Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 568

Erbfolge, das Eintreten eines oder mehrerer Nachfolger in alle Vermögensrechte und Verbindlichkeiten eines Verstorbenen. Sie hat ihre Grundlage im Erbrecht (s.d.). Die E. kann beruhen auf Erbvertrag oder Testament oder unmittelbar auf dem Gesetz, das sie wegen familienrechtlicher Beziehungen (Verwandtschaft, Ehe) eintreten läßt, falls aber weder ein Verwandter noch ein Ehegatte vorhanden ist, dem Fiskus ein Erbrecht gewährt (gesetzliche Erbfolge). Die Reihenfolge, in der das Gesetz die erbberechtigten Personen beruft, bezeichnet man als Erbfolgeordnung. Nach der Erbfolgeordnung des auch in den Schutzgebieten geltenden BGB. (§§ 1924 bis 1930) sind Erben der ersten Ordnung die Abkömmlinge, der zweiten Ordnung die Eltern und deren Abkömmlinge, der dritten Ordnung die Großeltern und deren Abkömmlinge und so fort (Parentelensystem). Der überlebende Ehegatte erbt neben den Verwandten der ersten Ordnung ein Viertel, neben denen der zweiten und den Großeltern die Hälfte der Erbschaft. Sind die genannten Verwandten nicht vorhanden, so erbt er allein. In betreff der farbigen Bevölkerung der Schutzgebiete s. Erbrecht der Eingeborenen und Eingeborenenrecht.

Gerstmeyer.