Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 407 f.

Deutsch-Ostafrikanische Bank. Die D.-O. B. wurde am 6. Jan. 1905 als Deutsche Kolonial-Gesellschaft in Berlin gegründet. Das Grundkapital, auf das 25 % bei der Errichtung der Gesellschaft eingezahlt wurden, ist auf 2 Mill. festgesetzt, eingeteilt in 4000 Anteile zu je 500 M und jetzt voll eingezahlt. Die Bank kann ihr Grundkapital bis zum Betrage von 10 Mill. erhöhen. Für eine weitere Erhöhung ist die Genehmigung des RK. erforderlich. Von dem Grundkapital haben übernommen: Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft 2800 Anteile, die Deutsche Bank und die Diskonto-Gesellschaft je 250 Anteile und eine Reihe erster deutscher Banken je 100 Anteile. Die Bank hat den Zweck, den Geldumlauf und die Zahlungsausgleichungen in Deutsch-Ostafrika, sowie den Geldverkehr dieses Schutzgebiets mit Deutschland und dem Auslande zu regeln und zu erleichtern, ferner Bankgeschäfte einschließlich der Notenausgabe nach Maßgabe der ihr erteilten Konzession zu betreiben. Sie hat ferner im Hinblick auf die in Deutsch-Ostafrika geltende deutsche Rupiewährung währungspolitische Aufgaben übernommen. Ihren Sitz und Gerichtsstand hat die Bank in Berlin, während sie in Daressalam eine Filiale unterhält. Sie ist berechtigt, überall im deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiet und mit Erlaubnis des RK. auch in anderen Ländern Zweiganstalten oder Agenturen zu errichten. Im Falle eines vorhandenen Bedürfnisses hat der RK. das Recht, Zweigniederlassungen an größeren Plätzen im Schutzgebiet anzuordnen. Die Dauer der Bank ist in der Konzession nicht beschränkt worden, der RK. hat sich aber das Recht vorbehalten, zuerst am 31. Dez. 1934, alsdann nur nach 10 zu 10 Jahren, nach vorausgegangener einjähriger Kündigung, entweder die D.-O. B. aufzuheben und deren Grundstücke in Ostafrika für den deutsch-ostafrikanischen Landesfiskus gegen Erstattung des Buchwertes oder die sämtlichen Anteile der Bank zum Nennwerte für den Landesfiskus von Deutsch-Ostafrika zu erwerben. Das Recht der Notenausgabe geht der Bank im Falle der Eröffnung des Konkurses und bei Nichterfüllung der nach der Konzession innezuhaltenden Verpflichtungen verloren. Infolge des Rechtes der Notenausgabe ist die Bank ähnlich wie die Reichsbank auf einen bestimmten Geschäftskreis beschränkt worden. - Die Bank darf folgende Geschäfte betreiben: An- und Verkauf von Edelmetallen und Münzen, Diskontierung, Kauf und Verkauf von Wechseln und wechselähnlichen Papieren mit einer Laufzeit von höchstens 6 Monaten; Beleihungen dieser Papiere im Lombardverkehr bis zu 6 Monaten und anderer beweglicher Pfänder auf 4 Monate. Für die Wechsel usw. sind zwei sichere Unterschriften vorgeschrieben, deren eine in bestimmten Fällen durch anderweite Garantie (Verschiffungspapiere) ersetzt werden kann. Dazu kommen: kurzfristige Kreditgeschäfte (Wechseldiskont- und Lombardgeschäft), An- und Verkauf von mündelsicheren Schuldverschreibungen, Besorgung von Inkassos, Ausführung von Zahlungsleistungen nach vorheriger Deckung, kommissionsweiser An- und Verkauf von Effekten und Edelmetallen gegen Deckung, Kontokorrent, Depositengeschäfte, Giroverkehr, Verwaltung und Verwahrung von Wertgegenständen; Beteiligungen mit Genehmigung des RK. bis zu einem Drittel des Grundkapitals an gleichartigen Unternehmungen. Hypothekengeschäfte sind nicht gestattet. Als passive Geschäfte kommen außer dem Depositengeschäft, dem Kontokorrent- und Giroverkehr vor allem die Notenausgabe in Betracht. Die Bank gibt Noten im Betrage von 5, 10, 50, 100 und 500 Rp. aus. Die Notendeckung ist ähnlich wie bei der Reichsbank vorgeschrieben worden. Mindestens ein Drittel der im Umlauf befindlichen Noten muß durch den Barvorrat gedeckt sein, wozu deutschostafrikanische Rp., indische Rp., Reichsgoldmünzen, fremde Goldmünzen, Reichskassenscheine und Reichsbanknoten verwendet werden können. Die Deckung des Restes erfolgt durch diskontierte Wechsel oder täglich rückzahlbare Guthaben, die bei der Reichsbank und der Seehandlung gehalten werden. An Stelle der Guthaben können auch Schuldverschreibungen des Reiches, der Bundesstaaten oder der Schutzgebiete als Deckung verwendet werden. Bei einem Notenumlauf von mehr als 500000 Rp. erfolgt die Erhebung einer Notensteuer, wenn der doppelte Betrag des Barvorrates von dem Notenumlauf überschritten wird. Für die Bank besteht eine sofortige Einlösungspflicht ihrer Noten gegen als gesetzliche Zahlungsmittel geltende Münzen bei ihrer Kasse in Daressalam; bei den Zweiganstalten nur in dem Falle, wenn die Barbestände dies gestatten. Die Bank ist jedoch verpflichtet, ihre Noten bei Zahlungsleistung zu ihrem vollen Nennwerte sowohl in Daressalam als auch bei ihren Zweiganstalten anzunehmen. Der Fiskus des deutsch- ostafrikanischen Schutzgebietes ist an dem Gewinn der Bank beteiligt. Das Gouvernement von Deutsch-Ostafrika unterhält bei der Bank ein Guthaben und läßt den größten Teil seiner Kassengeschäfte durch Vermittlung der Bank, besorgen. Ende März 1913 betrug der Notenumlauf der Bank 3 350 640 Rp. Die Dividenden der Bank betrugen im Jahre 1905 0 %; in den nächstfolgenden Jahren 5 1/2, 8 3/4, 8 3/4, 9 3/4, 10, im Jahre 1911 8, 1912 6 1/2 und 1913 7 1/4 %.

Zoepfl.

Literatur: Hintze, Kol. Geldwesen. Berlin 1912. Weitere Literaturnachweise befinden sich in diesem Werke.