Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 568 f.

Erbrecht. Für die Nichteingeborenen gelten nach §§3, 4 SchGG. u. § 19 KonsGG. die Vorschriften des deutsch-preußischen E. Diese sind enthalten in den §§ 1922 bis 2385 BGB., den Art. 24 bis 31 EGBGB u. 79 bis 82 P. AGBGB., in denen die gesetzliche Erbfolge (s.d.), die rechtliche Stellung der Erben im allgemeinen und das letztwillige Verfügungsrecht geregelt und schließlich noch Bestimmungen über den Pflichtteil, die Erbunwürdigkeit, den Erbverzicht, den Erbschein und den Erbschaftskauf getroffen werden. In drei Punkten ist für die Schutzgebiete hinsichtlich des Testamentsrechts eine Sonderregelung erfolgt: 1. Durch Anordnung des RK. kann bestimmt werden, wer in den Schutzgebieten an die Stelle der öffentlichen Armenkasse einer Gemeinde im Falle des § 2072 BGB. zu treten hat. Eine solche Bestimmung ist indes bisher noch nicht ergangen. 2. Weiter kann, wenn zu besorgen ist, daß der Erblasser früher sterben werde, als die Errichtung eines Testaments vor einem Richter möglich ist, das Testament durch mündliche Erklärung vor 3 Zeugen nach § 2250 BGB. errichtet werden. (Vgl. zu 1. u. 2. § 3 SchGG. u. §§ 35, 38 KonsGG.). 3. Schließlich kann in den Schutzgebieten vor einem Notar ein Testament nicht errichtet werden. (§ 11 Abs. 2 der Ksl. V. v. 9. Nov. 1900, RGBl. S. 1005.) Die in den Schutzgebieten lebenden Nichtdeutschen werden nach den Gesetzen ihres Heimatsstaates beerbt (Art. 25 EGBGB.). Für die Eingeborenen gelten die verschiedenen Stammesrechte (s. Erbrecht der Eingeborenen). In Deutsch-Ostafrika kommt für die mohammedanische Küstenbevölkerung, insbesondere die Suaheli, auch das arabische E. in Betracht (s. Scheria).

Gerstmeyer.