Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 529

Eisenbahnbetrieb. Der E. umfaßt im Gegensatz zum Eisenbahnverkehr alle von der Bahnverwaltung durchzuführenden Maßregeln und Leistungen zur Bewegung der Eisenbahnzüge, die behufs Abwicklung des Verkehrs erforderlich sind; dagegen umschließt der Verkehr alle Ortsveränderungen, die mit Menschen, Tieren und Gütern zur Erfüllung beliebiger Bedürfnisse unter Benutzung der Bahn vorgenommen werden. Der E. der Schutzgebietsbahnen zeichnet sich infolge der noch ganz im Anfange stehenden Entwicklung gegenüber den heimischen Verhältnissen durch große Einfachheit aus: die Zahl der verkehrenden Züge und ihre Fahrgeschwindigkeit (s. Eisenbahnfahrgeschwindigkeit) ist gering, die Zugeinheiten sind im allgemeinen schwach; viele kleine Stationen sind nicht mit Personal besetzt; es werden im wesentlichen nur gemischte Züge gefahren, und der Nachtdienst ist nur auf einigen Strecken, z.B. der Ostafrikanischen Mittellandbahn, eingeführt. Es ist infolgedessen auch eine Eigentümlichkeit der Schutzgebietsbahnen, daß der während der Bauausführung erforderliche Bauzugbetrieb in der Regel viel umfangreicher ist und stärkere Anforderungen an die Bahn und ihre Fahrzeuge stellt, als der demnächstige regelmäßige Betrieb für den öffentlichen Verkehr. Die Wirtschaftlichkeit des E. der Schutzgebietsbahnen wird gefördert durch die meist niedrigen Löhne der eingeborenen Arbeiter, denen allerdings ihre meist gleichniedrigen Leistungen gegenüberstehen, aber beeinträchtigt durch die gegen die Heimat wesentlich gesteigerten Gehälter aller weißen Beamten und Bediensteten, durch die meist hohen Preise von Kohlen -und Wasser, durch die verminderte Leistungsfähigkeit der europäischen Beamten, die eine Folge der klimatischen Verhältnisse, der Schwüle und Feuchtigkeit der Luft u. dgl. ist. Für den E. unserer afrikanischen Schutzgebietsbahnen gilt die neue Kolonialeisenbahn -Bau- und Betriebsordnung (KBO., s. Betriebsordnung).

Baltzer.