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Farbstoffe. Die natürlichen Farbstoffe stammen aus allen drei
Naturreichen.
Sie werden nach ihrer Verwendung in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen
dienen nur zum oberflächlichen Färben und werden mit einem Bindemittel
auf die zu färbenden Gegenstände aufgetragen. Man nennt sie Körper- oder
Anstrichfarben.
Siestammenzumgrößten
Teil aus dem Mineralreich und werden deshalb zum Teil auch Erdfarben
genannt. Mineralien von verschiedener Farbe werden
gemahlen
und geschlemmt, geeigneten Bindemitteln zugesetzt und so zum Anstrich
verwendet, so z.B. Schwerspat, Zink- und Bleiweiß
für weiße Farben, eisenhaltige Erden und Tone zum Gelb-, Braun- und
Rotfärben,
Mennige und Zinnober ebenfalls zum Rotfärben, Ultramarin für blaue und
Schweinfurter Grün für grüne Farben. Die Verwendung dieser Farben ist
bei fast allen Völkern unserer Kolonien
verbreitet, tritt aber mehr und mehr durch das Vordringen der
künstlichen
Farbstoffe zurück. Die Erzeugnisse der chemischen Industrie verdrängen
allmählich auch in den entlegensten Eingeborenenhütten die
überlieferten,
seit Jahrhunderten gebrauchten, natürlichen Farbstoffe. - Ähnlich liegen
die Verhältnisse für die zweite Gruppe von Farben, die in erster Linie
zum Färben von Spinnstoffen, Geweben und Papier gebraucht werden. Sie
dringen in die zu färbenden Objekte ein und werden als Zeugstoffe
und meist kurz als F. bezeichnet. Sie stammen zum größten Teil aus dem
Pflanzenreich, ein kleinerer Teil wird dem Tierreich entnommen. Auch die
Pflanzenfarbstoffe haben
einen
schweren Stand gegenüber den künstlichen Erzeugnissen. Allgemein bekannt
ist ja der rapide Rückgang der Indigokultur seit der Erfindung des
künstlichen
Indigos. Trotzdem werden sie sich doch wohl für manche, meist
wertvollere
Färbungen und beim Färben von Eßwaren eine gewisse Bedeutung erhalten.
Zum Verständnis der Pflanzenfarbstoffe sei erwähnt, daß die größere Zahl
derselben nicht direkt in den betreffenden Pflanzenteilen enthalten ist,
sondern erst durch einen Aufbereitungsprozeß aus den vorhandenen
Komponenten
entsteht. Bei manchen Farbpflanzen tritt die Entwicklung der Farbe schon
während des Lebensprozesses ein, so z.B. bei den Farbhölzern, muß aber
ebenfalls nachträglich durch die Aufbereitung weiterentwickelt werden.
Als Beispiel möge der Indigo (s.d.) dienen. Die Pflanzen zeigen allerdings einen schwachen Stich
ins Bläuliche, enthalten aber zunächst einen farblosen Stoff, das
Indikan,
welches bei der Gewinnung durch einen Gärungsprozeß in einen weißen
Farbstoff,
Indigweiß, und einen Zucker gespalten
wird.
Das Indigweiß oxydiert an der Luft zu Indigoblau. Ähnlich liegen die
Verhältnisse
bei der Lackmusflechte, die
natürlich
ein weißgraues Aussehen besitzt und in nichts den Träger eines blauen Farbstoffs verrät. In Gruben
gepackt und mit ammoniakalischem Wasser (Gaswasser, Harn usw.)
übergossen,
entsteht eine rote bis violette Farbe, die durch Zusatz von Kreide oder
Pottasche in Blau übergeht. - Die wichtigsten, für überseeische Gebiete
in Betracht kommenden Pflanzenfarbstoffe sind nach den Farben
eingeteilt,
etwa folgende:
1. Schwarze bis braune Farben. In Ostindien und auf den Sundainseln wird aus
dem Holze der Acacia Catechu der wässerige, eingedickte und getrocknete Auszug
als Catechu, Cutch oder Braune Terra japonica in mehr oder
weniger regelmäßigen, in Blätter eingewickelten Formen in den Handel gebracht.
In ähnlicher Weise liefern in Hinterindien die Blätter des kletternden Strauches
Nauclea Gambir die gelbe Terra japonica, gelbes
Catechu oder den Gambir. Er kommt ebenfalls in
Blöcken, außerdem aber auch in kleinen Würfeln in den Handel. Beide, Catechu und
Gambir, dienen zum Gerben und Färben. Sie liefern eine schöne braune Farbe meist
für Baumwolle und Catechu auch eine schwarze
Farbe für Seide. - Unter Kino versteht man den
eingedickten Saft aus der Rinde oder dem Holze verschiedener Bäume. Er ist
ebenfalls stark gerbstoffhaltig und kann zum Gerben und Färben verwendet werden.
Die meisten Kinos enthalten nebenher noch einen roten Farbstoff, d er die
Farbwirkung nicht unwesentlich beeinflußt. Kinoliefernde Pflanzen gibt es fast
in allen tropischen Gebieten. An der Malabarküste liefert Pterocarpus marsupium
einen Teil der Handelsware, in Bengalen und auf Amboina Butea frondosa, in
Afrika Pterocarpus erinaceus, in
Westindien Coccoloba uvifera und in Australien verschiedene Eukalyptusarten. -
2. Blaue Farben. Unter den Stammpflanzen der blauen Farbstoffe hat bis zum
Emporkommen der künstlichen Konkurrenten der Indigo (s. d.) an erster Stelle gestanden. Dazu kam
das Blauholz, über das Näheres unter dem
Stichwort Farbhölzer zu finden ist. Weiter
sei hier die Lackmusflechte oder Orseille
genannt, die an den Felsenküsten des Mittelmeergebiets sowie auf den Kanaren und
Azoren wild gesammelt wird. Über die Gewinnung des Farbstoffes ist das Nötige
oben gesagt worden. -
3. Unter den roten Farbstoffen ist hier neben den bei den Farbhölzern
besprochenen Rothölzern die Krappwurzel oder
Färberröte zu erwähnen. Sie spielte vor
der Entdeckung der künstlichen Farbstoffe eine ebenso bedeutende Rolle wie der
Indigo. Betrug doch die Gesamtproduktion in der Mitte des vorigen Jahrhunderts
700 000 dz. Die Färberröte ist in Südeuropa und in Asien heimisch und wurde u.
a. in Holland, im Elsaß, in Südfrankreich und in der Türkei (Levante) in großem
Maßstabe angebaut. Der Farbstoff hieß Alizarin
und hat dem künstlichen Produkt den Namen gegeben. Auch hier entwickelt sich der
Farbstoff stärker durch mehrjähriges Aufbewahren in gegen Licht und Luft
geschützten, feuchten Kellern. Andere Arten der Krappflanze (Rubia tinctoria)
finden sich in Indien und in Ostafrika und
werden dort in ähnlicher Weise verwendet. In unserer Kolonie dient die gekaute Wurzel zum Rotfärben des
Leders. -
4. Gelbe Farben gibt außer den oben unter Farbhölzern besprochenen Gelbhölzern
und der unter Annato erwähnten Orleanssaat
die Kurkuma oder Gelbwurz, eine in Indien, China und Java
kultvierte,
mit dem Ingwer verwandte Staude. Der
Farbstoff
ist in dem teils kugeligen, teils walzenförmigen Wurzelstock enthalten.
Die Kurkuma liefert eine gelbbraune Farbe, die in beschränktem Maße zum
Färben von Genußmitteln und Medikamenten verwendet wird. In der Chemie
dient
der Farbstoff als Reagens auf Alkalien. Außerdem ist die Gelbwurz ein
bekanntes
Gewürz (s.d.) und wird deshalb auch Gelber
Ingwer genannt. - Einen mannigfaltig verwerteten Farbstoff liefert
noch
der Stocklack. Über diesen interessanten
Rohstoff wird das Nähere unter den Harzen zu besprechen sein. Durch
Ausziehen
mit heißem Wasser wird dieser rote Farbstoff aus dem Stocklack gewonnen
und als Lacklack oder Lack - dye aus Ostindien in
dunkelroten
Platten in den Handel gebracht. Unter den
tierischen Farbstoffen ist allein die Cochenille erwähnenswert. Es sind die
getrockneten
Weibchen der Nopal- oder Scharlachschildlaus, Coccus Cacti, die
in Mexiko heimisch, heute auch in anderen Gebieten Mittelamerikas, in
Südamerika,
auf Teneriffa und Java auf verschiedenen Kakteen gezogen wird. Die gezogene Ware ist
wertvoller
als die wild gesammelte. Der rote Farbstoff der Läuse, Karminrot genannt, diente früher in
umfangreichem
Maße in der Wollfärberei. Seine Verwendung tritt aber immer mehr hinter
den künstlichen Farbstoffen zurück. Außerdem wird er zur Herstellung von
Schminke und zum Färben von Tinkturen und Zuckerwaren benutzt. Über die
von den Eingeborenen gebrauchten F. s. Kunst
der Eingeborenen.
Voigt.
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