Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 507

Eingeborene, nach dem Sprachgebrauch die von den Europäern in fremden Ländern angetroffene Bevölkerung, soweit sie dort heimisch war. Im Zeitalter der Entdeckungen waren die großen Völkerverschiebungen überhaupt beendet oder doch wenigstens in den Gebieten, in die die Europäer zunächst eindrangen. Unter den den E. gegenüberstehenden Einwanderern sind daher, wenn man von den anfangs wenig zahlreichen Angehörigen der asiatischen Handelsvölker absieht, Europäer zu verstehen. Rechtlich gelten die nach den Sitten der in den Kolonien anwesenden Stämme ihnen angehörenden Personen den europäischen Staaten als E. des betr. Schutzgebiets. Zu den E. gehören ferner alle Mischlinge (s.d.), sofern sie nicht durch eine Rechtsgültige Ehe ihrer Eltern eine Staatsangehörigkeit besitzen. E. haben an sich keinen Anteil an der Rechtsordnung der Weißen. Der Gouverneur kann indessen unter Genehmigung des RK. fremden E. die Stellung der Weißen geben; so sind in Deutsch- Ostafrika Goanesen (s.d.) und Parsi (s.d.) der europäischen Gerichtsbarkeit unterstellt. Besitzen E. die Reichsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit in einem zivilisierten Staate, so gelten sie rechtlich als Weiße. Den E. stehen die Reichsangehörigen und Schutzgenossen gegenüber, ferner Angehörige anderer zivilisierter Staaten, die den Reichsangehörigen nach Vertrag oder Herkommen gleichstehen, endlich andere Teile der Bevölkerung, die nicht einheimisch sind (fremde Eingeborene und Angehörige von Halbkultur und Naturvölkern wie Araber, Malaien usw.).

Literatur: SchGG. §§ 4, 7. - Kaiserl. V. vom 9. Nov. 1900, § 2.

Thilenius.