Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 468 f.

Disziplinarverfahren. Die allgemeinen Bestimmungen über Dienstvergehen und deren Bestrafung, die auch für die Kolonialbeamten gelten, sind in den §§ 72 - 133 des RBG. enthalten. Über die Befugnis zur Verhängung der Ordnungsstrafen - Warnung, Verweis, Geldstrafe - gegenüber Kolonialbeamten s. Disziplinargewalt. Der Beamte ist - vom Fall der sog. Exekutivstrafe (s.d.) abgesehen - zunächst verantwortlich zu hören, worauf die Strafverhängung unter Angabe der Gründe durch schriftliche Verfügung oder zu Protokoll erfolgt. Es findet nur Beschwerde im Instanzenzug statt. Dagegen erfordert die Strafe der Entfernung aus dem Amte - Strafversetzung oder Dienstentlassung (§ 75 RBG.) ein förmliches D., dessen Einleitung von der obersten Reichsbehörde verfügt wird. Diese ernennt einen untersuchungsführenden Beamten und Beamte zur Wahrnehmung der Verrichtungen der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren besteht in einer schriftlichen Voruntersuchung und einer mündlichen Verhandlung vor den entscheidenden Disziplinarbehörden (s.d.), der Disziplinarkammer und als Berufungsinstanz dem Disziplinarhof für die Schutzgebiete, erstere in Potsdam, letztere in Berlin. Soweit Geschäftsgang und Verfahren nicht gesetzlich geregelt sind, werden sie durch eine Geschäftsordnung bestimmt, welche der Disziplinarhof mit Genehmigung des RK. erläßt. Einstweilen bleiben die Vorschriften der am 3. März 1897 (RZBl. S. 72) vom RK. bestätigten Geschäftsordnung der Disziplinarbehörden für die Schutzgebiete in Geltung (vgl. § 42 KolBG. und § 5 der Ksl. V. zur Ausführung dieses Gesetzes vom 8. Juni 1910,RGBl. S. 1091).

v. König.