Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 572

Erdnuß (s. Abb.), Arachis hypogaea, zur Familie der Schmetterlingsblütler gehörig, ist eine alte Kulturpflanze, die sich nicht nur über den ganzen Tropengürtel, sondern auch über die Subtropen und darüber hinaus verbreitet hat. Sie liefert einen der wichtigsten Rohstoffe für die europäische Speiseölindustrie. Die Pflanze ist ein einjähriges, niedriges Kraut mit behaartem, nach oben kantigem Stengel und paarig gefiederten, abwechselnd stehenden, unterseits behaarten Blättern. Nachdem die in den Achseln der unteren Blätter entwickelten Blüten verwelkt sind, verlängert sich die kurze Blütenachse, wächst nach unten und drängt die an ihrer Spitze befindliche junge Frucht unter die Erde, wo sie reift. Die reife Frucht ist eine dicke, der Länge nach gerippte, bis 4 cm lange Hülse, mit zwei, seltener ein oder drei Samen, zwischen denen sie eine leichte Einschnürung zeigt. Die Samen besitzen ungleichmäßig eiförmige Gestalt und eine dünne, braune Schale. Man unterscheidet nach Farbe und Form der Samen verschiedene Varietäten der E. Ihr Ölgehalt schwankt zwischen 35 und 50%. Die E. braucht zur Entwicklung reichlich Wärme, von der der Ölgehalt beträchtlich abhängig ist. Bis zur Blüte verlangt sie genügende Feuchtigkeit durch Niederschläge oder Bewässerung; von der Blüte bis zur Reife sagt ihr Trockenheit besser zu. Der Boden soll nährstoffreich, besonders kalkhaltig, leicht und trocken sein. Die Entwicklung der Pflanze verläuft in etwa 6 - 8 Monaten. Zur Saat verwendet man vollreife Samen der weißen, großen Varietäten, besonders afrikanische Sorten; Saatmenge ca. 60 kg per ha. Das Pflanzen geschieht mit dem Pflanzstock in etwa 130 x 80 cm oder 90 x 90 cm Abstand. In jedes Pflanzloch werden zwei Samen eingelegt, die ca. 3 cm hoch mit Erde bedeckt werden. Die Pflanzen erscheinen nach 10 - 14 Tagen und werden baldmöglichst ausgedünnt. Der Boden muß von Unkraut befreit und bis zur Blüte zweimal gehackt werden. Wenn das Stroh vollkommen abgestorben ist, wird bei trockenem Wetter geerntet. Die Pflanzen werden gelockert und ausgehoben. Sodann werden sie um einen bis 2 m hohen Pfahl mit den Früchten nach außen in Puppen gesetzt, die mit einer Kappe aus Stroh oder Gras bedeckt werden. Nach etwa zwei Wochen werden die Früchte mit der Hand oder mit Maschinen gepflückt. Die Früchte kommen geschält oder ungeschält in den Handel. Der Ertrag stellt sich unter günstigen Verhältnissen auf 15 - 20 dz per ha, auf nur 3 - 4 dz unter ungünstigen Verhältnissen. Jedenfalls ist der Ertrag von der Sorgfalt der Kultur und von sachgemäßer Düngung abhängig. Die E. werden frisch, geröstet oder gekocht genossen. Ihre Hauptverwendung finden sie jedoch als Material zur Ölgewinnung. Durch verschiedene kalte und warme Pressungen, sowie auch durch Extraktion werden aus den geschälten und auch aus den ungeschälten Früchten Speiseöl, Brennöl und Öl zur Seifenfabrikation gewonnen. - Das Deutsche Reich importierte 1912: 69 870 t für 18,8 Mill. M, davon 21 758 t aus Französisch - Westafrika und 25 820 t aus Britisch - Indien. Marseille empfing 1908 102 000 t geschälte und 85 600 t ungeschälte Erdnüsse. Hamburg importierte 1913 46 669 t E. für 14 Mill. M, davon 1969 t aus Deutsch-Ostafrika und Kamerun. Über Kiautschou wurden 4217 t bezogen.

Literatur: J. Adam, L'arachide en Afrique occidentale francaise, L'agriculture pratique des pays chauds VII, II (1907); VIII, I (1908); VIII, II (1908). - M. Dumas, L'arachide, culture, récolte et commerce. Paris 1907 (A. Challamel). - Derselbe, The cultivation, preparation and utilisation of the ground - nut. Bull. Imp. Institute VIII (1910) S. 153 - 172. - K. Braun, Die Erdnuß, Beilage zum Pflanzer, VI (1910), Flugbl. Nr. 10, 4 S.

Voigt.