Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 458

Dienstalter. Die Frage, wie lange ein Beamter oder eine Person des Soldatenstandes sich im Dienst oder in einer bestimmten dienstlichen Stellung befindet, ist nach verschiedenen Richtungen von Bedeutung. So für die Reihenfolge bei Beförderungen usw., die Verleihung von Titeln usw., die Rangverhältnisse, die Gehalts- und Versorgungsansprüche. Die Grundsätze, wonach in diesen verschiedenen Richtungen verfahren wird, beruhen teils auf der Verwaltungspraxis, teils auf gesetzlichen Bestimmungen. Soweit es sich um den Eintritt nicht beamteter Personen von bestimmter Vorbildung in ein und dieselbe Verwaltung handelt, richtet sich die Reihenfolge innerhalb einer bestimmten Klasse von Funktionären regelmäßig nach dem Tage des Dienstantritts. Bei Übernahme von Beamten aus anderen Verwaltungen kann die Einreihung oft schwierig sein und muß unter Berücksichtigung aller Verhältnisse erfolgen. Beamte gleicher oder ähnlicher Vorbildung, die aus. den heimischen Verwaltungen in den Kolonialdienst übernommen werden, werden in der Regel hinter den bereits dort befindlichen Beamten eingereiht. Ausnahmen bei besonders langer heimischer, erfolgreicher Dienstzeit sind nicht ausgeschlossen. Die Verwaltung muß in dieser Hinsicht freie Hand haben. Für die Angehörigen der Schutztruppen war früher das afrikanische Dienstalter maßgebend, so daß ein Offizier von höherem heimischen Dienstrange hinter demjenigen rangierte, der zwar im.heimischen Dienstalter jünger, im afrikanischen aber älter war und die größere koloniale Erfahrung besaß. Gegenwärtig ist für die Schutztruppenangehörigen das heimische Dienstalter maßgebend (SchtrO. § 9, s. a. Dienstgrade). Wichtig ist das Besoldungs-D., da von dessen Festsetzung die Aufrückungsfristen für das Auslandsgehalt und für das pensionsfähige Gehalt rechnen. Für die Beamten in den afrikanischen und Südsee -Schutzgebieten ist es geregelt durch eine Denkschrift zum Nachtragsetat für die Schutzgebiete auf 1910 (bei Tesch, Die Laufbahn der deutschen Kolonialbeamten 1912 S. 455 ff). Danach wird das Besoldungs-D. im allgemeinen nach den im Reiche geltenden Grundsätzen durch den Staatssekretär des RKA. festgesetzt, welcher diese Befugnis an die Gouverneure übertragen kann. Das Besoldungs - D. beginnt in der Regel mit dem Tage der Anstellung in der jeweiligen etatsmäßigen Stelle. Von der Zeit einer der Übernahme der Stelle vorhergehenden kommissarischen Wahrnehmung wird der 6 Monate übersteigende Zeitraum in Anrechnung gebracht, jedoch nur von demjenigen Zeitpunkt ab, mit welchem das Mindesteinkommen der betreffenden Stelle erreicht war. Die aus gleichwertigen Beamtenklassen des Reichs oder der Bundesstaaten übernommenen Beamten rücken mit dem Tage des Eintreffens im Schutzgebiet in die ihrem Heimatsgehalt entsprechende Gehaltsstufe ein. Das Besoldungs - D. für das pensionsfähige und das Auslandsgehalt ist je besonders festzusetzen und kommt nur hierfür, nicht für die sonstigen Verhältnisse des Beamten in Betracht (s. Diensteinkommen). Die Berechnung der Dienstzeit bei der Pensionierung (s. Pensionen) erfolgt nach den besonderen Bestimmungen des KolBG. und des ReichsBG. S. a. Kolonialbeamte.

v. König.