Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 567

Epiphyten, eine biologische Pflanzengruppe, die hauptsächlich, dem Tropenwalde eigentümlich ist und eins seiner wesentlichen Merkmale ausmacht. Man versteht unter E. im engeren Sinne Gewächse, die sich am Stamm oder im Astwerk höherer Bäume ansiedeln, Gewächse, die nicht im Boden wurzeln, aber auch keine dem Wirtsbaum Nahrung entziehende Schmarotzer sind. Sie schaffen sich ihre Nahrung selbst mit Hilfe grüner Blätter und mit Hilfe von Saugwurzeln, die das am Stamm und den Ästen herniederrinnende Regenwasser bzw. auch eine sich zwischen dem Wurzelwerk aus Staubansammlungen und Verwesungsprodukten allmählich bildende Humusschicht verwerten. Bedingung für ihr Vorkommen sind große Niederschlagsmengen oder hoher, durch Nebel hervorgerufener Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Letzterer Umstand bewirkt es, daß die Bäume tropischer Gebirgswälder eine besonders reiche E.Flora aufweisen. Ihre Vertreter setzen sich aus den verschiedensten Familien des Pflanzenreiches zusammen, sowohl aus kryptogamisehen (Flechten, Moose, Farne), wie aus phanerogamischen (Orchideen, Araceen, Bromeliaceen, Ericaceen). Der Vorteil einer epiphytischen Lebensweise liegt darin, daß sie es krautigen Pflanzen ermöglicht, zu einem höheren Lichtgenuß zu gelangen, als er den bodenständigen Gewächsen tropischer Wälder zuteil wird.

Literatur: A. F. W. Schimper, Die epiphyt. Veget. Amerikas. Bot. Mitteil. au8 d. Tropen. Jena 1888. -G. Karsten, Morphol. u. biol. Unters. über einige E. -Formen der Molukken in Ann. du Jardin de Buitenzorg 1894.

Volkens.