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Erholungsstationen. Für die in, tropischen Ländern arbeitenden
Europäer
sind Erholungsstationen notwendig, um den von den Unbilden des Klimas
einerseits und von der Arbeit andererseits ermatteten Körper zeitweise
wieder zu kräftigen. Besonders die dauernd in dem feuchtwarmen
tropischen
Küstenklima beschäftigten Europäer bedürfen einer solchen Erholung,
welche
erfolgreicher sein wird, wenn zugleich mit dem Ausruhen von der Arbeit
ein Ortswechsel mit Aufenthalt in einem klimatisch günstigeren Orte
verbunden
ist. Deshalb haben die älteren Kolonialvölker in ihren tropischen
Kolonialländern
viele E. in Gebirgen errichtet, wo trocknere und kühlere Luft herrscht.
Das bekannteste und größte Gebirgssanatorium ist das indische Darjiling
in den Vorbergen des Himalayagebirges. In den deutschen Schutzgebieten
sind die folgenden E. die wichtigsten:
A. In Deutsch-Ostafrika: Das
Lienhardt
- Erholungsheim in Wugiri in den
Usambarabergen,
etwa 1000 m über dem Meere in schöner Urwaldgegend gelegen, hat seinen
Namen nach einem Stuttgarter Kaufmann, welcher durch ein
testamentarisches
Vermächtnis zum Bau des Sanatoriums den Grundstock gegeben hat. Das
Erholungsheim
besteht aus einem Wirtschaftsgebäude, einem größeren Kurhaus mit
Wohnräumen
für Gäste und einigen Einzelhäusern. Es ist seit 1904 in Betrieb;
anfangs
in Verwaltung des Ksl. Gouvernements
von Deutsch - Ostafrika, später wurde es verpachtet, und zwar
gegenwärtig
an den Deutschen Frauenverein vom Roten Kreuz für die Kolonien
(s.d.), welcher durch Wirtschaftsschwestern die Verwaltung ausübt. Ein
schon älteres, kleines Erholungsheim auf der Leuchtturmsinsel Ulenge in
der Außenbucht von Tanga wurde in letzter
Zeit wenig besucht, es besitzt keine eigentliche Verwaltung. Die Gäste
müssen ihre Verpflegung selbst
mitbringen.
In der neuesten Zeit hat sich in den Ulugurubergen bei Morogoro
in günstiger Höhenlage ein Erholungsheim aus privater Tätigkeit
aufgetan;
es hat den Vorzug, von der Hauptstadt Daressalam
aus leicht erreichbar zu sein. In der Nähe davon haben mehrere in
Deutsch
- Ostafrika tätige evangelische Missionsgesellschaften
vereint für ihre Angehörigen ein kleines Erholungsheim errichtet. -
B. In Kamerun besteht seit 1900 auf einer
Halbinsel ein der Seebrise ausgesetztes
Erholungsheim Suellaba, welches 8 Personen in 4
Zimmern beherbergen kann. Die erste Einrichtung
sowie ein Segelboot für die Gäste ist vom
Deutschen Frauenverein vom Roten Kreuz für die
Kolonien gestiftet. Ein Verwalter sorgt für das
Anwesen, das auch einen größeren Gemüsegarten
besitzt. Die Basler Mission hat bei Buea ein
Erholungsheim im Gebirge, das, soweit der Platz
reicht, auch bisweilen nicht der Mission 'angehörige
Gäste aufnimmt, sonst besitzt Kamerun noch kein
Höhensanatorium, jedoch beabsichtigt der Badische
Landesverband des Deutschen Frauenvereins vom
Roten Kreuz für die Kolonien in Bälde diese Lücke
auszufüllen. -
C. Togo: Das Gouvernement besitzt auf dem
Hausberg bei Misahöhe ein kleines Haus, das
als
Erholungsstätte für Genesende und
Erholungsbedürftige bestimmt ist, doch müssen die
Erholungsuchenden sich selbst verpflegen, das
Bezirksamt Misahöhe stellt gegen geringe
Entschädigung einen Arbeiter für Wasser- und
Holzbeschaffung zur Verfügung. -
D. Deutsch-
Südwestafrika: Dieses
Schutzgebiet besitzt noch keine E., jedoch ist der Bayrische
Landesverband
des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien im Begriff,
eine solche zu errichten, und zwar an der Küste in Swakopmund,
weil die hohe Lage des größten Teils des Schutzgebiets häufig Störungen,
besonders der Herztätigkeit, verursacht, welche zweckmäßig durch einen
Aufenthalt im Küstenklima
behandelt
werden. -
E. Deutsch-Neuguinea: Das
Schutzgebiet besitzt ein 380 m über dem Meere gelegenes Erholungsheim
in Toma, 15 km von Herbertshöhe auf Neupommern (Bismarckarchipel)
entfernt, in waldreicher Gegend und mit dieser Station durch einen
fahrbaren
Weg verbunden. Es bietet in 4 Zimmern Platz für 6 Personen. Die
Verwaltung
liegt in der Hand eines verheirateten Pächters, der auch für die
Verpflegung
der Gäste sorgt und nebenbei eine Pflanzung betreibt. Ein zweites
Erholungsheim
ist im Besitz der Neuendettelsauer Mission
auf dem 970 m hohen Sattelberg, in
der Nähe von Finschhafen in Kaiser-Wilhelmsland
gelegen. Auch dieses Erholungsheim ist durch eine Straße zugänglich
gemacht
und wird nicht nur von Missionsangehörigen, sondern auch von anderen
Europäern
des Schutzgebiets besucht. -
F. Samoa:
In Samoa bestehen 2 von Privatpersonen betriebene
Erholungsheime, die einer beschränkten Anzahl von
Gästen während des ganzen Jahres gute Unterkunft und Verpflegung bieten. Sie
liegen in einer Höhe zwischen 500 und 700 m über dem Meere in den südlich von Apia sich hinaufziehenden Bergen und sind von Apia zu
Pferd oder Wagen in 2 bis 2 1/2 Stunden zu erreichen. -
G. Kiautschou: In Kiautschou befindet sich das 1903 erbaute, gut eingerichtete
Erholungsheim "Mecklenburghaus" (s.
Tafel 105), in einem
aufgeforsteten, schönen Gebirge, 500 m über dem Meere, vom
Hafen aus auf einer fahrbaren Straße erreichbar.
Es besteht aus mehreren Gebäuden und besitzt eine eigene Wasseranlage. Das
"Mecklenburghaus" ist eine Stiftung der Deutschen Kolonialgesellschaft. Die Zahl der
Gäste, die hauptsächlich von Tsingtau aus das
Erholungsheim besuchen, pflegt jährlich mehr als 1000 zu betragen. Steudel.
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