Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 466 f.

Dispositionsstellung. Nach § 24 des ReichsBG. kann jeder Reichsbeamte unter Bewilligung des gesetzlichen Wartegeldes einstweilig in den Ruhestand versetzt werden, wenn das von ihm verwaltete Amt infolge einer Umbildung der Reichsbehörden aufhört. Nach § 25 das. kann eine solche "Stellung zur Disposition" durch Ksl. V. bei folgenden Beamten erfolgen: dem RK., den Staatsund Unterstaatssekretären, Direktoren und Abteilungschefs der obersten Reichsbehörden, der Reichskanzlei und der Ministerien, den vortragenden Räten und etatsmäßigen Hilfsarbeitern in der Reichskanzlei und im Auswärtigen Amte, den Militär- und Marineintendanten, den Ressortdirektoren für Schiff- und Masehinenbau in der Ksl. Marine, den Vorstehern der diplomatischen Missionen und der Konsulate sowie der Legationssekretäre. Begründet wurde die Bestimmung in den Motiven von 1872 mit der "Notwendigkeit einer fortdauernden Übereinstimmung in prinzipiellen Ansichten zwischen der leitenden Autorität und den ihr zunächststehenden Beamten". - Als "politische" Beamte der Schutzgebiete können Gouverneure, erste Referenten und Referenten beim Gouvernement in gleicher Weise einstweilig in den Ruhestand versetzt werden. Abgesehen hiervon können alle Kolonialbeamten durch Verfügung des Kaisers, wenn sie eine Ksl. Bestallung erhalten hatten, sonst des RKA., einstweilig bis zu 3 Jahren in den Ruhestand versetzt werden (§ 12 KolBG.). Diese Bestimmung ist im Interesse der Beamten getroffen, um bei den gesundheitlichen Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, nicht sogleich ihre Pensionierung aussprechen zu müssen.

v. König.