Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 410 ff.

Deutsch-Südwestafrika. 1. Begriff, Lage und Grenzen. 2. Bodengestaltung. 3. Klima. 4. Gewässer. 5. Pflanzenwelt. 6. Tierwelt. 7. Bevölkerung. 8. Besiedelung durch Weiße. 9. Landwirtschaft und Viehzucht. 10. Handel. 11. Geld- und Bankwesen. 12. Bergwesen. 13. Verkehrswesen. 14. Verwaltung und Rechtsprechung. 15. Kirchen-, Schul- und Missionswesen. 16. Geschichte. (Finanzwesen s. Finanzen.)

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1. Begriff, Lage und Grenzen. Ursprünglich wurde in den weitesten Kreisen der Name Angra Pequena für das ganze Schutzgebiet gebraucht. Auch unter Damaraland wurde es bisweilen verstanden, und in England war diese Benennung noch weit länger ganz allgemein im Gebrauch. Der Kürze halber wird in volkstümlicher Sprechweise neuerdings vielfach statt der amtlichen Bezeichnung Deutsch-Südwest oder einfach Südwest gebraucht (vgl. selbst Frenssens bekannten Roman). - D.-S. wird eingeschlossen von 17° und 29° s. Br. Der Hauptteil des Schutzgebiets, namentlich das ganze Siedlungsland, liegt ferner zwischen 12° und 21° ö. L.; nur der äußerste Nordwesten und der sog. Caprivizipfel im Osten gehen noch über diese Meridiane hinaus, das zuletzt genannte Gebiet um rund 4 Längengrade. Der südliche Wendekreis schneidet das Land annähernd in der Mitte. Aus dieser Lage innerhalb des Gradnetzes der Erde ergeben sich verschiedene wichtige Einzelheiten. Seiner Breite nach gehört D. - S. zum Teil dem Gebiet an, in dem der Gang der Gestirne die volle Eigenart des Südens zeigt. Die Sonne vollzieht ihren Tagesweg in dem zwischen Rehoboth und dem Oranje gelegenen Gebiet stets auf der Nordseite, im übrigen Teil des Schutzgebiets passiert sie zweimal im Jahre den Zenit des Ortes, doch liegen diese beiden Höchststände an der Nordgrenze um zwei und einen halben Monat, im Otavigebiet aber nur noch um ein und zwei Drittel Monate auseinander. Das für europäische Siedelung in Betracht kommende Gebiet erfreut sich deshalb in dem Gange der klimatischen Erscheinungen, namentlich der Temperatur, einer weitgehenden Einheitlichkeit, was wieder für die Kultur der Kolonie von Bedeutung ist. Der Länge nach hat D. - S. die gleiche Zeit wie Mitteleuropa, die Sonne passiert den Meridian der Hauptstadt Windhuk annähernd um dieselbe Zeit wie denjenigen von Posen und Breslau. Dagegen übt die immerhin recht große Nähe des Äquators ihren Einfluß in sehr bemerkbarem Grade auf die Länge des Tages und der Nacht. Der längste Tag, der 21. Dezember, dauert in Windhuk nur von 5 Uhr 5 Min. morgens bis 6 Uhr 34 Min. nachmittags, ist also hier um rund 31/2 Stunden kürzer als in Mitteldeutschland. Umgekehrt verhält sich natürlich die Dauer des kürzesten Tages, des 21. Juni. Schließlich hängt eine weitere, für das bürgerliche Leben sehr wichtige Erscheinung mit dieser Breitenlage zusammen. Die Dämmerung, die bei uns die hellen Tagesstunden ganz bedeutend verlängert, ist hier von viel kürzerer Dauer als in Mitteleuropa. Die Weltlage von D. - S. ist aber auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Seine Entfernung von den Häfen Europas ist so groß, daß sie allein schon eine sehr wesentliche Verlängerung der Fahrtdauer von diesen bis nach Swakopmund bedingt. Swakopmund ist von Hamburg auf dem Dampferwege über Las Palmas 5800 Seemeilen (1 Seemeile = 1850 m) entfernt, das ist die 1,6fache Entfernung von dort nach Newyork. Aber noch ein anderer geographischer Grund muß für die so lange dauernde Isolierung des jetzigen Schutzgebiets und für sein spätes Auftauchen im Weltverkehr maßgebend erachtet, werden. Mehr noch als Entfernungen wie die angeführte, hat die Lage des Landes innerhalb der südafrikanischen Klimagebiete zu seiner Unberührtheit beigetragen. Alle Seiten, an denen eine Berührung mit der Kultur anderer Länder möglich war, sind durch Einöden, teilweise durch solche von schlimmster Art, gegen engere Beziehungen nach außen versperrt gewesen. Die Küstenzone, anderwärts der Ausgangspunkt fremden Einflusses ist das größte Verkehrshindernis, dem man innerhalb des Schutzgebiets begegnet. Im Süden aber und im Südosten, also in der Richtung der hochentwickelten niederländisch - britischen Kulturlandschaften der Kapkolonie, lagert sich ein viele hundert Kilometer breiter Landstrich von dürftigster Beschaffenheit, der eben darum selbst auf englischem Gebiet nur äußerst schwach von Weißen besiedelt ist, zwischen das fruchtbare Gebiet am Kap der guten Hoffnung und die besseren Landschaften des Groß-Nama- und des Hererolandes. Diese Landschaft verdient selbst heute noch geradezu den Namen einer Verkehrswüste. Im Osten endlich, wo ja ebenfalls seit Jahrzehnten ein Hin- und Herüber sich hätte entwickeln können, wenn es auf die wirtschaftliche Ergänzung allein angekommen wäre, lagert sich eine noch wirksamere Trennungszone, die an Oberflächenwasser so arme Kalaharisteppe zwischen unser Land und die von der Natur so begünstigten Hochländer am oberen Oranje und am Vaal. Einzig und allein der Norden, diese rein tropische, von europäischer Kultur noch ganz unbeeinflußte Binnenlandschaft, ist durch gut bevölkerte Landschaften mit dem Innern des tropischen Afrika verbunden. Dort aber fehlt es bis jetzt noch an allem, was als verknüpfende, Länder aneinander fesselnde Beziehung gedacht werden könnte, ja dort dürfte, dem in ganz Südafrika gültigen Gesetz von dem Vordringen der Kultur folgend, diese umgekehrt von Süden nach Norden ihren künftigen Siegeszug antreten. Man geht nicht fehl, wenn man die Unterschätzung des wirtschaftlichen Werts, unter der D.-S. so lange zu leiden gehabt hat, zum nicht. geringen Teil diesem Mangel an Verbindungen nach außen zuschreibt. Das, was man bei der ersten Berührung mit dem Lande kennen lernte, mußte geradezu abschreckend wirken; was das Land auf den ersten Blick an Wertvollem bot, Robbenfelle und später Guano, das wurde an der Küste selbst gewonnen. Die Zone, die auf diese folgt, bot nichts, was die Seefahrer zur Anknüpfung von Handelsbeziehungen hätte verlocken können. Denn -das ist wohl zu beachten - was an wirklich wertvollen Dingen auch von dort zu erlangen war, Straußenfedern und Elfenbein (dies natürlich schon seit langer Zeit nur noch aus dem Norden), das wurde vor einem halben Jahrhundert in weit reicherem Maße in den von der Kapkolonie aus viel leichter zu erreichenden Binnenländern des Ostens, ja die ersteren sogar noch in der Kolonie selbst gewonnen, so daß also auch hier jeder Anreiz fehlte, die öden Trennungslandschaften unter Mühseligkeiten und unter dem Risiko des Verlustes von Wagen und Ochsen zu durchwandern. Als reich an Rindern war freilich das Land auch in jenen Zeiten bekannt. Aber wer hatte ein Interesse daran, solche einzuhandeln, solange in den britischen und holländischen Gebieten Überfluß an solchen vorhanden war? Erst als die Goldentdeckungen am Witwatersrand die Preise auf eine in Südafrika bis dahin ungeahnte Höhe trieben, sehen wir das Bedürfnis nach einer engern Beziehung zwischen beiden Gebieten sich zeigen. Und damals wurde tatsächlich zuerst die große Mittelsteppe von einigen wirklichen Handelszügen durchkreuzt, die diese Spannung der Preise mit den billig erworbenen Hererorindern auszunutzen versuchten. Heute, wo man sich auch in Deutschland an eine richtigere Einschätzung der südwestafrikanischen Kolonie gewöhnt hat, ist es jedenfalls nützlich, sich zu erinnern, daß es vorwiegend die, Weltlage ist, die die schiefen Urteile über dies Land verschuldet hat. Die Grenzen des Schutzgebiets sind nur im Norden und Süden, eine den Kunene mit dem Okawango verbindende Linie ausgenommen, Naturgrenzen. Die Ostgrenze ist in der in jungen Staatsgebilden Außereuropas so häufigen Art gezogen; sie verläuft vom Oranjetal, der Südgrenze, auf dem 20° ö. L. bis zum 22° s. Br., dann auf diesem bis zum 21° ö. L., auf dem sie bis zum Caprivizipfel entlang zieht. Diese schmale Zunge deutschen Gebiets wird vom 21° ö. L. bis zum Maschi - Linjanti ebenfalls, ferner im Norden von Libebe am Okawango bis zum Sambesi durch gerade Linien, im Osten dagegen durch den Linjanti und den Sambesi selbst begrenzt. In D.-S. bedarf diese Abgrenzung zwar in einzelnen Landschaften der Verbesserung, bei der eigenartigen Beschaffenheit der Kalahari hat sie indessen nicht jene Nachteile zur Folge gehabt, die sich in manchen anderen Ländern bei dieser rein äußerlichen Art der Linienziehung ergeben haben. An einer Stelle erscheint dagegen eine Verschiebung der jetzigen Grenze in größerem Maßstabe in Zukunft geboten. Im Ambolande, das ebenfalls nicht durch eine Naturgrenze von Angola getrennt ist, zieht sie mitten durch das Gebiet eines und desselben Volkes, Zusammengehöriges trennend. Sobald die wirtschaftliche Erschließung dieses Gebietes beginnt, wird zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten aller Art sich eine Änderung des bestehenden Zustandes wünschenswert machen.

2. Bodengestaltung. Wir können innerhalb des Schutzgebiets verschiedene Hauptlandschaften unterscheiden, die durch ihren Aufbau deutlich voneinander geschieden sind. Das Küstenland, das Groß-Namaland, das Hereroland einschließlich des Kaokoveldes (s. die diese Landschaften behandelnden Artikel) und endlich das Gebiet der großen Nordebenen bilden ebenso viele geographische Provinzen. Manche trennen von diesen noch das Gebiet der Kalahari. Doch ist dies nicht in allen seinen Einzelzügen von den benachbarten Gebieten zu trennen, wenn man es nicht in seinen weitesten Grenzen als das Gebiet der vorwiegend von Sandböden eingenommenen Ebenen auffaßt. In diesen aber wechselt wiederum der orographische Bau dergestalt, daß man es ebensogut den benachbarten Ländern angliedern kann. Indessen sind auch dem ganzen Schutzgebiet einige Züge des Baues gemeinsam. Betrachten wir es als einen Teil von Gesamtsüdafrika, so stellt D.-S. den erhöhten Westrand der gewaltigen inneren Mulde dar, deren südlicher Teil durch das Becken des Oranjeflusses, deren nördlicher durch die abflußlose Mulde der nördlichen Kalahari gebildet wird. Da auch auf der Westseite des südafrikanischen Dreiecks, ganz wie in seinem Süden und Osten, dieser Hochrand in der Nähe des Ozeans parallel zu der Küste emporragt, so nimmt die Abdachung zum Meere weit geringeren Raum ein als das zur Kalahari absinkende Gebiet. Damit entfällt zugleich, genau wie im britischen Südafrika, nur ein Teil des Ganzen auf das in Bau und Höhe starkem Wechsel unterworfene Gelände, während ein sehr bedeutender Teil von fast ganz ebenen Landschaften eingenommen wird. Diese umfassen allein im Innern des Schutzgebietes eine zusammenhängende Fläche von der Größe des Königreichs Preußen. Entsprechend dem geologischen Bau des Landes überwiegt aber selbst in dem stärkerem Wechsel unterworfenen Gebiet die Form der Ebene oder des flach gewellten Landes so sehr die deutlicher geneigten Flächen, daß man ohne Übertreibung den größten Teil von Südwestafrika als eben bezeichnen kann, ein Umstand, der sich in der Natur des Landes, im Klima, in der Verbreitung der Gewächse, ja auch im Charakter der Tierwelt und selbst in dem Verhalten der Bevölkerung in vielen Einzelheiten wirksam zeigt, und der darum hier nicht übergangen werden darf. Ebenso wie im Osten ist auch- in dem deutschen Westen von Afrika das Fehlen oder wenigstens die ungemeine Seltenheit echter Gebirge mit all ihren Folgen bezeichnend; das Hochland, vielfach die Hochebene im engeren Sinne, überwiegt alle anderen Charakterformen hoher Gebiete auch in den nach dem Atlantischen Ozean zu sich senkenden Teilen des Schutzgebietes. Zu diesem Grundzuge im Aufbau des Landes gesellt sich die außerordentliche Meereshöhe. Noch nicht ein Viertel des 830 000 qkm umfassenden Landes liegt weniger als 1000 m hoch über dem Meeresspiegel, ein Süddeutschland an Ausdehnung annähernd gleichkommender Teil erhebt sich zu mehr als 1500 m über die See. Selbst die großen Ostebenen sinken außer im äußersten Norden und im Süden des Siedlungsgebiets nicht unter 1200 m herab. Daß auch dieser Umstand sich im Klima unserer Kolonie, insbesondere im Gange der Temperatur, in einheitlichen Wirkungen in jeder größeren Landschaft zur Geltung bringt, erscheint selbstverständlich. Schließlich hat diese Ähnlichkeit in den großen architektonischen Linien der Landschaft auch noch eine wichtige Folge für das Leben des Menschen. Dem Verkehr im Schutzgebiet werden auf diese Weise einige eigenartige Züge aufgeprägt, die den in Mitteleuropa geltenden natürlichen Gesetzen der Verkehrsentwicklung geradezu entgegengesetzt sind. Einmal ist für die Transportmittel des Landes, einerlei ob es sich dabei um Wagen oder Eisenbahnen handelt, die Überwindung der küstennahen Gebiete von jeher mit größeren Schwierigkeiten verknüpft gewesen als die Bewältigung der das Innere durchziehenden Richtlinien der Güterbeförderung, wobei hier natürlich nur der orographischen Hindernisse zu gedenken ist. Zweitens aber, und auch das ist bezeichnend, gilt auch in Südwestafrika das verkehrsgeographische Gesetz in hervorragendem Maße, nach welchem die Täler eines Plateaugebietes, nicht aber seine Höhen die wahren Hemmnisse für unsere modernen Beförderungsmittel bedeuten. Ohne Zweifel hat auch diese Eigentümlichkeit des Landschaftsbaues zu der oben berührten Hinausschiebung engerer Beziehungen dieses Landes zu den Nachbargebieten und vor allem zur See das Ihrige beigetragen. Das ergibt sich schon daraus, daß die Anfänge der Kultur, sowohl der geistigen (Mission) wie auch der äußeren (Handel) eher von Süden nach Norden als von Westen nach Osten vorgedrungen sind. Noch ein letzter dem ganzen Schutzgebiet gemeinsamer Zug läßt sich feststellen. Er beruht aber nicht sowohl auf der äußeren Gestaltung der Landschaft als vielmehr auf dem inneren Bau ihres Felsgerüstes. In dem zum Atlantischen Ozean absinkenden Gebiet ist es das Überwiegen des Urgesteins, dem nur wenig jüngere Schichten aufgesetzt sind, in dem ganzen Gebiet der inneren Ebenen ist es. die ungeheure Verbreitung jüngster Schichten, vor allem der endlos weiten Sanddecke, die man geradezu als Charakterformationen bezeichnen kann. Man kann auf Grund unserer jetzigen, übrigens noch mangelhaften Kenntnis der Gesteinszusammensetzung im Schutzgebiet annehmen, daß die älteren Sedimente nur ein Sechstel des ganzen Landes bedecken. Ihresgleichen sucht die Sandebene des Kalaharigebiets, die in ununterbrochenem Zusammenhange ein gutes Drittel des ganzen Schutzgebiets einnimmt. Ein weiteres Kennzeichen der Eigenart dieser Kolonie, übrigens eines, das sie mit vielen anderen Ländern des Weltteils Afrika gemeinsam hat, ist die Seltenheit tiefgreifender Störungen in den geschichteten Gesteinen. Ein Grund für die Häufigkeit des tafelförmigen Auftretens dieser Massen, das sie zu den schärferen Formen, denen wir namentlich in den Gneisgebieten des Innern begegnen, in einen deutlich erkennbaren landschaftlichen Gegensatz bringt. - Wenden wir uns nunmehr der Bodengestaltung der Hauptlandschaften zu. Da ist es zunächst die große Wüstenlandschaft des Westens, die Namib (s. d.), die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Und hier ist es wieder die Küste im engsten Sinne, die zunächst einiger Ausführungen über ihre Gestalt bedarf. Gleichzeitig ist es aber auch das Meer selber, dessen Eigenart die ihm benachbarten Striche in mannigfachster Weise beeinflußt. Kalte Gewässer, von Dunst und vielfach von dichtem Nebel überlagert, bespülen eine Uferlinie, der jede große Einbuchtung fehlt. Selbst die bedeutendsten unter den vorhandenen, wie etwa die Lüderitzbucht, schneiden im rechten Winkel zur Streichungslinie der Küste nur um etwa 10 km in diese ein, was bei einer Länge derselben von mindestens 1300 km so gut wie gar keine Entwicklung bedeutet. Zu der Seltenheit merkbarer Einschnitte kommt aber als weitere ungünstige Erscheinung die von Süd nach Nord wirkende Drift, die zu den großartigsten Sandverschiebungen und damit zu einer unglaublich schnellen Veränderung dieser wenigen Buchten führt, wie sie L. Schultze an dem Beispiel von Sandwichhafen festgestellt hat. Wird der verkehrshemmende Bau der Westzone schon durch diesen Umstand sinnfällig genug, so bedarf es selbst nur einer oberflächlichen Betrachtung der Bodengestaltung in den nach Osten zu rasch ansteigenden Namibgegenden, um zu erkennen, daß wir es hier nicht allein in klimatischer und pflanzengeographischer Hinsicht, sondern selbst im Bau des Landes mit einer Wüste in vollster Bedeutung des Wortes zu tun haben. Allerdings wird dabei ein sehr erheblicher Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden dieser Folge menschenleerer Einöden deutlich, der aber wieder in der Verschiedenheit des Bodenreliefs seine Ursache hat. Im Norden sinkt nämlich das Hochland des Innern nach dem Ozean zu ab. Wie breite Pfeiler und Bastionen treten seine Ausläufer auf die steinigen Ebenen der Küstenzone hinaus, und zwischen ihnen ziehen die Täler selbst großer Riviere dem Meere entgegen, ebenso viele durch kräftigeren Pflanzenwuchs bezeichnete Oasenlinien außerhalb der Wüste. Der letzte von ihnen, der Kuiseb, bildet zugleich die Grenze der nördlichen und der südlichen Namib. - Diese Regenflüsse haben neben ihrer Bedeutung für die Pflanzen- und die sonstige Lebewelt eine solche auch für die Bodengestaltung selbst. Abgesehen v on den tiefen Einschnitten, in denen wir die Arbeit des Wassers in geologischer Vorzeit nicht verkennen dürfen, wirken sie hemmend auf die vor dem Winde hergetriebenen Sandmassen. Namentlich der Swakop zeigt uns diese Seite der Tätigkeit großer Riviere innerhalb der Namib in großem Maßstabe. Während der nur selten abkommende, d.h. oberflächlich fließende Kuiseb (s.d.) nicht vermocht hat, die seinen Unterlauf erfüllenden Sandberge hinwegzuschaffen, befördert der viel öfter und weit stärker abkommende Swakop (s.d.) den in sein breites Bett hineingewehten Sand von Zeit zu Zeit in das Meer; sein Unterlauf bildet deshalb die Grenze der von Süden heranrückenden Dünenregion. - Ganz anders im Süden, wo infolge der nordsüdlichen, also der Küstenlinie parallelen Streichungsrichtung der Hochländer im Innern eine Ausbildung starker, westlich ziehender Riviere nicht mehr stattgefunden hat. - Infolgedessen ist nicht nur niedrige Flugsandbedeckung, sondern die Bildung ganzer Dünenlandschaften von gewaltiger Mächtigkeit erfolgt, die das unter ihnen ruhende Urgestein bisweilen tief unter sich vergraben haben. Kein vom Hochlande herabkommender Regenfluß ist imstande gewesen, diese Sandgebirge zu durchbrechen oder gar ihrem weiteren Vordringen Halt zu gebieten. So hat sich die gänzlich leere und tote Wüstenlandschaft mit all ihren furchterweckenden Merkmalen (Pflanzen- und Wasserarmut) in der Südhälfte des Namib am weitesten in das Innere hinein ausgebreitet, ganz abgesehen von den klimatischen Gründen, die auch dazu führten, und so wirkte die neuerdings erfolgte Auffindung von Lagerstätten des wertvollsten unter allen Edelsteinen gerade in diesem Gebiet dank der durch nichts abzuschreckenden Energie des Menschen um so größere Wunder, als man sie auf Grund des bis jetzt bekannten inneren Baues dieser Ödlandschaft hier am allerwenigsten hatte vermuten dürfen. Entsprechend den bisher berührten Grundlinien im orographischen Bau der südlichen Namib erfolgen auch die Anstiege hier stärker und unvermittelter als in dem Wüstengebiet nördlich vom Kuiseb. Nur 100 km brauchen wir von Lüderitzbucht aus zurückzulegen, um den Boden von Groß-Namaland in einer Meereshöhe von 1400 -1500 m zu betreten, dort, wo bereits kleine Riviere dem Koankiprivier (s. d.) ihr weniges Regenwasser zusenden. Man bedenke, daß man, um die gleiche Höhe im Norden zu erreichen, auf dem Hochland des Swakop in gerader Linie 250 km landeinwärts wandern muß, während man im nördlichen Hereroland in der gleichen Meeresentfernung erst die Höhe von rund 1200 m antrifft. - Für die Bodengestaltung des Groß-Namalandes ist also die gleiche Richtung der den äußeren Bau bestimmenden Linien maßgebend, wie wir sie soeben in der südlichen Namib kennen gelernt haben. Der Norden dieser geographischen Provinz im weitesten Sinne des Wortes wird noch von den südlichen Teilen des mächtigen zentralen Hochlandes von D. - S. eingenommen. Übrigens gibt die in dem gewaltigen Auasgebirge (s.d.) am höchsten aufragende Wasserscheide, die sich in dem Südrande des Komaslandes (s.d.) nach Westen zu fortsetzt, eine recht gute Grenze auch für das Groß-Namaland ab. Denn dieses ist, wenn wir aus dem oben erwähnten Grunde von einer Absonderung der Kalahari absehen, das einheitliche Gebiet der dem großen Oranje (s.d.) zugehörigen Flüsse, denen allen die vorwiegende Südrichtung charakteristisch ist. - Wir haben nun im Namalande ebenso wie im Hererolande zwei verschiedene Landschaftstypen vor uns, einen westlichen, gebirgigen, und einen östlichen, durch die völlige Herrschaft der Ebene ausgezeichneten, den man, vom inneren Bau ausgehend, eben als den Anteil des Hottentottenlandes an der Kalahari anzusehen hat. Die erste der beiden Landschaften läßt sich schon in ihrer äußeren Erscheinung leicht als ein einheitliches Gebiet erfassen. Vom zentralen Hochlande ausgehend gelangt der nach Süden Wandernde in eine mit diesem weder nach Aufriß noch nach der Zusammensetzung der Gesteine zusammenhängende Folge nordsüdlich ziehender Schichten, in denen ältere Kalksteine, Schiefer und Sandsteine überwiegen. Diese langen Tafeln begleiten die ebenfalls nordsüdlichen Senken der Flüsse etwa vom 24° s. Br. an bis in die Nähe des Oranjetales, wobei allerdings zu beachten ist, daß die Porphyrmassen der Naukluft (s.d.), die auch hydrographisch dem Groß Namaland fernstehen, außer Verbindung mit diesem mächtigen Tafellande zu denken sind. Die oft sehr langgestreckten, steilwandigen, aber auf der Hochfläche weniger wechselnd gestalteten Plateaus werden durch eine tiefe Spalte, deren südlichen Teil der Koankipfluß durchzieht, in einen westlichen und in einen östlichen Zug getrennt und steigen im Mittel nur auf 1500 bis 1600 m an. Dagegen liegt die Talspalte um mehrere hundert Meter über der Sohle des das Gebirgsland im Osten begleitenden Tales des Großen Fischflusses (s.d.), das im Osten bereits in ein flacheres Hochland überleitet. Aus diesem erheben sich im lernen Süden, da wo es jenseits des Löwenflusses nur noch 1100 m mittlere Höhe besitzt, die Massen der Kleinen und der Großen Karasberge (s.d.), die letzteren als wildes Bergland bis zu 2200 m. - Nördlich vom Löwenflusse und im Nordosten von Keetmanshoop beginnt jene endlose Folge tiefgründiger Sandebenen, in denen nur hier und da die Kalke der jüngeren geologischen Vorzeit eine gewisse Verbreitung finden und die man als Kalaharilandschaft bezeichnet. Dünen bilden in diesen Gegenden die einzigen Erhöhungen des Bodens über die sonst unabsehbare Fläche. Und durch diese riesigen Steppen ziehen in südöstlicher Richtung die Zuflüsse des Nossob wie dieser selbst dahin. Verschwunden sind die tiefen, von steilen Bergrändern begleiteten Täler des westlichen und südlichen Namalandes, verschwunden ist aber auch der felsige Grund, der an vielen Stellen selbst innerhalb der großen Rivierbetten zutage tritt. Kurz, der Charakter des östlichen Namalandes entspricht weit eher dem Bau des östlichen und nordöstlichen Hererolandes, wenngleich das Gefälle des Bodens hier noch ein wenig stärker ist als dort. Bei der inneren Zusammensetzung der Gesteine darf im Großen Namalande es uns nicht wundern, wenn hier weit weniger wichtige mineralische Vorkommnisse zu erwähnen sind als im Hererolande. Nur an einer Stelle, der Sinclairmine, sind bisher Kupfererze im eigentlichen Namalande aufgeschlossen, und diese liegt, ebenso wie die Fundstellen im Gebiet der Rehobother Bastards, außerhalb der Sedimentgebirge, gehört vielmehr eigentlich schon der Zone der Namib an. Das Hereroland charakterisiert sich in seinem Bau durch einige Züge, die in seinem geschichtlichen und in seinem wirtschaftlichen Entwicklungsgange in mancher Hinsicht ihre Folgen erkennen lassen. Es sind dies einmal die größere Aufgeschlossenheit nach dem Westen, die wenigstens dem Süden dieses Gebiets eine bevorzugte Stellung sicherte, ferner das Fehlen eigentlich trennender Landschaften, denn die meisten der Hochgebiete im Norden tragen diesen Charakter nicht so sehr wie die Tafelländer im Groß-Namalande; zu diesen Besonderheiten kommt aber noch das Vorwiegen der Ebene schon im mittleren Hererolande, für ein Volk von Rinderhirten, wie es die dunkeln Eindringlinge aus dem Norden waren, eine außerordentliche Begünstigung durch die Natur, die ihnen nördlich vom zentralen Hochgebiet eine ungehinderte Ausbreitung gestattete. - Im übrigen haben wir in dem von uns als Hereroland im weiteren Sinne zusammengefaßten Gebiet einige Sonderlandschaften zu unterscheiden. Da ist zunächst das schon mehrmals erwähnte zentrale Hochgebiet, dessen Süden wir noch zum Groß-Namalande rechneten. Auch nördlich der von uns gewählten, durch den Südabfall des Komaslandes und durch das Auasgebirge gebildeten Grenzlinie gehört dieser gewaltigen Erhebungsmasse noch ein recht beträchtlicher Teil von Südhereroland an. Bildet doch allein das Komasland (s.d.) mit dem zwischen den Auas- und den Onjatibergen (s.d.) bis zum 18° ö. L. weiterziehenden Hochlandkern eine 10 000 qkm umfassende Landschaft von mehr, als 1700 m mittlerer Höhe. Um einen Begriff von der Bedeutung dieses zentralen Hochgebietes zu geben, genüge die Angabe, daß es, über ganz Deutschland gleichmäßig verteilt, dessen mittlere Höhe um rund 130 m vermehren würde! - Während aber in den zum Namalande absinkenden Teilen dieses riesigen Hochgebiets bequeme Wege nur nach Süden führen, ist es in dem dem Hererolande zufallenden Anteil sowohl nach Norden wie auch nach Osten zugänglich. Die breite Talsenke des Windhuker Riviers leitet den Verkehr von Norden her bis in das Herz des Hochgebiets, und, auch hierin liegt ein bestimmender Grund zu der hier gewählten Einteilung der Landschaft. In diesem Kerngebiet liegen endlich auch seine größten, in dem Auas- und dem Onjatigebirge weit über 2000 m emporsteigenden Höhen. Die steile, bis 1900 m aufragende Umwallung des Komaslandes schließt dieses in gewissem Sinne gegen die leichter von Norden und Osten zugänglichen Flächen und Riviergebiete ab; schon aus diesem leicht verständlichen Grunde war selbst in den Zeiten ihrer größten Ausbreitung der Ostrand des genannten Hochgebiets die Grenze des tatsächlich von den Herero besetzten Gebiets und ein Schutz für die jenes Land durchstreifenden Horden von Haukoin oder Bergdamaras, während die zu den Bantu gehörenden Eindringlinge ihre Werften und Viehposten in günstiger Zeit, durch den Bau der Landschaft in keiner Weise behindert, bis in das Quellgebiet der Nossobflüsse vorzuschieben vermochten. Auch die Höhe der Täler und Paßlinien ist bezeichnend für die Massenhaftigkeit der Erhebungen auf der Nordseite der erwähnten Linie. Gehen wir von der Mitte des Komaslandes, von Heusis in 1700 m Seehöhe aus, so steigen wir bei Ongeama über den 1900 m hohen Rand des Komaslandes in das Tal von Groß- Windhuk, das unterhalb des Ortes 1630 m über See liegt. Von dort haben wir jenseits Klein-Windhuk und Awis abermals Randhöhen von rund 1900 m zu übersteigen, die uns in das wellige Hochland am Elefantenfluß führen, das noch 50 km östlich von Windhuk die gleiche Höhe über See besitzt wie dieser Ort. - Den Hauptvorzug im Bau des Hererolandes hat man nun in der breiten Trennungszone zu erblicken, die sich, vom Swakoptale durchzogen, zu beiden Seiten von 22° s. Br. vom 17° ö. L. an nach Westen erstreckt. Sie erschließt das Gebiet dieses Flusses vornehmlich nach Norden, wo nur leichte Bodenwellen das Gelände durchziehen, das auf weite Strecken ebenen Charakter trägt. Hier war demnach nicht allein der gegebene Weg für eine Eisenbahn, auf dessen Bedeutung K. Dove aufmerksam machte, als noch die alte über Tsaobis- Wilhelmsfeste führende Straße vorwiegend im Gebrauch war. Hier setzt sich das flachere Land bis weit in die Hochflächen des mittleren Hererolandes hinein fort, so nördlich vom Swakop im Gebiet von Karibib um rund 100 km. Hier war darum der bequemste Verkehr zwischen dem Gebiet des großen Riviers und dem mittleren Hererolande möglich, und so sehen wir auch gerade im Westen zwischen den Herero des südlichen und des mittleren Landes lebhaftere Beziehungen bestehen als etwa mit den Stammverwandten am Waterberg oder mit denen im Nossoblande. - Das mittlere Hereroland ist, seiner Bodengestalt nach noch weniger scharf von den Nachbargebieten geschieden als der Süden. Die nördlich von 22° s. Br. beginnende nach Nordwesten streichende Fortsetzung des zentralen Hochlandes ist von diesem nicht allein durch die von Okahandja über Otjosasu einschneidende Senke, sondern auch durch verschiedene von Osten und Norden breit in das Hochland eintretende Täler in viel stärkerem Grade aufgeschlossen als das hohe Südland, so daß es bei seiner geringen Eigenhöhe und bei dem Fehlen größerer Gebirge nach Art der Auas- und Onjatiberge selbst weder Hindernis für den Verkehr noch für die ungehemmte Ausbreitung der Bewohner bietet. Selbst der Kulminationspunkt des ganzen Schutzgebiets, der Omatako (s. d.) (2700 m) vermag daran nichts zu ändern, da es sich hier um einen völlig vereinzelten Bergstock von geringer Flächenausdehnung handelt. Eher schon sind die selbständig aus der Sockelebene aufragenden Massive, wie dasjenige des Erongogebirges (s. d.) als eigene, auch in ihrer Abgeschlossenheit selbständige Sonderlandschaften zu betrachten. Immerhin sind sie nicht mehr ausgedehnt genug und von ebenen Flächen ausreichend umgeben, als daß sie das Bild des mittleren Hererolandes als einer leicht zugänglichen und in ihren einzelnen Teilen gut miteinander verbundenen geographischen Provinz sonderlich zu stören vermöchten. Im vollsten Maße gilt das indessen erst von dem nördlichen Hererolande. Hier, wo selbst in der atlantischen Mittelzone die Ebene die Oberherrschaft über alle anderen Bodenformen erlangt, ist eine scharfe, auf den Grundlinien des Aufbaus beruhende Grenze schon schwerer zu ziehen. Selbst in den Ebenen des Ostens wird die Abgrenzung des Hererolandes gegen das Groß-Namaland noch durch das Vorhandensein einer im Mittel 1400 m hohen wasserscheidenden Bodenschwelle bedeutend erleichtert. Hier dagegen ist eine solche gegen die Omaheke, das große Sandfeld (s. d.), und gegen das Amboland sowie gegen das von manchen als selbständige Landschaft betrachtete Kaokoveld bedeutend schwerer und jedenfalls nicht auf Grund des orographischen Baues durchzuführen. Denn im Norden von 21° s. Br. lösen sich die Beste des über die mittelhohen Ebenen aufsteigenden Hochlandes völlig in einzelne Hochländer auf, die, durch weite Ebenen von einander getrennt, nicht einmal ihrer Zusammensetzung nach zu dem Hererolande gehören. Während die Gebirge und Hochländer des südlichen und mittleren Hererolandes mit wenigen nicht gerade vorbreiteten Ausnahmen der Zone uralter Gesteine angehören, ist hier gerade das Umgekehrte der Fall. Mit Ausnahme des von Porphyren gebildeten kleinen Paresisgebirges (s.d.) liegen alle Überhöhungen des nördlichen Hererolandes bereits in einer Zone von Sand- und Kalksteinen, woraus in einzelnen Fällen selbst eine andere Form des landschaftlichen Bildes sich herleitet, die an Einzelheiten im Bau des GroßNamalandes erinnert, wie z.B. in dem Tafellande des Waterberges (s.d.). - Gehen wir von den Höhenverhältnissen aus, so haben wir allerdings auch im nördlichen Hererolande mit der respektabeln Mittelhöhe von etwa 1200 m im Gebiet der freien Fläche zu rechnen. Das Kaokoveld (s.d.) mit seinen bastionartigen, durch breite Flußtäler von einander getrennten Vorsprüngen stellt dann in gleichem Sinne den Westrand dieses Gebietes dar, wie das Land zwischen mittlerem Kuiseb und Eisib die Überleitung des südlichen und mittleren Hererolandes zur Namib. Übrigens ist es ja auch hydrographisch mit ihm verbunden, und auf Grund geologischer Verschiedenheit allein eine scharfe Trennung in einer Gesamtbetrachtung der Bodengestalt des Schutzgebietes zu konstruieren wäre nicht angebracht, so sehr diese bei der Behandlung der Einzellandschaften eine Rolle spielen darf. Ebensowenig können wir die zum Kalaharibecken gehörigen Ebenen des Ostens, wie die Omaheke bei Betrachtung der Großlandschaften selbständig behandeln, um so weniger, als ihre zum Ursprungsgebiete der großen Kalahariflüsse gehörenden Flächen ja von jeher ein wesentlicher Teil des Hererolandes waren und auch in ihrem jetzigen Kulturstande sind. - Nach dem Ambolande zu läßt sich schließlich das große Pfannengebiet unter 19° s. Br. als Grenzlandschaft ansehen, wenn gleich daran erinnert werden muß, daß ein deutlicher Gegensatz zwischen den nördlichsten Strichen der Hereroebenen und der erwähnten Landschaft nicht besteht. Höchstens im Gebiet der Otavikalke könnte man einen solchen auf Grund der Bodenzusammensetzung annehmen. Klimatisch und pflanzengeographisch ist die Verwandtschaft beider Gebiete indessen eine sehr weitgehende. Wie wir im Groß-Namaland in vielen Gegenden die eigenartige Entwicklung der Tafelländer mit ihren geradlinigen Horizonten als einen wesentlichen Zug in der äußeren Erscheinung der Landschaft ansehen müssen, so besitzt auch das südliche und mittlere Hereroland einige Umrißformen, die, wieder- und wiederkehrend gewissermaßen zum Charakter des Landes gehören. Namentlich ist es der Gneis in seinen verschiedenen Arten, der, mehr oder weniger steil aufgerichtet, oft als scharfe Kuppe oder auch als gebirgsartiger Höhenzug mit scharfen Kämmen und steilen Rändern erscheint. Die Kuppe (Kopje der Holländer) ist eine solche bezeichnende Form und dient in den erwähnten Gegenden häufig als weithin sichtbare Landmarke. Dasselbe gilt von den Bergzügen, die selbst da, wo sie gar nicht hoch über das Umland emporsteigen, nicht selten den Eindruck alpiner Ketten im ]deinen hervorrufen; selbst in der Westzone beobachtet man solche Bilder, wie etwa beim Usabborg oder den Khousbergen südwestlich von Usakos. Endlich muß noch eines mit dem innern Bau des Landes zusammenhängenden Unterschiedes gegen das Namaland gedacht werden. Das Hereroland einschließlich des Kaokogebiets ist, wenn man von den Diamanten absieht, die eigentliche Bergbaulandschaft des Schutzgebiets. Kupfererze an vielen Stellen, an einigen auch Blei, neuerdings Zinnerze im Erongogebirge und im Gebiet von Okombahe sowie reiche Eisenerze im Kaokoveld müssen als die wichtigsten Vorkommnisse wenigstens erwähnt werden, wenn von diesem Teil der Kolonie gesprochen wird. Auch des Marmors in den Bergen bei Karibib mag an dieser Stelle gedacht werden. Das Gebiet der großen Nordebenen, das soeben schon berührt wurde, läßt sich eigentlich seiner Bodengestaltung nach in keinerlei Unterlandschaften mehr trennen. Erhöhungen, die man mit einigem Recht als Gebirge bezeichnen könnte, fehlen ihm völlig, denn die leichte Hebung und Senkung des Geländes im Kaukau- (s.d.) und im Hukwefelde verdient diesen Namen so wenig wie die Dünenwellen innerhalb der unendlichen Sandebenen der Omaheke. Ja, es gibt wenige Stellen innerhalb des großen Länderdreiecks südlich vom Äquator, die auf so ungeheure Entfernungen so geringe Höhenunterschiede zeigen wie dies Gebiet. Vom mittleren Kunene bis Libebe am Okawango, also auf eine Entfernung von rund 700 km, verändert sich die Meereshöhe der sandigen Ebenen kaum merklich. Erst vom Ostrande des Hukwefeldes steigt man auf eine um kaum 100 m niedrigere Folge von Ebenen herab, in das Flachland, das innerhalb der deutschen Grenzen kurzweg als das Linjantibecken bezeichnet wird. Auch in nordsüdlicher Richtung sind die Höhenunterschiede namentlich im Westen, im eigentlichen Ambolande (s. d.), kaum in die Augen fallend. Von Humbein Angola bis zur Etosapfanne (s.d.) sinkt das Hochland auf 200 km Entfernung kaum um 20 m. Daher sind diese Gebiete zugleich Landschaften unvollkommener Ausbildung der Flüsse, obwohl sie in anderer Beziehung sich durch deren ausreichende Füllung vorteilhaft genug von den anderen Teilen des Schutzgebietes unterscheiden. Aber Bifurkationen, denen wir hier mehrfach begegnen, Teilung der Rinnen in mehrere Arme und große Ausdehnung der seitlichen Überschwemmungszone sind Merkmale, die man auf weite Strecken verfolgen kann und von denen selbst der große Omuramba (s.d.) des Hererolandes in seinem mittleren und unteren Laufe nicht frei ist. Andererseits fehlt hier den Flüssen mehr noch als selbst dem mittleren Nossob (s.d.) ein tiefes, in das Umland eingeschnittenes Tal, so daß die Landschaft dadurch das Zeichen einer Einförmigkeit aufgeprägt erhält, die fast nur durch den Wechsel der Pflanzenwelt in der Flußlandschaft gemildert wird.

3. Klima. Zwei Gebiete, die so gut wie gar keine Ähnlichkeit miteinander besitzen, wird selbst der oberflächliche Beobachter in diesem Schutzgebiet auf Grund der empfangenen Eindrücke unterscheiden, das Küstenland und die untersten Stufen der Namib und das Hochland des Innern. Freilich gibt es auf diesem auch tiefgreifende, die belebte Natur stark in Mitleidenschaft ziehende Verschiedenheiten, aber eine gewisse Ähnlichkeit im Gang der meteorologischen Elemente besteht selbst noch zwischen den gemäßigten Hochgebieten des südlichsten Groß-Namalandes und dem tropischen Gebiet am Okawango-Sambesi. Ja, diese Unterschiede sind wenigstens in der Temperaturentwicklung selbst absolut geringer als die zwischen einzelnen Gegenden der Küste und dem Innern des Landes. Wir wenden uns zunächst der meeresnahen Zone zu, die als schmaler Streifen mit nach Osten merklicher Abschwächung ihrer Eigenart von der Oranjemündung bis zum Kunene zur Beobachtung gelangt. Um die eigentümliche Stellung dieses Gebiets richtig zu würdigen, muß man sich die niedrige Temperatur der Meeresoberfläche gegenwärtig halten. Diese ist für die Breite ganz ungewöhnlich niedrig. Nach sorgfältigen Beobachtungen in Swakopmund ergab sieh von 1903/05 eine Mitteltemperatur der Wasseroberfläche von nur 14,3°. Alle nicht gegen die volle Wirkung der über das freie Meer heranwehenden Luft geschützten Teile der Küste haben daher eine sehr geringe Mitteltemperatur. Diese beträgt in Swakopmund nur 15,2° und dürfte sich auf allen offenen Küstenstrichen ähnlich verhalten. Im Februar oder März steigt die Mittelwärme auf rund 17,5°, im August sinkt sie auf 12,4°. Nur wo die Ufer gegen den Einfluß der offenen See und der vorwiegend aus südlichen Richtungen, also vom Wasser auf das Land wehenden Luftströmung geschützt sind, herrscht eine höhere Temperatur. Solche lokal beeinflußten Punkte, insbesondere Lüderitzbucht, dürfen aber für das Küstengebiet als Ganzes nicht zum Vergleich herangezogen werden. Trotz der niedrigen Temperatur ist aber die Küste frei von den niedrigen Temperaturen, die im Innern häufig genug beobachtet werden. Nachtfrost kommt in unmittelbarer Nähe des Meeres nicht vor, dafür erreicht aber die Temperatur auch zur Zeit ihres Höchststandes selten bedeutende Werte. Im ganzen Jahre liegt das Tagesmaximum in Swakopmund in der Nähe von 20°. Nur ausnahmeweise erreicht es bedeutende Höhen, diese aber, die in dem genannten Ort bis zu 40° und darüber ansteigen können, merkwürdigerweise im Winter und niemals im Sommer. Das ist die Folge eines föhnartigen Windes aus dem Innern, der naturgemäß nur in der kühleren durch hohen Luftdruck im Hochlande ausgezeichneten Jahreszeit zustande kommen kann. Warme und trockene Winde zu anderer Zeit, die ausnahmsweise einmal eintreten können, sind kein Föhn, wie L. Schultze (s. d.) irrtümlicherweise annimmt, sondern lokal verursachte Wüstenwinde aus der Namib. - Die Hauptluftströmung der Küste und der untersten Namibstufe ist ein vom Meere aufs Land wehender Wind. Sehr selten sind dagegen echte Nordwinde (die Nordnotierungen am Morgen und Abend dürften durch lokale Einflüsse in der Namib zu erklären sein). Die Wirksamkeit der aus Süd bis West kommenden Winde ist namentlich über Tag sehr stark. Auf sie entfallen in Swakopmund, das als Charakterstation für die offene Küste gelten kann, nicht weniger als neun Zehntel aller um 2 Uhr nachmittags beobachteten Winde, auf reinen Nord dagegen wenig mehr als ein Hunertstel. Auch zeichnen die Winde aus südlicher Richtung, namentlich der reine Süd, sich durch größere Stärke aus als die aus anderen Richtungen kommenden, und im Sommer wächst ihre Kraft oft zu derjenigen stürmischer Winde an. Das ist kein Wunder; ist doch das Gefälle von der See nach dem über der inneren Namib liegenden Luftdruckminimum des Sommers besonders groß. - Eine Eigentümlichkeit der Küstenzone ist der häufige und dichte Nebel, der natürlich auch an freier Küste stärker ist als etwa in der Lüderitzbucht. Besonders die kühle Zeit ist durch häufige Nebel charakterisiert, und es sind namentlich die Morgenstunden, in denen dieser wie eine dichte Decke über dem Boden liegt. Dann ist nicht nur die Verdichtung auf Dächern usw. so groß, daß das Nebelwasser von diesen stark herabtropft, sondern die Feuchtigkeit durchnäßt sogar die obersten Bodenschichten bis zu einem gewissen Grade. Dagegen ist die Küste so arm an stärkeren, d. h. meßbaren, Niederschlägen, daß sie zu den regenärmsten Strichen der Erde gerechnet werden muß. In Swakopmund Fallen im Jahre kaum 2 cm, d. h. kaum ein Zehntel der an der Nordgrenze der algerischen Sahara jährlich niedergehenden Wassermenge. Ein anderes Bild als die Küste gewährt uns die Namib wenigstens insofern, als Menge und Dauer der Nebel geringer sind als in den dem Meeresufer unmittelbar benachbarten Strichen und als die Wirkungen der weniger gehemmten Einund Ausstrahlung sich hier bereits in sehr scharien Gegensätzen sowohl der Jahres, wie auch der Tageszeiten bemerkbar machen. Leider besitzen wir nur vereinzelte Temperaturbeobachtungen aus diesem öden Gebiet. Sie genügen indessen, um die Richtigkeit des Gesagten zu erhärten. So hat man schon in nicht zu großer Entfernung vom Meere im Juli und August Nachtfröste von -10 und -3° beobachtet. Bei Tage aber herrscht, zumal im Sommerhalbjahr, eine ungeheuere Hitze auf den weiten Flächen. Die ungewöhnlich hohe Mitteltemperatur dieses Gebiets ist es, die eine Verlagerung der Zone niedrigsten Luftdrucks nach dem Westen hervorruft, von der weiter unten noch die Rede sein wird. Nicht unerwähnt bleiben darf eine Eigentümlichkeit der über der Westzone ruhenden Luft, die in der verschiedenen Dichte ihrer Schichten ihre Ursache hat. Dadurch werden zahllose Augentäuschungen hervorgerufen, von der einfachen Vergrößerung und Verzerrung entfernter Gegenstände und Menschen bis zu der echten Fata Morgana, die dem Wanderer Wasserspiegel, in einzelnen Fällen sogar in weiter Ferne befindliche Landschaften vor Augen zaubert, wo er beim Näherkommen nichts weiter erblickt als nackte, trostlose Wüste. - In einer Beziehung besteht leider eine außerordentlich große Ähnlichkeit der Namib mit der Küstenzone im engeren Sinne. Ihre Regenarmut ist nicht viel geringer als an den Ufern des Ozeans. Wo wir die Grenze ziehen sollen, steht nicht genau fest, denn es kommen zeitweilig, wie z. B. in der Regenzeit 1892/93 auch im Westen der Namib starke und ergiebige Regen vor. Aber sie sind so selten, daß man in diesem langgestreckten Gebiet ebensogut auf Jahre hinaus mit gänzlichem Ausbleiben des Niederschlags rechnen muß. Jedenfalls kann man mit Sicherheit nur sagen, daß die Zone sehr schwacher Regen, d. h. das Gebiet mit 5-10 cm mittlerer Jahresmenge, unbedingt schon außerhalb der eigentlichen Namiblandschaften gelegen ist. - Das Innere des Schutzgebietes zeigt in den wesentlichen Zügen seines Klimas eine große Einheitlichkeit. Tropisch in seiner Temperaturhöhe ist nur der äußerste Norden, während der Gang der Wärme auch hier einigermaßen den im Siedlungsgebiet herrschenden Verhältnissen entspricht. Dieser beruht auf dem Zusammengehen des auch in den echten Tropen herrschenden Gesetzes, nach dem die höchsten Temperaturen gemeinhin vor der Zeit der stärkeren Regen eintreten, mit der verhältnismäßig weiten Entfernung vom Äquator, die in diesem Lande zu einer deutlichen Erniedrigung der Mittelwärme während der Zeit des niedrigsten Sonnenstandes führt. Somit ist Südwestafrika eigentlich ein Übergangsland zwischen der tropischen und der außertropischen Zone, wenngleich es, der Höhe seiner mittleren Temperatur nach, mit Ausnahme der Nordebenen, durchaus zu dieser gehört. Dabei ist selbstverständlich, daß die höchsten Mittel in den trockenen Landschaften des äußersten Südens mehr mit der Zeit des höchsten Sonnenstandes zusammenfallen als in der Mitte und im Norden. Um die genauen Werte der Mitteltemperatur im Sommerhalbjahr zu ermitteln, bedarf es bei der Eintrittszeit und der Ergiebigkeit der Niederschläge einer größeren Anzahl von Jahresreihen, als sie uns vorläufig zur Verfügung stehen. Alle während der heißen Zeit im nördlichen Nama- und im ganzen Hererolande angestellten Temperaturmessungen können daher nur den Wert angenäherter Zahlen beanspruchen. So erhielt innerhalb der gleichen allein brauchbaren meteorologischen Beobachtungshütte in Groß-Windhuk K. Dove im Januar 1893 eine Mitteltemperatur von 20,0°, Thomas dagegen in demselben Monat des Jahres eine solche von 22,3° (nach Anbringung einer wegen des Unterschiedes der Beobachtungsdaten notwendigen Korrektur). Wenngleich die in der nachstehenden Tafel enthaltenen Zahlen nicht den geringsten Anspruch auf Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit erheben dürfen, da brauchbare Temperaturbeobachtungen eben nur in geringer Menge vorliegen, so erhellt aus ihnen doch der Gang der Wärme einigermaßen hinreichend.

Wichtiger als die Benutzung der unzuverlässigen Mittelwerte ist die Kenntnis einiger, dem südwestafrikanischen Klima im Innern fast überall innewohnenden Eigentümlichkeiten. Da ist besonders bemerkenswert die außerordentlich hohe Tagesschwankung. Selbst im Sommer des Ambolandes ist sie ziemlich groß; im Hereroland wächst sie im Jahresmittel erheblich. Im Sommer beobachtete Thomas in Windhuk einen mittleren Unter schied zwischen dem täglichen Maximum und Minimum von 12,4°, d. i. 3° C mehr als im Juli in Berlin festgestellt ist. Im trockneren Süden und in dem Übergangslande im Westen steigt dieser Unterschied noch ganz erheblich; Range hat in Kuibis in 1300 m Seehöhe im Januar 16,8° im Mittel von 2 Beobachtungsjahren als Tagesschwankung erhalten. Diese sommerliche Abkühlung während der Nacht ist ein großer Vorzug des südwestafrikanischen Klimas, denn es kommt infolgedessen nur selten zu jener so gesundheitsschädlichen Überwärmung der Wohnungen, die in Mitteleuropa die entsprechenden Monate oft genug zu einer Zeit nächtlicher Schlaflosigkeit werden lassen. Die heißeste Nacht, die. K. Dove in dem kühlen und gesunden Windhuk während eines ganzen Sommers beobachtete, wurde in einem nebenbei nicht gerade feuchten Dezember mit einem Temperaturminirnum von genau 20° beobachtet. Selbst in dem weit wärmeren Omaruru hat Viehe in 254 Sommernächten nur 8 solche mit einer niedrigsten Temperatur von 20 - 21° C verzeichnet. Im Süden kommt diese Gunst des Temperaturganges den Bewohnern trotz der Trockenheit in gleichem Grade zugute. So berichtet Range aus Kuibis, daß in zwei Jahren das Thermometer nur in insgesamt 14 Nächten der beiden Sommer nicht unter 20° sank, dagegen sank es in 70 Nächten während der wärmsten Monate unter die Grenze von 15° herab. Der höchst erfrischenden Sommernacht entspricht andrerseits im Winter eine starke Erwärmung der Luft bei Tage. Da in den Wintermonaten die Sonne fast ununterbrochen von einem so gut wie wolkenlosen Himmel herniederstrahlt, so steigt die Tagestemperatur schon in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang stark an. Heidke, dem wir interessante Beobachtungen aus Windhuk verdanken, hat Stundenmittel für 1904/05 mitgeteilt, aus denen hervorgeht, daß selbst im kühlsten Monat dieses Witterungsjahres, dem Juni, um 7 Uhr morgens nur 6,50, um 8 Uhr aber schon 9,7°, um 9 Uhr bereits 13,3° gemessen wurden. Die Temperatur von 18°, bei der selbst ein empfindlicher Körper das Sitzen in freier Luft verträgt, war um 12 Uhr überschritten und hielt bis nach 5 Uhr nachmittags an. Von 2 - 4 Uhr nachmittags dagegen hielt sich die Mittelwärme auf 20° und etwas darüber, so daß man also um diese Zeit selbst Kranke unbedenklich ohne dicke Kleidung in freier Luft verweilen lassen kann. Bei der Bedeutung, die diese Verhältnisse für die ärztliche Bewertung des südwestafrikanischen Klimas haben, erscheint ihre Mitteilung auch an dieser Stelle im höchsten Grade wünschenswert. -Eine weitere Eigentümlichkeit von besondere Bedeutung ist die Höhe der sommerlichen Maxima der Temperatur. Sie liegen keineswegs so hoch, wie man bei uns vielfach annimmt. Zwar ist das mittlere Tagesmaximum in der heißen Zeit um 5 - 6° höher als in den wärmeren Sommergebieten Deutschlands. Aber die absoluten Höchstwerte der Temperatur sind keineswegs höher als in diesen, sie liegen vielmehr nach unsrer heutigen Kenntnis im Siedlungsgebiet noch unter denen, die in deutschen Städten jeweils zur Notierung gelangen. Dove maß in Windhuk ein absolutes Maximum von 34,8°, Thomas ein solches von 34,5°, Range in Kuibis innerhalb zweier Jahre ein solches von 38,2° (Berlin hat ein absolutes Maximum von 37,0°, Jena ein solches von 39,9°). Die bei einwandfreier Aufstellung der Instrumente gewonnenen Ergebnisse zeigen also, daß die Temperatur sich zwar täglich zu bedeutenderer Höhe erhebt als in unserem deutschen Sommer, daß sie aber selten jene ungewöhnlich hohen Hitzegrade erreicht, die in heißen Perioden auch nördlich der Alpen beobachtet werden. Bedenkt man, daß die hohen Wärmegrade in Südwestafrika zudem aus noch zu erörternden Gründen viel leichter ertragen werden als bei uns, so wird auch diese Seite des Klimas nicht als eine besondere Unannehmlichkeit empfunden werden. - Selbst von den niedrigsten Temperaturen während der Wintermonate gilt das. Auch diese dürfen uns nicht zu Trugschlüssen hinsichtlich der physiologischen Folgen kalter Winternächte verleiten. Allerdings kommen in allen Teilen des Schutzgebiets selbst ziemlich starke Fröste vor, und in den höchsten Teilen des Landes sowie im Süden sind sie sogar eine in jedem Winter auftretende Erscheinung. Nur über den Grad derselben läßt sich allgemein Gültiges nicht sagen, da sie mehr als jede andere Erscheinung von lokal wirksamen Einflüssen abhängig sind. Namentlich tief eingeschnittene Täler wie das von Otjiseva zeichnen sich vor anderen Gebieten, wie demjenigen der Windhuker Gehänge, durch Häufigkeit und Stärke der winterlichen Nachtfröste aus; ebenso natürlich die Landschaften des Namalandes, in denen die nächtliche Ausstrahlung bereits deutlichere Folgen zeitigt als in den flacheren Landschaften des Hererolandes. Immerhin weisen die einwandfrei aufgestellten Instrumente nicht die große Zahl der Frostnächte auf, auf die der oberflächliche Beobachter aus der Häufigkeit der Eisbildung auf kleinen Pfützen und des Erfrierens gewisser empfindlicher Gewächse glaubt schließen zu dürfen, bei der die starke Verdunstung und andere Nebenwirkungen der Ausstrahlung ganz entschieden eine Täuschung über das erreichte Minimum. hervorrufen. Dagegen sind als sichere Minima selbst in Olukonda von Rautanen 0,5°, in Windhuk von Dove bereits im Mai 0,2° 10 m über dem Talboden, ebendort von Thomas an der gleichen Stelle im Juni - 3,5°, in Kuibis - 2,8° von Range in neuerer Zeit nachgewiesen worden. In anderen Stationen jener Gegend wurden aber -10° und darunter gemeldet, wohl ebenfalls eine Folge lokaler Ursachen. Daß in Rehoboth die Dattelpalmen starke Frostschäden aufwiesen, beweist bei der Härte dieser Pflanzen ebenfalls das Auftreten weniger lokal, als vielmehr durch weitverbreitete Temperaturerniedrigung verbreiteter Nachtfröste. Unter allen Umständen kann man auf dem Boden enger Täler und in den unteren Teilen flacher und muldenartiger Senken alljährlich, mit dem Auftreten ausgeprägter, die Kulturpflanzen stark schädigender Frostgrade rechnen. - Um die wichtigste Erscheinung unter allen atmosphärischen Vorgängen im Schutzgebiet, die Niederschläge, in ihren letzten und maßgebenden Ursachen richtig zu würdigen, muß man sich zunächst den Gang des Luftdrucks und mit ihm den Wechsel der Windrichtung im Innern von Südwestafrika vergegenwärtigen. - Während des Winters ruht eine Antizyklone, d.h. ein Gebiet hoben Luftdrucks, über dem südlichen Dreieck des Weltteils,. dessen Kern wir uns etwa im Karrugebiet vorstellen können. Die Folge dieser Erscheinung ist während dieser Jahreszeit ein Vorwiegen südlicher Luftströmungen, die, wenn auch lokal verschiedentlich abgelenkt, sowohl im inneren Nama- wie im Hererolande deutlich als Hauptluftströmung erscheinen. In Windhuk, wo die Ablenkung nicht so stark ist, wie beispielsweise in Kuibis, überwiegen die dem Passat entsprechenden Winde aus SW bis SO alle anderen während der kühleren Jahreshälfte um ein Vielfaches. In der Regenzeit lassen sich je nach der Stärke der Niederschläge die Winde aus N bis O in deutlichem Zusammenhange mit den Regenmonaten verfolgen. Mit mehr oder weniger lokal verursachten Abweichungen gilt dies Verhältnis im ganzen Innern, wohingegen es mit der Annäherung an den Westen undeutlicher wird. Dieser Umstand im Zusammenhang mit den an der Küste beobachteten Windrichtungen führt, wie K. Dove nachgewiesen hat, mit zwingender Sicherheit zu der Annahme folgender Luftdruckverteilung in der wärmeren Jahreszeit. - Wenn sich die Frühlingswärme stärker zu äußern beginnt, muß sich über den am meisten der Erhitzung unterliegenden Strichen der Namib eine Zone größter Luftauflockerung bilden, in der sinkender Luftdruck ein Hereinströmen der Luft von beiden Seiten verursacht. Die westlich von dieser Gegend stärker hereinströmenden Winde lehrt uns die Beobachtung kennen. Im Osten, wo die Isobaren nicht so dicht aufeinander folgen und das Gebiet niedrigen Druckes sich weiter in das Innere verschiebt, wird je nach dem Grade dieser Verschiebung und der Vertiefung des Barometerstandes ein mehr oder weniger häufig und lebhaft wehender Wind aus Nord bis Ost beobachtet werden. Die hier dargestellte Lage des den Luftdruck im Sommer kennzeichnenden Minimums muß, je weiter nach Norden und Osten wir uns entfernen, um so sicherer zum Eintreten von Winden aus dem Horizontviertel zwischen N und O führen. Das bedeutet nichts anderes, als daß die Wahrscheinlichkeit und die Menge des Regens in der Richtung von SW nach NO zunehmen müssen. In der Tat bestätigen alle Beobachtungen im Schutzgebiet die Richtigkeit dieser Annahme. Von Wichtigkeit ist, daß die Lage des regenerzeugenden Luftdruckminimums in Zukunft einmal uns in Stand setzen wird, die größere oder geringere Ergiebigkeit der, Regenzeit um ein bis zwei Monate im voraus zu beurteilen. Die Art, wie dies geschehen wird, kann hier nicht näher erörtert werden, die Tatsache, auf die K. Dove hingewiesen hat, ist indessen schwerwiegend genug für die Landwirtschaft des Schutzgebiets, um hier Erwähnung zu finden. Mit dem eben geschilderten Gange des Luftdruckes hängt nun die zeitliche Verteilung der Niederschläge (s. die Klimatabellen S. 424/25) im Innern der Kolonie auf das engste zusammen.

Überall überwiegen daselbst die Regen während der wärmeren Jahreshälfte so sehr, daß man mit vollstem Recht das ganze Land jenseits der Namib als Sommerregengebiet vom ausgesprochensten Charakter bezeichnen muß. Nur an der Küste vom 21° s. Br. an südwärts und im äußersten Südwesten des Groß-Namalandes kann man auf häufiger auftretenden Regen während des Winters rechnen. Hier vollzieht sich, zunächst fast unmerklich, der Übergang zu der Westzone des Kaplandes, in der die Winterregen der südlichen Halbkugel bei vorwiegend nordwestlichen Winden zu herrschen beginnen. Die Verteilung des Regens über die einzelnen Monate ist nur aus längeren Jahresreihen zu erkennen. Denn ein wesentliches Merkmal der Niederschläge in Südwestafrika ist die Unsicherheit ihres Beginnes und der Wechsel in der Eintrittszeit stärkeren Regens überhaupt. Je weiter nach Nordosten ein Punkt gelegen ist, um so geringer wird allerdings diese Unregelmäßigkeit im Gange der Niederschläge, nachweisbar ist sie aber auch, dort noch in viel höherem Grade als in europäischen Ländern. Im Innern überwiegen durchaus die echten, d. h. die während der drei Hauptsommermonate fallenden Regen. In diesen, also in der Zeit von Januar bis März, kann man mit der größten Wahrscheinlichkeit auf den Eintritt mehr oder weniger ergiebiger Niederschläge rechnen. Im Frühling, Oktober bis Dezember, fallen ebenfalls schon Niederschläge, doch sind sie weniger reich und ihr Eintreffen nicht so sicher wie in den angeführten Monaten. Bis in den April, ja sogar bis Anfang Mai, verlängern sich die Regen in vielen Fällen, dann aber beginnt- eine Trockenzeit, deren Dauer man auf 5 Monate geringsten Niederschlags ansetzen kann. Diese Zeit ist trotz der im Winter gerade im Süden etwas häufiger beobachteten Niederschläge eine Periode ausgesprochenster Regenarmut, und mit ihren Folgen für Weide und Wasserstellen muß man in allen Teilen des Schutzgebiets rechnen. Die Menge des Niederschlags ist im Süden sehr gering. Dort fallen selbst in dem weit vom Meere entfernten Warmbad nur noch rund 10 cm, d. h. die Hälfte der an der Wüstengrenze in der algerischen Sahara gemessenen Menge! Bis weit in das Innere zieht sich im GroßNamalande auch die Zone mit weniger als 20 cm jährlichem Niederschlag. Keetmanshoop hat nur 12 cm, erst Hoachanas unter demselben Meridian liegt mit der doppelten Regenhöhe in einer etwas günstigeren Zone. Im Hererolande fällt dagegen die Grenze von 20 cm bereits auf eine wenig östlich von Otjimbingue und Okombahe ziehende, der Küste parallele Linie. Das Innere wird hier je nach Lage und Meereshöhe verschieden beeinflußt, weshalb zur Herstellung genauer Mittel gerade hier das vorhandene Beobachtungsmaterial noch bei weitem nicht ausreicht. Immerhin wissen wir schon jetzt, daß das südliche und mittlere Hereroland außerhalb der regenreicheren Hochzone zwischen 30 und 40, das nördliche und nordöstliche zwischen 40 und 60 cm empfängt, ähnlich wie das Amboland. - Die Regenmenge erscheint namentlich im Hererolande keineswegs ungünstig. Aber sie ist auch dort bis zu einem gewissen Grade als nicht ausreichend anzusehen. Denn die eben angeführten Mittelwerte werden nur in seltenen Ausnahmefällen erreicht, und Abweichungen vom Mittel nach beiden Seiten bilden die Regel. Entweder bleibt die Regenmenge eines Jahres bzw. einer Regenzeit mehr oder weniger weit hinter dem Durchschnitt zurück, oder aber -allerdings ein weniger häufiger Fall - der Himmel sendet in einer besonders leuchten Niederschlagszeit so ungeheure Regenfluten herab, daß es in allen Teilen des Landes selbst zu förmlichen Überschwemmungen kommen kann. Ist die Trockenheit, die oft mehrere Jahre hintereinander, herrscht, ein schwerer Schaden für Viehzucht und Gartenbau, so nützen auch die in solchen ungewöhnlich nassen Jahren fallenden Regen dem Landwirt nicht sehr viel, da er seine technischen Einrichtungen n icht für solche immerhin seltenen Ereignisse treffen kann. - Die Niederschläge treten während des Sommers, also in der Mehrzahl, in Form kurzer, bisweilen sehr heftiger und oft von Gewittererscheinungen begleiteter Güsse auf. Landregen sind selten, und die Regen fallen meist am Nachmittag, während die Morgenstunden meist schön und trocken sind. Da auch in den Hochländern des Namalandes die winterlichen Niederschläge selten sind, so bilden Schneefälle ebenfalls ein nicht gerade häufiges Ereignis. Doch sind solche selbst in Windhuk und Gobabis und im Auasgebirge beobachtet, und in den höher gelegenen Plateaus des Südnamalandes kommen sie in jedem Jahre einmal vor. In Schakalskuppe in jenem Gebiet bildete der Schnee am 9. Aug. 1909 sogar eine Decke von 20 cm Mächtigkeit. Ein Umstand, der von der größten Wichtigkeit für die Beurteilung der Niederschlagsmengen ist, bedarf noch der Erörterung. Man erhält ein vollständig unzureichendes Bild vom Regen in Südwestafrika, wenn man sich mit der Angabe der Mittel sowie der Schwankungen der Niederschlagsmengen begnügt. Vielmehr ist die Berücksichtigung der Häufigkeit größerer Niederschlagsmengen von besonderer Bedeutung. Verdunstung, Entblößung des Bodens von schattenspendenden Gewächsen und mancherlei andere Umstände wirken zusammen, die Wirkung der meisten geringeren Regenfälle unmittelbar nach ihrem Zustandekommen wieder aufzuheben. Nur die stärkeren Güsse dringen nicht allein tiefer in den Boden ein und tragen so zur Ernährung der größeren Gewächse bei, sondern nur diese liefern auch die von den Gehängen zusammenrieselnden Wassermengen, welche weiterhin zur Speisung des Grundwassers und in günstigen Fällen zur äußeren Füllung der Rivierbetten nötig sind. Nun liegt ja schon in der Zusammendrängung der Regenzeit auf verhältnismäßig wenig Monate und Regentage ein großer Vorteil für das Land. So hat z. B. sogar das trockene Warmbad im Mittel eine viel größere Regendichte als Berlin Im Sommer; denn während in der Reichshauptstadt im Durchschnitt selbst im Juli nur 5,4 mm auf einen Niederschlagstag kommen, kann man in dem genannten Ort auf rund 7 mm an einem solchen rechnen. In Windhuk ist die mittlere Regendichte etwa ebenso groß wie dort. Das heißt also nichts anderes, als daß in diesem trockenen Lande der durchschnittliche Regenfall der. Pflanzenwelt und den Rinnsalen doch einen viel größeren Nutzen bringt als es nach .der Jahressumme auf den ersten Blick scheinen will. -Von besonderem Wert ist, daß auch die starken, von 15 mm an gerechneten Tagessummen nicht ganz selten sind. Nach einem 7jährigen Durchschnitt fielen in Rehoboth an fast 7 Tagen solche zum Teil weit über diesen Grenzwert hinausgehende Niederschlagsmengen. In drei, allerdings ergiebigen Regenzeiten in dem schon in recht trockener Landschaft gelegenen, etwa an dreien im Mittel, in Windhuk einschließlich der sehr nassen Regenzeit 1892/93 an nicht weniger als 13 im Jahresmittel. Bedenkt man jetzt, daß diese starken Regenmengen sich innerhalb 4 bis höchstens 5 Monaten zu ergießen pflegen, so begreift man leichter als nach den bloßen Regensummen ihre Bedeutung für die Anreicherung des Grundwasservorrats im Lande. - In unmittelbarem Zusammenhang mit der Armut an Niederschlägen steht die Dampfarmut der Atmosphäre im Innern. An der Küste freilich ist die relative Feuchtigkeit sehr hoch. Dort beträgt sie 80 % im Jahresmittel und 74 % um Mittag und geht nur im Frühwinter unter 70 % herab. Um so schärfer wirkt der Gegensatz, wenn man, aus dem Küstengebiet kommend, wo alle aus Eisen und Stahl gefertigten Gegenstände unrettbar dem Rost verfallen, sich den inneren Landschaften mit ihrer ans Fabelhafte grenzenden Trockenheit der Luft nähert. In Windhuk betrug der relative Dampfgehalt im Mittel eines Jahres nicht mehr als 40 %, und das Minimum im Januar war nur 6 %. In dem heißen und regenarmen Dezember 1892 wurde dort an zwei Tagen sogar ein Tagesmittel von weniger als 10 % festgestellt! Diese außergewöhnliche Dampfarmut der Atmosphäre macht sich auch äußerlich deutlich geltend. Die Haut nimmt eine lederartige Beschaffenheit an, das Horn der Fingernägel wird spröde, und die Lippen springen nicht selten auf wie bei uns infolge der Kälte. Namentlich zeigen leblose Gegenstände in vielen Fällen ein eigenartiges Verhalten. Fäulniserscheinungen sind verhältnismäßig selten, andrerseits trocknen Holz und andere Dinge, zumal solche europäischer Herkunft, leicht aus, werden rissig und werfen sich. Das dem Boden entsprossene Gras wird zu einem natürlichen Heu, sobald die Regen, während deren Herrschaft es dem Boden entsproß, eine Zeitlang aufgehört haben. Ganz besonders aber ist es die durch die geringe relative Feuchtigkeit ins Ungeheure verstärkte Verdunstung, die mit ihren Folgen in das alltägliche Leben eingreift. Mehr als durch einen Vorrat leicht schmelzenden Eises kann man das in Leinensäckchen aufbewahrte Trinkwasser auf diese Weise ununterbrochen frisch erhalten. Vor allem aber ist es die lebhafte Abkühlung der Haut infolge des von ihrer Oberfläche ebenso unmerklich wie ständig abdunstenden Wassers, die selbst die höchsten Hitzegrade viel erträglicher erscheinen läßt als wir dies von der unangenehmen Schwüle unsrer heißen europäischen Sommertage jemals behaupten können. Andrerseits ist es diese schnelle Verdunstung aller und jeder Flüssigkeit, die das Land seiner stehenden und fließenden Wasserschätze in so bedauerlich kurzer Zeit beraubt. Unter allen Umständen ist das Fehlen oder die Seltenheit einiger in andern Ländern weitverbreiteter Krankheiten in D.-S. wieder auf diesen so wichtigen Charakterzug des Steppenklimas zurückzuführen. Die Bewölkung im Innern ist allenthalben gering. Während sie in der deutschen Reichshauptstadt im Jahresmittel 64 % und selbst in den beiden klarsten Monaten noch 54 % beträgt, erreichte sie selbst in dem ungemein regenreichen Januar 1893 in Windhuk nur 73, sank im März auf 47 und im April bereits auf 2 %, um in der Mitte des Winters sich auf kaum 10 % zu heben. Die Kolonie hat somit eine weit weniger dichte Bewölkung als die durch den klaren Himmel am meisten bekannten südlichen Mittelmeerländer. Im südlichen Namalande hat Range sogar im Jahresmittel in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nur 12 und 26 % festgestellt, im Winter sank die Himmelsbedeckung daselbst sogar in 2 Monaten auf weniger als 6 % herab, was jeder sich im Freien aufhaltende Europäer ohne Bedenken für gänzliche Wolkenlosigkeit nehmen würde. - Schließlich muß noch einer weiteren Eigentümlichkeit der Atmosphäre gedacht werden, die im Innern des Schutzgebiets selbst dem einfachsten Beobachter zu denken gibt, Das Zusammentreffen der geringen Dichte der über dem Hochlande ruhenden Luft mit der ungemeinen Dampfarmut bewirkt eine Klarheit und Durchsichtigkeit, die in Europa selbst in den Hochgebirgen des Südens ihresgleichen sucht. In Zusammenhang damit stehen die wunderbaren Farbenwirkungen, die namentlich den Abendhimmel auszeichnen, zugleich aber die Helligkeit der Gestirne, die auf jeden Neuling im Lande eine wahrhaft überraschende Wirkung ausübt. Man kann sich von diesen Dingen einen ungefähren Begriff machen, wenn man erfährt, daß man im Scheine des halben Mondes ohne Anstrengung zu lesen vermag und daß man des Nachts den vom Lichte der Venus deutlich auf den Boden gezeichneten Schatten wahrnimmt. Die Durchsichtigkeit der Luft verleiht endlich allen fernen Gegenständen sehr scharfe Umrisse, und nur zu leicht läßt man sich beim Wandern oder Reiten auf den Hochländern zu einer bisweilen recht unangenehmen Unterschätzung der Entfernungen bis zu einem Berge oder einer sonstigen weithin sichtbaren Landmarke verleiten. Selbst beim Schießen auf größere Distanz hat der erst seit kurzem im Lande verweilende Europäer mit einer bei uns unbekannten Größe der Schätzungsfehler zu rechnen. S. die Klimatabellen.

4. Gewässer. Die Gewässer des Schutzgebiets zerfallen in Quellen, d.h. in das emporquellende Grundwasser außerhalb de Flußläufe, ferner in das zutage tretende Grundwasser innerhalb des Flußlandes, in das oberflächlich dahinströmende Wasser der Riviere und. endlich in die stehenden Gewässer in den Pfannen, in Brunnen sowie in den Vleys und in Bänken. Diesen ziemlich mannigfaltigen Formen des Wasservorkommens ist jedoch allen die Seltenheit ihres- Vorkommens in Vergleich mit feuchteren Ländern eigen. Eine anderwärts in Afrika so großartige Form der Gewässer, die der Seen, fehlt eigentlich ganz in diesem Gebiet, denn was wir als solche bezeichnen könnten, wie das Einsturzbecken des Otjikotosees, verdient seiner Größe nach eher mit großen Becken verglichen zu werden. Die Quellen sind äußerst selten. Sie werden hauptsächlich durch die warmen Sprudel vertreten, die in einer nordsüdlich das ganze Siedlungsgebiet durchziehenden Zone auftreten, welche im Kaplande bis in die Gegend der südwestlichen Karru zu verfolgen ist. Innerhalb des Schutzgebiets sind ihre Temperaturen hauptsächlich von H. Schinz, K. Dove und Th. Rehbock bestimmt worden. Einige, wie diejenigen von Klein- und Groß- Barmen, liegen zwischen 60 und 65, die Rehobother Quelle übersteigt 50°, die heißesten sind aber die Sprudel von Omburo mit 76,5° und die stärkste der Windhuker Quellen mit rund 78°. Echte Quellen kommen aber auch außerhalb der Heißquellenzone am Waterberg, ferner bei Grootfontein und am Waterberge vor und liefern zum Teil recht erhebliche Wassermengen. An letzterem bildet die Hauptquelle sogar einen Bach, der sich etwa eine Viertelstunde weit bis in das ebene Land hinaus verfolgen läßt. Auch manche der erbohrten Wasserstellen kann man nunmehr zu den echten Quellen zählen. Das fälschlich als Fontein bezeichnete, innerhalb der Flußbetten oder wenigstens im Seitenlande der Riviere zutage tretende Wasser darf mit diesen echten Quellen nicht verwechselt werden. Namentlich wo sich Felsriegel im Untergrunde des Flußgeschiebes finden, wird der Grundwasserspiegel gehoben, und bisweilen treten seine Wassermassen in Gestalt eines kleinen Baches zutage. Von den echten Quellen unterscheiden sich diese Wasserläufe, die übrigens selten über mehrere hundert Meter Lauflänge hinausgehen, schon dadurch, daß sie nur ganz ausnahmsweise länger als einige Monate fließen. Ihre Ergiebigkeit ist aber keineswegs gering. An der Wasserstelle von Usab im Swakopbette betrug die oberflächliche Wasserführung noch im August 1892, allerdings nach einer guten Regenzeit im Oberlande, etwa 40 Sekundenliter. Sehr groß können die von den Fonteinen gelieferten Wassermengen selbst ein drittel Jahr nach dem Ende einer ergiebigen Regenzeit sein. So fanden sich nach der besonders günstigen Niederschlagsperiode 1892/93 im Elefantenflusse zwischen Windhuk und Seeis ergiebige Fonteinen von mehreren hundert Metern Länge im Juli an verschiedenen Stellen vor. Charakteristisch für diese Art des Wasservorkommens ist, daß es sich stets um ein Zutagetreten des im Flusse sich talwärts bewegenden Grundwasserstromes, dagegen niemals um ein von oben her zusammengelaufenes Gewässer handelt, das wir stets als "abkommendes" Wasser bezeichnet finden, Dies zuletzt erwähnte Wasser ist es, das unsere Aufmerksamkeit bei der Berücksichtigung der Gewässer des Landes ganz besonders in Anspruch nimmt. Um seinetwillen dürfen wir die Flüsse des Landes mit Ausnahme der dauernd fließenden Grenzflüsse kurzweg als Regenrinnen mehr oder weniger großen Maßstabes ansehen. Im allgemeinen vollzieht sich bei den der atlantischen Abdachung zugehörenden Flüssen das "Abkommen" nach Art der plötzlichen Füllung eines Wildbaches, d.h. mit unerwarteter Plötzlichkeit und mit wesentlich zerstörenden Wirkungen. Die Dauer des Abkommens ist je nach Ergiebigkeit der es hervorrufenden Regengüsse und nach der Größe des bewässerten Gebiets ganz verschieden. Von Stunden erstreckt sie sich bis zu Tagen, ja sie kann sich in besonders günstigen Regenzeiten auf einige Wochen ausdehnen. - Die von einem abkommenden Rivier beförderten Wassermengen wechseln natürlich innerhalb ein und desselben Flusses je na eh der Beschaffenheit der Landschaft ungeheuer. Der Natur des Landes entsprechend sind sie im Ursprungsgebiet der Stromrinne, d. h. im Hochlande, viel größer als in der Nähe der Küste. K. Dove stellte am Swakop bei Otjimbingwe in einer sehr ausgiebigen Regenzeit eine Wasserführung von rund 1 Mill. cbm in der Stunde fest; schon das Windhuker Rivier beförderte damals, im Beginn des Jahres 1893, nach starken Regen eine Wassermasse von 15 000 cbm talwärts, bei einem Zuflußgebiet von nur rund 150 qkm. Dagegen maß L. Schultze oberhalb der Mündung 1905 während eines 13tägigen Abkommens nur eine mittlere stündliche Wasserführung von 27 000 cbm. Die Wasserführung des Schafflusses bei Hatsamas wurde dagegen von Th. Rehbock auf mindestens 25 Mill. cbm im Jahre geschätzt, die des Windhuker Flusses 1896/97 auf insgesamt 9 Mill. cbm. Diese Zahlen dürfen nicht überraschen, wenn man bedenkt, daß derselbe Forscher die Wasserführung des Oranje im Unterlauf während der Hochwasserperiode auf mindestens 7 Mill. cbm in der Stunde schätzt. Dove konnte ferner für das mittlere Hochgebiet feststellen, daß, um die mittleren Riviere zum Abkommen zu bringen, wenigstens eine Regenmenge von 1,5 cm am Tage gefallen sein mußte, was den Charakter dieser Flüsse als denjenigen von Wildgewässern noch mehr beleuchtet. - Ganz anders als diese "atlantischen" Gewässer, zu denen auch das System des Großen Fischflusses und die Zuflüsse des Nossob zu rechnen sind, verhalten sich dagegen die Kalahariflüsse und die Omiramba des Nordens. Hier, wo die Betten der Wasserläufe ein äußerst geringes Gefälle zeigen, ist die Wasserbewegung träge und die Entwicklung von stärkeren und - auf weite Entfernungen oberflächlich fließenden Rinnen behindert. Michaelsen beobachtete selbst im Mittellaufe des großen Omuramba u Omatako nur wenige Stellen, an denen die Beschaffenheit des Flußbodens auf ein gelegentliches Abkommen schließen ließ. Wie das Abkommen großen Schwankungen unterworfen ist, so wechselt auch in den großen Rivierbetten die Höhe des Grundwasserspiegels je nach der Jahreszeit und nach der Ergiebigkeit der vorangegangenen Regenzeiten. Im unteren Kuiseb fand Stapff bald nach -den letzten Regen den Grundwasserspiegel im Flusse selbst innerhalb der Namib 0,79 m unter der Oberfläche, schon in 89 m Abstand vom Flusse dagegen schon 0,77 tiefer als dort, in 784 m Abstand von diesem sogar 1,52 m unter dem Grundwasserspiegel innerhalb des Kuisebbettes, während Rehbock unterhalb Otjimbingwe noch im November 1896 nach zwei sehr schlechten Regenjahren noch in 1 - 2 m, am Kanflusse allerdings nicht unter 5 m Tiefe Wasser feststellen konnte. -Wie sehr in dieser Hinsicht die Flüsse mit stärkerem Gefälle, deren Grundwasser durch größere seitliche Zulaufmengen während der Regenzeit bereichert wird, im Vorteil gegenüber den Omiramben trotz des in ihrem Gebiet herrschenden Regenreichtums sind, ergibt nicht allein die Tiefe der früher von den Herero im Omuramba u Omatako gegrabenen "Pützen" d. h. Brunnenlöcher, sondern auch eine Mitteilung des Oberleutnants Fischer, nach der am Südufer des Omuramba u. Owambo der Grundwasserspiegel zwischen 12 und 20 m liegt! -Die anderen Arten des Wasservorkommens beschränken sich auf stehende Vorräte, die sog. Pfannen, zudem fast ganz auf den ebenen Norden und Osten der inneren Landschaften. Brunnen, die natürlich den Charakter einer Quelle annehmen können, gab es früher mit wenigen Ausnahmen nur in oder unmittelbar an den Betten der Riviere oder der Omiramba; neuerdings sind durch die Tätigkeit der Bohrkolonnen auch an vielen anderen Stellen solche geschaffen worden. Nicht auf eine bestimmte Landschaft beschränkt, aber doch vorwiegend in dem wechselnden Gelände des Innern anzutreffen sind die eigenthohen Vleys, die indessen, da sie nur vom Regen und nicht durch Grundwasser gespeist werden, nur nach guten Regenjahren bis gegen das Ende der Trockenzeit Wasser enthalten. Wichtiger als'sie sind die zahllosen, fast ganz auf das gebirgige Gelände beschränkten natürlichen Becken, die bisweilen mehrere Jahre hindurch große Wassermengen halten können, selbst wenn sie von Vieh und Wild benutzt werden. Daß sie häufiger sind, als man früher annahm, ergibt die fortdauernde Entdeckung von solchen, die früher nur den Eingeborenen bekannt waren, während der Zeit der beginnenden Besiedelung.

5. Pflanzenwelt (s. Tafel 44 u. 47). Auch von der Pflanzenwelt des südwestafrikanischen Schutzgebietes gilt, wie vom Klima, der Satz von dem Übergangsgebiet. Tropische Formen sind zwar vorhanden, beschränken sich aber wesentlich auf den Norden; sie drängen sich übrigens auch dort nicht in auffallendem Maße im landschaftlichen Bilde hervor. Weit mehr als in andern Zonen werden - ein echt afrikanischer Zug - auch die Einzelformen durch die Niederschlagsverhältnisse als durch die Temperatur beeinflußt. Das ist einer der Gründe, weshalb die Art des Massenauftretens, also die pflanzlichen Formationen, weit mehr auf das landschaftliche Bild wirkt, als die einzelnen Gewächse. Die echt tropischen Formen sind vor allem durch eine Palme, die Hyphaene, vertreten, deren Vorkommen auf das nördliche Kaoko, das Amboland und auf die Ebenen nördlich von Tsumeb und Grootfontein beschränkt ist. In diesem Gebiet bildet auch die Adansonie, der Baobab, einen Vorposten tropischer Gewächse. Eine Phoenixart im nordöstlichsten Flußlande und der Mopanebaum können weiter als äußerlich auffallende Vertreter zentralafrikanischer Vegetation genannt werden. Auf das mittlere und nördliche Hereroland beschränkt sind ferner der Omumboronibonga der Herero, ein stattlicher Baum sowie ein mächtiger Feigenbaum, der gruppenweise auftritt. Weiter nach Süden dagegen wechselt. der Bestand an Holzgewächsen. Wir betreten das Gebiet der Akazien, die in Baumund Buschform die am meisten v ertretene Gattung der größeren Gewächse im Herero- wie im Namalande bilden. Acaeia albida, der Anabaum, ist die stattlichste Axt, die aber im südlichen Hereroland ihre Südgrenze erreicht. Von den übrigen seien genannt die im ganzen Siedlungsgebiet weitverbreitete Acacia giraffae, der Kameldorn (s. Tafel 47), ferner Acacia horrida (s. Tafel 47) mit ihren gewaltigen Dornen und die Acacia detineus, der berüchtigte Wachtenbetjestrauch der Buren mit seinen mit Widerhäkchen versehenen Dornen. Daneben vorkommende Sträucher, vor allem die niedrigen dornlosen Büsche des Namalandes, ferner die verschiedenen Grasarten, können im einzelnen nicht berücksichtigt werden. Auffallende Formen des Südens bilden dagegen verschiedene Aloearten, die teils als 1 - 2 m hohe Strünke im Innern außerordentlich verbreitet sind, teils wie die Aloe dichotoma, sich auf die Trockengebiete im Westen und Süden beschränken. Diesen gehören auch die Euphorbien an, unter denen der in der östlichen Namib häufige Milchbusch besonders genannt zu werden verdient. Auch die Melonengewächse sowie zwiebel- und knollenbildende Pflänzchen sind weit im Lande verbreitet. In den Vollwüsten des mittleren Schutzgebiets endlich findet sich als besonders auffallende Erscheinung die sonderbare Welwitschia mirabilis. - Vermehrt wurde das Reich heimischer Pflanzenformen durch eine Anzahl von Kulturgewächsen, die durchweg denen des Mittelmeerklimas entsprechen. Neben den auch in ganz Mitteleuropa verbreiteten Gemüsen und Obstsorten und neben dem Weizen gedeihen, genügende Bewässerung vorausgesetzt, der Mais, ferner recht gut Wein, Pfirsiche, Feigen, Orangen und Zitronen und, als nicht unwichtige Pflanze, in vielen Gegenden sogar die Dattelpalme. Von den Tropen her hat als verbreitetstes Kulturgewächs auch das Sorghum in den nördlichsten Landschaften eine Heimat gefunden. - Wichtiger als die soeben erwähnten Einzelformen der Pflanzenwelt ist die Art, in der sich diese über das Land verbreiten. Spiegeln die Formationen der Gewächse doch nicht allein Gunst und Ungunst des Klimas, nebenbei auch die mehr oder weniger große Bedeutung des Grundwassers wieder, sondern sie zeigen auch dem Kenner südafrikanischer Länder deutlicher als eingehende Untersuchungen den Wert oder Unwert der Landschaft in wirtschaftlicher Beziehung. - Die Wüste zeigt die größte Pflanzenarmut, ja gänzliche Pflanzenleere nur im Gebiet der Dünenregion mit ihren Sandwehen. Sie ist daher am ödesten in der Küstenregion von Groß-Namaland, während sie im Norden, wo weite Flächen sich frei von Sand ausbreiten, eine zwar niedere, aber doch an Arten nicht ganz arme Pflanzenwelt besitzt, die allerdings in nicht allzuvielen Exemplaren sich zeigt. Der Übergang nach dem Innern wird durch eine Zone derber Wüstengewächse gebildet, unter denen der Milchbusch mit seinen zahllosen grünen Verästelungen bereits erwähnt wurde. - In dieser Zone bilden die mit Gras, Buschwerk und selbst mit stattlichen Bäumen bestandenen Seitengelände der größeren Flüsse, wie des Kuiseb, des Kan und Swakop und der nördlichen Riviere eine Unterbrechung, die sie dem Auge als freundliche Oasen zeigen. Erst in rund 50 km von der Küste beginnen am Swakop und nördlich von ihm die ersten Grasflecken, während man im Namalande eine wohl um die Hälfte längere Strecke zurückzulegen hat, ehe man die sehr vereinzelt stehenden Büschel dieser ersten Anzeichen der beginnenden Steppe bemerkt. Die Aloe, die vorher nur in den Tälern der kleineren Riviere zu entdecken war, zeigt sich auch im freien Gelände, und selbst Akazien erblickt man, freilich außerhalb der Grundwassergebiete der trockenen Riviersenken nur an den Berghängen als ganz vereinzelte Büsche. Schließlich werden Grasfläche und Buschbestand auch in der ebenen Landschaft dichter, rotblühende Aloestauden mit ihrem an eine Miniaturpalme erinnernden Bau beleben die Felsen, und der Baumwuchs in den sich verbreiternden Tälern wird kräftiger und schließt sich stellenweise förmlich zu lichten Galeriewaldungen zusammen. Endlich aber, auf dem weiteren Wege nach Osten, erreicht man die dichten Buschbestände, von reichen Grasflächen unterbrochen, die hoch über den baumbestandenen, bisweilen üppig bewachsenen Tälern die sanfteren Gehänge der Gebirge und der Hochländer bekleiden und über denen sich der nackte Fels nur dort noch zeigt, wo Steilheit der Böschung und scharfes Geröll die größeren Gewächse hindern, Wurzel zu fassen. Schließlich aber geht dies Gelände in die weiten Flächen des Ostens über, in denen je nach der Regenmenge und der Lage des Grundwasserspiegels das Land abwechselnd von freier Graslandschaft oder von savannen- und parkähnlichen Beständen eingenommen wird. - Wohlvermerkt ist dies Bild das der Pflanzenformationen im Hererolande. Im äußersten Norden, treten zu diesen auch die echten, nicht mehr an das Grundwasser gebundenen Laubwälder. Anders wieder im Süden, wo bereits im Bastardlande, wie schon Andersson hervorhob, die Dornbuschbedeckung dünner und weniger häufig wird, bis sie schließlich von 24° s. Br. an südlich sich auf Fluß- und Grundwassergebiete des Fischfluß- und Nossobsystems beschränkt und im übrigen von einer freien Graslandschaft abgelöst wird, in der viel häufiger als im Norden die an die Karru erinnernde Verbreitung kleiner dornloser Sträucher als bemerkenswerteste Eigentümlichkeit anzuführen ist. Je nach der Regenhöhe auf den Plateaus ist diese Pflanzenwelt dichter oder, wie im südlichsten Teile des Innern, geradezu eine ähnliche, wie wir sie an der Grenze der Namib im Hererogebiet eben angetroffen haben. Einzelne Besonderheiten des pflanzlichen Lebens fallen dem Beobachter besonders auf. Die weitgehende Anpassung an das Klima zeigt sich nicht etwa nur in der Art der Bewehrung gegen Trockenheit und Strahlung sowie gegen die großen Temperaturunterschiede. Selbst die Zeit des Aufblühens im Frühling läßt dieses Anschmiegen des in den größeren Pflanzen schlummernden Lebens an den mittleren Beginn der ersten Regen erkennen, denn sie findet auch dann noch zu der gleichen Zeit statt, in der noch gar kein Regen gefallen ist. Auch die Aufgabe, deren sich die dichteren Bestände der größeren Pflanzen, zumal die holzigen, langlebigen unter ihnen, im Leben der Natur zu entledigen haben, wird um so deutlicher dort erkennbar, wo menschliches Eingreifen das ursprüngliche lebendige Kleid des Steppenbodens eingeschränkt oder gar vernichtet hat. Selbst die dichten, stark verästelten und darum auch im Winter Schatten spendenden Buschwaldungen erfüllen eine wichtige, durch keine Grasfläche je zu leistende Aufgabe, indem sie den Boden gegen die austrocknende Gewalt der Sonnenstrahlen und gegen die in gleicher Richtung wirkende Kraft des Windes in geradezu idealer Weise schützen. Das Versiegen von ehemals fließenden Fontänen, das allgemeine Zurückgehen des Grundwassers in diesem Lande erklärt sich bei gleichgebliebener Regenmenge zur Genüge aus dieser immer weiter fortschreitenden Entblößung der Steppe von ihren ursprünglichen Holzbeständen; diese allein vermag uns vollkommen ausreichend die Erscheinungen begreiflich zu machen, die man irrtümlicherweise einer Veränderung des Klimas in historischer Zeit hat zuschreiben wollen.

6. Tierwelt. Südwestafrika gehört auf Grund seiner Fauna zur südafrikanischen Region, d.h. es besitzt ursprünglich die gleichen Gattungen und Arten wie die Kapkolonie und die Hochländer am Oranje. Nur im Norden und Nordosten gesellen sich zu dieser vorwiegend der Steppe angehörigen Tierwelt die Arten des südlichen Zentralafrika. Es kann hier so wenig wie bei der Pflanzenwelt auf eine Aufzählung auch nur aller auffallenderen Formen eingegangen werden. Zugleich muß bemerkt werden, daß manche derselben bei der schnellen Veränderung, der gerade die Tierwelt in der Besiedelung erschlossenen Ländern unterliegt, seit dem Beginn der neunziger Jahre eine starke Verringerung erfahren hat, und daß zahlreiche Arten seitdem nur noch in entlegenen Gebieten ihr Dasein fristen, die noch um 1890 im mittleren Schutzgebiet verbreitet waren. So wurde noch kurz vor dieser Zeit das letzte Rhinozeros im westlichen Komaslande gesehen, und noch 1893 gab es bei Naosonnobis Giraffen und den Löwen. Letzterer kam sogar als streifendes Raubwild bis ins südliche Hereroland; während das edelste Wild der Erde, der Elefant, bereits seit Jahrzehnten aus dem Hererolande sich nach Norden zurückgezogen hatte. Wenn aber der Wildstand sich gegen früher so stark vermindert hat, so ist er doch im Vergleich mit Europa immer noch reich zu nennen. Auch sind eine Menge von Tieren wirtschaftlich wertvoll, so daß ein entschiedener und auf das ganze Schutzgebiet ausgedehnter Wildschutz nur zu berechtigt ist. Selbst das Küstenmeer und die Ufer sind, ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Öde, reich an Tieren. Abgesehen von der Fülle zum Teil gut verwertbarer Fische (s. Tafel 45/46) beherbergen die kühlen Gewässer der Bengueladrift wertvolle Pelzrobben, die Küste aber ist ein Tummelplatz für zahllose Vögel, unter denen der den Guano liefernde Pinguin, ferner der besonders an der Lagune von Walfischbai außerordentlich häufige Flamingo genannt zu werden verdienen. - Das Reich der Sänger findet in Südwestafrika eine Vertretung der meisten und wichtigsten Gattungen. Die Familie der Affen wird durch den überall, namentlich im Hochlande, verbreiteten Bärenpavian repräsentiert, der sich in Gärten und Pflanzungen recht unliebsam bemerkbar machen kann. Groß ist die Zahl der Raubtiere. Vom Löwen, der freilich auf die entlegensten Gebiete des Nordens zurückgedrängt ist und selbst in der Kalahari nur noch ausnahmsweise vorkommen dürfte, bis zum kleinen wieselartigen Erdmännchen sind so ziemlich alle Gattungen außer dem Bären vertreten. Überall verbreitet sind Leopard und der ihm verwandte Gepard, ferner verschiedene Schakale, besonders der schöne Schabrackenschakal (s. Tafel 48) sowie die gefleckte Hyäne. Seltener ist der Erdwolf, ebenfalls eine Hyänenart, häufig dagegen der Luchs (Rooikat der Buren) und kleinere Wildkatzen. Den Herden gefährlich ist der in Rudeln jagende wilde Hyänenhund (Lycaon piotus). - Ein seltsamer Bewohner von Felslöchern ist der Klippdachs, während noch sonderbarer die in weichgründigem Boden vorkommenden Erdferkel und ein Schuppentier den Beschauer anmuten. Stachelschweine, Springhasen, die neben echten Hasen weit verbreitet sind, mögen unter den kleineren Säugern der Steppe erwähnt werden. Dagegen beschränkt sich das afrikanische Wildschwein auf den Nordosten des Schutzgebietes. - Am reichsten vertreten sind die Gattungen und Arten der freien Landschaft und der unabsehbaren Ebene. Besonders die Antilopen (s. Tafel 48) sind heute noch in großer Menge und Artenzahl vorhanden. Nachdem die Elenantilope auf das Kaokogebiet beschränkt ist, werden die großen Arten durch das im gebirgigen Teil des Hererolandes nicht seltene Kudu sowie durch das Hartebeest, die Kaamaantilope vertreten. Im mittleren Teile lebt in Rudeln auch die Oryxantilope, während der zierliche Springbock in großen Scharen die Ebenen im Westen und die freieren Flächen des Innern beweidet. Mehrere kleinere meist paarweise auftretende Antilopen bevölkern die Felsgebiete und das Gestrüpp der Flußtäler. Im Norden begegnet man auch noch dem Gnu, in den feuchteren Landschaften endlich auch einigen zentralafrikanischen Hornträgern, wie dem Wasserbock, der Lecheantilope und anderen. Neben all diesem gehörnten Wilde vervollständigen endlich zwei Arten des Zebra die Schar südwestafrikanischer Bewohner der freien Steppe aus dem Säugetierreich, während der früher im Hererolande ebenfalls vorkommende Büffel heute selbst im Norden ausgestorben ist. - Noch mehr als unter dem mittleren Wilde hat das Vordringen neuzeitlicher Waffen den Bestand an den Riesen der Steppe und Savanne gelichtet und auf ein kleines Gebiet beschränkt, das ehedem bis zum Oranjefluß verbreitet war. Noch in den sechziger Jahren fand Andersson das Hochwild Afrikas im ganzen mittleren Schutzgebiet in großen Mengen. Jetzt zeigt sich der Elefant in geringer Menge nur noch im Nordosten der tropischen Landschaft, die Giraffe und das zweihörnige Rhinozeros, das die Bastards von Rehoboth noch um 1870 bei Windhuk erlegten, nur noch im Kaoko und den Nordostgegenden. Das Flußpferd, das im inneren Schutzgebiet niemals als ständiges Wild vorhanden war, kommt in den großen Grenzflüssen vor. - Ebenfalls reich an Arten und Größe der Rudel und Völker ist die geflügelte Tierwelt vertreten. Nashornvögel und Webervögel sowie graue Halbpapageien und grüne Sittiche beleben mit unzähligen, teilweise sehr schön gefärbten Vögeln mittlerer Größe den Busch und die lichten Baumgruppen der Grundwassergebiete. Dort wimmelt es auch von Tauben, die häufig genug dem Raubgeflügel zum Opfer fallen, unter dem selbst stattliche Adler eine Rolle spielen. Mehr nützlich als der Flugwelt gefährlich ist der gewaltige Aasgeier und seiner guten Eigenschaften wegen von jeher auch von den Eingeborenen geschont der Sekretär oder Schlangenadler, der eifrige Feind der scheußlichsten Bewohner unserer Kolonie. Bieten schon diese Vertreter der Flugwelt ein Bild reichen Lebens, so wird es noch übertroffen durch die ungeheuren Scharen der Laufvögel, die den größten Teil des Innern bevölkern und wegen ihrer Menge auf Grund ihres Wohlgeschmacks zu den wertvollsten Jagdtieren des Landes gerechnet werden dürfen. Perlhühner, fasanenähnliche Steppenhühner, mehrere Trappen, darunter eine von riesenhafter Größe, ebenso Verwandte unseres europäischen Rebhuhns sind die wichtigsten von ihnen. Viel seltener und nur an geeigneten Stellen findet man Wildenten und Wasserwachteln. - Keines von all diesen Tieren kommt indessen an Bedeutung dem großen Laufvogel des Schutzgebiets, dem Strauß, gleich, der die freie Landschaft nicht allein im Innern, sondern auch in der der Farmwirtschaft dauernd unzugänglichen Namib beweidet und der, dank einer rechtzeitig durchgeführten Schonung, in durchaus nicht geringer Zahl vorhanden ist. - Von den übrigen Wirbeltieren sind namentlich die Reptilien sehr reich vertreten. Eidechsen in größter Fülle und den buntesten Farben beleben die Felsen; einige erreichen eine bedeutende Größe, doch die gewaltigste von ihnen, das Krokodil, ist natürlich auf die ständig fließenden Flüsse des Nordens beschränkt. Schildkröten werden in den Steppen häufig angetroffen. Kein einziges Reptil aber genießt einen so unheimlichen Ruf wie die Schlangen, von denen neben harmlosen Nattern die gefährliche Puffotter und die Naja, die Kobra Afrikas, überall vorkommen. Auch eine Art Homviper sowie eine giftige Sandschlange sind, die letztere namentlich im Westen, nicht selten. Weniger häufig, aber ganz harmlos ist die afrikanische Riesenschlange, der Python, die besonders in den bergigen Landschaften und im Norden vorkommt, allerdings weit weniger zahlreich als die gefährlichen Arten. - Die Welt der niederen Tiere, durch Skorpione, Spinnen, hornissenartige Wespen, durch Mücken, Fliegen, Tausendfüße, Sandflöhe und andere Tiere dem Menschen unangenehm, besitzt in der Honigbiene eine im Innern weit verbreitete nützliche Vertreterin. Falter und Motten, vor allem aber Käfer und einige sonderbare Heuschrecken vervollständigen die auffallenderen Formen. Recht lästig für Weide und Garten sind die in einzelnen Jahren erfolgenden Einfälle ungezählter Scharen der berüchtigten Wanderheuschrecke. Ein anderes oft schädliches Tier, die Termite, wird dagegen hauptsächlich im Hererolande und den nördlichen Landschaften angetroffen. - Die Zahl der Süßwassertiere ist beschränkt. Frösche und einige Fischarten, diese besonders in den ständig vorhandenen Wasseransammlungen des Großen Fischflusses, sind zu erwähnen. Die Natur hat Südafrika zu einem Lande des Massenauftretens bestimmter Weidetiere gemacht. So ist die Individuenzahl selbst der größeren Steppenbewohner heute noch ziemlich groß; in früheren Jahrzehnten war sie so ungeheuer, daß das Wild in diesem Lande geradezu die Staffage der landschaftlichen Erscheinung bildete, auch waren und sind bestimmte Antilopen hier durch eine stattlichere Entwicklung des Baues ausgezeichnet als in den afrikanischen Ländern, in denen ihnen nicht so riesige, zusammenhängende Weideflächen zur Verfügung standen. Andrerseits bedingte der Reichtum an Huftieren und an Steppengeflügel wiederum eine auffallende Häufigkeit der Raubtiere. Von diesen sind namentlich die kleineren durch Winterfelle ausgezeichnet, welche die ihrer tropischen Artgenossen an Schönheit übertreffen und zur Entstehung einer bodenständigen Industrie, der Herstellung geschmackvoller Felldecken, namentlich bei den Hottentotten, Anlaß gaben. Andere, wie der Strauß und der Springbock, sowie einige andere Weidetiere, sind imstande, in kurzer Zeit so weite Strecken zu durchwandern, daß sie mit der dürftigsten Weide und mit weit von einander entfernten Wasserstellen zufrieden waren. Sie bilden die Vertreter des Lebens noch in Landschaften, in denen, wie in der Namib, auf jede Verwertung des Landes durch Haustiere verzichtet werden muß. Sie vermochten sich daher bis in die Zeit in nicht unbedeutender Menge zu erhalten, in der ihnen eine verständige Jagdschutzverordnung Sicherheit gegen die allzustarke Verfolgung durch den Menschen gewährte. Von welcher Bedeutung selbst die Reste des alten Tierreichtums für das Schutzgebiet sind, geht daraus hervor, daß, von der Nutzung im Lande selbst ganz abgesehen, an Wildhäuten und Fellen 1900, also nach einer schon starken Besetzung des Siedlungsgebietes, für nicht weniger als 26 000 M, an Federn des wilden Straußes gleichzeitig für 66 000 M ausgeführt wurden, gleich einem Zehntel des damaligen Ausfuhrwertes, ja unter Einrechnung der Robbenfelle 12,5 vom Hundert. S. a. Tierwelt der deutschen Schutzgebiete, Zoologie und Jagd. Die Haustiere des Landes waren ursprünglich nur das hochbeinige, schlanke Hererorind, das viel weniger zahlreiche kleinere Rind des Ambolandes sowie das bereits mit holländischen Tieren gekreuzte Rind des Groß - Namalandes. Ferner wurden gehalten das Fettschwanzschal Südafrikas, die südafrikanische Hausziege und wenig minderwertiges. Geflügel. Pferde, die sich namentlich im Besitz der Hottentotten und Bastards befanden, stammten zum größten Teil aus der Kapkolonie. - Neuerdings hat sich das Bild unter dem Einflusse der Rinderpest und der Tätigkeit der Europäersiedlung völlig geändert. Zwar trifft man unter dem allenthalben gehaltenen Kleinvieh noch vorwiegend die eben genannten einheimischen Rassen. Daneben aber hat namentlich im Süden die Vermehrung des Bestandes an Wollschafen und Angoraziegen Fortschritte gemacht, die Rinderrasse ist aufgebessert, und neben der Haltung der genannten Tiere ist auch eine rationell betriebene Pferdezucht im Lande selbst aufgenommen. Neu unter dem Haustierbestand sind das Schwein, bessere Geflügelsorten und das für einzelne Gegenden sehr wichtige Kamel sowie die schon erwähnte Angoraziege und das Wollschaf. S.a. Viehzucht, Pferdezucht, Schafzucht.

7. Die Bevölkerung kann an dieser Stelle nur in ihren gemeinsamen geographischen Beziehungen behandelt werden, da die ethnologischen und geschichtlichen Besonderheiten unter den die einzelnen Völker betreffenden Stichworten ausführlich behandelt sind. Südwestafrika war von jeher ein Land ausgedehnter Völker- und Rassenverschiebungen. Gilt das von jener Zeit, in welcher die Herero (s.d.) von Norden eindrangen, so haben die unter steten Kämpfen sich vollziehenden Veränderungen sowohl zwischen den beiden Hauptrassen, der schwarzen und der gelben, mit dem Zusammenstoß beider keineswegs ihr Ende erreicht. Sie interessieren uns hier insofern, als sie bis zum Eintreten der deutschen Herrschaft fast allein d ie geschichtliche Entwicklung des Landes bezeichnen. - Man kann drei große Perioden dieser Volksverschiebungen unterscheiden. Die erste beginnt mit dem Eindringen der zu den Bantu gehörigen Herero (s.d.) in das später von ihnen bewohnte Gebiet, das wir uns etwa um die Mitte des 18. Jahrh. als bereits vollzogene Tatsache vorstellen müssen. Urkundlich festgelegte Erinnerungen an diese Zeit haben wir nicht, da unsere wertvollsten Zeugen für die frühere Geschichte des Landes, die Missionare, damals noch nicht im Lande weilten. Einzelnen Mitteilungen von Reisenden können wir indessen die bei dem Gegensatz zwischen den beiden Hauptvölkern nicht gerade erstaunliche Tatsache entnehmen, daß bereits damals häufige und erbitterte Kämpfe zwischen den beiden Hauptrassen stattgefunden haben. Ein eigenartiger Umstand zwingt uns zu der Annahme, daß die Hottentotten (s.d.) vorher die Herren auch eines Teiles des späteren Hererolandes gewesen sein müssen. Denn anders ist das Merkwürdige nicht zu erklären, daß die Haukoin oder Bergdamara (s.d.), die ja ursprünglich zum weitaus größten Teile die einsameren Hochflächen innerhalb des Hererolandes bewohnen, an Stelle ihrer eigenen, verloren gegangenen Sprache diejenige der gelben Rasse angenommen haben. - Die zweite Periode der Landesgeschichte setzt in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrh. ein. In dieser Zeit geht der Anlaß zu neuen Völkerverschiebungen von der hellfarbigen Rasse aus; sie nimmt ihren Anfang mit dem Eindringen der Orlam (s. Hottentotten) in das Gebiet der heutigen deutschen Kolonie und mit der kraftvollen und zielbewußten Gegenbewegung gegen das weitere Vordringen der Herero, die durch das Eingreifen dieser bereits höher kultivierten Stämme, unter denen vor allem die Afrikaaner (s.d.) und erst viel später die Witbois (s.d.) zu nennen sind, beginnt. Dieser Zeitraum, der mit der Unterwerfung der Herero seinen Höhepunkt erreichte, brachte aber nicht allein die Hottentotten wieder an die Spitze der Eingeborenen, sondern er verursachte, wie das bei afrikanischen Völkern fast immer beobachtet wird, auch starke Machtverschiebungen innerhalb der nunmehr die Oberhand gewinnenden Rasse. Unter ihr hatten in erster Linie die sog. Urstämme zu leiden, die während dieser Zeit mehr und mehr ihre alte Stellung als Machthaber einbüßten, die damit an die Eindringlinge aus der Kapkolonie überging. - Der letzte und wichtigste Abschnitt der geschichtlichen Entwicklung beginnt mit dem Eingreifen des Europäertums in die Geschicke des Landes. In gewissem Sinne kann man, den Anfang dieser "Neuzeit" der Geschichte von Südwestafrika in der mit Hilfe europäischer Einflüsse zustande gekommenen Losreißung der Herero von den hottentottischen Machthabern unter Kamaharero erkennen. Doch kann man die größere Bedeutung der Hottentottenführer gegenüber den Hererokapitänen schließlich in ihrem Ausklingen noch in den Kämpfen Hendrik Witbois (s. d.) gegen die Schwarzen wiederer kennen, die erst acht Jahre nach der Inbesitznahme des Landes durch Deutschland endgültig beendigt wurden. In diesen Jahren waren, von dem Engländer Palgrave bis zu den Kommissaren Goering (s. d.) und v. Francois (s. d.), auch die offiziellen Einflüsse der Vertreter europäischer Völker tätig, um die früheren, ungeordneten Zeiten ohne Schaden für das Land zu beendigen. Jetzt beginnt letzten Endes die höhere Kultur, deren Wirken die wirtschaftlich wertlosere weichen muß und unter deren Einflusse wir dies Zurückweichen ganzer Völker vor sich gehen sehen, zunächst in schrittweisem Aufgeben ihres "ererbten", d. h. schließlich doch auch nur eroberten und dann mit immer neuen Gewalttaten erhaltenen Besitzstandes, und zuletzt in dem großen Ringen um die wirkliche Herrschaft, das noch keiner Kolonialmacht unter ihr an Zahl überlegenen Eingeborenenvölkern erspart ward. Dieser Gang der Ereignisse vollzieht sich überall wie nach einem ehernen Gesetz; er hat auch in Südwestafrika dazu geführt, daß man erst seit 1907 von einer wirklichen Herrschaft Deutschlands, d. h. von einer Leitung der Politik und der Wirtschaft sprechen kann. - Nach der völligen Unterwerfung der Herero und der Hottentotten im gedachten Jahre stellt sich die Einwohnerzahl des Siedlungsgebiets, die großenteils durch Zählung, in einzelnen Fällen auch durch Schätzung ermittelt ist, auf (1912) 103 000 Seelen. Rechnet man das Tropengebiet hinzu so ist, unter der Voraussetzung, daß die von dort stammenden Schätzungen einigermaßen der Wahrheit entsprechen, seine Gesamteinwohnerzahl auf rund 180 000 anzusetzen, wobei für das Amboland etwa 60 000, für den Caprivizipfel ungefähr 20 000 Seelen in Anschlag gebracht werden. Die Bevölkerungsdichte der ganzen Kolonie mit ihren 8 30 000 qkm würde dann im Durchschnitt 0,22 betragen, d. h. mit anderen Worten, daß auf jeden Einwohner beinahe 5 qkm Landes kommen. (In den amtl. Jahresberichten wird die Gesamtzahl der einheimischen farbigen Bevölkerung Anfang 1913 auf nur 78 810 Köpfe angegeben.) - In Wahrheit wird dies Bild der Volksverteilung noch viel eigenartiger, wenn man nur das Siedlungsgebiet berücksichtigt, das ja einschließlich des Kaokoveldes allein 700 000 qkm umfaßt. Hier ergibt die Beziehung der Bevölkerung auf die Fläche die unglaublich niedrige Volksdichte von 0,12, d. h. erst auf 8 qkm kommt in diesem ungeheuren Gebiet ein Mensch. Die Dichte der Weißen ist trotz ihrer Zunahme heute noch so gering, daß auf jeden von ihnen rund 50 qkm Landes, fast eine deutsche Quadratmeile, kommen! - Die eingeborenen Farbigen des Siedelungsgebietes lassen noch heute sowohl in ihrem gegenseitigen Verhältnis wie in der räumlichen Verteilung das Bild der früheren Jahre erkennen, wenngleich die Kopfzahl sich naturgemäß gegen die Jahre vor dem Kriege erheblich verringert hat. Auch jetzt machen die Herero mit 24, die Bergdamara mit 24 und die Hottentotten mit 14 % den weitaus größten Teil der im Lande beheimateten Farbigen aus. Merkwürdig ist die verhältnismäßig große Zahl der Buschmänner (s. d.), 8400, während die Zahl der Bastards (s. d.) und Mischlinge sich auf 4200 beläuft. Ganz in den Hintergrund treten die Betschuanen (s. d.), während wir in den Ovambo (s. d.; die Owatjimba sind den Herero zugerechnet) eine der Veränderung stark unterworfene Bevölkerung zu sehen haben (1910 = 8700 gegen 10 500 im Jahre 1912 und 5700 im Jahre 1913), die ja auch nicht zu den im eigentlichen Siedlungsgebiet heimischen Eingeborenen gerechnet werden können. Ihrer geographischen Verteilung nach sitzt die Hauptmasse der Herero heute wieder in dem Gebiet ihrer ehemaligen Verbreitung, d.h. im alten Hererolande. Im Süden trifft man sie in etwas größerer Zahl lediglich im Bezirk Keetmanshoop, wo sie ein Sechstel der farbigen Bevölkerung bilden, während sie etwa die Hälfte der Farbigen von Omaruru ausmachen. Die Hottentotten überwiegen im Süden. Schon im Bezirk Windhuk sind sie recht zahlreich, bilden aber erst im eigentlichen Süden des Groß - Namalandes die Hauptmasse der Eingeborenenbevölkerung. Die Bergdamara sind ganz vorwiegend auf das Gebiet des Hererolandes einschließlich des Bastardlandes beschränkt, also auf die Landschaften, in denen sie von jeher beheimatet waren. Die wenigen Betschuanen leben im Osten von Windhuk, vor allem im Bezirk Gobabis, die Buschmänner hauptsächlich im Nordosten (Bezirk Outjo und Grootfontein) und im Osten des bis in die Kalahari reichenden Bezirks Gobabis. Die im Siedlungsgebiet als Arbeiter tätigen Ovambo sind in großer Zahl im Minengebiet von Grootfontein, daneben aber auch in beträchtlicher Menge im Bereich der Diamantenfundstellen beschäftigt. Weit mehr als die Hälfte der Mischlinge bzw. der Bastards (s.d.) sitzt im Rehobother Lande, etwa der elfte Teil von ihnen im Gebiet der Südbastards im Osten des Bezirks Keetmanshoop. Fremde Farbige, zumeist solche aus dem Kaplande, wurden 1913 nicht weniger als 2648 gezählt. Sie sind namentlich im Süden, auch im südlichsten Hererolande, beschäftigt. - Die weiße Bevölkerung, unter der die, Männer immer noch die Frauen und Kinder erheblich überwiegen, zeigt ein starkes Fortschreiten. (S. a. 8. Besiedelung durch Weiße). 1901 betrug ihre Gesamtzahl 3643, 1913 bereits 14 830. Während aber 1901 auf 100 Männer erst 19 Frauen kamen, gab es deren, in derselben Weise auf die männlichen Erwachsenen verrechnet, am 1. Jan. 1911 bereits 27. Ein wenn auch langsamer doch immerhin erkennbarer Fortschritt. Die Weißen sind in größter Zahl im ältesten Siedlungsgebiet, also namentlich im Gebiet von Windhuk, anzutreffen. Hier saßen Anfang 1912 nicht weniger als 13 % aller im Schutzgebiete vorhandenen Europäer. Dagegen bilden sie selbst hier nur 24 % der gesamten Bevölkerung des Bezirks, ein Zahlenverhältnis, das immerhin zu denken gibt. - Der Staatsangehörigkeit nach überwiegen die Deutschen. Zehn Jahre vorher erst 61 %, umfaßten sie 1912 bereits 82 % aller Weißen. Neben ihnen sind die Kolonialengländer, zum größten Teil südafrikanische Buren, vertreten, während die Angehörigen aller anderen Staaten, außer österreich - ungarischen und englischen Staatsangehörigen, nur schwach vertreten sind. In konfessioneller Hinsicht ist das Übergewicht der Protestanten, rund 80 %, bemerkenswert, während auf die Katholiken etwa 17 % der Gesamtbevölkerung entfallen. - Dem Berufe nach gehört immer noch ein sehr großer Teil der erwachsenen Männer, die hier allein in Betracht kommen, der Schutztruppe und dem Beamtenstande an. Von den der Zivilbevölkerung angehörenden Männern waren bereits 1911 fast 24 % Landwirte, mit dem Handel befaßten sich 17, mit der Ausübung eines Handwerks oder als Arbeiter dagegen waren 43 % aller erwachsenen Zivilpersonen beschäftigt. - Die Zahl der Kinder ist bereits ziemlich groß. Während das Schutzgebiet im Jahre 1901 deren erst 790 zählte, gab es 1913 schon 2962 in Südwestafrika, ein Beweis, wie wichtig die Schulfrage in dieser Kolonie ist. Dove.

8. Besiedelung durch Weiße. Die ersten Weißen, welche D.-S. aufsuchten, taten dies nicht, um sich dauernd niederzulassen, sondern um sich durch Handel mit den Eingeborenen oder durch Goldfunde rasch ein Vermögen zu erwerben. Die Rheinische Missionsgesellschaft (s. d.) war die erste, welche Kolonisten aussandte und sie in Otjimbingue ansiedelte. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog eine Anzahl südafrikanischer Buren unter der Führung von Johannes Jordaan in den Norden des Schutzgebietes und ließ sich in der Nähe der Etoschapfanne nieder. Ihre Absicht, ein politisch selbständiges Gemeinwesen zu errichten, scheiterte aber. Lüderitz (s. d.) sah in seinem Programm auch eine Besiedelung des von ihm erworbenen Landes vor. In den ersten Jahren der deutschen Herrschaft waren die Sicherheitsverhältnisse infolge der Kämpfe der Eingeborenen zu ungenügend, um eine ausgedehntere Besiedelung des Landes zu gestatten. Allerdings wurden in den Jahren 1892 ff in Klein-Windhuk seitens des aus den Kreisen der Deutschen Kolonialgesellschaft gebildeten "Syndikats für südwestafrikanische Siedlung" Siedelungen auf kleinen Heimstätten geschaffen. Im Jahre 1893 betrug die Zahl der auf Veranlassung des Syndikats eingewanderten Personen etwa 50. Erst im Jahre 1895 kam die Besiedelung in einen etwas lebhafteren Gang. Von 1901 ab standen dem Gouvernement Mittel zur Verfügung, um die Niederlassung Weißer durch Gewährung von Darlehen zu unterstützen. Die Zahl Der Farmer vermehrte sich insbesondere durch zur Entlassung kommende Schutztruppenangehörige allmählich. Dagegen hatten die Versuche der Kolonialverwaltung, durch Verleihung umfangreicher Land- und Bergrechte an große Gesellschaften die Niederlassung Weißer zu fördern, nur geringen Erfolg (s. Landkonzessionen). Als im Januar 1904 der Hereroaufstand (s. d.) ausbrach, war die Zahl der vorhandenen Wirtschaftsbetriebe im Vergleich zu der Größe des Landes eine nicht erhebliche, der angerichtete Schaden wäre bei stärkerer Besiedelung ungleich größer geworden. Seit der Niederwerfung, des Eingeborenenaufstandes hat die Einwanderung nach D.-S. erheblich zugenommen. Ein Teil der Einwanderer wurde angelockt durch die Hoffnung auf raschen Verdienst im Aufstande, diese sind mit der Beendigung des Aufstandes meist wieder verschwunden. Daneben hat sich aber eine größere Anzahl als Farmer niedergelassen. Endlich brachte der sich entwickelnde Bergbau auf Kupfer und Diamanten weitere Weiße ins Land. Die Stärke der weißen Bevölkerung D.-S.s und ihre Zunahme in den Jahren 1900 - 1913 zeigen folgende Zahlen: 1900: 3387, 1901: 3643, 1902: 4674, 1903: 4682, 1906: 6372, 1907: 7110, 1908: 8218, 1909: 11 791, 1910: 12 935, 1911: 13 962, 1912: 14 816, 1913: 14 830. Von der gesamten Bevölkerung lebt reichlich die Hälfte in geschlossenen Plätzen, der Rest auf dem Lande. Über Einzelheiten der Statistik s. 7. Bevölkerung.

9. Landwirtschaft und Viehzucht. Der dauernde Reichtum D.-S.s beruht in seiner natürlichen Geeignetheit für Viehzucht. Die Rindermassen der Hereros lockten schon im 18. und 19. Jahrh. den weißen Händler an. Die Farmsiedelungen unter deutscher Herrschaft waren ebenfalls von Anfang an überwiegend auf Viehzucht gerichtet. Der nicht sehr fruchtbare Boden gestattet aber nur die Haltung verhältnismäßig beschränkter Viehherden auf großen Flächen. Andererseits erleichtert die natürliche Beschaffenheit der Weide die Farmwirtschaft insofern, als das Vieh das ganze Jahr hindurch auf das Weidefeld hinausgetrieben werden kann und eine Fürsorge für die schlechtere Jahreszeit im allgemeinen nicht erforderlich ist. Der extensive Charakter der Viehzucht hat die Folge gehabt, daß die Farmen eine ungewöhnliche Größe besitzen. Im Norden des Schutzgebietes umfassen die Farmen jedenfalls mehrere tausend Hektar, in der Mitte mindestens fünf Tausend und im Süden bis zu zehn Tausend und mehr. Eine Verminderung der Farmengröße wird eintreten können, sobald mehr dazu übergegangen wird, durch Anbau von Luzerne und anderen Futtermitteln eine größere Viehhaltung auf kleineren Flächen zu ermöglichen. Während die Regierung vor Einziehung des Eingeborenenlandes im Anschluß an den letzten Aufstand nicht sehr bedeutende Flächen zum Verkauf als Farmland besaß, verfügt sie jetzt über den größeren Teil des Grund und Bodens des Schutzgebietes. Außerdem haben ihr mehrere Landgesellschaften vertragsmäßig das Recht zum Verkauf eines großen Teils ihres Landes für Rechnung der Gesellschaften eingeräumt. Ansiedelungslustige können außer von der Regierung direkt von den Landgesellschaften zu deren Bedingungen Farmland erwerben. Die Regierung sucht die Entwicklung der Farmwirtschaft dadurch zu fördern, daß sie das Land zu niedrigen Preisen und unter weitgehender Bewilligung von Zahlungsfristen abgibt. Die Zahl der in Privatbesitz befindlichen Farmen in D.- S. belief sich im Jahre 1913 auf insgesamt 1331, von denen 108 Pachtungen waren. Von der angegebenen Zahl waren 193 Farmen nicht bewirtschaftet. Der Gesamtflächeninhalt aller in Privatbesitz befindlichen Farmen betrug 13 393 606 ha.

Die Einfuhr von Zuchttieren wird dadurch erleichtert, daß den Privaten die Kosten des Transportes seitens der Regierung tunlichst abgenommen werden. Im Interesse der Pferdezucht ist in Nauchas eine Regierungszuchtstation eingerichtet, deren Hengste den Farmern unter günstigen Bedingungen zur Verfügung stehen. Die rasche Wiederbestockung der Farmen nach der Vernichtung des Viehs durch den letzten Eingeborenenaufstand ist nur durch größere Regierungstransporte aus der Kapkolonie möglich gewesen. - Neben der Farmwirtschaft gibt es im Schutzgebiet die sog. Kleinsiedelung. Ihr Schwergewicht liegt nicht in der Viehhaltung, sondern im Garten- und Ackerbau. Kleinsiedelungen sind deshalb namentlich auf den Alluvialböden der Riviere entstanden. Sie befassen sich mit dem Anbau von Kartoffeln, Mais, Orangen, Zitronen, Tabak und sonstigen Feld- und Gartenfrüchten. Während früher in den beteiligten Kreisen die Auffassung herrschte, Südwestafrika eigne sich nur wenig für Ackerbau und Gartenwirtschaft, hat in der letzten Zeit eine optimistischere Einschätzung dieser Möglichkeiten stattgefunden. Namentlich werden mit dem sog. Trockenfarmsystem in den verschiedensten Teilen des Schutzgebietes Versuche gemacht. Die Regierung hat auf der Regierungsfarm Neudamm eine landwirtschaftliche Versuchsstation für Trockenkultur eingerichtet. Hauptsächlich Mais und Kartoffeln werden auf den Regenfall angebaut. Der Anbau von Luzerne und Tabak ist meist nur auf Grund künstlicher Bewässerung möglich. Die forstwirtschaftlichen Unternehmungen der Regierung befinden sich meist noch im Versuchsstadium. Neben den Regierungsgärten in Windhuk dienen 4 Forstgärten in verschiedenen Teilen des Landes diesen Zwecken Der Forstgarten in Ukuib hatte im Jahre 1912 auf einer Fläche von 27,19 ha einen Bestand von 7387 Dattelbäumen. -Zwecks Hebung des Tabakbaus ist eine amtliche Tabakversuchsstation in Okahandja eingerichtet worden. - Wein wächst in vielen Teilen des Schutzgebietes unter günstigen Bedingungen. - Der Obstbau hat meist noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. - Der landwirtschafttreibenden Bevölkerung ist durch die Schaffung des Landwirtschaftsrats auf Grund der GouvV. vom 27. Mai 1913 Gelegenheit zur Wahrung und Förderung ihrer Gesamtinteressen gegeben worden. Der Landwirtschaftsrat soll die Verwaltung beraten und ihr Anregungen geben. Er setzt sich aus den bezirksweise gewählten Vertretern der selbständigen Landwirte zusammen.

10. Handel. Die ersten Weißen, welche zum Zwecke des Handels das Schutzgebiet betraten, beschränkten sieh auf den Tauschhandel mit den Eingeborenen. Als Handelsgegenstände kamen die Rinderherden der Hereros, daneben in geringerem Umfange Elfenbein, Straußfedern, Hörner und Felle in Betracht. Bis zum Ausbruch des Eingeborenenaufstandes der Jahre 1904 ff vollzog sich der Tauschhandel mit den Eingeborenen meist in der Weise, daß Wanderhändler in das Handelsfeld zogen und die Eingeborenen zum Tauschhandel bestimmten. Die Händler hatten gewöhnlich ihre Waren von den Kaufgeschäften der größeren Plätze, und zwar meist auf Kredit entnommen. Der Ausfuhrhandel des Schutzgebiets ebenso wie der Handel unter den Weißen war von geringer Bedeutung. Die Einfuhr umfaßte Gegenstände der verschiedensten Art, weil das Schutzgebiet wenig produzierte. Der Aufstand vernichtete den Tauschhandel mit den Eingeborenen, dafür brachte er aber eine erhebliche Einfuhr von Geld ins Schutzgebiet. - Infolge der Anwesenheit einer starken Schutztruppe, der raschen Vermehrung der Bevölkerung und infolge der Bahnbauten hat der Handel des Schutzgebietes in den letzten Jahren eine erhebliche Steigerung erfahren. Dies gilt nicht nur für die Einfuhr, sondern infolge der Belebung des Bergbaus auch für die Ausfuhr. Die ins Schutzgebiet ein- und ausgeführten Werte ergeben für die Zeit von 1901 -1912 folgende Zahlen:

Die Zahlen umfassen für die Jahre 1904 und 1905 nur die in das Schutzgebiet ein- und ausgeführten Privatgüter ohne die Regierungsgüter. Da D.-S. eine nennenswerte Industrie nicht besitzt, umfaßt die Einfuhr Waren der verschiedensten Art. Unter ihnen stehen im Vordergrunde die zur Verpflegung der Weißen und Eingeborenen dienenden Körnerfrüchte, ferner Bier, Feuerwaffen, Gewebe, insbesondere Leibwäsche und Kleider, Eisenmaterial und Maschinen. - Die Ausfuhr besteht fast ausschließlich aus Mineralien, und zwar rohen Diamanten, rohen und aufbereiteten Kupfererzen und Blei. Die Produkte der Landwirtschaft spielen bislang eine unbedeutende Rolle. Im Jahre 1910 betrug der Wert der ausgeführten Diamanten 26 869 074 M, 1912: 30 414 078 M, derjenige der rohen und aufbereiteten Kupfererze 5 697 208 M, 1912: 6 523 258 M, der des Bleis 861 180 M, 1912: 228 127 M. Dagegen hatte die ausgeführte Wolle nur einen Wert von 76 329 M, 1912: 149 658 M und das ausgeführte Fleisch und Fleischwaren einen Wert von rund 22 603 M, 1912: 28 974 M. - Der Handel mit Alkohol, Feuerwaffen und Munition erfuhr bereits im ersten Jahrzehnt der deutschen Herrschaft in D.S. eine einschränkende Regelung. Heute ist außerdem der Wanderhandel besonders geordnet. Der Handel mit rohen Diamanten ist dadurch unmöglich geworden, daß die Förderer durch Ksl. Verordnung verpflichtet worden sind, ihre gesamte Produktion an die Diamantenregie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin zum Zwecke der Verwertung abzuliefern. In Zollfragen ist das Schutzgebiet dem Deutschen Reiche gegenüber Ausland. Andererseits unterliegen auch die von Deutschland nach D.-S. eingeführten Güter demselben Zollsatze wie die Einfuhr aus anderen Ländern. Nach dem geltenden Zolltarif sind nur einige Waren einem hohen Zoll unterworfen. (Näheres s. 14. Verwaltung.) Ein allgemeiner Wertzoll, wie er in den tropischen Kolonien gilt, besteht für D.-S. nicht. Ausfuhrzölle ruhen auf weiblichem Rindvieh, männlichen und weiblichen Angoraziegen, Robbenfellen, Bobskins und Guano. Der Ausfuhrzoll auf Diamanten ist kürzlich aufgehoben und in eine Diamantensteuer umgewandelt worden.

11. Geld- und Bankwesen. Da während der ersten Zeit der deutschen Herrschaft der Güterverkehr nach Südwestafrika fast ausschließlich von der Kopkolonie aus erfolgte, war es natürlich, daß überwiegend englisches Geld im Schutzgebiete im Umlauf war. Durch Verfügung des Ksl. Kommissars vom 1. Aug. 1893 wurden Zahlungen in englischem Gelde bei den öffentlichen Kassen grundsätzlich anerkannt und geregelt. Mit der zunehmenden Beeinflussung des Schutzgebietes durch den deutschen Handel und die deutsche Schiffahrt kam auch deutsches Geld in größerer Menge nach Südwestafrika. Der Gouverneur sah sich deshalb veranlaßt, durch V. vom 15. Dez. 1900 die deutsche Reichsmarkrechnung allgemein einzuführen und als gesetzliche Zahlungsmittel nur noch deutsche Münzen zuzulassen. Die jetzige Regelung des Geldwesens i m Schutzgebiet beruht auf der V. des RK., betr. das Geldwesen der Schutzgebiete außer Deutsch- Ostafrika und Kiautschou, vom 1. Febr. 1905. Nach ihr gilt in den Kolonien die Reichsmarkrechnung. Gesetzliches Zahlungsmittel sind sämtliche Münzen, die auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen im Reichsgebiete gesetzliches Zahlungsmittel sind, jedoch mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen und den Talern auch die Reichssilbermünzen für jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß die Nickel- und Kupfermünzen sowohl im Privatverkehr als auch im Verkehr mit den amtlichen Kassen gesetzliches Zahlungsmittel bis zum Betrage von 5 M sind. - Das Bankwesen des Schutzgebietes hat erst seit dem letzten Eingeborenenaufstande einen Aufschwung genommen. Bis dahin beschränkte es sich auf die Bankabteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika und auf die rein örtliche Spar- und Darlehnskasse in Gibeon. Daneben bestehen heute an örtlichen Bankinstituten der Swakopmunder Bankverein, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung, hauptsächlich von Handwerkern und Gewerbetreibenden Swakopmunds gegründet, und die Deutsch - Südwestafrikanische Genossenschaftsbank, eingetragene Genossenschaft m. b. H. in Windhuk, mit einem im wesentlichen auf die weitere Umgebung Windhuks beschränkten Tätigkeitsfelde. Bankgeschäfte aller Art betreibt die Deutsche Afrikabank A.-G. mit dem Sitze in Hamburg. Sie hat in Windhuk, Swakopmund und Lüderitzbucht Zweigniederlassungen. Die Befriedigung des städtischen Bodenkredits und den Betrieb von Treuhandgeschäften hat die Südwestafrikanische Bodenkredit - Gesellschaft, eine im Jahr 1912 in der Form einer deutschen Kolonialgesellschaft in Berlin gegründete Hypothekenbank, aufgenommen. Durch Ksl. V. vom 9. Juni 1913 ist zur Förderung der Landwirtschaft die Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika geschaffen worden. Ihr Grundkapital beträgt zehn Millionen Mark, welches der Bank vom Schutzgebiet geliehen wird. Die Bank ist eine juristische Person des öffentlichen Rechtes. Ihr Sitz ist Windhuk.

12. Bergwesen. Die Kunde von dem Vorhandensein von Gold und sonstigen wertvollen Mineralien veranlaßte schon in der Zeit vor der deutschen Herrschaft über Südwestafrika Expeditionen zu ihrer Gewinnung. Eine Ausbeute von Bedeutung wurde aber nicht erzielt. Als im Jahre 1888 das gelegentliche Auffinden reichen Golderzes die Hoffnung auf einen lohnenden Goldbergbau erweckte, erging die Ksl. V. vom 25. März 1888, durch welche der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika (s. d.) das Bergregal im Schutzgebiet verliehen wurde. Bereits durch V. vom 15. Aug. 1889 wurde aber dieses Bergregal beseitigt und Schürffreiheit für die Teile des Schutzgebiets, welche von der Bergbehörde für öffentliche Schürfgebiete erklärt worden waren, eingeführt. In dem größeren Teile des Schutzgebietes standen. allerdings die Sonderrechte von Minengesellschaften der Einführung von Schürfreiheit im Wege. Der Bergbau erhielt infolgedessen zunächst keine wesentliche Belebung. Die Verleihung von Minenkonzessionen für große Gebiete in den neunziger Jahren hatte ebenso wenig Erfolg. Eine Ausnahme machte die Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft, die zum Zwecke der Ausbeute der der South West Africa Company gehörigen Minen von Tsumeb und im Otavitale gegründet wurde. Die Otavi - Gesellschaft unterhält seit dem Jahre 1907 einen ordnungsmäßigen Bergbaubetrieb in Tsumeb und an verschiedenen Stellen im Otavitale. Es werden hier Kupfer- und Bleierze gewonnen. - An die Stelle der Berg-V. vom 15. Aug. 1889 trat am 1. Jan. 1906 die Ksl. Berg-V. für D.-S. vom 8. Aug. 1905. Durch sie fand das Prinzip der Schürf- und Bergbaufreiheit eine weitere Ausdehnung. Allerdings mußte auch diese gesetzliche Regelung vor den Rechten der Minengesellschaften Halt machen. Die Verordnung findet deshalb in denjenigen Gebieten, in denen Gesellschaften Bergrechte auf Grund einer vom Reichskanzler oder vom Auswärtigen Amt, Kolonialabteilung, erteilten oder bestätigten Sonderberechtigung zustehen, nur insoweit Anwendung, als sich nicht aus dem Inhalte der Berechtigung ein anderes ergibt. Schon im Jahre 1901 hatte die South African Territories in ihrem Bergrechtsgebiete Schürffreiheit eingeführt, allerdings belastet mit dem Rechte der Gesellschaft auf einen erheblichen Teil des Reingewinns im Falle der Entstehung eines Bergbaubetriebes. Die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika erklärte sich durch Vertrag vom 17. Febr./2. April 1908 zur Einführung der Ksl. Bergverordnung vom Jahre 1905 mit für die Interessen der Bergbautreibenden nicht wesentlichen Änderungen bereit. In beschränktem Umfange trat die Bergverordnung später im Bergrechtsgebiete der South West Africa Co. und in einem Teile des Gebietes der Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft in Kraft. Nach dem Erlaß der V. des RK., betr. die Erhebung einer Bergsonderrechtssteuer, vom 10. April 1913 haben die Kaoko - Land- und Minen - Gesellschaft und die South African Territories Limited für den größten Teil ihrer Gebiete unter Vorbehalt einiger Flächen, die Otavi - Minen- und Eisenbahn - Gesellschaft für ihre Bergbaublöcke längs der Otavibahn und die Hanseatische Minen - Gesellschaft für ihr gesamtes Gebiet dem Inkrafttreten der Bergverordnung mit einer für die Bergbautreibenden nicht wesentlich ungünstigeren Ausnahme ihre Zustimmung erteilt. (S. die aufgeführten Gesellschaften und Bergrecht.) Der Bergbau in D.-S. erstreckte sich im Jahre 1913 auf folgende Mineralien: 1. Diamanten. Die Gesamtförderung im Jahre 1912/13 betrug 1 183 615 Karat (ein Karat = 0,205g). Es entfielen durchschnittlich 5,65 Steine auf das Karat. Der Diamantenabbau erfolgt in zunehmendem Maße durch Maschinen, infolge dessen steigert sich die Mitgewinnung auch der kleinsten Steine. Diamanten sind bislang nur im Küstengebiete nördlich und südlich von Lüderitzbucht gefunden worden. (Näheres s. Diamanten und Diamantengesetzgebung.) - 2. Kupfer- und Bleierze. Außer in Tsumeb und im Otavitale sind Kupfererze in abbauwürdiger Menge im Khangebirge nahe der Station Khan der Staatsbahn Swakopmund-Karibib gefunden worden. Im Jahre 1912/13 wurden. aus der Khangrube bei Aufschließungsarbeiten 1000 t Kupfererze gefördert. Eine Anschlußbahn ist von der Grube nach der Station Arandis der Otavibahn hergestellt worden. Ferner wird Kupfer in nicht erheblicher Menge aus der Otjisongatimine bei Okahandja gewonnen. - 3. Gold. Bei Korichas im Gebiet der Kaoko - Land- und Minengesellschaft ist zwar Gold festgestellt, ob das Vorkommen aber einen Abbau lohnt, ist fraglich. Auch die gelegentlichen Funde von Gold an anderen Stellen haben bislang nicht zu einem Abbau geführt. - 4. Zinnerze. Zinnvorkommen sind nachgewiesen in den Bezirken Karibib, Omaruru und Swakopmund auf weite Strecken und von bedeutendem Umfange. Die .mächtigsten Vorkommen befinden sich in der Nähe des Erongogebirges. Die vielfachen Belegungen haben zu einem regelmäßigen Abbau noch nicht geführt. - 5. Marmor. Die Afrika-Marmor-Kolonial-Gesellschaft (s. d.) beutet in der Nähe von Karibib verschiedene Marmorbrüche aus, deren Material sie nach Deutschland verschifft. 6. Sonstige Erze. In dem Gebiete der KaokoLand- und Minengesellschaft sind Magneteisenlager von großem Umfang, aufgefunden worden. Auf der Farm Rietfontein ist das Vorhandensein von Mottramit festgestellt und auf der Farm Karious im Gebiete der South African Territories ist Wolframit gefunden worden. S. a. Bergbau.

13. Verkehrswesen. Die Unzugänglichkeit D.-S.s infolge seiner mangelhaften Verbindungen nach außen wie im Innern war der wesentliche Grund für den späten Eintritt dieses Teils von Südafrika in den Betätigungskreis der weißen Rasse. Noch bis zum Ausgang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der aus Südafrika stammende Ochsenwagen das Hauptverkehrs- und Transportmittel des Schutzgebiets. Eigentliche Wege gab es nicht. Der Verkehr folgte den Spuren der Wagen, die vorher in derselben Richtung gezogen waren. Nach außen stand das Schutzgebiet während der ersten Jahre der deutschen Herrschaft über Walfischbai mit Südafrika in mangelhafter Schiffsverbindung. Eine geordnete Verbindung über Land gab es nicht. Auf Betreiben deutscher Kreise wurde in den neunziger Jahren ein Verkehr durch die Dampfer der Woermann-Linie zwischen Deutschland und der im Schutzgebiet neu geschaffenen Landungsstelle in Swakopmund eingerichtet. Die Gefährdung der Verbindung des Innern mit der Küste infolge des Ausbruchs der Rinderpest im Jahre 1897 gab den Anstoß zur Schaffung der ersten Eisenbahn im Schutzgebiet. Der Bau dieser Schmalspurbahn von 60 cm Spurweite begann in Swakopmund im September 1897. Sie erreichte Windhuk im Juni 1902. - Die Gründung der Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft hatte die Entstehung einer zweiten Schmalspurbahn, der zwischen Swakopmund und Tsumeb mit einer Abzweigung von Otavi nach Grootfontein und von Onguati nach Karibib zur Folge. Der Bau wurde 1903 begonnen und 1906 vollendet. Diese Privatbahn ging im Juli 1910 durch Kaufvertrag in das Eigentum des Schutzgebietes über. - Die erheblichen Schwierigkeiten, welche die Verpflegung der gegen die Hottentotten im Süden des Schutzgebietes kämpfenden Truppen verursachte, führten dazu, daß im Jahre 1905 die Durchquerung der Wüste zwischen Lüderitzbucht und Aus mittels einer Eisenbahn beschlossen wurde. Die Bahn wurde einschließlich ihrer Verlängerung bis Keetmanshoop bis zum Jahre 1908 fertiggestellt. Sie ist in Kapspur (1,067 m) angelegt. Von der Station Seeheim wurde eine Zweigbahn nach Kalkfontein angegliedert. Auch für die Errichtung dieser Zweiglinie waren militärische Gesichtspunkte ausschlaggebend. Die letzten Jahre haben eine Verbindung der Staatsbahnen Swakopmund - Windhuk und Lüderitzbucht - Keetmanshaop gebracht. Diese in nordsüdlicher Richtung verlaufende Bahn hat ebenso wie die Südbahn Kapspur. Die Schmalspurstrecke Karibib - Windhuk wurde in Kapspur umgebaut. Das früher vernachlässigte Eisenbahnsystem des Schutzgebietes hat hiernach in den letzten Jahren einen unerwarteten Ausbau erfahren, der zu einem Stillstand noch nicht gekommen ist. Im Etat für 1914 ist für den Bau der vor allem für die Arbeiterbeschaffung bestimmten Ambolandbahn die erste Rate angefordert worden. Zur ständigen Vertretung der Bevölkerung in Eisenbahnverkehrsfragen wurde durch V. des Gouv. vom 28. Mai 1912 der Eisenbahnrat ins Leben gerufen; er setzt sich aus sechs vom Landesrat gewählten Vertretern der Berufsstände, aus einem Vertreter der Schutztruppe und aus dem Eisenbahnreferenten des Gouvernements zusammen. (S. a. Eisenbahnen.) - Ebenso wie der Eisenbahnverkehr hat auch der Nachrichtenverkehr (das Post- und Telegraphenwesen) im letzten Jahrzehnt einen erheblichen Aufschwung genommen. Im Jahre 1913 gab es im Schutzgebiet 102 Post- und Telegraphenanstalten, nämlich 3 Postämter, 25 Postagenturen, 42 Posthilfsstellen und 32 Telegraphenhilfsstellen (ohne Postbetrieb). Für das Post- und Telegraphenwesen waren an Personal vorhanden: ein Postdirektor in Windhuk, dem sämtliche Post- und Telegraphenanstalten unterstellt sind, 4 Postinspektoren, 43 mittlere Beamte und 25 Unterbeamte, ferner 8 ständige weiße Aushilfskräfte, daneben 91 im Post- und Telegraphendienst beschäftigte Farbige. Die gesamte Länge der Telegraphenlinien im Schutzgebiet betrug 3964 km, die Gesamtlänge der Telegraphenleitungen 6487 km. In 28 Orten waren Ortsfernsprecheinrichtungen vorhanden. Die Länge der Ortsfernsprechlinien betrug 194 km, die Länge der Fernsprechanschlußleitungen 1078 Kilometer. In Swakopmund und Lüderitzbucht ist eine Reichsfunkentelegraphenstation vorhanden. In Windhuk ist eine Reichsfunkentelegraphenstation im Bau, die dem direkten Verkehr des Schutzgebiets mit der Heimat über eine gleiche Station in Togo dienen soll. Neben den Reichstelegraphenleitungen gab es noch einzelne von der Schutztruppe betriebene Telegraphenleitungen und - stationen. -Das Telegraphennetz des Schutzgebietes ist an den Weltverkehr vermittelst der englischen Unterseekabel angeschlossen. - Mit der zunehmenden Einwirkung des Deutschen Reiches auf D.-S. entwickelte sich auch der Schiffsverkehr zwischen den beiden Ländern. An Verbindungen sind vorhanden: die zweimal monatlich in jeder Richtung verkehrenden und in Swakopmund und Lüderitzbucht anlegenden Dampfer der deutschen Ostafrikalinie in Hamburg, die nur Post und Passagiere, keine Fracht befördern; die Dampfer der Woermann-Linie, der Hamburg - Amerika - Linie und der Hamburg - Bremer - Afrika - Linie, die den Frachtverkehr besorgen. Daneben hat D.-S. alle drei Wochen Anschluß an die Dampfer der Union Castle Line Kapstadt - Southampton durch einen zwischen Swakopmund, Lüderitzbucht, Port Nolloth und Kapstadt verkehrenden Lokaldampfer der Woermann - Linie. Ferner berühren die Dampfer der Houston - Line die Häfen des Schutzgebietes.

14. Verwaltung und Rechtsprechung. Die örtliche Verwaltung des Schutzgebiets hat in dem Ksl. Gouverneur in Windhuk ihre Spitze. Der Gouverneur ist für die gesamte örtliche Verwaltung zuständig, seine Befugnisse sind nicht erschöpfend festgelegt. Er hat das Recht zum Erlaß von Verordnungen auf Grund allgemeiner Übertragung durch den Reichskanzler. Ihm unterstehen die Schutztruppe und Polizei. Zur Erledigung der Geschäfte kann er sich der Hilfe des ersten Referenten, der außerdem sein regelmäßiger Vertreter zu sein pflegt, und einer größeren Anzahl von Referenten und Hilfskräften bedienen. Die Verantwortung für die Handhabung der Verwaltung liegt aber ausschließlich beim Gouverneur. - Für die allgemeine innere Verwaltung ist das Schutzgebiet in Bezirke und selbständige Distrikte eingeteilt. Der Einteilung in Bezirke und Distrikte liegt im allgemeinen der Gesichtspunkt zugrunde, daß an die Spitze der wichtigeren Teile des Schutzgebietes Bezirksämter, an die Spitze der noch weniger entwickelten Teile Distriktsämter gestellt sind. Im Jahre 1913 gab es folgende Bezirksämter: Windhuk, Swakopmund, Lüderitzbucht, Keetmanshoop, Gibeon, Karibib, Outjo, Grootfontein, Warmbad, Rehoboth und Omaruru. An selbständigen Distriktsämtern waren vorhanden: Gobabis, Okahandja, Bethanien, Maltahöhe und das für den Caprivizipfel zuständige, Distriktsamt in Schuckmannsburg. Die Bezirks- und Distriktsämter unterstehen dem Gouverneur, haben dessen Anweisungen zu befolgen und sind berufen, die örtliche allgemeine Verwaltung einschließlich der Polizeiverwaltung zu handhaben. - An der Verwaltung des Schutzgebietes steht der Bevölkerung ein Anteil zu. Bereits durch die GouvV. vom 18. Dez. 1899 bestimmte der Gouverneur Leutwein (s. d.), daß bei jeder Bezirkshauptmannschaft ein ständiger Beirat von 3 Mitgliedern zu bilden und vor dem Erlaß von Verordnungen zu hören sei. Zum Zwecke der Beratung des Gouverneurs wurde der Beirat des Windhuker Bezirks in verdoppelter Kopfzahl herangezogen. Die V. des RK. vom 24. Dez. 1903 schrieb dann die Bildung von Gouvernementsräten allgemein für die Schutzgebiete vor. Nach Beendigung des Eingeborenenaufstandes der Jahre 1904 ff stellte sich das Bedürfnis heraus, die Mitwirkung der Bevölkerung an der allgemeinen Landesverwaltung auf breiterer Grundlage zu organisieren. Dies geschah durch die V. des RK., betr. die Selbstverwaltung in Deutsch - Südwestafrika, vom 28. Jan. 1909. Durch sie wurde eine umfassende Selbstverwaltung in Form von Gemeindeverbänden und Bezirksverbänden eingeführt. Die Gemeindeund Bezirksverbände sind öffentlichrechtliche Juristische Personen. An der Spitze der Gemeinde steht der Gemeinderat mit dem Gemeindevorsteher als Vorsitzenden. Im Jahre 1913 gab es allein in Windhuk einen berufsmäßigen Gemeindevorsteher mit dem Titel "Bürgermeister". An der Spitze des Bezirksverbandes steht der Bezirksamtmann oder, wenn der Bezirksverband einen selbständigen Distrikt umfaßt, der Distriktschef. Ihnen ist bei Wahrnehmung der Rechte und Pflichten des Bezirksverbandes ein Bezirksrat beigegeben. An die Stelle des Gouvernementsrats ist nach der Selbstverwaltungsverordnung der Landesrat getreten. Er ist berufen, den Gouverneur bei der Wahrnehmung der Interessen des Schutzgebietes zu unterstützen. Seine Mitglieder werden zur Hälfte von den Bezirksverbänden und zur Hälfte vom Gouverneur ernannt. Ferner gehören ihm die Bürgermeister der Städte Keetmanshoop, Lüderitzbucht, Swakopmund und Windhuk laut Ergänzungsverordnung vom 11. März 1914 an. Der Landesrat tagt unter dem Vorsitz des Gouverneurs oder eines von ihm ernannten Beamten und muß mindestens einmal im Jahre berufen werden. Er ist beratendes Organ für die jährlichen Vorschläge zum Haushaltungsplan der Schutzgebietsverwaltung, für die vom Gouverneur zu erlassenden oder vorzuschlagenden Verordnungen, soweit sie nicht lediglich lokale Bedeutung haben, und für alle sonst vom Gouvernement zur Beratung vorgelegten Angelegenheiten. Beschließendes Organ ist der Landesamt insoweit, als ihm vom Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) Angelegenheiten zur Beschlußfassung überwiesen sind. Das ist durch die V. des RK. vom 26. Juni 1913 (KolBl. S. 572) geschehen. Nach ihr bedürfen Verordnungen des Gouverneurs auf gewissen Einzelgebieten der vorherigen Zustimmung des Landesrats. Im übrigen sind zur Teilnahme der Bewohner an der Verwaltung der Eisenbahnrat und der Landwirtschaftsrat geschaffen worden (vgl. Abschnitte Verkehrswesen und Landwirtschaft und Viehzucht). Während bis zum Ausbruch des Eingeborenenaufstandes der Jahre 1904 ff eine nur unbedeutende Polizeimannschaft vorhanden war, ist seitdem eine Landespolizei in erheblicher Stärke geschaffen worden. Sie hat ihre Spitze in einem dem Gouverneur unterstellten Kommandeur mit dem Range eines Stabsoffiziers. In Kupferberg bei Windhuk und in Spitzkoppe in der Nähe von Keetmanshoop sind Polizeidepots zur Ausbildung der Polizeimannschaften errichtet. Am 31. März 1913 bestand die Landespolizei aus 68 Polizeiwachtmeistern, 502 Polizeisergeanten, 30 Polizisten und 370 eingeborenen Polizeidienern. Mit Polizei besetzt waren außer 2 Depots und 3 Offiziersposten 111 Stationen, das Distriktsamt Schuckmannsburg und das Bondelskommissariat. - D.-S. besitzt eine Ksl. Schutztruppe. Sie gliedert sich in das Kommando der Schutztruppe in Windhuk, die beiden Stäbe der Militärbezirke des Nordens und Südens, 9 Kompagnien, 3 Batterien zu je 4 Geschützen, eine Telegraphen- und Signalabteilung, 4 Proviantämter, 3 Lazarette und in Artillerie-, Train-, Pferde- und Bekleidungsdepots. Die Etatsstärke betrug am 1. April 1913: 1967 Köpfe. Der Ersatz der Truppe erfolgt durch Einstellung von Kapitulanten aus der Armee und von wehrpflichtigen Reichsangehörigen, die im Schutzgebiet ihren Wohnsitz haben und nach dem Wehrgesetz für die Schutzgebiete v. 22. Juli 1913 und der Ksl. V. v. 21. Febr. 1914 ihre Dienstpflicht bei der Schutztruppe zu erfüllen haben. - Das Vermessungswesen von D.-S. wird durch den Vermessungsdirektor geleitet, neben dem 20 Landmesser und Katastersekretäre und die erforderlichen Bureaubeamten und Meßgehilfen zur Verfügung stehen. Vermessungsämter sind in Windhuk, Keetmanshoop und Omaruru vorhanden. Die staatliche Wassererschließung erfolgt durch eine Bohrkolonne des Südens und eine des Nordens, die durch Sachverständige geleitet werden. - Behufs Förderung der Landwirtschaft und Viehzucht sind eine Reihe von Landwirten als staatliche Sachverständige angestellt. - Die große Zahl der im Schutzgebiet auftretenden Viehseuchen zwang zu einer Umgestaltung des staatlichen Veterinärwesens. Es hat in dem Referenten beim Gouvernement seine Spitze und wird durch das Bakteriologische Institut in Gamams und durch die Untersuchungsstation Gariganis bei Keetmanshoop unterstützt. - Für die Pferdezucht ist ein besonderes Staatsgestüt in Nauchas vorhanden. -Die Bergverwaltung erfolgt durch die Bergämter in Windhuk und Lüderitzbucht. - Das Hafenamt in Swakopmund beaufsichtigt den Verkehr an der Küste des Schutzgebiets. - Die geringe Zahl der im Schutzgebiete vorhandenen Ärzte macht es notwendig, die Sanitätsoffiziere der Schutztruppe für die öffentliche Gesundheitspflege heranzuziehen und an wichtigeren Stellen Regierungsärzte zu bestellen. Die vorhandenen Privatärzte sind zum Teil durch Vertrag zur Vornahme der im öffentlichen Interesse notwendigen Maßnahmen verpflichtet worden. Die Finanzen des Schutzgebiets haben sich nach der Niederwerfung des Eingeborenenaufstands hauptsächlich infolge der Diamantenfunde günstig entwickelt. Trotz der durch die zunehmende Besiedelung bedingten Steigerung der Ausgaben für die Zivilverwaltung konnte nicht nur der Zuschuß des Reichs auf die Ausgaben für die Schutztruppe beschränkt, sondern auch ein erheblicher Teil der für die Entwicklung des Landes erforderlichen einmaligen Ausgaben (Bahnbauten usw.) aus den laufenden Einnahmen bestritten werden. Die Einnahmen des Schutzgebiets gründen sich auf Zölle, Steuern und den Betrieb der Verkehrsanlagen. Neben der Diamantensteuer, einer Steuer auf den Reinertrag der Abbaubetriebe, die seit dem 1. Jan. 1912 an die Stelle des Ausfuhrzolls auf Diamanten getreten ist, werden Steuern vom Grundeigentum und Grundstücksumsatz, vom Handel und Ausschank von Alkohol und der Herstellung von Bier und Branntwein, vom Wanderhandels- und Handlungsreisendengewerbe und vom Besitz von Hunden erhoben. Die Zolleinnahmen sind auf wenigen Positionen mit hohen Sätzen aufgebaut. Einem Einfuhrzoll unterliegen: Alkohol, Tabak, Feuerwaffen und Munition, Zündhölzer und Zucker. Unter den Einnahmen aus den Verkehrsanlagen des Landes fällt der Ertrag der Verpachtung der Otavibahn am meisten ins Gewicht. An den bis zum 1. April 1914 begebenen Schutzgebietsanleihen ist D.-S. mit 26,6 Mill. M beteiligt. Auch hat das Schutzgebiet insgesamt 49 Mill. M Reichsdarlehen zu tilgen und zu verzinsen. Die Entwicklung der Schutzgebietsfinanzen wird durch die vorstehende Gegenüberstellung von Auszügen aus den Rechnungsabschlüssen für die Etatsjahre 1908/09 und 1912/13 veranschaulicht.

Die Rechtspflege ist verschieden organisiert, je nachdem sie die Eingeborenen oder Nichteingeborenen betrifft. Die Gerichtsbarkeit über Eingeborene wird durch die örtlichen Behörden der allgemeinen inneren Verwaltung ausgeübt. Ihre Erkenntnisse bedürfen in schwereren Fällen einer Bestätigung durch den Gouverneur. - Für die weiße Bevölkerung ist eine von der Verwaltung losgelöste Rechtsprechung durch unabhängige Richter geschaffen. Das Schutzgebiet ist zu diesem Behufe in die Gerichtshezirke Windhuk, Omaruru, Swakopmund, Lüderitzbucht und Keetmanshoop eingeteilt. Diese Bezirksgerichte sind mit 11 Bezirksrichtern besetzt. Die Bezirksrichter entscheiden in Zivil- und Strafsachen von geringerer Bedeutung allein. In zivilen Rechtsstreitigkeiten über größere Objekte und bei. mittleren Strafsachen entscheiden sie unter Zuziehung von 2 Laienbeisitzern. Bei schweren Strafsachen sind die Bezirksgerichte mit einem Bezirksrichter und 4 Laienbeisitzern besetzt. Beschwerde- und Berufungsgericht gegen die Entscheidungen der Bezirksgerichte ist das Obergericht in Windhuk, welches in der Besetzung mit einem Oberrichter und 4 Laienbeisitzern entscheidet. Die Erkenntnisse des Obergerichts sind endgültige. Es wird aber beabsichtigt, eine dritte Instanz in Deutschland zu schaffen. - Zur Ausübung der Rechtsanwaltschaft waren im Jahre 1913 fünfzehn Rechtsanwälte und zwei Rechtsagenten zugelassen. Von den Rechtsanwälten waren 8 zur Ausübung notarieller Befugnisse ermächtigt.

15. Kirchen-, Schul- und Missionswesen (s. Tafel 130, 131, 136). Die erste evangelische Seelsorge für Weiße fand in den neunziger Jahren in Windhuk statt. Seit dem letzten Eingeborenenaufstande der Jahre 1904 ff hat sich das kirchliche Leben der weißen Bevölkerung gehoben. Es bestanden am Ausgange des Jahres 1913 die folgenden evangelischen Kirchengemeinden: Lüderitzbucht, Keetmanshoop, Tsumeb, Grootfontein, Karibib, Omaruru, Usakos, Windhuk und Swakopmund. Die größere Anzahl der Gemeinden besitzt eine Kirche. Sie sind an die preußische Landeskirche angeschlossen. Eine öffentlichrechtliche Organisation besitzen die Kirchengemeinden des Schutzgebietes nicht, insbesondere haben sie nicht das Besteuerungsrecht gegenüber ihren Angehörigen; die Zugehörigkeit zu den Kirchengemeinden ist eine Freiwillige. -Während die evangelischen Kirchengemeinden von den unter den, Einge borenen tätigen evangelischen Missionen unabhängig sind, wird die Seelsorge unter den Weißen katholischer Konfession durch die katholischen Missionen ausgeübt. An Pfarreien für die weiße Bevölkerung waren 1913 vorhanden: Swakopmund, Usakos, Omaruru, Grootfontein, Tsumeb, Windhuk, Klein-Windhuk und Gobabis. -Der Unterricht unter den Eingeborenen des Schutzgebiets erfolgt ausschließlich durch die dort tätigen Missionen beiderlei Bekenntnisses, staatliche Eingeborenenschulen gibt es nicht. Die Zahl der Regierungsschulen für die nichteingeborene Bevölkerung hat sich namentlich im letzten Jahrzehnt erheblich vermehrt. Eine beschränkte Schulpflicht für die Kinder der weißen Bevölkerung wurde zuerst durch die GouvV. vom 20. Okt. 1906 eingeführt. Durch die V. vom 28. Okt. 1911 wurde das Prinzip der allgemeinen Schulpflicht weiter ausgedehnt. Am 31. März 1913 gab es im Schutzgebiete 17 Regierungs- und Gemeindeschulen, eine Realschule (Windhuk), eine höhere Knabenschule (Swakopmund) und eine höhere Töchterschule (Windhuk). Von den 17 Begierungs- und Gemeindeschulen ist diejenige in Windhuk eine fünfklassige mit 5 Lehrkräften, eine (Swakopmund) ist vierklassig, eine (Lüderitzbucht) dreiklassig, zwei (Omaruru und Warmbad) sind zweiklassig mit der entsprechenden Anzahl von Lehrkräften. Die übrigen sind einklassig mit je einer Lehrkraft. Die Gesamtzahl der Schüler betrug im Jahre 1913: 775. Da die Schüler zum großen Teile von Plätzen außerhalb des Sitzes der Schule stammen, sind von den Bezirksverbänden Schulpensionate zur Unterbringung auswärtiger Schüler geschaffen worden. Durch die Selbstverwaltungsverordnung sind die Gemeinde- und Bezirksverbände zu einer Mitwirkung auf dem Gebiete des Schulwesens berufen. Sie haben sich dieser Aufgabe in erfreulicher Weise unterzogen. - Die erste Mission, welche sich in D.-S. betätigte, war die evangelische Rheinische Mission. Im Laufe des 19. Jahrh. drang sie vom Süden kommend bis zum Norden des Schutzgebietes vor, indem sie sowohl bei den Hottentotten wie bei den Hereros festen Fuß faßte. Beim Beginn des Hereroaufstandes des Jahres 1904 besaß sie im Hererolande eine umfassende Organisation, die infolge des Aufstandes zerstört wurde. Ihre jetzige (1913) Organisation im Hererolande umfaßt 20 Missionare, 3 Missionsschwestern und 7 technische Gehilfen. I m Hererokonferenzgebiete betrug die Zahl der Gemeindemitglieder im Jahre 1913: 17 588. In Gaub unterhält die Rheinische Mission ein Seminar zur Heranbildung eingeborener Gehilfen und in Okahandja eine Erziehungsanstalt für Bastardkinder. Im Namalande waren zu derselben Zeit 9 Missionare einschließlich des Präses. In Keetmanshoop befindet sich eine Erziehungsanstalt für Bastardkinder. Außerdem unterhielt die Rheinische Mission im Ovambolande 4 Missionsstationen, die 1913 mit 3 Missionaren besetzt waren. Neben ihr wirkt im Ovambolande eine zweite Evangelische Mission, die Finnische Missionsgesellschaft, mit dem Sitze in Helsingfors. (S. Mission 2 e und die einzelnen Missionsgesellschaften.) - Die Katholische Mission hat eine nachhaltige Tätigkeit in D.-S. erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrh. aufgenommen. Infolge der ihr zu Gebote stehenden reichen Mittel hat sie aber rasche Fortschritte gemacht. Ihre Tätigkeit umfaßt insbesondere die Seelsorge unter der weißen katholischen Bevölkerung und die Unterhaltung von Schulen und Lazaretten. Die katholische Mission ist eingeteilt in die Apostolische Präfektur Unter -Cimbebasien (s.d.) und die Apostolische Präfektur des Groß-Namalandes (s.d.). Der Sitz der ersteren ist Windhuk. Sie umfaßt den nördlichen und mittleren Teil der Kolonie. Innerhalb dieses Bezirkes sind tätig: die Oblaten der heiligen und unbefleckten Jungfrau Maria und die Franziskanerinnenschwestern von Nonnenwerth. An Missionspersonal waren im Jahre 1913 vorhanden: 22 Patres, 23 Brüder, 22 Schwestern und eine größere Anzahl eingeborener Gehilfen. In Klein-Windhuk unterhielt die Präfektur eine Erziehungsanstalt für Bastards, in Döbra und Epuldro Missionsfarmen. Der Sitz der apostolischen Präfektur des Groß-Namalandes ist Heirachabis. Die Präfektur umfaßt den ganzen südlichen Teil des Schutzgebietes. Hier sind die Oblaten des heiligen Franz v. Sales tätig. Es gab 6 Missionsstationen mit etwa 7 Patres und 9 Schwestern. (S. Mission 3 und die einzelnen Missionsgenossenschaften.)

16. Geschichte. D.-S. ist erst in später Zeit Gegenstand der Erforschung und der Besiedelung durch die weiße Rasse geworden. Die Ursache hierfür ist in seiner schweren Zugänglichkeit zu finden. Im Westen am Atlantischen Ozean behindert eine wüstenartige Küste den Zugang ins Innere. Im Osten gilt für große Teile des angrenzenden britischen Gebietes, die Kalahari, das gleiche. Im Süden, wo das Nordufer des Oranjeflusses die Grenze bildet, dehnen sich ebenfalls wenig bewohnte, meist öde Strecken aus. Der Norden am Kunene und Okawango war bis vor kurzem einer der am wenigsten erforschten Teile Afrikas. Die Portugiesen waren die ersten Weißen, die nachweislich D.-S. betraten. In den achtziger Jahren des 15. Jahrh. errichteten sie nördlich der Swakopmündung und auf der Landspitze vor Lüderitzbucht Landungszeichen in Form von Kreuzen. - Ein Erforschen des Inneren von D.-S. fand zuerst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. durch von der Kapregierung ausgesandte Expeditionen statt. Sie waren durch die Erzählungen von dem Rinderreichtum der Hereros und von dem Vorhandensein von Gold in diesem Gebiete veranlaßt. Ein dauerndes Ergebnis hatten sie nicht. Im Jahre 1835 versuchte der englische Schiffskapitän Alexander einen Ausfuhrhandel von Hererovieh über Walfischbai nach St. Helena ins Leben zu rufen. Sein Unternehmen scheiterte aber ebenso wie der Versuch anderer Engländer, im Jahre 1855 einen Kupferbergbau in der sog. Matchless Mine einzurichten. - Der Schwede Andersson (s. d.) war der erste Europäer, welcher politischen Einfluß in Südwestafrika gewann. Er schloß mit den Hereros einen Vertrag, durch den er die tatsächliche Macht eines Kapitäns erhielt. In einem Gefecht mit den Hottentotten wurde er aber im Jahre 1864 verwundet. Er starb einige Jahre später, ohne daß seine Tätigkeit dauernde Wirkungen hinterlassen hätte. - Die ersten Versuche, Deutschland für dieses Gebiet zu interessieren, erfolgten im Jahre 1868 durch die Rheinische Missionsgesellschaft, die im 19. Jahrh. nördlich des Oranje ihre Missionstätigkeit unter den Eingeborenen aufgenommen hatte, aber unter ihren Rassenkämpfen erheblich litt. Sie wandte sich an den König Wilhelm von Preußen mit der Bitte um Schutz. Der deutsch-französische Krieg und die Besserung des Landesfriedens in Südwestafrika führten jedoch dazu, daß die Bitte der Missionsgesellschaft um Schutz in Vergessenheit geriet. Im Jahre 1876 entschlossen sich die Regierungen Englands und der Kapkolonie, Südwestafrika unter britische Hoheit zu bringen. Zu diesem Zwecke wurde Palgrave als Kommissar in dieses Gebiet entsandt, d em es gelang, die Hereros zur Stellung eines Gesuches um britischen Schutz zu bewegen. Die zwischen Hereros und Hottentotten ausbrechenden Feindseligkeiten zwangen ihn aber, an die Küste zu fliehen. Zur Errichtung einer britischen Schutzherrschaft kam es nicht. Um den Zugang zu Südwestafrika zu beherrschen, okkupierte die englische Regierung allerdings im Jahre 1878 die Walfischbai und das Land 15 englische Meilen im Umkreis. Sie errichtete auch eine Verwaltung und erhob Steuern. Als aber die weißen Händler und Missionare Schadenersatzansprüche wegen mangelnden Schutzes gegen die Plünderungen der Eingeborenen an die britische Regierung richteten, lehnte sie ihre Verpflichtung mit der Begründung ab, sie übe eine Verwaltung im Innern des Landes nicht aus. Infolge dieser Stellungnahme. Englands war der Bremer Kaufmann F. A. E. Lüderitz (s.d.) in den Jahren 1883 ff in der Lage, mit einer Anzahl von Häuptlingen Verträge abzuschließen, welche der Reichsregierung als Grundlage dienten, um das Gebiet unter den Schutz des Reiches zu stellen. Am 30. Dez. 1886 wurde zwischen der deutschen und portugiesischen Regierung ein Abkommen getroffen, durch welches die portugiesischdeutsche Grenze von Südwestafrika festgesetzt wurde. Durch den deutsch-englischen Vertrag vom 1. Juli 1890 erfolgte die Abgrenzung gegen das britische Gebiet. Die, hierdurch für Deutschland gesicherte Fläche ist 835 000 qkm oder 1 1/2 mal so groß wie das Deutsche Reich. Die tatsächliche Macht innerhalb dieses Gebietes lag aber im Anfang fast ausschließlich bei den Eingeborenen, da die Schutzherrschaft des Deutschen Reiches nicht auf einer Unterwerfung der eingeborenen Stämme, sondern auf bloßen Verträgen beruhte. Die Reichsregierung unter Leitung des Fürsten Bismarck beabsichtigte, die Kolonisation Südwestafrikas der Betätigung Privater zu überlassen ohne entscheidende, Mitwirkung der politischen Machtmittel des Reiches. In erster Linie sollte die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika (s.d.), welche die Lüderitzschen Erwerbungen übernommen hatte, die tatsächliche Verwaltung ausüben. Die Reichshoheit wurde durch einen Reichskommissar ausgeübt, dem insbesondere die Gerichtsbarkeit über Weiße zustand. Es stellte sich aber bald heraus, daß die Kräfte der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika zur Beherrschung des, Landes nicht ausreichten. Eine von ihr eingerichtete Truppe versagte in kurzer Zeit. Der Reichskommissar Dr. Goering (s.d.) wurde 1888 von den Hereros gezwungen, sich nach der Küste zu flüchten. Unter diesen Umständen mußte die Reichsregierung selbst zur Herstellung der deutschen Macht schreiten. Der Hauptmann C. v. Frangois (s.d.) wurde, mit einer Truppe nach D.S. gesandt, die nunmehr in staatlichem Auftrage vorging. Aber auch die ihm zur Verfügung stehenden Mittel waren ungenügend, um den kriegerischen Eingeborenen gegenüber die Macht des Reiches durchzusetzen. Zu Beginn des Jahres 1894 wurde darauf der Major Leutwein (s.d.) in das Schutzgebiet entsandt, dem es als Francois' Nachfolger gelang, mit der inzwischen verstärkten Truppe den Hauptgegner der deutschen Herrschaft, den Hottentottenkapitän Witboi (s.d.) in der Naukluft zu besiegen und zum Friedensschluß zu bestimmen. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts vermochte Leutwein trotz der Überzahl der Eingeborenen die deutsche Herrschaft dadurch aufrecht zu erhalten, daß er die einzelnen Stämme gegeneinander ausspielte. Es kam wiederholt zu kriegerischen Unternehmungen, die erfolgreich verliefen, weil sie immer nur gegen einzelne Teile der Eingeborenen gerichtet waren. Unter Leutwein dehnte sich der deutsche Einfluß mehr und mehr aus, insbesondere ging ein erheblicher Teil des Grund und Bodens in die Hände von Weißen über. Dieser Umstand in Verbindung mit anderen die Eingeborenen aufstachelnden Tatsachen führte zum Ausbruch eines allgemeinen Hereroaufstandes im Januar des Jahres 1904. Der Aufstand kam so plötzlich, daß eine große Anzahl weißer Farmer und Händler überrascht und ermordet wurde. Die an Zahl weit unterlegene deutsche Schutztruppe errang zwar eine Reihe von Vorteilen über ihre Gegner; zur endgültigen Niederwerfung der Hereros erwies sich aber eine wesentliche Verstärkung der Truppe als notwendig. Zum Kommandeur der Truppe wurde der Generalleutnant von Trotha (s.d.) bestellt. Am 11. August fand in der Nähe des Waterberges der Entscheidungskampf gegen die Hereros statt, die infolge ihres fluchtartigen Abzuges in die wasserlose Omaheke zum großen Teil umkamen. Noch während die Schutztruppe mit dem Niederwerfen der Hereros beschäftigt war, brach im Oktober 1904 der Aufstand der Witboi-Hottentotten aus. Die Schwierigkeit der Niederwerfung der Witbois und derjenigen Hottentotten, die mit ihnen gemeinschaftliche Sache gemacht hatten, war eine große, weil sie sich nicht zum entscheidenden Kampfe stellten, sondern in schwer zugängliche Gebiete zurückgingen. Im Jahre 1907 war aber auch der Süden des Schutzgebietes tatsächlich unterworfen. Das gesamte Stammesvermögen, insbesondere das Grundeigentum der Hereros und der Hottentotten, die sich am Aufstande beteiligt hatten, wurde zugunsten des Schutzgebietes eingezogen. - Heute ist die deutsche Regierung Herr in der Kolonie, allerdings wird eine tatsächliche Herrschaft im Norden des Schutzgebietes innerhalb der Stammesgebiete der Ovambos nicht ausgeübt. Im Caprivizipfel findet durch das neu errichtete Distriktsamt Schuckmannsburg eine beschränkte Verwaltung statt. - Nach Leutwein waren Gouverneure des Schutzgebietes v. Trotha, v. Lindequist und v. Schuckmann (s.d.). Seit 1910 ist der frühere Gouverneur von Kamerun, Dr. Seitz (s.d.), Inhaber des Gouverneurpostens. S. a. Kolonialgeschichte Deutschlands 2.

Meyer - Gerhard.

Literatur: Hier sollen nur die die Landeskunde des ganzen Schutzgebietes oder größerer Teile behandelnden Werke aufgeführt werden. Auch unter diesen können nur die wichtigsten oder die am leichtesten zugänglichen Platz finden. Die allgemein - geographischen Werke, die die Geologie, das Klima und andere Dinge behandeln, sind unter den besonderen Abschnitten zu suchen. - Von älteren, das ganze Land behandelnden Werken ist zu erwähnen H. v. Francois, Nama- und Damara, Magdebg. Das Werk enthält eine Fülle von Beobachtungsmaterial, das indessen nicht kritisch gesichtet und nicht einheitlich verarbeitet ist, so daß es nur dem zur Benutzung zu empfehlen ist, der sich bereits eine gewisse Kenntnis von Land und Leuten angeeignet hat. - Unter allen Reisewerken kommt einer Landeskunde des Schutzgebietes am nächsten das Werk von H. Schinz, Deutsch-Südwestafrika, Leipz. 1891. - Landeskunden des Schutzgebiets sind ferner: K. Dove, Deutsch-Südwestafrika, Bd. 5 der deutschen Kolonialbibliothek, 2. Aufl., Berl. 1914. - Ders., Südwestafrika, Bd. IV von "Die deutschen Kolonien", Göschensche Sammlung, Berl. 1913. - Vor allem L. Schultze, Südwestafrika, in H. Meyer, Das deutsche Kolonialreich, Bd. II, Leipz. 1910. - Größere Teile des Schutzgebiets sind in zusammenfassender landeskundlicher Form in folgenden Werken ausführlich behandelt: 1. das Namaland in L. Schultze, Aus Namaland und Kalahari, Jena 1907; 2. das Hereroland in K. Dove, Deutsch-Südwestafrika, Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande, Ergänzungsheft 120 zu "Peterm. Mitteilungen", Gotha 1896; 3. das Amboland in H. Schinz' oben erwähntem Werke. - Schinz, Deutsch-Südwestafrika. Oldenburg u. Lpz. - H. v. Francois, Nama und Damara, Deutsch- Südwestafrika. Magdeb. - Dove, Deutsch-Südwestafrika. Ergh. 120 zu Peterm. Mitt. 1896. - Leutwein, Elf Jahre Gouverneur in Deutsch- Südwestafrika. Berl. 1907. - C. v. Francois, Deutsch-Südwestafrika. Berl. 1899. - Schwabe, Im deutschen Diamantenlande. Deutsch-Südwestafrika von der Errichtung der deutschen Herrschaft bis zur Gegenwart. Berl. - Rohrbach, Deutsche Kolonialwirtschaft. L Bd.: Südwestafrika. Berl. 1907. - Külz, Deutsch- Südafrika im 25. Jahre deutscher Schutzherrschaft. Berl. 1909. - Sander, Geschichte der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, von ihrer Gründung bis zum Jahre 1910. In 2 Bd. Berl. 1912. - Hans Meyer, Das deutsche Kolonialreich. Bd. II. Lpz. u. Wien 1910. - Amtliche Jahresberichte, herausgegeben vom Reichs-Kolonialamt: Die deutschen Schutzgebiete in Afrika und der Südsee. Berl.