Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 515 ff.

Eingeborenensteuern. 1. Allgemeines. 2. Deutsch-Ostafrika. 3. Kamerun. 4. Togo. 5. Deutsch-Neuguinea. 6. Andere Schutzgebiete.

1. Allgemeines. Wenn man regelmäßig dem Satze begegnet, die Besteuerung in den Kolonien solle verschieden sein für die Eingeborenen und für die weiße Bevölkerung, so ist das nur als teilweise richtig anzuerkennen. Es trifft von vornherein, nicht zu bei dem ganzen großen Gebiete der indirekten Besteuerung. Tatsächlich können wohl einzelne hierher gehörende Abgaben vorzugsweise Eingeborene oder Weiße treffen, z.B. Verbrauchsabgaben auf die besonderen Getränke der Eingeborenen (Palmwein, Hirsebier) oder Einfuhrzölle auf Waren, die der Regel nach von dem einen, oder dem anderen Teile der Bevölkerung verbraucht werden. Man kann Waren zollfrei lassen, deren Verzollung vorzugsweise die weiße Bevölkerung treffen würde. Ähnlich wirkt es, wenn z.B. bei den Ausfuhrzöllen auf Kautschuk in Ostafrika und Kamerun der auf Plantagen gewonnene Kautschuk zollfrei bleibt. Im allgemeinen treffen aber die indirekten Steuern den Vorgang an sich, einerlei ob der Verbrauchs- oder Verkehrsakt von einem Weißen oder einem Farbigen vorgenommen wird. Bei den Real- oder Ertragssteuern, (Grund-, Gewerbesteuern [s.d.]) wird eine Differenzierung schon eher möglich sein. Aber soweit es sich hier nicht um Steuern mit einem mehr polizeilichen Charakter handelt, wie etwa Wandergewerbesteuern, wird die Steuerpflicht des Gebäudes oder des Gewerbebetriebes nicht von der Rassenzugehörigkeit des Steuerpflichtigen abhängig gemacht werden können, so gut aus finanziellen, wie aus Gründen der Gerechtigkeit und der Politik. Anders liegt es bei den Personalsteuern. Diese müssen sich nach dem Grade der wirtschaftlichen Entwicklung der Bevölkerung richten, und dieser ist bei der herrschenden weißen Rasse regelmäßig so weit verschieden von dem der Farbigen, daß es unmöglich ist, die Steuern nach denselben Maßstäben und Grundlagen zu erheben. Je primitiver das Wirtschaftsleben der Eingeborenen ist, je weniger es wirtschaftlich differenziert ist, um so weniger kann ihre Besteuerung sich nach den uns geläufigen Vorstellungen richten. Wenn man also von besonderen E. spricht, so darf man nicht vergessen, daß dabei nur an die allgemeine Personalbesteuerung gedacht ist und daß daneben die farbige Bevölkerung auch durch andere Steuern in dem Maße getroffen wird, wie sie in den Verkehr hineingezogen ist. Entsprechend ihrer geringen Kaufkraft und dem Vorwiegen der Naturalwirtschaft sind aber der indirekten Besteuerung, wie sie vor allem durch die Zölle erfolgt enge Grenzen gezogen. Denn der Verbrauch der Eingeborenen an zollpflichtigen Waren ist gering, und die Höhe des Zolles darf nicht sehr bedeutend sein. Je ärmer und je unentwickelter also in Eingeborenenkolonien die Bevölkerung ist, um so weniger kommt man mit den Zöllen und ähnlichen Abgaben aus. Es. wird, wenn die Verwaltung intensiver und damit kostspieliger wird, unvermeidlich, allgemeine direkte Steuern einzuführen. Kann man dabei an vorhandene Steuereinrichtungen anknüpfen, so ist die Aufgabe verhältnismäßig einfach, da es sich zunächst nur darum handelt, diese herkömmlichen Steuern zu ordnen. In den deutschen Schutzgebieten Afrikas und der Südsee ist das aber nirgends der Fall gewesen. Vielleicht wird man in den Sultanaten von Nordkamerun an den mohammedanischen Zehnten anknüpfen können, wie das im benachbarten Nordnigerien der Fall gewesen ist. Unter den Verhältnissen der deutschen Schutzgebiete kann die immer empfohlene Benutzung einheimischer Einrichtungen nur insofern erfolgen, daß man für die Erhebung der Steuer sich der Hilfe der einheimischen örtlichen Obrigkeiten (Häuptlinge, Jumben, Schulzen) bedient. - Unter den in unseren Schutzgebieten bestehenden Verhältnissen ist es nicht möglich, an die uns geläufigen Grundlagen von Vermögen und Einkommen anzuknüpfen. In weitem Umfange verbietet das das Bestehen der Naturalwirtschaft. Die Lebensbedingungen sind nicht stark differenziert. Soweit einzelne ein größeres Vermögen (etwa Herden) besitzen, ist das regelmäßig keine Rente abwerfendes Vermögen, sondern nur die Basis höherer sozialer Stellung. Wo an der Küste der Verkehr und die Geldwirtschaft entwickelter ist, wäre eher an eine stärkere Abstufung der Steuer zu denken, aber auch hier würde sich bei der Schwierigkeit der Feststellung des Einkommens weniger eine eigentliche Einkommensteuer (wie sie in Lome und Anecho versucht ist), als eine Klassensteuer in zunächst wenigen Stufen empfehlen, worauf die Bestimmungen in den städtischen Ortschaften Ostafrikas (s.u.) praktisch schon jetzt hinauskommen, was noch stärker ausgebaut werden kann. Im allgemeinen aber begnügt man sich mit der einfachsten Form, der der Kopfsteuer, in gleicher Höhe zum mindesten für die ganze Ortschaft oder Landschaft, vielleicht für die ganze Kolonie. Noch primitiver ist es, wenn man sogar von der Einzelperson absieht und in der Form der Hüttensteuer an ein äußerliches leicht faßliches Merkmal anknüpft und zum Steuerträger damit die Familie machen will. Diese Steuerform stammt aus Südafrika (Natal 1849), hat sich in Afrika weit ausgedehnt und ist von uns namentlich in Deutsch-Ostafrika 1897 eingeführt. Sie hat aber die finanziell und gesundheitlich bedenkliche Folge, daß die steuerpflichtige Bevölkerung sich übermäßig in den Hütten zusammendrängt, so daß sich ihre Ergänzung oder Ersetzung durch die Kopfsteuer empfiehlt, wie das z.B. 1910 in Uganda und 1911/12 in Deutsch - Ostafrika erfolgt ist. Das Ziel der E. muß ihre Erhebung in barem Gelde sein. Das ist nicht nur wichtig für die Klarheit und Übersichtlichkeit der Finanzwirtschaft. Es ist noch wichtiger, weil die Steuererhebung eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel ist, die Eingeborenen an den Gebrauch gemünzten Geldes und die Notwendigkeit des Gelderwerbs zu gewöhnen, was wiederum die Grundlage für die ganze volkswirtschaftliche Entwicklung der eingeborenen Bevölkerung ist (s.a. Geld und Geldwirtschaft). Solange es keine Geldwirtschaft gibt, ist allerdings die Erhebung von Geldsteuern nicht möglich. Man kann dann wohl anfänglich Produkte, namentlich Handelswaren oder Lebensmittel für die Verpflegung der Regierungsstationen als Steuer annehmen. Für die Verwaltung ist das lästig. Für die Eingeborenen ist der Zwang zur Lieferung von Produkten nicht nur unbequem, Es ist auch der angeblich erziehliche Wert solchen Zwanges sehr viel geringer, als die Erziehung zur Geldwirtschaft. Viel wichtiger ist anfänglich die Möglichkeit, die Steuer abzuarbeiten, was dem wirtschaftlichen Entwicklungsgrad primitiver Menschen beim Fehlen der Geldwirtschaft auch gut entspricht. Solche Steuerarbeit kann aber zu übermäßiger Bedrückung der Eingeborenen führen, namentlich wenn sie privaten Unternehmern überlassen und von diesen ohne wirksame Kontrolle ausgenutzt wird (Kongostaat und Französisch-Kongo!). Vor allem verhindert die starke Anspannung der Steuerarbeit die Entwicklung eigener Produktion und damit der Kaufkraft der Eingeborenen, wie z.B. der völlige Stillstand der Einfuhr in den Kongostaat bis zur Annektion durch Belgien und der Aufhebung der Zwangsarbeit zeigt. Es ist notwendig, daß sich der Eingeborene von der Steuerarbeit durch Geldzahlung befreien kann, und die Erfahrung der deutschen Schutzgebiete zeigt, daß das in überraschend schneller Weise vor sich geht. In demselben Maße ist die finanzielle Leistungsfähigkeit der Schutzgebiete gestiegen, wie wir das vor allem in Deutsch-Ostafrika sehen. Die Bedeutung der E. ist nicht bloß eine finanzielle. Sie ist auch nicht bloß als volkswirtschaftliches Erziehungsmittel der Eingeborenen anzusehen, was in Deutschland oft übermäßig betont ist. Sie ist vor allem auch ein Erziehungsmittel für die Verwaltungsorgane, die durch die Einführung der E. veranlaßt werden zu einer intensiveren Verwaltung, die sich um die Volkszahl und ihre Vermehrung, um die wirtschaftliche Erschließung, um die Hebung der Produktion bemüht. Die Durchführung der E. bedeutet politisch die eigentliche Aufrichtung -der Herrschaft, auch in der Anschauung der Bevölkerung, und mit Recht spricht der Runderlaß des Gouverneurs von Kamerun bei Einführung der allgemeinen E. (1908) von einer "friedlichen Eroberung".

2. Deutsch-Ostafrika. Der erste Versuch, die Eingeborenen zu direkten Steuern heranzuziehen, wurde 1893 (4. Nov.) mit einer Erbschaftssteuer auf die Nachlässe Farbiger gemacht, deren Sätze 1896 (l. Sept) erhöht wurden. Danach bleibt der Nachlaß Farbiger steuerfrei, wenn er nicht 100 R. wert ist. Die Steuer beträgt vom reinen Werte des Nachlasses 6 %, wenn er auf Erben 1. Klasse übergeht, sonst 10 %. Geht die Erbschaft ins Ausland, so erhöht sich der Satz auf 10 und 15 %. Auf Antrag eines Erben oder Nachlaßgläubigers nimmt der Bezirksamtmann die Regulierung in die Hand. Dann werden 10 bzw. 15% der Aktivmasse ohne Abzug der Schulden als Gebühr erhoben. Der Ertrag der Steuer ist nicht erheblich, 46 000 M im Durchschnitt der Jahre 1908/12, gegen 23 000 1905/07. Ganz anders wichtig ist die Häuser- und Hüttensteuer, jetzt Haus- und Kopfsteuer. Zuerst von Wissmann (s.d.) angeregt, 1896 durch Bennigsen (s.d.) vorgeschlagen, ist sie durch V. vom 1. Nov. 1897 eingeführt und ist durch V. vom 22. Mai 1905 ausgestaltet, ist dann durch weitergehende Einführung der Kopfsteuer umgebildet, was in der V. vom 23. Aug. 1912 seine grundsätzliche Form gefunden hat. Es handelt sich bei dieser Besteuerung grundsätzlich um eine direkte Besteuerung der ganzen Bevölkerung, die zunächst an die Wohngebäude anknüpft und die Hausbesitzer für steuerpflichtig erklärt. Die Wohngebäude werden unterschieden in die Wohnhäuser nach Europäer-, Inder- oder Araberart und die Häuser und Hütten nach Eingeborenenart. Für beide Klassen (I und II) werden wieder a) städtische und b) ländliche Ortschaften unterschieden. Über die Steuer der Klasse I s. Grundsteuer. Die Klasse II dient speziell der E. In den städtischen Ortschaften (II a) werden die Häuser und Hütten in drei Stufen mit 12, 9 und 6 R. besteuert. In Klasse II b war bisher jede Hütte mit 3 R. belegt. Die V. von 1905 ließ aber im Binnenlande an Stelle der Hüttensteuer eine Kopfsteuer von 3 R. für jeden erwachsenen arbeitsfähigen Mann zu, die bis auf 1 R. ermäßigt werden konnte. Dadurch, daß grundsätzlich die Hütte den Maßstab für die Steuerpflicht bildete, ergaben sich aber mancherlei Mißstände. Vor allem drängten sich mehrere Familien in eine Hütte zusammen. Es erschien auch möglich, nachdem die Steuerzahlung sich immer mehr eingebürgert hatte, die Steuer etwas schärfer anzuspannen. So wurde zunächst die Anwendung der Kopfsteuer weiter ausgedehnt, in der V. von 1912 aber zur eigentlichen Steuer erhoben mit der allgemeinen Bestimmung, daß "von Eingeborenen und ihnen rechtlich gleichgestellten Farbigen eine Kopfsteuer erhoben" wird, von der diejenigen, die nach Klasse I a und b und II a Haussteuer zahlen, befreit sind. E s kann aber auf Anordnung des Gouverneurs in einzelnen Bezirken oder deren Teilen statt der Kopfsteuer eine Haussteuer auf Wohngebäude der Klasse II b erhoben werden. Damit ist der bisherige Zustand gerade umgekehrt worden. Neu ist die Bestimmung, daß in städtischen Ortschaften, deren wirtschaftliche Entwicklung das angezeigt erscheinen läßt, von der Erhebung der Kopfsteuer abgesehen werden kann. Um vorhandene Steuerkraft nicht entschlüpfen zu lassen, ist dann weiter bestimmt, daß in dem Falle, daß ein Kopfsteuerpflichtiger mehr als eine Hütte besitzt, für jede weitere Hütte eine Haussteuer erhoben werden kann. Auch alleinstehende Frauen, die einen selbständigen Hausstand haben, können zur Steuer herangezogen werden. Der Steuersatz beträgt jetzt mindestens 3, höchstens (gegenüber manchen weitergehenden Vorschlägen) 6 R., was für jeden Bezirk oder deren Teile vom Gouverneur bestimmt wird. In besonderen Fällen kann die Steuer auf 1 R. herabgesetzt werden. Als die Steuer eingeführt wurde, war in weiten Teilen des Schutzgebiets die Geldwirtschaft noch kaum entwickelt. Entsprechend der beabsichtigten Erziehung, die mit der Einführung der Steuer verbunden war, war für die Klasse II statt der Geldzahlung Lieferung von Naturalien (Ölfrüchte, Baumwolle, Kopra, Kautschuk, Elfenbein, Wachs, auch Vieh und Getreide) zugelassen. An Stelle der Steuer konnte auch Steuerarbeit zugelassen werden. Immer mehr ist dann auf Eingang der Steuer in Geld hingearbeitet worden. Die V. von 1912 erwähnt die Naturalleistung nicht mehr und bestimmt über die Steuerarbeit, daß arbeitsfähigen, männlichen Kopfsteuerpflichtigen, die zur Zahlung der baren Steuer außerstande sind, Gelegenheit zur Arbeit zu geben und von dem Lohn der Steuerbetrag abzuziehen ist. Solche Personen können auch an Privatunternehmer zur Arbeit gegen Bare Zahlung der fälligen Steuer überwiesen werden. Frei von der Kopfsteuer sind alle dauernd gegen Monatslohn Angestellten des Fiskus oder der Kommunalverbände, auch ehemalige Askari, die sich zu jährlichen Übungen und zu freiwilligem Eintritt bei Aufstands- oder Kriegsgefahr verpflichten. Mit der örtlichen Ausdehnung der Steuerpflicht ist man anfangs sehr vorsichtig vorgegangen. Die Steuer sollte nur im "friedlichen Machtbereich" der örtlichen Verwaltungsbehörden erhoben werden. Eine streng wörtliche Auslegung dieses Ausdrucks würde die Ausdehnung der Besteuerung gehemmt und eine Prämie für Verweigerung der Steuer bedeutet haben. Die V. von 1912 streicht denn auch das Wort "friedlich", denn offenkundig genügt der "Machtbereich". Bei der Durchführung der Erhebung hat man sich der Hilfe der Jumben, Akiden usw. bedient und sie am Ertrage beteiligt. Neu ist 1912 die Bestimmung, daß an Stelle der Kopfsteuer eine Gesamtsteuer erhoben werden kann, was für Gegenden, in denen die Durchführung der Kopfsteuererhebung noch nicht möglich ist, die Einführung erleichtern wird. Die E. hat sich in Deutsch - Ostafrika über Erwarten ergiebig gezeigt. Ihr Ertrag war

Damit hat sie die Einnahme aus den Zöllen erreicht.

3. Kamerun. In Kamerun beginnt die erste besondere Besteuerung der Eingeborenen sehr vorsichtig im Bezirk Duala mit der Einführung einer Kopfsteuer von 3 M für jeden arbeitsfähigen erwachsenen, eingeborenen Mann und jedes arbeitsfähige, unverheiratete, erwachsene farbige Weib. Polygamisten sollen für jede weitere Frau 2 M zahlen. Mit der Erhebung können die Stammeshäuptlinge betraut werden. Diese Kopfsteuer des Bezirks Duala wurde zum 1. April 1908 aufgehoben und durch die Wohnungssteuer ersetzt, die auf Grund der V. vom 15. April 1907 für einen größeren Bereich eingeführt, aber nach V. vom 22. Okt. 1908 nur in den Bezirken Duala und Johann - Albrechtshöhe in Kraft trat, seit 1. April 1911 nur noch im erstgenannten Bezirk erhoben wurde, durch V. vom 22. Febr. 1913 aufgehoben ist. Diese Wohnungssteuer betrug für von Eingeborenen bewohnte Behausungen 6 und 12 M, je nachdem in dem Ort eine Kommunalverwaltung bestand oder nicht, und wurde durch den Häuptling eingezogen, der dafür einen Anteil von 5 - 10 %,erhielt. Wurde sie nicht entrichtet, konnte sie bei den öffentlichen Arbeiten des Bezirks abgearbeitet werden durch höchstens 24 Arbeitstage. Im übrigen war für das ganze Schutzgebiet (20. Okt. 1908) angeordnet, daß innerhalb des friedlichen Machtbereichs der Verwaltung jeder männliche erwachsene, arbeitsfähige Eingeborene verpflichtet ist, auf Anfordern der Verwaltungsbehörde seines Bezirks nach seiner Wahl entweder eine Steuer in Geld zu leisten oder zu öffentlichen Zwecken Steuerarbeit zu leisten, soweit nicht bereits eine andere Steuer (Hüttensteuer, Kopfsteuer) in diesem Bezirk eingeführt ist. Die Zahl der Arbeitstage wird für jeden Bezirk festgesetzt, soll aber 30 im Jahre nicht übersteigen. Die auf das Reinigen der Wege in der eigenen Ortschaft aufgewendete Arbeit gilt aber nicht als Steuerarbeit. Der Betrag der Geldsteuer bemißt sich nach der Höhe des durch den Gouverneur festgesetzten Tagelohns. Für die Bezirke Victoria, Buea, Kribi, Edea, Jaunde, Ebolova und Dschang wurde die Höhe der Steuer auf 30 Tage oder 6 M, für die Bezirke Rio del Rey, Ossidinge, Jabassi, Campo, Dume, Bamenda auf 20 Tage oder 4 M, 1911 aber für das ganze Gebiet, abgesehen von Duala (s. oben) auf 6 M oder 30 Tage festgesetzt. Sollte nach dieser Steuerverordnung bereits möglichst auf Entrichtung der Steuer in Geld hingewiesen werden, so stellt eine neue Steuerverordnung vom 22. Febr. 1913, die auch für Duala gilt, die Entrichtung in Geld als Grundsatz auf und läßt nur bei Zahlungsunfähigkeit die Ablösung durch Steuerarbeit zu. Gleichzeitig wurde die Steuer auf 10 M erhöht; für einzelne Bezirke kann Ermäßigung bis auf 6 M verfügt werden, dagegen können Zuschläge erhoben werden für Eingeborene mit einem Jahreseinkommen von über 400 M und für Polygamisten. Die Bezirke der Residenturen Garua, Mora und Ngaundere bleiben zunächst ganz frei, ferner sind von der Steuer befreit die eingeborenen Soldaten, Zollwächter, ständigen Träger der Schutz- und Polizeitruppe, Handwerkerlehrlinge des Gouvernements und der Missionsanstalten, Regierungsschüler, Eisenbahnarbeiter. Die Erhebung erfolgt mit Hilfe der Häuptlinge, die bis zu 10 % der abgelieferten Beträge als Vergütung erhalten können. Der Ertrag der E. war für 1908 auf 100 000 M veranschlagt, infolge der V. von 1908 aber für 1909 auf 330 000 bzw. netto 300 000 M. Tatsächlich ergab sich die überraschende Reineinnahme von 1131000 M, 1910 1389 000 M, 1911 1 890 000 M, 1912 2 190 000 M. In den nördlichen Residenturen werden Tribute erhoben, die 1909 121000 M und 1912 173000 M ergaben. Nicht zu übersehen ist, daß auch die Wandergewerbesteuer (s. Gewerbesteuer) tatsächlich eine Besteuerung der Eingeborenen ist, die 1912 500 000 M einbrachte, so daß im ganzen 1912 bereits 2 863 000 M aus E. aufkamen. In dem bisher französischen Teile von Kamerun beginnt die Erhebung von E. schon 1894. Es besteht die Kopfsteuer (1907) für arbeitsfähige Männer, seit 1909 auch für Frauen in Höhe von 5 Fr., die aber auf 1 Fr. ermäßigt werden kann und dorfweise erhoben wird. Die Steuer soll regelmäßig bar erhoben werden, in einer Anzahl von Bezirken auch in Kautschuk oder Elfenbein. Die Steuereinnahme aus dem abgetretenen Gebiete ist französischerseits auf 607500 M geschätzt.

4. Togo. In Togo beginnen die E. mit der V. von 20. Sept. 1907. Hier ging man grundsätzlich aus von der Leistung von Steuerarbeit (wozu Reinigen der Wege nicht gehört), die von erwachsenen, männlichen, arbeitsfähigen Eingeborenen an höchstens 12 Tagen (was nur in Notfällen überschritten werden darf) zu leisten ist. Bei erheblicher Entfernung von den Wohnplätzen kann Verpflegungsgeld oder Naturalverpflegung gewährt werden, auch können Häuptlinge wie Steuerarbeiter Belohnungen erhalten. An Stelle der Steuerarbeit können Erzeugnisse geliefert oder Geldabgaben gezahlt werden, und der Steuerpflichtige ist berechtigt, die Ablösung der Steuerarbeit in Geld (nach ortsüblichen Tagelöhnen) zu verlangen. Erwartet wurden Geldabgaben nur in geringem Umfange, und der Etat für 1909 setzte nur 6000 M dafür ein. Tatsächlich kamen in Geld 389 000 M, 1910 626 000 M, 1912 714 000 M ein. Dabei sind 1912/13 785 500 Arbeitstage geleistet, ganz überwiegend naturgemäß im Norden und vorzugsweise für Bauten und Verkehrswege verwendet. Der Bezirk Lome-Stadt und die Ortschaft Anecho sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Für sie wurde eine Einkommensteuer durch V. vom 15. Juni 1909 eingeführt, die aber alsbald durch die V. vom 27. Mai 1910 ersetzt wurde, da sich namentlich aus den zu hohen Steuersätzen Schwierigkeiten ergaben. Danach sind steuerpflichtig erwachsene männliche, arbeitsfähige Eingeborene, die in diesen Orten wohnen oder dort ihrem regelmäßigen Erwerb nachgehen. Steuerpflichtig ohne Rücksicht auf den Wohnsitz ist das Einkommen aus Grundbesitz. Die Steuer richtet sich nach der Klasse in folgender Weise:

In Klasse III und IV kann die Steuer, wenn die Festsetzung des Einkommens nicht genau möglich oder schwierig ist, ein fester Satz von 25 und 50 M eintreten. In Klasse I kann auf Antrag an Stelle der Geldsteuer Steuerarbeit treten, was aber selten geschieht. Die Einschätzung erfolgt durch den Bezirksamtmann unter Zuziehung zweier angesehener Eingeborener, für die Klasse III bis V aber in Lome durch eine Steuerkommission (Bezirksamtmann, zwei Europäer und mit beratender Stimme zwei Eingeborene). Der Ertrag der Steuer war 1909 bis 1912 durchschnittlich 23 000 M.

5. Deutsch-Neuguinea. Im Schutzgebiet sind E. zuerst im Inselgebiet eingeführt worden: in den Marshallinseln 1898 (28. Aug.) eine Leistung von 360 000 Pfund Kopra, verteilt auf die einzelnen Inseln und Atolle, wovon der mit der Einsammlung beauftragte Häuptling 1 1/3 M für das Pfund als Prämie erhielt. Jeder männliche farbige Nichteingeborene von mehr als 16 Jahren hat 20 M zu entrichten. Durch V. vom 11. April 1911 ist die Koprasteuer auf zusammen 224 000 kg erhöht, für Nauru aber eine Kopfsteuer von 15 M für jeden erwachsenen männlichen Steuerpflichtigen eingeführt. Auf den Marianen blieben die von den Spaniern schon eingeführten Kopfsteuern und Arbeitsverpflichtungen bestehen (V. vom 17. Jan. 1900): jeder männliche Bewohner hatte vom 15. bis 50. Lebensjahre eine Steuer von 3 M zu entrichten, bei Zahlungsunfähigkeit Arbeit, den Tag zu 50 Mgerechnet, zu leisten. Außerdem war von denselben Personen für öffentliche Zwecke Arbeit zu leisten, von Verheirateten 12, von Ledigen 20 Tage. Für das ganze Inselgebiet (wovon aber die Marshallinseln ausgenommen sind) ist dann durch V. vom 7. Okt. 1900 die folgende Regelung ergangen: Jeder erwachsene männliche Eingeborene ist steuerpflichtig. Die örtliche Verwaltungsbehörde kann auch Frauen, die im Besitz von Vermögen sind, zur Steuer heranzuziehen. Steuerfrei sind Angehörige der Polizeitruppe, Väter von mehr als 4 im Inselgebiet wohnenden unerwachsenen Kindern (ein bemerkenswerter Versuch der Bevölkerungspolitik), nicht einheimische Eingeborene, für welche als Vertragsarbeiter eine Anwerbegebühr entrichtet ist. Die Steuer wird in Geld oder durch Steuerarbeit oder in Nebenerzeugnissen entrichtet. Welche Form angewendet werden soll, bestimmt das Bezirksamt,. auch welche Erzeugnisse als Naturalabgaben verwendet werden können und in welchen Mengen. Die Steuerarbeit, die nur öffentlichen Zwecken dienen darf, soll höchstens 15 Arbeitstage in Anspruch nehmen, der Geldbetrag der Steuer der 15fache Betrag des durchschnittlichen Tagelohns sein. Für den Betrag kann die Steuerarbeit jederzeit abgelöst werden. Nichteinheimische Eingeborene haben stets in Geld, und zwar 20 M zu bezahlen. Bei erhöhter Steuerleistungsfähigkeit kann einzelnen Inseln oder Landschaften ein höherer Betrag, bis zu 40 M pro Kopf, auferlegt werden. Hilfsorgane der Verwaltung sind auch hier die Häuptlinge oder besondere Steuererheber, die Vergütungen bis zur Hälfte (1) der Steuerleistung ihres Bezirks erhalten können. Im übrigen ist den Bezirksämtern und örtlichen Verwaltungsbehörden ein erheblicher Spielraum für die Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und die Wirtschaftslage der Eingeborenen gelassen. Im alten Schutzgebiet Neuguinea ist eine Eingeborenenbesteuerung 1907 (18. März) eingeführt: In Gemeinden oder Landschaften, die für steuerpflichtig erklärt werden, ist von jedem erwachsenen, männlichen, arbeitsfähigen Eingeborenen eine Kopfsteuer von 5 M, seit 1910 (25. April) abgestuft zu 5, 7 und 10 M, zu entrichten. Steuerpflicht der Gemeinde und Höhe ihres Steuersatzes wird durch die örtliche Verwaltungsbehörde festgesetzt, vorbehaltlich der Genehmigung des Gouverneurs. Die Erhebung erfolgt auch hier durch die Häuptlinge, die bis zu 10 % Vergütung erhalten können. Säumige oder zahlungsunfähige Steuerzahler können bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden. Da der Arbeitstag nur mit 20 M auf die Steuer angerechnet wird, liegt darin ein starker Druck auf die Entrichtung in Geld. Eingeborene, welche Steuer zahlen, sind von Fronarbeiten befreit. Steuerfrei, sind Eingeborene, welche nachweislich 10 Monate innerhalb des Steuerjahres bei einem Nichteingeborenen oder einem Gewerbesteuer zahlenden Eingeborenen beschäftigt sind. Die Erhöhung der Steuersätze und die Ausdehnung im Inselgebiet steigert jetzt die Einnahme aus den E. erheblich. Sie hatten 1909 (für das ganze Schutzgebiet) 99 000 M ergeben, 1910 144 000 M, und sind im Etat 1914 mit 301550 M eingesetzt (neben 15 800 M Kopfsteuer der Weißen und nichteingeborenen Farbigen).

6. Andere Schutzgebiete. In Samoa war schon durch die Generalakte der Samoakonferenz von 1889 eine Kopfsteuer eingeführt, die 1 Dollar (= 4 M), und für auswärtige farbige Pflanzungsarbeiter 2 Dollar betrug. Nachdem der letzte Posten 1901 aufgehoben war, wurde 1906 der Satz für Familienhäupter auf 12 A, für Taulelea auf 8 M, 1909 für diese auf 10 A erhöht. Der Ertrag stieg damit auf 210 000 M, 2/3 des Gesamtertrages der inländischen Steuern. In Deutsch -Südwestafrika besteht eine direkte E. für das ganze Schutzgebiet bisher nicht, ihre Einführung ist aber in der Sitzung des Landesrats 1912 erörtert worden. Dagegen fangen Gemeinden und Bezirksverbände an E. erheben, deren Erträge vornehmlich zum besten der Eingeborenen verwandt werden sollen; so die Gemeinde Windhuk (Ortssatzung vom 9. Febr. 1912) eine E. für Personen über 14 Jahren, die je nach der Höhe des Lohnes 0,25 - 2 M monatlich beträgt, bei nicht in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis stehenden Eingeborenen nach dem mutmaßlichen Verdienst, aber nicht weniger als 1 M für- den Monat. So hat der Distriktsverband Maltahöhe für alle Erwachsenen eine Kopfsteuer von 50 M monatlich. Bei Zahlungsunfähigkeit ist statt der Steuer Arbeit zu leisten. In Kiautschou gibt es gleichfalls keine direkte E., und sie wird erst in Frage kommen können, wenn derartige Steuern in China eingeführt werden.

Literatur: von König, Die Eingeborenenbesteuerung in Afrika, Kol. Rundsch. 1909, und Beilage zu Nr. 51 der DKolZ. 1909. Bursian, Die Häuser- und Hüttenbesteuerung in Deutsch-Ostafrika (Pierstorffs Abhandlungen VII 2, 1910). - J. Harmand, Domination et colonisation, 1910, 285 - 337. - K. Rathgen, Le8 impôts directs dans les colonies. Compte Rendu de la session de 1912 de l'Institut Colonial International, 1912. - A. Servel, L'organisation administrative et financière de l'Afrique Equatoriale Francaise, 1912.

Rathgen.