Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 574 f.

Erholungsstationen. Für die in, tropischen Ländern arbeitenden Europäer sind Erholungsstationen notwendig, um den von den Unbilden des Klimas einerseits und von der Arbeit andererseits ermatteten Körper zeitweise wieder zu kräftigen. Besonders die dauernd in dem feuchtwarmen tropischen Küstenklima beschäftigten Europäer bedürfen einer solchen Erholung, welche erfolgreicher sein wird, wenn zugleich mit dem Ausruhen von der Arbeit ein Ortswechsel mit Aufenthalt in einem klimatisch günstigeren Orte verbunden ist. Deshalb haben die älteren Kolonialvölker in ihren tropischen Kolonialländern viele E. in Gebirgen errichtet, wo trocknere und kühlere Luft herrscht. Das bekannteste und größte Gebirgssanatorium ist das indische Darjiling in den Vorbergen des Himalayagebirges. In den deutschen Schutzgebieten sind die folgenden E. die wichtigsten:

A. In Deutsch-Ostafrika: Das Lienhardt - Erholungsheim in Wugiri in den Usambarabergen, etwa 1000 m über dem Meere in schöner Urwaldgegend gelegen, hat seinen Namen nach einem Stuttgarter Kaufmann, welcher durch ein testamentarisches Vermächtnis zum Bau des Sanatoriums den Grundstock gegeben hat. Das Erholungsheim besteht aus einem Wirtschaftsgebäude, einem größeren Kurhaus mit Wohnräumen für Gäste und einigen Einzelhäusern. Es ist seit 1904 in Betrieb; anfangs in Verwaltung des Ksl. Gouvernements von Deutsch - Ostafrika, später wurde es verpachtet, und zwar gegenwärtig an den Deutschen Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien (s.d.), welcher durch Wirtschaftsschwestern die Verwaltung ausübt. Ein schon älteres, kleines Erholungsheim auf der Leuchtturmsinsel Ulenge in der Außenbucht von Tanga wurde in letzter Zeit wenig besucht, es besitzt keine eigentliche Verwaltung. Die Gäste müssen ihre Verpflegung selbst mitbringen. In der neuesten Zeit hat sich in den Ulugurubergen bei Morogoro in günstiger Höhenlage ein Erholungsheim aus privater Tätigkeit aufgetan; es hat den Vorzug, von der Hauptstadt Daressalam aus leicht erreichbar zu sein. In der Nähe davon haben mehrere in Deutsch - Ostafrika tätige evangelische Missionsgesellschaften vereint für ihre Angehörigen ein kleines Erholungsheim errichtet. -

B. In Kamerun besteht seit 1900 auf einer Halbinsel ein der Seebrise ausgesetztes Erholungsheim Suellaba, welches 8 Personen in 4 Zimmern beherbergen kann. Die erste Einrichtung sowie ein Segelboot für die Gäste ist vom Deutschen Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien gestiftet. Ein Verwalter sorgt für das Anwesen, das auch einen größeren Gemüsegarten besitzt. Die Basler Mission hat bei Buea ein Erholungsheim im Gebirge, das, soweit der Platz reicht, auch bisweilen nicht der Mission 'angehörige Gäste aufnimmt, sonst besitzt Kamerun noch kein Höhensanatorium, jedoch beabsichtigt der Badische Landesverband des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien in Bälde diese Lücke auszufüllen. -

C. Togo: Das Gouvernement besitzt auf dem Hausberg bei Misahöhe ein kleines Haus, das als Erholungsstätte für Genesende und Erholungsbedürftige bestimmt ist, doch müssen die Erholungsuchenden sich selbst verpflegen, das Bezirksamt Misahöhe stellt gegen geringe Entschädigung einen Arbeiter für Wasser- und Holzbeschaffung zur Verfügung. -

D. Deutsch- Südwestafrika: Dieses Schutzgebiet besitzt noch keine E., jedoch ist der Bayrische Landesverband des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien im Begriff, eine solche zu errichten, und zwar an der Küste in Swakopmund, weil die hohe Lage des größten Teils des Schutzgebiets häufig Störungen, besonders der Herztätigkeit, verursacht, welche zweckmäßig durch einen Aufenthalt im Küstenklima behandelt werden. -

E. Deutsch-Neuguinea: Das Schutzgebiet besitzt ein 380 m über dem Meere gelegenes Erholungsheim in Toma, 15 km von Herbertshöhe auf Neupommern (Bismarckarchipel) entfernt, in waldreicher Gegend und mit dieser Station durch einen fahrbaren Weg verbunden. Es bietet in 4 Zimmern Platz für 6 Personen. Die Verwaltung liegt in der Hand eines verheirateten Pächters, der auch für die Verpflegung der Gäste sorgt und nebenbei eine Pflanzung betreibt. Ein zweites Erholungsheim ist im Besitz der Neuendettelsauer Mission auf dem 970 m hohen Sattelberg, in der Nähe von Finschhafen in Kaiser-Wilhelmsland gelegen. Auch dieses Erholungsheim ist durch eine Straße zugänglich gemacht und wird nicht nur von Missionsangehörigen, sondern auch von anderen Europäern des Schutzgebiets besucht. -

F. Samoa: In Samoa bestehen 2 von Privatpersonen betriebene Erholungsheime, die einer beschränkten Anzahl von Gästen während des ganzen Jahres gute Unterkunft und Verpflegung bieten. Sie liegen in einer Höhe zwischen 500 und 700 m über dem Meere in den südlich von Apia sich hinaufziehenden Bergen und sind von Apia zu Pferd oder Wagen in 2 bis 2 1/2 Stunden zu erreichen. -

G. Kiautschou: In Kiautschou befindet sich das 1903 erbaute, gut eingerichtete Erholungsheim "Mecklenburghaus" (s. Tafel 105), in einem aufgeforsteten, schönen Gebirge, 500 m über dem Meere, vom Hafen aus auf einer fahrbaren Straße erreichbar. Es besteht aus mehreren Gebäuden und besitzt eine eigene Wasseranlage. Das "Mecklenburghaus" ist eine Stiftung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Die Zahl der Gäste, die hauptsächlich von Tsingtau aus das Erholungsheim besuchen, pflegt jährlich mehr als 1000 zu betragen.

Steudel.