Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 483 f.

Durchsuchung von Wohnungen und anderen Räumen (Haussuchung), sowie von Personen und der zu ihnen gehörigen Sahen ist nur den dazu berufenen Beamten gemäß den bestehenden Vorschriften gestattet. Im Zivilprozeß ist der Gerichtsvollzieher befugt, behufs Ausführung einer Zwangsvollstreckung die Wohnung und die Behältnisse des Schuldners zu durchsuchen, verschlossene Türen und Behältnisse öffnen zu lassen und, wenn er Widerstand findet, Gewalt anzuwenden (§ 758 ZPO.). Im Strafverfahren (s. §§102 bis 110 StPO.) ist die D. demjenigen gegenüber zulässig, welcher als Täter oder Teilnehmer einer strafbaren Handlung oder als Begünstiger oder Hehler verdächtig ist, sowohl zum Zwecke seiner Ergreifung als auch zur Auffindung von Beweismitteln. Bei anderen Personen sind im allgemeinen D.en nur behufs der Ergreifung der Beschuldigten oder behufs der Verfolgung von Spuren einer strafbaren Handlung oder behufs der Beschlagnahme (s.d.) betimmter Gegenstände zulässig, falls Tatsachen dafür sprechen, daß die gesuchte Person, Spur oder Sache sich in den zu durchsuchenden Räumen befindet. Zur Nachtzeit (in dem Halbjahr April-September die Stunden von 9 Uhr abends bis 4 Uhr morgens, in dem Halbjahr Oktober - März die Stunden von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) dürfen Haussuchungen, abgesehen von einigen besonderen Fällen, nur bei Verfolgung auf frischer Tat oder bei Gefahr im Verzuge oder dann vorgenommen werden, wenn es sich um die Wiederergreifung eines entwichenen Gefangenen handelt. Die Anordnung der D. steht in Deutschland dem Richter, bei Gefahr im Verzuge auch der Staatsanwaltschaft und den Polizei- und Sicherheitsbeamten zu. In den Schutzgebieten gelten gemäß § 3 SchGG. die vorstehend angezogenen Bestimmungen der ZPO. und der StPO. mit der Maßgabe, daß im allgemeinen an die Stelle der Gerichtsvollzieher die mit der Zwangsvollstreckung vom Richter beauftragten Beamten treten (§ 5 der V. des RK. v. 25. Dez. 1900, s. auch Gerichtsvollzieher) und die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft fortfällt (§ 5 Ksl. V. v. 9. Nov. 1900). Die Vorschriften über D. im militärgerichtlichen Verfahren entsprechen im wesentlichen denjenigen der StPO. (Wegen des Näheren §§ 235 f MStGO. in Verbindung mit der Ksl. V. v. 26. Juli 1896 [RGBl. S. 669].) Ähnlich wie in der Heimat sind sodann in gewissen Fällen auch die Verwaltungsbehörden in den Schutzgebieten zur D. berechtigt. So sind bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften der Zollordnungen die Zollbehörden befugt, Nachsuchungen nach verbotenen oder zollpflichtigen Gegenständen, sowie Haussuchungen oder körperliche D.en vorzunehmen,. wobei die Bestimmungen der StPO. zu beachten sind (vgl. z. B. die Zoll - V. für D. - S. v. 31. Jan. 1903, Beil. z. KolBl. v. 15. Mai 1903, § 41; für D. - O. v. 13. Juni 1903, Beil. z. KolBl. v. 15. Nov. 1903, § 37; für D. -N. v. 10. Juni 1908, KolBl. S. 883, § 31; für Togo v. 24. März 1910, KolBl. S. 596, § 42; f ür Kamerun v. 1. Aug. 1911, KolBl. 1912 S. 357, § 57). Auch im Völkerrecht spielt die D. eine Rolle. So steht den kriegführenden Mächten die Befugnis zu, durch ihre Kriegsschiffe fremde Privatschiffe, auch neutraler Mächte, anhalten und durchsuchen zu lassen. Zur Unterdrückung der Sklaverei haben sich die Seemächte zum Teil auch in Friedenszeiten das Recht der D. an Schiffen gegenseitig zugestanden.

Gerstmeyer.