Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 466

Dispositionsfonds, Etatsansätze, die nach dem Haushaltsplan der Verwaltung zur freien Verfügung überwiesen werden. Sie führen in den Etats eine allgemeine, die Zweckbestimmung nicht bestimmt angebende Bezeichnung. D. sind grundsätzlich nicht überschreitbar, auch dürfen Ausgaben, für die ein Ansatz im Etat ausgebracht ist, im allgemeinen bei den D. nicht verrechnet werden. Eine Ausnahme von dieser letzteren Bestimmung gilt für den Titel im Etat des Reichsschatzamts von 3 000 000 M (Kapitel 68, Titel 1), der als Allerhöchster D. bezeichnet wird. Dieser Fonds ist für die Schutzgebiete insofern von Bedeutung, als aus ihm Gnadenbewilligungen und Unterstützungen auch an Kolonialbeamte und Schutzgebietsangehörige erfolgen. Nicht als Dispositionsfonds im eigentlichen Sinne sind die Ansätze anzusehen, welche für nicht vorherzusehende, notwendige Ausgaben, die ihrem Gegenstände nach keinem der übrigen Titel zur Last fallen, in den Etats ausgebracht werden. Das Vorhandensein derartiger Fonds, durch welches in zahlreichen Fällen das umständliche Verfahren bei der Behandlung kleinerer außeretatsmäßiger Ausgaben vermieden werden kann, ist bei den besonderen Verhältnissen der Schutzgebietsverwaltungen sehr erwünscht. Seitdem jedoch die Reservefonds (s.d.), bei denen bis zum Jahre 1908 unvorhergesehene notwendige Ausgaben verrechnet wurden, abgeschafft worden sind, stehen den Schutzgebietsverwaltungen bei den Fonds für vermischte Ausgaben nur noch verhältnismäßig geringe Mittel (zusammen rund 200 000 M) zur Verfügung.

Volkmann.