Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 559 f.

Elfenbeinnüsse, Früchte verschiedener Palmen, die ein elfenbeinhartes Nährgewebe besitzen, das wegen dieser Eigenschaft in großen Mengen in der Knopffabrikation verwendet wird. Im Handel werden diese Früchte meistens Steinnüsse genannt. Die wichtigsten Steinnüsse liefert die südamerikanische Palme, Phytelephas in ihren beiden Arten macrocarpa und microcarpa. Es ist eine meist stammlose, mächtige Fiederpalme, die in den Niederungen des Amazonenstromes, den Orinoko und vor allem des Magdalenenstromes verbreitet ist. Der weibliche Blütenstand entwickelt sich zu einer kugeligen, aus Teilfrüchten zusammengesetzten, massiven Sammelfrucht mit höckeriger Oberfläche und einem Durchmesser von 30 - 40 cm. Die einzelnen Teilfruchtstände enthalten mehrere ovale, zweiseitig abgeplattete und auf der einen Seite etwas verjüngte, bis gänseeigroße Einzelfrüchte. Diese haben eine mehrere Millimeter starke, holzige, graue Schale, in der die eigentliche Stein- oder Taguanuß meist noch so fest sitzt, daß sie durch Klopfen mit einem Hammer davon befreit werden muß. Die Nuß selbst hat die Gestalt der Frucht, eine braune, mit einem feinen Adernetz durchzogene Oberfläche, und besteht fast ausschließlich aus dem zu einer gleichförmigen, weißen, elfenbeinharten Masse gewordenen Nährgewebe. In der Mitte befindet sich meist ein unregelmäßiger Spalt und an dem spitzen Ende in einer Aushöhlung der kleine Keimling. Von einer Kultur der Elfenbeinpalme kann heute noch kaum die Rede sein. Es handelt sich bei der Handelsware meist um die Ernte der wilden Bestände. Nach Hamburg kamen im Jahre 1912 etwa 19 000 t Steinnüsse im Werte von rund 9 Mill. M. Davon stammte aus Südamerika die größere Menge, etwa zu gleichen Teilen aus Kolumbien und Ekuador 15 000 t. Südamerika deckt somit heute noch den Hauptbedarf an Steinnüssen. - In geringem Umfange und mit wechselnden Mengen ist seit etwa 20 - 30 Jahren auch die Südsee an der Lieferung von Steinnüssen beteiligt. Hier ist es eine teils stammlose, teils mittelhohe, mit schlankem Stamme versehene Fiederpalme, Coelococcus, die mit je einer Art auf den Karolinen, auf den Salomoninseln und auf Viti einheimisch ist. Diese Palmen entwickeln an verzweigten Fruchtständen bis faustgroße, rundliche Früchte, deren einige Millimeter starke Schale aus zierlichen, regelmäßig angeordneten Schuppen besteht. Der innere Kern, der meist von der Schale losgelöst ist, hat mehr oder weniger die Gestalt eines Apfels und je nach der Art eine braune bis schwarz glänzende Außenseite. Die der Stielgrube entsprechende Seite zeigt eine mittelgroße Öffnung, die sich nach innen zu einem beträchtlichen Hohlraum erweitert. Auf der anderen Seite befindet sich unter einer schwachen Vorwölbung der Keimling, der aber sehr häufig herausgefallen ist, so daß man durch den ganzen Kern hindurchsehen kann. Die mit dem Schuppenpanzer bekleideten, ganzen Früchte sind im Handel sehr selten. Es kommen in der Regel nur die Kerne auf den Markt. Ihre Verwendung scheint bis jetzt auch noch recht unregelmäßig und wenig umfangreich zu sein. Nur wenn die amerikanische Ernte gering oder geringwertig ausfällt, hat man bisher von diesen Südseesteinnüssen umfangreicheren Gebrauch gemacht. Die starke Höhlung im Innern der Kerne dürfte auch der rationellen Ausnützung wesentlich mehr im Wege stehen, als der Spalt bei den südamerikanischen Steinnüssen. - Seit einigen Jahren haben die Italiener aus ihren ostafrikanischen Besitzungen die Kerne verschiedener Dumpalmen (s. d.), besonders von Hyphaene nodularia, H. benadirensis und H. mangoides zu gleichem Zwecke in den Handel gebracht. Die Dumpalmen sind Fächerpalmen und die charakteristischen Bewohner der afrikanischen Steppengebiete. Unter ihnen finden wir die einzigen verzweigten Palmen. Ihre Früchte stehen ähnlich wie die Kokosnüsse zu mehreren bis vielen an verzweigten Fruchtständen und haben verschiedene Gestalt. Die hier in Betracht kommenden Arten haben meist faustgroße Früchte mit einem ziemlich mächtigen, faserigen Fruchtfleisch, das von den Eingeborenen genossen wird. Die Kerne sind etwas unregelmäßig oval, oft eckig verdrückt und haben ungefähr die Größe eines Hühnereis. Sie bestehen aus einer gleichmäßigen, etwas milchig trüben, ebenfalls elfenbeinharten Masse und haben meist einen beträchtlichen Hohlraum. 1908 wurden aus Erythrea 1700 t, 1910 500 t Kerne exportiert. Die Frage, ob die Dumpalmkerne ein dauernder Ersatz für die echten Steinnüsse werden, ist heute wohl noch nicht entschieden. Das harte Nährgewebe enthält nämlich noch etwa 10% Fett. Dieses soll die Verarbeitung und Verwendung beeinträchtigen. Eine Nutzung des Fettes dürfte bei der geringen Menge wohl nicht in Frage kommen.

Voigt.