Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 525 f.

Eisenbahnanleihen. Für die ersten fiskalischen Eisenbahnen in den Schutzgebieten wurden die Mittel durch die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete d.h. durch die unentgeltlich gegebenen Reichszuschüsse in den aufeinanderfolgenden Jahren bereitgestellt; so für die Strecke Tanga - Mombo der Usambarabahn, für die Bahn Swakopmund - Windhuk in Deutsch - Südwestafrika und die Küstenbahn Lome - Anecho in Togo. Für die Inlandbahn Lome - Palime erhielt das Schutzgebiet Togo die Mittel -7,8 Mill. M - in Form eines mit 3 1/2 % zu verzinsenden Darlehens (G. vom 23. Juli 1904); die anfangs 30jährige Tilgungsfrist wurde später in eine 60jährige umgewandelt. Die von Dernburg (s.d.) eingebrachte Kolonialbahnvorlage von 1908 enthielt zum ersten Male für die Eisenbahnbauten der Schutzgebiete die Schutzgebietsanleihe (4%) unter Bürgschaft des Reichs [RG. vom 18. Mai 1908] (s. Schutzgebietsanleihen). Aus den Mitteln dieser Anleihe sollten hergestellt werden: in Deutsch - Ostafrika die Verlängerung der Usambarabahn von Mombo bis Buiko, 45 km; die Verlängerung der Mittellandbahn von Morogoro bis Tabora, 638 km; in Kamerun die Mittellandbahn von Duala über Edea zum Njong (Widimenge), 283 km; in Togo die Hinterlandbahn Lome - Atakpame, 160 km; in Deutsch - Südwestafrika die Zweigbahn Seeheim - Kalkfontein, 180 km. Endlich diente die Anleihe noch zum Ankauf der Anteilscheine - rund 20 Mill. M - der Ostafrikanischen Eisenbahn - Gesellschaft, behufs Verstaatlichung der Strecke Daressalam - Morggoro. Die Tilgung beginnt 6 Jahre nach Begebung der Anleihe. Die für die Bauausführung erforderlichen Jahresbeträge werden durch den außerordentlichen Etat der Schutzgebiete bereitgestellt. - In der zweiten Eisenbahnvorlage von 1910 (RG. vom 8. Febr. 1910) wurde auch für Deutsch - Südwestafrika die Schutzgebietsanleihe an Stelle des früheren Darlehens eingeführt. Von dieser Anleihe sollte bestritten werden in Deutsch - Ostafrika: die Verlängerung der Usambarabahn bis Moschi, 178 km, sowie der Hafenbau in Tanga, und in Deutsch - Südwestafrika - bis zur Höhe von 42 Mill. M die Verstaatlichung der Otavibahn, 581 km, und der Zweigbahn Otavi - Grootfontein, 91 km, der Neubau der Nordsüdbahn Windhuk - Keetmanshoop, 506,5 km, und der Umbau der Staatsbahn Karibib -Windhuk aus der 0,60 m - Spur in Kapspur. - Die dritte Eisenbahnvorlage wurde verabschiedet durch RG. vom 12. Dez. 1911; sie enthält die Bewilligung der Mittel aus Schutzgebietsanleihen (wie bisher) nur für Deutsch - Ostafrika, und zwar: zur Ausführung von Ergänzungs- und Neubauten auf der Stammstrecke der Usambarabahn Tanga - Mombo; zur Verlängerung der Mittellandbahn von Tabora bis an den Tangajikasee nach Kigoma, 405 km; zur Herstellung der dortigen Hafen- und Zollanlagen, und zur Verbesserung der Stammstrecke Daressalam - Morogoro durch Ausführung notwendiger Um- und Ergänzungsbauten. S.a. Eisenbahnen.

Baltzer.