Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 592

Euphorbiaceen, eine aus habituell sehr ungleichen Elementen bestehende, mit mehr als 4000 Arten über die ganze Erde verbreitete Pflanzenfamilie,die durch eingeschlechtliche, oft zu eigenartigen Infloreszenzen (Cyathien) zusammentretende Blüten und meist in 3 Teilfrüchte (Kokken) zerfallende Früchte charakterisiert ist. Sehr viele enthalten Milchsaft in gegliederten oder ungegliederten Röhren der Blätter wie der Stammteile. Auffällige Vertreter sind die in ausgesprochenen Wüsten- und Steppengebieten vorkommenden Kandelaber - Euphorbien, die vielfach fälschlich für Kakteen gehalten werden, weil sie solchen im äußeren Aufbau nahekommen. Sie sind wie diese blattlos und bilden dafür die Stämme und Zweige zu dickfleischigen, am Rande mit Dornen bewehrten Assimilationsorganen (s. Farbige Tafel Euphorbien - Dornbusch - Steppe) um. Ihr Milchsaftgehalt läßt sie sofort von den Kakteen unterscheiden. Die Familie umfaßt eine verhältnismäßig große Zahl von Nutzgewächsen, so die Kautschukbäume Hevea brasiliensis, Manihot Glaziovii und Sapium utile (s. Kautschuk), den Maniok- oder Cassadestrauch (Manihot utilissima, s.d.), die Medizinal- und Ölpflanzen Ricinus communis, Jatropha curcas, J. tiglium und J. multifida (Purgiernüsse), Croton eluteria (Cascarillrinde), Euphorbia resinifera (Euphorbiumharz), Zierpflanzen aus den Gattungen Croton, Codiaeum, Acalypha undBougainvillea. Der Milchsaft mancher E. (Hippomane mancinilla) ist stark giftig, so daß er als Pfeilgift (s.d.) Verwendung findet.

Literatur: F. Pax, Euphorbiaceae in Engler - Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien, Lpz. 1896. - Ders., Das Pflanzenreich, Lpz . 1910/11.

Volkens.