Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 505 f.

Eigentum ist das Recht auf die vollständige und ausschließliche Herrschaft über eine Sache. Vom E. zu unterscheiden ist der Besitz, der schon durch die Erlangung der tatsächlichen Gewalt über die Sache erworben wird (§§ 854 ff. BGB.). Nach § 903 BGB. kann der Eigentümer einer Sache, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen, damit nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Das Recht des Eigentümers eines Grundstücks erstreckt sich auf den Raum über der Oberfläche und (mit Ausnahme gewisser Mineralien, s. hierüber Bergrecht) auf den Erdkörper unter der Oberfläche. Der Eigentümer kann jedoch Einwirkungen nicht verbieten, die in solcher Höhe oder Tiefe vorgenommen werden, daß er an der Ausschließung kein Interesse hat (§ 905 BGB.). Dem E. sind im übrigen gesetzlich gewisse Schranken gezogen und zwar sowohl öffentlichrechtliche, namentlich im polizeilichen Interesse (Verpflichtung des E. zur Abstellung polizeiwidriger Zustände, Innehaltung der baupolizeilichen Vorschriften usw.) als auch privatrechtliche, unter denen besonders die sog. Nachbarrechte zu erwähnen sind (Verpflichtung zur Duldung unerheblicher oder ortsüblicher Einwirkungen, Beschränkungen bei der Vertiefung, Überhangs- und Überfallsrecht, Verpflichtung unter Umständen den Überbau zu dulden, einen Notweg einzuräumen u. dgl. m.). Subjekt des E. kann jede juristische und physische Person sein. Eine Sache (Grundstück) kann auch im E. mehrerer (Miteigentum) stehen. Das Miteigentum kommt sowohl in Form der Gemeinschaft nach Bruchteilen vor (Miteigentum im eigentlichen Sinne §§ 1008f BGB.) wie auch als Gesamteigentum, d. h. ohne daß bestimmte Anteile ausgeworfen sind, welche für sich Gegenstand der Veräußerung und Belastung sein könnten (z.B. in den Fällen der Gesellschaft, vgl. § 719 BGB., der Gütergemeinschaft, §§ 1438, 1442, 1483 1. BGB., der Erbengemeinschaft, § 2033 BGB .). Zum Schutze seines E. hat der Eigentümer gegen jeden Besitzer die Klage auf Herausgabe der Sache (Eigentumsklage, § 985 BGB.), falls ihm aber das E. in anderer Weise als durch Entziehung oder Vorenthaltung des Besitzes beeinträchtigt wird, die Klage gegen den Störer auf Beseitigung der Beeinträchtigung sowie, falls weitere Beeinträchtigungen zu besorgen sind, auf Unterlassung (Eigentumsfreiheitsklage, § 1004 BGB.). Ferner ist, um den unter Umständen schwierigen Eigentumsbeweis zu ersparen, noch die Klage aus dem früheren Besitz gegen denjenigen gegeben, der den Besitz nicht in gutem Glauben erworben hat, bei gestohlenen, verloren gegangenen oder sonst abhanden gekommenen Sachen auch gegen den gutgläubigen Erwerber (§ 1007 BGB.). Wegen des Erwerbs von E. s. Eigentumserwerb, wegen der Belastung mit Pfandrechten s. Pfandrecht, und wegen der Belastung von Grundstücken mit Grunddienstbaxkeiten, Vorkaufsrechten, Reallasten, Hypotheken, Grundschulden und Rentenschulden s. Grundeigentum. Eine Belastung des E. kann insbesondere auch in der Weise erfolgen, daß derjenige, zu dessen Gunsten die Belastung erfolgt, berechtigt ist, die Nutzungen der Sache zu ziehen (Nießbrauch, §§ 1030 ff BGB.). Der Verlust des E. tritt einmal ein, wenn ein anderer das E. erwirbt (s. Eigentumserwerb), außerdem bei beweglichen Sachen durch Untergang oder durch Aufgabe des Besitzes in der Absicht auf das E. zu verzichten (§ 959 BGB.), bei Grundstücken durch Verzicht (§ 928 BGB.) und Ausschluß im Aufgebotsverfahren (§ 927 BGB.). S. ferner Enteignung. Die einschlägigen Vorschriften des BGB. über das E. finden gemäß § 3 SchGG., § 19 KonsGG. und (in betreff des Grundeigentums) § 1 der Ksl. V., betr. die Rechte an Grundstücken in den deutschen Schutzgebieten, vom 21. Nov. 1902 (RGBl. S. 283) auch in den Schutzgebieten Anwendung, jedoch unmittelbar nur für die weiße Bevölkerung. Vgl. § 4 des SchGG. Von der dort vorgesehenen Befugnis, das deutsch - preußische Recht auch auf die Eingeborenen auszudehnen, ist bisher nur in Ansehung solcher Eingeborenen oder anderen Farbigen gehöriger Grundstücke Gebrauch gemacht worden, welche in das Grundbuch oder in das Landregister eingetragen sind (§ 6 der Ksl. V. vom 21. Nov. 1902). Im übrigen entscheidet mangels ausdrücklicher Vorschriften über das auf E. Eingeborener anzuwendende Recht freies richterliches Ermessen. Soweit möglich, werden die Grundsätze des heimischen Rechts zum Anhalt genommen, in erster Linie aber die Stammesrechte berücksichtigt (s. Eingeborenenrecht). Nach diesen sind bewegliche Sachen regelmäßig E. der einzelnen. Der Grund und Boden steht dagegen vielfach im E. der Stämme, Sippen, Familien usw., während der einzelne nur ein vorübergehendes Nutzungsrecht hat. - Außer von dem E. im eigentlichen Sinne an beweglichen und unbeweglichen Sachen pflegt man in übertragenem Sinne von einem geistigen E. zu sprechen. Man versteht hierunter das Recht des Urhebers, Verfassers usw. an seinen geistigen Erzeugnissen auf dem Gebiete der Literatur und Kunst, das Recht an gewerblichen Erfindungen (Patentrecht) usw. Gemäß § 4 der Ksl. V., betr. die Rechtsverhältnisse in den deutschen Schutzgebieten, vom 9. Nov. 1900 (RGBl. S. 1005) finden die Vorschriften der Gesetze über den Schutz von Werken der Literatur und Kunst, von Photographien, von Erfindungen, von Mustern und Modellen, von Gebrauchsmustern und von Warenbezeichnungen auch in, den Schutzgebieten Anwendung. S.a. Urheberrecht, Patentrecht, Musterschutz, Warenzeichen.

Gerstmeyer.