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Fette und fette Öle sind für die Ernährung und die Technik von größter
Bedeutung.
Sie werden sowohl im pflanzlichen als auch im tierischen Organismus
gebildet
und gehören mit dem Eiweiß und den Kohlehydraten (Stärke, Zucker usw.) zu den wichtigsten Reserve- und
Nährstoffen
der lebenden Organismen. Die Pflanze sammelt die F. in erster Linie in
ihren Samen an, in. geringerem Umfange auch in unterirdischen Organen
(Knollen, Wurzeln). Daher sind auch Samen und Früchte die wichtigsten
Quellen für die F.gewinnung. , Manche Früchte, wie die verschiedener
Nüsse
und die Mandeln, werden schon roh genossen und wegen ihrer
Nahrhaftigkeit
empfohlen. - Die F. sind Verbindungen des Glyzerins mit verschiedenen
F.säuren und je nach den Eigenschaften dieser Säuren fest, butterartig
oder flüssig. So ist z.B. die Palmitinsäure, eine feste F.säure, erst
bei 62° C, die Ölsäure aber bei gewöhnlicher Temperatur
flüssig. Die meisten F. bestehen nun aus verschiedenen F.säuren. Je
nachdem
die festen, Säuren die flüssigen überwiegen, haben wir es mit F. von
fester
Konsistenz oder beim Überwiegen der flüssigen Säuren mit flüssigen F.
oder ö. zu tun. - Die aus den pflanzlichen Rohstoffen gewonnenen.und
gereinigten
F. werden nun entweder direkt als Speise - F., wie Olivenöl oder Kokosbutter, verwendet oder dienen nach
Abspaltung
des Glyzerins zur Herstellung von Seifen und Kerzen. - Andere F. finden, wie das
Leinöl,
ausgedehnte technische Verwendung. -Während bis zur Mitte des vorigen
Jahrhunderts allein die flüssigen F. einheimischer Pflanzen, wie Rüböl,
Sonnenblumenöl u.a., sowie das Olivenöl, als Nahrungsmittel Verwendung
fanden, sind seit dieser Zeit die Ö. mehrerer tropischer Nutzpflanzen zunächst als Konkurrenten
aufgetreten,
haben sich heute den größten Teil des Marktes erobert und die
einheimischen
Ö. fast vollständig verdrängt. Zu nennen sind hier die Erdnuß, die Sesam- und die Baumwollsaat (s. Sesam und Baumwolle). Erdnuß und Sesam sind alte Kulturpflanzen. Ihre Ö. sind allmählich zu
einem unentbehrlichen Ersatz des Olivenöls als Tafelöl geworden und
werden
außerdem noch in großen Mengen in der Margarinefabrikation verwendet.
Die deutsche Industrie importierte 1912 etwa 50 000 t Erdnüsse im Werte
von 14 Mill. M und nahezu 40 000 t Sesam für 22 Mill. M. Dazu kam mit
der Entwicklung des Baumwollbaues in den Vereinigten Staaten im Laufe
des vorigen Jahrhunderts das Öl der Baumwollsamen, das ebenfalls i n
seinen
besseren Qualitäten als Olivenölersatz und zur Herstellung von
Speisefetten
herangezogen wurde. Während bis vor kurzem das Baumwollsaatöl
allein in den Vereinigten Staaten gewonnen wurde, hat die deutsche
Industrie
heute auch diesen Rohstoff aufgenommen und verarbeitet in erster Linie
ägyptisches Saatgut und die, bisherigen Erträge -der deutschen Kolonien. Erwähnt sei noch der Same des Talerkürbis, Telfairia pedata, dem jeder in
Ostafrika auf den Märkten unter dem
Namen Kwemme begegnet. Die Samen haben ungefähr die Größe
und Stärke einer Taschenuhr und sind von einer starken, faserigen Schale
eingehüllt. Sie stammen aus mächtigen, fast einen halben Meter langen
und ca. 25 cm starken Früchten und werden wegen des schmackhaften Kernes
wie Mandeln gegessen. Alle Versuche, diese in reichlichen Mengen
vorkommenden
und leicht kultivierbaren Samen der europäischen Industrie zuzuführen,
sind bis jetzt an der Schwierigkeit, die Samen zu schälen, gescheitert.
In Kamerun wächst eine verwandte Art mit glatten
Samen.
- Unter den festen Pflanzen - F., die
in großem Umfange zur Herstellung von Pflanzenbutter und Margarine gebraucht
werden,
steht das F. der Kokospalme (s.d.)
und die Kerne der Ölpalme (s.d.) an
erster Stelle. Während sie früher ausschließlich in der
Seifenfabrikation
Verwendung fanden, haben dort andere Rohstoffe,
besonders die künstlich gehärteten Trane, ihren Platz z.T. eingenommen.
- Der große Bedarf an Rohmaterial für Kunstspeisefette hat zur
Herbeischaffung
weiterer Ölfrüchte geführt. Man hat da zunächst zu
denjenigen
Ölfrüchten gegriffen, von denen bekannt ist, daß die Eingeborenen sie
zur Speisefettbereitung benutzen. Im Hinterlande von Oberguinea, also
auch im Innern Togos und im Norden von Kamerun, ist der Schinußbaum
(Butyrospormum
Parkii) der Lieferant der Schibutter
(s. Schibaum). Von Kamerun bis nach Angola liefern die
Samen des Njabibaumes (Mimusop djave, s. Njabi)
den Negern ebenfalls das Rohmaterial zur Speisefettbereitung. Auch in
Indien bereiten die Eingeborenen aus den Samen verwandter Bäume, Bassia
spec., die Mowrah- und die Illipe-Butter. Alle diese Samen sind zunächst
versuchsweise von der europäischen Industrie aufgenommen worden und
haben
namentlich in England und in Holland bereits einen festen Markt
gewonnen.
Wenn auch bekannt ist, daß diese F. von den Eingeborenen genossen
werden,
so bot ihre Verwendung in der europäischen Industrie einige
Schwierigkeiten,
da die Samen giftig wirkende Bestandteile enthalten. Es scheint aber
möglich
zu sein und wird durch die Verwendung bei den Eingeborenen bestätigt,
die F. ohne diese Anteile gewinnen zu können. Als Nachteil aber bleibt
bestehen, daß die Rückstände der ölgewinnung als Viehfutter so ohne
weiteres
nicht verwendet werden können. - Zu diesen neuerdings mehr oder weniger
eingeführten Ölfrüchten kommen noch eine ganze Reihe aus allen
tropischen
Gebieten der Erde hinzu, die ver suchsweise zur Deckung des steigenden
Bedarfes herangebracht werden. Ihre Zahl ist aber so groß und ihre
Verwendungsmöglichkeit
noch so unsicher, daß ihre Aufzählung hier zu weit führen würde. Die
Schwierigkeit
liegt bei weitem nicht immer in der technischen Ausnutzung, denn die
Chemie
und Technik der Öle sind heute so hoch entwickelt, daß die Gewinnung
brauchbarer
F. meist möglich sein wird. Weit schwieriger ist es aber, von den neu
angebotenen, wohl immer wild gesammelten Rohstoffen regelmäßig die
nötigen
Mengen, die nach Tonnen und nicht nach Kilogramm zu bemessen sind,
herbeizuschaffen.
Zur Seifenfabrikation werden die heute ihres Fettgehaltes wegen schon
vielfach benutzten Fettmuskatnüsse verwandt. Diese stammen von
verschiedenen
Myristicaceengattungen, die in Südasien, West- und Zentralafrika sowie
in Zentralamerika zuhause sind. Am wichtigsten ist wohl Virola
surinamensis.
Es ist dieses ein hoher Baum, der im Amazonasgebiet wie in Guiana
vorkommt
und auch in den Antillen bis Martinique gefunden wird. Die fast runden
Samen sind ziemlich klein und haben einen Durchmesser von nur 15 mm. Die
große Zahl derselben und der Umstand, daß der Baum in Beständen
auftritt,
erleichtert das Sammeln und macht ihn exportfähig. Während früher das
Fett an Ort und Stelle ausgepreßt wurde und dieses einen wichtigen
Handelsartikel
darstellte, werden die Samen in letzter Zeit schon viel in der dünnen
Samenschale expordiert und haben auch in Deutschland Eingang gefunden.
Neuerdings kommen auch die Samen des westafrikanischen Pycnenthus Kombo
herein.
Voigt.
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