Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 593

Evangelischer Afrikaverein. Der E. A., unter wesentlicher Mitwirkung des Pastors Fr. v. Bodelschwingh (s.d.) 1893 in Berlin begründet (Gechäftsstelle: Berlin N 20, Koloniestr. 3), stellt sich die Aufgabe: "in den deutschen Schutzgebieten die Verbreitung christlicher Gesittung und Kultur unter der eingeborenen Bevölkerung zu fördern, um dadurch insbesondere ihre soziale Lage zu verbessern, für die Wahrung ihrer Menschenrechte einzutreten und an der Beseitigung des Sklavenhandels und der Sklaverei mitzuwirken". 1896 wurde von ihm in Lutindi (Usambara) in Deutsch-Ostafrika eine Freistätte für befreite Sklaven begründet. Infolge der Unterdrückung des Sklavenhandels (s.d.) entwickelte sich diese Fürsorgetätigkeit zu einer Erziehungsarbeit an den Kindern befreiter Sklaven, und neuerdings, da deren Zah1 naturgemäß von Jahr zu Jahr kleiner wird, zu einer Anstalt für Eingeborene Waisenkinder. Außerdem wird von dem evangelischen Afrikaverein eine im Aufblühen begriffene Anstalt für ' eingeborene Geisteskranke in Lutindi unterhalten, die im Jahre 1911 von 60 - 70 Patienten besetzt war. - Die aus dem Evangelischen Afrikaverein hervorgegangene "Kommission zur Bekämpfung des afrikanischen Branntweinhandels" ist 1910 zu dem "Deutschen Verband zur Bekämpfung des afrikanischen Branntweinhandels" ausgestaltet Worden, der über die für die afrikanischen Eingeborenen verhängnisvollen Folgen des Branntweinhandels aufzuklären und auf dessen Beschränkung hinzuwirken sucht. S. Mission 2 d und Missionszeitschriften 1 II 3.

Literatur: Letzter Jahresbericht: Afrika, Berl. 1912, Heft 2. - Olpp, Stand und Bedeutung der ärztl. Mission in den deutschen Schutzgebieten: KolRundsch. Okt. 1912, S. 602 f.

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