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Elfenbein, in erster Linie die Stoßzähne des indischen und
afrikanischen
Elefanten (s.d.). Es werden aber auch die fossilen Zähne des Mammut und
ähnlicher Tiere, sowie die Zähne von Flußpferden (s.d.) und
Wildschweinen
wie E. verwendet. Die Stoßzähne bestehen nur aus Zahnbein und Zement,
der Schmelz fehlt; zu 56 -59% wird die Substanz aus phosphorsaurem und
ein wenig kohlensaurem Kalk gebildet, der
Rest ist leimgebende Masse. Der Elefant wechselt die Stoßzähne nicht,
nachdem er die Milchzähne verloren hat. Ein solcher Zahn ist wurzellos
und wächst immer weiter, solange das Tier lebt. In der Jugend ist er
fast
bis zur Spitze hohl, imAlter nimmt die Höhlung immer mehr ab. Da der
Zahn
zur Verteidigung und noch mehr zum Ausgraben von Wurzeln oder zur
Entwurzelung
von Bäumen dient, wird er an der Spitze allmählich stark abgenutzt, und
zwar besonders der rechte Zahn. Auf dem Querschnitt zeigt sich die
Zahnsubstanz
aus Lamellen zusammengesetzt. Ihr spezifisches Gewicht ist 1,75 - 1,90.
Ausgewachsene Zähne sind gewöhnlich bis 2 m, selten 2 1/2 m lang. Der
schwerste seit langem nach Europa gebrachte Zahn wurde durch die Firma
Heinr. Ad. Meyer an der Ostküste gekauft, war 2,60 m lang und wog 94 kg;
doch wird aus früherer Zeit von Zähnen bis zu 150 kg berichtet. Die
kleinen
Zähne junger Tiere werden Escrivillen genannt. Man kann zwei
verschiedene
Sorten von afrikanischem E., unterscheiden: 1. das harte, transparente,
"lebende" oder Glasbein kommt aus dem feuchteren Westen des Kontinents,
die es liefernden Elefanten lebten in feuchtem Klima von den Pflanzen der Waldregion; 2. das weiche, "tote",
Milchbein ist milchweiß, nicht durchscheinend, nicht gelblich oder etwas
röt]ich wie das vorige, auch leichter als jenes. Es ist weniger spröde,
elastischer und deshalb besonders für Billardbälle, Klaviaturen und
Kämme
geeignet, während man aus dem harten Bein Messerhefte, Stockgriffe,
Schnitzereien,
Bürstendeckel usw. fertigt. Die harten Zähne sind enger und schlanker
geformt als die plumperen weichen; letztere Sorte ist teurer als die
harte.
Die Trennungsgrenze zwischen beiden Sorten ist ungefähr die Linie der
großen afrikanischen Seen. Ein gewiegter E.kenner soll es fast jedem
Zahne
ungefähr ansehen können, in welchem Gebiet sein Träger
gelebt hat. - Während in früherer Zeit der Elefant von den Eingeborenen
mit Fallgruben usw. gejagt ward, hat die Einführung
der Jagd mit Pulver und Blei ihn in vielen Gegenden so gut wie ausgerottet.
Um der gänzlichen Vernichtung von diesem und anderem Wilde
entgegenzuarbeiten,
traten die in Afrika interessierten Mächte zu gemeinsamem Handeln
zusammen.
Auf der internationalen Jagdschutzkonferenz zu London, deren Protokoll
am 9. Mai 1900 unterzeichnet, aber nicht ratifiziert ward,
verpflichteten
sich die Mächte, Gesetze zu erlassen, nach denen weibliche und junge
Elefanten
geschont und Zähne unter 5 kg Gewicht konfisziert werden sollten.
Demzufolge
ist nach der heute geltenden Jagdordnung für Deutsch - Ostafrika vom 5.
Nov. 1908 und 30. Dez. 1911 (KolBl. vom 15. März 1912) die Jagd auf
Elefanten
nur Inhabern vom "großen" Jagdschein gestattet, der 450 Rup. kostet (für
nicht in Deutsch-Ostafrika Ansässige 750 Rup.), und für den ersten
Elefanten
ist noch ein Schußgeld von 150 Rup., für den zweiten 400 Rup. zu zahlen;
mehr Tiere dürfen überhaupt von einem Jagdscheininhaber nicht erlegt
werden,
außer mit besonderer Genehmigung des Reichskanzlers. Elefantenkälber und
Weibchen, die von Jungen begleitet sind, dürfen nicht geschossen werden,
und Zähne von weniger als 15 Kilo Gewicht unterliegen der Einziehung,
doch können die rechtmäßigen Besitzer von untergewichtigen Zähnen sich
durch Abstempelung bei den zuständigen Verwaltungsbehörden den
rechtmäßigen
"Besitz von Zähnen geringeren Gewichtes bescheinigen lassen. -In Kamerun
ist die Jagd durch die Verordnung vom. 4. März 1908 geregelt. Danach ist
verboten junge Tiere mit Zähnen von weniger als 2 Kilo zu schießen,
ebenso
die Weibchen. Unter dem 21. Nov. 1907 ward eine Verfügung erlassen, nach
welcher der Handel mit Zähnen unter 2 Kilo und, deren Ausfuhr
verboten wurde, doch dürfen nach einer Bestimmung vom 14. Juli 1911
minder
gewichtige Zähne aus Gouvernementsbesitz in der Tischlerei des
Gouvernements
verarbeitet werden. Abnehmer erhalten eine Bescheinigung über den
Besitz,
auf Grund deren die Ausfuhr gestattet wird. Der "große Jagdschein (Nr.
A. 1.)", auf den nur ein einzelner Elefant geschossen werden darf,
kostet
nach der Verordnung vom 24. Dez. 1910 300 M. Nach dem Zolltarif vom 1.
Aug. 1911 ist der Ausfuhrzoll für Elfenbein 2 M für das Kilo. - In
Deutsch
-Südwestafrika ist nach der V. vom 15. Febr. 1909 laut § 2, 1a die Jagd
auf Elefanten verboten, doch können die zuständigen Bezirks- oder Distriktsämter in wissenschaftlichem
Interesse
einen Abschuß gestatten. - Für Togo ist
kein
Jagdgesetz erlassen, auch besteht kein Ausfuhrzoll auf Elfenbein. - Vgl,
E. Lüders, Das Jagdrecht der deutschen
Schutzgebiete, Hamburg 1913;
Reichskolonialamt,
Jagd und Wildschutz in den deutschen
Kolonien, Jena 1913. In Ostafrika hatte
sich früher eine eigene Elefantenjägerzunft gebildet, nach dem am
meisten
daran beteiligten Stamme Makua (s.d.)
genannt.
Sie schossen mit langen Perkussionsgewehren. Als Trophäen wurden dem
erlegten
Tiere die Schwanzquaste und die Lippen des Rüssels abgeschnitten, "damit
die Seele des Getöteten dem Jäger nichts schadete". Auch stellte sich
jeder Jäger (fundi) aus der dicken Sohlhaut des Elefanten einen Ring für den Unterarm her. An der
Zahl dieser Ringe konnte man sofort seinen ganzen Abschuß ersehen, und
niemand anders hätte es gewagt, eine solche Zierde zu tragen. Diese
kühnen
Männer, die bis weit in das Kongogebiet zur Jagd gingen, sind so gut wie
verschwunden. Heute wird zwar der Elefant hier und da noch von
Eingeborenen
gejagt, meist aber nur von Europäern. - In früherer Zeit mag noch
manches
E. aus alten, bei den innerafrikanischen Häuptlingen aufgestapelten
Vorräten
gestammt haben, die es stellenweise sogar zu Umzäu nungen verwandt haben
sollen. Die glücklichen Finder solcher Plätze konnten es damals ferne
im Innern oft noch billig erwerben. Vielfach hatten die Sultane ihren
Schatz auch vergraben, wodurch die oberflächliche Schicht der Zähne
stark
verändert ward. Zähne, die lange im Rauche der Hütten
gehangen und dadurch ganz gebräunt waren, und andere, die durch Brand
halb kalziniert waren, kamen vor. Heute aber kennt auch der entlegenste
Häuptling den Wert dieses Materials, das ihm teuer durch oft recht
komplizierte
Transaktionen abgehandelt werden muß. Früher tauchte oft die Sage von
großen Sterbeplätzen der Elefanten auf : in einer entlegenen Schlucht
sollten alle alten Elefanten der weitesten Umgegend zusammenkommen, um
hier zu sterben, und die glücklichen Finder solcher Elefantenfriedhöfe
sollen reiche Menschen geworden sein - aber wahrscheinlich gehörten
diese
Sterbeplätze ins Reich der Fabel. - Hier und da kommen kranke Zähne vor,
abgesehen von den durch Verwundung oder Bruch verursachten Schädigungen.
So können große Knollen von minderwertigem Dentin an der Umwandung der
Höhlung liegen und von da auch nesterweise ins Innere der Zahnmasse
dringen.
Auch treten in der guten, gesunden E.substanz harte, unbrauchbare
Stellen,
die Johnen" der Händler, auf. Ferner
können die Zähne durch Wachstumsabnormität schraubenartig, statt einfach
gebogen sein. Bisweilen findet man braungefärbte Streifen, die durch den
ganzen Zahn gehen, die "Pocken" der
Händler;
wahrscheinlich sind sie durch Caries verursacht. Das
Hauptproduktionsgebiet
des E. ist Afrika. In den Jahren 1879/83 kamen nach einer Statistik der
Firma Heinr. Ad. Meyer von Westafrika durchschnittlich 284 000 kg, von
Ostafrika. 564 000 kg, zusammen 848 000 kg,
dagegen
von Vorderindien 11 000 kg, von Rangun, Chittagong usw. 7000 kg und von
Ceylon - Sumatra 2000 kg, alles zusammen in der angegebenen Zeit 868 000
kg im Durchschnitt jährlich. Schon auf den afrikanischen Handelsplätzen,
also z.B. in Sansibar, wird das E. nach
Qualitäten und Größen gesondert, die alle ihre verschiedenen Preise
haben.
Und man schneidet sogar die Spitzen und Hohlungen der Zähne oft schon
dort ab, um sie nach Ostasien oder Indien zu senden, wo Schnitzereien
oder Armringe daraus hergestellt werden. Die
Hauptmärkte
der Welt für E. sind London und Antwerpen. Die Preise sind nach der
Qualität
und der Zahngröße sehr verschieden, die Preisnorm ist aber für "gesunde,
weiche mittelschwere Zähne von 50 - 70 kg" aufgestellt. Nach der
Statistik
der oben erwähnten Firma schwankten die Preise pro Kilo der genannten
Sorte

Man sieht also, daß Antwerpen London als Markt etwas überflügelt hat,
dank der großen Produktion an E. im Kongogebiet. Immerhin müssen, um das
heutige Quantum zu liefern, wohl an 55 000 Elefanten jährlich getötet
werden, und die Wahrscheinlichkeit ist nicht ausgeschlossen, daß mit der
fortschreitenden Eroberung Afrikas durch die Europäer die Zufuhren von
E. einmal sehr abnehmen müssen infolge der Vernichtung der Elefanten.
- Schon im grauesten vorgeschichtlichen Altertum benutzte man das E.
(vom
Mammut) für Schnitzereien; den klassischen Völkern war es ein gesuchter
Luxusartikel, von den Griechen elephas, von den Römern ebur genannt.
Heute
wird das meiste für Billardbälle, Klaviaturen und Messerhefte benützt,
daneben für Bürstendeckel, Schirm- und andere Griffe, Kämme, Fächer,
Lineale
usw. Zehn Klavierplatten sind 12 - 15 mm dick, und ein Satz für 7
Oktaven
wiegt 310 - 330 g. Die Billardbälle werden aus weichen, schlanken Zähnen
von 10 bis höchstens 15 kg Gewicht geschnitten, meist in Durchmessern
von 50 - 54, 60 - 64 und 70 - 74 mm. Sie müssen nach dem Abdrehen
monatelang
im warmen Raume austrocknen, bevor sie poliert und versandt werden. Für
das gute Bleichen des E. ist Sonnenlicht unersetzlich. In den Jahren
1879/1883
wurden für die verschiedenen Fabrikate jährlich im Durchschnitt
verbraucht:

zusammen 939 000 kg. Heute hat sich in diesen Zahlen manches verschoben,
indem infolge der geringeren Zufuhren und höheren Preise bei weitem nicht
mehr so viel E. für Kämme und Messerhefte wie früher gebraucht wird und
Zelluloid oder Hartgummi an seine Stelle getreten sind. Dagegen wird der
Verbrauch für Klaviaturen heute höher als damals sein. Aus unseren
deutschen
Kolonien waren die Ausfuhren nach den amtlichen Statistiken folgende:
Diese Liste zeigt, daß in Deutsch-Ostafrika 1888/89 infolge des
Araberaufstandes
(s.d.) nur sehr wenig E. ausgeführt wurde; dann stiegen die Zahlen, um
seit
etwa 1895 ständig abzunehmen, weil das bis dahin aus dem Kongogebiet nach
dem Osten gebrachte E. nach Westen ging, sobald die politischen
Verhältnisse
des damaligen Kongostaates es gestatteten. Die geringe Anschwellung der
Ausfuhr 1909 wird auf den Verkauf größerer Mengen von angesammeltem
Regierungs
- E. beruhen. In Kamerun dagegen ist seit 1896 die Ausfuhr gestiegen, weil
die Karawanenwege nach dem Inneren durch die Bestrebungen des
Gouvernements
geöffnet und gesichert wurden, wodurch der Handel sich in unser Gebiet
zog.
Doch ist auch hier seit 1907 die Ausfuhr zurückgegangen. In Togo hat sich
der Export dank den friedlichen Verhältnissen im Laufe
der Jahre stark gehoben, so daß E. der Nachbargebiete an unsere Küste
gelangte.
-Wie schon erwähnt, dienen bisweilen Flußpferdzähne und Wildschweinzähne
als Elfenbeinersatz. Beide sind zwar dem E. nicht gleichwertig und deshalb
weit billiger; die ersteren aber haben den Vorteil, daß sie fast gar nicht
vergilben. Flußpferdzähne sind 30 - 35 cm lang und 1 - 2 kg schwer. - Aus
Deutsch-Ostafrika wurden in den letzten Jahren folgende Mengen beider
Sorten
ausgeführt:

Die Ausfuhr unserer anderen Kolonien an diesen Artikeln ist in der
Statistik
nicht aufgeführt.
Stuhlmann.
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