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Filarien, fadenförmige, dünne Würmer, die besonders in den Tropen im Körper von Menschen und Tieren leben; ihre
Größe schwankt von Finger- bis Meterlänge, ihre Dicke von der eines
Pferdehaars
bis zu der einer Darmsaite. Eine Gruppe dieser Parasiten hat die
Eigentümlichkeit,
daß ihre mikroskopisch kleine Brut, "die Blutmikrofilarien" (s. Farbige
Tafel "Erreger der Tropenkrankheiten II" Abb. 7 - 8), in der
Blutbahn ihres Wirtes kreist. Zu dieser Gruppe gehören, soweit der
Mensch
in Betracht kommt, die F. banorofti, F. loa, F. perstans und F.
demarquayi;
da die Blutmikrofilarien bei F. bancrofti gewöhnlich vorzugsweise oder
sogar ausschließlich des Nachts im Blute erscheinen, die von F. loa aber
im Gegensatz dazu am Tage, spricht man auch von einer Mikrofilaria
nocturna
und diurna, während, wie schon der Name andeutet, die von Mikrofilarien
F. perstans - und ebenso auch von F. demarquayi - keinen von den
Tageszeiten
abhängigen "Turnus" innehalten. Über die Verbreitung dieser Parasiten
in den deutschen Kolonien ist folgendes zu bemerken: F. bancrofti,
die durch den Zusammenhang mit Elefantiasis praktisch wichtigste, kommt
in fast allen tropischen und subtropischen Tiefländern vor und ist auch
in unseren tropischen afrikanischen Kolonien, ebenso auf manchen der
deutschen
Südseeinseln heimisch; in Samoa ist der
Parasit ganz besonders stark verbreitet, doch hält die Mikrofüarie dort
keinen "Turnus" inne. F. loa, eine auf Westafrika beschränkte Art, ist
im südlichen Kamerun überaus häufig, fehlt dagegen in Togo.
- F. perstans ist in Kamerun, Togo und dem ostafrikanischen Seengebiet stellenweise sehr stark verbreitet;
abgesehen von Afrika kommt der Wurm noch in Britisch - Guyana vor,
während
F. demarquayi bisher überhaupt nur dort und im benachbarten Westindien
nachgewiesen ist. Alle Arten der Blutmikro - F. werden wahrscheinlich
durch die Vermittlung blutsaugender Insekten
verbreitet; sie werden mit dem Blute aufgesogen, entwickeln sich in den
Insekten weiter, um dann durch den Stich der letzteren wieder auf einen
anderen Menschen übertragen zu werden. Für die F. bancrofti sind dies,
wie zweifellos erwiesen ist, eine Reihe von Mückenarten; die Tafel 54
zeigt, in welcher Weise die Übertragung stattfindet. Für F. perstans und
F. demarquayi sind sehr wahrscheinlich ebenfalls Mücken die Überträger, während für F. loa in
jüngster
Zeit die Weiterentwicklung in bestimmten "Mangrove Fliegen"
(Chrysopsarten)
nachgewiesen ist. Die im Blute oft zu Millionen zirkulierenden
mikroskopisch
kleinen Mikro-F. werden im Agemeinen als harmlos betrachtet; die
erwachsenen
Würmer können jedoch zu
Eiteransammlungen
(tiefliegenden Muskelabszessen usw.) Veranlassung g eben und machen sich
speziell bei F. loa (s. Tafel 54) dadurch unangenehm
bemerkbar, daß -
sie unter der Haut herumwandern, wobei sie oft unter der Augenbindehaut
erscheinen; auch die sog. Calabarschwellungen
(Tropenschwellungen,
Kamerunschwellungen), die in plötzlich auftretenden und juckenden, aber
nach einigen Tagen wieder spurlos verschwindenden Hautschwellungen
bestehen,
werden mit den Loa - Würmern in Beziehung gebracht. Die wandernden
"Augenwürmer"
und die Tropenschwellungen sind bei Europäern, die in Kamerun
leben oder von dort zurückgekehrt sind, recht häufig, das Leiden ist
aber
im allgemeinen harmlos. Ernstere Störungen (auch von den oben erwähnten
Abszessen, die bei allen bisher erwähnten F. arten vorkommen können,
abgesehen)
verursacht dagegen die F. bancrofti, weil der erwachsene Wurm im
Gegensatz
zu den anderen F.arten nicht in dem Bindegewebe des Körpers, sondern in
dessen Lymphbahnen lebt und diese verstopfen kann; freilich bleibt auch
die überwiegende Mehrzahl der F. bancrofti - Träger zeitlebens ganz ohne
oder doch, ohne wesentliche
Krankheitserscheinungen. Es kann jedoch nach Verstopfung der Lymphbahnen
durch die Würmer zu Lymphdrüsenschwellungen, Entzündung der Lymphgefäße,
Platzen von Lymphgefäßen in die Blase (Haematochylurie, d.h. die
Entleerung
eines milchigen oder blutig - milchig getrübten Urins) und anderen
Krankheitssymptomen
kommen; von diesen seien plötzlich eintretende und meist bald wieder
verschwindende
(zuweilen aber auch ohne operativen Eingriff tödlich verlaufende)
schmerzhafte
Hodenanschwellungen, .die an eine Tripperinfektion der Hoden denken
lassen,
wegen ihrer verhältnismäßigen Häufigkeit besonders erwähnt. Von manchen
Autoren wird auch von einem "Filarienfieber", das übrigens nicht auf die
Bancrofti - Art beschränkt sein soll, berichtet, doch sind die Ansichten
darüber noch nicht völlig geklärt. Mit der F. bancrofti (nicht mit den
anderen F. arten) steht ferner die Elefantiasis (s. Tafel 54) in engem
Zusammenhang, d.h. eigenartige Hautverdickungen, besonders am Hodensack
und an den Beinen (aber auch an den Armen, der weiblichen Brust und
anderen
Körperstellen), welche solche Dimensionen annehmen können, daß sie die
Patienten auf das schwerste belästigen, ja praktisch bewegungsunfähig
machen können. Der Bancrofti - Wurm, ist an der Elefantiasis nämlich
dadurch
beteiligt, daß er durch Verschluß der Lymphbahnen deren Infektion mit
bestimmten Bakterienarten begünstigt, welche durch häufige, der
"Gesichtsrose"
ähnliche fieberhafte Entzündungen des Unterhautgewebes schließlich zu
dessen Verdickung führen. - Eingeborene erkranken in unseren deutschen
tropischen
Kolonien recht häufig an Elefantiasis und anderen Bancrofti -
Schädigungen,
jedoch werden Europäer eigentlich nur in dem besonders stark mit F.
bancrofti
verseuchten Samoa davon befallen. - Die Behandlung der Elefantiasis ist
hauptsächlich eine operative, doch sind in neuerer, Zeit auch
medikamentöse
Behandlungsmethoden (Fibrolysin Einspritzungen in das erkrankte Gewebe,
Verabreichung von Eisenpräparaten und Phenokoll innerlich)
vorgeschlagen,
über deren Wert zurzeit noch kein definitives Urteil abgegeben werden
kann. -Sonst können wir bei den besprochenen F.krankheiten nur die
jeweiligen
Beschwerden der Patienten durch entsprechende Behandlung mildern; unter
der Augenbindehaut erscheinende Loawürmer werden vom Arzte operativ entfernt.
- Um sich persönlich gegen F.infektion zu schützen, ist das Moskitonetz das wirksamste Mittel; gegen die
LoaInfektion, die durch die am Tage stechenden "Mangrove - Fliegen" erfolgt, wird es allerdings nichts helfen
können. Durch Mückenvernichtung, die sich jedoch nicht nur auf Anopheles
(s. Anophelesmoskiten), sondern auch auf die
anderen Arten erstrecken muß, wird F. bancrofti in größerem Maßstabe
bekämpft;
Europäer, die abseits der Eingeborenenhütten wohnen, sind bedeutend
weniger
gefährdet als solche, die zwischen ihnen leben. Außer den oben genannten
F.arten gibt es noch andere, bei denen die junge Brut bisher noch nicht
mit völliger Sicherheit im Blute gefunden ist und solche, bei denen die
Nachkommenschaft nachweislich nie in das Blut des Menschen gelangt,
sondern
nach außen entleert wird. d. Letzteres ist bei dem Guineawurm
(s.d.) der Fall, über den unter dem betreffenden Stichwort nachzulesen
ist, ersteres trifft für den als F. (resp. Onchocerca) volvulus
genannten
Parasiten zu. F. volvulus ist bisher nur aus Westafrika bekannt, dafür
aber in manchen Gegenden von Kamerun bei Eingeborenen recht häufig, und
auch in Togo kommt sie vor. Der Wurm erzeugt derbe, unempfindliche, etwa
haselbis walnußgroße oder auch größere Knoten. Diese bestehen dann aber
aus mehreren Einzelknoten unter der Haut; mit Vorliebe sitzen sie über
den seitlichen Abschnitten der Rippen, aber auch an anderen Plätzen, wo
die Knochen nahe unter der Haut gelegen sind. Es gibt aber in vielen
Tropengegenden
und auch in Westafrika, Ostafrika und in der Südsee ganz ähnlich aussehende und bei
Eingeborenen
oft vorkommende Hautknoten, die mit diesen Wurmknoten nichts zu tun haben (Tumor
juxtaarticularis).
Schneidet man die Wurmknoten an, so findet man darin mehrere Exemplare
der bis gegen 40 cm langen, zusammengeknäuelten Tiere. Eine Vereiterung
dieser Knoten wurde bis vor kurzem für eine seltene Ausnahme gehalten,
kommt aber anscheinend doch ziemlich häufig vor.
Literatur: In den Lehrbüchern der Tropenmedizin. Fülleborn.
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