Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 474

Drehkrankheit, durch den Gehirnblasenwurm (Coenurus cerebralis) hervorgerufene Erkrankung der Schafe. Der Gehirnblasenwurm ist die Vorstufe eines beim Hunde schmarotzenden Bandwurmes (Taenia coenurus). Die Schafe erkranken an der D., wenn sie Gelegenheit haben, Glieder dieses Bandwurmes aufzunehmen. Die Merkmale der D. äußern sich durch eigentümliche Bewegungsstörungen. Die Tiere drehen sich entweder dauernd im Kreise (Reitbahnbewegung) oder um einen Fuß (Zeigerbewegung); in anderen Fällen wälzen sie sich um die Längsachse oder taumeln und schwanken beim Gehen nach der Seite (Taumler) oder rennen mit gesenktem Kopfe und hochgehobenen Beinen geradeaus (Traber). Die D. endet im Verlaufe von 4-6 Wochen mit dem Tode, wenn die Tiere nicht vorher geschlachtet werden. Durch operative Entfernung des Drehwurmes ist die Krankheit heilbar. Wichtiger aber ist die Vorbeuge, dadurch, daß alle Köpfe von Tieren mit D. durch Verbrennen unschädlich beseitigt und den Schäferhunden von Zeit zu Zeit durch ein Bandwurmmittel die bei ihnen befindlichen Bandwürmer abgetrieben werden. (Der hiernach abgesetzte Kot ist zu verbrennen.)

v. Ostertag.