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Duala, 1. Ort, 2. Verwaltungsbezirk und 3. Volksstamm in Kamerun.
1. Der Ort D. ist der Hauptort der Kolonie
Kamerun. Die Stadt liegt am Südufer des breiten Kamerunästuars (s. Tafel
75) und besteht aus den Eingeborenendörfern Belldorf, Akwadorf, John -
Akwa - Dorf und Jossdorf. Zusammen mit Bonabela (Deidodorf), flußaufwärts gelegen, und Bonaberi (Hickorydorf) auf der gegenüberliegenden
Flußseite
zählt D. etwa 22 000 farbige Einwohner, die dem D.volk angehören. Die
Zahl der Weißen ist 347. Sie war in den vergangenen Jahren, während des
Bahnbaus, bedeutend größer. Die Lage D.s im Mangrovegürtel des
Kamerunstuars
war außerordentlich ungesund. Infolgedessen ist der Sitz der
Gouvernementsverwaltung
1907 nach Buea (s.d.) am Abhang des
Kamerunbergs
verlegt worden. Durch Ausfüllung der Sümpfe und zweckmäßigere Wohnungen
und Lebensweise sind die Lebensbedingungen in D. wesentlich günstiger
geworden. Die Regieungsgebäude sowie zahlreiche Faktoreien
und Wohnhäuser der Weißen liegen
auf der Jossplatte, einer ebenen Lateritfläche, die sich 10 m über das
Flutniveau erhebt. - D. besitzt einen vorzüglichen Hafen.
Früher mußten die Schiffe, einer vorgelagerten Sandbank wegen, auf
offener
Reede ankern, seit der Ausbaggerung legen sie direkt an der
Landungsbrücke
an. Die Firma Woermann hat im Hafen ein
Schwimmdock. Durch Betonnung und Befeuerung des Fahrwassers ist D. einer der
sichersten
Hafen der Westküste geworden. Der Handel Kameruns bewegt sich neben Kribi (s.d.) in derHauptsache über D. An reinen
Handelswerten
ist es jedoch von Kribi überflügelt. Dort überwiegt auch die Ausfuhr,
während in D. die Einfuhr im Jahre
1910/11
9,7 Mill., die Ausfuhr 5,7 Mill. betrug. Das Überwiegen der Einfuhr ist
auf Kosten der zu den Bahnbauten n ötigen Materialien und der Einfuhr
an Bargeld zu setzen. Unter den Ausfuhrprodukten nimmt der
Eingeborenenkakao
mit 336 981 kg bereits eine namhafte Stelle ein, ein Beweis, daß auch
der Plantagenbau der Neger eine Zukunft hat. Die Handelsstraßen nach dem Binnenland werden
alle von den eingeborenen Händlern beherrscht. Wichtig sind die Wasserstraßen der Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba, die bis zu den Stromschnellen bei ihrem
Durchbruch durch die unterste Stufe des Hochlandes schiffbar sind. Mit
Edea am Sanaga ist D.
durch eine Eisenbahn verbunden. Die Manengubabahn, die das Hochland von
Südadamaua
erschließen soll, geht vom Hafen Bonaberi, gegenüber D., aus. - D. ist
durch ein Unterseekabel mit Bonny im englischen Südnigeria verbunden;
eine Telegraphenleitung führt nach Buea, eine zweite nach Kribi. - D.
ist Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks. Als solche ist es Sitz eines
Bezirksamts, eines Bezirksgerichts, einer Kompagnie der Schutztruppe,
eines Artilleriedetachements und der Polizeibehörde. In D. befindet sich
das Hauptzollamt, das Hauptpost- und Telegraphenamt, eine
Funkentelegraphenstation,
ein Hafenamt und eine Reparaturwerkstatt, das Eisenbahnkommissariat, die
Bauverwaltung. Für die öffentliche Gesundheit wird gesorgt durch ein
Krankenhaus,
zwei Regierungsärzte, einen Zahnarzt, ein
Lepraheim
für Eingeborene, zwei Tierärzte und die obligatorische Fleischbeschau, sowie eine Apotheke. Die
sechsklassige
Regierungsschule hatte 1910 - 1911 317 Schüler. Die evangelische Basler
Missionsgesellschaft, die Missionsgesellschaft der deutschen Baptisten und die katholische Kongregation der
Pallotiner unterhalten ebenfalls Schulen
und Krankenhäuser. An finanziellen und
industriellen
Instituten seien erwähnt: die Handelskammer D., die
deutschwestafrikanische
Bank, eine Ziegelei, Dampfwäscherei, Seifensiederei der deutschen
Kautschuk-Aktiengesellschaft.
Eine Gesellschaft zur Ausbeutung der unweit D. erbohrten
Petroleumquellen
mußte wegen Unrentabilität aufgelöst werden. D. fällt auf alten Karten
unter dem Namen Kamerun auf, doch benannten es die Eingeborenen
schon
immer D.
2. Der Bezirk D. ertreckt sich zwischen den Flüssen Mungo und Dibamba bis zur
ersten Hochlandstufe und wird von den Stämmen der D., Abo und Babong bewohnt.
3. Die D. sind ein Bantustamm, der seine Wohnsitze am Kamerunästuar, zwischen den Flüssen Wuri
und Dibamba hat. Sie sollen vor 7 Generationen aus dem Innern zur Küste
vorgedrungen sein und dabei die Bassa landeinwärts
gedrängt haben. Nach Pauli zerfallen sie in die 4 Sippen: Bela, Akwa, Elami, Mudere. Bei der
Besitznahme Kameruns durch die Deutschen unterstanden die beiden Hälften des
Stammes den "Kings" Akwa und Bell (s. d.). Die D.
sind fast ausschließlich ein Handelsvolk. Der Ackerbau genügt nur für den eigenen Bedarf,
daneben haben sie Kleinvieh und treiben
Eschfang. Vor der Aufhebung der Sklaverei
waren die D. vor allem Sklavenhändler, jetzt vermitteln sie den Handel mit Elfenbein, Gummi
und Palmöl zwischen dem Hinterland und der Küste. Die D. beherrschen die
sämtlichen Handelswege am Kamerunästuar ins Innere, und es ist noch nicht
gelungen, ihnen ihr Monopol zu entreißen. Ihre Niederlassungen ziehen sich tief
ins Land hinein an den Flüssen hin und sind kenntlich an der Vorsilbe "Bona",
die "Sippe" bedeutet. Ihr Hauptdepot ist Bonapuba, unterhalb der Schnellen des Dibamba. -
Die D., die noch vor einem halben Jahrhundert dem ärgsten Götzendienst und Kannibalismus huldigten, haben auffallend
stark die europäische Zivilisation angenommen. Die Klasseneinteilung in Freie,
Hörige und Sklaven hat aufgehört, viele D.sklaven sind in ihre
Heimat zurückgekehrt. Hauptort des D.landes ist D., am Südufer des breiten
Kamerunästuars (s. d.). In dem ursprünglichen Kulturbesitz der D., soweit er
sich noch erhalten hat oder wenigstens noch in Spuren nachzuweisen ist, sind
folgende Züge besonders charakteristisch. Zunächst die außerordentliche
Geschicklichkeit zu Wasser. In der älteren Literatur über die D. kommt immer
wieder die Bewunderung der Reisenden über die Eleganz der Boote wie auch ihre
Handhabung zum Ausdruck. Diese Boote sind Einbäume von oft bedeutenden
Abmessungen, bis 25 m lang, bei einer Breite von 1,70 m. Sie sind im Querschnitt
halbrund, ohne Kiel und, wie auch die Paddelruder, fast immer sehr lebhaft mit
europäischen Farben bemalt (s. farbige Tafel
Kamerun Abb. 6 u. 7). Bewegungsart ist das Paddeln, also das Stechen des Ruders
in die Flut ohne Zuhilfenahme eines festen Drehpunktes am Boot selbst. Bei der
stets sehr dichten Bemannung (50-60 Mann bei den größten Exemplaren) ist die
Geschwindigkeit bedeutend, größer oft als die einer europäischen Pinasse oder
Barkasse. Zum Boot gehört stets auch ein sehr phantastisch aussehender Schnabel,
der mannigfache Tiere in verschiedenen Stellungen enthält, deren symbolische
Bedeutung von Leo Frobenius zum Gegenstand
einer eingehenden Untersuchung gemacht worden ist. - Berühmt sind die D. auch
durch die Art und die hohe Ausbildung der Trommelsprache. Abb. 24 der Tafel 86
zeigt eine solche Sprechtrommel. Diese ist aus einem zylindrischen Rotholzblock
von verschiedener Dicke und Länge gearbeitet. Bei den Kriegs- und Todestrommeln
(die bei Todesfeierlichkeiten gebraucht werden) beträgt die Länge etwa 1,70 m,
die Dicke 0,80 m, bei den gewöhnlichen Trommeln 50 und 25 cm. In einer
Längslinie des Zylinders befinden sich zwei Schlitze, von denen aus das Innere
ausgehöhlt worden ist. Zwischen diesen Schlitzen ragt je eine Zunge nach der
Mitte zu vor, zwischen denen ein feinerer Schlitz die Trennungslinie bildet.
Wesentlich ist die ungleiche Stärke der Trommelwände, von denen die dünnere
naturgemäß den helleren, die dickere den tieferen Ton ergibt. Geschlagen wird die Trommel auf den beiden
Wulsten zu beiden Seiten der Zungen mit kurzen
Holzschlägeln. Der flach auf dem Boden sitzende Trommler legt das Instrument
dabei quer über die Füße. Größere Trommeln
werden auf besondere Gerüste, "Palaverstühle", gestellt. Nicht jeder D. ist der
Trommelsprache mächtig; fast jeder sucht
sie zu erlernen, doch erlahmen die meisten dabei. Dafür hat jeder D. neben
seinem gewöhnlichen Namen einen oder mehrere Trommelnamen, die für die
betreffende Person und ihre Eigenschaften bezeichnend sind (Zweifler, Spötter,
Schlaukopf, der Kampfbereite usw.). Auch jeder bekanntere Europäer des Landes
wird durch solch einen Trommelnamen bezeichnet. Getrommelt wird bei jeder
Gelegenheit, doch bevorzugt man naturgemäß die ruhigen Stunden des Abends, der
Nacht oder des Morgens, um den Schall recht weit dringen zu lassen. Die
Trommelsprache setzt die Zerlegung der gewöhnlichen Sprache in Laute voraus, die auf der Trommel hervorzubringen
sind. Das sind, wie gesagt, tiefere und höhere. Diese werden denn auch in der
dem zu trommelnden Begriff entsprechenden Reihenfolge zum Ertönen gebracht.
Interessanterweise haben die D. die Trommelsprache auch in eine Mundsprache in
der Weise übertragen, daß sie die tiefen Trommeltöne durch die Sprachsilben to,
go, ko, Lo, die hohen durch gu, ku, lu, u
wiedergeben. So bedeutet der Ausspruch kolo kulu togologuku loguloto nichts
anderes als die Worte na mapula da = ich will essen, indem kolo kulu gleich ist
dem Ausdruck na mapula, ich will, wünsche, während der Rest identisch ist mit
der Silbe da, essen, die Speise. Ein weiterer bedeutsamer Charakterzug der D.
war und ist zum Teil noch heute ihre Neigung zum Geheimbundwesen mit allen
seinen Folgeerscheinungen. Dieses Geheimbundwesen ist bei vielen Naturvölkern
festgestellt worden, wie es sich ja auch bis zu den Trägern höchster Kultur
hinaufgerettet hat, doch besitzt es sozusagen sein Dichtigkeitsmaximum gerade im
Küstengebiet Kameruns und insonderheit bei den D. und ihren Nachbarn. Die
Grundlage des Ganzen sind hier wie anderwärts Zauberglaube, Animismus und Manismus, d. h. die Absicht, dem Nächsten durch
die eigne Zauberkraft, mit Hilfe der beseelt gedachten Natur und der Seelen der
Verstorbenen zu schaden, sich selbst zu nützen, kurz, sich selbst gewissermaßen
selbst übernatürliche Kräfte zu verschaffen. Name der Geister ist Losango.
Dieser Ausdruck ist weiterhin auf die Objekte übertragen worden, in denen die
Geister wohnen. Schließlich bedeutet Losango die Gesamtheit aller Wissenden,
also aller Geheimbundmitglieder selbst. Der reale Endzweck der Bünde ist
Einschüchterung, Ausbeutung und Unterdrückung aller Nichtmitglieder und der
Frauen. Häufig stehen sie im Dienst der Häuptlinge, die dadurch ihre Macht zu
vergrößern suchen. Die Vereine haben. verschiedene Masken, mit denen sie ganze
Tänze aufführen, Umzüge veranstalten, das Volk schrecken usw. (s. farbige Tafel
Kamerun I Abb. 1 (Geheimbundmaske), 2 (Geheimbundmaske), farbige Tafel Kamerun
II Abb. 4 (Tanzmaske), 7 (Jujukopf), 9 (Kopfaufsatz), 11 (Tanzmaske), 12
(Tanzmaske) und Tafel 86, Abb.
3). Diese Masken gelten dabei als zeitweilige
Aufenthaltsorte der betreffenden Geister. Aufnahme in die Bünde erfolgt nur nach
einer gewissen Lehrzeit und unter oft grausamen Abschlußprüfungen, sowie gegen
Geldzahlungen von bestimmter Höhe. Es gibt Geheimbünde für Freie und Sklaven; auch das
weibliche Geschlecht hat sich in ihrer Bildung versucht. Geheimbünde der Freien
sind oder waren: Elong, Mungi, Ekongolo, Ojengu,
Njo, Ngwa, Panga. Der Ekongolo stammt wahrscheinlich aus dem Abolande; er wohnt
in einem mehrere Meter hohen Aufbau von Palmrippen, der außen und innen mit
buntfarbigen europäischen Stoffen und Flitterwerk bekleidet ist (s. farbige
Tafel Kamerun Abb. 4). Der
Geist Ekongolo ist nur nachts in diesem Gebäude
anwesend. Dann sitzt ein Wissender im Innern, der gegen entsprechendes Honorar
weissagt, Recht spricht u. dgl., und der zur Bekräftigung seiner Entscheidungen
und Aussprüche mittels verborgener Fäden die außen am Fetisch angebrachten Schirme sich öffnen und
schließen, die Schwimmvögel mit den Köpfen nicken läßt u. a. m. König Bell (s,.
d.) baute für den Ekongolo ein eigenes Haus, zu dem er Eintritt nur gegen
bestimmte Gebühren gewährte. Nach seinem Tode
ist dem Geheimbundwesen seitens der Deutschen nachhaltig entgegengetreten
worden. Über die Sprache der D. s. Dualasprache.
Passarge - Rathjens.
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