Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 315

Deutschnationaler Kolonialverein, Berlin NW 5, Wilsnacker Str. 44. Der 1904 gegründete Verein "will das Verständnis für den volkserzieherischen Wert einer wirtschaftlich gesunden Kolonialpolitik im deutschen Volke wecken und dazu die Mitarbeit nicht allein der in unseren Kolonien an Unternehmungen selbst Beteiligten, sondern vielmehr aller gemeinnützig denkenden Männer heranziehen ..." (§ 1 der Satzungen). Mitglied kann jeder unbescholtene volljährige Deutsche werden, ebenso Vereine (§ 2). Der jährliche Beitrag beträgt mindestens M 2.- Vereinsorgan ist die Monatschrift "Die deutschen Kolonien." Ferner gibt der Verein die wöchentlich erscheinende illustrierte "Koloniale Zeitschrift" heraus und steht in engem Zusammenhange mit der Zeitungskorrespondenz "Deutsche Auslandsnachrichten". Der Verein veranstaltet Vorträge mit Lichtbildern, unterhält eine Bücherei für die Mitglieder und hat einen "kolonialen Wahlschatz" für die Reichstagswahlen geschaffen. Außerdem unterhält der Verein einen "kolonialen Stellennachweis". Aus der "Bwana-Jussuf- Stiftung" der Frau Ingenieur Friedrich soll die Ansiedlung in Deutsch-Ostafrika gefördert werden. Auf dem Programm des Vereins stehen die Forderungen nach einer Vertretung der Kolonien im Reichstage und nach Ausbau der Selbstverwaltung in den Kolonien (statt beratende, beschließende Körperschaften). Der Verein ist also in starkem Maße politisch, wie auch seine Gründung seinerzeit in erster Linie dem Kampf gegen das Konzessionssystem galt. Zentralst. d. Hamb. Kolonialinstituts.