Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 300 f.

Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee- Inseln zu Hamburg. Die Gesellschaft ist am 16. März 1878 als Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 5 Mill. M gegründet worden. Sie ist hervorgegangen aus der Firma Joh. Ces. Godeffroy & Sohn zu Hamburg (s.d.), die ihr gesamtes, unter der Firma "Faktorei von Joh. Ces. Godeffroy & Sohn" zu Apia auf Samoa betriebenes Geschäft nebst den ihr gehörigen Ländereien und Plantagen auf Samoa und anderen Südseeinseln gegen Gewährung von 4 Millionen voll eingezahlter Aktien in die Aktiengesellschaft eingebracht hat. Wie fast jedes koloniale Unternehmen, so hat auch die Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft in den ersten Jahren ihrer Gründung mit Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, und sie sah sich im Jahre 1881 genötigt, das Aktienkapital auf 2750000 M, bestehend aus 2750 Anteilen à 1000 M herabzusetzen. Es gelang aber der tatkräftigen Leitung der Gesellschaft im Laufe der Zeit der Schwierigkeiten Herr zu werden, und sie konnte vom Jahre 1898 ab regelmäßig Dividende bezahlen, nachdem bis dahin nur im Jahre 1884 eine solche von 4% erzielt wurde. Seit jener Zeit befindet sich die Gesellschaft in einer gesunden, fortschreitenden Entwicklung. Es war ihr nicht nur möglich, eine von Jahr zu Jahr steigende Dividende, nämlich

auszuschütten, sondern auch die von ihr aufgenommenen Anleihen in Höhe von 2 500 000 M zurückzubezahlen. Außerdem war sie im Jahre 1910 bereits in der Lage, auf jede Aktie 2 Genußscheine auszugeben, die in gleicher Höhe wie die Aktien selbst an dem Gewinn des Unternehmens teilnahmen. Die Hauptniederlassung der Gesellschaft befindet sich in Apia auf Samoa. Daneben hat sie noch Niederlassungen auf den Tonga- (Freundschafts-)Inseln, im Bismarckarchipel und auf der unter amerikanischer Herrschaft stehenden, aber zur Samoagruppe gehörenden Insel Tutuila. Der Zweck der Gesellschaft ist laut Statut der Erwerb und Betrieb von Faktoreien und Plantagen, sowie Handel und Schiffahrt jeder Art. Sie unterhält zurzeit folgende Handelsstationen: 1. auf Samoa: 12 Stationen auf der Insel Upolu, 12 Stationen auf der Insel Savaii, 3 Läden im Apia-Distrikt; 2. auf den Tonga-Inseln: 1.Agentur und 7 Stationen auf Tongatabu, 1 Agentur und 6 Stationen auf Haabai, 1 Agentur und 5 Stationen auf Vavau, 1 Agentur auf Niuatobutabu, 1 Agentur auf Niuafoou; 3. im Bismarckarchipel: 1 Niederlassung mit dem Hauptsitz in Rabaul, ferner eine Niederlassung in Mioko auf Neulauenburg und verschiedene kleinere Unterstationen; 4. auf Tutuila: 1 Agentur in Pago-Pago. Neben diesen Händlerstationen ist die Gesellschaft im Besitze von 3 großen Kokosnußplantagen, die sämtlich auf der Insel Upolu gelegen sind. Die mit Kokosnußpalmen bebaute Fläche beträgt 3165 ha. Die Palmen sind, soweit es sich nicht um Nachpflanzungen handelt, bereits sämtlich in ertragfähigem Alter. Außerdem hat die Gesellschaft noch eine ca. 200 ha umfassende Kakaoanlage auf Upolu. Als Arbeiter werden auf den Kokosnußplantagen Eingeborene aus dem Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea (Melanesier) verwendet. Ihre Zahl beträgt durchschnittlich 700 Mann. In den Kakaoanlagen sind durchschnittlich 30-40 chinesische Kulis beschäftigt. Neben dem bereits angepflanzten Land verfügt die Gesellschaft noch über eine größere Fläche bisher noch nicht in Angriff genommener Ländereien. Der Schiffspark der Gesellschaft besteht aus: 1. 1 Arbeiteranwerbeschiff, dem 225 Brutto-Registertons großen Motorschoner "Samoa", 2. aus 1 Motorschoner "Elfriede" mit einem Raumgehalt von ca. 50 Brutto-Registertons, 3. 4 Motorboote in der Größe von 5-10 Brutto-Registertons und 1 Segelschoner von ungefähr 20 Tons, 4. 1 Dampfbarkasse in Apia. Außerdem hat die Gesellschaft zurzeit einen Dampfer im Bau, der den Namen "Staatssekretär Solf" erhalten und Anfang 1914 in Dienst gestellt werden soll. Dieser Dampfer wird einen Raumgehalt von ca. 400-500 Brutto-Registertons haben. Die Gesamtzahl der weißen Angestellten beträgt zwischen 135 und 140, davon sind ca. 25 auf den Pflanzungen beschäftigt.

Krauß.