ukinga, Bezirk Langenburg, eingeführt. Die
Eingeborenen
schätzen das Weizenmehl sehr. Der Anbau dürfte aber vorläufig einen
größeren
Umfang nicht annehmen, da das Getreide trotz vorzüglicher Qualität und
billiger Preise den Transport auf weitere Strecken bei den jetzigen
Verkehrsmitteln
nicht lohnt. Als Abnehmer kommen daher nur die Nachbarbezirke und in
geringem
Maße Britisch-Njassaland in Betracht. Bananen werden hauptsächlich in den Bezirken Tanga,
Wilhelmstal, Moschi, Bukoba, Ruanda,
Usumbura,
Dodoma und Iringa in
großer Menge, jedoch nur für den eigenen Gebrauch, gebaut. Am
Kilimandscharo,
in Bukoba, Usumbura und am Njassa sind sie das Hauptnahrungsmittel der
Bevölkerung. Die Bananen liefern auch eine Faser, welche in der Hausindustrie der
Eingeborenen
eine Rolle spielt. - Knollengewächse, insbesondere Maniok und Süßkartoffeln (Bataten) werden überall für den örtlichen Bedarf
angepflanzt und sind als Notkulturen sehr geeignet. Sie haben wenig
unter
ungünstigen Witterungsverhältnissen zu leiden und gedeihen schon auf
geringeren
Böden. Seltener sind Yams und Taro. Die europäische Kartoffel beginnt in manchen
Gebieten
neben der weniger schmackhaften Batate heimisch zu werden und letztere
zu verdrängen. Hülsenfrüchte
werden im Schutzgebiet in vielerlei Arten gepflanzt und bilden als
Zukost
einen wesentlichen Teil der Volksnahrung. Die wichtigsten Hülsenfrüchte
sind: die Vignabohne (Kunde), Strauchbohne (Mbazi), Helmbohne (Mfiwe) und
Mungobohne (Tschirokko). Von Erbsen gedeiht eine vorzügliche Qualität in
Gebirgsgegenden.
In Westusambara werden auch europäische Bohnen und Erbsen mit gutem
Erfolg
angebaut. Es ist zu erwarten, daß mit der Verbesserung der
Verkehrsverhältnisse
diese Produkte auch im Handel eine Rolle spielen werden. Zuckerrohr wird zwar an vielen Stellen des
Schutzgebiets
gepflanzt, aber fast nur zum sofortigen Genuß verwendet. Die Araber des
Panganitales kultivierten früher Zuckerrohr in großem Maßstabe und
führten
größere Mengen Zucker aus. Durch den
fortschreitenden
Ausfall der Sklavenarbeit gingen aber ihre Plantagen immer mehr zurück. Die Produktion,
welche
1903 noch einen Wert von 200000 M darstellte, fiel bis auf 10000 M im
Jahre 1908, um 1910 wieder auf 48000 M zu steigen, wovon allerdings ein
beträchtlicher Teil auf eine europäische Unternehmung entfällt (s. 11.
Europäische Unternehmungen). Dattelpalmen
werden nur von den Arabern in Tabora gepflanzt, wo sie ausgezeichnet
gedeihen.
Die Früchte der bestehenden 1000 Palmen genügen lediglich den örtlichen
Bedürfnissen. - Die Ananas hat bisher
wenig
Beachtung gefunden. Sie wird nur für den örtlichen Bedarf angebaut. -
In den meisten Bezirken des Schutzgebiets wird Tabak
von den Eingeborenen gebaut. Er findet als Rauch- und Schnupftabak
Verwendung.
Im allgemeinen wird der Negertabak von den Europäern nicht verbraucht,
weil er zu schwer und starkrippig ist. Die Eingeborenen rauchen
besonders
gern Zigaretten. Der hierzu nötige Tabak wird fast durchweg aus Holland
importiert. Unter den landwirtschaftlichen Produkten der Eingeborenen,
welche hauptsächlich zur Ausfuhr gelangen, nehmen die Ölfrüchte
die erste Stelle ein. Hier ist zunächst zu nennen das getrocknete
Fruchtfleisch
der Kokospalme, Kopra. Die Kokosplantagen
sind an der Küste und auf den dieser vorgelagerten Inseln gelegen, doch
sind Versuche, Palmen auch weiter im Innern anzupflanzen, teilweise
erfolgreich
gewesen. Während Araber und Inder sich von jeher der Anlage und
Ausnutzung
von Kokospflanzen widmeten, findet diese Kultur wegen des sich aus
derselben
ergebenden sicheren Gewinns jetzt auch bei der Negerbevölkerung mehr und
mehr Anklang. Ein großer Teil der Früchte dient den Eingeborenen als
Nahrung.
Ausgeführt wurden im Jahre 1912 4242 t Kopra im Werte von 1 563 042 M,
von denen der größte Teil aus Plantagen der Eingeborenen stammte. Weiter
spielen die Erdnüsse eine wichtige Rolle. Die Erdnußkultur ist mehr oder
weniger im ganzen Schutzgebiet verbreitet. Zum Hauptproduktionsgebiet
hat sich jedoch unter dem Einfluß der englischen Ugandabahn
der Muansabezirk entwickelt. Von hier wurden im Jahre 1910/11 allein
1730
t Nüsse ausgeführt. Daneben kommt an der Küste besonders der Lindibezirk
für die Ausfuhr in Betracht. Der Anbau der Erdnuß
entwickelt sich trotz ziemlich häufiger Mißernten (Dürre, Kräuselkrankheit) immer mehr zu einer
Volkskultur, die der Neger gern annimmt, zumal er sie als Zwischenkultur
neben Bohnen, Mais usw. ausüben kann. Der
Inlandverbrauch ist so bedeutend, daß in vielen Bezirken die Produktion
noch nicht den eigenen Bedarf deckt. Im Jahre 1912 wurden insgesamt
ausgeführt
6078 t im Werte von 1273066 Mark. Sesam
wird hauptsächlich im Süden sowie im Bagamojo- und Muansabezirk
angebaut.
Der Verbrauch im Schutzgebiet ist groß, da das Öl als Speiseöl von den
Eingeborenen sehr geschätzt wird. In allen größeren Küstenplätzen finden
sich Ölmühlen, in denen in primitiver Weise Öl gepreßt wird. Da die
Sesampflanze
den Witterungseinflüssen gegenüber sehr wenig widerstandsfähig ist, so
sind die Ernteerträge und infolgedessen auch die Ausfuhrziffern sehr
schwankend.
Ausgeführt wurden 1912 1881 t Sesam im Werte von 523719 M. Als weitere
ölliefernde Pflanze muß noch die Ölpalme erwähnt werden. Diese kommt besonders in
Ruanda, am Tanganjikasee und im Iringabezirk in größeren Beständen vor.
Das Palmöl wird hauptsächlich als Speiseöl und zur
Seifenfabrikation
von den Eingeborenen verwendet. Eine intensive Ausnutzung der
Ölpalmbestände
wird erst dann möglich sein, wenn die Ölpalmbezirke durch Verkehrswege
aufgeschlossen sind. In letzter Zeit ist die Produktion des Palmöls
zurückgegangen,
da viele der reichsten Bestände wegen der dort vorkommenden Glossinen
zur Bekämpfung der Schlafkrankheit gesperrt werden mußten.
Pflanzversuche
sind an der Küste und am Victoriasee mit Erfolg unternommen worden. Die
Kaffeekultur wird von den Eingeborenen nur im Bezirk Bukoba in
nennenswertem
Maße betrieben. Der von dort kommende kleinbohnige, dem arabischen
ähnliche
Kaffee hat sich innerhalb weniger Jahre auf dem
Weltmarkt
gut eingeführt und wird lebhaft gefragt. Während im Jahre 1904 der erste
nennenswerte Export in Höhe von 7682 kg
stattfand, hat sich derselbe im Jahre 1912 auf 672 478 kg im Werte von
749 079 M gehoben. Die Kaffeepflanzungen der Eingeborenen dehnen sich
beständig aus, so daß eine weitere Steigerung der Ausfuhr zu erwarten
ist. Seit der Erwerbung des Schutzgebiets hat die Verwaltung
insbesondere
der Baumwollkultur ihr regstes Interesse entgegengebracht. Das
Kolonialwirtschaftliche
Komitee unterstützt sie in hervorragender Weise in
dem Bemühen, den Baumwollbau zu
einer
Volkskultur zu machen. Da ein erheblicher Preissturz der Baumwolle den
Eingeborenen leicht mißtrauisch machen und vom weiteren Anbau abhalten
würde, garantiert das Komitee den Produzenten einen Mindestpreis. Ferner
belohnt das Komitee gute Leistungen im Baumwollbau durch öffentliche
Prämiierungen.
Um wirklich gutes, den örtlichen Verhältnissen angepaßtes Saatgut zu
gewinnen,
sind Saatzuchtstationen
(s.d.)
eingerichtet worden. Zur Erzeugung einer einheitlichen Marktware wird
in jedem Bezirk nur eine Sorte von Baumwollsaat
verteilt. Diese Sorte wird von den örtlichen Verwaltungsbehörden im
Einverständnis
mit den Pflanzern, welche meist die von den Eingeborenen produzierte Baumwolle
aufkaufen, bestimmt. Durch diese Maßnahme ist es in verhältnismäßig
kurzer
Zeit gelungen, den Baumwollbau in einem großen Teil des Schutzgebiets,
insbesondere in den Bezirken Bagamojo, Morogoro,
Mohoro, Kilwa, Lindi, Muansa und Bukoba als
Volkskultur
einzuführen. Die lnlandbezirke kommen vorläufig wegen mangelnder
Absatzmöglichkeit
weniger in Betracht. In manchen Gegenden, z.B. in Utipa und am Rukwasee
wird seit langen Jahren Baumwolle für den eigenen Gebrauch gepflanzt und
auf primitiven Webstühlen verarbeitet. Die gesamte Ausfuhr an Baumwolle
betrug im Jahre:

wovon der größere Teil durch Produktion der Eingeborenen gewonnen
wurde.
In letzter Zeit sind bei Daressalam und auf der Insel Mafia Versuche mit Nelkenanpflanzungen gemacht
worden.
Ein abschließendes Urteil darüber ist noch nicht möglich. Nach dem
Ackerbau
spielt die Viehhaltung im Wirtschaftsleben des ostafrikanischen Negers
die Hauptrolle. An Großvieh werden
hauptsächlich Rinder und Esel, an Kleinvieh Ziegen und Schafe gehalten. Auch Hühner gibt es fast überall in großen Mengen.
Besonders
günstig für die Viehhaltung sind die nördlichen Bezirke sowie Dodoma,
Tabora, Iringa, Langenburg, Ruanda und Urundi, während alle
Küstenbezirke,
mit Ausnahme von Pangani, sowie Morogoro, Mahenge, Ssongea und
Bismarckburg
wegen der dort vorkommenden Tsetsekrankheit (s. Nagana) und des Küstenfiebers
(s.d.) für Viehhaltung wenig geeignet sind. - Außer den genannten
Krankheiten
werden Rinderpest (s.d.), Katarrhalfieber
(s.d.), Milzbrand (s.d.), Lungen- und Brustfellentzündung
den Viehbeständen der Eingeborenen zeitweise gefährlich. So hat im Jahre
1892 die Rinderpest den größten Teil des Rindviehbestandes der Kolonie
vernichtet und unter den viehzüchtenden Stämmen schwere Hungersnöte
hervorgerufen,
denen viele Eingeborene zum Opfer fielen. Erst in neuester Zeit können
die durch diese Seuche verursachten Schäden als ausgeglichen gelten. Im
Jahre 1912 ist die Rinderpest erneut eingeschleppt worden und hat
besonders
in dem viehreichen Ugogo erhebliche Opfer erfordert, ohne daß jedoch die
Verlustzahlen entfernt die Höhe wie bei dem vorerwähnten früheren
Auftreten
erreicht hätten. Von einer eigentlichen Viehzucht der Eingeborenen kann
man nur bei den Massai, Wassukuma und in Ruanda reden, wo die Zucht mit
Verständnis betrieben und Inzucht sorgsam vermieden wird. In allen anderen
Gebieten sind Zuchtwahl und Zucht ganz unbekannt. Ohne jede Wahl werden
dort alle Rassen durcheinander gehalten,
und selbst die Paarung der minderwertigsten Tiere wird nicht verhindert.
Hierin Wandel zu schaffen und die Eingeborenen allmählich zur wirklichen
Viehzucht herüberzuleiten, ist das Bestreben der Verwaltung. Nach
Zählung
bzw. Schätzung der örtlichen Verwaltungsbehörden befanden sich im Jahre
1912 im Besitz der Eingeborenen: 3950250 Stück Rindvieh, 22091 Esel und
6398000 Stück Kleinvieh. - Unter den Ausfuhrprodukten der Viehhaltung
nehmen Felle und Häute den ersten Rang ein. Seit dem Bau der Ugandabahn hat der Handel
mit diesen Produkten einen mächtigen Aufschwung genommen. Während im
Jahre
1900 nur für etwa 100000 M Felle und Häute zur Ausfuhr gelangten,
erreichte
der Export im Jahre 1912 einen Wert von 4067350 M. Der weitaus
überwiegende
Teil hiervon stammt aus den Gebieten des Victoriasees. Die Ausfuhr
lebenden
Viehs ist sehr gering. Von Bedeutung ist aber die Herstellung und der
Handel mit Butterfett (Samli). Der
Verbrauch
von Samli ist im Schutzgebiet sehr groß. Auch der Export hat
beträchtlich
zugenommen und stellte im Jahre 1911 einen Wert von 187 000 M dar. Im
Jahre 1912 stieg der Wert der Ausfuhr auf über 200000 M. Der
Binnenhandel
mit lebendem Vieh steigt von Jahr zu Jahr. Außer den Eingeborenen der
Küstenbezirke verbrauchen auch die europäischen Unternehmungen und
größeren
Orte erhebliche Mengen von Schlachtvieh aus dem Innern. Unter den sog.
Okkupationsprodukten kommen solche tierischer und pflanzlicher Art in
Frage. Sie gelangen, wie schon oben gesagt, fast durchweg zur Ausfuhr.
- Von den tierischen Produkten dieser Art ist zunächst das Elfenbein
(s.d.) zu nennen. Die Elfenbeinausfuhr, welche bis 1894 dem Werte
nach die Hälfte des gesamten Handels des Schutzgebiets ausmachte, ist
mehr und mehr zurückgegangen. Im Jahre 1890 wurden noch über 200 t
ausgeführt,
im Jahre 1900 nur noch 65 t und im Jahre 1906 ca. 19 t. Seitdem hat sich
die Ausfuhr wieder langsam gehoben. Sie stieg im Jahre 1912 auf 16 959
t im Werte von 3113115 M. Der Rückgang ist vor allen Dingen auf das
rücksichtslose
Abschießen der Elefanten
zurückzuführen.
Auch hat der in früheren Jahren ziemlich bedeutende Durchgangsverkehr
aus dem Kongostaat immer mehr nachgelassen. Um der
fortschreitenden
Vernichtung der wertvollen Elefantenherden Einhalt zu tun, wird der
Abschuß
nur sehr beschränkt erlaubt, und es werden hohe Jagdscheingebühren und
Schußgelder erhoben. Zum Schutze der nicht ausgewachsenen Tiere ist der
Handel mit Elefantenzähnen unter 15 kg Gewicht verboten (s.a.
Elfenbein).
Auch sind einzelne Gebiete zu geschlossenen Wildreservaten
gemacht worden, in ihnen ist jede Jagd verboten. An sonstigen
Jagdprodukten
sind noch Rhinozeroshörner und -häute, Nilpferd- und Wildschweinszähne,
Gnudecken sowie Felle von Kolobusaffen und Baumschliefern u. dgl. zu
erwähnen;
sie haben jedoch für den Handel keine große Bedeutung. - Auch die
Produkte
des Meeres, wie Esche, Kaurimuscheln, Schildpatt, Perlen,
spielen nur eine verhältnismäßig geringe Rolle. Die Fischerei deckt,
obgleich
sie ziemlich lebhaft betrieben wird, nicht den großen örtlichen Bedarf.
Die Gewinnung von Kaurimuscheln ist sehr zurückgegangen, weil Kauris als
Scheidemünze von dem Metallgeld allmählich verdrängt wurden. - Von
großer
Bedeutung für den Handel des Schutzgebiets ist die Gewinnung von Bienenwachs, das die Eingeborenen den Nestern
wilder Bienen entnehmen. Wachs wird fast
im ganzen Schutzgebiet gewonnen. Hauptproduktionsgebiet und
Handelszentrum
für Wachs ist Tabora, auch aus den Bezirken am Victoriasee werden
jährlich
große Mengen mit der Ugandabahn exportiert. Die größte Menge (für ca.
11/2 Mill. M) wurde im Jahre 1907 ausgeführt. Seitdem hat die Ausfuhr
nachgelassen, da in den letzten Jahren die Bienenschwärme unter der
anhaltenden
Dürre sehr zu leiden hatten. Bei der primitiven Ausbeutungsmethode der
Eingeborenen werden die Bienenvölker auch meistens vernichtet. Doch
macht
infolge der Bemühungen der Verwaltung der bisherige Raubbau
schon in einigen Bezirken allmählich einer Art Imkerei
Platz. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 ca. 347 t Wachs im Werte von 829
057 M. Okkupationsprodukte pflanzlichen Ursprungs sind Kautschuk und
Kopal.
Der durch die Sammeltätigkeit der Eingeborenen gewonnene Kautschuk rührt
aus wilden Beständen her, und zwar hauptsächlich aus Lianen, welche in
den Wäldern des Schutzgebiets vorkommen. Der meiste und beste Kautschuk
wird von den Landolphialianen in Donde-Liwale und Mahenge gewonnen.
Andere
Arten gibt es an der ganzen Küste, am Kilimandscharo und weit im Innern
des Schutzgebiets. Die Ausfuhr von wildem Kautschuk hat im Laufe der
Zeit
infolge der Erschließung neuer Gebiete zugenommen. Sie stieg von ca. 190
t im Jahre 1890 auf ca. 330 t im Werte von 2 902 945 M im Jahre 1910/11,
fiel aber im Jahre 1912 wieder auf 172699 kg im Werte von 1119006 M. Die
Produktionsziffern für Lianenkautschuk sind beträchtlichen Schwankungen
unterworfen, da die Pflanzen in trockenen Jahren nur wenig Milchsaft
absondern
und die Höhe des Weltmarktpreises stark auf die Sammeltätigkeit der
Eingeborenen
einwirkt. Da der rücksichtslose Raubbau der Eingeborenen zu einer
allmählichen
Erschöpfung der wilden Kautschukbestände führen muß, so sind, um auch
für spätere Jahre Reserven für die Gewinnung von Lianenkautschuk zu
haben,
in verschiedenen Teilen des Landes die Lianen führenden Wälder forstlich
geschützt worden. In neuerer Zeit sind die Eingeborenen nach dem
Beispiel
der Europäer dazu übergegangen, kleinere Kautschukpflanzungen (Manihot Glaziovii) anzulegen, besonders
im Süden des Schutzgebiets sowie in den Bezirken Bagamojo, Morogoro,
Tabora
und Bukoba. Der Kopal (s.d.), ein fossiles oder halbfossiles Harz,
welches
mit Bernstein eine gewisse Ähnlichkeit hat, wird in einer Tiefe von 1-3
m unter dem Erdboden gefunden. Er wird zur Bereitung von Firnis und Lack
verwertet. Als Fundort kommt hauptsächlich der Süden des Schutzgebiets
in Frage. Die Ausfuhrziffer ist sehr von dem Marktpreis abhängig, da der
Neger nur bei hohen Preisen den Kopal zu sammeln pflegt, während er sich
bei sinkenden Preisen einer anderen, bei den guten Lohnsätzen unschwer
zu findenden lohnenderen Tätigkeit zuwendet. Die Ausfuhr betrug im Jahre
1912 107862 kg im Werte von 119718 M. Industrie und Handwerk sind im
Schutzgebiet
wenig entwickelt. Die gewerbliche Tätigkeit der Eingeborenen erstreckt
sich nur auf die häusliche Fabrikation von Flecht-, Holz- und
Töpferwaren
und die Gewinnung von Öl, Seifen und Salz. An der Küste nimmt die
Mattenflechterei
den breitesten Raum ein. Die groben Matten werden von altersher zum Trocknen und
Verpacken
von Landesprodukten verwendet. Das Hauptabsatzgebiet für sie ist Sansibar, wo die Nachfrage mit der Nelkenernte
steigt
und fällt. Die Waffenschmiederei der Wadschagga, welche früher einen bedeutenden
Industriezweig
darstellte, ist in den letzten Jahren durch den Eintritt friedlicher
Verhältnisse
sehr zurückgegangen und wird nur noch vereinzelt betrieben. Das durch
fast alle Gebiete im Innern zwischen Victoria- und Njassasee verbreitete
Eisengewerbe hat auch jetzt noch, trotz der Möglichkeit der Einfuhr
europäischer
Fabrikate, ziemliche Bedeutung. Erwähnenswert ist besonders die
Feldhackenfabrikation
im Ubena- und Langenburgbezirk. In den Handwerkerschulen in Tanga,
Tabora,
Langenburg und auf vielen Missionsstationen werden von Eingeborenen
unter
Anleitung von europäischen Lehrmeistern Möbel angefertigt, welche im
Schutzgebiet
guten Absatz finden.
11. Europäische Unternehmungen. Im Gegensatz zu der Produktion der
Eingeborenen, welche in erster Linie auf die Befriedigung der eigenen
Bedürfnisse gerichtet ist, erzeugen die europäischen Unternehmungen in der
Hauptsache Ausfuhrprodukte. Bei den europäischen Unternehmungen sind zu
unterscheiden Plantagen- und Handelsunternehmungen. Erstere sind zum Teil mit
Handelsunternehmungen verbunden. Viehzucht, Industrie und Gewerbe befinden sich
noch im Anfangsstadium, Jagd und Fischfang spielen bisher nur eine geringe
Rolle. Bergbau wird in einigen Gegenden mit
Erfolg betrieben. Gleich nach der Aufrichtung der deutschen Herrschaft im
Schutzgebiet begannen einige deutsche Unternehmungen mit Pflanzungsversuchen,
besonders mit Kaffee, Baumwolle, Tabak, Tee, Kakao, Vanille und
anderen tropischen Nutzpflanzen; die
meisten wurden indessen bald als unrentabel aufgegeben. Mangels jeglicher
Erfahrung kamen die Plantagenbetriebe lange nicht über kostspielige Versuche
hinaus, und auch in neuerer Zeit können sie für manche Kulturen noch nicht als
abgeschlossen gelten. In diesen Versuchen werden die Pflanzungen unterstützt durch das Biologisch-
landwirtschaftliche Institut Amani, sowie durch die übrigen Versuchsstationen des Gouvernements und
der einzelnen Verwaltungsbezirke. Die Anlage der Plantagen beschränkte sich
zunächst auf die Nordbezirke Tanga, Pangani und Wilhelmstal; diese sind auch
heute noch das Hauptpflanzungsgebiet des Schutzgebiets. Mit der fortschreitenden
Verbesserung der Verkehrsverhältnisse sind jedoch auch im ganzen übrigen
Küstengebiet (Lindi und Rufiji) und im Innern, insbesondere bei Morogoro,
Pflanzungen angelegt worden. - Das erste von Europäern gewonnene, in
nennenswerter Menge ausgeführte Produkt war Kaffee aus den Plantagen des
Usambaragebirges. Die Aussichten erschienen anfangs günstig, zumal die ersten
Ernten auf dem Markt gut aufgenommen wurden. Bald zeigte es sich jedoch, daß der
Boden nicht tiefgründig genug für die langen Pfahlwurzeln des Kaffeebaums war,
auch hatte man versäumt, Schattenbäume
anzupflanzen und häufig auch die Pflanzungen genügend zu reinigen. Zudem traten
Schädlinge, welche ganze Kulturen vernichteten, in großen Mengen auf. Da
außerdem die Kaffeepreise auf dem Weltmarkt erheblich fielen, kam die
Entwicklung der Kaffeekultur in Usambara mehr und mehr zum Stillstand. Seit 1901
hat eine nennenswerte Ausdehnung der dortigen Kaffeeplantagen nicht mehr
stattgefunden. Man ist im Gegenteil dazu übergegangen, nur noch die besseren
Bestände durch Pflanzen von Schattenbäumen und Düngung intensiver zu bewirtschaften. Als Ersatz
hat man Kautschuk, Sisal, Gerberakazien
usw. angepflanzt. Von der Kultur des anfangs im Tieflande gezogenen
Liberiakaffees ist man ganz abgekommen. Dagegen hat man mit den
Kaffeepflanzungen gute Erfahrungen gemacht, welche seit 1902 am Kilimandscharo
und Meruberg angelegt sind. In diesem Gebiet sind zurzeit etwa 1000 ha unter
Kultur. Auch im Bukobabezirk sind, angeregt durch die guten Erfolge der dortigen
Eingeborenen (s. Eingeborenenproduktion) drei europäische Pflanzungen
entstanden; diese sind jedoch noch nicht ertragsfähig. Im ganzen Schutzgebiet
sind von Europäern 3143 ha mit etwa 3383000 Kaffeebäumen bepflanzt worden.
Ausgeführt wurden im Jahre 1912 902 934 kg im Werte von 1154289 M. - Unter den
Faserpflanzen des Schutzgebiets ist die Sisalagave für den Export zurzeit bei
weitem die wichtigste. Die Kultur von Ramie und
von Mauritiusagaven ist bereits seit längerer Zeit als unrentabel aufgegeben
worden. Ebenso hat die Ausbeutung der wildwachsenden Sansevierenbestände sich
immer in bescheidenen Grenzen gehalten und seit einigen Jahren fast ganz
aufgehört, da die Werbungskosten zu hoch waren. Die Sisalagave, in Yukatan
(Zentralamerika) heimisch, wurde in D.-O. zuerst im Jahre 1892 auf der Plantage
Kikogwe der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft als Ersatz für die nicht
rentierende Kaffeekultur angepflanzt. Da die Sisalpflanze mit verhältnismäßig
geringen Böden vorlieb nimmt und gegen Witterung und Schädlinge sehr widerstandsfähig
ist, fand der Anbau dieser Faserpflanze schnelle Verbreitung. Der Export von 10
t im Jahre 1900 ist auf 17079t im Werte von 7359219 M im Jahre 1912 gestiegen.
Zurzeit sind im Schutzgebiet im ganzen 24751 ha mit Sisal bepflanzt. Hiervon
sind 14359 ha ertragfähig. Die weitere Ausdehnung der Sisalkultur wird unter
anderem dadurch beschränkt, daß zum Versand der fertigen, etwa 5 Zentner
wiegenden Hanfballen moderne Verkehrsmittel erforderlich sind. Die Anlagen sind
also an die nächste Nähe der Küste oder Eisenbahn gebunden. Ferner sind zur
Aufbereitung der Agavenblätter teure Maschinen und zur Heranschaffung der
Blätter an die Maschinen Feldbahnen nötig, so
daß sich nur Großbetriebe lohnen. Hauptproduktionsgebiet sind die Bezirke Tanga,
Pangani, Wilhelmstal und Lindi. - Eine noch größere Ausdehnung als die
Sisalunternehmungen haben die Kautschukplantagen genommen. Die Kultur beschränkt
sich fast ausschließlich auf die von Manihot Glaziovii, welche mit 44903 ha nach
dem Flächeninhalt die erste Stelle unter den Exportkulturen einnimmt.
Manihotpflanzungen sind in fast allen Gegenden des Schutzgebiets entstanden, am
zahlreichsten in den Bezirken Tanga, Pangani, Wilhelmstal, Moschi, Morogoro und Lindi. Nur etwa 414 ha sind mit
Kickxia elastica, Hevea brasiliensis und Ficus elastica angebaut; außerdem wird im Bezirk
Langenburg eine einheimische Kautschukliane, Landolphia Stolzii Busse, in ganz
geringer Menge kultiviert. Im Gegensatz zur Sisalkultur erscheint der Anbau von
Kautschukpflanzen zurzeit auch im Kleinbetrieb rentabel, da zur Aufbereitung
keine teuren Anlagen erforderlich sind. In bezug auf Zapfmethoden und
Koagulationsmittel herrscht noch keine Einheitlichkeit; die
Kautschukaufbereitung in unserem Schutzgebiet ist dabei noch nicht völlig aus
dem Versuchsstadium heraus. An Plantagenkautschuk wurden im Jahre 1912 1017 t im
Werte von 7 233 771 M ausgeführt. Der plantagenmäßige Anbau von Baumwolle macht
mehr und mehr Fortschritte. In der Hauptsache werden noch ägyptische Sorten
angebaut. Im Jahre 1911 waren 14308 ha mit Baumwolle bepflanzt. Vier Pflanzungen
arbeiteten mit Dampfpflügen. Die Kultur von Baumwolle als Zwischenfrucht von
Sisal und Kautschuk hat sich im allgemeinen gut bewährt, weil die Sisal- und
Kautschukpflanzungen auch ohne Zwischenkultur bearbeitet und reingehalten werden
müssen. Die Versuche mit der perennierenden Caravonika-Baumwolle sind bis jetzt
fast durchweg mißglückt, da sie zu sehr unter Schädlingen leidet. - Eine
baumwollartige Faser liefert der Kapokbaum (s. Kapok), welcher neuerdings in steigendem Maße
angepflanzt wird. Ein großer Teil der Produktion wird in der Kolonie als
Stopfmittel für Matratzen, Kissen usw. verbraucht. - Kokospflanzungen sind in
nennenswertem Umfange nicht in europäischen Händen. Nur in den Bezirken
Daressalam, Morogoro, Tanga, Wilhelmstal und auf der Insel Mafia befinden sich
einige Kokospflanzungen mit insgesamt 784458 Bäumen im Besitz von Europäern
(über Ausfuhr s. Eingeborenenproduktion). - Die Gerberakazie wird seit 1906 in
den höheren Lagen von Usambara und am Kilimandscharo angepflanzt. Ob die
Verwertung der Rinde allein den Anbau lohnt, ist trotz ihres hohen
Gerbstoffgehalts noch zweifelhaft. Der Verkauf des Holzes, welcher in Natal, dem
Hauptanpflanzungsgebiet der Gerberakazie, viel einbringt, kommt für D.-O. in
absehbarer Zeit kaum in Betracht, da Busch und Wald
überall genügend Holz liefern. Im Jahre 1910/11 bestanden im Bezirk Wilhelmstal
20 Pflanzungen mit 745 ha Areal; im Jahre 1912 waren 770 ha mit Gerberakazien
bepflanzt. Eine nennenswerte Ausfuhr hat bisher noch nicht stattgefunden. -
Zuckerrohr als Hauptfrucht wird nur im Panganital von einem Europäer angebaut
und zwar, wie es scheint, mit gutem Erfolge. Dieser kauft auch die Ernten von
Eingeborenen auf und verarbeitet das Produkt auf primitiven Maschinen. Er führte
im Jahre 1912 2818 kg Zucker aus. - Nach den Enttäuschungen, welche der Tabakbau
den Pflanzern in den ersten Jahren nach der Besitzergreifung des Schutzgebiets
gebracht hatte, hat man erst in neuerer Zeit wieder Anbauversuche am
Kilimandscharo gemacht, und zwar mit türkischem Zigarettentabak; doch läßt sich
ein abschließendes Urteil hierüber noch nicht fällen. - Vanille, Pfeffer, Kakao und Rizinus wird nur in geringem Umfang, hauptsächlich
als Nebenkultur angepflanzt. Auf Mafia sind neuerdings kleinere
Nelkenanbauversuche auch in europäischen Pflanzungen gemacht worden. - Der Anbau
von europäischen Gemüsen und Hülsenfrüchten geht bis jetzt über den örtlichen
Bedarf kaum hinaus. Die seit Jahren in vielen Bezirken angebaute europäische
Kartoffel hat sich in fast allen hochgelegenen Gebieten sehr bewährt und kann
zweimal im Jahre geerntet werden. Trotzdem müssen noch viele Kartoffeln aus dem britischen Nachbargebiet und
sogar aus Europa eingeführt werden, weil die Farmer bei dieser Kultur bis jetzt
nicht den gewünschten Verdienst zu finden glauben. Mais, Weizen, Gerste und Hafer
werden in den Hochländern einiger Bezirke von Europäern gebaut, jedoch ist der
Absatz einstweilen noch zu schwierig. - Dem Reisbau hat sich die europäische
Pflanzertätigkeit nur in geringem Maße zugewendet. - Zur Ausnutzung von Kokons
der im Gebiete des Victoriasees wild vorkommenden Raupe eines Seidenspinners (Anaphe) bildete sich 1908 eine Gesellschaft aus
deutschen, französischen und schweizerischen Seidenfirmen, 1910 wurde sie in die
"Afrikanische
Seidengesellschaft" umgewandelt. Da sich das Sammeln der Raupennester
indessen nicht lohnte, ging die Gesellschaft dazu über, die wild wachsende
Futterpflanze Bridelia micrantha plantagenmäßig anzupflanzen und Zuchtversuche
mit der wilden Seidenraupe zu machen. Das Unternehmen ist jedoch über Versuche
noch nicht hinausgekommen. Im Morogorobezirk glückte ein kleiner Versuch mit der
Zucht der echten Seidenraupe (Bombyx mori). Die Versuche sollen deshalb
ausgedehnt werden (s. Seidenraupe). Zur Vermittlung der Ein- und Ausfuhr sind in
den meisten bedeutenderen Plätzen des Schutzgebiets Handelsniederlassungen
europäischer Firmen vorhanden. Der Kleinhandel
liegt überwiegend in den Händen von Indern (s. 12. Handel). - Viehzucht wird von
einigen Deutschen und einer Reihe von Buren
hauptsächlich in West-Usambara und im Moschi- und Aruschabezirk betrieben.
Jedoch befinden sich im Besitz von Europäern nur verhältnismäßig kleine Herden.
Die bisher zur Aufbesserung der einheimischen Rinderrassen unternommenen
Kreuzungsversuche haben geringe Erfolge gehabt, offenbar deshalb, weil sie in
wenig rationeller Weise ausgeführt wurden. Die Versuche zur Einführung von
Wollschafen und europäischen Ziegen sind wegen der Seuchen und Krankheiten bisher meist
fehlgeschlagen. Bessere Resultate haben die Versuche mit der Schweinezucht ergeben. In West-Usambara
versorgt der Besitzer einer großen Farm schon einen
Teil des Schutzgebiets mit Schinken, Wurst und Fleischkonserven. Auch die Geflügelzucht
kommt mehr in Aufnahme. In manchen Bezirken sind die einheimischen kleinen
Hühner mit europäischen aufgekreuzt worden. Auch Reinzucht europäischer Hühner
ist vielfach erfolgreich gewesen. Zuchtversuche mit wild eingefangenen Straußen
und Zebras haben bisher keine nennenswerten
Resultate gehabt. - Der Viehbestand der europäischen Ansiedler umfaßte im Jahre
1912: 43617 Rinder, 41647 Stück Kleinvieh, 5460 Schweine, 2543 Esel, 202 Pferde, 375 Maultiere und 173 Strauße (im übrigen s. a.
Eingeborenenproduktion). - Industrielle und gewerbliche Unternehmungen gibt es
bis jetzt nur in beschränkter Zahl im Schutzgebiet. Zu erwähnen sind: eine
Bierbrauerei und 2 Möbeltischlereien in Daressalam, einige Sägewerke und eine Anzahl kleinerer Sägemühlen
an der Küste und in Usambara, 4 größere Druckereien, je eine Eisfabrik in Daressalam
und Tanga, eine Seifenfabrik in Tanga, eine Kanikifärberei in Daressalam und die
elektrische Beleuchtungsanlage der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft in
Daressalam. Die übrigen gewerblichen Betriebe, wie Stellmacherei, Schlächterei,
Schmiedehandwerk und Sodafabrikation genügen ausschließlich lokalen
Bedürfnissen. Ein besonderer Wirtschaftszweig, dem sich das Interesse der
europäischen Unternehmer in neuerer Zeit zugewendet hat, ist die Nutzung der
Holzbestände des Schutzgebiets. Für die Ausfuhr kommen vor allem die
Zedernbestände der verpachteten Waldreservate und privaten Forsten Usambaras
in Frage. So hat die Sigiexportgesellschaft und die Firma Wilkins und Wiese
Förderbahnen angelegt und Sägewerke errichtet, um die Holzgewinnung in großem
Maßstabe zu betreiben. - Ferner sind die ausgedehnten Mangrovenbestände der
Küste von der Schutzgebietsverwaltung an mehrere europäische Unternehmer
verpachtet worden, welche diese Bestände wegen des hohen Gerbstoffgehalts der
Rinde im großen ausbeuten. Die Jagd wird von Europäern nur noch als Sport oder
zu wissenschaftlichen Zwecken ausgeübt. Berufsjäger gibt es nach dem
Inkrafttreten der neuen Jagdordnung nicht mehr. Im Jahre 1912 wurden ausgegeben:
Sog. große Jagdscheine für Ansässige zu 450
Rp.: 21 Stück; desgl. für Nichtansässige zu 750 Rp.: 21; sog. kleine Jagdscheine
für Ansässige zu 50 Rp.: 147; desgl. für Nichtansässige zu 200 Rp.: 21;
Erlaubnisscheine zum Abschuß eines Elefanten zu 150 Rp.: 31; desgl. zum Abschuß
eines zweiten Elefanten zu 400 Rp.: 4. - Fischfang wird seit 1909 von einem
Europäer an der Küste des Bezirks Tanga mittels eines Hochseekutters in größerem
Maßstabe betrieben. Von bergbaulichen Unternehmungen des Schutzgebiets ist vor
allem der Betrieb der Kironda-Goldminengesellschaft zu Sekenke erwähnenswert; sie förderte im Jahre
1911/12 203 kg Schmelzgold und 361 kg Feingold im Gesamtwerte von 866 188 M.
Auch im Muansabezirk wurde mit der Goldförderung angefangen. Im Ulugurugebirge
und im Usambara wird Glimmer bergmännisch
gewonnen. Die Ausfuhr betrug im Jahre 1912 153 806 kg im Werte von 481507 M. -
Im gleichen Jahre produzierte die Zentralafrikanische Seengesellschaft auf ihrer
Saline Gottorp ca. 1850 Ztr. Salz; es fand im
Schutzgebiet und im benachbarten Kongostaate guten Absatz. - Die Gewinnung von
Granaten hatte nur kurze Zeit einen größeren
Umfang angenommen und ist augenblicklich fast ganz eingestellt worden. (Im
übrigen s. Bergbau.)
12. Handel. Der Handel D.-O.s hat sich in den letzten Jahren
infolge
des fortschreitenden Ausbaus der Eisenbahnen
und anderer Verkehrswege und der dadurch gesteigerten Produktion ganz
bedeutend entwickelt. Tauschhandel
ist nur noch in den abgelegeneren Gegenden üblich, im übrigen
Schutzgebiet
ist er durch Bargeldverkehr verdrängt worden. Der Wert des Binnenhandels
ist schwer zu schätzen, er steigt aber von Jahr zu Jahr, wie vor allem
die zunehmenden Erträge der Gewerbesteuer ergeben. Den Kleinhandel
besorgen
neben den Eingeborenen besonders die Inder,
welche fast in allen Plätzen Ostafrikas anzutreffen sind und infolge
ihrer
Genügsamkeit auch da bestehen können, wo europäische Händler keinen
Verdienst
finden würden. Der Außenhandel wird in der Hauptsache durch
deutsche
Handelshäuser vermittelt, daneben sind einige andere europäische und
auch
mehrere indische Großfirmen tätig. Der Gesamtaußenhandel des
Schutzgebiets
hat sich seit 1900/01 wie folgt entwickelt:

Der Außenhandel verteilt sich auf zwei verschiedene Wirtschaftsgebiete.
Das weitaus wichtigere ist das Küstengebiet mit seinem Hinterland, das durch die Nord- und Zentralbahn sowie durch den Träger-, Fluß- und
Fuhrwerksverkehr an das Meer angeschlossen ist. Der Handel über die
Küstenplätze
betrug im Kalenderjahre 1912 69 771 551M. Der Rest im Betrage von 11 955
955 M entfiel auf das binnenländische Wirtschaftsgebiet. Letzteres ist
durch zwei größere Verkehrswege an den Weltverkehr angeschlossen, im
Süden
durch die Schiffahrt und Eisenbahn über Chinde,
im Norden durch die britische Ugandabahn; letztere ist durch ihre
Verbindung
mit der Dampfschiffahrt auf dem Victoriasee von
großer
Bedeutung für den Handel über die Binnengrenze geworden. Der
Gesamthandel
über Muansa, Bukoba und Schirati betrug im Jahre 1912 11543170 M. - Der
Handel des Schutzgebiets mit Deutschland bewegt sich in aufsteigender
Linie. Er steht seit 1905 an erster Stelle und stellte im Jahre 1912
einen
Wert von 43646400 M dar (1913 einen solchen von 48978000 M). Die
bedeutendsten
Handelsplätze des Schutzgebiets sind die beiden Ausgangspunkte der
Eisenbahnen
Daressalam (32321000 M) und Tanga (25320915 M),
sodann Bukoba (5 423 844 M), Muansa (5 375 558 M) und Lindi (3 949 153
M). Erst an neunter Stelle folgt Bagamojo (1170 991 M), das vor Erbauung
der Eisenbahnen als Sansibar gegenüberliegender Ausgangspunkt der
Hauptkarawanenstraße
in das Innere die wichtigste Handelsstadt der Küste war. - Die
Gesamtausfuhr
des Schutzgebiets stellte im Jahre 1912 einen Wert von 31 418 382 M
(1913
35 551 000 M) dar; dar- an war Deutschland beteiligt mit 17 826 839 M
(1913 20 921000 M). Von der Gesamtausfuhr entfielen auf die Küstenplätze
25079776 M, auf die Binnenplätze 6338606 M. Die wichtigsten
Ausfuhrprodukte
waren:

Hiervon stammten Plantagenkautschuk, Sisalhanf
und Gold fast ausschließlich aus
europäischen
Unternehmungen, wildwachsender Kautschuk, Häute und Felle, Kopra, Elfenbein, Insektenwachs und Erdnüsse durchweg
aus der Eingeborenenproduktion bzw. Okkupation, Kaffee und Baumwolle waren
gemischten
Ursprungs (s. 11. Europäische Unternehmungen und 12.
Eingeborenenproduktion).
Vom Victoriasee aus über die Ugandabahn wurden überwiegend ausgeführt:
Häute und Felle, Gold und Erdnüsse, die übrigen Artikel gelangten zum
größten Teil über die Küstenplätze zur Versendung. Von anderen
Ausfuhrartikeln
sind noch zu nennen: Bau-, Nutz- und Edelhölzer, Glimmer, Sesam, Kopal, Hirse,
Gerbhölzer,
Reis, Zucker, Mais usw. Die Gesamteinfuhr des Schutzgebiets betrug im
Jahre 1912 50309164 M (1913 53359000 M); hiervon wurden Produkte im
Werte
von 25819600 M (28057000 M) aus Deutschland eingeführt. Von der
Gesamteinfuhr
entfielen auf die Küstenplätze 44691700 M, auf die Binnenplätze 5617400
M. Haupteinfuhrartikel waren:

Die Einfuhr von Baumwollwaren, welche
zum weitaus größten Teil für die Eingeborenen bestimmt waren, hat sich
in den letzten 5 Jahren infolge der gesteigerten Kaufkraft der Neger
mehr
als verdoppelt. Unter den Herkunftsländern stand Deutschland mit ca. 3,5
Mill. M an der Spitze, Indien war mit ca. 3,1 Mill. M beteiligt, wobei
aber zu bemerken ist, daß die Einfuhrstatistik nur die Herkunft der Ware
im Handel, nicht aber das Ursprungsland der Fabrikation angibt. Die
Eisenwaren
wurden hauptsächlich zum Bau von Eisenbahnen, Feldbahnen, Brücken und
Minenanlagen verwandt. Sie stammten, ebenso wie die Maschinen, durchweg
aus Deutschland. Der Reis kommt aus Indien. Sonstige Einfuhrartikel
waren:
Nahrungsmittel aller Art, Metallwaren, Zement, Tabakfabrikate, Feuerwaffen
und Munition, Drogen- und Apothekerwaren, Petroleum usw.
13. Verkehrswesen. Bis vor wenigen
Jahren wurde in D.-O. der Gütertransport zu Lande fast ausschließlich durch Karawanen besorgt. In Lasten zu etwa 60 Pfd.
wurden die Güter von eingeborenen Trägern auf den Köpfen befördert. Allerdings
war auch hierin bald ein erheblicher Fortschritt gegen früher zu verzeichnen.
Während sich nämlich noch zu Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts der
Karawanenverkehr nur auf den schmalen,
gewundenen Negerpfaden abspielte, hatte man seit 1894 damit begonnen, die von
der Küste ausgehenden Straßen auszubauen und Brunnen, feste Brücken usw. anzulegen. Die
Hauptkarawanenstraßen des Schutzgebiets waren im Norden: Tanga-Kilimandscharo,
Pangani-Mgera-Tabora-Udjidji (bzw. Muansa); in der Mitte: Bagamojo (bzw. Sadani oder Daressalam)-(Kilossa)-Mpapua-Kilimatinde-Tabora-Udjidji (bzw.
Muansa) Kilossa-Iringa-Njassasee; im Süden: Kilwa (bzw.Lindi))-Ssongea-
Njassasee. Neben diesen Hauptstraßen gab es noch eine Menge Wege geringerer
Bedeutung, welche dem lokalen Verkehr oder den Handelsbeziehungen zwischen den
einzelnen Völkern und Plätzen dienten. Mit dem fortschreitenden Ausbau der
Eisenbahnen des Schutzgebiets (s. Eisenbahnen I) haben diese Straßen und damit
auch viele Orte an ihnen einen großen Teil ihrer früheren Bedeutung eingebüßt.
Im Norden und in der Mitte sind sie nur noch als Zubringewege zu den Bahnen
wichtig. Im Süden ist die alte Handelsstraße Kilwa-Njassasee neben dem Shire-
Sambesi-Wege und dem von der Zentralbahn nach Süden abbiegenden Wege Kilossa-
Iringa-Neu-Langenburg noch immer die einzige Verbindung mit dem Njassasee. - Der
Ausbau der Karawanenstraßen ermöglichte es, Versuche mit Zug- und Lasttieren zu
machen. So wurden im Jahre 1897 und auch neuerdings im Jahre 1910 Kamele als
Lasttiere eingeführt. Am Kilimandscharo hatten eingewanderte Buren mit ihren
südafrikanischen Ochsenwagen einen regelmäßigen Verkehr zwischen Moschi und Voi an der Ugandabahn und zwischen Aruscha und Mombo einzurichten versucht. Im Süden des
Schutzgebiets unternahm man Versuche mit Maultier- und Eselwagen. Alle diese
Versuche scheiterten jedoch an der Tsetsekrankheit (s. Nagana), dem Küsten- und
Texasfieber (s.d.) und anderen dem Vieh
verderblichen Seuchen. Am widerstandsfähigsten erwiesen sich noch Esel und
Maultiere, sie finden noch heute in einigen Gegenden als Last- und Zugtiere
Verwendung. Weitere Versuche, den Menschen als Transportmittel auszuschalten,
sind in neuerer Zeit mit der Indienststellung von Automobilen gemacht worden.
Die Schwierigkeiten, die einer Ausdehnung des Automobilverkehrs entgegenstehen,
sind jedoch recht erheblich. Abgesehen davon, daß Wagenreparaturen und die
Beschaffung von Benzin oft große Schwierigkeiten machen, hat sich die
Herstellung und Instandhaltung guter Fahrwege wegen des tropischen Klimas des
Schutzgebiets als außerordentlich teuer erwiesen. - Es bestehen im Schutzgebiet
folgende Eisenbahnen: 1. Die Usambara(Nord)bahn von Tanga bis Neu-Moschi am
Kilimandscharo, 352 km lang; 2. die von Daressalam ausgehende
Mittelland(Zentral)bahn, 1912 bis Tabora (847 km) eröffnet, 1914 vollendet bis
Kigoma (Tanganjikasee) (s. Eisenbahnen I). Im Bau
begriffen sind die Eisenbahnen von Tabora zum Kageraknie (Ruandabahn) 481 km
lang, sowie von Neu-Moschi nach Aruscha am Meru 86 km lang. - Was
Schiffsverbindungen anbetrifft, so vermittelt den Personen- und Gütertransport
zwischen dem Schutzgebiet und Europa hauptsächlich die Deutsche Ostafrika-Linie. Ihre
Dampfer verkehren zweimal monatlich, zwischen Hamburg und Tanga und Daressalam.
Von letzterem Platz aus fahren Küstendampfer dieser Linie, in der Regel mit
direktem Anschluß an die Hauptdampfer, nach Bagamojo, Kilwa, Lindi und
Mikindani. Ferner verkehren Dampfer der Ostafrika-Linie regelmäßig zwischen den Häfen des Schutzgebiets
und Sansibar und Bombay. - Von geringerer Bedeutung sind die die
Schutzgebietshäfen vereinzelt anlaufenden Dampfer der British India Steamship
Navigation Co. und anderer Gesellschaften. - Zur Erzielung einer regelmäßigen
Verbindung der einzelnen Küstenplätze untereinander fahren zurzeit auch noch die
Gouvernementsdampfer "Kaiser Wilhelm II.",
"Rovuma", und "Rufiji" und aushilfsweise die Zollkreuzer "Kingani" und "Wami" in
jedem Monat nach einem festen Fahrplan eine Nord- und eine Südfahrt längs der
Küste. - Außer mit diesen Dampfern und den gelegentlich verkehrenden
europäischen Segelschiffen besteht an der Küste und mit Sansibar und Indien ein
ziemlich bedeutender Verkehr mit einheimischen Segelschiffen (Dhaus). Der
Dhauverkehr ist jedoch gegen früher zurückgegangen, weil die pünktlichen und
sicheren Dampferverbindungen trotz der höheren Kosten dem Transport mit
einheimischen Segelschiffen immer mehr vorgezogen werden. - Zur Sicherung der Schiffahrt ist die infolge ihrer Riffe und Sandbänke gefährliche Küste des
Schutzgebiets mit Bojen und Leuchttürmen versehen.
Ausgebaute gute Häfen mit Ladevorrichtungen haben nur die Städte Daressalam und
Tanga. - Von den Binnenseen im Westen des Schutzgebiets ist der Victoria-Njansa
für den Verkehr bis jetzt noch der wichtigste, da dieser jetzt durch die
Ugandabahn mit der Küste verbunden ist. Der Dampferverkehr auf diesem See wird
in der Hauptsache durch vier große Dampfer der englischen Ugandabahn besorgt.
Die Verbindung zwischen den einzelnen deutschen Küstenplätzen stellen ferner der
Dampfer "Heinrich Otto" und die beiden Pinassen "Albert Schwarz" und "Schwaben"
der Deutschen Njansa-Schiffahrtsgesellschaft her. Daneben befahren eine Anzahl
von Dhaus und eine große Menge von Eingeborenenkanus den See. Auf dem
Tanganjikasee verkehrt der Gouvernementsdampfer "Hedwig von Wissmann" und der
belgische Dampfer "Alexandre Beiomune". Die Einrichtung eines größeren
Dampferverkehrs wird nach Vollendung der bei Udjidji endenden Zentralbahn
seitens der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft erfolgen. Den Lokalverkehr
vermitteln größere und kleinere Dhaus und seetüchtige Einbäume, welche auch als
Segelboote benutzt werden. Auf dem Njassasee befindet sich neben mehreren Dhaus
seit Anfang der 90er Jahre der deutsche Dampfer "Hermann von Wissmann", welcher
in regelmäßigen Rundfahrten sämtliche Küstenplätze anläuft. Ferner verkehren auf
dem See der kleine Dampfer "Paulus" der Berliner
Missionsgesellschaft, sowie fünf größere englische Dampfer. Letztere
besuchen zum Teil auch die deutschen Häfen. - Die Flußschiffahrt ist in D.-O. nur von
geringer Bedeutung, da die Flußläufe wegen des stufenweisen Abfallens des Landes
vom Innern zur Küste durch zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen
unterbrochen werden. Dazu kommen zahlreiche Sandbänke sowie ein fortwährender
und unregelmäßiger Wechsel im Wasserstand. Daher können auf den Flüssen des
Schutzgebiets fast ausschließlich kleine Eingeborenenboote, welche streckenweise
über Land getragen werden können, verkehren. Nur auf dem Unterlaufe des Rufiji
fährt als größeres Schiff der Heckraddampfer "Tomondo", welcher mit zwei
Leichtern regelmäßig monatlich zweimal die ca. 200 km lange Fahrt bis etwa zu
den Panganischnellen macht. - Seit dem
1. April 1891 ist D.-O. an den Weltpostverein angeschlossen. Das Postwesen des
Schutzgebiets ressortiert von dem Reichspostamt. Das Hauptpostamt befindet sich
in Daressalam. Ihm sind unterstellt das Postamt in Tanga und eine stetig
steigende Anzahl von Postagenturen, welche zum Teil von Fachleuten, zum Teil von
Angehörigen des Gouvernements, der Schutztruppe oder der Eisenbahnen im Nebenamt
verwaltet werden. - Die Postverbindung des Schutzgebiets mit Europa usw. wird
hergestellt durch die Deutsche Ostafrika-Linie (s. oben), ferner durch die
monatlich einmal Sansibar anlaufenden Dampfer der Messageries Maritimes und die
Sansibar berührenden englischen Postdampfer. Die Verbindung der
Küstenpostanstalten untereinander und mit Sansibar besorgen die
Gouvernementsdampfer und die Küsten und Bombaydampfer der Deutschen Ostafrika-
Linie. Daneben sind die wichtigeren Küstenplätze durch Botenposten verbunden. Nach dem Innern zu
erfolgt die Postbeförderung auf den beiden Bahnen, von da aus entspringen
Botenposten nach den abseits gelegenen Agenturen. Die Postsachen für Schirati,
Bukoba und Ruanda werden im allgemeinen von Mombassa aus mit der Ugandabahn
befördert. - Zur Wahrnehmung des Telegraphendienstes sind folgende
Telegraphenlinien im Schutzgebiet gebaut worden: Tanga-Mikindani; Tanga-Aruscha;
Daressalam-Kilossa-Tabora-Muansa; Kilossa-Iringa. Die Telegraphenleitungen
dieser Linien werden auch zur Abwicklung eines regen Fernsprechverkehrs benutzt.
Daneben sind zurzeit 14 Ortsfernsprechnetze vorhanden. Bismarckburg und Udjidji haben eine von
Kapstadt ausgehende und bei Udjidji endende Telegraphenlinie. Durch das in
Bagamojo und Daressalam einlaufende Kabel der
Eastern and South African Telegraph Co. ist das Schutzgebiet über Sansibar an
das Welttelegraphennetz angeschlossen. - Seit dem 20. März 1911 sind in Bukoba
und Muansa Funkentelegraphenstationen in Betrieb. Eine weitere ist neuerdings in
Daressalam errichtet worden. (S. a. Post- und Telegraphenwesen und Funkentelegraphie.)
14. Geld- und Bankwesen. Seit Ende des 18. Jahrhunderts war in
dem
ostafrikanischen Schutzgebiet der Maria-Theresien-Taler
das vorherrschende Umlaufsmittel neben holländischen und portugiesischen
Dukaten, spanischen Dublonen, nordamerikanischen Golddollars usw. Alle
diese Münzen wurden jedoch seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrh.
infolge
der stetig sich reger gestaltenden Handelsbeziehungen mit Indien mehr
und mehr durch Silber- und Kupfermünzen indischer Prägung verdrängt, so
daß in den 80er Jahren, zur Zeit der Übernahme des heutigen
Schutzgebiets
durch die Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft, die indische Rupie das
unbedingt vorherrschende Umlaufsmittel war. An diesem Zustand wurde in
den ersten Jahren nach der Übernahme der Schutzherrschaft nichts
geändert.
Erst Anfang des Jahres 1890 wurde der Deutsch-Ostafrikanischen
Gesellschaft
auf ihren Antrag vom Reichskanzler die Erlaubnis erteilt, eigene
Silberrupien und Kupferpesa auszuprägen. - Die im Jahre 1898 zu Ende
geführte
indische Währungsreform hatte zur Folge, daß nunmehr auch an eine
Regelung
des Geldwesens in D.-O. gedacht werden mußte. Nachdem das Reich das
Prägerecht
wieder an sich gebracht hatte, wurde die Reform im Jahre 1904 in der
Weise
durchgeführt, daß an Stelle der indischen und der Gesellschaftsrupie
eine
für Rechnung des Schutzgebiets geprägte neue Rupie trat, welche, statt
wie bisher in 64 Pesa, jetzt in 100 Heller
eingeteilt wurde. Das Wertverhältnis wurde festgesetzt auf 20 M = 15
Rupien
oder 1 Rupie = 11/3 M. - Gesetzliches Zahlungsmittel in D.-O. ist
seitdem
die Silberrupie des Schutzgebiets; daneben ist die Gesellschaftsrupie
bis zu ihrer Außerkurssetzung als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen
worden. Kupfer- und Nickelmünzen brauchen nur bis zum Betrage von 2
Rupien
in Zahlung genommen zu werden. Gegenwärtig sind in D.-O. im Umlauf: an
Silbermünzen: 2-,1-,1/2- und 1/4- Rupiestücke; an Nickelmünzen: 10- und
5-Hellerstücke; an Kupfermünzen: 5-, 1-, 1/2-Hellerstücke. - Um den
Geldumlauf
und die Zahlungsausgleichungen im Schutzgebiet sowie den Geldverkehr des
Schutzgebiets mit Deutschland und dem Ausland zu regeln und zu
erleichtern,
ist am 6. Jan. 1905 nach dem Vorbilde der Reichsbank die Deutsch-
Ostafrikanische Bank mit dem Rechte der Notenausgabe gegründet
worden.
Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung
in Daressalam. Das Grundkapital beträgt 2 Mill. M. Es ist voll
eingezahlt.
Die Organe der Gesellschaft sind Vorstand, Verwaltungsrat und
Hauptversammlung.
Die Deutsch- Ostafrikanische Bank hat das Recht, Noten von 5, 10, 20,
50, 100 oder ein Vielfaches von 100 Rupien bis zum dreifachen Betrage
des eingezahlten Grundkapitals auszugeben. Sie ist verpflichtet, in Ostafrika ihre Noten gegen Silberrupie einzulösen
und zu ihrem vollen Nennwert in Zahlung zu nehmen. Der Fiskus des Schutzgebiets ist an dem Gewinn der Bank
beteiligt. Die Aufsicht über die Gesellschaft übt der Reichskanzler und
über den Geschäftsbetrieb im Schutzgebiet außerdem noch ein vom Gouverneur ernannter Kommissar aus. Gegenwärtig
sind an Banknoten im Umlauf solche zu
5, 10, 50, 100 und 500 Rupien. Seit 1911 ist die "Handelsbank für Ostafrika" im
Schutzgebiet tätig, mit dem Zweck, Bankgeschäfte jeglicher Art zu
betreiben,
insbesondere den Geld- und Kreditverkehr in Handel, Gewerbe, Industrie
und Landwirtschaft D.-O.s und der benachbarten und Hinterlandsgebiete
zu fördern. Sie hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in
Tanga. Ihr Arbeitsfeld umschließt hauptsächlich das Hinterland von Tanga
und Pangani sowie das Kilimandscharogebiet. Organe der Bank sind
Vorstand,
Verwaltungsrat und Hauptversammlung. Auf das Grundkapital von 3 Mill.
M sind 50 % eingezahlt. Die Aufsicht über die als Kolonialgesellschaft gegründete Bank
wird vom Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) geführt. Um der weißen und
farbigen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse sicher und zinsbringend anzulegen,
ist im Jahre 1901 die Bezirkssparkasse in Daressalam als selbständiges
Kommunalinstitut unter Garantie des Kommunalverbandes Daressalam
gegründet
worden. Sie wird von einem Kuratorium, bestehend aus dem jeweiligen
Bezirksamtmann
von Daressalam und zwei weißen Beisitzern, verwaltet und vom Gouverneur
beaufsichtigt. Der Geschäftsbetrieb ist dem der heimischen Sparkassen nachgebildet. - Zwecks Gründung einer
Genossenschaftsbank für D.-O. schweben gegenwärtig Verhandlungen, welche
hauptsächlich von den wirtschaftlichen Verbänden der Nordbezirke des
Schutzgebiets
betrieben werden. (S.a. Geld
und Geldwirtschaft.)
15. Verwaltung und Rechtspflege. Die
gesamte Verwaltung des Schutzgebiets untersteht einem vom Kaiser zu ernennenden
Gouverneur, dieser übt auch die oberste militärische Gewalt im Schutzgebiet aus.
(Über Rang usw. s. Gouverneur.) Für die Zentralverwaltung des Schutzgebiets
stehen dem Gouverneur ein Erster Referent und eine Anzahl von Referenten zur Verfügung. Dem Ersten Referenten
sind sämtliche von den Referenten bearbeiteten Verwaltungssachen, ehe sie an den
Gouverneur gehen, vorzulegen. In Behinderungsfällen ist er in der Regel der
Vertreter des Gouverneurs. Ihm unterstehen die einzelnen Referenten. Besondere
Referenten gibt es für allgemeine und spezielle Verwaltungsangelegenheiten, für
die Personalien, für die Justizverwaltung, für die
Finanzverwaltung, für Handels-, Verkehrs- und Zollwesen, für das Medizinal- und
Veterinärwesen, für Landwirtschaft und Viehzucht, für Hoch-, Wasser- und
Straßenbauten, für Forstverwaltung und Jagdangelegenheiten, für das Bergwesen,
für die Polizeitruppe, für die Verwaltungsangelegenheiten der Schutztruppe, für
Eisenbahnbau- und Betriebsangelegenheiten, für Meteorologische Beobachtungen
u. dgl. Als beratendes Organ steht dem Gouverneur der Gouvernementsrat zur
Seite. Dieser besteht aus dem Gouverneur, aus 3 amtlichen und früher 5 jetzt 12
außeramtlichen Mitgliedern. Letztere werden aus den in 3 Wahlbezirken mit den
meisten Stimmen gewählten 30 Personen vom Gouverneur auf die Dauer von 2 Jahren
berufen. Der Gouvernementsrat hat vor allem die Vorschläge für den jährlichen Haushaltsetat und die Entwürfe der nicht nur
örtlichen Verordnungen des Gouverneurs zu
begutachten. - Zum Zwecke der allgemeinen Verwaltung ist das Schutzgebiet in
einzelne Verwaltungsbezirke eingeteilt, von denen zum Teil sog. Bezirksnebenstellen abgezweigt sind,
welche zwar dem Leiter des betreffenden Hauptbezirks unterstehen, in mancher
Beziehung aber eine gewisse Selbständigkeit besitzen. An der Spitze der Bezirke
stehen als oberste Verwaltungsorgane Bezirksamtmänner, in zwei Bezirken, Baga mojo und Ssongea, Stationsleiter I. Klasse, in zwei anderen
Bezirken vorläufig noch die Führer der dort stationierten Teile der
Schutztruppe. Die Bezirksämter sind außer
mit dem Bezirksamtmann regelmäßig noch
mit einem Sekretär, einem Polizeiwachtmeister
und einem Kanzlisten besetzt. Den größeren Bezirksämtern sind sog. Adjunkten zur
Hilfeleistung und gleichzeitig zur Ausbildung für den höheren Verwaltungsdienst
zugeteilt. Die Bezirksnebenstellen haben eine regelmäßige Besetzung von einem
Sekretär- und einem Polizeiwachtmeister. Außerdem gibt es sog. Polizeiposten,
die nur mit einem Außenbeamten - einem Polizeiwachtmeister oder älteren
Kanzlisten - besetzt sind, und Militärposten, die von einem jüngeren Offizier
der Schutztruppe im Nebenamte verwaltet werden. In jedem Bezirk mit mindestens
30 männlichen deutschen Reichsangehörigen im Alter von mindestens 25 Jahren
besteht ein Bezirksrat, welcher über Angelegenheiten der örtlichen Verwaltung
des Bezirks zu beraten hat. In den übrigen Bezirken ist die Einrichtung des
Bezirksrats fakultativ. Der Bezirksrat besteht aus dem Bezirksamtmann, einem vom
Gouverneur ernannten und 3 gewählten Mitgliedern. - Zurzeit gibt es folgende
Verwaltungsbezirke: 1. Tanga, 2. Pangani mit der Bezirksnebenstelle Handeni, 3. Bagamojo mit der Bezirksnebenstelle Sadani, 4.
Daressalam mit dem Polizeiposten Kissangire, 5. Rufiji mit dem Sitz in Utete, 6.
Kilwa mit den Bezirksnebenstellen Kilindoni,
Kibata und Liwale,
7. Lindi mit den Bezirksnebenstellen Mikindani, Newala und Tunduru,
8. Langenburg mit den Bezirksnebenstellen Itaka und Mwakete und dem Polizeiposten Muaja, 9. Wilhelmstal, 10. Morogoro mit den
Bezirksnebenstellen Kilossa und Kissaki, 11.
Ssongea mit der Bezirksnebenstelle Wiedhafen,
12. Moschi, 13. Aruscha mit der Bezirksnebenstelle Umbulu, 14. Kondoa-Irangi mit der Bezirksnebenstelle Mkalama, 15. Dodoma mit dem Polizeiposten Mpapua und dem Offiziersposten Singidda, 16. Muansa mit der Bezirksnebenstelle Schirati und dem
Militärposten Ikoma, 17. Tabora mit den Bezirksnebenstellen Schinjanga und Uschirombo, 18. Udjidji mit dem Militärposten Kassulo, 19. Bismarckburg. - Die beiden
Verwaltungsbezirke, welche vorläufig noch von den Führern der dort stationierten
Schutztruppenteile verwaltet werden, sind Iringa mit dem Militärposten Ubena und Mahenge. - Im Nordwesten des Schutzgebiets,
zwischen dem Tanganjika-, Kiwu- und Victoriasee, wo sich organisierte
Eingeborenenstaaten mit einflußreichen Sultanen finden, sind 3 Residenturen
eingerichtet worden. Aufgabe der Residenten
ist es, durch ihren persönlichen Einfluß die deutschen Interessen bei den
dortigen Sultanen wahrzunehmen, letztere zu beaufsichtigen und zu beraten, ohne
sich selbst in der Verwaltung des Landes zu betätigen. Residenten gibt es in
Bukoba, im Sultanat Ruanda mit dem Sitz in Kigali
und im Sultanat Urundi mit dem Sitz in Gitega.
Zur Residentur Bukoba gehören die
Militärposten Ussuwi und Kifumbiro, zu Ruanda
der Militärposten Mruhengeri und zu Urundi
die Nebenstelle Usumbura. - Selbständige
kommunale Verbände bilden die Stadtgemeinden Daressalam und Tanga unter
einem städtischen Rat. Dieser besteht aus dem Bezirksamtmann des betreffenden
Bezirks und 4 Mitgliedern, von denen 3 von den Gemeindeangehörigen gewählt und
einer vom Gouverneur ernannt werden. - Zur Überwachung der praktischen
Durchführung der Anwerbung der farbigen Arbeiter und der
gesundheitspolizeilichen Auflagen der Arbeitgeber, zur Schlichtung von
Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitern usw. sind im Schutzgebiet
besondere Beamte - Distriktskommissare -
angestellt, welche hauptsächlich auf Reisen innerhalb ihrer Distrikte darauf hinwirken, daß sowohl die
Arbeitgeber wie die Arbeiter die ihnen obliegenden Verpflichtungen erfüllen. Distriktskommissare sind zurzeit tätig
in den Bezirken Tanga, Pangani, Wilhelmstal,
an der Zentralbahn und abwechselnd in den Bezirken Rufiji und Lindi. - Für das
landwirtschaftliche Versuchswesen ist in erster Linie das biologisch-
landwirtschaftliche Institut Amani (Ost-Usambara) von Bedeutung. Amani ist als
naturwissenschaftliches Institut mit botanischem, chemischem und zoologischem
Laboratorium im Jahre 1902 begründet worden. Es hat Versuchsgärten und Plantagen in Amani und
im Sigital. Aufgaben des Instituts sind die Einführung und Anzucht
fremdländischer tropischer Nutzpflanzen, wissenschaftliche Untersuchungen und
Versuche im Interesse der ostafrikanischen Plantagenkulturen, Studium der
Pflanzenschädlinge und -krankheiten, Düngungsversuche, Bodenanalysen,
Untersuchungen technisch verwertbarer Landesprodukte und Abhaltung von Kursen
für Pflanzer. Das Institut ist besetzt mit einem Direktor (Professor
Zimmermann), 4 wissenschaftlichen Beamten und den erforderlichen Hilfskräften. -
In Kibongoto am Kilimandscharo besteht
seit 1911 eine landwirtschaftliche Versuchsstation für Ackerbau und Viehzucht
unter einem landwirtschaftlichen Sachverständigen; ihm stehen ein
wissenschaftlich vorgebildeter Assistent und ein landwirtschaftlicher Gehilfe
zur Seite. - Spezialversuchsstationen für Baumwollbau sind in Mpanganya (Bezirk
Rufiji), Myombo (Bezirk Morogoro), in Matuira (Bezirk Lindi) und im Bezirk
Tabora vorhanden, an denen je ein landwirtschaftlicher Sachverständiger und ein
Assistent beschäftigt sind. Mit der Station Mpanganya ist eine Baumwollschule
für Eingeborene verbunden. - Die Errichtung von weiteren
Baumwollversuchsstationen steht bevor. In Morogoro ist zur Förderung des
Obstbaus eine Fruchtkulturstation gegründet worden, die den Bedarf der Pflanzer
und der Eingeborenen an Zuchtmaterial von Obst- und sonstigen Früchten decken
und die Eignung ausländischer Sorten für den Anbau im Schutzgebiet erproben
soll. Außerdem sind den Bezirken Bagamojo, Kilwa,
Lindi, Morogoro, Muansa, Bakoba und Tabora landwirtschaftliche Assistenten als
Bezirkslandwirte zur Beratung und
Unterstützung in landwirtschaftlichen Fragen zugewiesen; sie sind zugleich auch
als Wanderlehrer unter den Eingeborenen
tätig. - In allen Fragen der Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse der
Europäer und Eingeborenen werden die örtlichen Verwaltungsbehörden von
Regierungsärzten, bei der Tierseuchenbekämpfung, der Tierzucht und der Fleischbeschau von Regierungstierärzten
unterstützt. In größeren Orten bestehen Gesundheitskommissionen zwecks
Überwachung und Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege. Sie setzen sich
zusammen aus dem Vorsteher der öffentlichen Verwaltungsbehörde als Vorsitzenden,
dem Stationsarzte und aus europäischen Privatpersonen als ehrenamtlichen
Mitgliedern; dazu treten in Daressalem ein Mitglied des Instituts für
Seuchenbekämpfung und außerdem an Orten, wo ein städtischer Rat oder eine
Baubehörde bestehen, je ein Vertreter dieser Behörde. - Zu Zwecken der Farm- und
Grundstücksvermessung sind ihnen Vermessungsämter bzw. einzelne
Vermessungsbeamte zugeteilt. Die Landesaufnahme wird von besonderen
Vermessungstrupps vorgenommen. - Die Zollverwaltung des Schutzgebiets wird unter
der Oberaufsicht des Gouvernements von der unter Leitung eines Zolldirektors
stehenden Zollinspektion geführt. Hauptzollämter sind vorhanden in
Daressalam, Bagamojo, Tanga, Lindi und Muansa; Nebenzollämter in Pangani, Kilwa,
Sadani, Mikindani, Salale, Kilindoni und Kionga. Zollstationen, deren Geschäfte durch die
örtlichen Verwaltungsbehörden wahrgenommen werden, bestehen in allen an den
Grenzen des Schutzgebiets belegenen Bezirken, sofern dort keine besonderen
Zollämter eingerichtet sind. Nach der Zollverordnung vom 13. Juni 1903 besteht
im allgemeinen für die Einfuhr ein Wertzoll von 10 %; für Branntwein, Wein, Bier, Tabak und einige andere
Gegenstände ist ein besonderer Tarif aufgestellt, wogegen wieder andere, wie
Maschinen, Instrumente, Bücher u. dgl. vom Einfuhrzoll befreit sind. Ausfuhrzoll
wird nach einem Tarif nur für gewisse Güter erhoben; die Erzeugnisse der
einheimischen Plantagen- und Landwirtschaft sind meist zollfrei. - Die
Forstverwaltung üben in drei Forstverwaltungsbezirken (Wilhelmstal, Morogoro,
Rufiji) 5 höhere Forstbeamte und 16 deutsche Förster und Forstassistenten aus.
Über die Gouvernementsflottille s. Verkehrswesen. - Der Zivilverwaltung steht eine nach dem Muster
der Schutztruppe organisierte farbige Polizeitruppe in Stärke von etwa 1800
Mann, einschließlich Chargen, zur Verfügung. Diese steht unter dem Kommando
eines Polizeiinspektors und mehrerer Inspektionsoffiziere. Zum Zwecke der
Ausbildung der Polizeimannschaften und der Verwaltung der Kammer- und
Munitionsbestände besteht in Daressalam das Polizeidepot. Den einzelnen
Verwaltungsbehörden sind Polizeiabteilungen von verschiedener Stärke mit je
einem oder mehreren Polizeiwachtmeistern zugewiesen. Daneben haben sie für
Zwecke des örtlichen Polizeidienstes vielfach noch besondere Polizisten
(Walisoldaten, Knüppelaskari u. dgl. genannt). - Die Rechtsprechung über
Nichteingeborene des Schutzgebiets (Weiße und die diesen Gleichgestellten, wie
Japaner, Parsen, christliche Syrer, Goanesen usw.) wird von den Bezirksrichtern
bzw. Bezirksgerichten in Daressalam, Tanga, Muansa, Moschi und Tabora ausgeübt.
Berufungs- und Beschwerdeinstanz gegen die Entscheidungen des Bezirksrichters
und -gerichts ist der Oberrichter bzw. das
Obergericht in Daressalam. Die Rechtsprechung über die Eingeborenen des
Schutzgebiets und die ihnen gleichgestellten Angehörigen fremder, farbiger Stämme steht den örtlichen Verwaltungsbehörden zu.
Die Gerichtsbarkeit zweiter Instanz
steht dem Gouverneur zu und wird in seinem Auftrage von dem Oberrichter
wahrgenommen. - An der Spitze des Medizinalwesens steht ein Medizinalreferent des Gouvernements. Ihm
unterstehen die Regierungs- und Stationsärzte in den einzelnen Bezirken. Größere
Krankenhäuser für Europäer sowie für Eingeborene befinden sich in Daressalam und
Tanga. - Die Finanzen des Schutzgebiets sind
gegründet auf die bereits oben erwähnten Zölle sowie auf Steuern. Von solchen bestehen in der Hauptsache die
Kopfsteuer für alle Farbigen in Höhe von 1
bis 3 Rp. und die Gewerbesteuer. Daneben werden noch erhoben Steuern auf die Nachlässe Farbiger, für den Ausschank
einheimischer geistiger Getränke, Spielkartenstempel, Salzverbrauchsabgabe und
Marktgebühren. Mittels dieser Einnahmen deckt das Schutzgebiet seine Ausgaben für die Zivilverwaltung. Für die Kosten
des militärischen Schutzes zahlt das Reich dem Schutzgebiet einen Zuschuß von
etwa 3 1/2 Millionen Mark. - Die Schutztruppe zählt etwa 2500 farbige Soldaten unter europäischen Offizieren und
Unteroffizieren. Sie ist in 14 Kompagnien, ein Rekrutendepot und eine
Signalabteilung gegliedert. Das Kommando der Schutztruppe befindet sich in
Daressalam.
16. Kirchen-, Missions- und Schulwesen (s. Tafel 128, 129, 133, 134, 138).
Die kirchliche Fürsorge für die katholische weiße Bevölkerung D.-O.s wird von
den Missionen ausgeübt. - Einer besonderen Organisation dafür bedarf es nicht,
da die Missionsveranstaltungen der katholischen Kirche unter kirchlicher Leitung
stehen und zugleich Europäern und Eingeborenen des Missionsgebietes dienen. -
Dagegen ist auf evangelischer Seite die kirchliche Fürsorge für die weiße
Bevölkerung von der Mission getrennt. Es
bestehen gegenwärtig selbständige evangelische Kirchengemeinden in Daressalam, Tanga und
in Leganga (Leudorf). Die letztere hat sich der sächsischen Landeskirche angeschlossen. Die Gemeinde
Daressalam, im Jahre 1887 von der Berliner Missionsgesellschaft gegründet, ist
bereits 1891 an die Evangelische
Landeskirche der älteren preußischen Provinzen angeschlossen worden. Sie
besitzt seit 1902 ein eigenes Gotteshaus. Die im Jahre 1909 gegründete Gemeinde
Tanga ist gleichfalls an die altpreußische evangelische Landeskirche
angegliedert worden. Die finanziellen Bedürfnisse dieser Gemeinden werden durch
Freiwillige Beiträge aufgebracht. Die
Erhebung von Kirchensteuern findet nicht statt, da den Gemeinden die Rechte
öffentlich-rechtlicher Korporationen nicht
zustehen. An anderen Plätzen, wo infolge der geringen Anzahl der evangelischen
Europäer die Errichtung besonderer Gemeinden noch nicht stattgefunden hat,
wirken vielfach Missionare im Nebenamt als Seelsorger. - Die Tätigkeit
christlicher Missionsgesellschaften im deutsch-
ostafrikanischen Schutzgebiet hat verhältnismäßig spät begonnen. Erst in den
sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ließen sich englische und französische
Missionsgesellschaften im Schutzgebiet nieder, erst nach der Besitzergreifung
durch das Reich folgten ihnen deutsche Gesellschaften. Die Missionstätigkeit im
Schutzgebiet wird durch den Islam (s. d.), der
dort schon seit dem 8. und 9. Jahrh. durch die Araber verbreitet ist, erschwert.
Wenn trotzdem die Missionen erfreuliche Fortschritte machen, so ist dies neben
der bekehrenden nicht zum geringsten Teil der praktischen Tätigkeit der
Missionsgesellschaften zu verdanken. In dieser Beziehung sind in erster Linie
die Missionsschulen zu nennen (s. u.). Ferner bemühen sich die Missionen, die
Eingeborenen wirtschaftlich zu fördern, indem sie sie auf den Missionsstationen
planmäßig anleiten, ihr Ackerland rationell zu bewirtschaften, europäische Kulturpflanzen (Kartoffeln, Weizen usw.)
anzubauen und Handwerke aller Art zu erlernen.
Zur Förderung des leiblichen Wohles der Eingeborenen haben die Missionen Hospitäler, Apotheken, Waisen- und Irrenhäuser
eingerichtet, Ärzte angestellt und ihren Missionaren eine ärztliche Ausbildung
zuteil werden lassen; hierdurch werden die Bestrebungen der Regierung zur
Bekämpfung von Seuchen, Säuglingssterblichkeit usw.
wesentlich unterstützt. Ferner sind die Missionsschwestern vielfach als
Krankenpflegerinnen und Hebammen ausgebildet.
Die territoriale Ausbreitung der Mission erstreckt sich auf das ganze
Schutzgebiet. Besonders stark sind aber die Küstenländer, das Kilimandscharo-
und das Seengebiet besetzt. In den Ländern
des Tanganjika- und Victoriasees überwiegt im allgemeinen das katholische, in
den Bezirken Tanga, Pangani und Wilhelmstal sowie in der Umgegend des Njassasees
das evangelische Bekenntnis. Um konfessionelle Streitigkeiten und
Beeinträchtigungen der Missionstätigkeit durch das Nebeneinanderwirken beider
Konfessionen zu vermeiden, pflegen sich die einzelnen Missionsgesellschaften im
allgemeinen vor der Niederlassung mit der Verwaltung des Schutzgebiets ins
Einvernehmen zu setzen. Im einzelnen missionieren auf evangelischer Seite
folgende Missionsgesellschaften: Die Berliner Missionsgesellschaft, die
Herrenhuter Brüdergemeine, die Evangelische Missionsgesellschaft für
Deutsch-Ostafrika, die englische Church Missionary Society, die
Leipziger Evangelisch-Lutherische Missionsgesellschaft, die englische Universitätenmission (Universities
Mission), die Adventisten vom siebenten
Tage, die Missionsgesellschaft von Neukirchen, die amerikanische Afrika-Inland-
Mission. S. Mission, evangelische und die einzelnen Missionsgesellschaften. -
Die Katholische Mission in D.-O.
gliedert sich in die apostolischen Vikariate
Bagamojo, Daressalam, Süd-Njansa, Kivu, Unjanjembe, Tanganjika und Kilimandscharo, an
deren Spitze je ein Bischof steht. In den Vikariaten Bagamojo und
Kilimandscharo, das nördliche Küstengebiet bis zum Kilimandscharo umfassend,
wirken die Väter vom heiligen Geist. Den ganzen Süden der Kolonie, von Daressalam bis zum Rovuma und Njassa,
nahm bis 1913 das Vikariat Daressalam ein. (Nach Dekret der Propaganda vom Nov. 1913 ist der südliche Teil
von D.-O. abgetrennt und eine eigene apostolische Präfektur mit dem Sitz in
Lindi, gleichfalls den Benediktinern zugehörig, errichtet worden.) Hier arbeitet
seit 1888 die deutsche Kongregation der Benediktiner von St. Ottilien am Lech, unterstützt von den
Benediktus-Missionsschwestern. Das ganze übrige Schutzgebiet wird von den
Vikariaten Süd-Njansa, Kiwu, Unjanjembe und
Tanganjika eingenommen. Diese sind den Angehörigen der 1868 in Algier
gegründeten Société des missionaires de Notre-Dame des missions d'Afrique et
d'Algérie, nach ihrer Kleidung allgemein Weiße Väter genannt, überwiesen. Zusammen
mit ihnen wirkt die Kongregation der Weißen Schwestern. Siehe Mission, katholische und die
einzelnen apostolischen Vikariate und Missionsgesellschaften. Wie vorstehend
bereits erwähnt, spielt sich in den mit den Missionsstationen verbundenen
Missionsschulen ein wichtiges Stück missionarischer Tätigkeit ab. Da die
Missionen ihre Schulen in erster Linie zu dem
Zweck anlegen, um durch Erziehung und Erteilung von Religionsunterricht an die
jungen Schüler und Schülerinnen das Bekehrungswerk vorzubereiten, sind die
Missionsschulen fast ausschließlich für Eingeborene bestimmt. Lehrgegenstand ist
in den meisten Missionsschulen außer Religion: Lesen, Schreiben, Rechnen,
Singen, Kisuaheli und, in den höheren Klassen, Deutsch. Um den Eifer im
Unterricht des Deutschen anzuregen, werden von der Regierung für gute Leistungen
Prämien verteilt. Mit den Missionsschulen sind
meist Handwerkerschulen verbunden, in
welchen die jungen Eingeborenen als Tischler, Schneider, Schmiede, Schlosser, Ziegelmacher usw.
ausgebildet werden; auch sind zur Unterweisung der Schüler im Ackerbau
Versuchsfelder angelegt worden. Die Mädchen werden in der Ausübung häuslicher
Arbeiten unterrichtet. Zur Ausbildung von Hilfskräften haben die einzelnen
Missionsgesellschaften Seminare eingerichtet. Die besseren Schüler finden im
Regierungsdienst vielfach als Schreiber, Zollbeamte, Akiden u. dgl. Anstellung. Den ca. 800
Missionsschulen für Eingeborene stehen nur 6 Missionsschulen für Europäerkinder
zu Leganga, Gare, Tandala, Hohenfriedeberg und Daressalam gegenüber.
Die Karlsschule zu Tandala, Bezirk Langenburg, ist von der Berliner
Missionsgesellschaft gegründet worden, um die Kinder der Missionare so weit vorzubilden, daß sie in die
höheren Lehranstalten der Heimat eintreten können. Dem Unterricht der Knaben
liegt der Gymnasiallehrplan, dem der Mädchen der Lehrplan der höheren Mädchenschulen zugrunde. Die
Schutzgebietsverwaltung wendet dieser Schule ihr besonderes Interesse zu, da sie
der erste Anfang einer höheren Lehranstalt des Schutzgebiets ist und auch Kinder
von weißen Ansiedlern aufnimmt. - In Hohenfriedeberg (West-Usambara) besteht
seit 1908 eine Schule für deutsche Ansiedlerkinder der Evangelischen
Missionsgesellschaft für Deutsch-Ostafrika. Eine weitere Europäerschule
unterhält die katholische Mission in Gare im Bezirk Wilhemstal. - In der
Benediktinerschule zu Daressalam werden katholische Europäerkinder von geprüften
Ordensschwestern nach dem Plane einer heimischen städtischen Elementarschule
unterrichtet. Außer den Missionsschulen gibt es eine Anzahl von Regierungsschulen in D.-O. Auch bei
diesen sind Eingeborenen- und Europäerschulen zu unterscheiden. Die
Regierungsschulen für Eingeborene zerfallen wieder in Hauptschulen und
Hinterland- oder Außenschulen. Die ersteren werden von deutschen Lehrern
geleitet. Ihr Lehrplan umfaßt etwa den Stoff einer heimischen Volksschule.
Schulsprache ist Kisuaheli. In den Hauptschulen wird außerdem Deutsch gelehrt.
Religionsunterricht wird in den Regierungsschulen nicht erteilt, doch wird den
Schülern Gelegenheit gegeben, den Religionsunterricht der an demselben Ort
befindlichen Mission beizuwohnen. Mit den Hauptschulen sind meistens Internate verbunden, in denen auswärtige Schüler
Kost, Wohnung und häufig auch Kleidung unentgeltlich finden. Gegenwärtig gibt es
unter deutscher Leitung stehende Hauptschulen in Tanga, Pangani, Daressalam, Kilwa, Lindi, Tabora,
Bukoba, Muansa und Udjidji. Von den meisten dieser Städte sind zunächst in der
nächsten Nähe, dann allmählich immer weiter im Lande in den bedeutenderen
Dörfern kleine, von befähigten Zöglingen der Hauptschulen geleitete Hinterland-
oder Außenschulen eingerichtet worden, so daß sich jetzt über einen großen Teil
des Schutzgebiets ein Netz von Regierungsschulen ausbreitet. Jährlich findet
eine Revision der Außenschulen und eine Prüfung der Schüler durch die deutschen
Lehrer der Hauptschulen statt. Die begabtesten
Schüler des Hinterlandes finden in den Internaten der Hauptschulen Aufnahme, wo
sie eine gute, gründliche Ausbildung erhalten. Dieses System hat sich bisher gut
bewährt. Die Nachfrage nach ausgebildeten Schülern der Regierungsschulen, welche
als Lehrgehilfen bei Außenschulen, als Steuerschreiber, Bureau- und
Handlungsgehilfen gutbezahlte Anstellung finden, ist stets sehr groß und
übersteigt das Angebot. Infolgedessen bricht sich bei den Eingeborenen, welche
anfangs den Regierungsschulen mißtrauisch gegenüberstanden, immer mehr die
Überzeugung von dem Werte der Schulkenntnisse Bahn. Als Beweis hierfür möge die
Tatsache dienen, daß einige Sultane in den nördlichen Landschaften des Bezirks
Tabora sich sogar eigene Schulen eingerichtet und farbige Lehrer auf eigene
Kosten angestellt haben. - Eine bedeutendere Stellung nimmt die der Hauptschule
in Tanga angegliederte sog. Oberschule ein, eine Art Lehrerseminar, welche
hauptsächlich für die Heranbildung tüchtiger eingeborener Lehrer bestimmt ist. -
Ähnlich wie den Missionsschulen sind meist auch den Regierungshauptschulen
Handwerkerschulen angegliedert, um dem Mangel an tüchtigen Handwerkern
abzuhelfen. Solche Handwerkerschulen bestehen z. Zt. in Tabora, Neulangenburg,
Pangani, Bagamojo und Udjidji. Auch Versuchsgärten sind mit den meisten Schulen
verbunden. Für Europäerkinder gibt es bis jetzt nur 3 Regierungsschulen mit
insgesamt etwa 50 Schülern. Die älteste Schule dieser Art ist die in Daressalam,
gegründet im Jahre 1907. Ihr Lehrplan umfaßt den Unterrichtsstoff einer
heimischen Volksschule. Der Religionsunterricht wird von den Geistlichen beider
Konfessionen erteilt. - Die beiden anderen Europäerschulen befinden sich im
Bezirk Moschi, und zwar in Leganga und in Oldonjo-Sambu. Erstere wird von einem
früheren Lehrer, welcher sich als Ansiedler am Meruberg niedergelassen hat, im
Nebenamt, letztere von einem Regierungslehrer geleitet. - An den
Regierungsschulen des Schutzgebiets unterrichten gegenwärtig insgesamt 16
europäische (darunter 3 Handwerkslehrer) und 159 farbige Lehrer ca. 6100
Schüler. Schließlich sind noch die Koranschulen zu erwähnen; diese werden von
eingeborenen mohammedanischen Religionslehrern geleitet, die meistens dem
Handwerkerstande angehören. Hauptunterrichtsgegenstand ist das Lernen von
Koranversen, daneben Lesen des Koran, arabische
Schrift und Rechnen. Seitdem die Eingeborenen die Vorteile der in den
Regierungsschulen gebotenen Schulbildung erkannt haben und nach der allgemeinen
Einführung der lateinischen Schriftzeichen im amtlichen Verkehr sind diese der
Propaganda für den Islam dienenden Schulen immer mehr zurückgegangen und heute
von den Regierungs- und Missionsschulen fast ganz verdrängt worden. S. a.
Schulen.
17. Geschichte. Schon in den ältesten Zeiten war die Ostküste
Afrikas den Handel treibenden Völkern bekannt. Vor ca. 3000 Jahren, zur
Zeit der Wanderungen der Banturasse, drangen Araber von
der Westküste Arabiens aus, der Ostküste folgend, gegen Süden bis zum
Sambesi und weiter bis Sofala vor. Gleichzeitig erforschten Phönizier
und Inder die afrikanische Ostküste und errichteten südlich bis
Mozambique
Handelsniederlassungen. Eine von dem
ägyptischen König Necho ausgesandte Expedition phönizischer Seefahrer
soll ungefähr 600 v. Chr. Afrika vom Roten Meer aus bis zum
Mittelländischen
Meer umschifft haben. Zu einer eigentlichen arabischen Ansiedelung kam
es aber erst im 10. Jahrh. n. Chr. Veranlaßt durch die damals in Arabien
ausgebrochenen inneren Unruhen, wanderten viele Araber an die Ostküste
Afrikas aus und gründeten hier die Städte Mukdischu, Barawa, Mombassa,
Tanga, Daressalam, Sansibar, Kilwa, Mozambique und Sofala. Gleichzeitig
mit den Arabern ließen sich mohammedanische Perser in Lamu
nieder. Nach der Entdeckung des Seewegs nach Ostindien durch Vasco da
Gama (s. Gama) suchten die Portugiesen auch
Stützpunkte
an der Ostküste Afrikas. 1506 wurde Kilwa, 1507 Mozambique und Lamu den
dortigen arabischen Herrschern entrissen. Bald darauf legten die
Portugiesen
auch in Malindi, Mombassa, Sansibar und Mukdischu feste Plätze an. Um
1520 befand sich die ganze Ostküste in ihren Händen. Mit dem Niedergang
ihrer Seemacht ging den Portugiesen der größte Teil dieser Besitzungen
wieder verloren. 1698 eroberte der Imam von
Maskat die Städte Mombassa, Sansibar und Kilwa. Nur
mit Mühe gelang es, Mozambique zu halten. Von der ganzen nördlichen
Küste
konnten die Portugiesen nur Mombassa im Jahre 1725 wieder erobern, aber
nur einige Jahre, bis 1730 halten. - Anfang des 19. Jahrhunderts wurde
die Ostküste Afrikas zwischen Kap Delgado
und Mukdischu nach vielen Kämpfen durch den Sultan
Seyid Said von Maskat
politisch geeint. Letzterer siedelte, um den häufigen
Aufstandsversuchen,
besonders Mombassas, besser entgegen treten zu können, im Jahre 1840
nach
Sansibar über. Nach seinem Tode teilten seine Söhne das Reich; Sansibar
wurde 1856 unter dem Sultan Seyid Madjid selbständig. In seinem
unbestrittenen
Besitz befand sich aber nur die Küste sowie die dieser vorgelagerten
Inseln,
während das Hinterland nur gelegentlich von Sultans-Expeditionen
durchzogen
wurde, um Tribut einzutreiben, oder um Sklaven
und Elfenbein zu erbeuten. Die Häuptlinge
des Hinterlandes erkannten die Oberherrschaft Sansibars in ihrem Gebiete
nicht an, so daß sie später darüber Verträge mit Dr. Peters (s. d.) und
seinen Gefährten abschließen konnten. - Weder Araber noch Portugiesen
hatten für die geographische Erforschung des Landes etwas getan. Diese
begann erst Mitte des 19. Jahrh. durch europäische Forscher. In den
Jahren
1848/49 entdeckten die deutschen Missionare Rebmann
(s.d.) und Krapf (s.d.) den Kilimandscharo, Meru und Kenia und
gaben den Anstoß zu den Bestrebungen, das Nilquellenproblem von Osten
aus zu lösen. 1858 entdeckten die englischen Offiziere Burton (s.d.) und Speke (s.d.) den Tanganjikasee und in demselben Jahre
Speke allein das Südufer des Victoriasees. Der schottische Missionar Livingstone (s.d.) kam auf seiner zweiten
großen
afrikanischen Reise 1859 zum Njassasee. 1866 zog er am Rovuma aufwärts
wiederum zum Njassa, entdeckte dann weiter westwärts den Bangweolosee
und das östliche Quellgebiet des Kongo.
1874 legte Stanley (s.d.) auf seiner der Erforschung der
Nilquellen
und des Kongolaufes gewidmeten Reise den Victoriasee kartographisch
fest.
1876 entdeckte er den Albert-Edward-See sowie den Kagera und umschiffte zum erstenmal den
Tanganjikasee
ganz. Von anderen Männern, welche sich zu jener Zeit um die Erforschung
Ostafrikas verdient gemacht haben, seien noch genannt: Grant, v. d. Decken, Kersten, Charles New, Cameron, Elton, Cotterill, Cambier, Böhm, Kaiser, Reichard, Thomson,
Fischer und Johnston (s. die betr. Art.). - Anfang der
achtziger
Jahre des vorigen Jahrhunderts begann die Aufteilung Afrikas durch die
europäischen Mächte. Den Anstoß zur Erwerbung Ostafrikas durch
Deutschland
gab Dr. Carl Peters. Er gründete am 28. März 1884 in Berlin die "Gesellschaft für
deutsche
Kolonisation" zu dem Zwecke, die deutsche Auswanderung in die von der Gesellschaft zu
erwerbenden Kolonien zu lenken. In aller Stille wurden Dr. Peters, Dr.
Jühlke und Graf Pfeil an die Ostküste Afrikas
gesandt;
dort schlossen sie innerhalb weniger Wochen Schutzverträge mit den Häuptlingen von
Ussagara,
Uluguru, Useguha und Ukami. Diese Verträge wurden durch den kaiserlichen
Schutzbrief vom 27. Febr. 1885 bestätigt. Der Sultan von Sansibar, Said
Bargasch, erhob zwar Ansprüche auf die dem Dr.
Peters
abgetretenen Gebiete und wollte die deutsche Schutzherrschaft auf dem
Festlande nicht anerkennen; er wurde indessen durch eine
Flottendemonstration
im August 1885 gezwungen, die Ansprüche Deutschlands einschließlich des
von den Gebrüdern Denhardt (s.d.) erworbenen Protektorats über das
Sultanat
Witu anzuerkennen. Die Gesellschaft ließ dann auch die
Landschaften Khutu, Usambara usw. besetzen
und die Landschaften südlich des Rufiji bis zum Rovuma erforschen. -
Inzwischen
war die "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" in die
Kommanditgesellschaft
"Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft Carl Peters & Genossen" und am 7. Sept. 1885 in die
unter
Aufsicht des Reichskanzlers stehende "Deutsch-Ostafrikanische
Gesellschaft"
umgewandelt worden (Näheres s. Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft).
Durch das deutsch-englische Übereinkommen vom 29. Okt. 1886 wurden die
Interessensphären beider Mächte dahin
festgelegt, daß der deutsche Besitz im Norden durch eine von der Mündung
des Umbaflusses mit Umgehung des Kilimandscharo bis zum nordöstlichen
Ufer des Victoriasees reichende Linie abgegrenzt und der Tanafluß als
nördliche Grenze der britischen Besitzungen angenommen wurde. Die
Souveränität
des Sultans von Sansibar über den ganzen Küstenstreifen von Kipini bis
zum Rovuma in einer Breite von 10 Seemeilen sowie über die Inseln
Sansibar,
Mafia und Pemba wurde dabei ausdrücklich anerkannt. - Die
Südgrenze
wurde durch den Vertrag mit Portugal vom 30. Dez. 1886 festgesetzt. Um
die Kolonie lebensfähig zu machen, mußte die Gesellschaft in irgendeiner
Form in den Besitz der Küste kommen. Nach langen Verhandlungen mit dem
Sultan von Sansibar kam schließlich am 28. April 1888 ein Vertrag
zustande,
wonach die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft die Verwaltung der Küste
zwischen dem Umba- und dem Rovumafluß und die Erhebung der Küstenzölle
im Namen des Sultans gegen eine jährliche Pachtsumme übernahm. Als
dieser
Vertrag am 15. Aug. 1888 in Kraft treten sollte, brach der Araberaufstand
(s.d.) aus, der durch Wissmann
niedergeworfen
wurde. Am 1. Juli 1890 schlossen Deutschland und England einen Vertrag,
in welchem Deutschland seine Interessensphäre nördlich vom Umbafluß,
einschließlich
des Sultanats Witu, aufgab und auf die Unabhängigkeit des Sultans von
Sansibar zugunsten Englands verzichtete, wogegen England die Insel
Helgoland
an Deutschland abtrat und die Hoheitsrechte Deutschlands über das
heutige
Schutzgebiet anerkannte. Der Sultan von Sansibar trat den ihm formell
noch gehörenden Küstenstreifen gegen Zahlung von 4000000 M an die
Deutsch-
Ostafrikanische Gesellschaft ab. Der Araberaufstand hatte gezeigt, daß
die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft sich ohne Hilfe des Reichs auf
die Dauer nicht würde behaupten können. Daher übernahm das Deutsche
Reich
am 1. Jan. 1991 die Verwaltung des Schutzgebiets gegen eine an die
Gesellschaft
zu zahlende Entschädigung von jährlich 600000 M zahlbar bis zum 31. Dez.
1935. An die Spitze des Schutzgebiets trat der bisherige Gouverneur von
Kamerun, v. Soden
(s.d.).
Als Kommissare wurden ihm beigegeben
Dr. Peters, Wissmann (s.d.) und der inzwischen mit Stanley an die Küste
zurückgekehrte Emin Pascha (s.d.).
Sitz des Gouvernements wurde Daressalam. Sämtliche Hoheitsrechte der
Deutsch-
Ostafrikanischen Gesellschaft gingen allmählich auf das Reich über.
Erstere
verwandelte sich in eine reine Erwerbsgesellschaft. Die sog. Wissmann-
Truppe
wurde durch ksl. Erl. vom 9. April 1891 in eine "Kaiserliche
Schutztruppe"
umgewandelt. - Im August 1891 fiel die v. Zelewskische Expedition auf
einem Strafzuge gegen die Wahehe in einen Hinterhalt und wurde fast
vollkommen
aufgerieben. Ähnlich erging es einer Expedition gegen die
aufrührerischen
Wadschagga am Kilimandscharo im Juni 1892. Beide Niederlagen wurden
jedoch
durch den Nachfolger v. Sodens, v. Schele
(s.d.), ausgeglichen. Er unterwarf im August 1893 die Wadschagga
vollständig
und brachte hierdurch den Norden des Schutzgebiets endgültig zur Ruhe.
Bei einer weiteren Expedition brach er im Oktober 1894 die Macht der
gefürchteten
Wahehe durch Erstürmung Kuirengas. - Der Befriedung des Schutzgebiets
folgte die Erforschung des Inneren. Während sich vor dem Jahre 1884
Angehörige
fast sämtlicher europäischer Nationen daran beteiligt hatten, nahm nach
der Besitzergreifung durch Deutschland die Forschung einen nationalen
Charakter an. 1890 zog Emin Pascha in Begleitung von Dr. Stuhlmann
(s.d.)
in das Innere und gründete die Station Tabora. Sein Begleiter, Langheld
(s.d.), legte in Bukoba und Muansa Stationen
an und unterwarf die Stämme nördlich Taboras. Das Antisklavereikomitee
brachte 3 Segelboote auf den Victoriasee und errichtete dort eine
Schiffswerft.
Wissmann gelang es nach Überwindung unendlicher Schwierigkeiten einen
nach ihm benannten Dampfer auf den Njassasee zu bringen. Er gründete die
Station Langenburg am Nordende des Sees und zog von hier nach
erfolgreichen
Kämpfen gegen die Wanika und Wawemba zum
Tanganjikasee. Graf v. Götzen (s.d.), der nachmalige Gouverneur von
Ostafrika,
durchquerte in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zum
erstenmal
Ruanda, entdeckte den Kiwusee sowie die Kirungavulkane. Eine große Reihe
von Forschungsreisenden, Offizieren und Beamten haben sich weiterhin um
die Erforschung des Landes verdient gemacht (s. die unten angeführte
Literatur,
insbesondere Hans Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. I). - Unter den
Nachfolgern des Gouverneurs Frhr. v. Schele: v. Wissmann, v. Liebert (s.d.), Graf v. Götzen, Frhr. v. Rechenberg (s.d.) und Schnee hat sich das
Schutzgebiet
in erfreulicher Weise entwickelt. Abgesehen von Unruhen geringeren
Umfangs,
wurde die stetige Entwicklung D.-O.s nur noch einmal unterbrochen. Im
Juni 1905 brach im Süden ein Aufstand aus, hervorgerufen durch
Häuptlinge
und Zauberer im Hinterlande von Kilwa, im wesentlichen aus dem Grunde,
weil sie fürchteten, unter der deutschen Herrschaft ihren bisherigen
Einfluß
und damit ihre Erwerbsquellen gänzlich zu verlieren. Er wurde indessen
nach längeren bis Anfang 1907 dauernden Kämpfen vollkommen
niedergeworfen.
S.a. Erwerbung der deutschen
Kolonien
4.
v. Spalding. Literatur: Bibliographien. Mehr oder minder
umfassende Literaturzusammenstellungen
enthalten: Bis 1891: Zeitschr. der Berl. Ges. f. Erdkunde. Seitdem:
Bibliotheca
geographica. Berl. 1895 ff. Ferner (seit 1884): Die deutsche
Kolonialliteratur,
zusammengestellt von M. Brose, seit 1907 von H. Henoch. Berl. (Süsserott).
- Ein gehr eingehendes, gut eingeteiltes Verzeichnis der landeskundlichen
Literatur über Deutsch-Ostafrika mit 500 Nummern findet sich ferner in der
besten Behandlung der Kolonie: Hans Meyer, Ostafrika, in Das Deutsche
Kolonialreich,
Bd. I. Lpz. 1909. Außerdem sei an Werken, die ganz D.-O. behandeln (hier
und im folgenden nur eine kleine Auswahl), genannt: P. Reichard, Deutsch-
Ostafrika.
Lpz. 1892. Stuhlmann, Mit Emin Pascha im Herz von Afrika. Berl. 1894. -
Peters, Das deutsch-ostafrikanische Schutzgebiet. Münch. u. Lpz. 1895. H.
Fonck, Deutsch-Ostafrika. Bln. 1910. H. Ramsay,
H. Bethe und H. Paasche, Deutsch- Ostafrika, in Die Deutschen Kolonien,
hgg. v. K. Schwabe. Berlin 1910. E. Obst,
Deutsch- Ostafrika, in Das überseeische Deutschland, Bd. II. Stuttg. 1911.
- K. Dove, Ostafrika, Slg. Göschen. Lpz. 1912. - Eine Reise
durch die deutschen Kolonien, I. Bd.: Deutsch-Ostafrika, hgg. von Kolonie
u. Heimat, 3. Aufl., Bln. 1912. - Militärisches Orientierungsheft für
Deutsch-
Ostafrika, 2. Aufl. (nur die 1. hier benutzt), Daressalam 1914. Karstedt,
Deutsch-Ostafrika und seine Nachbargebiete. Ein Handbuch für Reisende,
Bln.
1914 (hier noch nicht benutzt). Besonders geeignet zur Einführung in das
Verständnis von Land und Leuten sind an mehr unterhaltenden Werken: O.
Baumann,
Afrikanische Skizzen. Bln. 1900. - B. Kandt,
Caput Nili. 2. Aufl. Bln. 1905. - Zu 1. M. Moisel
und P. Sprigade, Karte von D.-O., 1: 300000, 29 Blt. und
6 Ansatzstücke, Bln., fortwährend ergänzt durch Neuausgabe veralteter
Blätter;
dieselben, D. -O. in 9 Blt., 1 : 1, Mill., mit besonderem
Namensverzeichnis,
in Großer Deutscher Kolonialatlas, ebenda. - Dieselben, Wandkarte von D.-
O.,
1 : 1 Mill., Bln. 1912. - M. Moisel, Karte von D.-O. (mit nutzbaren
Bodenschätzen),
1: 2 Mill., 2. Aufl. Bln. 1905. Militärische Wegekarte von Deutsch-
Ostafrika,
1: 1 Mill., Bln. 1910. Küste von Deutsch-Ostafrika, 1 : 750 000, D.
Admiral.
Karte Nr. 193. - Neuere Grenzfestsetzungen (meist Schlobach): Mitt. a. d.
Sch. 1910, 49. KolBl. 1909,
56; 1911, 613; 1912, 645 u. 1041. - Zu 2. Stromer v. Reichenbach, Die
Geol.
der Deutschen Schutzgeb., München 1896. (Mit Literaturverzeichnis.) - W.
Bornhardt, Zur Oberflächengest. und Geologie
D.-O.s, D. Reimer. Bln. 1900. - Übersichtskarte der geol. Ergebn. d.
Reisen
v. Bornhardt u. Dantz. Mitt. a. d. d. Sch. 1903. - F. Tornau, Die nutzb.
Mineralvork., insbes. die Goldlagerst. D.-O.s, Z. D. Geol. Ges. 1907. -
E. Fraas, Beob. über d. o. a. Jura. Zbl. f. Min. etc. 1908. - Ders., Geol.
Streifzüge in OA., Mitt. d. Ver. f. Erdk. zu Leipzig 1909. - J. Kuntz,
Beitr.
z. Geol. der Hochländer D.-O.s. Z. f. prakt. Geol. 1909. - C. Gagel, Geol.
Karte von D.-O., in Das D. Kol.-Reich. Bd. 1. 1909. - Ders., Die nutzbaren
Lagerstätten D.-O.s, Glückauf 45, 1909. - E. Dacqué u. E. Krenkel, Jura
u. Kreide in OA. N. Jb. für Min. etc. Beil.-Bd. 1909. - E. Krenkel, Zur
Geol. d. zentralen OA. Geol. Rundschau 1910. - B. Kohlschütter, Über d.
Bau d. Erdkruste in
D.-O. Nachr. Ges. d. Wiss. Gött. m. p. Kl. 1911. H. v. Staff, Fluviatile
Abtragungsperioden im s. D.-O. Z. D. Geol. Ges. 1912. - E. Hennig, Beitr.
z. Geol. u. Stratigr. D.-O.s, Archiv für Biontologie, III, Bln. 1913. -
F. Tornau, Zur Geol. d. mittl. und w. Teiles von D.-O. Beitr. z. geol.
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d. d. Schutzgeb. VI, 1913. - W. Koert, Ergebn.
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Erforsch. d. d. Schutzgeb. I, 1913 (mit Literaturverz. seit 1896). Zu 4.
H. Maurer, Zur Klimatol. v. D.-O. A. d. Archiv d. D.
Seew. 1901. Ders., Eine klimatol. Studie. G. Z. 1903. Ders., Meteorol.
Beob.
aus D.-O. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1903. - Derselbe, Klimakarten von D.-
O.
in Das d. Kol.-Reich. Bd. I. 1909. - P. Heidke, Meteorol. Beob. aus D.-O.
Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1906. Teil III bis VIII, ebenda 1908-1913. - E.
Kremer, Die unperiod. Schwankungen der Niederschläge u. d. Hungersnöte in
D.-O. A. d. Arch. d. D. Seew. 1910. - A. Berson, Ber. über d. aerolog.
Expedition
nach OA. i. J. 1908. Erg. d. Arb. d. pr. aeronaut. Observat. Lindenberg,
1910. G. Castens, Ergebnisse der Witterungsbeobachtungen in D.-O.,
fortlaufend
im "Pflanzer" und im Amtlichen Anzeiger, Daressalam. - Zu 6. A. Engler,
Die Pflanzenwelt Ostafrika D. Reimer, Bln.
1895. - Ders., Vegetationskarte von D.-O. Das d. Kol. Reich. Bd. L 1909.
- P. Kliem, Die Vegetationsformationen D.-O.s. Diss. Jena 1907. W. Busse,
Vegetationsbilder aus D.-O., in Karsten u. Schenk, Veg. Bilder. Fischer,
Jena 1907, 1908. - F. Stuhlmann, Beitr. zur Kulturgesch. v. OA. D. Reimer,
Bln. 1909 (auch zu 7). - F. Jaeger, Der Gegensatz
von Kulturland und Wildnis in Ostafrika, Geogr. Z. 1910. - P. Vageler, Die
Mkattaebene, Beitr. z. K. d. oa. Alluvialböden
und ihrer Vegetation, Tropenpflanzer, Beih. 1910. J. Brunntaler,
Botan. Forschungsreise nach Deutsch-Ostafrika und Südafrika, Denkschr.
Akad.
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v. Lindequist, Schr. d. Vereins f. Sozialpol. 147,1912. |