Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 610

Feudalwesen bei Eingeborenen. F. ist eine staatliche Organisation, bei der der Inhaber der Hoheitsrechte (König, Sultan usw.) einzelne von ihnen wie Gerichtsbarkeit, bestimmte Steuern, Militärgewalt usw. als private Nutzungsrechte an Untertanen fortgibt. Diese Belehnung ist eine persönliche oder in der Familie des Lehnsmannes vererbbare. Lehnsleute des Fürsten können ihrerseits Lehn an ihre Untergebenen austeilen, doch ist die Möglichkeit der Belehnung ursprünglich wohl an den Stand der Freien oder die Zugehörigkeit zur herrschenden Klasse (Eroberervolk) geknüpft. Feudalstaaten bestehen im Sudan (s. Fulbe); auch Ruanda (s. Watussi) in Deutsch-Ostafrika u.a. gehören hierher.

Thilenius.