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Eisenbahnen. (Über E. in Afrika überhaupt s. Eisenbahnen, afrikanische;
Eisenbahnen,
transafrikanische; Kap-Kairobahn;
Benguellabahn; Lukugabahn; Ugandabahn; über E. in Kiautschou s. dieses Schutzgebiet
und Schantung-Eisenbahn.)
Allgemeine Wirkungen; Entwicklung des Bahnnetzes. Die einzelnen
Schutzgebiete.
I. Deutsch-Ostafrika: a) Usambarabahn, b) Mittellandbahn, c)
Ruandabahn.
II. Kamerun: a) Manengubabahn, b)
Mittellandbahn. III. Togo: a) Küstenbahn, b) Inlandbahn, c)
Hinterlandbahn.
IV. Deutsch-Südwestafrika: a) Swakopmund
-Windhuk, b) Otavibahn, c) Südbahn, d) Windhuk - Keetmanshoop,
e) Ambolandbahn.
Die Wirkungen kolonialer E. bestehen in einer Erhöhung des Ein- und
Ausfuhrhandels, damit in einer Steigerung der Zolleinnahmen vermöge
erhöhter
Erzeugung und stärkeren Verbrauchs bei der eingeborenen Bevölkerung, in
der Sicherung der Landesverwaltung, in der Steigerung des Ertrages der
den Eingeborenen auferlegten Kopf-, Hütten-, Wege- oder Arbeitssteuer,
ferner in der friedlichen Ausdehnung der Regierungsgewalt, in der
Eindämmung
oder völligen Verhinderung von Aufstandsbewegungen, damit also in
Einschränkung
der Aufwendungen für Feldzüge und kriegerische Unternehmungen; weiter
in der gesundheitlichen Hebung der Eingeborenen durch Verhütung von Seuchen
und Hungersnöten, durch Minderung der zerstörenden Einflüsse der
Naturgewalten.
Durch diese allgemeinen Wirkungen der Bahnen, durch die Verbilligung des
Verkehrs, durch die Schaffung regelmäßiger, pünktlicher und sicherer
Verbindungen
für Menschen und Güter, durch die politische und strategische Sicherung des Landes, durch die Steigerung der
Beweglichkeit der Schutztruppe bringen sie dem Schutzgebiet so
wesentliche
allgemeine Vorteile, daß man daraus die Berechtigung zur Aufwendung der
für die Bahnbauten erforderlichen Kapitalien herleiten darf, sofern in
dem Gebiet nur überhaupt wirtschaftliche Kräfte und Schätze vorhanden
sind. Der Eisenbahnbau schafft den Eingeborenen
Arbeitsgelegenheit
und ist ein Mittel, sie zur Tätigkeit zu erziehen, indem das im
tropischen
Afrika übliche, wenig leistungsfähige Beförderungsmittel der
Trägerkarawane
entbehrlich wird. Dadurch wird eine große Zahl von Arbeitskräften für
andere Zwecke freigemacht. Auch für die Weißen werden bessere
Lebensbedingungen
geschaffen, die Gründungeiner Familie oder ihre Überführung aus der
Heimat
wird erleichtert, die Ansiedlungstätigkeit des Weißen in den dazu
geeigneten
Gebieten ermöglicht, das mühevolle Werk der Missionare wird von einem Teil seiner Gefahren
befreit und in seinen Leistungen erhöht, durch Verbesserung und
Erleichterung
der Rechtspflege die staatliche Ordnung im Lande gefördert, dem
Eindringen
europäischer Kultur bei den Eingeborenen Vorschub geleistet. Fast alle
afrikanischen Bahnen haben von ihrer Eröffnung an oder bald danach ihre
Betriebs- und Unterhaltungskosten aufgebracht, einige sogar von
vornherein
eine bescheidene Rente erzielt (s. Eisenbahnen, afrikanische);
allerdings
darf man neben der mittelbaren Rentabilität nicht auch schon eine volle
unmittelbare Rentabilität (s.d.) -etwa mit 4%iger Verzinsung und 0,6%
Tilgung des Anlagekapitals - erwarten, solange. das Land noch gänzlich
unerschlossen und wirtschaftlich unentwickelt ist. - Obgleich diese
Erfahrungen
bei anderen Neuländern und Kolonialvölkern, besonders in Nordamerika,
England, Belgien und Frankreich, überzeugend dargetan hatten, daß E. ein
unentbehrliches Mittel zur Erschließung von Neuländern sind, so zog man
doch in Deutschland verhältnismäßig spät Nutzen aus dieser Tatsache. Vom
Beginn unseres kolonialen Zeitalters, 1884, dauerte es volle zehn Jahre
bis zur Eröffnung des ersten Bahnbetriebes in den Schutzgebieten: Am 16.
Okt.1894 wurden die ersten 14 km der Usambarabahn in Deutsch - Ostafrika
bis zur Station Pongwe eröffnet. Aber
noch
weitere 11 Jahre, bis zum 24. Febr. 1905 vergingen, bis diese Bahn in
ganzer Ausdehnung, 129 km, von Tanga bis
Mombo dem Verkehr übergeben werden konnte.
- Der zweite koloniale Bahnbau wurde in Deutsch - Südwestafrika im Jahre
1897 begonnen, als dort die Rinderpest ausgebrochen war. Die 382 km
lange
Bahn brauchte nahezu fünf Jahre Bauzeit zu ihrer Vollendung, bis Juni
1902. Das Schutzgebiet Togo trat 1904 in. das Eisenbahnzeitalter ein
durch
Eröffnung seiner Küstenbahn Lome - Anecho,
und Kamerun hat erst 1909 in der zunächst eröffneten Teilstrecke der
Manengubabahn
seine erste E. für den öffentlichen Verkehr erhalten. - Daß die
Bahnbauten
in unseren Schutzgebieten anfangs so langsame Fortschritte machten, be
ruhte auf dem anfänglichen Mangel an techni schen Erfahrungen im
kolonialen
Bahnbau, aber auch auf der allgemeinen Interesse- und
Verständnislosigkeit,
die sich gegenüber den kolonialen Aufgaben anfangs in weiten Kreisen des
deutschen Volkes geltend machte. Erst der blutige Aufstand in Deutsch
- Südwestafrika hat hierin einen heilsamen Umschwung herbeige führt, und
es war das Verdienst des ersten Kolonialstaatssekretärs Dernburg -
(s.d.),
daß er beim Reichstage die Bewilligung erheblicher Mittel für
umfangreiche
Bahnbauten in den Schutzgebieten durchsetzte. Nach der letzten
Bewilligung
der ostafrikanischen Bahnvorlage vom Nov. 1911 (Verlängerung der
Mittelland
bahn bis an den Tanganjikasee) werden nun mehr die deutschen
Schutzgebiete
im Jahre 1914 voraussichtlich insgesamt etwa 4500 km Bahnen im Betriebe
haben. (Wegen der deutschen Bahnbauten in China s. Schantung
- Eisenbahn.)
I. Deutsch - Ostafrika (vgl. die Kartenskizze):

a) Die Usambara-Eisenbahn - zeitweise Nordbahn genannt - ist als erste deutsche
Kolonialbahn
im Jahre 1891 von der Eisenbahn - Gesellschaft für Deutsch-Ostafrika,
einer Tochtergesellschaft der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
(s.d.),
gegründet worden mit dem Plane, den Indischen Ozean und den Victoriasee
durch eine Bahn nach dem Spekegolf zu
verbinden. Das Gesellschaftskapital für die Bahn von Tanga nach Korogwe
(84 km) betrug indes nur 2 Mill. M. Im Juni 1893 wurde mit dem Bau in
der Meterspur weite begonnen und am 1. April 1896 die Strecke Tanga -
Muhesa - 40 km - dem Betriebe übergeben.
Über der Gesellschaft waltete von Anfang an ein Unstern; trotz der
Gewährung
von Vorschüssen der Muttergesellschaft reichte ihre Geldkraft zur
Vollendung
des Bahnbaues nicht aus. Die Regierung sprang zunächst mit Bauhilfen ein
und mußte schließlich im April 1899 die ganze Bahn für 1 300 000 M
übernehmen.
Der Gedanke ihrer Weiterführung bis zum Viktoriasee trat nunmehr in den
Hintergrund, man vergab zunächst nur den Weiterbau bis Korogwe an
einzelne
Unternehmer und machte Vorarbeiten für den Bau bis Mombo. Nach vielen
Schwierigkeiten und nachdem die Bauarbeiten längere Zeit zum Stillstand
gekommen waren, wurde der Bau von Korogwe bis Mombo von der Gesellschaft
Lenz & Co. als Gesamtunternehmen ausgeführt und im Febr. 1905 vollendet;
am 19. Feb. eröffnete Prinz Adalbert von Preußen feierlich die Bahn, die
darauf in ganzer Ausdehnung von Tanga bis Mombo am 24. Febr. 1905 dem
öffentlichen Verkehr übergeben wurde. Also nahezu 12 Jahre Bauzeit für
129 km Bahn! - Der erste koloniale Bahnbau hatte erhebliches Lehrgeld
gekostet. Der Betrieb der Bahn wurde an die Deutsche Kolonial -
Eisenbahnbau-
und Betriebsgesellschaft in Berlin (s.d.) verpachtet, der Verkehr
entwickelte
sich befriedigend, und die Betriebsergebnisse besserten sich von Jahr
zu Jahr. Dies ermöglichte zunächst, im Jahre 1908 den Weiterbau der Bahn
um 46 km bis Buiko, der durch RG. vom 8. Mai 1908 bewilligt und
am 27. Juli 1909 beendet wurde. Die dem Schutzgebiet zu zahlende
jährliche
Mindestpacht wurde daraufhin vom 1. April 1910 an von 152 000 auf 246
000 M erhöht. Die schon früher von vielen Seiten gewünschte
Weiterführung
der Bahn nach Moschi an den Fuß des Kilimandscharo konnte nach den günstigen
Ergebnissen
einer Erkundung, die der damalige Unterstaatssekretär v. Lindoquist ([s.
d] im Herbst und Winter 1908/09) leitete, in Aussicht genommen werden.
Die Mittel in Höhe von 12,25 Mill. M wurden durch RG. vom 8. Febr. 1910
bewilligt, und die Bauausführung erfolgte durch die Deutsche Kolonial
- Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft; am 8. Febr. 1912 konnte die
Bahn in ihrer ganzen Ausdehnung bis Neu - Moschi, 352 km, feierlich
eröffnet
werden. Somit ist aus der ehedem bescheidenen Stichbahn von 129 km Länge
nunmehr eine wertvolle Überlandbahn von nahezu dreifacher Ausdehnung
geworden.
Die Bahn hat für den Sportund Jagdfreund, den Bergsteiger und Freund der
Hochalpen noch einen besonderen Reiz: sie führt in die unmittelbare
Nachbarschaft
der schneebedeckten, nahezu 6000 m hohen Berggipiel des Kibo und Mawensi; in
einer Tagesreise gelangt man von Moschi an den Fuß des Kilimandscharo.
Dieser Umstand dürfte der Bahn voraussichtlich bald einen erheblichen
Touristenverkehr zuführen. Weiterbau nach Aruscha.
Die Fortführung der Usambarabahn von Neu - Moschi nach Aruscha ist durch
den Außerordentlichen Etat für das Jahr 1914 bewilligt worden. Während
des Bahnbaus Buiko - Moschi sollten die wirtschaftlichen und technischen
Grundlagen für die Erschließung des Merugebiets geprüft werden. Es ergab
sich, daß der Bau einer Automobilstraße 25 000 - 30 000 M für das
Kilometer
kosten und der Autobetrieb erhebliche dauernde Betriebsausgaben und
Kosten
für Wegeunterhaltung erfordern würde; in der Regenzeit würde die Straße
gleichwohl monatelang unbenutzbar sein. Ein Verkehr mit Ochsenwagen ist
nicht durchführbar, weil der Weg nicht durchweg tsetsefrei zu halten
ist.
Die jetzigen Frachtführer (Buren) verlangen hohe Gebühren, weil sie das Risiko laufen müssen, daß
ihre Zugtiere eingehen. Zur Erschließung des Aruschabezirks, dessen
hochgelegene
Steppengebiete eine dauernde Besiedlung durch Weiße ermöglichen, kann
daher nur die E. in Frage kommen. Die Gegend von Aruscha ist von Weißen
schon jetzt gut besiedelt, in letzter Zeit wurden aussichtsvolle
Kaffeepflanzungen
angelegt; nördlich der Ansiedlung der Palästina - Deutschen liegt ein
stark bestockter Großfarmbetrieb. Das Weidegebiet im Westen und Norden
des Meruberges ist vorzüglich. Die eingeleiteten
Wassererschließungsarbeiten
werden voraussichtlich noch einen weiteren Zuwachs an nutzbarem Land
ergeben.
- Die Bahn wird von Moschi aus an den südlichen Ausläufern des
Kilimandscharo
und Meru entlang führen, insbesondere zwischen Neu -
Moschi
und dem Sanja mehrere Gletscherflüsse an günstiger Stelle überschreiten.
Vom Sanja aus wird sie in ziemlich gerader Linie nahe bei den an den
Abhängen
des Meru befindlichen Pflanzungs- und Ansiedlungsgebieten vorbei nach
Aruscha gehen. Von Leganga aus wird sie
möglichst im Zuge des Karawanenweges verlaufen. Größere bauliche
Schwierigkeiten
wird nur die Überschreitung der tief eingeschnittenen, vom
Kilimandscharo
und Mern abfließenden Wasserläufe verursachen. - Außer der Endstation
sind zwei Stationen und zwei Haltestellen vorgesehen. Die
Strecke wird 86 km lang werden; Bogenhalbmesser 300 m, größte Steigung
talwärts 12,5, bergwärts 16 2/3 v. T. Die Baukosten sind auf 6 150 000
M, also rund 71 200 M/km veranschlagt, als Bauzeit sind 2 - 2 1/2 Jahre
vorgesehen. Gleichzeitig sollen noch weitere Änderungen und Ergänzungen
der Stammstrecke der Usambarabahn von km 23 bis Muhesa, insbesondere die
Beseitigung der für den Betrieb schwierigen und nicht ungefährlichen
Spitzkehre
von Ngomeni ausgeführt, sowie die Fahrzeuge der
Neubaustrecke
beschafft und der Stammstrecke ergänzt werden; hierfür sind 2 000 000
+ 1 200 000, zusammen 3,2 Mill. M bereit gestellt.
b) Die Mittellandbahn Daressalam - Tabora -Kigoma - jetzt
Tanganjikabahn
genannt - : 1. Die ersten Pläne einer "ostafrikanischen Zentralbahn" reichen zurück bis in das Jahr
1891.
Im Jahre 1895 wurden von der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft mit
der Deutschen Bank Vorarbeiten für eine Bahn von der Küste nach dem Seengebiet begonnen. Ausgangspunkt sollte
Daressalam
sein und eine Anschlußstrecke nach Bagamojo vorgesehen werden; als Spurweite war 0,75 m in Aussicht genommen. Im
Sommer
1896 erbot sich eine Gruppe von Banken
unter Führung der Deutschen Bank zur Ausführung einer Bahn bis Morogoro für 12 Mill. M gegen Gewährung einer 3
% igen Zinsbürgschaft und Überweisung von % aller über 1 Mill. M
hinausgehenden
Zolleinkünfte an die neue Gesellschaft. Nachdem die Regierung dieses
Gebot
abgelehnt hatte, geriet die Sache ins Stocken. Die Regierung nahm im
Jahre
1899 den Entwurf wieder auf, aber der Reichstag
verwarf die Forderung wiederholt, bis im Juni 1904 eine Konzession für
eine Bahn von Daressalam nach Morogoro in Meterspur bewilligt wurde. Die
daraufhin gebildete Ostafrikanische Eisenbahn-Gesellschaft (s.d.)
erhielt
durch G. vom 31. Juli 1904 eine Zinsbürgschaft des Reichs von 3 % auf
das Anlagekapital von 21 Mill. M und eine Gewähr für die Rückzahlung mit
120 % für die jeweils ausgelosten Anteilsnahme, neben wertvollen Land-
und bergbaulichen Rechten. Das Reich wurde am Gewinn beteiligt und
sollte
die Bahn nach 88 Jahren schuldenfrei und unentgeltlich zu eigen
erhalten.
Mit der Bauausführung wurde die Gesellschaft Holzmann & Co. in Frankfurt
a. M. betraut, die im Februar 1906 mit den Bauten begann. Die
Vorarbeiten
waren in dem vielfach dichtbewachsenen, völlig unübersichtlichen Gelände
sehr erschwert, und die Bauausführung litt unter den heftigen
Niederschlägen,
auch zeitweilig unter Arbeitermangel. Die 209 km lange Bahn wurde 1907
vollendet. - 2. Der Weiterbau dieser Bahn von Morogoro nach Tabora, 638
km, zugleich mit der Verstaatlichung der Stammstrecke durch Erwerb der
Anteilscheine der Ostafrikanischen Eisenbahn - Gesellschaft auf den Schutzgebietsfiskus
von Deutsch - Ostafrika, war die wichtigste Forderung in der
Kolonialbahn
- Vorlage des Staatssekretärs Dernburg vom Jahre 1908. Diese
Verstaatlichung
war die Vorbedingung für den Weiterbau nach Tabora; denn der
Ostafrikanischen
Eisenbahn - Gesellschaft war zwar das Vorrecht auf den Weiterbau ihrer
Bahn bis an den Tanganjika und Viktoria - Nyansa verliehen, aber die Mittel
hierfür
fehlten ihr. Der Gesellschaft stand für ihre Bahn auf die Dauer von fünf
Jahren nach Eröffnung der Gesamtstrecke Tarifhoheit zu, deren Ausnutzung
leicht zu schweren Schädigungen des Schutzgebiets führen konnte. Die
Verstaatlichung
wurde in der Weise durchgeführt, daß der Schutzgebietsfiskus den größten
Teil der Anteilscheine der Gesellschaft erwarb, so daß die
Kolonialverwaltung
maßgebenden Einfluß auf Verwaltung,
Betrieb und Tarifbildung der Bahn erhielt; dagegen blieb die
Eisenbahngesellschaft
mit ihrer bisherigen Verwaltung in der Form eines selbständigen
Privatunternehmens
unangetastet bestehen. Die Kaufleute, die als Mitglieder des
Aufsichtsrats
an der Bahn beteiligt waren, behielten diese Führung und sicherten damit
dem Unternehmen eine kaufmännische Leitung und Förderung. Das Reich auf
der anderen Seite ersparte sich damit einen großen Beamtenstand und
erhielt
sich die Teilnahme einflußreicher Kreise an seinem kolonialen
Bahnunternehmen.
Unter diesen Verhältnissen wurden nunmehr der Ostafrikanischen Eisenbahn
- Gesellschaft in Form eines Darlehns die Baugelder zum Weiterbau der
Bahn nach Tabora gegen Verpfändung der Stammstrecke Daressalam -
Morogoro
und der jeweils vollendeten Teile der Neubaustrecke überwiesen. Die
Mittel
wurden durch eine Schutzgebietsanleihe aufgebracht, für deren Verzinsung
und Tilgung die Schutzgebiete, unter Bürgschaft des Reichs,
aufzukommen haben (RG. vom 18. Mai 1908). Die Bahn Daressalam -Tabora,
848 km, verbindet den besten Hafen des
Schutzgebiets,
Daressalam, mit seiner wichtigsten volkreichsten Binnenstadt, Tabora,
durchfährt sein ganzes mittleres Gebiet von Ost nach West und erschließt
den reichen, entwicklungsfähigen Bezirk von Unjamwesi.
Die Bahn folgt im wesentlichen dem Zuge der Karawanenstraße Morogoro -
Kilossa - Mpapua - Kilimatinde - Tabora und ersteigt in der
Landschaft
Dodoma auf etwa 1140 m Meereshöhe den
Ostrand
des ostafrikanischen Grabens; sie fällt bis zu seiner Sohle herab auf
etwa 830 m, um in der Überschreitung des westlichen Grabenrandes auf
etwa
1326 m Meereshöhe den höchsten Punkt der Bahn zu erreichen. Die Bahn
verläuft
dann weiter, nördlich von Kilimatinde, südlich der Wembäre -Steppe nach Tabora, das sie in etwa 1200
m Meereshöhe erreicht. Das Baukapital war auf rund 70 Mill. M
veranschlagt,
ist aber in dieser Höhe nicht aufgebraucht. Die Bahn ist mit Steigungen
bis zu 2 1/2 % und Krümmungen bis zu 200 m Halbmesser, westlich vom
Graben
indes mit Steigungen nur bis 0,5 % und Krümmungen bis zu 300 m
Halbmesser
durchgeführt. Der Bau lag als Gesamtunternehmen in den Händen der
Baugesellschaft
Ph. Holzmann & Co. und wax im Jahre 1912 vollendet. Der öffentliche
Verkehr
wurde am 1. Jan. 1910 bis Kilossa, am
1. Nov. 1910 bis Dodoma, am 1. Aug. 1911 bis Saranda, am 15. Sept. bis
Tura ausgedehnt. Die Gleisspitze erreichte
Tabora am 26. Febr. 1912. - 3. Die Bewilligung der Mittel für die
Fortführung
der Mittellandbahn bis Kigoma an den Tanganjikasee zur Erschließung dieses
wichtigen Seegebiets war eine der letzten Handlungen des Reichstags im
Dez. 1911 vor Schluß seiner Sitzungen. Um den Bahnbau,
der über Erwarten schnell bis Tabora gelangt war, nicht zum Stillstand
kommen zu lassen, und um die Zeit nicht unnütz hinauszuschieben, wo der
durch den Weiterbau der Bahn an den See besonders gesteigerte Ertrag der
Bahn und die mit ihrem Vordringen Hand in Hand gehende Entwicklung der
Gebiete einsetzen kann, erschien es geboten, den Weiterbau unverzüglich
bis zum Tanganjikasee durchzuführen und nicht in Tabora zu unterbrechen.
Außerdem stand bei einer Verzögerung zu befürchten, daß die belgische
Kongokolonie mit ihrem Bahnbau vom Kongo
zum Tanganjikasee, der sog. Lukugabahn, den See früher erreichte als die
deutsche Bahn, und dadurch einen Teil des Handels von dem natürlichen
Einflußgebiet der deutschen Kolonie nach Westen zum Atlantischen Ozean
abzuleiten
vermöchte. Der Weg nach Kigoma, 5 km nördlich von Udjidji, bietet eine für den Bau und Betrieb
günstige
Verbindung des Sees mit Tabora. Die dortige Bucht ist geschützt und
bietet
Raum für die erforderlichen Hafen- und Dockanlagen. Auf dieser Linie von
Tabora bis zum Malagarassifluß sind die Neigungs- und
Krümmungsverhäftnisse
der Bahn hervorragend günstig, so daß sich größere Steigungen als 5
Promille
und Krümmungen mit kleineren Halbmessern als 300 m vermeiden lassen. Der
Malagarassi wird mit einer Brücke von 50 m Weite und einer Anzahl
Flutöffnungen
überschritten werden. Westlich von diesem Stromübergang wird das Gelände
welliger, und weiter beim Abstieg zum See, auf die letzten 100 km,
werden
Steigungen bis zu 12,5 Promille bei Krümmungen von nicht unter 300 m
Halbmesser
erforderlich. Die Bahn- und Hafenanlagen der Endstation am See sollen
in dem gut geschützten Becken der Bucht von Kigoma untergebracht werden.
Die Strecke Tabora - Kigoma wird etwa 405 km lang. Die Baukosten sind
auf 42,2 Mill. M. veranschlagt; dazu treten noch 4,4 Mill. M für die
Hafen-
und Dockanlagen in Kigoma, für die Landungsanlagen
an den übrigen Anlegeplätzen des Sees und für die Beschaffung von drei
Schiffen zu 1000 - 1200 t Wasserverdrängung für den Verkehr auf. dem
See.
Der zuerst erbaute Teil der Stammstrecke, der seinerzeit nur als kurze
Stichbahn gedacht und ausgeführt war, muß den erweiterten Bedürfnissen
der inzwischen zu einer großen Überlandbahn gewordenen Bahn angepaßt
werden.
Die Kosten dieser Ergänzungsbauten sind auf 5,4 Mill. M veranschlagt.
Das, gesamte Baukapital beträgt also 42,2 + 4,4 + 5,4 = 52 Mill. M. Von
diesen sollen 8,8 Mill. Deckung finden aus Ersparnissen beim Bau
Morogoro
- Tabora und 5,2 Mill. durch Übernahme der Bauzinsen auf den
ordentlichen
Etat des Schutzgebietes, ferner 2 Mill. für den Umbau der Stammstrecke
durch bereite Mittel des Reservefonds der letzteren. Mithin bleiben
aufzubringen
36 Mill. M. Das Schutzgebiet hat daher der Eisenbahngesellschaft ein
weiteres
Darlehen in dieser Hehegezu gewähren. Für die Bauzeit waren drei Jahre
vorgesehen. Die Bauausführung ist, wie bei den Vorstrecken, der
Baugesellschaft
Ph. Holzmann & Co. übertragen. Am 1. Febr. 1914 erreichte die
Gleisspitze
Kigoma.
c) Die Ruandabahn. Mit Vollendung der Tanganjikabahn (s.d.) ist auch
ein Bahnbau nach den im Nordwesten unseres Schutzgebiets Deutsch-
Ostafrika
gelegenen Landschaften Ruanda und Urundi in den Bereich der Ausführbarkeit gerückt;
beide Landschaften, jene mit über 2 Mill., diese mit 11/2 Mill.
Einwohnern,
haben die bemerkenswert hohen Bevölkerungsziffern von 72 und 52 Köpfen
auf das Quadratkilometer, und sind infolge ihres Menschen- und
Viehreichtums
und wegen ihrer günstigen Boden- und Klimaverhältnisse, durch die der
Ackerbau überall gut gefördert ist, zu einer
bedeutenden
wirtschaftlichen Entwicklung berufen; erhalten sie guten Anschluß an den
Weltverkehr, so werden diese Länder imstande sein, ihm große
wirtschaftliche
Werte zu liefern. Die im Jahre 1913 begonnenen Vorarbeiten für eine
Eisenbahn
ergaben günstige Linienverhältnisse und eine befriedigende Rentabilität
der zu erbauenden Strekken; die Finanzierung der Bahn erscheint
sichergestellt
durch die mit Schaffung des neuen Verkehrswegs einzuführenden
Steuerleistungen;
die zu erschließenden Gebiete bringen also selbst die Mittel für die
Verzinsung
und Tilgung der Bahnanleihe auf. Hauptausfuhrgegenstände sind jetzt
Häute
und Felle; die Zollstatistik z. B. von Bukoba
zeigt die starke Steigerung des Handels in den letzten Jahren: 1908: 229
000 kg im Werte von 202 000 M, 1912: 1 119 615 kg im Werte von 1 756 033
M. Die Wahutu, die Bewohner von Ruanda,
sind gute Ackerbauer; die Zwischenseengebiete sind für Reis- und
Tabakbau,
das Kageragebiet für Baumwollbau, der Bukoba- und Usambarabezirk für
Kaffeebau geeignet. Auch sind die Arbeiterverhältnisse durchweg günstig.
Für die Erschließung ist der Kagerastrom mit seinen Nebenflüssen
wertvoll,
insofern er auf weite Strecken eine Flußschiffahrt
im Anschluß an die Bahn ermöglicht. Ausganspunkt dieses Wasserverkehrs
würde das sog. Kageraknie sein, wo am Zusammenfluß des Ruwawu und Njawarongo die Bahn nicht einen Endpunkt,
sondern
in verkehrstechnischem Sinne eine Endfläche erreicht. Die geplante und
im Jahr 1914 bewilligte Bahn geht von Tabora in nördlicher, dann in
nordwestlicher
Richtung, läßt die Missionsstation Mariahilf südlich liegen, verläßt bei
km 300 den Bezirk Tabora, überschreitet den Muhamatluß in der Landschaft
Usambiro, dann den Mutundu im Sultanat
Ussuwi. Im weiteren Verlauf erreicht sie
Meereshöhen von 1420 und 1550 m, letztere bei Überschreitung der
Wasserscheide
zwischen dem Tanganjika- und dem Victoriasee. Die Bahn endigt am Kageraknie bei
481 km Gesamtlänge auf etwa 1380 m Höhe. Die stärksten Steigungen werden
voraussichtlich 1 : 60 nicht überschreiten, die schärfsten Krümmungen
250 m Halbmesser erhalten. Die Gesamtkosten der Bahn, einschließlich der
Anlagen für den Umschlagverkehr am Kageraknie und für die Beschaffung
von Fahrzeugen zur Errichtung der Flußschiffahrt, sind auf 50 Mill. M
veranschlagt; die Bauzeit soll 3 - 4 Jahr betragen. Die Bauherrin ist
die Ostafrikanische Eisenbahn - Gesellschaft, die auch die
Tanganjikabahn
ausgeführt hat und betreibt. Die Spurweite ist 1 m und der Oberbau der
Bahn derselbe wie der der Tanganjikabahn.
II. Kamerun (vgl. die Kartenskizze):
a) Die Manengubabahn oder
Kameruner Nordbahn wurde mit Bau und Betrieb der Kamerun -Eisenbahn -
Gesellschaft (s. d.) durch G. vom 4. Mai 1906 auf 90 Jahre konzessioniert. Die
Bahn, in Meterspur angelegt, geht von der, Duala
gegenüber auf dem rechten Ufer des Kamerunflusses liegenden Halbinsel Bonaberi aus, durchschneidet den umgebenden
Urwaldgürtel in nördlicher Richtung und endigt, mit 160 km Gesamtlänge, an den
Manengubabergen in der Endstation Nkongsamba. Diese Bahn bildet einstweilen den
Grundstock der Nordbahn des Schutzgebiets; in ihrer dereinstigen Fortsetzung,
über die indes zurzeit noch keinerlei Entscheidung. getroffen ist, wird sie den
Nordosten und Norden Kameruns mit seinem anscheinend dichtbevölkerten Hochland
erschließen, das sich über den Randabfall erhebt. Dieser wird, etwa 60 -100 km
landeinwärts, hintet dem Endpunkte, der Bahn überwunden werden müssen. Ob sie
dereinst über Bamum und Banjo nach Garua und Dikoa und schließlich bis an das Gestade des Tsadsees
wird weitergeführt werden können, erscheint wegen der großen
Geländeschwierigkeiten sehr zweifelhaft und wird auch von der künftigen
wirtschaftlichen Entwicklung Kameruns abhängen. Zum Zwecke des Baues und
Betriebes der Bahn hat sich die KamerunEisenbahn - Gesellschaft mit einem
Kapital von 16,64 Mill. M gebildet. Das Reich hat auf 11 Mill. M ihrer
Stammanteile eine Zinsgewähr mit 3% übernommen und der Gesellschaft außerdem
wichtige Land- und Bergwerksgerechtsame verliehen. Die Bauausführung wurde der
Deutschen Kolonial - Eisenbahnbau- und Betriebs-Gesellschaft als
Gesamtunternehmen übertragen, die ihre Arbeiten im Jahre 1906 begann und bis zum
1. April 1911 beendete. Der Betrieb der Bahn ist an die bauausführende
Gesellschaft verpachtet.
b) Die Kameruner Mittellandbahn Duala - Edea
- Njone Forderung der Kolonialbahnvorlage vom Jahre 1908, dient der
Öffnung
des Südens und Südwestens von Kamerun. Sie ist durch politische und
militärische
Interessen begründet und soll die Beseitigung des Karawanenhandels
herbeiführen.
Das Bakokoland mit seinen Hauptausfuhrerzeugnissen, Palmöl und Palmkernen gehört zu den fruchtbarsten
Gebieten von Kamerun; zwischen dem Sanaga- und dem Njongflusse
erstrecken
sich große Waldbestände von Ölpalmen. Als künftige Bahnfrachten kommen
Mais, Erdnüsse, Tabak
und Kakao sowie zahlreiche Edel- und
Bauhölzer
in Betracht. Im Jaundebezirk werden der Bahn erhebliche Frachten an
Pferden,
Rindund Kleinvieh aus den
Zuchtgebieten
Adamaua und der Tsadseegegend zufallen. Die
dichtbevölkerten
Bakoko- und Babimbi - Bezirke werden der
Bahn lebhaften Personenverkehr bringen. Die Bahn beginnt in Duala auf
dem linken Ufer des Wuriflusses, wo ausgedehnte Kaianlagen für den
Umschlag
zwischen Bahn- und Seeverkehr hergestellt werden; sie zieht sich dann
im Bogen nach Südosten und überschreitet östlich der
Station
Japoma den Dibambastrom auf einer 322 m langen eisernen Brücke.
Weiterhin
wird der wasserreiche Sanagastrom in zwei getrennten Armen
überschritten:
der Nordarm erfordert eine Brücke mit 4 eisernen Überbauten von je 57,6
m Stützweite; der Südarm dagegen hat bei einer Strombreite von 160 bis
170 m eine Wassertiefe bei Hochwasser von nicht weniger als 26 m und
bietet
daher für die Überbrückung ganz besondere Schwierigkeiten. Bei dieser
ungewöhnlichen Wassertiefe wäre die Gründung von Strompfeilern mit
besonders
hohen Kosten und Gefahren verbunden gewesen. Man entschloß sich daher
zu einem Überbau von einer einzigen Spannung von 160 m Weite, der aus
einem Gitterbogen besteht; an den senkrechten Füllungsgliedern ist die
Fahrbahn aufgehängt. Die eine Bogenhälfte wurde vom Lande aus vorgebaut,
die andre auf schwimmenden Prähmen errichtet und mit Benützung der
Strömung
des Flusses in die richtige Lage eingeschwommen. Diese Ausführung
erfolgte
in der zweilten Hälfte des Jahres 1911 (s. Abb. beim Art. Eisenbrücken u. Tafel 50). Am unteren Ende
der nur zeitweise schiffbaren Stromstrecke des Sanaga erreicht die Bahn auf seinem linken Ufer die
Station Edea. Von, hier wird sie in östlicher Richtung fortgesetzt und
gelangt etwa bei Onanabesa in der Nähe der Tappenbeck
- Schnellen an das rechte Ufer des Njong,
dessen Lauf sie von hier aus voraussichtlich folgen wird. Das
Anlagekapital
der Bahn einschließlich Bauzinsen wird für 283 km rund 48 350 000 M
betragen
und durch eine Schutzgebietsanleihe aufgebracht; der hohe Betrag, rund
170 000 M für das Kilometer, rechtfertigt sich aus den erheblichen
Schwierigkeiten
der Arbeiterbeschaffung und des stark durchschnittenen, noch wenig
erkundeten
Geländes, aus den hohen Kosten der großen Stromübergänge und des
erforderlichen
schweren Oberbaues, der wie bei der Bahn Morogoro - Tabora
einem künftigen starken und schweren Lastenverkehr gewachsen sein muß.
Die stärksten Steigungen der Bahn werden im allgemeinen 1 : 60 = 16 2/3
Promille nicht überschreiten, die schärfsten Bahnkrümmungen 250 m, im
Notfalle noch 200 m Halbmesser erhalten. Die Bauausführung ist der
Deutschen
Kolonialeisenbahn - Bau - und Betriebs - Gesellschaft übertragen und
soll
bis zum 24. Juli 1916 im wesentlichen vollendet werden. Die Strecke
Duala
- Edea wurde im Jahre 1912, die Strecke bis Bidjoka, km 150, am 2. Dez.
1913 dem Verkehr übergeben.
III. Togo (vgl. die Kartenskizze):
a)
Küstenbahn Lome - Anecho. Gleichzeitig mit dem Bau
einer eisernen, 340 m langen Landebrücke in Lome, die die dortige schwere
Brandung überschreiten und damit eine wesentliche Verbesserung des
Landungsbetriebes herbeiführen sollte, wurde im Jahre 1898 der Bau einer
Küstenbahn von Lome nach Anocho (dem früheren "Klein - Popo") in Aussicht genommen; durch sie gewann man die
Möglichkeit, demnächst die Reede von Anecho zu sperren und den ganzen
Zollverkehr in Lome zu vereinigen. Nach Vollendung der Landebrücke im März 1904
begann man mit dem Bahnbau, der der Aktiengesellschaft
Augsburg - Nürnberg (Gustavsburg) übertragen wurde. Die Mittel in Höhe von 1120
000 M wurden durch den Etat für die Rechnungsjahre 1901 und 1902, 1904 und 1905
bereitgestellt. Die Baufrist betrug 12 Monate. Die anfangs mit 75 cm vorgesehene
Spurweite wurde glücklicherweise noch in letzter Stunde auf 1 m festgelegt, und
dieses Maß ist für die späteren Bahnbauten des Schutzgebiets maßgebend
geblieben. Der Bau im Küstengebiet bot keine Schwierigkeiten, zumal Erdarbeiten und Kunstbauten so gut wie gar
nicht erforderlich wurden; die ungewöhnlich niedrigen Baukosten der Bahn, rund
23 000 M für das Kilometer, finden darin ihre Erklärung. Am 18. Juli 1905 wurde
die 44 km lange Bahn dem Betriebe übergeben und gleichzeitig die Reede von
Anecho gesperrt. Mit Eröffnung der Bahn übernahm die Gesellschaft m. b. H. Lenz
& Co. in Berlin den Betrieb von Bahn und Landebrücke zusammen, auf Grund eines
Pachtvertrages, der bis zur Eröffnung der Inlandbahn Lome - Palime seine Gültigkeit behielt. Seitdem ist der
Betrieb der Küstenbahn mit dem der Inlandbahn vereinigt, und die Züge werden im
allgemeinen von Anecho über Lome nach Palime und umgekehrt durchgeführt.
b) Inlandbahn Lome - Palime. Die Vorarbeiten für diese Bahn wurden 1902 vom
Kolonialwirtschaftlichen Komitee ausgeführt, der
Bahnbau durch das Gesetz vom 23. Juli 1904 genehmigt und dem Schutzgebiet die
Mittel in Höhe von 7,8 Mill. M durch die Etats für die Jahre 1904 bis 1906 vom
Reiche in Form eines mit 3 1/2 % zu verzinsenden Darlehns bereitgestellt. Der
Bau der Bahn, gleichfalls in Meterspur, wurde der Firma Lenz & Co. übertragen,
im September 1904 begonnen und 1907 vollendet. Die 119 km lange Bahn wurde am
Kaisersgeburtstage, 27. Jan. 1907, dem Verkehr übergeben. Die Bahn zeigt nur
geringe Steigungen, landeinwärts bis 1 : 60, küstenwärts bis 1 : 100. Am 1.
April 1908 trat für die vereinigten Verkehrsanlagen ein neuer Pachtvertrag in
Kraft, der mit der Deutschen Kolomial - Eisenbahn - Bau- und
Betriebsgesellschaft in Berlin auf 12 Jahre abgeschlossen war und dem
Schutzgebiet wesentlich erhöhte Einnahmen sichert. Nach diesem Vertrage erhält
das Schutzgebiet eine jährliche Mindestpacht, von 306 500 M, demnächst aus den
Überschüssen die Pächterin eine Entschädigung von 30 000 M, während etwaige
weitere Überschüsse mit 9/10 dem
Schutzgebiet, mit 1/10 der Pächterin zufließen.
c) Hinterlandbahn Lome - Atakpame. Das
Schutzgebiet Togo erstreckt sich, bei einer durchschnittlichen Breite von etwa
175 km, von Nord nach Süd auf etwa 560 km, während seine Küste an der Südgrenze
leider nur eine Länge von 50 km aufweist. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß die
der Westgrenze zustrebende Bahn Lome - Palime, deren Verlängerung nach Norden
das von Südsüdwest nach Nordnordost verlaufende Togogebirge im Wege steht, nicht genügt, um das
Schutzgebiet in seinem mittleren und nördlichen Teil ausreichend zu erschließen.
Eine möglichst zentral gelegene Eisenbahn von Süd nach Nord war hier notwendig,
um das Rückgrat für den Ver. kehr zu bilden und seitlich anzuschließende Stichbahnen oder Straßen als Zubringer
aufzunehmen. Durch Erkundungen war festgestellt, daß das Gelände im nördlichen
Teile des Togogebirges die Möglichkeit eines Bahnüberganges bietet. Die
unmittelbare Verbindung Lome - Atakpame verdiente daher um so mehr den Vorzug,
weil sie auch ein ausgedehntes wertvolles Gebiet neu aufschließt. Für den Bau
der nördlichen Fortsetzung Atakpame - Bassari -
Banjeli - Tschopowa, etwa 328 km, bis auf das rechte Ufer
des Otiflusses, haben bereits allgemeine Erkundungen stattgefunden, aus denen
die Möglichkeit einer Eisenbahn hervorgeht. Zunächst sind nur die Mittel für den
Bau bis Atakpame gefordert und in Höhe von 11,2 Mill. M für rund 160 km Bahn
durch die Kolonialvorlage vom Jahre 1908 bereitgestellt. Inwieweit die im
Hinterlande bei Banjeli gefundenen Eisenerzlager einen künftigen Abbau lohnen
werden, bedarf noch eingehender Untersuchungen. Auch das Vorkommen von
Chromeisenstein, etwa 10 km nordwestlich von Glei, nahe an der geplanten
Bahnlinie, kann ebenso wie die im
Flußbett des Monu, etwa 12 km nordwestlich Sagada
gefundenen goldhaltigen Quarzgerölle, für die künftige Nutzbarmachung der Bahn
und ihre Fortführung von Bedeutung werden. Die Bauausführung wurde der Deutschen
Kolonial -Eisenbahnbau - und Betriebs - Gesellschaft in Berlin übertragen und
bis Agbonu am 1. April 1911 vollendet. Die mit
etwas stärkeren Steigungen versehene Reststrecke Agbonu - Atakpame wurde am 2.
Mai 1913 dem Betrieb übergeben. Spurweite und Oberbau entsprechen dem
vorhandenen Bahnnetz. In der Richtung zur Küste betragen die stärksten
Steigungen 1 : 100, nach dem Binnenlande im allgemeinen 1 : 60, der kleinste
Krümmungshalbmesser 250 in. Die Bahn ist seit Eröffnung in den bestehenden
Pachtvertrag einbezogen und der Mindestpachtzins dementsprechend von 306 500 auf
523 000 M jährlich erhöht worden.
IV. Deutsch - Südwestafrika (vgl. die Kartenskizze).
In Deutsch-Südwestafrika wird wegen seiner überaus schwachen
Bevölkerung
der Personenverkehr auf absehbare Zeit nur eine unbedeutende Rolle
spielen.
Bei den ung einein großen Ausdehnungen bedarf aber das Schutzgebiet ganz
besonders der E. zu seiner wirtschaftlichen. Erschließung und
Entwicklung.
a) Die Staatsbahn Swakopmund - Windhuk.
Als im Jahre 1897 durch den Ausbruch der Rinderpest der Ochsenwagenverkehr unterbrochen
wurde und der Frachtverkehr nach dem Innern durch das Dahinsterben des
Viehs lahmgelegt zu werden drohte, entschloß sich die Regierung zu einer
schleunigen Herstellung einer Schmalspurbahn, die von Swakopmund entlang
des Baiweges nach Windhuk führen sollte. Eine solche Bahn war seit
längerer
Zeit geplant, um- den unwegsamen Namibgürtel zu überschreiten; ihr
Betrieb
war ursprünglich mittels tierischer Kraft, argentinischer Maultiere oder
kapländischer Esel, gedacht. Damals bot sich die Gelegenheit, durch
Verwendung der Eisenbahnbrigade, die mit der feldbahnmäßigen Ausführung
der 60 cm - Spurbahn vertraut war und das Oberbaumaterial vorrätig
hatte,
das Ziel in schnellster Weise zu erreichen. So griff man zur Feldspur und entnahm das Baumaterial den Beständen
der heimischen Heeresverwaltung, in einer leichten Feldbahnform, wie sie
für vorübergehende militärische Zwecke angewandt, der Bedingung
raschester
Ausführung entspricht. Ein Kommando der Eisenbahnbrigade wurde mit der
Ausführung betraut u nd begann seine Arbeiten im Sept. 1897. Die
stärksten
Steigungen der Strecke betrugen 1 : 21, die schärfsten Krümmungen hatten
60 in Halbmesser. Die Bahn steigt von der Küste bis Karibib (194 km) auf
1165, bis Okahandja (km 311) auf 1321 und bis Windhuk (km
382) auf 1637 in Meereshöhe (32 in höher als die Schneekoppe). Die
Überwindung
des der Küste vorgelagerten Gürtels der Namib
und die Wasserarmut des zu durchschneidenden Geländes erschwerten den
Bau außerordentlich; die Durchquerung des Khangebiets mit dem tief
eingerissenen
Flußbett forderte die Anwendung besonders starker Steigungen. So zog
sich
die Vollendung der 382 km langen Bahn bis zum Juni 1902 hin. Die Mittel
wurden aus den Etats des Schutzgebiets bestritten, Mie Baukosten haben
schließlich 15 315 700 M, das sind 40 094 M für das Kilometer betragen.
Wenn sich auch die Leistungsfähigkeit der Bahn infolge der schwachen
Zugeinheiten
in engen Grenzen hielt, so hat sie doch trotz ihrer schmalen Spur
während
des Hereroaufstandes wertvolle Dienste für die Beförderung der Truppen
geleistet. - Infolge der durch die ungünstige
Linienführung und den schwachen Oberbau beschränkten Leistungsfähigkeit
der Bahn erwies sich der Betrieb als wenig wirtschaftlich und die
Unterhaltung
der Bahn und ihrer Fahrzeuge als recht kostspielig. Diese ungünstigen
Verhältnisse der Bahn waren vorwiegend der Grund, daß die Otavibahn, die
im Jahre 1902 ihre bei Tsumeb gelegenen
Kupfergruben durch eine Bahn mit dem Hafen Swakopmund verbinden mußte,
auf jede Mitbenutzung der Staatsbahn verzichtete und sich eine eigene
Bahn, zwar in gleicher Spurweite, aber mit wesentlich schwererem Oberbau
herstellte. So entstand in Deutsch-Südwest
das sonderbare Bild, daß von Swakopmund bis Karibib auf 190 km Länge
zwei
Bahnen in wechselndem Abstande neben einander
herliefen,
die eine wegen ihrer Linienführung und Ausstattung wenig leistungsfähig,
die andere als reines Privatunternehmen infolge der ihr verliehenen
Tarifhoheit
für das Schutzgebiet nur von bedingtem Wert! Der kostspielige Luxus
eines
solchen Doppelbetriebes konnte auf die Dauer nicht bestehen bleiben in
einem Schutzgebiet, das unter dem Drucke wirtschaftlich wenig
befriedigender
Verhältnisse stand. Die Abhilfe wurde herbeigeführt durch die
Bahnvorlage
von 1910, die die Verstaatlichung der Otavibahn, die Außerbetriebsetzung
der unteren Staatsbahnstrecke Swakopmund - Karibib für den durchgehenden
Verkehr und den Umbau der oberen Strecke Karibib - Windhuk in Kapspur vorsah. Auch die obere Staatsbahnstrecke
Karibib - Windhuk, 188 km, bedarf, obgleich ihre Linien- und besonders
auch die Wasserverhältnisse günstiger als die der unteren Strecke sind,
einer umfassenden Ausbesserung, nachdem sie im Aufstande sehr stark
hatte
in Anspruch genommen werden müssen. Sie krankt, wie die untere Strecke,
an der zu geringen Spurweite, dem zu leichten Oberbau, den schwachen
Zugeinheiten,
den zu leichten Fahrzeugen und deren ungewöhnlich hohem Reparaturstande.
Die, Gelegenheit des Neubaues der Nordsüdbahn von Windhuk nach
Keetmanshoop,
zu dem sich die Mittel aus den Diamantfunden boten, wurde benutzt, um
die Strecke KaribibWindhuk in der Linienführung zu verbessern und auf
Kapspur umzubauen. Die ganze Bahn Swakopmund - Windhuk . wird
schließlich
einmal Kapspur (1,067 m) erhalten müssen, eine Spurweite, die bei der
Südbahn und auch bei der Nordsüdbahn
angewandt ist. Die Hauptbahnen des Landes müssen diese Spurweite
erhalten,
um den Bahnen der benachbarten südafrikanischen Gebiete, Rhodesia und
der südafrikanischen Union, gleichwertig zu sein, so daß ein
ungehinderter
Eisenbahnverkehr über die Landesgrenzen hinaus stattfinden kann. Wenn
nach Vollendung des Umbaues Karibib -
Windhuk, nur noch die Otavistrecke Swakopmund - Usakos
- Karibib die 0,60 m - Spur aufweist, so erscheint das zunächst
unbedenklich,
weil diese Strecke nach ihren Linienverhältnissen und ihrem Oberbau so
leistungsfähig ist, daß hier ein Bedürfnis für den Umbau noch nicht
vorliegt.
Der Wechsel der Spurweite wird demnach noch längere Zeit in, Karibib
bestehen
bleiben. Die Kosten des Umbaues Karibib -Windhuk sind auf 11 Mill. M,
das sind rund 58 500 M für das Kilometer veranschlagt. Der
Durchgangsverkehr
auf der alten Strecke Swakopmund - Karibib wurde am 1. April 1910
geschlossen;
sie dient seitdem nur noch dem Ortsverkehr. Der Umbau der Strecke
Karibib
- Windhuk wurde so gefördert, daß der Kapspurbetrieb am 22. Aug. 1911
eröffnet werden konnte.
b) Die Otavibahn nebst Zweigbahn Otavi
- Grootfontein. Die Otavi - E. war ursprünglich
ein industrielles Unternehmen der Otavi - Minen- und E. -Gesellschaft
(s.d.), die im Jahre 1900 als Tochtergesellschaft der Deutsch-
Englischen
Südwestafrika - Kompagnie zum Zwecke der
Ausbeutung der Otavi - Kupfer- und Bleigruben gegründet wurde. Die
Genehmigung
zum Bau und Betriebe der Bahn ist in der Damaralandkonzession vom 12..
Sept. 1892 enthalten. Die Bauausführung in, 0,60 m - Spurweite wurde der
Aktiengesellschaft Artur Koppel in Berlin übertragen, und diese begann
mit ihren Arbeiten im Oktober 1903. Ein Vierteljahr danach, am 4. Jan.
1904, brach der Hereroaufstand aus. Da die an der Bahn
beschäftigten
Hereros die Arbeit im Stich ließen, entstanden erhebliche
Schwierigkeiten
für die Fortführung des Baues. Dazu traten außerordentliche
Verlegenheiten
in der Wasserbeschaffung für den Bau und die Arbeiter. Das Trinkwasser
mußte man zum Teil mit
Ochsenkarren auf 50 bis 60 km Entfernung heranfahren. Am 18. Mai 1905
konnte die 177 km lange, der Staatsbahn ungefähr parallel laufende
Strecke
Swakopmund - Onguati, mit der 14 km langen Anschlußbahn nach Karibib an
die Staatsbahn, dem Verkehr übergeben werden. Am 12. Nov. 1906 wurde die
ganze Bahn bis Tsumeb, 567: km, eröffnet. Die Otavibahn
hat sich seitdem, trotz ihrer geringen Spurweite, von hervorragender
Leistungsfähigkeit
erwiesen. Im Anschluß an die Otavibahn wurde von der South West Africa
Company auf Grund der Damaralandkonzession im Jahre 1907 eine 91,3 km
lange Flügelbahn von Otavi in nordöstlicher Richtung in den fruchtbaren
Farmbezirk von Grootfontein hergestellt; sie ist in gleicher Spurweite
wie die Stammbahn ausgeführt und wurde am 13. März 1908 dem Betriebe
übergeben.
Hiermit war also ein zusammenhängendes Netz von im ganzen 671 km Bahnen
geschaffen, eine für die Schmalspur von. 0,60 in gewiß ungewöhnliche und
einzig dastehende Ausdehnung! Die der Bahn nach ihrer Konzession
zustehende
Tarifhoheit und der kostspielige Luxus des Doppelbetriebes auf den
beiden
in Wettbewerb stehenden, parallelen Bahnstrecken von Swakopmund nach
Karibib
drängte zur Verstaatlichung der Otavibahn mit ihrer Zweigbahn Otavi -
Grootfontein. Dadurch soll sie, ihrer volkswirtschaftlichen und
strategischen
Bedeutung entsprechend, mehr unter den Einfluß der Kolonialverwaltung
gebracht und insbesondere nach Beseitigung der Tarifhoheit, den
Interessen
der Allgemeinheit dienstbar gemacht werden. Die Bahn wird von der
Otavigesellschaft
weiterbetrieben, die einen mit den Jahren steigenden Pachtzins an das
Gouvernement zu zahlen hat. Durch den
vereinigten
Kauf- und Pachtvertrag, welch letzterer vom 1. April 1910 ab zunächst
auf zehn Jahre läuft, erhält die Kolonie genügende Überschüsse, um den
Zinsendienst für das Kaufkapital zu bestreiten. Mit Verstaatlichung der
Otavibahn wurde einer grundsätzlichen, heute allgemein anerkannten
Forderung
der Kolonialverwaltung entsprochen, daß in den Schutzgebieten die
wichtigsten
Hauptbahnen im Besitz des Fiskus stehen
müssen. Die Mittel hierfür in Höhe von rund 25 Mill. M wurden durch
Verabschiedung
der Kolonialbahnvorlage von 1910 bereitgestellt.
c) Die Südbahn: Lüderitzbucht -
Keetmanshoop nebst Zweigbahn Seeheim - Kalkfontein. Während in Damaraland die Staatsbahn Swakopmund - Windhuk
dem Auftreten der Rinderpest ihre Entstehung verdankt, wurde die fiskalische
Südbahn des Namalandes durch den Hottentottenaufstand in der zweiten
Hälfte des Jahres 1904 ins Leben gerufen. Eingehende Vorarbeiten führten im
Dezember 1905 zu der Einbringung einer Bahnvorlage für den Bau der 140 km langen
Strecke Lüderitzbucht-Aus (Lüderitzbahn) in Kapspur 1,067 in die mit Rücksicht
auf das südafrikanische Bahnnetz hier zum ersten Male gefordert wurde. Die
Vorlage wurde vom RT. unter dem Drucke der schweren Aufstandsgefahr angenommen
und die Bauausführung der Deutschen Kolonial - Eisenbahnbau- und
Betriebsgesellschaft in Berlin übertragen. Der Bau wurde trotz der
Schwierigkeiten und Gefahren des Aufstandes so rasch gefördert, daß man den
Betrieb auf der Strecke Lüderitzbucht - Aus bereits am 1. Nov. 1906 eröffnen
konnte. Auch hier bot die Wasserbeschaffung außerordentliche Schwierigkeiten,
und die Durchquerung des Wüstengürtels der Namib mit ihren ausgedehnten Wanderdünen schuf neue, zunächst unlösbar
scheinende technische Aufgaben (s. Dänenbefestigung). Die Linienführung war
schwierig, denn von der Küste aus mußten auf etwa 140 km zunächst rund 1500 m
Seehöhe erstiegen werden. Der Weiterbau der Bahn von Aus über Feldschuhhorn nach
Keetmanshoop - weitere 226 km - war in erster Linie aus militärischen Gründen
dringend geboten. Die Mittel wurden in einem Nachtrag zum Etat für das
Rechnungsjahr 1906 angefordert und, nach Auflösung des RT. im Dez. 1906, von dem
neugewählten Parlament durch RG. vom 16. März 1907 bewilligt -, und zwar wurden
sie vom Reich als Darlehen gegeben, das vom Schutzgebiet jährlich mit 3% zu
verzinsen und vom 1. April 1912 an mit 0,6% zu tilgen ist. Die Fortführung des
Bahnbaues nach Keetmanshoop wurde so beschleunigt, daß die Bauspitze
Keetmanshoop am 21. Juni 1908 erreichte. Der Vollständige Ausbau der Linie war
etwa nach Jahresfrist vollendet. Die Bausummen für die Abschnitte Lüderitzbucht
- Aus, Aus - Feldschuhhorn und Feldschuhhorn - Keetmanshoop zusammen 366km
betrugen 9,6, 12,9 und 8,2, zusammen 30,6, Mill. M; bei der Bauausführung wurden
etwa 3 Mill. M erspart, so daß sich die Kosten für das Kilometer auf rund 75 400
M stellen. - Die weitere Entwicklung und Befriedung des Südens, der unter einer
unruhigen Eingeborenenbevölkerung besonders
zu leiden hat, machte die Herstellung einer Zweigbahn von Seeheim in Richtung
auf Warmbad. nach Kalkfontein, 180 km,
notwendig. Die Bahn soll den Süden militärisch sichern und politisch und
wirtschaftlich vom Auslande unabhängig machen. Die Mittel in Höhe von
14 390 000 M - rund 80 000 M für das Kilometer -wurden in der
Kolonialbahnvorlage vom Jahre 1908 angefordert. Die Bauausführung wurde
gleichfalls der Deutschen Kolonial - Eisenbahnbau- und Betriebs Gesellschaft
übertragen und von ihr so gefördert, daß die Bahn am 6. Juli 1909 dem Betriebe
übergeben werden konnte. Seit dem 1. Okt. 1909 ist der Betrieb der gesamten
Südbahn - die Strecken Lüderitzbucht - Keetmanshoop und Seeheim - Kalkfontein -
nebst der Landungsanlage in Lüderitzbucht an die Erbauerin der Bahn, zunächst
auf 2 1/2 Jahr, fest verpachtet. Von etwaigen Betriebsüberschüssen erhält die
Pächterin als Entschädigung jährlich 30 000 M, der Rest fällt zu 1/10 an die
Pächterin und zu 9/10 dem Verpächter zu. Sollten aber die Betriebsausgaben der
Südbahn ihre Betriebseinnahmen übersteigen, so steht der Fiskus der Pächterin
für eine Roheinnahme aus der Bahn in Höhe von 1 400 000 M für jedes Betriebsjahr
insoweit ein, daß er den Betrag etwaiger Mindereinnahmen bis zur Höhe von 200
000 M für jedes Betriebsjahr aus eigenen Mitteln zuschießt. Diese Zuschüsse
erhält der, Fiskus dann aus den etwaigen Betriebsüberschüssen nachfolgender
Jahre vorab. zurückerstattet.
d) Die Nordsüdbahn Windhuk - Keetmanshoop. Um die Lücke zwischen den
strategischen Bahnen des Landes zu schließen, war der 550 km lange Landweg
Windhuk - Keetmanshoop durch eine leistungsfähig Bahn zu ersetzen. Sie hat auch
eine politische Bedeutung, indem sie den Norden mit dem Süden zusammenschweißen,
die politische Zusammengehörigkeit der beiden Landesteile befestigen soll.
Wirtschaftlich ist sie eine Hauptverkehrsader des Landes, die sich zwingend aus
den geographischen Verhältnissen ergibt. Die Bahn folgt von Keetmanshoop aus
nördlich der großen Landfurche, die der Lauf des Fischflusses kennzeichnet, und
durchschneidet den Landstreifen zwischen der westlich gelegenen Namib und der
Ostgrenze des Schutzgebietes ziemlich genau in der Mitte. Die Linie führt über
Marienthal, dagegen bleiben Gibeon und Rehoboth westlich der Bahn liegen. Wesentliche
Geländeschwierigkeiten sind hier nicht vorhanden. Dagegen stellt sich weiter
nördlich ein großes Hindernis in den Weg für den Anschluß an die Windhuker Bahn:
die Auasberge nebst den Gebirgsketten, die im weiten Bogen um Windhuk lagern und
nur nach Norden eine schmale Lücke offen lassen. Die Bahn durchquert die
Auasberge im offenen Einschnitt mit einer größten Steigung von 29 Promille = 1 :
34,5 von Windhuk aus und erreicht auf +1923 m die Wasserscheide und den höchsten
Punkt der Bahn. - Die Länge der Bahn beträgt 506,5 km, ihre Baukosten sind auf
40 Mill. M, das sind rund 79 000 M für das Kilometer veranschlagt. Spurweite und
Oberbau entsprechen der Südbahn. Die Mittel werden teils aus der für Deutsch -
Südwestafrika zum ersten Male aufzunehmenden Schutzgebietsanleihe, teils aus den
Erträgnissen der Diamantfunde bestritten und sind mit der Bahnvorlage von 1910
bewilligt. Die Bauausführung wurde an zwei verschiedene Bauunternehmer vergeben
und gleichzeitig von Norden und Süden her in Angriff genommen. Der Vorbau wurde
anfangs 1912 vollendet. Die Bahn ist seit dem 1. April 1913 in fiskalischem
Betriebe, der sich dem der Strecke Karibib - Windhuk angliedert.
e) Die Ambolandbahn. Dieser
Bahnbau ist
wesentlich begründet durch die Arbeiterfrage im Schutzgebiet, dessen Farbige Bevölkerung, abgesehen von dem Ambolande,
auf einer Fläche von dem 1 1/2 fachen Umfang des Deutschen Reichs kaum
100 000 Köpfe beträgt. Der Weiße war bisher bei der Bewirtschaftung des
Landes auf die Arbeitskräfte angewiesen, die aus dieser kleinen Zahl
stammen.
Die Heranziehung Eingeborener aus anderen Kolonien,
besonders aus Britisch - Südafrika, für Bahnbauten und die
Diamantenfelder
hat sich wegen der Kosten der Hin- und Herreise, bei meist kurzfristigen
Arbeitsverträgen, als außerordentlich kostspielig erwiesen; der
regelmäßige
Arbeiterzuzug war nicht gesichert, und die Löhne wanderten dabei
größtenteils
ins Ausland. Man hat daher auf den Diamantenfeldern und in den
Bergwerken
mit gutem -Erfolge die Arbeiter aus dem Ovambolande verwendet. Dem
gesteigerten
Bedarf der Farmen an Arbeitskräften. konnte aber auch damit
noch
nicht entsprochen werden, weil der Vermehrung des Ovambozuzugs bisher
der rund 400 km lange Fußmarsch durch unbesiedeltes Gebiet bis zur E.
im Wege stand. Diese Wegstrecke erforderte jedesmal etwa 2 Wochen;
manche
erlagen dabei der großen Anstrengung oder fielen räuberischen Angriffen
von Buschleuten zum Opfer. Nach Vollendung des Bahnbaus wird sich der
Arbeiterbedarf des Schutzgebiets voraussichtlich aus dem Ovambogebiet
decken lassen. Infolge der fehlenden Bahnverbindung ist die Besiedlung
des Landes westlich und nordwestlich Outjo, dessen Weideverhältnisse
hervorragend
günstig sind, stark zurückgeblieben.. Das Land hat zahlreiche Niederschläge,
so daß Mais und Kartoffeln gebaut
werden
können; Obst, Wein und Gemüse gedeihen fast überall, jedoch fehlte es
bei den bisherigen schwierigen Verkehrsverhältnissen am Absatz für alle
leicht verderblichen Erzeugnisse. Auch die großen Holzvorräte in den
Laubwäldern
nördlich der Aimabpforte und die, Erzeugnisse der Salzpfanne bei
Narukonda,
nordwestlich des Endpunkts der Bahn, erhalten künftig eine günstige
Verwertung
durch die Bahn, die auch den Nordwesten des Schutzgebiets, das Kaokofeld, für den Bergbau erschließen wird. Daselbst sind mächtige
Eisenerzlager, auch Gold, Kupfer und Blei fest-. gestellt. Ohne E. wäre an den Abbau dieser
Erze nicht zu denken. - Die Bahn soll bei
Otjiwarongo in nordwestlicher Richtung von der
Otavibahn abzweigen, über Outjo, Sitz des
Bezirksamts, zur Aimabpforte gehen, bei Namatanga nördliche Richtung
annehmen
und bei Okahakana mit 265 km Gesamtlänge endigen. Die Bahn soll den
Oberbau
und die 60 cm - Spur der Otavibahn erhalten, um Wagenübergang von und
nach dieser zu ermöglichen; die größten Steigungen in der
Ausfuhrrichtung
werden 10 v. T., in der Einfuhrrichtung 12 v. T. nicht übersteigen;
kleinster
Bogenhalbmesser 250 in. Die Baukosten sind auf 13 Mill. M veranschlagt
(= 49 000 M/km) und sollen aus den Diamanteneinnahmen gedeckt werden.
Die Mittel wurden durch den Etat für das Jahr 1914 bewilligt. An Bauzeit
sind rund zwei Jahre vorgesehen. - Wegen der anderen Kolonialmächte in
Afrika s. E., afrikanische und E., transafrikanische.
Baltzer.
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