Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 544

Eisenbahnkonzessionen. Der Bau und Betrieb von Eisenbahnen ist wegen der damit verbundenen Vorrechte und Eingriffe in die privaten Rechte an die Erteilung einer E. gebunden, die der Staat nach Prüfung aller Verhältnisse (durch die Eisenbahnvorarbeiten, s.d.) dem Bewerber erteilt, wenn dieser den Nachweis führen kann, daß er der zu übernehmenden Aufgabe nach jeder Richtung hin gewachsen ist. Da in den Schutzgebieten der Betrieb von Eisenbahnen, teils wegen der schwachen Bevölkerung des Landes (Südwest), teils wegen der noch unentwickelten wirtschaftlichen Verhältnisse, teils wegen des für die weißen Beamten wenig zuträglichen Klimas nicht überall die reichen Gewinne wie in der Heimat in Aussicht stellt, so war gegenüber dem geringen Angebot von zuverlässigen Bewerbern bei der Erteilung von E. nicht die gleiche Vorsieht und Zurückhaltung geboten wie in der Heimat, wollte man nicht von vornherein jede Unternehmungslust auf diesem Gebiete völlig ersticken. Es bedurfte aus diesem Grunde in einzelnen Fällen, zumal im Anfange, sogar der Verleihung besonderer Gerechtsame und wertvoller Vorrechte, um die Bewerber von E. nicht von ihrem Vorhaben gänzlich abzuschrecken. Neuerdings, wo die Schutzgebiete selbst als Bauherren der herzustellenden Eisenbahnen auftreten und die wichtigsten privaten Eisenbahnen fast sämtlich verstaatlicht sind, die Konzessionierung von Nebenbahnen aber noch nicht in Frage kommt, hat die Frage der E. erheblich an Bedeutung eingebüßt. Die E. wird durch ein Reichsgesetz verliehen, wenn dabei das Reich finanziell in Anspruch genommen werden soll, z.B. durch Übernahme einer Zinsbürgschaft (s.a. Zinsbürgschaft von Eisenbahnen).

Baltzer.