Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 607

Feste der Eingeborenen. Tage der Arbeitsruhe und der Verrichtung bestimmter Zeremonien in Verbindung mit feierlichen Reigen oder rhythmischen Tänzen, jedenfalls aber mit Schmausereien, knüpfen sich bei den Naturvölkern an viele Ereignisse des Lebens. Während die Geburt ein F. der Familie bleibt, nimmt an dem F., das der Eheschließung oder einem Todesfalle folgt, nur in kleinen Gemeinden die Gesamtheit teil. Die Mannbarkeits - F. (s. Pubertäts - F.), zumal der Jünglinge, die von dieser Zeit ab Pflichten gegen die Gesamtheit haben, sind dagegen öffentliche F., ebenso die Toten - F., die meist gemeinsam zu einer bestimmten Jahreszeit gefeiert werden, oder Friedens - F. nach Fehden und Kriegen. F. beenden glückliche Jagden und Fischzüge, auch die Erntezeit. Weitere F. knüpfen sich an religiöse Ereignisse und an das Erscheinen von Seelen Verstorbener und Geistern, die durch Maskenträger verkörpert werden und das gesellschaftliche oder wirtschaftliche Leben beeinflussen sollen. Über Feste des Islam s. den folgenden Art. Über die Regelung, betr. europäische Festtage, s. Sonn- und Feiertagsruhe.

Thilenius.