Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 599 f.

Fang, Pangwe, Mpangwe oder Mfang, Reihe von Völkerstämmen in Südkamerun vom Sanaga bis zum Ogowo nach Süden und vom Iwindo, Dschaoberlauf, Njongoberlauf bis zur Küste. Man ist sich noch nicht recht klar über ihre Zugehörigkeit. Früher wurden sie für Bantuneger gehalten. Heute wird angenommen, daß sie Sudanneger sind und die Sprache der Bantu erst seit einigen Generationen angenommen haben. Die Heimat der F. war wahrscheinlich das Bahr - el -Gasalgebiet, wie aus ihren Sagen hervorgeht. Sie stehen den Niam-Niam nahe. Sie wanderten von dort nach Westen und kamen zum Ubangi. Von dort gingen sie zum Schari, wo sie mit den Fulbe (s.d.) zusammenstießen, nun den Sanaga entlang zogen und nach Süden wanderten., Da sie sehr kriegerisch und zahlreich waren, so konnte ihnen kein Volk widerstehen, und sie drangen in ununterbrochenem Zuge bis zum Ogowe vor, den sie an einzelnen Punkten schon überschritten haben. Dabei drückten sie auf die Bantustämme, so daß ein Teil zur Küste gedrängt, der andere nach Osten beiseite geschoben wurde. Als sie mit europäischer Kultur bekannt wurden, kam eine Wanderrichtung zur Küste hinzu, einmal um Handel zu treiben, andererseits um Gewehre zu erwerben. Heute sind sie bis zur Küste vorgestoßen, und es macht sich sogar ein Rückstoß nach Osten bemerkbar, z.B. haben die F. den Iwindo bereits überschritten. Die Wanderungen finden so statt, daß die letzten F.familien sich an der Spitze des Volkes niederlassen usf. Die F. bewohnen eine Fläche von etwa 176000 qkm. Sie teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, z.B. in Kamerun die Etun (s.d.), die Mwelle (s.d.), die Jaunde (s.d.), Bane (s.d.), Bule (s.d.) und Ntum, ferner die Mokuk oder Okak im spanischen Gebiet und östlich davon, die Mwei (s.d.). Im Süden folgen dann die eigentlichen F. Die F. sprechen alle dieselbe Sprache, die nur in Dialekte zerfällt. Es gibt zwei Dialektgruppen, einmal die Makina in Südosten, andererseits die Masuna in Norden und Westen. Es ist das die Phrase, mit der sie stets ihre Rede beginnen: makina resp. masuna . . . ich sage daß . . . Sie selbst teilen sich in Betschi (Masuna) oder Makei (Makina). Die Makeistämme beginnen ihren Namen mit Eb. . ., die Betschistämme mit Ess . . . Die Stämme teilen sich wieder in Sippen d.h. Familienverbände, die aber teilweise in der Wanderung vergessen sind. Vielmehr herrscht jetzt in jedem Dorf der Häuptling oder der Familienvater. Anthropologisch soll man zwei Typen unter den F. unterscheiden können, einen last hamitischen mit hellem fast rötlichem Teint und schöner gebogener Nase und einen häßlichen Negertyp. Die Dörfer sind meist zweireihig, dazwischen Straße oder Platz. Am Ende steht quer das Versammlungshaus. Die Hütten sind die Giebeldachhütten der Bantuneger. Meist sind nicht mehr als 30 Häuser im Dorf, selten bis zu 80. Dagegen liegen die Dörfer oft eins hinter dem andern. Die, F. treiben Fischfang, Jagd und -.infachen Hackbau. Ihre merkwürdigste Waffe ist die in Abb. 6 Tafel 86 wiedergegebene Armbrust (s. Kamerun, Abschnitt 7, Kulturverhältnisse). Angebaut werden zur Hauptsache Maniok, Bananen, Erdnüsse, Kürbisse, Mais und Yams; Zuckerrohr wird als Genußmittel verwendet, ebenso ist Palmwein sehr beliebt. Palmöl wird zum Salben des Körpers gebraucht. Die F. sind geschickte Schmiede und Schnitzer, die Töpferei und Weberei sind gut entwickelt. Ein besonderes ihrer Gruppe eigentümliches Musikinstrument ist die in Abb. 11 Tafel 86 wiedergegebene Harfe aus einem Raphiastab, aus dessen Epidermis die einzelnen Saiten in verschiedener Länge herausgehoben sind, um nun über einen gemeinsamen Steg gelegt zu werden. Die F. beschneiden sich, feilen die Zähne und tatauieren sich. Die Frauen tragen zwei schmale Baststreifen hinten und vorn, die Männer einen Schurz zwischen den Beinen nebst einem Affenfell hinten. Die F. tragen als Frisur eigenartige Helme, die die verschiedenste Form annehmen und mit Perlen und Ketten oft bis zur Überladung geschmückt werden (s. Farbige Tafel Kamerun Abb. 8 [Jaundemädchen]). Sie sind Menschenfresser.- Die Fi haben meist mehrere Frauen, der Häuptling hat die meisten, aber selten mehr als 20. Die Frauen sind ]klein und häßlich, werden aber relativ gut behandelt. Bei der Feldarbeit brauchen sie nur die leichtere Arbeit zu machen. Die Bestattung der Toten ist verschieden, je nach dem Befund einer Obduktion. Die Religion der F. ist sehr eigenartig und wohl noch der Aufklärung bedürftig. Sie haben einen Mondkult (böses Prinzip), einen Sonnenkult (gutes Prinzip), einen Wasserkult (böses Prinzip) und einen Feuerkult (gutes Prinzip). Dazu kommt noch ein Ahnenkult. Vom Gorilla (Ngi) werden große Lehmbilder dargestellt, von denen in an annimmt, daß sie nachts umgehen, um die Bösen zu Strafen. Das Gebiet der F. liegt im Urwald.

Literatur: Teßmann, Gabun.KRundsch. 1912, 4. -Ders., Pangwe. Globus 1910.

Passarge-Rathjens

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