Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band I, S. 613 f.

Fieber, Erhöhung der Körpertemperatur über die normale Höhe. Diese beträgt für den Erwachsenen 36,0 - 37,5 ° C (in der Achselhöhle gemessen). Man mißt die Körpertemperatur mit einem F.thermometer. In Gebrauch ist für die F.messung in Deutschland und den meisten übrigen Kulturstaaten das Thermometer von Celsius, in den angelsächsischen Ländern das von Fahrenheit. Die folgende Übersieht gestattet einen Vergleich dieser Skalen (C = Celsius, F = Fahrenheit):

C
 
F
36° =
96,8°
37° =
98,6°
38° =
100,4°
39° =
102,2°
40° =
104,0°
41° =
105,8°

Für praktische Zwecke ist es einfach sich zu merken, daß bei der Fahrenheitschen Skala, die dem Deutschen weniger vertraut, in Kolonialländern aber weit verbreitet ist, Zahlen über 100° Fieber bedeuten. Die Temperaturmessung kann vorgenommen werden in der Achselhöhle, dem Mund oder dem After. Bei Kindern bis zum Alter von etwa 10 Jahren ist die Aftermessung angezeigt, da die Achselhöhle zu klein ist zur Aufnahme des Thermometers. Man führt das mit reinem Vaseline bestrichene Thermometer vorsichtig in den After des Kindes ein, wobei das Kind entweder in Seitenlage liegt oder quer über dem Schoß des Messenden auf dem Bauche. Bei Messung im Munde soll das Thermometer unter dem Zungengrunde liegen. Für die Messung in der Achselhöhle ist diese zunächst vom Hemd ganz zu entblößen und, wenn sie feucht ist, trocken zu wischen. Das Thermometer (am besten Maximumthermometer) soll für jede Messung in der Achselhöhle mindestens 5 Minuten liegen bleiben (für die Messung in Mund und After genügen 3 Minuten), bevor es zum Ablesen herausgenommen wird. Nach der Messung ist das Thermometer sorgfältig zu. reinigen, ev. zu desinfizieren. Es ist wichtig zu wissen, daß die Aftermessung um etwa 0,50 C höhere Werte erzielt als die Achselhöhlenmessung. Auch die Mundmessung ist etwas höher als die in der Achselhöhle. Ferner ist praktisch belangreich, daß bei kleinen Kindern die Temperaturen etwas höher zu sein pflegen als bei Erwachsenen, so daß eine Temperatur von 37,90 C bei einem kleineren Kinde (im After gemessen) noch nicht krankhaft zu sein braucht. Darüber hinausgehende Werte sind allerdings auch bei ]deinen Kindern als nicht mehr normal anzusehen. Ferner ist zu beachten, daß abends die Temperatur gewöhn]ich um ca. 0,60 C höher zu sein pflegt als morgens, so daß eine Temperatur als Abendtemperatur noch normal sein kann, die man als Morgentemperatur bereits als nicht mehr normal ansehen müßte. Ein F. verläuft entweder in annähernd gleichmäßiger Höhe (kontinuierliches Fieber), oder regelmäßig schwankend oder unregelmäßig (s. Malaria). Bei den regelmäßig schwankenden F. ist zwischen remittierenden (Schwankungen ohne längere f.freie Pause) und intermittierenden (Schwankungen mit längerer f.freier Pause) zu unterscheiden. Die in den Tropen so häufigen Malaria - F. sind durch einen ganz bestimmten teils remittierenden, teils intermittierenden Verlauf gekennzeichnet. Die F.höhe schwankt im allgemeinen zwischen 37,5° und 41,5°. 36,° - 37,5° ist normal. 37,5 - 38° nennt man subfebrile Temperatur, 38,0 - 39,5° mäßiges Fieber, 39,5 - 40,5° hohes Fieber. Über 41,5° nennt man hyperpyretisch. Diese hyperpyretischen Temperaturen werden gelegentlich bei Malaria beobachtet, doch ist es bekannt, daß Laienangaben über hyperpyretische Temperaturen bei Malaria gern übertreiben. Unmittelbar vor dem Tode kommen hyperpyretische Temperaturen bei Malaria nicht selten zur Beobachtung. - Die Symptome des F. sind folgende: Die Haut fühlt sich heiß an. (Man fühlt die Hauttemperatur am besten mit der Streckseite der Finger an Körperstellen, welche mit Kleidung oder Bettdecke bedeckt sind [Brust, Bauch]). Die Atmung ist beschleunigt, desgleichen der Puls, erhöhte Körpertemperatur, erhöhter Durst, hochgestellter (konzentrierter, dunkler) Urin. - Subjektiv äußert sieh das F. folgendermaßen. Bei ansteigender Temperatur friert der Kranke. Hat das F. die Höhe erreicht, so hat' der Kranke das Gefühl der Hitze, häufig Kopfschmerzen, geht die Temperatur herunter, so schwitzt der Kranke und fühlt sich ruhig. Wenn die Temperatur schnell ansteigt, so kann das Frostgefühl sich zu einem Schüttelfrost steigern (Zittern des ganzen Körpers, besonders der Extremitäten, Zähneklappern). Bei sehr hohem F. kommt es oft zur Störung des Bewußtseins, Benommenheit oder zu Aufregungszuständen (Unruhe, Phantasieren, Delirien, Halluzinationen). - Die Ursache des F. ist gewöhnlich eine Infektionskrankheit (Malaria, Typhus, Mandelentzündung, Zellgewebsentzündung u.a.), bei der das F. als ein Symptom auftritt; F. als selbständige Krankheit gibt es nicht.

Werner.