Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 569 f.

Erbsen. Unter den Hülsenfrüchten spielen für den Import die E. die erste Rolle. Über Hamburg kamen 1913 ungefähr 50 000 t im Werte von annähernd 9 1/2 Mill. M, davon allein 18 000 t aus Ostindien. Allerdings war in diesem Jahre durch den einheimischen Futtermangel der Import besonders lebhaft, aus Indien allein 6mal so groß als im Jahre 1911. Es handelt sich im wesentlichen um die Spielarten der Gartenerbse Pisum sativum und der Ackererbse P. arvense, von denen weiße, grüngesprenkelte und braune die Haupthandelssorten sind. Aus Indien kommt die Ackererbse vielfach ganz rein, manchmal aber auch stark mit der Gartenerbse untermischt. Beide Erbsensorten finden sich auch in Ostafrika und ebenfalls in manchen Gebieten der Westküste zerstreut. Der bedeutende Import ermutigt geradezu, den Anbau in unsern Kolonien zu entwickeln. Da die Kultur dieser Hülsenfrüchte im tropischen Afrika weit verbreitet ist, so wird die landwirtschaftliche Seite keine Schwierigkeiten machen. - Auch die Bezeichnung E. wird für eine Reihe verwandter Hülsenfrüchte gebraucht, so die Bezeichnung Sansibar - Erbse für die Mungobohnen (s. Bohnen). In erster Linie sind hier die sog. Kichererbsen zu nennen, Cicer arietinum. Sie werden bereits in Südeuropa in großen Mengen als Nahrungsmittel gebaut und sind für Indien unter dem Namen Grams eine der wichtigsten Hülsenfrüchte. Sie dienen dort getrocknet und geschält wie unsere Spliterbsen zur Nahrung und geschrotet als Vieh- und Pferdefutter. Auch sie stellten zu den großen Importmengen des Jahres 1912 einen erheblichen Anteil und haben sich bei uns als Pferde- und Schweinefutter gut bewährt. Nach Deutsch - Ostafrika kommen aus Indien die geschälten Kichererbsen unter,dem Namen Dengu, gelegentlich auch die ganzen Samen. Ein Anbau findet dort scheinbar nicht statt, Versuche in Amani sind fehlgeschlagen. Trotzdem sollte diese wichtige Erbse nicht außer acht gelassen werden. Sie ist größer als die gewöhnliche Erbse, auffallend eckig und hat eine schnabelartig: hervorstehende Wurzel. - Ferner ist die im ganzen tropischen Afrika verbreitete, aber nur in geringem Umfange kultivierte Straucherbse, Cajanus indicus, zu. erwähnen, die auch manchmal Strauchbohne genannt wird. Es sind mehrjährige Sträucher, die in häutigen Hülsen von verschiedener L änge fast rundliche Samen von Erbsengröße tragen. -Die Spielarten zeigen fast dieselben Farbenverschiedenheiten wie die Bohnen. In Indien werden die Straucherbsen bei sorgfältiger Kultur in großem Umfange gezogen und liefern ein gutes Nahrungsmittel und ein wertvolles Futter. Für den europäischen Markt haben die, Straucherbsen (die auch manchmal Strauchbohnen genannt werden) noch keine Bedeutung. - Eine recht interessante Erbsensorte ist noch die sog. Erderbse, Voandzeia subterranea, die im ganzen tropischen Afrika angebaut wird, allerdings ebenso wie die Straucherbse, nur in beschränktem Maße. Am bekanntesten scheint sie in Togo zu sein. Es ist eine niedrige, etwas kriechende Pflanze von der Tracht unserer Hülsenfrüchte, deren Blüten nach der Befruchtung sich allmählich in den Boden schieben und dort die meist einsamigen, etwa kirschgroßen, etwas holzigen Hülsen entwickeln. Die Samen sind fast kugelig und wechseln bei den verschiedenen Rassen sehr in der Farbe. Es gibt gelbweiße, rote, braune, schwarze und gesprenkelte Erderbsen. Man genießt sie gekocht wie unsere Bohnen. - Der Futtermangel 1912 brachte auch Platterbsen, Lathyrus sativus, aus Indien auf den europäischen Markt. Diese, wegen ihrer dreikantigen, beilförmigen Gestalt auch Zahnerbsen genannten Hülsenfrüchte finden sich ebenfalls in Ostafrika und gedeihen noch in den gemäßigten Gebieten Europas. Sie dienen in Indien als Nahrungsmittel und als Viehfutter. Jedoch dürfen die Samen vom Menschen nur gekocht verwendet werden, da zum mindesten einzelne Rassen, namentlich wahrscheinlich die weißen, einen bisher noch nicht isolierten Giftstoff enthalten, der Lähmungserscheinungen hervorruft, die bei Menschen und Tieren, besonders bei Pferden, zum Tode führen können. In Indien kommen, wenn bei Hungersnöten die Eingeborenen zufällig allein auf Platterbsen angewiesen sind, zahlreiche Erkrankungen vor, die als Lathyrismus bezeichnet werden. 1912 kamen auch beträchtliche. Mengen der in Indien vielgebauten, kleinen, grauen Varietät der Platterbse, als Futter nach Europa. Da ihre Verwendung nicht unbedenklich war, wurden Fütterungsversuche mit Schweinen angestellt. Es hat sich herausgestellt, daß diese Erbsen als alleiniges Futter nicht gern genommen werden, aber keine Erkrankungen hervorrufen. Zur Hälfte gemischt mit anderm Futter, z.B. Gerste, wurden die Platterbsen anstandslos genommen und ergaben gute Mästungsresultate. Es scheint somit, daß diese graue Varietät arm an dem wirksamen Stoff ist. Mit Pferden wurden keine Versuche gemacht. Die meisten Erkrankungen von Pferden in jener Zeit konnten auf weiße Zahnerbsen, die unter anderen Erbsen aus Rußland importiert worden waren, zurückgeführt werden.

Voigt.