Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 603

Farne, Abteilung kryptogamisch blühender Gewächse, deren Entwicklung mit einem ausgesprochenen Generationswechsel verknüpft ist. Ihre Blätter sind meist fein zerteilt, bilden Wedel, die in der Knospenlage schneckenartig eingerollt erscheinen. Die Wedel, die gelegentlich zu dem Zweck besonders umgestaltet werden, tragen zur Zeit der Reife auf der Unterseite ungeschlechtlich erzeugte Fruktifikationsorgane (Sporangien), in denen einzellige Sporen enthalten sind. Jede Spore wächst bei der Keimung zu einem flächenartigen Gebilde (Prothallium) aus, das die Geschlechtswerkzeuge, die männlichen Antheridien und die weiblichen Archegonien, hervorbringt. Erstere bergen Samenfäden (Spermatozoiden), letztere eine Eizelle. Das Produkt der Kopulation von Spermatozoid und Eizelle ist die Farnpflanze. Die meisten F. sind ausdauernde Kräuter, wenige (Cyathea, Dicksonia, Alsophila) werden zu Bäumen, indem eine Scheidung zwischen Stamm und Laubkrone eintritt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind die Tropen beider Hemisphären, namentlich deren Wälder, weil sie Schatten bevorzugen. Viele leben epiphytisch (s. Epiphyten), so der in allen heißen und zugleich feuchten Erdstrichen vorkommende Nestfarn (Asplenium nidus). Farnbäume zeichnen die Flora des tropischen Australien und Neuseelands aus, verleihen aber auch den Gebirgswäldern des zentralen Afrikas, Südasiens und Südamerikas einen hervorragenden Schmuck. Sie gehören zu den dekorativ wirksamsten Pflanzen und bilden darum eine Hauptzierde unserer Gewächshäuser. Sonstigen Nutzen haben die F. nicht, es sei denn, daß man die Wurzelstöcke einiger Arten (Aspidium filix mas, Pteridium aquilinum) als Wurmmittel verwendet.

Literatur: L. Diels, Filices in Engler - Prantl, Natürl. Pflanzenfamilien. Lpz.1902.

Volkens.