Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 551 f.

Eismaschinen oder allgemeiner Kälteerzeugungsmaschinen haben den Zweck, die Temperatur gegebener Körper zu erniedrigen oder zu erhalten bis zu oder auf tieferen Wärmegraden, als sie in der Umgebung sich finden. Die E. haben für die Krankenpflege und für manche Gewerbe in unseren tropischen Schutzgebieten große Bedeutung und daselbst in mancherlei Formen Einführung gefunden. Bei der E. wird die Wärme, die den abzukühlenden Körpern entzogen werden muß, von einem vermittelnden Körper, dem sog. Kälte Träger, bei der tiefen Temperatur aufgenommen und durch Anwendung mechanischer Arbeit auf eine solche Temperaturhöhe gebracht, daß sie durch Leitung oder Strahlung an geeignete umgebende Körper (Kühlwasser oder die Atmosphäre) abgeladen werden kann. Als Kälteträger dient die atmosphärische Luft oder eine Flüssigkeit, die abwechselnd verdampft und wieder verdichtet wird. Die Erniedrigung auf die Temperatur des abzukühlenden Körpers erfolgt beim Kälteträger dadurch, daß bei Ausdehnung seines Rauminhalts Arbeit geleistet wird, und zwar bei atmosphärischer Luft "äußere" mechanische Arbeit, oder bei verdampfenden Flüssigkeiten "innere" Arbeit. Der Gleichwert dieser Arbeit wird dem Kälteträger als Wärme entzogen und dadurch seine Temperatur so erniedrigt, daß er durch Leitung Wärme von dem abzukühlenden Körper aufnehmen kann. Die Rückkehr zur oberen Temperatur erfolgt durch Verminderung des Rauminhalts, wobei wiederum der Gleichwert der aufgewandten Arbeit als Wärme frei wird. Der Arbeitsvorgang bei den Ammoniak- (Kompressions )maschinen ist folgender: In einem Röhrensystem, dem Verdampfer, wird wasserfreier, flüssiger Ammoniak (NH3) - sonst Kohlensäure (CO2) oder schweflige Säure (SO2) - bei niedrigen Temperaturen verdampft; die nötige Verdampfungswärme entzieht das Ammoniak seiner Umgebung und kühlt diese dadurch stark ab. Die Ammoniakdämpfe werden nunmehr durch eine Druckpumpe abgesaugt, in einen Oberflächenverdichter gepreßt und in diesem bei einer höheren, dem hierbei verwendeten Kühlwasser entsprechenden Temperatur durch Druck wieder flüssig gemacht, wobei ihnen Wärme entzogen wird. Als Flüssigkeit strömt das Ammoniak sodann in den Verdampfer zurück, in dem die Kälteerzeugung erfolgt, um darauf wieder als Dampf von der Druckpumpe abgesaugt, verdichtet und im Kondensator als Flüssigkeit niedergeschlagen zu werden. Dieselbe Menge Ammoniak macht also in der Maschine fortgesetzt den beschriebenen Kreislauf durch. Erforderlich ist noch ein Ölabscheider zwischen Druckpumpe und Kondensator, der die verdichteten Ammoniakdämpfe von dem mitgerissenen Schmieröl befreit. Die Druckpumpe erhält meist durch eine mit ihr direkt gekuppelte Dampfmaschine ihren Antrieb und wird als doppelt wirkende Gaspumpe mit selbsttätigen Ventilen ausgeführt. Der Kondensator und der Verdampfer besteht meist aus schmiedeeisernen Röhren von 30 mm Lichtweite und 4 mm Wandstärke, die in größeren Mengen zusammengeschweißt, spiralförmig aufgewunden oder geradlinig hin und her geführt werden. Zur Eisherstellung wird das Gefrierwasser in Blechzellen, die reihenweise in Rahmen gefaßt sind, eingefüllt, und diese werden in eine Salzlösung eingetaucht, die in dem Eiskasten durch Abgabe von Wärme an die mit eingetauchten Verdampferröhren auf einer Temperatur von etwa -6° C gehalten wird. Die Eisblöcke sind meist 1 m lang, 25 oder 13 kg schwer und bedürfen zum Ausfrieren (bei -6° C) etwa 24 oder 12 Stunden Zeit.

Baltzer.