Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 484 f.

Durststrecken, Wegeabschnitte, die infolge Mangels an Fluß- oder Oberflächenwasser den Verkehr besonders erschweren. Während schließlich jede wasserlose Wildnis durch die Möglichkeit des Verdurstens gefährlich werden kann, wurden in Deutsch - Südwestafrika als D. ganz besonders diejenigen Teile der "Pad" (s.d.), der älteren Verkehrslinien bezeichnet, die während der Trockenzeit oder, wenn sie im Westen lagen, während des ganzen Jahres die Führer der Ochsenwagen zu besonderen Maßnahmen, nötigten, um ohne Verluste an Tieren oder ohne eine zu große Schwächung der Gespanne die unangenehme Strecke zu passieren. Auch die begangensten Verkehrsstraßen von größerer Länge waren nicht ohne solche D. Übel berüchtigt waren vor der Erbauung der Eisenbahnen namentlich die von Walfischbai und Lüderitzbucht in das Innere führenden Wege (s. Baiweg), ebenso gab es solche ungünstige Gebiete an der sog. Kuiseblinie, ferner auf den von den inneren Hochländern nach Nordosten und Osten führenden Reiselinien. An häufig begangenen Strecken, wie den erwähnten Zugangstraßen vom Meere her, wurden geradezu die Frachtsätze durch das Vorhandensein solcher Durststrecken erhöht. So stellte sich der Satz für das Tonnenkilometer vor der Eröffnung der Eisenbahn auf der Strecke Swakopmund - Otjimbingwe auf 120 - 150 R, auf der viel längeren Swakopmund - Windhuk dagegen auf nur 88 - 114 und auf der Lüderitzbuchtlinie sogar auf 155 R! Da der einzelne Trekk, d. h. eine ohne Ausspann und größere Pause zurückzulegende Strecke für den mit Ochsen bespannten Frachtwagen selten auf mehr als 2 -2 1/2 Stunden bemessen wurde und da man den Tieren nur sehr ungern mehr als 2 solcher Trekks am Tage zumutete, zumal bei längeren Reisen, so gab es in der Tat eine ganze Anzahl solcher zwar nicht unmittelbar gefährlicher, aber doch für die Leistungsfähigkeit der Gespanne recht bedenklicher D . Auf dem Wege von Walfischbai nach dem Swakop bei Usab rechnete man allein 12 - 13 Fahrstunden ohne Wasser, so daß hier schon unter Zuhilfenahme der Nacht und unter großer Anstrengung der Tiere marschiert werden mußte, um die wasserlose Strecke zu überwinden. Da diese zweimal passiert werden mußte, waren Verluste an Zugtieren bisweilen doch nicht zu vermeiden.

Dove.