Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 562

Emissionen, die erste Unterbringung von Wertpapieren beim anlagesuchenden Publikum. Die E. kann unmittelbar durch den Kreditsuchenden, so durch öffentliche Aufforderung zur Zeichnung, oder durch Vermittlung einer Bank oder eines Bankkonsortiums erfolgen. Die Kolonialverwaltung hat ihre E. bisher stets durch ein unter Führung der Deutschen Bank stehendes größeres Konsortium vorgenommen. Im ganzen sind bisher folgende E. von Schutzgebietsanleihen erfolgt:

Von der E. vom 9. Juni 1910 wurden 3 750 000 M nicht begeben, sondern unmittelbar für die zinstragend anzulegenden Nebenfonds der Schutzgebiete, Ausgleichsfonds usw., verwendet, auch bei der E. vom 15. Juli 1911 wurde ein Betrag von rund 4 000 000 M, der in der obengenannten Emissionssumme nicht enthalten ist, in gleicher Weise wie bei der E. vom 9. Juni 1910 verwendet. Der Gesamtbetrag dieser E. beläuft sich auf 136 154 400 M mit einem Erlöse von 136 151 822 M, d. h. mit einer tatsächlichen Verzinsung von 4,0001 %. In den Rechnungsjahren 1912 und 1913 sind E. von Schutzgebietsanleihen nicht erfolgt, weil der hohe Diskontsatz und der niedrige Kursstand der Staatspapiere den Zeitpunkt für weitere E., die an sich nach den Bewilligungen in den außerordentlichen Etats von 1912 und 1913 hätten erfolgen müssen, als zu ungünstig erscheinen ließen. Statt dessen wurde einstweilen der Reichskredit im Wege eines verzinslichen Darlehns in Anspruch genommen. -Eine neue E. von Schutzgebietsanleihe wurde erst wieder am 10. Febr. 1914 vorgenommen. Sie betrug 45 000 000 M nam. und erzielte einen Übernahmekurs von 96,50 %. Ein weiterer Betrag von 2 600 000 M wurde für Zwecke des Reservebaufonds der ostafrikanischen Tanganjikabahn bestimmt. Der Erlös dieser E. belief sich insgesamt auf 45 529 000 M.

Volkmann.