Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 309 f.

Deutsche Kolonialkongresse Um die zahlreichen in Deutschland bestehenden Vereine, Gesellschaften und Institute in einer gemeinsamen Tagung zu vereinigen und dadurch "den kolonialen und Überseegedanken im deutschen Volke zu vertiefen und den geistigen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der Deutschen auf der Erde" zu fördern, entstand aus den der Deutschen Kolonialgesellschaft (s.d.) nahestehenden Kreisen heraus der Gedanke eines nationalen K., der vor allem auch der Nutzbarmachung der Wissenschaft für die kolonialen und überseeischen Interessen dienen sollte. Der erste Kongreß dieser Art fand 1902 statt und verlief so befriedigend, daß eine periodische Wiederholung beschlossen wurde, die dann 1905 und 1910 erfolgte, Die äußere Entwicklung dieser Kongresse zeigen folgende Zahlen:

Die Kongresse fanden statt unter dem Vorsitze des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft, Sr. Hoheit des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg (s.d.). Um die ungeheure Fülle des Verhandlungsstoffes zu bewältigen, mußten neben die Plenarverhandlungen solche von sieben Sektionen treten, die nebeneinander stattfanden und in denen die kolonialen und überseeischen Interessen nach allen Richtungen, politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und rein wissenschaftlichen erörtert wurden. Von der wachsenden Vertiefung kolonialwissenschaftlicher Probleme liefern die Verhandlungsberichte (erschienen bei Dietrich Reimer in Berlin) einen bemerkenswerten Beweis, so daß sie in wachsendem Maße zu Hilfsmitteln des Studiums geworden sind.

Rathgen.