Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 475 f.

Dschagga, Wa-, Bantuvölkerschaft an den südlichen und südöstlichen Hängen des Kilimandscharo in Deutsch- Ostafrika. Die D. bewohnen die Höhenzone zwischen 1100 und 1800 m. Sie sind ursprünglich sicher kein einheitliches Volk, sondern aus allen um wohnenden Stämmen, besonders auch den Massai und deren Verwandten zusammengeschweißt; heute sind sie jedoch homogen. Der Negertypus ist bei ihnen selten; sie offenbaren vielmehr den hamitischen Einschlag sehr deutlich. In Kleidung und Bewaffnung, Haartracht und Schmuck besteht viel auf Entlehnung beruhende Ähnlichkeit mit den Massai (s.d.), doch Flechten die Männer in das Haar Bastfasern von Ficus -Holstii derart, daß zahllose Strähnen entstehen. Diese werden hinten zu 1 - 3 Zöpfen zusammengebunden, während vorn einer bis zur Nase herabhängt. Oft hängen dann noch ein zweiter und dritter an den Schläfen. In den durchbohrten und aufgeweiteten Ohrläppchen trägt man außer dem Massaischmuck alles, was sieh dort aufbewahren läßt: Holzklötzchen und - scheiben, leere Konservenbüchsen und Fleischextraktgefäße. Ihre Wohnbauten sind zylindrische Kegeldachhütten, deren Dach der Wärme wegen bis zur Erde herabgeführt wird. Im Innern hausen Mensch und Vieh in abgegrenzten Räumen nebeneinander. In Rücksicht auf die diebischen Nachbarn und die weite Entfernung bis zur Steppe hält man das Vieh in Stallfütterung. Im Feldbau übt man Künstliche Bewässerung durch meilenlange Kanäle, Staudämme, Wehre und Überspannung von Schluchten usw. In der Technik steht die Schmiedekunst obenan; die prachtvollen Speere und Schwerter, wie die feinen Kettchen aus Eisen und Kupfer würden auch europäischen Handwerkern zur Ehre gereichen. Eigentliche Dörfer gibt es nicht, sondern jeder wohnt gesondert innerhalb seines Bananenhaines, der durch eine dichte Hecke möglichst unzugänglich gemacht wird. Auf die Zerklüftung des Gebirges ist wohl die politische Zerrissenheit der D. zurückzuführen. Sie zerfallen bei einer Kopfzahl von rund 100 000 Seelen (nach amtlicher Feststellung, 80 000 Seelen nach Hans Meyer, 40 - 60 000 nach Volkens) in nicht weniger als 38 selbständige Staaten (nach Hans Meyer, 28 nach v. Höhnel, 35 nach Volkens), die sich bis zum Beginn der deutschen Herrschaft unausgesetzt bekriegten.

Die ältere Literatur ist zusammengestellt bei Hans Meyer, Ostafrikanische Gletscherfahrten. Lpz. 1890; 2. Aufl. 1893. - S. ferner Hans Meyer, Der Kilimandscharo. Berl. 1900. Volkens, Der Kilimandscharo. Berl. 1897. v. Höhnel, Peterm. Mitt., Ergänzungsheft 99. Widenmann, Die Kilimandscharobevölkerung. Peterm. Mitt., Ergänzungsheft 129. - E. D. Förster, Negerkulturen und Plantagenbau am Kilimandscharo Deutsch - Ostafrikan. Zeitung. 1909. Nr. 66.

Weule.