Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 596

Fabri, Friedrich F., Missionsinspektor und Kolonialpolitiker, geb. 12. Juni 1824 in Schweinfurt, gest. 1891, studierte Theologie in Erlangen und Berlin, wurde 1857 Leiter der Rheinischen Missionsgesellschaft (s.d.) in Barmen (bis 1884), 1889 Honorarprofessor in Bonn. Die Missionsarbeit der Rheinischen Missionsgesellsschaft erfuhr unter seiner Leitung durch Überwindung innerer Schwierigkeiten und Ausbau ihrer Organisation einen großen Aufschwung. F. war auch der Begründer der allgemeinen Missionskonferenz in Bremen, die 1866 zum erstenmal getagt hat. In allem, was F. angriff, betätigte er sich als eine bedeutende und groß angelegte Persönlichkeit, war ein fruchtbarer Schriftsteller und ein Kirchenpolitiker mit selbständigen Ideen. Von hoher Warte aus die kirchlichen und nationalen Dinge betrachtend, wurde er zum Vorkämpfer der Fürsorge für die Deutschen im Ausland, indem er 1865 für die protestantischen Deutschen in Brasilien ein Komitee begründete, aus dem dann 1883 die "Evangelische Gesellschaft für die protestantischen Deutschen in Amerika" hervorgegangen ist, die zahlreiche Pfarrer ausgebildet und dorthin ausgesandt hat. Vor allem aber hat er, seiner Zeit vorauseilend, die Notwendigkeit kolonialer Erwerbungen durch, das Deutsche Reich erkannt. Seine Schrift: Bedarf Deutschland der Kolonien (Gotha 1879) hat durch ihre sorgfältigen und durchschlagend en Nachweise eine starke Wirkung ausgeübt. Auch nach dem Beginn der kolonialen Ära hat er in zahlreichen Artikeln und Vorträgen das koloniale Interesse zu stärken versucht und sich vielfach als Kritiker über die Aufgaben gesunder Kolonialpolitik geäußert (Branntweinhandel, Sklavenfrage, Erziehung der Eingeborenen). S. Mission 2.

Literatur: E. Sachsse, Fr. Fabri, Realenzyklopädie f. prot. Theologie u. Kirche. 3. Aufl. 5. Bd. Lpz. 1898, S. 723 ff.