Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 606

Fernsprechanlagen. Besondere Fernsprechverbindungsanlagen, d.h. Anlagen, die ausschließlich dem Sprechverkehr der Teilnehmer der Ortsfernsprechnetze und des Übrigen Publikums dienen, bestehen bis jetzt in den Schutzgebieten im allgemeinen nicht. Es herrscht vielmehr ein Simultanbetrieb auf den Telegraphenleitungen, d.h. sie werden je nach Bedarf sowohl zum Telegraphieren als auch zum Fernsprechen benutzt. Zu diesem Zweck werden neuerdings die Telegraphenleitungen in den Schutzgebieten ausschließlich, aus Bronzedraht hergestellt; auf ihnen kann auf weitere Entfernungen gesprochen werden als auf Eisendrahtleitungen. Von besonderen F. kann man nur in Deutsch-Südwestafrika reden, wo in den letzten Jahren mit Rücksicht auf die zerstreute Lage der Farmen und ihre Entfernung von den größeren Plätzen und im Interesse der Sicherheit von Gut und Leben Der Farmer für mehrere Farmen sie verbindende und nur ihrem Sprechverkehr dienende gemeinsame Fernsprechleitungen hergestellt worden sind. Damit auch die Personen, welche keinen Fernprechanschluß in Ortsfernsprechnetzen besitzen, den Fernsprecher benutzen können, sind bei allen Telegraphenanstalten der Schutzgebiete Öffentliche Fernsprechstellen eingerichtet, wo jedermann Fernprechanschluß erlangen kann. - Wie im Mutterlande haben in den Schutzgebieten die Ortsfernsprecheinrichtungen eine rege Entwicklung aufzuweisen. Der Nutzen des Fernsprechers tritt hier bei den weiten Entfernungen und den klimatischen Verhältnissen besonders hervor. Kein Schutzgebiet ist zurzeit mehr ohne ein Ortsfernsprechnetz, und im Gegensatz zu früher besitzt in den größeren Schutzgebieten jetzt auch schon eine beträchtliche Anzahl kleinerer Orte ein solches. - Über den Verkehr bei den F. in den deutschen Schutzgebieten s. die Tabelle unter Post- und Telegraphenwesen.

Literatur: Bericht über die Ergebnisse der Reichspost- und Telegraphenverwaltung während der Rechnungsjahre 1906/10, 47 ff und 110.

Puche.