Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 610 f.

Feuer. Der Mensch konnte das F. durch F.brünste nach Blitzschlägen und durch die glühende Lava der Vulkane kennen lernen. Er mußte sich darauf des Nutzens des F. bewußt werden und versuchen, es zu erhalten, wozu ihm glimmende Baumstämme u.ä. dienen konnten. Noch heute verwenden die Naturvölker besondere Mühe auf die F.erhaltung; auf Wanderungen und Schiffsreisen wird glimmendes F. mitgeführt, und man entschließt sich zur Erzeugung erst, wenn es auf keine andere Weise, etwa durch Entlehnung , erhältlich ist. In der Zeit der F.erhaltung wurde wohl die Beobachtung gemacht, daß Pflanzenmark, trockene Pilze und andere zunderartige Pflanzenbestandteile besonders dazu geeignet waren. Für die folgende Phase der F. erzeugung bleibt es zweifelhaft, ob der Mensch mit Absicht glühenden Zunder herstellte oder bei technischen Verrichtungen dessen Entstehung bemerkte und dann verwertete. - Die Erzeugung des F., d.h. zunächst des Zunders, der allmählich ins Glühen gerät und dann durch Blasen zur Flamme angefacht werden muß, geschieht durch Reibung von Holz auf Holz: a) beim F. pflug (Ozeanien) wird ein trockner Stab in der eingeschnittenen Längsrinne eines fest auf dem Boden ruhenden zweiten Stabes ,durch einen knieenden Mann rasch und kräftig hin und her bewegt; das entstehende immer heißere Schleifpulver bildet den Zunder; b) der F.bohrer (Afrika, entwickeltere Form in Alteuropa, Indien, Ägypten, Amerika) entsteht, wenn in einer kleinen vorbereiteten Grube des liegenden "Bohrbrettes" ein senkrechter Stab rasch gequält wird; auch hier wird Zunder erzeugt; c) klemmt man in den Spalt eines trockenen Holzstückes trockenes Gras und führt ein messerartig zugeschärftes Holz oder einen Rotangstreifen senkrecht zu dem Spalt sägeartig hin und her, so entzündet das durch die F. säge gewonnene Schleifpulver das Gras (Australien, ähnlich malaiischer Archipel und zum Teil Neuguinea). - Die Erzeugung von Funken, die auf bereitgehaltenen Zunder fallen, durch Reibung bezweckt das Schlagfeuerzeug, das vielleicht aus der Bearbeitung von Steinen hervorging. Man benutzte Feuersteinmesser und Schwefelkiesknollen (europäische Steinzeit), später Eisen oder Stähle verschiedener Form und F.stein (Europa, Ostasien). Als Zunder diente von jeher Schwamm. Das Schlagzeug der Eskimo und einiger Afrikaner geht wohl auf europäischen Import zurück. Gleiches gilt von der F.pumpe Hinterindiens, die unserem pneumatischen F.zeug entspricht.

Literatur: K. Weule, Leitfaden der Völkerkunde. Lpz. 1912.

Thilenius.