Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 401

Deutsch- Ostafrikanische Plantagengesellschaft A.-G., Berlin, gegründet 25. Nov. 1886 als erste Plantagengesellschaft Deutsch-Ostafrikas von Dr. Carl Peters, Dr. Schroeder-Poggelow, Graf Behr-Bandolin u. a. Die Gesellschaft führte mit großer Zähigkeit, aber unter schweren Verlusten, verschiedene Kulturversuche im großen durch. In den ersten Jahren stand der Tabakbau im Vordergrund (Pflanzungen Mbuzini [Usegua], Kibweni [Sansibar], diese bald aufgegeben, Plantage Lewa), der auch nach der Verwüstung der Plantage Lewa durch Buschiri bei dem Aufstand wieder aufgenommen wurde (1890). Erst 1897 wurde die Tabakkultur aufgegeben, weil die geringe Qualität des Produktes eine Rentabilität ausschloß. Von 1895 ab legte die Gesellschaft das Hauptgewicht auf die Kultur von Kaffee (Liberia-Kaffee auf den Plantagen Lewa mit dem Vorwerk Magila und auf Buschirihof; arabischer Kaffee seit 1899 auf der neu angelegten Pflanzung Balangai, West-Usambara), ohne damit aber zu finanziell günstigeren Resultaten zu gelangen. Man forcierte deshalb etwa seit 1903 die Kultur von Kautschukbäumen (Manihot Glaziovii) und Sisalagaven. In kleinerem Maßstabe wurden daneben noch mehrere andere Kulturen angebaut. Die Plantage Buschirihof ging 1900 an die Deutsche Agaven- Gesellschaft (s.d.) über. Das Kapital der Gesellschaft betrug ursprünglich 130000 M, wurde aber bis auf 2 Mill. M erhöht. Auch gab die Gesellschaft in 4 Emissionen (zuerst 1897) 400000 M 5 % Obligationen heraus. Eine Dividende konnte nie ausgeschüttet werden. 1907 mußte eine scharfe Sanierung vorgenommen werden, wobei das Grundkapital im Verhältnis 5 : 1 zusammengelegt und die Schaffung von Vorzugsaktien beschlossen wurde. 1911 wurden die übrig gebliebenen 114000 Stammaktien durch Zusammenlegung im Verhältnis. von 10 : 1 in Vorzugsaktien umgewandelt. Wegen ihrer kritischen finanziellen Lage verkaufte die Gesellschaft ihre Plantagen während des Kautschukbooms 1910 mit gutem Nutzen an englische Rubber Companies: die Plantage Lewa an die Lewa Rubber Estates Ltd. (s.d.), die Vorwerke Kwata und Mahezangulu an die East African Rubber Plantation Company Ltd. (s.d.). Im August 1910 beschloß die Gesellschaft darauf die Liquidation. Aus dem Verkaufserlös konnten die Obligationen zurückgezahlt werden; außerdem wurde eine erste Liquidationsquote von 80 % auf die Vorzugsaktien ausgeschüttet. In der Liquidationsmasse befinden sich noch mehrere Tausend Hektar Plantagenland.